Mittagsjournal 1976.07.12

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    Mittagsjournal.
    Guten Tag, meine Damen und Herren.
    Hier ist der aktuelle Dienstredakteur.
    Mikrofon des Mittagsjournals ist heute Helmut Bock.
    Wir bringen Aktuelles aus aller Welt.
    Einige Schlagzeilen dazu.
    Libanon.
    Direktbericht aus Beirut.
    Unser Mitarbeiter Walter Krause schildert die apokalyptische Situation und die politische Lage.
    Vietnam, Kambodscha.
    Schwedische Journalisten bestätigen nach ihrer Rückkehr aus Indokina Gräueldaten und Verbrechen der neuen Machthaber.
    Spanien.
    Demonstrationen zum Wochenende, Verhaftungen, keine Amnestie für politische Häftlinge.
    Bericht aus Madrid.
    Österreich.
    FPÖ-Obmann Friedrich Peter zieht Zwischenbilanz der politischen Situation nach der Frühjahrssession im Parlament.
    Aus dem sportlichen Bereich berichten wir über die Vereidigung der österreichischen Olympiamannschaft beim Bundespräsidenten.
    Und unsere Kulturredaktion bringt ein Interview als Vorschau auf die Tournee des Schönes und des Arnold-Schönberg-Kors nach Israel.
    Das sind einige Hinweise für unser Programm bis 13 Uhr.
    Nun beginnen wir aber mit Nachrichten aus aller Welt.
    Chef von Dienst ist Raimund Heller, Sprecherin Melitta Czapka.
    Österreich.
    Die Industriellenvereinigung hat heute zu den jüngsten Vorschlägen des Präsidenten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger Weißenberg Stellung genommen, der unter anderem für eine Abschaffung der Krankenscheine plädierte.
    Im Einzelnen meint die Industriellenvereinigung, die derzeitige Form der Zettelwirtschaft bei der ärztlichen Honorierung habe zu Fehlentwicklungen in der Krankenversicherung beigetragen.
    Gemeinsam mit den Ärzten wäre die Honorargestaltung so zu ändern, dass sich der Arzt mehr Zeit für den einzelnen Patienten nehmen kann.
    Grundsätzlich begrüßt die Industriellenvereinigung eine Reform der Krankenversicherung.
    Abgelehnt wird die von Weißenberg zur Diskussion gestellte Durchbrechung der Höchstbeitragsgrundlage.
    Auf diese Weise, meint die Industriellenvereinigung, würde neuerlich versucht werden, die finanziellen Schwierigkeiten der Krankenversicherung mit Beitragserhöhungen zu überbrücken, ohne dass die bestehenden Probleme gelöst würden.
    Staatssekretär Wieselski kündigte heute nach der Sitzung des Entwicklungshilfebeirates ein neues Sparprogramm gegenüber den Entwicklungshilfeorganisationen an.
    So sollen der Entwicklungshilfeeinsatz vereinheitlicht und die Bundesmittel für diese Organisationen rationeller verwendet werden.
    Weselsky sagte, es gelinge Österreich durch eine Konzentrierung der Maßnahmen wirkungsvoll zu helfen, obwohl die öffentliche Entwicklungshilfe Österreichs mit 0,17 Prozent des Bruttonationalproduktes noch weit von den Forderungen der Vereinten Nationen, die bei 0,7 Prozent liegen, entfernt sei.
    Als Beispiel nannte Weselsky eine erfolgreiche Landwirtschaftshilfe in Nordafrika.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Die Sozialpartner werden heute in Bonn über die wirtschaftliche Lage und die Situation auf dem Arbeitsmarkt beraten.
    Unter dem Vorsitz von Wirtschaftsminister Friedrichs werden Regierung, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände vor allem über die weitere Preisentwicklung diskutieren.
    Nach Ansicht des Bonner Wirtschaftsministeriums hat sich das Tempo der Konjunkturbelebung verlangsamt, dafür findet aber eine Konsolidierung auf breiter Basis statt.
    Das Ministerium rechnet mit einem realen Wirtschaftswachstum in der Bundesrepublik Deutschland von 6 Prozent.
    Italien.
    Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Moro am vergangenen Freitag hat Staatspräsident Leone heute Konsultationen zur Bildung einer neuen Regierung aufgenommen.
    Als aussichtsreichster Kandidat für den Posten des Ministerpräsidenten gilt der Budgetminister des Kabinetts Moro, der christlich-demokratische Politiker Andreotti.
    Dem Vernehmen nach wird Leone auch mit dem kommunistischen Politiker in Grau konferieren, der kürzlich zum Präsidenten der italienischen Abgeordnetenkammer gewählt worden war.
    Kanada.
    Die Olympischen Spiele werden trotz der Weigerung Kanadas, die Mannschaft aus Taiwan unter dem Namen Republik China teilnehmen zu lassen, wie geplant Samstag in Montreal eröffnet.
    Der Vorschlag des Olympischen Komitees, dass Taiwan auf seine Flagge verzichten und mit der olympischen Fahne in das Stadion einmarschieren solle, ist gestern vom Komitee Taiwans abgelehnt worden.
    Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Lord Killanen, warf der kanadischen Regierung wegen ihrer Starrenhaltung Wortbruch vor.
    Killanen sagte wörtlich, die Welt habe die Nase voll von der politischen Einmischung in den Sport.
    Nordirland.
    Die Sicherheitskräfte in Belfast haben im Hinblick auf die für heute erwarteten Demonstrationen, mit denen etwa 20.000 Protestanten den Sieg Wilhelms von Oranien über den katholischen König James II.
    im Jahr 1690 begehen werden, verschärfte Kontrollen getroffen.
    An den Demonstrationen werden auch Delegationen aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Schottland und der Republik Irland teilnehmen.
    In einem Vorort von Belfast wurde gestern Abend ein 18-jähriger Bursche bei Zusammenstößen zwischen Katholiken und Protestanten getötet.
    Ein Polizist erlitt bei einer Schießerei im Werftviertel eine schwere Kopfverletzung.
    Australien.
    Ein Generalstreik im ganzen Land hat die Wirtschaft Australiens heute völlig lahmgelegt.
    Mit dem Ausstand wollen die Gewerkschaften gegen die von der konservativen Regierung geplanten Änderungen der bisher beitragsfreien und automatisch alle Australier einschließenden staatlichen Krankenversicherung protestieren.
    Sie lehnen die Änderungen, darunter die Einführung eines Beitrages in Höhe von 2,5 Prozent des steuerpflichtigen Einkommens, als unsozial ab.
    90 Prozent der Arbeiter und 30 Prozent der Angestellten haben dem Streikaufruf Folge geleistet.
    Auch der internationale Flugverkehr von und nach Australien ist für 24 Stunden unterbrochen.
    Ägypten.
    In Kairo hat heute die dritte Sonderkonferenz der Außenminister der Mitgliedstaaten der Arabischen Liga begonnen.
    Beratungsthema ist wieder die Lage im Libanon.
    Nach den letzten Meldungen aus Beirut sollen die christlichen Milizen nur mehr einen Kilometer vor der Hafenstadt Tripoli im Norden des Landes stehen.
    Ein von Phalangisten kontrollierter Rundfunksender meldet, das um die Stadt Tripoli gelegene Wüstengebiet werde bereits von christlichen Milizen kontrolliert.
    Der Sender wiederholte die Meldung über die Einnahme des seit Wochen umkämpften palästinensischen Flüchtlingslagers Tel Sa'atar im Südosten von Beirut.
    In dem Lager sollen die christlichen Einheiten 150 Zivilpersonen verschiedener Volkszugehörigkeit und Religion entdeckt haben, die von den Palästinensern festgehalten wurden.
    Israel.
    Nach einer Mitteilung des Oberkommandos haben die israelischen Sicherheitskräfte im besetzten Westjordanien zehn Untergrundzellen zerschlagen.
    Mehr als 50 Personen sollen verhaftet worden sein.
    Die illegalen Kampftruppen sollen mit der extrem linksgerichteten Volksfront für die Befreiung Palästinas im Libanon Verbindung gehabt haben.
    Sowjetunion.
    Die Behörden haben erneut das Gesuch der 36-jährigen Sowjetbürgerin Irina McClennan abgelehnt, zu ihrem Mann in die Vereinigten Staaten reisen zu dürfen.
    Wie Frau McClennan heute vor westlichen Korrespondenten erklärte, habe die zuständige Stelle keine Gründe für die Verweigerung des Ausreisevisums angegeben.
    Frau MacLennan hatte im Mai 1974 den Amerikaner Woodford MacLennan, Professor an der Universität Virginia, geheiratet.
    Ihr Mann hatte die UdSSR im August 1974 verlassen und seitdem keine Wiedereinreise-Genehmigung erhalten.
    Frau MacLennans Antrag auf Auswanderung war von den sowjetischen Behörden schon mehrmals unter dem Vorwand abgelehnt worden, dass sie sich im Besitz von Staatsgeheimnissen befände.
    Da Frau Meck-Klennern ihre Sekretärinnenstelle im Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen bereits vor vier Jahren verlassen hatte, scheint diese Begründung nicht stichhaltig.
    Der Generaldirektor der Deutschen Lufthansa, Kullmann, hat heute auf der Hauptversammlung der Gesellschaft in Köln von einem unkontrollierten Charterverkehr gesprochen und in diesem Zusammenhang eine internationale Aktion zur Sanierung des Weltluftverkehrs gefordert.
    Kullmann appellierte an die Politiker, unter Wahrung der Selbstständigkeit der Fluggesellschaften, die Voraussetzungen für einen Wandel zu schaffen.
    Nach einem Bericht der Deutschen Presseagentur zahlen immer weniger Flugpassagiere für ihre Tickets den vollen Preis.
    Neben einer ganzen Reihe illegaler Möglichkeiten bei Flugreisen Geld zu sparen, werden nach dem Bericht der dpa immer häufiger schwarze Flugscheine gekauft.
    Wie auf einer Tagung des Deutschen Reisebüroverbandes in Frankfurt bekannt wurde, hat im Langstreckenluftverkehr vor allem nach Asien und Südamerika der schwarze oder graue Flugticketmarkt bereits einen Anteil von 16 Prozent.
    Schwarz heißen im Flug- und Reisegewerbe solche Flugscheine, die weit unter den innerhalb der IATA, der Dachorganisation der Linienfluggesellschaften vereinbarten Preisen, verkauft werden, obwohl zu Wiederhandlungen mit Geldstrafen bis zu 5000 Mark bedroht sind.
    Angesichts dieser Situation wurde die Befürchtung laut, dass manche Fluggesellschaften im Hinblick auf den unerträglichen Konkurrenzdruck zuerst bei den Sicherheitseinrichtungen sparen.
    Das waren die Meldungen.
    Und nun der ausführliche Wetterbericht, die Wetterlage.
    Im Ostalpenraum überwiegt schwacher Hochdrugeinfluss.
    Eine derzeit über Südfrankreich und der Schweiz liegende Gewitterfront erhöht in Westösterreich die Gewitterbereitschaft.
    Die Aussichten bis morgen früh.
    Zunächst heiter oder wolkig, im weiteren Tagesverlauf verbreitet Quellbewölkung und lokale Gewitter vor allem im Westen und Südwesten Österreichs.
    Schwache Winde aus uneinheitlichen Richtungen.
    Nachmittagstemperaturen 24 bis 30 Grad, Frühtemperaturen morgen 8 bis 17 Grad.
    Und die Wetteraussichten für morgen Dienstag.
    Allgemein heiter oder wechselnd wolkig.
    Am Nachmittag und Abend Ausbildung lokaler Gewitteriger Niederschläge, meist westliche Winde.
    Tagestemperaturen 25 bis 30 Grad.
    Die Messwerte von 12 Uhr.
    Wien, Heiter 26°, Ostwind 3 km in der Stunde.
    Eisenstadt, Heiter 26°, Südwestwind 3 km.
    Linz, Heiter 27°, Ostwind 5.
    Salzburg, Heiter 28°, Nordost 10.
    Innsbruck, Heiter 27°, Ostwind 5.
    Bregenz, Heiter 25°, Südostwind 5 km.
    Graz wolkig, 24 Grad, Südwind 10 und Klagenfurt heiter, 25 Grad, Südostwind 10 Kilometer in der Stunde.
    Das waren die ausführlichen Weltnachrichten und der ausführliche Wetterbericht.
    Es ist jetzt gleich 12 Uhr und 12 Minuten, drei Minuten vor Viertel eins.
    Unser erster Bericht heute kommt aus dem Libanon, Unruheherd nahe Osten.
    Ein Kapitel, mit dem wir uns in den letzten Tagen immer wieder beschäftigt haben.
    Nun, dieser Unruheherd nahe Osten hat sich ja verlagert.
    Von der Auseinandersetzung zwischen den Israelis und den Arabern ist jetzt eine Auseinandersetzung im Libanon geworden zwischen den Christen und den Palästinensern, zwischen den linksgerichteten Arabern und den Christen.
    Nun, gestern gab es die Meldung, dass das letzte Palästinenser-Lager Tel Sadar von den Christen eingenommen wurde.
    Gleichzeitig gab es aber im Libanon innerhalb der Palästinenser-Kreise eine große Freudenkundgebung, denn es wurde verlautbart, dass der Präsident von Syrien ermordet worden sei.
    Der Gegensatz zwischen den Syrern, die einmarschiert sind im Libanon, und den Palästinensern ist gewaltig.
    In der Zwischenzeit hat sich aber herausgestellt, dass Assad natürlich nicht ermordet wurde.
    Der Chef der palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, Arafat, hat Ägypten abermals zu einer sofortigen Intervention im Libanon aufgefordert und die Lage für die Palästinenser als äußerst bedrohlich dargestellt.
    Was ist aus dieser blühenden Lichterstadt Beirut eigentlich geworden?
    Dieser Stadt, dieser Schweiz des Nahen Ostens, wie man einmal den Libanon nannte.
    Ein verwüstete, zerstörte Stadt.
    Ein verwüstetes, zerstörtes Land.
    Hören Sie einen Originalbericht, den wir vor wenigen Minuten direkt aus Beirut erhielten.
    Am Telefon Walter Krause.
    Immer noch rufen im Morgengrauen die Muller vor noch nicht geschändeten oder zerstörten Moscheen ihr Salam Aleikum.
    Frieden sei mit euch über das Zweidrittel in Ruinen stehende Beirut.
    Und immer noch schleuten Glocken noch nicht zerstörter oder geschändeter Kirchen zur Andacht des Friedens.
    Doch von Frieden in diesem Tollhaus Libanon, wo seit 16 Monaten die einen für palästina Revolution und kommunistisch-marxistischen Fortschritt, die anderen für traditionelle Rechte und konfessionelle Privilegien kämpfen, ist kein Platz mehr.
    Rund um Kirchen und Minarette wüten pathologischer Wahnsinn, blinde Anarchie, die Gesetze des Dschungels,
    jetzt auch Hunger und Durst.
    In diesem Teufelskreis ohne Hoffnung zuverlässige Quellen schätzen bisher 70.000 Tote und über 200.000 Verletzte versuchen sich von den ehemals 1,2 Millionen Stadtbewohnern an die 450.000 am Überleben.
    250.000 davon, unter ihnen 50.000 Christen.
    vegetieren in West-Beirut, das von Palästinensern und 38 Organisationen der linken Nationalen Einheitsfront unter Lenin-Preisträger Jumblatt dominiert wird.
    Die meisten Zurückgebliebenen wissen nicht, wohin.
    Gehen wir, sagen sie, verlieren wir unser letztes Gut, Wohnungsamt, Mobiliar, Läden, Büros, Autos, die nackte Lebensbasis.
    Sie denken an Plünderbanden,
    mit denen man vielleicht doch noch feilschen kann, was Raubmörder und vandalische Gewaltverbrecher anbelangt, resignieren sie fatalistisch, inshallah, wie Allah, wie Gott es will.
    Was ist das für eine Palästina-Revolution?
    Was sind das für Fortschrittler, die jede legale Ordnung ignorieren, nicht gegen bewaffnete Elemente ihrer Organisationen durchgreifen,
    die ungehindert weiter in Westbeiruts Bezirken morden und stehlen.
    Warum werden diese Verbrecher nicht exekutiert?
    Scham auf jeden, der diese Kriminalität deckt.
    Dieses mutige Wort stammt von einem Christen, der im linken Westbeirut wohnt.
    Raimond Edde, dissidenter Maronitenführer des Nationalen Blocks.
    am 8.
    Mai durchgefallener Präsidentschaftskandidat der Palästinenser und Progressisten.
    Seht und hört ihr nicht, sonnert er seiner Verbündeten an, dass sich insbesondere die Moslembevölkerung Westbeiruts gegen euch auflehnt und dass aus Westbeirut mehr Moslems vor euch flüchten als Christen.
    Er muss inzwischen die Nase voll haben von seinen Verbündeten, wenn er der rücksichtslos dominierenden Al-Fatah droht.
    Überlast, Verwaltung, Versorgung und Sicherheit uns Libanesen.
    Wir sind nicht nur gegen Syrische.
    Wir sind auch gegen jede andere Vergewaltigung.
    Ob Ede morgen noch lebt, fragt die gemattete Bevölkerung.
    Ein Tag wie jeder vorangegangenen des letzten Monats.
    Blindwütig einschlagende Granaten und Raketen in zivilen Vierteln.
    Ausgeblähte Leichen auf dem Pflaster.
    Schreiende Verwundete.
    Geißelnamen.
    Ausplünderungen auf offener Straße, die Schlagnahme von Häusern und Abtransport von Einrichtungen, Morde im Chicagoer Gangster-Stil, fliegende Barrikaden, Kalaschnikow-Kugelregen an allen Ecken und Enden.
    Und jetzt die apokalyptischen Reiter mit Hunger, Durst und Seuchen.
    Gegen 17 Uhr sind Westbeiruts Straßen menschenleer.
    Wer doch noch einen Sprung wagt, riskiert das Leben.
    Ein gespenstiger Anblick.
    Dieses einst quirlende, lichterfüllte Beirut in der Nacht.
    Unter Sternen bedeckten, von Flächen brennenden, rostrot erhellten Himmel.
    Regungslos kauernde, dunkle Häuserblocks.
    Irgendwo flackern ein paar Teiglichter.
    Auf Balkonen blaken Feuerzungen aus trockenem Müll.
    Hysterisches Kinder- und Weibergeschrei.
    Hitzige Männerdiskussionen.
    Meckernde Transistoren.
    Durch Straßenschluchten schieben sich Männerklumpen.
    Mit Taschenlampen leuchten sie Häuserfassaden ab.
    Ein Lastwagen hält.
    Die Plünderer und Mörderer vom Dienst sind da.
    Inzwischen jault und hämmert und faucht und trommelt das Beiruter Symphonieorchester pausenlos weiter.
    Mit Mörsern, Raketenbatterien, Katuschkas, Duschkas, Kalaschnikows,
    Bomben, Phosphorgranaten.
    Im Libanon nichts Neues.
    24 Stunden Überleben im fortschrittlichen Beirut.
    Walter Krause berichtete direkt aus der libanesischen Hauptstadt Beirut.
    Nun sind in der Zwischenzeit zum dritten Mal innerhalb von fünf Wochen heute in Kairo die Außenminister der Staaten der Arabischen Liga zu Beratungen über eine Regelung im Libanon zusammengetroffen.
    Es wird erwartet, dass es zu einer Gipfelkonferenz kommen wird, denn die Aussichten, dass man in Libanon zu einem Frieden kommt, sind immer geringer geworden.
    Vermutlich wird man sich auch wieder bemühen, eine gesamtarabische Truppe in den Libanon zu entsenden, denn die augenblickliche Truppe, die hauptsächlich aus Libyen und aus Sudan und aus Saudi-Arabien besteht,
    ist nicht sehr wirkungsvoll.
    Wir wissen ja noch immer nicht, was eigentlich diese panarabische Truppe im Libanon ausgerichtet hat.
    Präsent im Libanon sind nach wie vor aber die Syrer.
    Über diese arabische Konferenz in Kairo werden wir voraussichtlich in unserem heutigen Abendsjournal berichten.
    In der Zwischenzeit ist es jetzt 12.19 Uhr geworden, vier Minuten nach Viertel Eins.
    Unser nächster Bericht kommt aus Schweden, beschäftigt sich aber mit Indokina.
    Sie erinnern sich vielleicht, um Indokina ist es in der letzten Zeit still geworden.
    Zu einer Zeit, als es in Indokina noch gekämpft wurde zwischen Amerikanern, zwischen dem Roten Meer und dem Vietnamesen, zu dieser Zeit berichteten wir sehr oft in unseren Journalen.
    Nun können wir weniger berichten.
    Keine Nachrichten aus Indokina, keine Nachrichten aus Vietnam, keine Nachrichten aus Kambodscha.
    Nur selten gelingt es Korrespondenten neutraler Länder, diesen Ring des Schweigens zu durchbrechen.
    Kürzlich ist es einer schwedischen Journalistengruppe gelungen, die soeben nach Stockholm zurückgekehrt ist und dort ihren Bericht vorgelegt hat.
    Schweden gehört ja bekanntlich zu den schärfsten Kritikern und zu den härtesten Kritikern der amerikanischen Vietnam-Politik seinerzeit.
    Umso mehr Gewicht erhalten jetzt die schwedischen Aussagen über Vietnam.
    Was geht in Vietnam, was geht in Kambodscha heute vor?
    Günther Grafenberger aus Stockholm fasst diesen Bericht jetzt zusammen.
    Da wird berichtet, wie die neuen Machthaber in Kambodscha, die Roten Khmer, Kinder und Frauen vor die Pflüge in den neu errichteten Wirtschaftszonen spannen und sie mit Knüppeln wie die Ratten totschlagen, wenn sie zusammenbrechen und es nicht schaffen.
    Von Massenhinrichtungen mit rassistischem Hintergrund, vor allem Chinesen und Vietnamesen gegenüber, ist dort die Rede von Selbstmorden und Verstümmelungen.
    Die nach Vietnam einströmenden kambodschanischen Flüchtlinge hätten damit gedroht, eher Selbstmord zu machen, als zu den Roten Khmer zurückzugehen.
    Wenn doch nur der Prinz Sihanouk im Lande geblieben wäre, so haben die Flüchtlinge gesäufzt, um alle jene Gräuel zu verhindern.
    Aber Sihanouk habe sich abgesetzt und seine Landsleute im Stich gelassen.
    In den schwedischen Berichten geht es jedoch nicht nur um Kambodscha.
    Es geht auch um das wiedervereinigte Vietnam.
    Und die schwedischen Rundfunk- und Zeitungskorrespondenten kabeln übereinstimmend nach Hause, dass 15 Monate nach Abzucht der Amerikaner und dem Sturz der Regierung Van Thieu der Viet Cong seine Rolle ausgespielt habe.
    Seine Flagge gebe es nicht mehr und ein kommunistischer Funktionär erklärte gegenüber der Zeitung Expressen wörtlich, die Vietcong-Flagge war nur ein politischer Trick.
    Jetzt geht es auch ohne Tricks.
    Die Anhänger der sogenannten Dritten Front im früheren Südvietnam sehen sich ebenfalls überspielt.
    Ihr Ziel eines neutralistischen Südvietnams habe sich als undurchführbar erwiesen.
    Der Mythos, wonach der Vietcong eine Koalition aus allen südvietnamesischen Kräften bilden würde, sei zerbrochen.
    Nichtsozialistische Gruppen gebe es nicht mehr und in ganz Südvietnam herrschten eindeutig die kommunistischen Funktionäre und Truppe Nordvietnams.
    Von den 38 Ministern des wiedervereinigten Vietnam kämen nur sieben aus dem Süden.
    Die Nordvietnamesen herrschten auch unübersehbar und unüberhörbar in Saigon, wo es gerüchteweise zu politischen Morden der Bevölkerung an den roten Besatzern aus dem Norden gekommen sein soll.
    Der Rundfunk in Saigon habe zugegeben, dass unlängst 7000 Rebellen im südvietnamesischen Hochland gefangen genommen wurden.
    Der Partisanenkampf gegen die kommunistischen Machthaber habe dort begonnen, wo einst der Vietcong das Lebenslicht erblickte.
    Ähnlich wie die Roten Kmeer in Kambodscha, so planten auch die neuen Herrscher in Südvietnam sogenannte Wirtschaftszonen in der Umgebung größerer Städte zu errichten.
    Hierhin wurden alle in der Stadt nicht benötigten Arbeitskräfte gebracht, um eine neue kollektive Landwirtschaft aufzubauen.
    Wer sich weigert, verliere seine tägliche Reisration.
    Diejenigen, die sich nicht an der jüngsten Wahl zur neuen Volkskammer des wiedervereinigten Vietnam beteiligten, verloren ebenfalls ihre Reiszuteilung.
    Übereinstimmendes Urteil der schwedischen Berichterstatter, die Politik der sogenannten Weichenhand in Vietnam ist 15 Monate nach dem Absuch der Amerikaner zu Ende und wird ersetzt durch die Politik der Hartenhand.
    Günther Grafenberger fasste einen Bericht schwedischer Journalisten zusammen, die soeben aus Indokina, aus Kambodscha und Vietnam zurückgekehrt sind.
    Der spanische Außenminister Oreja, der sich zur Zeit in Wien aufhält, hat gestern in einem Interview die Auffassung vertreten, dass voraussichtlich im April oder Mai des kommenden Jahres in Spanien freie Wahlen stattfinden werden.
    Orreja fügte hinzu, es sei zu hoffen, dass die demokratischen Parteien nach ihrer Legalisierung zu einem Pakt bereit sein werden, der die Errichtung einer Demokratie zum Ziel hat.
    Soweit der wörtliche Ausspruch von Orreja.
    Die Errichtung einer Demokratie in Spanien.
    Auf die Frage, ob auch die spanischen Kommunisten als legale Gruppierung anerkannt werden sollen, meinte Eurecha, dass der derzeitige Gesetzentwurf den Passus enthalte, wonach international organisierte totalitäre Parteien, wie die Kommunisten, nicht zugelassen werden können.
    Nun, der spanische Außenminister hofft also, dass im kommenden Jahr nach Wahlen, April oder Mai, in Spanien eine Demokratie entstehen könnte.
    Eine Demokratie nach einer rechten Diktatur.
    Für diese Demokratie kämpfen aber die Spanier heute schon.
    In Madrid, in Barcelona und in Pamplona ist es gestern wieder zu Demonstrationen gegen die Regierung gekommen und für eine Amnestie politischer Häftlinge.
    In Madrid hat dabei die Polizei mehr als 100 Manifestanten festgenommen.
    Ist das Demokratie?
    Nun, Walter Haubricht berichtet direkt jetzt aus Spanien.
    Durch das Eingreifen der Polizei wurden einige Demonstrationen zu Wahlenstraßenkämpfen
    In Pamplona dauerten die Auseinandersetzungen zwischen Spezialeinheiten der bewaffneten Polizei und mehreren tausenden Demonstranten drei Stunden, wobei zahlreiche Demonstranten verletzt und viele verhaftet wurden.
    In den meisten Städten hatte die Regierung die Demonstration verboten.
    Trotzdem wurde fast überall versucht, sie abzuhalten.
    Die Gegner von Francos Erben in der spanischen Regierung, diese Gegner sind kämpferische Demokraten, vorwiegend aus der politischen Mitte und von der Linken,
    Sie sind nicht bereit, der neuen Regierung eine Atempause zu gewähren.
    Wenn das Kabinett zwar jetzt beschließen sollte, die etwa 700 politische Gefangene freizulassen, dann hätte es tatsächlich einen Schritt hin auf die Versöhnung der Spanier und die Zusammenarbeit der meisten politischen Kräfte des Landes getan.
    Einige dieser Häftlinge sind zwar wegen Mord an politischen Polizisten oder Bombenanschlägen auf Regimedenkmäler verurteilt, also wegen Terrorismus.
    Doch werden die angeblichen Beweise und die Verhandlungsführung der politischen Sondergerichte der Franco-Diktatur von den meisten Spaniern als nicht gültig betrachtet.
    In Madrid dauerte der Straßenkampf am Sonntagnachmittag etwa zwei Stunden.
    Einige hundert Personen, unter ihnen Carlos Saillas, ein führender Mann der Sozialistischen Partei, wurden verhaftet.
    Die Mehrheit der Zuschauer und Spaziergänger nahm in Madrid offen für die Demonstrantenpartei.
    In Sevilla beteiligten sich 30.000 Personen an der Amnestiedemonstration.
    Die Erschießung einer Sardinenverkäuferin durch einen Polizisten in Zivil in dem baskischen Städtchen Santurce hat die Lage im Baskenland wieder verschärft.
    Die Polizisten hatten in dem Fischerstädtchen Santurce Fischerkleidung angezogen und schossen bei einer Amnestiedemonstration in die Menge.
    Am Tag vorher hatten 150.000 Menschen in Bilbao
    Die Hälfte der Einwohner der Stadt an einer Demonstration teilgenommen.
    In Pamplona wurden bei den großen Stierkämpfen im Rahmen der Festwochen Schweigeminuten für die von der Polizei getötete Frau eingelegt.
    Ein Stierkampf wurde ihrem Andenken gewidmet.
    Die in der ganzen Welt berühmte Festwoche San Fermin von Pamplona war noch nie so politisiert wie in diesem Jahr.
    Überall in der Stadt hängen Plakate, die Amnestie und Freiheit fordern.
    Zuschauer springen mit Tüchern, auf denen eben diese beiden Worte stehen, vor die Stiere oder nehmen Freiheit und Amnestie rufend an den berühmten und gefährlichen Stierlauf durch die Straßen der Stadtteil.
    Zahlreiche Exemplare der von Franco eingeführten derzeitigen spanischen Fahne wurden in Pamplona öffentlich verbrannt.
    Baskische Fahnen wurden gehisst.
    Einen Erfolg hat die neue Regierung.
    Und nein, auf der Linie Innenminister Martin Will ja immerhin schon gehabt.
    Es wurde eine Einigung mit den Briefträgern erzielt und der Poststreik ist so zu Ende gegangen.
    Vor weitere harte Belastungsproben wird die zunächst einmal wenig beliebte neue Regierungswahl schon in den nächsten
    Das war ein Bericht von Walter Haubrich, direkt aus Madrid, über die gestrigen Demonstrationen in Madrid, Pamplona und Barcelona.
    Heute am Nachmittag soll der spanische Außenminister Oreja hier in Wien eine Pressekonferenz geben.
    Wir werden im Abendjournal davon berichten und werden ihm sicher auch Fragen zu diesem Thema stellen.
    Heute im Abendjournal also ein Interview mit dem spanischen Außenminister
    Es ist jetzt gleich 12 Uhr und 30 Minuten.
    Wir haben die außenpolitische Berichterstattung damit beendet und kommen nun zur innenpolitischen Berichterstattung, zur Österreich-Berichterstattung.
    Mit zwei Parlamentssitzungen in der vergangenen Woche ist sozusagen die heimische Innenpolitik auf Urlaub gegangen.
    Die Politiker fahren in ihr Urlaubsziel.
    Die Abgeordneten verabschieden in den letzten Sitzungen des Parlaments noch eine ganze Reihe wichtiger Gesetzesmaterien, darunter ein neues Wohnbauförderungsgesetz und vor allem das heikle Paket der Minderheitengesetze.
    Volksgruppenförderung und Volkszählungsgesetz.
    Diese beiden Gesetze, um die es ja in Österreich viel Debatten gegeben hat und in Kärnten auch Ausschreitungen.
    Nun, das politische Klima der letzten Wochen und Monate selbst war durch eine gewisse Polarisierung zwischen den beiden großen Lagern gekennzeichnet.
    Nicht zuletzt ausgelöst durch die von ÖVP-Bundesparteiobmann Taus initiierte Ideologiediskussion.
    Die soll ja über den Sommer hin weitergeführt werden.
    Nun, wir sehen die Parteichefs der drei im Parlament vertretenen Parteien den innerpolitischen Sommerausklang des Jahres 1976.
    Die innerpolitische Redaktion hat die drei Spitzenpolitiker Kreisky, Taus und Peter zu Interviews gebeten und sie gebeten eine Art Zwischenbilanz zu ziehen.
    Wir werden heute und in den nächsten Tagen diese Interviews ausstrahlen.
    Hören Sie zunächst heute einmal das Interview mit dem Parteiobmann der Freiheitlichen Partei Österreichs, Friedrich Peter.
    Das Gespräch führt Hans Langsteiner.
    Herr Parteiobmann Peter, die zu Ende gehende politische Saison war unter anderem gekennzeichnet durch eine gewisse Polarisierung der beiden Großparteien.
    Haben Sie als Chef der kleinen Opposition hier nicht die Sorge zerrieben zu werden?
    Unter diesem Eindruck stehe ich nicht.
    Ich glaube, dass die Freiheitliche Partei ihre Position im Nationalrat glaubwürdig und überzeugend unter Beweis stellen konnte.
    Und mit dazu beitragen konnte den Offenbarungseid des Finanzministers zu erzwingen, der in dieser Situation und Session des Nationalrates abgelegt wurde.
    Die Regierung gibt nun endlich zu, dass sie mit ihrem Latein am Ende ist und sparen muss.
    Ein weiteres Merkmal der zu Ende gehenden Session war eine gewisse Ideologisierung.
    Es wurde wieder mehr über Ideologie gesprochen.
    Inwieweit beteiligt sich da die Freiheitliche Partei an dieser Diskussion?
    Die Freiheitliche Partei vollzieht ihre Politik nach ihren weltanschaulichen Grundsätzen.
    Und es kommt nicht darauf an, dass man eine Ideologie-Debatte vom Zaun bricht und dann entgegengesetzt der Ideologie handelt, wie das die österreichische Volkspartei im Bereich der Bildungspolitik tut, wo sie die sozialistische Gesellschaftspolitik unterstützt, sondern dass man seine eigene Politik nach den eigenen ideologischen Grundsätzen vollzieht und das tut die Freiheitliche Partei.
    Sie kritisierten jetzt sowohl die Sozialisten als auch die Volkspartei.
    Wie hat sich überhaupt das Verhältnis der Freiheitlichen Partei zu den beiden Großparteien im abgelaufenen Jahr geändert?
    Die Freiheitliche Partei hat ihre eigenständige und unabhängige Politik betrieben.
    Sie hat hier freiheitliche Zielsetzungen zu vertreten, steht in Opposition zu einer mit 93 Mandaten ausgestatteten sozialistischen Mehrheit.
    Es liegt in der Natur der Sache, dass sich gelegentlich Oppositionsinteressen treffen, was aber nicht bedeutet, dass es sich hier um eine Oppositionskoalition handeln würde.
    Sie vertraten einleitend in der Ansicht, Ihre Partei hätte sich gut geschlagen.
    Es gibt nun aber Kritiker, die sagen, dass die Freiheitliche Partei mit ihren politischen Vorstellungen nicht mehr ganz so präsent gewesen sei, wie sie es hätte sein können, wie sie es früher einmal war.
    Es hat sich gar nichts geändert.
    Man hat gelegentlich in die Freiheitliche Partei Dinge hineininterpretiert, die nicht drinnen lagen.
    Man hat sie in die Rolle des Königsmachers gedrängt, der sie nicht war.
    Wir sind und waren Oppositionspartei und erfüllen hier in dieser Gesetzgebungsperiode unseren Oppositionsauftrag.
    Und dass wir präsent sind, wird täglich in der Öffentlichkeit unterstreichen.
    Zu den Dingen, die von außen, wie Sie sagen, in die Freiheitliche Partei hineingetragen wurden, gehört zweifellos auch die interne Führungsdiskussion.
    Sie sagten immer, Sie sehen sich außerstande vor dem Parteitag, vor dem Bundesparteitag der FPÖ, etwas zur Frage der Nachfolge, zur Frage ihrer Wiederkandidatur zu sagen.
    Von diesem Parteitag tränen uns nur noch die Sommermonate.
    Können Sie jetzt etwas zu diesem Problem sagen?
    Ich kann Ihnen so viel sagen, dass ein Beschluss des Bundesparteivorstandes vorliegt, der mich dem nächsten Bundesparteitag
    im September dieses Jahres zur Wiederwahl als Bundesparteiobmann vorschlägt.
    Und Führungsprobleme werden ja auch immer von außen wieder angeheizt.
    Eine Frage an den Klubobmann Peter.
    Im vergangenen Jahr gab es erstmals eine neue Geschäftsordnung.
    Wie hat sich dies auf die kleine Oppositionspartei ausgewirkt?
    Vom Standpunkt der FPÖ aus kann gesagt werden, dass sich die neue Geschäftsordnung bis jetzt gut bewährt hat.
    Die FPÖ-Fraktion hat es mit dieser neuen Geschäftsordnung verstanden, die durch die Geschäftsordnungsreform verstärkten Kontrollmöglichkeiten wahrzunehmen.
    So haben wir zum Beispiel das Minderheitsrecht, nachdem ein Drittel der Mitglieder des Nationalrates einen Prüfungsauftrag an den Rechnungshof zwingend herbeiführen kann, realisiert und hier eben dem Kontrollauftrag der kleinen Partei entsprochen, was wiederum ein Beweis dafür ist, dass wir uns sehr wohl
    gegenüber den beiden anderen und größeren Parteien eindrucksvoll behaupten können.
    Das Stichwort Kontrollauftrag führt uns ein letztes Mal zu den großen Linien zurück.
    Im Zusammenhang mit der Marktordnungsdebatte übten sie Kritik an der Sozialpartnerschaft, insofern als dieses Gremium dem Parlament gewisse Aufgaben entziehen würde.
    Diese Kritik steht unverändert im Raum und ist ja zumindest von Seite
    des Präsidenten des Nationalrates wie auch von Seite des Klubobmanns der sozialistischen Fraktion dahingehend bestätigt wurden, dass eben einengende Maßnahmen von Seite der Sozialpartner stattgefunden haben, dass die Agrarmarktordnung außerhalb des Parlaments von den Sozialpartnern verhandelt und ausgehandelt wurde und das Parlament mehr in die Rolle eines Vollzugsorgans gedrängt wurde und zum ersten Mal
    ist das Ergebnis der Sozialpartnerverhandlungen zumindest optisch auch den Genehmigungen der Parteiführungsorgane der beiden anderen Parteien unterworfen worden und wir werden in Hinkunft dafür sorgen, dass das Parlament nicht zum Vollzugsausschuss der Sozialpartner degradiert wird, sonst würden wir ja in die alte Zeit der schwarz-roten Koalition zurückfallen und das will heute keine der drei im Nationalrat vertretenen Parteien.
    Das Gespräch mit dem Bundesparteiobmann der Freiheitlichen Partei Österreichs, Friedrich Peter, führte Hans Langsteiner.
    Thema Österreichs innenpolitische Situation im Sommer 1976.
    Wie schon vorher angekündigt, werden wir morgen und übermorgen im Mittagsschanal mit den beiden anderen Parteiobmännern der beiden großen Parteien sprechen.
    Morgen vorsichtlich mit dem Bundesparteiobmann der österreichischen Volkspartei Josef Taus und am Mittwoch mit dem Parteivorsitzenden der Sozialistischen Partei Österreichs Dr. Bruno Kreisky.
    Das Wort Taus bringt mich jetzt dazu, dass wir jetzt die Inlandspresseschau spielen könnten, denn die Inlandspresseschau
    beschäftigt sich heute unter anderem auch mit dem Bundesparteiobmann der österreichischen Volkspartei Josef Taus.
    In der Volkszeitung für Kärnten beschäftigt sich ein Kommentar von Willi Sauberer mit einer, wie der Autor schreibt, Anti-Taus-Kampagne, die die SPÖ derzeit auf breiter Front führe.
    Dazu bemerkt Zauberer, wäre Tauß so schwach und für die SPÖ so ungefährlich, hätte man die Volkspartei wohl im eigenen Saft schmoren lassen.
    Aber dass der junge ÖVP-Chef langsam aber sicher im Kommen ist, zeigte spätestens jene Meinungsumfrage, nach der er den einstigen Sonneboy der SPÖ, Hannes Androsch, in der Wählergunst überflügelte.
    Dazu kam die im eigenen Lager tatsächlich oft noch missverstandene Aktivität auf dem ideologischen Sektor, welche die Sozialisten in zweifacher Hinsicht schmerzt.
    Einerseits werden gutgläubige Kreiskewähler auf sozialistische und auch gutmarxistische Ziele aufmerksam gemacht,
    die sie nie unterstützen würden, könnten sie durch den Nebel der propagandistischen Gaukeleien sehen.
    Andererseits muss die SPÖ fürchten, dass die Ideologiediskussion ihre recht unterschiedlichen Gruppierungen erfasst und es ist nicht sicher, ob die Partei das ganz ohne Schaden aushält.
    Soweit die Kärntner Volkszeitung.
    Im Kurier greift Dieter Lenhardt sechs Punkte heraus, die seiner Ansicht nach entscheidend für die weitere Wirtschaftsentwicklung sein könnten.
    Lenhardt beschreibt dies folgendermaßen.
    Im nächsten Jahr wird es uns nur dann einigermaßen, vielleicht im jetzigen Rahmen, gut gehen, wenn die Wirtschaft, die Preisdisziplin halten soll, von der nächsten Lohnrunde nicht ins ohne dies verletzte Mark getroffen wird.
    Wenn sich die Unternehmen daher von der Kosten-, nicht aber von der Preisseite her, erholen.
    Wenn die solche Art geschonte Inflationsrate nicht vom Staat neuerlich gefährdet wird.
    Wenn die Unternehmer dann ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit und ihre Investitionslust wiederfinden.
    Wenn die Konsumenten sich angesichts der bedrohlichen Zuwachsrate bei den Importen dazu verstehen, beim Einkauf im Zweifelsfall österreichischen Qualitätswaren den Vorzug zu geben
    Und wenn Finanzminister Androsch doch noch ein Budget 1977 zustande bringt, das nicht alle Bemühungen von Wirtschaft, Gewerkschaften und Verbrauchern zusammenhaut.
    Nach diesen Überlegungen des Kurier über Maßnahmen künftiger Wirtschaftspolitik ein Blick in die Salzburger Nachrichten, in denen Hans Rohatsch das Thema Fremdenverkehr zum Anlass für einen Kommentar nimmt.
    Der Autor greift dabei kürzlich veröffentlichte Prognosen über die Stagnation des Fremdenverkehrs heraus und schreibt.
    In Österreich scheint man ein besonderes Talent zu entwickeln, den Fremdenverkehr im unpassendsten Augenblick in der Hochsaison zum Prügelknaben zu stempeln.
    In der innenpolitischen Saurigurkenzeit muss eben statt des Ungeheuers von Loch Ness das Ungeheuer Fremdenverkehr herhalten.
    Und weiter meint der Autor.
    Schritte nach vorne sind nur auf dem Wege von Leistungssteigerungen zu erzielen, da anscheinend wegen der enormen Steuerschraube auf der Preisseite höchstens Disziplin, aber keine Senkung möglich ist.
    Das ist für unseren Tourismus ein Hemmschuh sondergleichen.
    Das war unsere heutige Inlands-Presse-Schau, zusammengestellt von Eugen Freund.
    Es ist jetzt 12.40 Uhr, fünf Minuten vor dreiviertel eins.
    Und unser nächster Beitrag beschäftigt sich mit Sport und Politik.
    Und zwar mit den Olympischen Spielen, die am kommenden Samstag eröffnet werden sollen.
    Denn diese Olympischen Spiele werden trotz der Weigerung Kanadas, die Mannschaft aus Taiwan unter dem Namen Republik China teilnehmen zu lassen, wie geplant in Montreal eröffnet werden.
    Auch wenn Montreal eigentlich noch nicht ganz fertig ist für die Olympischen Spiele.
    Der Vorschlag des Olympischen Komitees, dass Taiwan auf seine Flagge verzichtet und mit der olympischen Fahne in das Stadion einmarschieren solle, ist gestern vom Komitee Taiwans kategorisch abgelehnt worden.
    Es geht ja um den Streit Taiwan als Nationalchina und Peking als Rotchina oder als China aufmarschieren zu lassen.
    Der Präsident des internationalen Olympischen Komitees, Lord Killennan, warf der kanadischen Regierung wegen ihrer starren Haltung Wortbruch vor und sagte, die Welt habe jetzt endlich die Nase voll von der politischen Einmischung in den Sport.
    Nun, der Sport wird ja immer mehr verpolitisiert, das merken wir ja eben bei diesen Olympischen Spielen.
    Auch Österreich nimmt an diesen Sommerspielen teil, auch wenn die Chancen für Österreich nicht allzu rosig sind.
    In der Präsidentschaftskanzlei in der Wiener Hofburg ist heute das österreichische Aufgebot für diese Olympischen Sommerspiele in Montreal angelobt worden.
    65 Athleten, 43 Betreuer haben heute dem Bundespräsidenten versprochen, faire Spiele abhalten zu wollen im sportlichen und olympischen Geist.
    Unter den Betreuern drei Ärzte, fünf Massere, drei Pferdebetreuer, ein Fahrradmechaniker, ein Bootsbauer und natürlich die komplette Delegationsleitung.
    Sie alle waren heute Vormittag im Olympiaanzug aufmarschiert.
    Die Damen trugen dunkle Röcke zu weißen Bläsern, blaue Blusen und gestreifte Krawatten, die Herren dementsprechend dunkle Hosen.
    Von der feierlichen Angelobung in der Präsidentschaftskanzlei berichtet nun Wilfried Seifert.
    Olympische Spiele, wahrscheinlich Sportveranstaltungen überhaupt, sind von dem Hintergrund Politik nicht mehr zu trennen.
    Man denke nur an die traurigen Vorfälle von München oder an die derzeitigen Auseinandersetzungen um die Teilnahme dieser oder jener Nation.
    Hauptsache ist der Sport eigentlich nur mehr für den Sportler.
    Der Degenfechter Lindner ist 23 Jahre alt und zum ersten Mal bei Olympischen Spielen dabei.
    Was bedeutet die Teilnahme für ihn persönlich?
    In den letzten Wochen
    konnte ich mir wenig den Kopf drüber zerbrechen, weil ich am Trainingslager war.
    Aber ich glaube schon, auch familiär hat es sich durch gewisse Spannungen ausgewirkt, dass man unter einem psychischen Druck steht.
    Weil es ist ja doch was Einmaliges und das Höchste für einen Amateursportler dabei zu sein.
    Und ich glaube nicht, dass das spurlos vorüber geht einem.
    Herr Lindner, was machen Sie beruflich?
    Ich bin Unteroffizier beim Bundesheer.
    Nun ist gerade der Militärsportler, der quasi Amateur, ein Vorwurf, den man auch an Oststaaten oft erhebt.
    trifft das dann nicht für Österreich auch zu?
    Sind Sie nicht auch in Wirklichkeit Profi?
    Naja, ich glaube, das ist eine Frage, die ist schwer zu beantworten.
    Weil, was ist ein Profi?
    Ein Profi ist der für seine Sportart Geld erhält.
    Ich erhalte meinen Gehalt fürs Training eigentlich.
    Ich glaube, man muss da unterscheiden.
    Tennis ist ein Profisport.
    Wenn ich ein Turnier gewinne, habe ich viel Geld.
    Wenn ich im Fechten ein Turnier gewinne, habe ich nichts.
    Aber ich glaube, in Österreich ist das Militär die ideale Lösung, um eben auch heute noch im Spitzensport mithalten zu können.
    Zurück zum Sportlichen.
    Welche Medaillenschancen hat die österreichische Delegation?
    Der Präsident des österreichischen Olympischen Komitees, der Wiener Stadtrat Kurt Heller.
    Ich glaube, dass wir als Mannschaft gut abschneiden werden.
    Sie dürfen nicht vergessen, dass ein Platz unter den ersten zehn eine großartige Leistung ist.
    Wenn Sie mich genauer fragen, ich hoffe auf etwa drei Medaillen.
    Ich fürchte allerdings, dass dabei keine Goldmedaille sein wird.
    Medaillen in welchen Disziplinen?
    Chancen haben wir sicherlich im Reiten, im Segeln, eventuell im Schießen.
    Da rechne ich mir schon gewisse Chancen aus.
    Vielleicht ist auch eine in der Leichtathletik drinnen.
    Nach olympischer Tradition werden nach einem Sieg die Nationalhymnen gespielt, die Nationalflaggen hochgezogen.
    Ein Sieg also als Anlass für nationale Feiern.
    Auch hier also Politik, politischer Einfluss, politischer Einfluss, den man angeblich zurückdrängen will.
    trägt nicht auch eine Veranstaltung wie die heutige.
    Eine Verabschiedung einer Sportler-Delegation durch der Staatsoberhaupt dazu bei, die nationale Betonung zu verstärken.
    Werden die Sportler nicht zu sehr Kämpfer für ihr Land?
    Bundespräsident Kirchschläger.
    Das, was heute hier in der Hofburg geschehen ist, nämlich die Verabschiedung der österreichischen Olympiamannschaft und die Entgegennahme des Gelöbnisses
    von den einzelnen Sportlern sich als faire Wettkämpfer zu erweisen.
    Das scheint mir, trägt keineswegs zu einer Verpolitisierung der Spiele bei.
    Denn natürlich kämpft jeder Wettkämpfer primär
    für sich, aber gleichzeitig auch als ein Angehöriger seines Staates.
    Und wir haben wiederholt Teilnehmer an Olympischen Spielen versichert, dass dieses Gefühl, wenn die eigene Nationalfahne hochgezogen wird, dass das wirklich eines der erhebendsten Gefühle ist.
    Und ich glaube mit Recht,
    Denn er steht ja in diesem Augenblick auch für den Sport seines ganzen Heimatlandes und damit auch für sein Land.
    Also, Gegensätze, scheint mir, werden nicht durch das Erringen von Goldmedaillen hineingetragen, sondern dadurch, dass man völlig sportfremde politische
    Streitigkeiten mit dem Sport verbindet.
    Und obwohl es schon so oft gesagt worden ist, dass Olympische Spiele der Neuzeit aber auch schon in der Antike Feste der nationalen Auseinandersetzungen des Geldes und des Geschäftes sind.
    Trotz alledem werden sicher die meisten von uns die bevorstehenden sportlichen Kämpfe mit höchstem Interesse verfolgen, werden mit den Athleten leiden und sich besonders mitfreuen, wenn ein Österreicher gewinnen sollte.
    Von der Angelobung der österreichischen Olympiamannschaft bei Bundespräsident Kirchschläger berichtete Wilfried Seifert.
    Es ist jetzt 12 Uhr und 47 Minuten, zwei Minuten nach Dreiviertel Eins und bis wir zu den Kulturbeiträgen kommen, ein paar Takte Musik.
    Untertitel im Auftrag des ZDF, 2021
    der und nach Tchaikovsky auch etwas Musikalisches aus der Kultur.
    Am kommenden Mittwoch werden der Wiener Schönes Chor und der Arnold Schönberg Chor zu einer Tournee nach Israel abreisen.
    Zwischen dem 14. und 28.
    Juli werden in Tel Aviv, in Jerusalem, Caesarea und Haifa sechs Konzerte gegeben.
    Aus diesem Anlass führte Herbert Dobrowolny mit dem Vorstandsmitglied der Schönes Musikal Dr. Peter Wolf das folgende Gespräch.
    Herr Dr. Wolf, der Wienerischen S-Korps wurde zum Israel-Festival einer kulturellen, oder besser gesagt der kulturellen Veranstaltung westlicher Prägung in Israel eingeladen.
    Wer hat diese Einladung ausgesprochen?
    Diese Einladung wurde teils vom Direktor des Israel-Festivals und teils von Subin Meta ausgesprochen.
    Sie geht auf eine Initiative Subin Metas zurück.
    und diese wiederum auf den Erfolg des Jeunesse-Chores unter Bernstein im Vorjahr bei den Salzburger Festspielen.
    So pflanzt sich das dann fort.
    Bernstein, Cicester, Psalms, das war ja das Programm bei den Salzburger Festspielen und diese Cicester, Psalms sind ja auch ein Teil des Programms in Israel.
    Jawohl, allerdings der Hauptpunkt für die Einladung war die Mitwirkung bei der 8.
    Sinfonie von Gustav Mahler, die Subin Meta mit dem Israel Philharmonik Orchester in Jerusalem und zweimal in Caesarea, in diesem herrlichen Amphitheater, aufführen wird.
    Es ist das, das Eröffnungskonzert der Israel-Festspiele, wozu wir auch den Wiener Schönberg Chor unter der Leitung von Ortner, Erwin Guido Ortner, nach Israel mitnehmen.
    Die Chichester Psalms selbst werden aufgeführt in einem von Günter Teuring geleiteten Konzert, in einem Konzert in Jerusalem und in Tel Aviv am 25. und 26.
    Juli, ebenfalls im Rahmen des Festivals.
    Es spielt hier das Jerusalem Symphony Orchestra, das zweite große Orchester von Israel.
    Darüber hinaus gibt es noch ein A Cappella-Konzert unter der Leitung von Erwin Guido Ortner mit Werken von Bruckner, Bach und Ligeti.
    Außer der Mahler-Sinfonie spielen wir Haydn, Theresienmesse, Schönberg, De Profundis, Bruckner,
    wie gesagt, und Liegeti.
    Mahlers 8.
    Symphonie wird ja auch die Symphonie der Tausend genannt.
    Nun reicht die Kapazität des Schönberg Chors und des Wiener Schönes Chors aus, um diese Tausend auszufüllen?
    Nicht ganz.
    Also wir fahren mit 240 Sängern nach Israel.
    Es kommt dann noch dazu ein israelischer Knabenchor und das Orchester, sodass man also insgesamt auf vielleicht 500 Mitwirkende kommt.
    Wenn man schon sozusagen die Mitwirkenden zählt,
    Tausend waren sie ja, glaube ich, nicht einmal bei der Uraufführung.
    Aber es ist eine ganze Menge mitwirkender und es ist eine ungeheuer teure Produktion.
    Wer hat die Kosten dieser Tournee des Wiener Schönberg Chors und des Wiener Schönes Chors übernommen?
    Man kann sagen, dass die Kosten bei ungefähr 1,6 Millionen Schilling liegen werden, wovon die Hälfte von Israel und die Hälfte von Österreich zu tragen ist.
    Und die österreichischen Kosten teilen sich wiederum Bundesministerium für Unterricht,
    Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten, die Stadt Wien, die Alban-Berg-Stiftung, die Kreditanstalt als der ständige Sponsor der Schönes Musikal sowie auch Eigenmittel werden dazu herangezogen.
    So haben wir diese doch bedeutende Geldsumme aufgebracht.
    Wer wird nun die Solo-Parts bei Mahler's Acht und bei der Haydn-Messe singen?
    Peter Harper, Stella Richmond, Jennifer Jones, Ursula Böse, Raffaele Ariel, Sigmund Nimskern und bei Haydn's Theresienmesse und der Teuring werden Jennifer Jones, Stella Richmond, Simon Estes und Menace Hadies die solistischen Partien singen.
    Warum macht man eigentlich eine solche aufwendige, teure und ziemlich anstrengende Tournee?
    Unserer Meinung nach ist das Einzige, was von Österreich wirklich in der Welt zählt, auch wenn das viele Leute nicht gerne hören wollen, die Kunst und hier wieder speziell die Musik.
    Und wenn irgendeine Gelegenheit ist, wieder auf diese Musik-Großmacht hinzuweisen, so muss sie ergriffen werden.
    Und das Israel Festival mit seiner Ausstrahlung in den anglo-amerikanischen Raum ist ein derartiges Publizitätsmoment und hat eine derartige Publizitätskraft, dass man meiner Meinung nach nicht darauf verzichten kann.
    Herbert Opperwolny sprach mit Dr. Peter Wolf über die Israel-Tournee des Wiener Jeunesse Chors und des Arnold Schönberg Chors.
    Diese Tournee beginnt am 14.
    Juli.
    Unser nächster Beitrag von der Kulturredaktion spielt schon in den Festspiel Sommer Österreichs hinein.
    Salzburger Festspieler, wir werden in den nächsten Wochen ja viel darüber in den Journalen berichten.
    Zum neunzehnten Mal kommen heuer bei den Salzburger Festspielen Autoren zu einer Werkstatt zusammen, in welchen Theorie und Praxis Probleme des Schreibens für die Bühne behandelt werden.
    Mit Professor Karl-Maria Grimme, einem der Mitbegründer der sogenannten Dramatischen Werkstatt, und um diese geht es jetzt, in Salzburg sprach Volkmar Parscha.
    Herr Prof. Grimme, seit 1958 gibt es die Salzburger Dramatische Werkstatt, die vor allem in der Zeit, während die Festspiele laufen, in diesen Jahren veranstaltet wurde.
    Nun, Herr Prof. Grimme, was führte zur Gründung einer solchen Dramatischen Werkstatt?
    Was waren die Erfolge dieser Werkstatt?
    Ja, da ist zunächst zu sagen, dass es sich darum handelt, Bühnenerfahrungen zu vermitteln, die furchtbare Kluft zwischen dem Autor, vor allem zwischen dem Autor und dem Theater zu schließen.
    Einwände dagegen hat es immer wieder gegeben.
    Man sagt, man könne da nichts lernen.
    Man könne überhaupt Bühnen, Stücke zu schreiben, nicht lernen.
    Nun, es dreht sich gar nicht da, irgendetwas zu lernen, sondern Begabungen zu entwickeln.
    Und da hat schon Goethe behauptet, Kunst nur treibe der Deutsche und wolle sie nicht lernen, die Dichtkunst, deshalb Pfusche ja auch so.
    Bitte, da ist noch das Wort lernen.
    Aber Sie werden ja vielleicht wissen, dass die Drama Departments in Amerika an den Hochschulen bestehen.
    Und dort in reinem Dramadepartement etwa 80 Vorlesungen sind.
    Daraus sind hervorgegangen Tennessee Williams, Inch, Anderson, Sherwood, Arsher Miller.
    Oder bitte ein Wort von Piscator.
    Für alle Sparten der Theaterarbeit gibt es Ausbildungsstätten.
    Der Autor werde aber im deutschen Sprachbereich alleingelassen.
    Also das ist die Aufgabe.
    Was kann ein Autor in diesen fünf Wochen lernen und wie versucht man ihm die praktische Arbeit zu vermitteln?
    Und wer hat das im Laufe dieser letzten fast 20 Jahre versucht?
    Am Anfang war es Buch und ich.
    Später war es dann Schreivogel und ich.
    Dann war es Glück.
    Und jetzt ist es der Professor Oskar Fritz Schuh und ich, die die Werkstatt machen.
    Welche Möglichkeiten haben Sie zur Verfügung?
    Haben Sie eine Bühne?
    Können Sie bei den Proben zu den Salzburger Festspielen zuschauen?
    Können Ihre Gäste dort mitarbeiten bei den Salzburger Festspielen?
    Gibt es Möglichkeiten, die Theaterstücke, die im Rahmen dieser Seminare entstehen, aufzuführen und dergleichen mehr?
    Diese Möglichkeiten gibt es alle.
    Wir gehen zu den Hauptproben der Theaterstücke.
    Wir haben immer wieder Gäste bei uns, die Prominenten.
    Im Vorjahr waren es Renner, Evertine, Schenk.
    Zweimal war es auch Karajan.
    Es war Hochruth Hochwälder, die zu uns kommen.
    Oder in das mit uns parallel arbeitende Bühnenbild-Seminar Schneider-Simpson.
    Was glauben Sie nun kann Oscar Fritzschuh den jungen Dramatikern vermitteln?
    Er kann selbstverständlich die praktische, unmittelbar praktische Erfahrung des Regisseurs vermitteln.
    Er kann ihnen dann sagen, was macht ihr falsch, was lässt sich nicht umsetzen auf der Bühne.
    Und das wird ja alles sofort mit Schauspielern, die ja mit Kursteilnehmer sind, probiert.
    Und das ist ja manches Mal so, wenn irgendeine Situation gegeben ist, dass die, bevor sie noch geschrieben wird, als Stehgreifspiel
    vorgeführt wird, dass sie dem nun wieder Anregungen bietet, den betreffenden Autor.
    Es ist aber auch so, dass manchmal die Schauspieler an den Arbeiten, an den Texten mitarbeiten.
    Umgekehrt, dass die Autoren Regie führen, dass sie Rollen spielen, sodass also ein vielfältiges Gewebe von Tätigkeit sich da entfaltet.
    Sie hatten ein Gespräch mit Prof. Karl-Maria Grimme zur Dramatischen Werkstatt in Salzburg und jetzt dreieinhalb Minuten vor 1 Uhr noch einmal ins Nachrichtenstudio, das Neueste in Kurzform.
    Österreich.
    Der Obmann der Freiheitlichen Partei, Peter, erklärte heute in einem ORF-Interview, die FPÖ habe in der abgelaufenen Parlamentssession ihre Position im Nationalrat glaubwürdig und überzeugend unter Beweis gestellt.
    Die FPÖ habe dazu beigetragen, dass Finanzminister Androsch den Offenbarungseid abgelegt habe.
    Die Regierung müsse nun zugeben, meinte Peter, dass sie sparen müsse.
    Zur Nachfolgediskussion meinte der FPÖ-Obmann, es gebe einen Beschluss des Parteivorstandes, der ihn Peter beim Parteitag im Herbst zur Wiederwahl vorschlage.
    Der Preisunterausschuss der Paritätischen Kommission hat heute eine generelle Preiserhöhung für Kaffee um maximal 13 Prozent zum 1.
    August zur Kenntnis genommen.
    Die Bundeswirtschaftskammer erklärte dazu in einer Aussendung, die neuerliche Preiserhöhung sei eine Folge der exorbitanten Rohstoffpreissteigerung auf dem Weltmarkt.
    Bundespräsident Kirchschläger hat heute in seinen Amtsräumen die österreichische Olympiamannschaft vereidigt, die noch heute mit einer Sondermaschine nach Montreal reisen wird.
    65 Sportler und 43 Betreuer gelobten Fairness und olympischen Geist.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Politiker, Vertreter des öffentlichen Lebens und die in Bonn akkreditierten Diplomaten haben heute mit einem Staatsakt im Bundeshaus vom ehemaligen deutschen Staatspräsidenten Heinemann Abschied genommen, der am vergangenen Mittwoch im Alter von 76 Jahren gestorben ist.
    Bundespräsident Scheel würdigte den SPD-Politiker als einen Christen, dessen Glaube ihn zur politischen Stellungnahme und zum Handeln gezwungen habe.
    Am Nachmittag ist ein Trauergottesdienst in Essen und die Beisetzung im engsten Familienkreis vorgesehen.
    Ägypten.
    In den Mittagsstunden begann heute in Kairo die dritte außerordentliche Konferenz der Außenminister der Mitgliedstaaten der Arabischen Liga.
    Beratungsthema ist wieder die Lage im Libanon.
    Der Ausschuss der Liga, dessen Vermittlungsbemühungen in der vergangenen Woche gescheitert waren, soll den Außenministern vorgeschlagen haben, eine Gipfelkonferenz der Staatschefs aller arabischen Staaten einzuberufen.
    PLO-Führer Arafat nimmt zum ersten Mal nicht an den Beratungen in Kairo teil.
    Libanon.
    Die Kämpfe dauern mit unverminderter Härte an.
    Nach Angaben der christlichen Milizen stünden ihre Einheiten nur einen Kilometer vor der Hafenstadt Tripoli.
    Heftige Kämpfe werden auch aus dem Gebiet von fünf palästinensischen Flüchtlingslagern gemeldet.
    Die Eroberung des Flüchtlingslagers Tel Sa'atar durch christliche Einheiten ist heute von einem Moslemsprecher dementiert worden.
    Er gab jedoch zu, dass die Christen eine Reihe von strategischen Gewinnern erzielen konnten und der Fall des Lagers unvermeidlich sei, falls die Belagerung andauere.
    Österreich Die Steyr-Daimler-Puchwerke werden in Nigerien eine Fabrik für Traktoren und Lastwagen errichten und bis zur Inbetriebnahme des Werks rund 1400 LKW an diesen westafrikanischen Staat liefern.
    Mit diesen Kurznachrichten aus aller Welt haben wir das Mittagschanal beendet.
    Der aktuelle Dienst meldet sich zu jeder vollen Stunde mit weiteren Nachrichten und ausführliche Berichte hören Sie wieder um 18.15 Uhr im Programm Österreich 1 bei unserem Abendschanal.
    Reaktion und Technik verabschieden sich.
    Auf Wiederhören.

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Datum: 1976.07.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wetterbericht
    Datum: 1976.07.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Natur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Aktuelle Lage im Libanon, Schilderung der Lebensbediengungen
    Mitwirkende: Krause, Walter [Gestaltung]
    Datum: 1976.07.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Schwedische Journalisten bestätigen Gräuel in Kambodscha und Vietnam
    Mitwirkende: Graffenberger, Günter [Gestaltung]
    Datum: 1976.07.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Medien und Kommunikation ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Demonstrationen für Amnestie politischer Häftlinge in Spanien
    Mitwirkende: Haubrich, Walter [Gestaltung]
    Datum: 1976.07.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Friedrich Peter zieht Bilanz über Parlamentsarbeit
    Mitwirkende: Langsteiner, Hans [Gestaltung] , Peter, Friedrich [Interviewte/r]
    Datum: 1976.07.12 [Sendedatum]
    Ort: Wien, Parlament [Aufnahmeort]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Inlandspresseschau: Taus-Kampagne, Wirtschaft, Fremdenverkehr
    Mitwirkende: Freund, Eugen [Gestaltung]
    Datum: 1976.07.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Medien und Kommunikation ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Verabschiedung der olympischen Delegation bei Bundespräsident Kirchschläger
    Interview: Degenfechter Lindner, , Einblendung: Heller, Kirchschläger,
    Mitwirkende: Seifert, Wilfried [Gestaltung] , Kirchschläger, Rudolf [Interviewte/r] , Lindner, Herbert [Interviewte/r] , Heller, Kurt [Interviewte/r]
    Datum: 1976.07.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Sport ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Israel Tournee des Wiener Jeunesse Chores
    Interview: Peter Wolf
    Mitwirkende: Dobrovolny, Herbert [Gestaltung] , Wolf, Peter [Interviewte/r]
    Datum: 1976.07.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Musik ; E-Musik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Interview mit Karl Maria Grimme "Zur dramatischen Werkstatt"
    Mitwirkende: Parschalk, Volkmar [Gestaltung] , Grimme, Karl Maria [Interviewte/r]
    Datum: 1976.07.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Kultur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten

    Katalogzettel

    Titel Mittagsjournal 1976.07.12
    Spieldauer 01:00:00
    Mitwirkende Bock, Hellmuth [Moderation]
    Dobrovolny, Herbert [Regie]
    ORF [Produzent]
    Datum 1976.07.12 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ audio
    Format TKA [Tonband auf Kern (AEG)]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-760712_k02
    Medienart Mp3-Audiodatei
    Gesamtwerk/Reihe Mittagsjournal

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    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt