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KI-generiertes Transkript
Mittagsschornal.
Im Parlament begann heute Vormittag die Debatte über die gestern von Bundeskanzler und Finanzminister vorgelegten Berichte zur wirtschaftlichen Situation in Österreich.
Wir schalten dazu gleich nach den Nachrichten direkt ins Hohe Haus.
Und die Wirtschaftsberichte der Bundesregierung sind dann auch Hauptthema der Kommentare unserer heutigen Inlandspresse-Show.
Ferner bringen wir eine Analyse des Verbraucherpreisindexes für den Monat Mai, er ist soeben veröffentlicht worden, und wir berichten über eine Enquete des Unterrichtsministeriums zum heiß umstrittenen Thema Mengenlehre, ja oder nein.
Wir erwarten dazu ein Interview mit Unterrichtsminister Sinowaz.
Nun ins Ausland.
Libanon.
Die Situation verschärft sich dort von Stunde zu Stunde.
In Beirut ist die Lage verzweifelt.
Uns ist es gelungen, kurz telefonisch Verbindung mit unserem Mitarbeiter Erwin Behrens aufzunehmen.
Und aus Kairo berichten wir über die angestrengten Bemühungen der Arabischen Liga, einen Waffenstillstand im Libanon zustande zu bringen.
Spanien.
Das gestern von den Cortes beschlossene Parteiengesetz bringt doch nicht die gewünschte Bewegungsfreiheit für die demokratischen Parteien und Ost-Berlin noch immer Meinungsverschiedenheiten im kommunistischen Lager bei der letzten Runde der Vorgespräche über den KP-Gipfel.
Die Kulturredaktion bringt unter anderem eine Vorschau auf die heutige Festwochenpremiere der Wiener Volksoper.
Aufgeführt wird Albert Hering von Benjamin Britten.
Soviel zum Programm, dass wir mit Weltnachrichten beginnen.
Verantwortlicher Chef vom Dienst, Raimund Heller, Sprecher Günter Bahr.
Österreich.
Die heutige Plenarsitzung des Nationalrates, die um 9 Uhr mit einer Fragestunde begonnen hat, ist der Debatte über die gestrigen Wirtschaftsberichte von Bundeskanzler Kreisky und Finanzminister Androsch gewidmet.
Als erster Redner kritisierte ÜVP-Obmann Taus scharf die jüngsten Maßnahmen der Regierung auf dem Gebiet der Zinsenpolitik und bezeichnete die getroffenen Maßnahmen als noch nie dagewesene Belastungswelle für die Bevölkerung.
SPÖ-Clubobmann Fischer erwiderte, die ÖVP habe mit ihrer Katastrophenpropaganda auf wirtschaftspolitischem Gebiet noch nie Recht behalten und biete außerdem keine Alternativen an.
Der freiheitliche Parteiobmann Peter vermisste in den Wirtschaftsberichten der Bundesregierung eine deutliche Erwähnung des Stabilitäts- und Spargedankens.
Der Verbraucherpreisindex hat sich im Mai gegenüber dem gleichen Monat des vergangenen Jahres um 7,4 Prozent erhöht.
Er liegt damit um ein Zehntelprozent unter dem Index vom April dieses Jahres.
Der Rückgang ist nach einem Bericht des Statistischen Zentralamtes hauptsächlich auf die günstigen Preise verschiedener Obstsorten, auf die Butteraktion und auf die saisonbedingt rückläufigen Preise fester Brennstoffe zurückzuführen.
Niederlande.
Zur Bekämpfung der Inflation will die Regierung im Haag die Staatsausgaben innerhalb der nächsten vier Jahre um 8,8 Milliarden Gulden, umgerechnet rund 60 Milliarden Schilling verringern.
Der größte Teil der Einsparungen soll im sozialen Bereich vorgenommen werden.
Frankreich.
Die Nationalversammlung in Paris setzt heute Nachmittag ihre Debatte über das neue Gesetz zur Einführung der Mehrwertsteuer fort.
Die Beratungen sind bereits mehrmals zum letzten Mal in der vergangenen Nacht auf Antrag der Golistern und der unabhängigen Republikaner unterbrochen und vertagt worden.
Ägypten.
Durch ein groß angelegtes Währungsreformprogramm versucht derzeit die Regierung in Kairo das Zahlungsbilanzdefizit von umgerechnet 34 Milliarden Schilling auf circa 19 Milliarden Schilling zu verringern.
Wichtigster Punkt des Programms ist die Einführung eines neuen Wechselkurssystems, durch das die an den internationalen Devisenbörsen fast wertlose Landeswährung, das Ägyptische Pfund, wieder aufgewertet werden soll.
Flankierende Maßnahmen sollen außerdem dafür sorgen, ausländische Investitionen in Ägypten zu erreichen.
Der Rat der Arabischen Liga hat gestern in einer Sondersitzung in Kairo beschlossen, eine pan-arabische Friedensstreitmacht in den Libanon zu entsenden.
Diese Truppe soll die syrischen Einheiten im Libanon ersetzen.
Die Bürgerkriegsparteien im Libanon werden von der Arabischen Liga aufgefordert, sofort einen Waffenstillstand zu schließen.
Den Palästinenser-Bewegungen garantiert die Liga einen Schutz gegen alle Gefahren.
Im Libanon selbst wurden die Kämpfe zwischen den syrischen Interventionstruppen auf der einen und Palästinenser-Verbänden sowie linksgerichteten Milizen auf der anderen Seite auch gestern fortgesetzt.
Allein in Beirut und in der südlibanesischen Stadt Sidon wurden etwa 200 Menschen getötet und 350 verwundet.
Österreich.
Etwa 20 arabische Studenten haben heute Vormittag das Büro des syrischen Kulturattachés in Wien besetzt, um damit gegen den Einmarsch syrischer Truppen im Libanon zu protestieren.
Es kam bisher zu keinen Zwischenfällen.
Ähnliche Aktionen hatten arabische Studenten bereits in den syrischen diplomatischen Missionen anderer westeuropäischer Staaten oder Länder des Nahen Ostens durchgeführt.
Spanien.
Das Ständeparlament in Madrid hat gestern Abend den Gesetzentwurf über Änderung der Artikel abgelehnt, die sich im Strafgesetzbuch auf politische Delikte beziehen.
Damit hat die Regierung unter Ministerpräsident Arias Navarro bei ihren Bemühungen um die Liberalisierung eine erste Niederlage hinnehmen müssen.
Noch gestern Mittag hatte das Parlament einen anderen wichtigen Reformplan, das Gesetz über das Recht auf politische Vereinigung, gebilligt.
Damit wird das seit 37 Jahren bestehende Parteienverbot aufgehoben.
Illegal bleiben allerdings die kommunistische Partei, anarchistische Gruppen und separatistische Bewegungen.
Deutsche Demokratische Republik.
Vertreter ost- und westeuropäischer kommunistischer Parteien setzen heute in Ostberlin ihre Vorbereitungsgespräche für die geplante gesamteuropäische Konferenz fort.
Diese Tagung ist seit einem Jahr immer wieder verschoben worden, weil sich die 28 beteiligten Parteien weder über die Form noch über den Inhalt des Dokumentes einigen konnten, dass der Hauptkonferenz vorgelegt werden soll.
Während die kommunistischen Parteien Italiens, Rumäniens und Jugoslawiens bei der Tagung ihre Selbstständigkeit betonen wollen, streben die meisten Länder des Ostblocks eine zentrale Führung des internationalen Kommunismus durch die Sowjetunion an.
Bundesrepublik Deutschland.
Der polnische Parteichef Gierek führt heute am dritten Tag seines Besuches in der Bundesrepublik in Düsseldorf Gespräche mit Vertretern der deutschen Wirtschaft und der Gewerkschaften.
Gestern ist Gierek mit Bundespräsident Scheel, Bundeskanzler Schmidt, Außenminister Genscher und SPD-Vorsitzenden Brandt zusammengetroffen.
Im Mittelpunkt der Verhandlungen standen Wirtschaftsprobleme und eine Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen.
Morgen sollen zwei Abkommen unterzeichnet werden.
Eines über Intensivierung des Handels und eines über den Kulturaustausch.
Israel
Ministerpräsident Rabin hat in der vergangenen Nacht erneut die Bereitschaft der Regierung in Jerusalem zum Ausdruck gebracht, bedeutende territoriale Konzessionen zu machen, wenn dies den Frieden im Nahen Osten bringe.
Rabin erklärte vor den Delegierten des Kongresses der Mapam-Partei in Tel Aviv, Israel sei bereit, diese Konzessionen in Westjordanien, auf dem Golan und im Sinai zu machen, erwarte aber als Gegenleistung den Frieden.
Die mit Beifall aufgenommene Rede Rabins war offensichtlich dazu bestimmt, die aus Linkssozialistern und Zionistern bestehende Mapam-Partei von der Notwendigkeit des Verbleibens in der Regierungskoalition zu überzeugen.
Die Führer der Mapam-Partei treten für einen Rückzug Israels aus fast allen besetzten Gebieten ein.
Chile.
Bei der Konferenz der UAS, der Organisation amerikanischer Staaten, in Santiago hat der amerikanische Außenminister Kissinger die Schaffung einer interamerikanischen Kommission für die wirtschaftliche Zusammenarbeit vorgeschlagen.
Aufgabe der Kommission soll es nach Angaben Kissingers sein, sowohl den Handel unter den amerikanischen Staaten als auch die Handelsbeziehungen zu Japan und Europa auszubauen.
Der amerikanische Außenminister hat sich auch für die Notwendigkeit eines verstärkten technologischen Erfahrungsaustausches ausgesprochen.
Er schlug ferner, wie schon bei der Welthandelskonferenz in Nairobi, die Gründung einer internationalen Rohstoffbank vor.
Belgien.
Die Europäische Kommission in Brüssel hat über den pharmazeutischen Konzern Hoffmann-Laroche wegen Verstoßes gegen die Kartellgesetze eine Geldstrafe von umgerechnet fast sechs Millionen Schilling verhängt.
Die Maßnahme wird damit begründet, die Schweizer Firma habe ihre marktbeherrschende Lage auf dem Gebiet der Vitaminherstellung in den Ländern der europäischen Gemeinschaft missbraucht und durch die Gewährung von treue Rabatten für Stammkunden den freien Wettbewerb gestört.
Irland.
Ein Gericht in Dublin hat gestern ein junges Ehepaar wegen der Ermordung eines Polizeibeamten zum Tod verurteilt.
Die beiden 25 und 27 Jahre alten Angeklagten wurden schuldig gesprochen, den Polizisten nach einem Banküberfall erschossen zu haben.
Die Vollstreckung der Todesstrafe wäre die erste Hinrichtung in der Republik Irland seit mehr als 20 Jahren.
Frankreich.
Die Regierung in Paris hat eine Sonderkommission eingesetzt, die neuen Methoden bei der Verbrechensbekämpfung ausarbeiten soll.
Frankreich wird zurzeit von einer Welle der Kriminalität erschüttert.
Während 1963 rund 582.000 Verbrechen registriert wurden, waren es 1974 bereits dreimal so viel, nämlich 1,8 Millionen.
Anlass zur Sorge gibt den Sicherheitsbehörden vor allem die Tatsache, dass die Verbrecher heute in allen Bevölkerungsschichten zu finden sind und dass sie jünger und weitaus gefährlicher sind als noch vor einem Jahr.
Der Sonderkommission gehören Rechtsanwälte, Richter, Psychiater und Sozialwissenschaftler an.
Chef der Kommission ist der ehemalige Erziehungsminister und bekannte Anthropologe Alain Perfit.
USA.
Amerikanische Wissenschaftler haben gegenüber der Regierung in Washington bestätigt, dass sich Chloroform bei Versuchen an Tieren als Krebserreger erwiesen hat.
Pharmazeutische Unternehmen in den Vereinigten Staaten werden nach dieser Erkenntnis kein Chloroform mehr in Zahnpasteln und anderen Hygieneartikeln verwenden dürfen.
Das waren die Meldungen.
Das Wetter?
Im größten Teil Europas überwiegt weiterhin der Hochdruckeinfluss.
Eine Gewitterfront, die vor Arlberg und Tirol erreicht hat, beeinträchtigt nur vorübergehend das sonst herrschende Schönwetter.
Die Wetteraussichten bis morgen früh?
Im Osten wolkenlos oder gering bewölkt.
Sonst wechselnd wolkig, gebietsweise auch stärkere Quellbewölkung mit lokalen Gewittern.
Winde aus wechselnden Richtungen.
Nachmittagstemperaturen 22 bis 27 Grad, Tiefsttemperaturen der kommenden Nacht 6 bis 12 Grad.
Die Wetteraussichten für morgen.
In der ersten Tageshälfte gebietsweise Gewitterreste, nach ihrer Auflösung allgemein heiter bis wolkig, etwas kühler.
Winde aus West bis Nordwest.
Tageshöchsttemperaturen 19 bis 25 Grad.
Das Wetter um 12 Uhr.
Wien, Heiter 20 Grad, Nordwestwind 5 Kilometer in der Stunde.
Eisenstadt wolkenlos 20 Grad, Nordwest 10.
Linz, Heiter 21 Grad, Südwest 3.
Salzburg, Heiter 25 Grad, Nordwest 20.
Innsbruck stark bewölkt, 22° Windstille.
Bregenz bedeckt, 20° Ost-Drei.
Graz heiter, 20° Windstille.
Und Klagenfurt wolkig, 24° Windstille.
Soweit der Wetterbericht und Weltnachrichten.
Eine erste Zeitansage im Journal zwei Minuten vor viertel eins ist es jetzt.
Die heutige Plenarsitzung des Nationalrates, die um 9 Uhr mit einer Fragestunde begonnen hat, ist der Debatte über die gestrigen Wirtschaftsberichte von Bundeskanzler Kreisky und Finanzminister Androsch gewidmet.
Die Bundesregierung hatte sich gestern auf wirtschaftspolitischem Gebiet zu einer Politik des maßvollen Optimismus bekannt.
Die Berichte gingen dabei vor allem auf die nach Ansicht der Regierung relativ positive Entwicklung der heimischen Wirtschaft während der längsten Rezession der Nachkriegszeit ein und prognostizierten für das heurige Jahr ein Wirtschaftswachstum in der Größenordnung von 2,5 Prozent bei einer Inflationsrate von 7,5 Prozent.
Über den bisherigen Verlauf der Debatte im Nationalrat berichtet nun direkt aus dem Parlament Hans Langsteiner.
Der zweite Teil der sommerlichen kleinen Budgetdebatte steht naturgemäß eher im Zeichen der Opposition, die heute Gelegenheit hat, die regierungsoffizielle Zeichnung der heimischen Wirtschaftslage aus ihrer Sicht zu zerzausen.
Die Argumente der ÖVP waren dabei schon im groben Umriss bekannt.
Sowohl zur Zinsdiskussion als auch zur Budgetpolitik hatte Oppositionschef Taus die Haltung seiner Partei in den letzten Tagen bereits mehrmals präzisiert.
Die heutige Rede des ÖVP-Obmannes, mit der die Debatte eröffnet wurde, fasste diese Argumente noch einmal zusammen.
Unter dem Motto, alles gerettet, hätten, so Taus, die Wirtschaftsberichte der Regierung wenig Neues und viel Eigenlob gebracht.
Taus über die Berichte.
Sie können nicht verdecken, dass erstens die Finanzpolitik der Regierung zu einer tiefen Budgetkrise geführt hat,
Zweitens, die Finanzpolitik der Regierung konzeptlos ist und von der Hand in den Mund lebt.
Und drittens, die Finanzpolitik der Regierung unsozial ist, weil die Versuche, die Budgetlöcher zu stopfen, zwangsläufig die Masse der Bevölkerung treffen müssen.
Und viertens, diese fehlerhafte Finanzpolitik der Regierung wird einfach Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich haben.
der Regierungsslogan von der Sicherung der Vollbeschäftigung sei eine Irreführung der Öffentlichkeit, da bereits zu Zeiten der Hochkonjunktur falsche Budgetpolitik betrieben worden sei, die jetzt mit einem, so tauswörtlich, noch nie dagewesenen Griff in die Taschen der Staatsbürger bezahlt werden müsse.
Durch insgesamt vier Belastungswellen mit einem Gesamtvolumen von 20 Milliarden Schilling würden alle Steuersenkungen kompensiert werden, setzte Tausfahrt, um dann noch einmal das ÖVP-Nein zu Einschränkungen beim Bau und beim Prämiensparen zu deponieren.
Die Senkung des Eckzinsfußes für Sparer sei unsozial und unseriös.
Wieder auf die Wirtschaftslage zurückkommend sprach der ÖVP-Chef dem Fremdenverkehr und der Landwirtschaft das Hauptverdienst an der Rezessionsbewältigung zu.
Dies sei in den Berichten ebenso wenig zum Ausdruck gekommen wie der Anteil der Arbeiter österreichischen Bevölkerung an der Europareife der heimischen Wirtschaft.
Zuletzt fasste Tausz zusammen,
Worum es in diesen Berichten geht, ist ein gewaltiges Ablenkungsmanöver.
Ist ein Ablenkungsmanöver, das von der tiefen Budgetkrise, in der diese Regierung hineingeraten ist, einfach wegführen soll.
Und ich glaube, noch so viel Eigenlob kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass für die Österreicher nun die Zahljahre angeboten sind.
Und sie werden einfach zur Kasse gebeten werden.
Und sie werden zur Kasse gebeten.
Und meine sehr geehrten Damen und Herren, eines gilt eben.
Sozialismus ist für jeden eine sehr, sehr teure Angelegenheit.
Die ÖVP-Kritik an der angeblichen Unaktualität der Regierungsberichte sei schon deshalb zurückzuweisen, weil die Taus-Rede nicht Neues enthalten habe.
Fischer zu seinem Vorredner?
Wenn Sie sagen, diese Regierung mache eine extrem unsoziale Budgetpolitik und Politik überhaupt,
Wenn es, meine Damen und Herren, unsozial ist, die Vollbeschäftigung zu sichern, wenn es unsozial ist, die Reallöhne zu erhöhen, meine Damen und Herren, wenn es unsozial ist, die Sozialausgaben seit 1970 mehr und überproportional zu verdoppeln, dann bekennen wir uns zu einer solchen unsozialen Politik und haben Sie den Mut, sich von dieser Politik zu distanzieren, meine Damen und Herren.
Zwar habe sich Österreich aus der weltweiten Wirtschaftsrezession nicht ganz heraushalten, aber international doch gut behaupten können, unterstützte Fischer die Regierungspolitik ferner.
Die ÖVP habe schon früher mit ihrer politisch motivierten Katastrophenpropaganda nicht recht behalten und werde dies auch diesmal nicht tun.
Fischer fand dafür folgenden Vergleich.
Wie kommt es so vor, wie ein Sportsjournalist, der bei jedem Autorennen sagt, heute wird der Niki Lauda aus der Kurve fliegen.
Und der gewinnt wieder das Rennen.
Und nächstes Mal sagt er, aber diesmal wird er bestimmt einen Defekt haben.
Und der gewinnt wieder das Rennen.
Und nach vier falschen Prognosen sagt er wieder, der wird bestimmt heute einen Unfall haben.
Und wenn dann allenfalls einmal der Niki Lauda nur Zweiter würde, würde der sagen, na hab ich's nicht immer gesagt, hab ich's nicht immer prognostiziert, meine Damen und Herren.
Zwischenrufe provozierte Fischer dann, als er erneut auf die Rede von ÖVP-Obmann Taus beim CDU-Parteitag in Hannover zu sprechen kam.
Unter Zitierung des Redeausschnittes, wonach das demokratische Bekenntnis sozialistischer Parteien nur Taktik sei, sagte Fischer, die ÖVP habe kein Recht, der SPÖ das Bekenntnis zur Demokratie zu bestreiten.
Der Obmann der kleinen Oppositionspartei, PETA, meldete ebenfalls Bedenken an den Wirtschaftsberichten der Regierung an.
Ich glaube, es war eine Fehlanlage der beiden Berichte gestern dahingehend, dass der Herr Bundeskanzler und der Finanzminister so vorgegangen sind, als hätten wir die Folgen der Rezession in Österreich bereits bewältigt, als wären wir über den Berg und als hätten wir es bereits geschafft.
Ich glaube, das war Zweckoptimismus, der aus den beiden Berichten zu entnehmen war.
Denn, meine Damen und Herren, wir Freiheitlichen sind der Meinung, dass wir schwierige Aufgaben nicht hinter uns haben, sondern dass sehr schwierige Aufgaben auf dem Gebiet der Wirtschaft und der Einschluss, der Sicherung der Arbeitsplätze noch vor uns liegen und dass wir diese Aufgabe erst
zu bewältigen haben werden.
Der Stabilisierung und vor allem der Sparsamkeit sei in den Berichten zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden, meinte Peter Ferner, wobei er insbesondere die Politik des Finanzministers kritisierte.
Peter urgierte eine Vorsorge für wirtschaftliche Notfälle und bekräftigte, dass auch für seine Partei die Erhaltung der Vollbeschäftigung ein ernstes Anliegen sei.
Derzeit ist gerade der Obmann des österreichischen Arbeiter- und Angestelltenbundes MOK am Wort.
Wir beenden unseren Bericht aus dem Parlament und geben zurück zum Studio des Mittagsschonals.
Danke Hans Langstein und über den weiteren Verlauf der Debatte im Nationalrat berichten wir dann ja wieder ausführlich im Abendjournal.
Die Wirtschaftsberichte der Bundesregierung sind heute aber auch Hauptthema der Leitartikel und Kommentare in den österreichischen Tageszeitungen.
Auszüge hat Leopold Esterle zusammengestellt.
Im zentralen Organ der Regierungspartei Arbeiterzeitung nennt Hans Diebold seinen heutigen Kommentar mehr als ein Bericht.
Hier liest man.
Der von Bundeskanzler Kreisky und Finanzminister Androsch vorgelegte Wirtschaftsbericht ist die in Zahlen gegossene Selbstbehauptung Österreichs während der schwersten Rezession der Nachkriegszeit.
Durch eine kluge Wirtschaftspolitik konnten die Auswirkungen der internationalen Wirtschaftskrise auf Österreich deutlich abgeschwächt werden.
Es gelang nicht nur die Vollbeschäftigung zu erhalten, sondern auch in der Bekämpfung der Inflation einen Spitzenplatz unter den Industrienationen zu behaupten.
Nach dieser Einleitung übt Hans Diebold heftige Kritik an der großen Oppositionspartei.
Zur Haltung der ÖVP meint Diebold.
Teils nörgelnd, teils aggressiv, umgeben vom Modergeruch überkommener konservativer Geldanschauung agitierte sie am Volk vorbei.
In dieser Hinsicht bleibt sich die ÖVP auch heute treu.
Dass Arbeitslosigkeit für Österreich zu teuer ist, haben einflussreiche Kreise in der VP bis heute nicht angesehen.
Soweit Hans Diebold im sozialistischen Zentralorgan Arbeiterzeitung.
Eine gegenteilige Meinung vertritt Eduard Peters in der Tiroler Tageszeitung.
Er schreibt.
Die Wirtschaftsberichte von Bundeskanzler Kreisky und Finanzminister Androsch stellten, wie nicht anders zu erwarten war, der eigenen Regierung ein glänzendes Zeugnis aus.
Sie rettete Österreich, ohne auch nur den geringsten Fehler zu begehen, vor dem Sumpf der weltweiten Rezession und zwar in einer Weise, die für fast alle anderen Industriestaaten beispielgebend war.
Keine Rede von dem gigantischen Schuldenberg, mit dem die Fehler der Vergangenheit mühsam kaschiert wurden
und der jetzt von allen Österreichern jahrelang bitter abgetragen werden muss, kein Wort von der drohenden Budgetkatastrophe, keine Erwähnung, dass es einem Angst und Bange werden könnte, wenn dem gegenwärtigen Wirtschaftsaufschwung bald wieder die Luft ausgehen sollte und wir ohne die geringsten Reserven dastehen.
Nun, wer so eifrig damit beschäftigt ist, den Geruch des uneingeschränkten Eigenlobs zu verbreiten, kann mit der ganzen Wahrheit nichts anfangen.
Soweit Eduard Peters in der Tiroler Tageszeitung.
Zwei Gesichter nennt Ronald Barazon seinen Kommentar in den Salzburger Nachrichten.
Er meint einleitend, dass die Arbeitslosigkeit in der Rezessionsphase des vergangenen Jahres gering gewesen und heuer rasch zurückgegangen sei.
Die Schrumpfung des Bruttonationalprodukts sei in Österreich geringer ausgefallen als in den anderen Staaten.
Und nicht zuletzt haben der Bundeskanzler und der Finanzminister mit Stolz hervorgehoben, dass die Inflationsrate kleiner ausgefallen ist als in den meisten Ländern.
Die Daten stimmen.
Österreich ist ohne Zweifel in einer wirtschaftlich hervorragenden Lage und man kann ohne weiteres anerkennen, dass die Regierung zu diesem Erfolg einen wichtigen Beitrag geleistet hat.
Nur wäre es verfehlt, wenn man dem Kabinett den gesamten Lohn für den erzielten Erfolg zugestehen wollte.
Sicher haben die konjunkturbelebenden Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Erreichung dieses Ziels geleistet.
Wesentlich aber war, dass die österreichischen Unternehmungen im privaten wie im verstaatlichen oder im halbverstaatlichen Bereich Kündigungen nur vorgenommen haben, soweit dies unumgänglich war.
Die Regierung hält sich zugute, dass sie hohe Staatsschulden eingegangen ist, um die Arbeitsplätze zu sichern.
Nur wurde die Investitionstätigkeit um einige Milliarden ausgeweitet.
Die Schulden stiegen hingegen um zig Milliarden an.
Hier wird deutlich, dass man sich das Geld nicht nur für die Arbeitsplatzsicherung, sondern zu einem wesentlichen Teil für die Deckung der laufenden Ausgaben ausgeborgt hat.
Und abschließend, meint Parazon in den Salzburger Nachrichten,
Man muss der Regierung attestieren, dass sie von sich aus eine Reihe von Anstrengungen unternommen hat, um die Wirtschaft zu beleben.
Doch ist die Feststellung, dass ihr das alleinige Verdienst für den österreichischen Erfolg gebührt, wohl als Propaganda zurückzuweisen.
Mit diesem Zitat aus den Salzburger Nachrichten schloss die Inlandspresse-Show, heute zusammengestellt von Leopold Esterle.
Wenige Minuten vor 12 Uhr, also vor Beginn unserer Sendung, hat das österreichische Statistische Zentralamt den Verbraucherpreisindex für den Monat Mai bekannt gegeben.
Die Steigerung der Verbraucherpreise im Jahresvergleich zu Mai 1975 betrug 7,6 Prozent.
Gegenüber dem Vormonat allerdings ist der Verbraucherpreisindex gesunken und zwar um 0,1 Prozent.
Hans Adler analysiert nun die soeben bekannt gegebenen Zahlen.
Für die Statistiker ist dieser Preisindex eine kleine Sensation.
Soweit sich die Beamten des österreichischen Statistischen Zentralamtes zurückerinnern können,
hat es das noch nie gegeben, eine Senkung des Verbraucherpreisindex im Monatsvergleich.
Diese unerhörte Tatsache hat das Statistische Zentralamt sogar dazu bewogen, ein eigenes Communiqué zur Erklärung herauszugeben, in dem es heißt, der Indexrückgang beruhe auf einer starken Preissenkung bei den Saisonprodukten von 5,4% im Monatsvergleich auf die Abutteraktion, die den Butterpreis ebenfalls im Monatsvergleich
um 7,6% sinken ließ und auf den durch das schöne Wetter geschwundenen Preisen für Briketts und Koks, also für feste Brennstoffe.
Somit ist der Verbraucherpreisindex mit einer Steigerungsrate im Jahresvergleich von 7,4% zwar niedriger als erwartet,
Er bedeutet aber eine gewisse Hypothek für die nächsten Monate, in denen mit so erfreulichen Preisentwicklungen wie bei Saisonprodukten Butter und Brennstoff nicht mehr zu rechnen ist.
Außerdem lässt die Entwicklung des Großhandelspreisindex, der gestern bekannt gegeben wurde, ebenfalls einen gewissen Druck der Preise nach oben befürchten.
In dem Großhandelspreisindex heißt es nämlich, es seien Preissteigerungen bei Rohstoffen zu verzeichnen.
Natürlich wirken sich die Rohstoffpreise nicht voll auf die Endprodukte, die der Verbraucher kauft, aus, denn sie werden ja zum größten Teil verarbeitet, ehe sie der Konsument bekommt.
Aber damit, dass sie sich auswirken, ist sicherlich zu rechnen, wenn auch mit einer Verzögerung von drei bis vier Monaten.
Im Einzelnen müssen die Konsumenten die stärksten Verteuerungen nach wie vor bei den Posten Wohnung, Körper- und Gesundheitspflege und Fahrpreise für Verkehrsmittel in Kauf nehmen.
Außerdem weist der Verbraucherpreisindex die Steigerung der Haftpflichtversicherungen, und zwar der Teilkaskoversicherung, mit 8,8% aus.
Auch der Gemüsekorb, in dem diesmal Spinat, Kohl, Weißkraut, Karotten, Salat, Zwiebel und Sellerie enthalten sind, ist um 4,6% teurer geworden.
Der stärkste Minusposten ist natürlich der Obstkorb.
Er enthält im Monat Mai, bekanntlich wird die Anzahl der Obstsorten je nach Saison ausgetauscht, Äpfel, Birnen, Orangen, Bananen und Zitronen.
Preisrückgang dieser Obstsorten 17,5% in einem Monat.
Die Butteraktion hat sich mit einer Senkungsrate von 7,6% auf den Butterpreis ausgewirkt.
Insgesamt ist der Verbraucherpreisindex also das Ergebnis der verspäteten Frühjahrspreisentwicklung bei Gemüse und einer längeren Schönwetterperiode im Mai.
Er kann eine günstige Ausgangsposition für die Inflationsbekämpfung sein, falls jetzt verschiedene Befürchtungen eintreffen sollten, dass nämlich die beginnende Konjunktur einen Antrieb der Inflation mit sich bringen und dass der Fremdenverkehr im Sommer negative Auswirkungen auf die Preise haben könnte.
Abzuwarten ist auf der anderen Seite, ob die Senkung der Kreditzinsen mit 1.
Juli einen fühlbaren, günstigen Einfluss auf das Preisniveau haben wird.
Den Verbraucherpreisindex für Mai analysierte Hans Adler.
Zwei Minuten vor halb eins ist es jetzt.
Wir kommen zu unserer Auslandsberichterstattung im Mittagsschanal.
Panikstimmung im Libanon.
Die Militärintervention der Syrer vor mehr als einer Woche hat nicht das gebracht, was man sich doch vielleicht erhofft hat.
Eine Beruhigung der Lage, eine Konsolidierung der Situation.
Nach dem Schock der ersten Tage sind die Kämpfe wieder mit aller Brutalität und Heftigkeit aufgeflammt.
Mit dem einen Unterschied, dass nun nicht mehr in erster Linie Moslems gegen Christen kämpfen, sondern Moslems gegen Moslems, Palästinenser gegen Palästinenser, Araber gegen Araber.
Und am ärgsten scheint momentan wieder Beirut von diesem Kampfgeschehen betroffen zu sein.
Denn zu den Straßenkämpfen in der Stadt selbst kommen nun auch die Bombardements durch syrische Flugzeuge.
Und alle bisherigen Appelle der Arabischen Liga zur Einstellung der Kämpfe sind wirkungslos geblieben.
In Beirut kämpft man zur Stunde ums Überleben.
Und es ist purer Zufall, wenn es gelingt, telefonisch in die libanesische Hauptstadt durchzukommen.
Heute Vormittag ist es uns nach tagelangen Versuchen gelungen, wieder kurz Verbindung mit unserem Mitarbeiter Erwin Behrens aufzunehmen.
Hier sein Bericht aus Beirut.
Vielleicht ist das, was jetzt im Lebanon passiert, der Anfang vom Ende.
Wir saßen letzte Nacht im Keller unseres Hauses und hörten von Radio Cairo die Nachricht über den von der Arabischen Liga beschlossenen Waffenstillstand für die Moslemgebiete.
Aber ringsherum explodierten die Granaten.
Als es dämmerte, wurde es dann ruhiger.
Wer dabei war, wird die letzten vier Tage in Beirut nicht vergessen.
Vom Norden bombardierten die christlichen Milizen die Moslemquartiere.
Vom Osten und dem Süden marschierten syrische Truppen vor.
Und innerhalb dieser belagerten Stadt lieferten sich die Palästinenser untereinander blutige Gefechte.
Manche Berichte sprechen von mehr als tausend Toten und Verwundeten seit Montag, viele davon Frauen und Kinder, weil pro-syrische palästinensische Kommandos von der Saika und antisyrische palästinensische Verdachtgruppen den Kampf gegen die Christen vergaßen und nun ihren eigenen Bruderkrieg führten.
Beide Seiten brachten innerhalb der Moslem-Viertel Raketen, Panzer und Granatwerfer zum Einsatz.
Sie feuerten meist wahllos irgendwo hin.
Die Menschen saßen in den Kellern und warteten.
Im Notlazarett der Arabischen Universität liegen heute 100 oder mehr Verwundete.
Die Zustände dort sind auch für einen Reporter, der vieles gesehen hat, unbeschreiblich.
Das Lazarett wurde von Raketen der christlichen Phalangisten und von Bomben der palästinensischen Saika getroffen.
In einer Nacht schlugen unmittelbar neben meinem Haus vier russische Katyusha-Raketen ein.
Ein Mann wurde getötet, ein anderer verwundet.
Woanders lagen die Toten und Verwundeten stundenlang auf den Straßen und niemand konnte die Toten bergen oder den Verwundeten helfen, weil es zu gefährlich war.
Manchmal kamen Flüchtlinge aus dem jeweiligen Kampfgebiet.
Ich sah eine Familie mit drei Kindern und jedes Kind war verwundet und trug einen Notverband.
Die Leute zogen bei uns nebenan ein und wurden fünf Stunden später erneut ausgebombt.
Wir haben Kämpfe von unbeschreiblicher Brutalität erlebt.
Die Zivilbevölkerung hat schwere Verluste, die sich noch nicht übersehen lassen.
Seit Tagen konnten keine Lebensmittel herbeigeschafft werden.
Ich bin davon überzeugt, dass viele Menschen hungern.
An vielen Stellen gibt es kein Wasser.
Aber wichtiger für die Bevölkerung ist jetzt die Nachricht, dass eine Friedenstreitmacht der Arabischen Liga
mit Truppen von Libyen, Algerien, dem Sudan und Saudi-Arabien hierher kommt.
Während der letzten Tage hörten wir hier manchmal alle 10, 15 Sekunden die Explosion einer Granate oder Rakete und das stundenlang.
Und dazwischen das Hämmern der Schnellfeuerkanonen.
An mehreren Stellen gerieten die Brände außer Kontrolle.
Der Himmel über Beirut war schwarz vom Rauch.
Der Flugplatz ist gesperrt und niemand kann sagen, wann die bombardierten Rollbahnen wieder repariert werden können.
Beirut ist eine sterbende Stadt.
Und für den Chronisten am Ort wird es Zeit, ein Requiem zu schreiben.
Soweit der Telefonbericht von Erwin Behrens aus Beirut.
Apokalyptische Stimmung, also dort Chaos im gesamten Land.
Und die arabische Liga, die vor zwei Tagen zu einer Krisensitzung in Kairo zusammengetroffen ist, scheint in dieser Situation so gut wie hilflos.
Alle Appelle an Syrer und Libanesen, die Kampfhandlungen nun einzustellen, sind bisher erfolglos geblieben.
Und wenig Chancen räumt man auch der neuen Initiative der Arabischen Liga ein.
Sie will nun eine panarabische Friedensstreitmacht in den Libanon entsenden.
Ein Waffenstillstand soll ausgehandelt, alle kämpfenden Parteien zum Verhandlungstisch gebracht werden.
Zum ersten Mal eigentlich hat man sich hier im arabischen Lager zu einer gemeinsamen Haltung durchgerungen.
Mit welchem Erfolg?
Das werden wohl erst die nächsten Stunden zeigen.
Über die Beratungen der arabischen Außenminister in Kairo berichtet aber nun Hans-Peter Gerner.
Während die Außenminister bzw.
Delegationschefs der 20 arabischen Staaten und der PLO, aus denen sich die Liga zusammensetzt, noch über die Feuereinstellung diskutierten,
tobten auf dem libanesischen Bürgerkriegsterrain, vor allen Dingen um die Hafenstadt Sidon, erbitterte Kämpfe zwischen syrischen Einheiten und den vereinten Kräften der Linken und der Palästinenser.
Kämpfe, die erneut 190 Tote und nahezu 400 Verletzte forderten und die deutlich machen, vor welcher Aufgabe sich Liga-Generalsekretär Mahmoud Riad gestellt sieht,
der die Abmachungen von Cairo in Übereinstimmung mit allen betroffenen Parteien durchzusetzen hat.
Zum ersten Mal jedenfalls hat sich die ansonsten so ineffiziente arabische Regionalorganisation nicht mit bloßen Worten begnügt.
In Übereinstimmung mit Damaskus wurde gestern beschlossen, eine arabische Interventionsgruppe in den Libanon zu entsenden, der die Aufgabe zufällt,
die Bürgerkriegsparteien und die syrisch-palästinensischen Kontrahenten des Bürgerkrieges im Bürgerkrieg auseinanderzuhalten und den Waffenstillstand zu garantieren.
Zusammengesetzt sein wird dieses pan-arabische Expeditionskorps aus algerischen, libyschen, sudanesischen, saudi-arabischen, syrischen und palästinensischen Einheiten.
Welche zahlenmäßige Stärke dieses Kontingent haben wird,
steht derzeit noch nicht fest.
Generalsekretär Mahmoud Riad ist jedoch ermächtigt, den Mannschaftsstand, den jeweils aktuellen Gegebenheiten und Bedürfnissen anzupassen.
In der Entschließung der Außenminister-Sonderkonferenz wird betont, dass sich diese pan-arabische Aktion strekt im Rahmen der libanesischen Souveränität bewege.
Wie ein Ligasprecher dazu ergänzend mitteilte, könne der neu gewählte Präsident Elia Sarkis
jederzeit den Abzug des Kontingents verlangen, wenn er den Zeitpunkt für opportun halte.
Auf dem Papier also ist der Konsensus erreicht worden.
Wie jedoch wird sich die Praxis gestalten?
Syrer und Palästinenser sind Bestandteil der gemeinsamen Friedensstreitmacht.
Können sie nach allem, was in den letzten Wochen ereignet hat, untereinander überhaupt den Waffenstillstand respektieren?
von dem zur Stunde noch nicht einmal feststeht, wann er überhaupt in Kraft treten soll.
Der Abzug des Großzersührers wird in dem Dokument weiterhin mit keinem Wort erwähnt.
Die unterschiedlichsten Interpretationsmöglichkeiten bleiben also offen.
Bei allen ermutigenden Vorzeichen, Mahmoud Riad wird einen schweren Stand haben."
Aus Kairo berichtete Hans-Peter Gerner.
Heute Enttäuschung, gestern da war es noch Enthusiasmus.
So lässt sich die Stimmung der demokratischen Parteien in Spanien heute, einen Tag nach der Abstimmung des Ständeparlaments über das Parteiengesetz, charakterisieren.
Denn gestern haben die Cortes mit großer Mehrheit über die Wiederzulassung der seit 37 Jahren verbotenen demokratischen Parteien in Spanien gestimmt.
Weiterhin verboten allerdings bleiben Kommunisten und Radikale sowie separatistische Gruppierungen.
Was man aber nach der gestrigen Abstimmung als selbstverständlich vorausgesetzt hat, nämlich die Abschaffung des Terrorgesetzes und eine Abänderung des jetzigen Strafgesetzes, das trat dann nicht ein.
Und so sieht die Situation für Spaniens Parteien heute eher zwiespältig aus.
Sie sind wohl zugelassen, welche ihrer Tätigkeiten aber als demokratisch zu gelten hat, darüber befindet weiterhin die Regierung.
Ein halbherziger Schritt also nur in Richtung auf eine echte Demokratisierung in Spanien, meint man in Madrid.
Hören Sie Robert Gerhardt.
In Spanien können jetzt also Parteien beim Innenministerium in Madrid den Antrag auf Zulassung stellen.
Werden aber ihre Mitglieder politisch aktiv, laufen sie Gefahr verhaftet zu werden.
Denn die Strafgesetze sind noch die alten aus Frankos Zeiten.
Sie sollten ebenfalls in veränderter, der neuen Situation angepassten Form von der Vollversammlung verabschiedet werden.
Doch diesmal blockierten die Repräsentanten in den Cortes.
Vor einem drohenden Schiffbruch zog es die Regierung schleunigst vor, das Projekt an eine Justizkommission zum erneuten Studium zurückzugeben.
Damit ist in Spanien eine heikle Lage entstanden.
Denn was wollen Parteien, wenn sie sich nicht betätigen können?
Der Jubel jener, die heute schon von einem großen Schritt in Richtung Demokratie sprechen, ist übereilt.
Auf dem Weg dorthin passierte eine nicht so schnell zu reparierende Panne.
Eine Etappe wurde eingeleitet, doch unterwegs wurden nun von den Franco-treuen Minen gelegt und zur Explosion gebracht.
Das Reformprogramm der Regierung erlitt dadurch schweren Schaden.
Jetzt muss erneut ein Anlauf gemacht werden.
Der Terminkalender für die Demokratisierung kann damit durcheinander geraten.
Im kommenden Oktober sollte durch ein Referendum die spanische Nation die Reformprojekte billigen und im Juni darauf waren Wahlen zum Parlament vorgesehen.
Die Mehrheit der noch von Franco in die Cortes entsandten Abgeordneten hat offenbar Angst bekommen vor der eigenen Courage.
Nun gibt es per Gesetz Parteien, doch sie dürfen nicht tätig werden.
Ein Schritt wurde gemacht, doch der zweite, unbedingt notwendige, unterblieb.
In Spanien hat sich also noch nichts geändert, wenigstens vorläufig nicht.
Die demokratische Opposition, die sich zu einem kurzfristigen Aktionsblock zusammengefunden hat, ließ sich nach diesem eklatanten Kurswechsel in ihrer Forderung bestätigen.
Reformen am bestehenden System führen zu gar nichts.
Es muss zum demokratischen Bruch kommen, auszuhandeln zwischen den Veränderungswilligen in der Regierung und der noch immer verbotenen Opposition.
Die Christdemokraten des linken Flügels sagen in ihrer ersten Stellungnahme, das Gesetz ist ein Luxus.
Denn die Parteien dienen zu nichts, da sie keinen Einfluss auf die Exekutive haben.
Die spanischen Sozialdemokraten meinen, dass ein solches Gesetz nur Sinn hätte, wenn wirklich alle politischen Parteien zugelassen werden.
Ähnlich äußern sich die verschiedenen sozialistischen Organisationen.
Die PSOE beispielsweise bringt zum Ausdruck, dass sie weiter kämpfen wird für den demokratischen Bruch und Diskriminierungen nicht duldet.
Vorausgesagt wurde nämlich schon von den Offiziellen, dass die kommunistische Partei Spaniens nicht mit von der Partie sein wird.
Mit dem Gesetz soll eine Spaltung des Lagers der demokratischen Opposition erreicht werden.
Das will diese Opposition verhindern.
Nach der Devise entweder alle oder keiner.
Die Regierung in Madrid steht nun mit ihrem Reformprojekt im luftleeren Raum.
Es darf Parteien geben, doch sie können nicht aktiv werden.
Und die Opposition will diese Form von Demokratie auf Spanisch nicht mitmachen.
Mit Zähnen und Klauen, so die Frankisten, werden wir unser System verteidigen.
Jetzt zeigten sie ihre Macht.
Das Regime ist noch lange nicht liquidiert, Demokratie für Spanien noch immer in weiter Ferne.
Soweit Robert Gerhardt mit einem Bericht aus Madrid.
Heute beginnt in Ost-Berlin die Schlussrunde bei der Vorbereitung jener kommunistischen Gipfelkonferenz, die nach dem Willen ihrer sowjetischen Protektoren schon vor mehr als einem Jahr hätte stattfinden sollen.
Ziel, die Verabschiedung eines gemeinsamen, für alle Parteien verpflichtenden Dokuments.
Jetzt sieht es so aus, als ob die Konferenz Ende Juli über die Bühne gehen könnte.
Den derzeitigen Stand der Dinge fasst Barbara Kutenhofe-Kalergi zusammen.
Der sowjetische ZK-Sekretär Konstantin Katiuschev, verantwortlich für die Beziehungen zu anderen Bruderparteien, hatte in den letzten Wochen viel zu tun.
Am Wochenende tauchte er in Belgrad auf, in der Woche davor war er in Bukarest.
In Gesprächen mit den jugoslawischen und rumänischen Parteiführungen sollte er vor dem Treffen in Ostberlin noch einen Konsens herbeiführen.
Offenbar ohne Erfolg.
Denn auch die Rumänen und Jugoslawen, die innerhalb des Ostblocks eifersüchtig auf Eigenständigkeit von Moskau bestehen, haben sich in diesen Tagen um Unterstützung umgesehen.
Kurz hintereinander erschienen in Rom bei dem italienischen Parteichef Berlinguer der jugoslawische Parteisekretär Stane Dolanc und sein rumänischer Kollege Tordo Kurtovic, um Botschaften ihrer Staatschefs zu überbringen und über nationale Wege zum Sozialismus zu diskutieren.
Und auch die italienischen, spanischen und französischen Kommunisten haben in bilateralen Treffen mittlerweile ihre Route abgesteckt.
Die hektische Reisediplomatie der Partei Außenminister lässt darauf schließen, dass es bei der Gesprächsrunde in Ostberlin bis zum Schluss hart auf hart gehen wird.
Im sogenannten Redaktionskomitee für jenes Dokument, das nach dem Willen Leonid Brezhnevs so etwas wie eine neue Magna Carta des Weltkommunismus werden soll, sitzen die Vertreter von acht Parteien.
Die Kommunisten aus der Sowjetunion, aus Polen, aus der DDR, aus Frankreich, aus Rumänien, Jugoslawien, Italien und Spanien.
Als vor gut zwei Jahren das Gremium eingesetzt worden war, umfasste es die Vertreter von jeweils vier Moskautreuen und vier revisionistischen Parteien.
Dieses Verhältnis hat sich freilich indessen verschoben, seit die vormals stramm-linientreuen Franzosen nun auch ihre Vorliebe für einen Sozialismus in den Farben Frankreichs entdeckt haben.
Bei der Schlussredaktion des Dokuments geht es nun darum, wie viel allgemein verpflichtende Ideologie darin Platz findet – möglichst viel nach dem Willen der KPDSU, möglichst wenig nach dem Willen der aufnüpfigen Genossen.
Besonders umstritten ist die Definition des Begriffs vom proletarischen Internationalismus.
Im Zeichen dieses Begriffs ist seinerzeit die Invasion der Tschechoslowakei erfolgt.
Jetzt wollen die Moskau-kritischen Parteien das Wort, wenn überhaupt, nur noch in Verbindung mit einem Bekenntnis zur nationalen Unabhängigkeit dulden.
Darüber hinaus bestehen die Jugoslawen darauf, dass in dem Gipfeldokument nicht auf die Kontinuität zu früheren Konferenzen Bezug genommen wird.
Diese Konferenzen hat Jugoslawien jahrelang boykottiert und will nun nicht den Eindruck einer reumütigen Rückkehr in den Mutterschoß der Bewegung erwecken.
Präsidiumsmitglied Stane Dolansch verlangte öffentlich einen Gipfel ohne Vergangenheit und ohne Zukunft und entfesselte gleichzeitig in den letzten Tagen eine wahre Pressekampagne gegen jeglichen Monolithismus in der kommunistischen Bewegung.
Als der sowjetische Emissär Katushev jüngst mit einer persönlichen Botschaft Brezhnevs bei Tito war, sprach das offizielle Kommuniqué nur in dürren Worten und ohne das Schlüsselwort freundschaftlich von der Begegnung.
Ursprünglich hätte das Gipfeldokument noch vor dem sowjetischen Parteitag im Februar veröffentlicht werden sollen.
Neben der Schlusserklärung von Helsinki der zweite große Triumph für Leonid Brezhnev.
Wenn es vor dem Abgang des sowjetischen Parteichefs nun doch noch verspätet zustande kommt, dürfte von der ursprünglich gewünschten Substanz kaum noch viel übrig sein.
Letzte Vorbereitungen also für den großen KP-Gipfel Ende Juli.
Sie hörten einen Beitrag von Barbara Kuttenhofe-Kalergi.
Eine Zeitansage, es ist in einer halben Minute, 12.45 Uhr, dreiviertel eins.
Wir kommen wieder nach Österreich.
In der letzten Regierungserklärung hat Bundeskanzler Kreisky unter anderem für den Unterrichtsbereich eine Entrümpelung der Lehrpläne und eine Anpassung des Lehrstoffes an moderne Erfordernisse angekündigt.
Eine Enquete des Unterrichtsministeriums, die heute in Wien begonnen hat, soll sich nun mit dieser Forderung im speziellen aber mit der Diskussion um den neuen Mathematikunterricht in den allgemein bildenden Schulen befassen.
Zur Debatte steht dabei die heiß umstrittene Mengenlehre, über deren Nützlichkeit und Effizienz sich selbst die Fachleute nicht so recht einig sind.
Von Eltern und Schülern allerdings ganz zu schweigen.
Hat doch die Einführung der Mengenlehre als neue Mathematik schon so manchen Elternteil zur Verzweiflung gebracht, der seinem Sohn oder seiner Tochter bei der Bewältigung der häuslichen Schulaufgaben behilflich sein wollte?
Über die ersten Ergebnisse dieser Enquete und über die Pläne des Unterrichtsministeriums im Zusammenhang mit der neuen Mathematik und mit der Entrümpelung des Lehrstoffes sprach Markus Sommersacher mit Unterrichtsminister Sinowatz.
Herr Minister Dr. Sinowatz, inwieweit werden die Mathematik-Lehrpläne an österreichischen Schulen dem Stellenwert gerecht, der der Mathematik in der modernen Gesellschaft zukommt?
Die Lehrpläne für Mathematik sind in den letzten Jahren neu erstellt worden.
Sie beinhalten die konventionelle Mathematik, aber integrieren die neuen Elemente der neuen Mathematik in einer sehr behutsamen Weise.
Es muss immer wieder versucht werden, mit den Gegebenheiten unserer Zeit zurande zu kommen und daher ist es notwendig, eine kritische Bestandsaufnahme durchzuführen,
und zu überlegen, ob nicht immer wieder neue Veränderungen, Verbesserungen notwendig sind.
Wo müssten nun solche Adaptierungen an die modernen Anforderungen gemacht werden?
Ich würde es so formulieren von der bildungspolitischen Seite her.
Es muss der Stellenwert der Mathematik, des Mathematikunterrichts in der Schule festgelegt werden.
Wir müssen trachten, eine Form zu finden,
die sowohl dieser traditionellen Form der Mathematik wie der neuen Mathematik Rechnung trägt.
Und dabei scheint es mir wichtig zu sein, dass nicht nur die Experten und die Fachleute allein diesen Stellenwert bestimmen, sondern mit ihnen die Elternvertreter, die Gesellschaft an sich.
Sie haben jetzt bereits zweimal die sogenannte neue Mathematik erwähnt.
Ich nehme an, Sie meinen damit die Mengenlehre.
Gerade bei der Mengenlehre hat man Ihnen den Vorwurf gemacht, dass diese Maßnahme etwas übereilt in Österreich gesetzt worden sei.
Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?
Ganz im Gegenteil.
Wir in Österreich haben im Gegensatz zu anderen Ländern erst nach dem Studium, der Erfahrung, die man machte, begonnen, aufsteigend in den einzelnen Schultypen des allgemeinbildenden Schulwesens und des berufsbildenden Schulwesens, die neue Mathematik, ich sage absichtlich nicht Mengenlehre, die neue Mathematik einzuführen.
Und wir haben jetzt erst eine Umfrage durchgeführt bei Experten, bei Lehrern, Schulaufsichtsbeamten.
Und anhand dieser Ergebnisse und der Ergebnisse der Arquette, die jetzt läuft, werden wir feststellen, ob Veränderungen
notwendig sind und ob man im System selbst solche Veränderungen durchführen kann, dass es zu einer Verbesserung kommt.
Wenn man das Ergebnis dieser von Ihnen angesprochenen Untersuchung ansieht, dann stellt sich aber doch heraus, dass je die Hälfte der Experten pro und die Hälfte kontra war.
Ich habe heute schon einmal gesagt, man kann von der Schule nicht jeden Perfektionismus erwarten, den es in der Gesellschaft überhaupt nicht gibt.
Auch die Schule ist der Entwicklung unterworfen.
Man muss nur den Mut haben, immer wieder still zu stehen und darauf zu achten, ob man am richtigen Weg ist.
Das tun wir jetzt.
Und das Zweite ist, dass es nie ein volles Ja und ein volles Nein geben kann, sondern dass man eben viele Gründe dafür und manche Gründe dagegen findet.
Es gilt nur abzuwägen, in welcher Größenordnung auch die neue Mathematik Eingang findet in den Mathematikunterricht an sich.
Und darüber hinaus überhaupt hat die Mathematik eine Entwicklung genommen,
verständlicherweise in unserem technischen Zeitalter, dass man auch im Unterricht darauf Rücksicht nehmen muss.
Mit Unterrichtsminister Sinovac sprach Markus Sommersacher.
Vor fast genau einem Jahr zeigte die englische Nationaloper im Rahmen eines Gastspiels bei den Wiener Festwochen Benjamin Britens aus dem Jahr 53 stammende Krönungsoper Gloriana.
Im Sommer 1975 fand dann in der Stiftskirche von Ossiach die österreichische Erstarfführung von Britens Kirchenoper Der verlorene Sohn statt.
Und die Volksoper in Wien hat sich nun ebenfalls eines Werkes des britischen Komponisten angenommen.
Sie spielt die komische Oper Albert Herring.
Ein Werk, das 1947 unter der Leitung des Komponisten in Clarendon seine Uraufführung erlebte.
Premiere an der Volksoper ist heute Abend.
Hören Sie einen Bericht von Walter Gellert.
Vor allem die musiktheatralischen Werke des 1913 geborenen Benjamin Britten haben den Ruhm des englischen Komponisten begründet.
Werke wie Peter Grimes, Der Raub der Lucrezia, Billy Budd, Der Sommernachtstraum oder die Neufassung der Bettleroper gingen über die Opernhäuser der ganzen Welt.
Die meisten dieser Werke hat Bolton für ein Kammerensemble geschrieben, teils weil sie für Aufführungen an kleineren Häusern gedacht waren, etwa Kleindborn, teils weil eine größtmögliche Wortverständlichkeit das Ziel des Komponisten war.
Albert Herring gehört nun zu diesen Kammeropern, die vor allem Sängerschauspieler verlangen.
Wolfgang Weber hat nun an der Volksoper in der Ausstattung von Rolf Langenfass die Geschichte des einfältigen Albert inszeniert, der in Ermangelung einer geeigneten weiblichen Person zum Mainkönig seiner heimatlichen Kleinstadt auserkoren wird.
Durch eine in seine Limonade gemischte größere Menge Ruhm löst er sich von seinem bisher vorbildhaften Benehmen und besäuft sich sinnlos.
Wolfgang Weber?
Sehen Sie, das Briten hat hier eine komische Oper geschrieben,
die eigentlich ihren Witz und ihre Spannung aus dem Zusammentreffen von einer Anzahl typisch englischer Individualisten erzielt.
Und natürlich kann man dieses Stück
nur so inszenieren, wie es geschrieben wurde, als eine Charakterkomödie, die um die Jahrhundertwende in England spielt.
Für diese Parodie auf die puritanische englische Moral, Britens Librettist Eric Crozier hat hier übrigens eine Novelle Montpensance ins Milieu einer englischen Kleinstadt übertragen, hat Regisseur Wolfgang Weber neben Marion Lambrix, Regine Winkelmeier, Adil Grimm, Herbert Pricopa, Franz Marzola, Elisabeth Schwarzenberg, noch Kammersängerin Sena Jurinaz im Ensemble zur Verfügung.
Es ist eine Ensemble-Oper und das ist das Schwierigste vielleicht an der Sache.
Wir müssen alle zusammen jeder jedes einzelnen Rolle eigentlich kennen, damit das spielend von sich geht.
Die Titelpartie des Albert Hering wird von Adolf Dallapozza verkörpert.
Glaube, sie z'gehen, und was er so macht, steht doch als unmoral bei Mutter im Herzen.
Benjamin Britten, als universalste musikalische Begabung Englands seit Henry Purcell gepriesen, hat in seiner Musik zu Albert Herring sowohl in Duetten, Ariosen und Ensembles auf Wortverständlichkeit Rücksicht genommen.
Andererseits lässt er im My Fire Bild die Sänger ihren Part ohne Rücksicht auf Takt und Tempo singen, um so den Eindruck einer sich unterhaltenden Gesellschaft zu erzeugen.
Einflüsse Purcells, Zitate von Händl oder aus berühmten Opern, etwa eine Stelle aus Tristan, als der Rum in Alberts Limonade geschüttet wird, werden persiflierend angewendet.
Dirigent der Aufführung ist Konrad Art Müller, Schüler von Hans Warowski, zunächst als Chorepetitor, seit 1972 auch mit Dirigierverpflichtung an der Volksoper tätig.
Er sagt über die musikalische Einstudierung.
Es ist manchmal schwierig jetzt,
die richtige Stilrichtung zu finden, dass man nicht bloß Gegensätze im Orchester aufzeigt.
Das heißt also plötzlich kommt eine barocke Ode am Ende des ersten Bildes und dann sofort darauf das Zwischenspiel, das ein bisschen avantgardistisch ist.
Dass man hier eine Mischung findet, hartes mildert, weiche Konturen ein bisschen schärfer zeichnet, das ist glaube ich das Kernproblem.
Albert Herring ist die erste Premiere Konrad Artmüllers an der Volksoper.
Das Werk ist für Wiens zweites Opernhaus wieder eine Möglichkeit, das Stammpublikum mit der Arbeit eines zeitgenössischen Komponisten vertraut zu machen, eines Komponisten, der sich nicht scheut, auch dem melodischen Einfall gebührenden Raum zu überlassen.
Heute Abend also Premiere der Britenoper Albert Hering in der Wiener Volksoper.
Schon als Sommerpremiere hat heute im Theater der Josefstadt das Stück Begegnung im Herbst Premiere, das von Axel von Ambesser verfasst wurde.
Der Autor führt selbst Regie und spielt die Hauptrolle neben Hilde Gral, Heli Servi und Carl Bosse.
Mit Axel von Ambesser sprach Brigitte Hofer.
Herr von Ambesser, die Dreiheit, Autor, Regisseur und Hauptdarsteller zu sein, muss für Sie eine besonders reizvolle Aufgabe bedeuten.
Ja, das ist selbstverständlich besonders reizvoll, birgt aber auch sehr große Gefahren, weil man eben von dem Werk die Distanz verlieren kann.
Und ich bin eigentlich grundsätzlich als Theoretiker des Theaters hundertprozentig dagegen.
Praktisch mache ich es aber immer.
Was dabei herauskommt, das werden wir ja nun am Abend erleben.
Sie haben ja nie eine Schauspielschule besucht, aber Sie haben mit großen Regisseuren wie Gründgens und Hilpert am Anfang Ihrer Karriere zusammengearbeitet.
Wie wichtig ist ja so ein Regisseur?
Und wie kritisch kann jetzt der Regisseur Ambassador, dem Hauptdarsteller Ambassador gegenüber sein?
Sehr.
sehr.
Außerdem ist der Regisseur verheiratet.
Das ist kein sehr künstlerischer Vorgang, aber meine Frau geht immer in die Proben hinein und ist mit mir, redet kein Wort selbstverständlich zu der Aufführung, aber ich zu Hause kriege es ganz streng, ganz klar.
Die großen Regisseure, die Sie eben gerade genannt haben und Hilpert an der Spitze, der war ja, durch Hilpert bin ich hier in die Josefstadt vor Jahrzehnten im Kriege schon gekommen, die haben mich enorm beeindruckt und sie sind mir nach wie vor Vorbilder.
Vor allem hat sich das Theater ja unglücklich
entwickelt und ist zu einer Herumexperimentierstätte für sogenannte Regisseure geworden.
Ich sage sogenannte, weil ich empfehle das alles einem totalen Unfug und weise mich darin mit Gründens und Hilpert und
Falkenberg und Erich Engel, mit denen ich eine gute, beste Beziehung hatte, auch mit einigen anderen lebenden Kollegen.
War das ein Grund für einen fantasiebegabten Menschen wie Sie, als Autor sich zu betätigen, Roman zu schreiben, Novellen zu schreiben, Theaterstücke zu schreiben, um eben mehrere Möglichkeiten der künstlerischen Betätigung zu haben?
Ja.
Ich hab schon sehr früh, ich hab gleich als Anfänger im ersten Jahr in Hamburg Kamperspielen, hab ich schon Liedertexte für Bearbeitungen und zum Beispiel für russische Stücke, die wir damals spielten, politische, hab ich dann gewaltige Lieder geschrieben.
Ich hab von vornherein, weil ich's auch schon als Bub zu Hause gemacht hatte, also der Erich Ziegel, bei dem ich zum Theater ging, der hat gesagt, nach einem Gespräch, bevor ich überhaupt je auf der Bühne gewesen war, hat er gesagt, Sie gehen schon heute nicht mehr vom Theater ab.
Und ich bin, das Theater ist einfach meine Welt.
Da also der Unterhaltungswert für Sie so groß ist am Theater, wie weit kommen Sie dem Ermissement in der Begegnung im Herbst entgegen?
Eigentlich nicht sehr weit.
Es handelt sich um einen Deutschen, der seine Jugendfreundin, eine damals emigrierte Jüdin, nach 30 Jahren wieder trifft.
Und es ist ein Rückblick auf unser getrennten Leben und es hat viel mit privaten Familien zu tun.
Es ist nur eben nicht anklägerisch.
Das Gespräch mit Axel von Armbässer führte Brigitte Hofer und wir schließen das Journal zweieinhalb Minuten vor 13 Uhr mit Kurzmeldungen.
Österreich.
Im Nationalrat begann heute Vormittag nach der Fragestunde die Debatte über die gestrigen Berichte von Bundeskanzler Kreisky und Finanzminister Androsch zur wirtschaftlichen Lage Österreichs.
Weitere Tagesordnungspunkte der heutigen Sitzung sind eine Änderung des Europäischen Übereinkommens über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße, Abkommen mit der Schweiz über die Grenzabfertigung von Segelflugzeugen und Freiballons und eine Änderung des Eisenbahngesetzes.
Nach einem Bericht des Statistischen Zentralamtes hat sich der Index der Verbraucherpreise im Mai gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres um 7,4 Prozent erhöht.
Er liegt damit um ein Zehntel Prozent unter dem Index vom April dieses Jahres.
Unterrichtsminister Sinovac erklärte heute bei einer Enquete über den Mathematikunterricht an den allgemeinbildenden Schulen, die Schule werde sich nicht den Forderungen der Öffentlichkeit verschließen.
Sinovac bezog sich damit auf die Angriffe der Öffentlichkeit auf die Mengenlehre.
Sinovac meinte, die Mengenlehre sei nur das auslösende Moment für die Abhaltung der Mathematik-Enquete gewesen.
Es gehe vielmehr um die Stellung des Mathematik-Unterrichtes innerhalb des gesamten Schulwesens.
Es gehe, wie Sinovac sagte, um Lehrpläne, Lehrbücher und um die gesamte Einheit der Mathematik.
Der Hauptausschuss des Nationalrates hat heute mit den Stimmen der sozialistischen Fraktion Preiserhöhungen für einige ausländische Zigarettensorten beschlossen, die von den Austria-Tabakwerken in Lizenz erzeugt werden.
Die neuen Preise treten bereits morgen in Kraft.
Erhöht werden die Preise bei folgenden Zigarettensorten.
Perlmall, Marlboro, Kent, Benson & Hedges und Players Navy Cut.
Die neue Schnupftabaksorte Bonanza wurde mit 14 Schilling je Dose und die neue Importzigarette Philip Morris Multifilter mit 25 Schilling je Packung festgesetzt.
Diese beiden Tabakwaren werden in den nächsten Wochen auf den Markt kommen.
Der Hauptausschuss des Nationalrates hat heute einstimmig die Weiterbelassung des österreichischen UNO-Kontingents auf dem Golan an der israelisch-syrischen Grenze beschlossen.
Das UNO-Mandat wurde vom Sicherheitsrat um weitere sechs Monate bis zum 30.
November verlängert.
Österreich stellt nahezu die Hälfte der UNO-Truppen in diesem Gebiet.
Diese Meldungen, meine Damen und Herren, standen am Ende des Journals, das wir jetzt um 13 Uhr schließen.
Einblendung: Wolfgang Weber, Sena Jurinac, Szene mit Adolf Dallapozza, Conrad Artmüller
Mitwirkende:
Gellert, Walter [Gestaltung]
, Weber, Wolfgang [Interviewte/r]
, Jurinac, Sena [Interviewte/r]
, Dallapozza, Adolf [Interpret/in]
, Artmüller, Conrad [Interviewte/r]
Datum:
1976.06.10 [Sendedatum]
Ort:
Wien, Volksoper
Schlagworte:
Musik ; E-Musik
;
Radiosendung-Mitschnitt
;
20. Jahrhundert - 70er Jahre
Typ:
audio
Inhalt:
Nachrichten
Interview: Axel von Ambesser
Mitwirkende:
Hofer, Brigitte [Gestaltung]
, Ambesser, Axel von [Interviewte/r]
Datum:
1976.06.10 [Sendedatum]
Ort:
Wien, Theater in der Josefstadt
Schlagworte:
Theater
;
Radiosendung-Mitschnitt
;
20. Jahrhundert - 70er Jahre
Typ:
audio
Inhalt:
Nachrichten