Beispiele zur Kostümkunde - Die Trauertracht der Bregenzerwälderin

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Katalogzettel

Titel Beispiele zur Kostümkunde - Die Trauertracht der Bregenzerwälderin
Spieldauer
Urheber/innen und Mitwirkende Bönsch, Annemarie [Wiss. Verfasser/in]
BHWK [Produzent]
Österreichisches Bundesinstitut für den Wissenschaftlichen Film
Datum 1981 [Aufnahmedatum]
Ort Schwarzenberg [Aufnahmeort]
Schlagworte Wissenschaft und Forschung ; Gesellschaft ; Ethnologie ; Bekleidung und Mode ; Tod ; Frauen ; Wissenschaftlicher Film ; Publizierte und vervielfältigte Aufnahme
Örtliche Einordnung Vorarlberg
Österreich
20. Jahrhundert - 80er Jahre
Typ video
Format FIMR [Film, Magnet-Randspur]
FIVK [Film, Vorführ-Kopie]
DFFFV1 [FFV1-Codec im AVI-Container]
DFMPG [Dateiformat: MPG]
FI16 [Film, 16 mm]
VKADB [Videokassette, DigiBeta]
VKAUlb [Videokassette, Umatic, LB]
VKASVHS [Videokassette, S-VHS]
Sprache Deutsch
Signatur VX-01496, VX-02909_01_k01, F16-01105, VX-01495, V-11062 C 1726

Information

Inhalt

„Für Demonstrationszwecke legt eine 81jährige Frau aus Schwarzenberg im Bregenzerwald einer Dorfbewohnerin die Leidstucha und die Kreuzstucha, in ihrer Form aus dem Mittelalter stammende Kopfbedeckungen, um. Vorher werden Schnittform und Beschaffenheit der Kostüm-Einzelteile anhand von Realaufnahmen und schematischen Darstellungen erklärt. Ergänzend dazu wird der besonders wegen seiner Schnittform kostümkundlich interessante Leidmantel vorgestellt.“ (Zeitschrift Wissenschaftlicher Film Nr. 26; Jahr 1981; Seite 36)
Die Leidstucha und der Leidmantel werden in Schwarzenberg im Bregenzerwald bei Begräbnissen und an den Totengedenktagen von der nächsten weiblichen Verwandten des Verstorbenen getragen. Es handelt sich bei der Leidstucha um eine aus weißen Leinen bestehende Kopfbedeckung. Eine weitere Kopfbedeckung, die Kreuzstucha wird nur bei Begräbnissen und nur von der dem Trauzug vorangehenden Kreuzträgerin umgenommen. Die Kopfbedeckungen stellen Spuren von sehr wenig verfälschten urtrachtlichen Formen dar, die weit über den Bregrenzerwald hinaus kostümkundliche Rückschlüsse zulassen und erinnern an mittelalterliche Kopfbedeckungen. Beide Kopfbedeckungen werden nur mehr selten angelegt. Die Kreuzstucha besteht aus nur einem einzigen Stück Stoff, dass die Funktion von Sack und Tuch vereinigt. Im Vergleich dazu besteht die Leidstucha aus drei Einzelteilen: einem Sack, dem Tuch und einem Band, welches zur Befestigung dient. In der Trageweise unterscheidet sie sich dadurch, dass die Kreuzstucha außen über den Mantel gelegt wird. Bezüglich des Bandes der Leidstucha existiert die Annahme, dass es sich dabei um den "Rest" eines Trauerschleiers halten könnte. Während die übrigen Teile des Leidstucha und auch der Leidmantel ursprünglich nicht als als "Träger des kostümlichen Trauerausdrucks" galten, manifestiert sich im Band der Leidstucha der spezifische Trauerausdruck. Es existieren sowohl in sprachlichen Gebrauch als auch in der Literatur unterschiedliche Bezeichnungen für die verschiedenen Elemente der Kopfbedeckung. In der allgemeinen kostümgeschichtlichen Entwicklung Europas lässt sich bereits zu Ende der 13. Jahrhunderts eine Kirchgangstracht feststellen, die sich auch damals von der allgemeinen Mode unterschied. Ebenso trat auch bereits die Nonnenbekleidung als Sonderform hervor. Es lässt sich die Kirchgangstracht mit formalen Detailveränderungen bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts, die Zeit der spanischen Mode, verfolgen. Die Spanische Mode differenzierte kostümliche Ausdrucksmittel für Feierlichkeit und für Trauer. Der bereits erwähnte Leimantel wird in Schwarzenberg zu beiden Stuchformen getragen. Der Form nach ist der Leidmantel als Radmantel zu definieren, dem Bau nach als ponchoartiges Kostüm einzuordnen. Der Leidmantel gehörte ebenso zur allgemeinen Kirchgangstracht wie die Stuchenformen. (vgl. Zeitschrift Wissenschaftlicher Film Nr. 26; Jahr 1981; Seiten 36-48).