Mittagsjournal 1976.07.28

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    Mittagsjournal.
    Nun wenige Sekunden nach 12 Uhr ist es guten Tag meine Damen und Herren.
    Bei einer Stunde aktueller Information zu Mittag begrüßt sie als Redakteurin Ilse Vögel.
    Sicher wird sie interessieren, welche Auswirkungen das schwere Erdbeben gehabt hat, das heute Nacht die chinesische Hauptstadt Peking erschütterte.
    Von offiziellen chinesischen Stellen gibt es ja kaum Stellungnahmen.
    Wir versuchten Näheres von unserem Botschafter in Peking zu erfahren, bringen aber auch den Bericht eines Journalisten der Nachrichtenagentur Reuter, der vielleicht doch mehr von diesem Beben miterlebt hat.
    Soviel zum Erdbeben in China.
    Was aber hören Sie heute aus dem Inland?
    Hier bringen wir ein Interview mit ÖVP-Parteiobmann Taus, Thema die Stellungnahme der ÖVP zum Fall Paar.
    Oder anders gesagt, wie sieht die Volkspartei die Ernennung eines ehemaligen oder noch ÖAAB-Mitglieds, da gibt es ja verschiedene Versionen, zum Außenminister einer SPÖ-Regierung.
    Ferner berichten wir über eine Umfrage der Ärztekammer, ihr bestürzendes Ergebnis, nur vier von zehn Ärzten haben genug Zeit für ihre Patienten.
    Außerdem will man einen eigenen Honorarposten für ärztliche Gespräche einführen.
    Nun wieder zurück ins Ausland, hier kurz die Themen der geplanten Beiträge in Schlagzeilen.
    Spanien will Neuregelung seines Verhältnisses zum Vatikan.
    UNO-Sicherheitsrat beschäftigt sich mit einer Beschwerde Zambias gegen Südafrika.
    Und wie teuer sind die teuersten Städte der Welt?
    Beziehungsweise wo in dieser teuren Statistik scheint Wien auf?
    Und nicht zu vergessen natürlich die Kulturredaktion.
    Sie bringt heute wieder einen Bericht aus Salzburg.
    Eine Vorschau auf Mozarts Titus, der morgen in der Felsenreitschule Premiere hat.
    Ja, das wär's dann wieder einmal für heute Mittag, heute nur bis 12.58 Uhr.
    Erster Programmpunkt, aber wie immer Weltnachrichten, verantwortlicher Chef vom Dienst, Adolf Beundl, Sprecher Josef Knatek.
    China.
    Über das schwere Erdbeben, das heute Nacht im Gebiet von Tianjin, der drittgrößten Stadt des Landes, die Stärke 8,2 auf der nach oben nicht begrenzten Richterskala erreicht haben soll, werden nun von den internationalen Agenturen Einzelheiten gemeldet.
    So berichtet Reuter aus Peking, die Hauptstadt gleiche zur Zeit einem riesigen Flüchtlingslager.
    Die Bewohner wurden von der Polizei über Lautsprecherwagen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen, da man weitere Erzstöße befürchtet.
    Beim Morgengrauen setzten wolkenbruchartige Regenfälle ein, die Menschen blieben aber auf den Straßen.
    Verschiedentlich haben sie an den Straßenrändern ihr Inventar und ihre Habseligkeiten abgestellt.
    Ein Korrespondent von Agence France Presse berichtete nach einer Fahrt durch die Straßen Pekings über zahlreiche eingestürzte Häuser in der Nähe jenes Viertels, in dem der Amtssitz des Parteichefs Mao Zedong liegt.
    Die modernen Bauten im Ausländerviertel haben dem Beben offensichtlich besser standgehalten.
    Irgendwelche Angaben über Personenopfer oder die Höhe des Sachschadens liegen bis jetzt noch nicht vor.
    Die Verbindungen mit Tianjin, wo das Beben am stärksten war, sind weiterhin unterbrochen.
    Auf dem Hauptbahnhof von Peking wurden die Fahrkartenschalter geschlossen, was Anlass zu der Vermutung gibt, dass Geleisestrecken zerstört worden sind.
    Das Erdbeben ist von vielen seismologischen Stationen, also auch von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik auf der Hohen Warte in Wien registriert worden.
    Es war das Heftigste, das sich innerhalb der letzten zehn Jahre auf der Erde ereignet hat.
    Österreich.
    Das Aktionskomitee des Allgemeinen Bauernverbandes hat beschlossen, den für morgen in Kärnten geplanten Milchauslieferungsstreik nicht durchzuführen.
    Auch die Kundgebungen vor den Molkereien, die blockiert werden sollten, finden nicht statt.
    Nach internen Informationen waren bereits umfangreiche Milchanlieferungen aus anderen Bundesländern organisiert worden, mit denen man einem Streik in Kärnten hätte die Wirkung nehmen können.
    Dieser Umstand hat das Aktionskomitee veranlasst, die für morgen angesetzte Blockade nicht durchzuführen.
    Unterdessen hat der Bundesagrarreferent der FPÖ Zillner die Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern in einem Telegramm aufgefordert, Verhandlungen über eine Revision des Mitte Juli mit der Regierung ausgehandelten Preispaketes für agrarische Produkte aufzunehmen.
    Neben der sinkenden Zahl der Arbeitslosen und der Zunahme an offenen Stellen weist nun auch die Entwicklung der Arbeitszeit auf die Wiederbelebung der Konjunktur hin.
    Die Zahl der in der österreichischen Industrie Beschäftigten ist seit Jahresbeginn in fast allen Branchen gestiegen, sie liegt aber noch immer unter den Vergleichswerten des Vorjahres.
    Dagegen hat sich die effektive Arbeitszeit wieder erhöht.
    Diese Tendenz deutet darauf hin, dass nicht nur die Kurzarbeit allgemein kaum mehr zur Überwindung von Beschäftigungsproblemen herangezogen wird, sondern dass in den Betrieben der österreichischen Industrie teilweise wieder Überstunden geleistet werden.
    Die österreichische Rektorenkonferenz hat die Bildung eines Wissenschaftsrates gefordert, in dem die Forschungsaktivitäten bundesweit koordiniert werden sollten.
    Dieser Wissenschaftsrat hätte nach Ansicht der Rektoren ferner die Aufgabe, die Bundesregierung in Fragen der Forschungspolitik zu beraten und Empfehlungen über Forschungsprogramme auszuarbeiten.
    Die Rektoren treten außerdem dafür ein, dass für Hochschulforschung und wissenschaftliche Forschung im Allgemeinen außerordentliche Finanzierungsaktionen erwogen werden müssten.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Hauptthema des heute in Bonn tagenden Ministerrates sind die jüngsten Zwischenfälle an der Grenze zur Deutschen Demokratischen Republik.
    Wegen dieser Vorkommnisse sind geplante Gespräche zwischen Bauexperten der beiden Länder abgesagt worden.
    Weiters berichtet Außenminister Genscher über die Tagung der Außenminister der Europäischen Gemeinschaften im Hinblick auf die geplanten Direktwahlen zum Europäischen Parlament.
    Vatikan.
    Der Heilige Stuhl und Spanien haben heute im Vatikan ein Teilabkommen über die Reform des spanischen Konkordates unterzeichnet.
    Wesentlicher Punkt des Übereinkommens ist der Verzicht des spanischen Staatsoberhauptes auf ein Mitspracherecht bei Bischofsernennungen.
    König Juan Carlos erklärte sich vor einigen Tagen freiwillig zum Verzicht auf das aus der Ierofranca stammende Vorrecht bereit.
    Damit ist eines der Kernprobleme in den Beziehungen zwischen dem Vatikan und Spanien gelöst.
    Die noch offenen Konkurrenzfragen werden als weniger schwierig betrachtet.
    Italien.
    Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen wird Italien morgen ohne Tageszeitungen sein.
    Die Journalistengewerkschaft hat heute zu einem 24-stündigen Streik aufgerufen.
    Die Gewerkschaft will damit gegen das Zeitungssterben und gegen eine Pressekonzentration protestieren.
    Am vergangenen Samstag ist das 1901 gegründete konservative Abendblatt Il Giornale d'Italia zum letzten Mal erschienen.
    Die Zeitung Telegrafo, die gleichfalls mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, soll mit Ende dieses Monats ihr Erscheinen einstellen.
    Angola
    Nach Angaben der jugoslawischen Nachrichtenagentur TANJUK hat die Volksrepublik Angola eine vorläufige Einreisesperre für alle Ausländer verhängt.
    Begründet wird die Maßnahme von der Regierung in Luanda mit dem angeblich massiven und unkontrollierten Zustrom angolanischer Flüchtlinge aus Portugal.
    Rhodesien.
    Mit sofortiger Wirkung hat die Regierung in Salisbury die Einreise ausländischer Journalisten erheblich erschwert.
    Ein Regierungssprecher teilte dazu mit, alle aus dem Ausland zur Berichterstattung nach Rhodesien kommenden Journalisten müssten künftig entweder im Besitz einer befristeten Arbeitserlaubnis sein oder nachweisen können, dass sie einen gültigen Wohnsitz im Lande haben.
    Bisher konnten ausländische Journalisten mit einem normalen Besuchervisum einreisen.
    Japan.
    In Tokio ist heute ein dreitägiger außerordentlicher Parteitag der japanischen KP eröffnet worden.
    Auf dem Programm steht die Revision des Parteiprogramms.
    Auf Vorschlag der japanischen KP-Führung sollen dabei unter anderem die Begriffe Diktatur des Proletariats und Marxismus-Leninismus durch die Begriffe Macht der Arbeiterklasse und wissenschaftlicher Sozialismus ersetzt werden.
    Die 370.000 Mitglieder der zählenden KP Japans ist die zweitstärkste Oppositionspartei im Lande.
    Sie musste bei den jüngsten Wahlen hohe Stimmeneinbußen hinnehmen.
    USA.
    Ein Aufklärungsflugzeug der amerikanischen Luftwaffe vom Typ SR-71 hat neue Geschwindigkeitsweltrekorde aufgestellt.
    Die Maschine erreichte auf kurzer Strecke eine Geschwindigkeit von 3.522 Kilometern pro Stunde.
    Auf einem 1.000 Kilometer langen Rundkurs kam das amerikanische Flugzeug mit einer Last von 1.000 Kilogramm auf 3.356 Kilometer pro Stunde.
    Beide Weltrekorde waren bisher von der sowjetischen Maschine MiG-25 gehalten worden.
    Sie stammten aus den Jahren 1965 und 1967.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Die durch Hitze und wochenlange Trockenheit entstandenen Schäden an den deutschen Wäldern werden wahrscheinlich die Milliardenmarktgrenze überschreiten.
    Allein im Bundesland Baden-Württemberg werden die Verluste einschließlich der erst in Jahrzehnten wirksam werdenden Schäden auf 600 Millionen DM geschätzt.
    Neben dem Wassermangel haben vor allem Schädlinge und Brände gigantische Waldschäden verursacht.
    In vielen deutschen Bundesländern lag die Häufigkeit von Waldbränden in diesem Sommer zwei- bis dreimal so hoch wie in den vergangenen Jahren.
    Die lang anhaltende Trockenheit hat zu einer überaus starken Vermehrung bei Barken und Rüsselkäfern geführt.
    Der lang ersehnte Regen, der vor einer Woche über vielen Gebieten niederging, kam meist zu spät.
    Das waren die Meldungen.
    Und nun ein Blick auf die Wetterlage.
    Das Wetter im Alpenbereich wird derzeit noch immer von dem in höheren Luftschichten der Troposphäre gelegenen Tief bestimmt.
    In der kommenden Nacht erreicht von Nordwesten her eine Front das Bundesgebiet.
    Die Wetterersichten bis morgen früh.
    Im Nordosten Österreichs zum Teil aufgelockerte Bewältigung.
    Nachmittags örtlich Gewitter.
    Im übrigen Bundesgebiet vorherrschend reichliche bis geschlossene Bewölkung und strichweise Regen oder Regenschauer.
    Nachmittagstemperaturen in sonnigen Gebieten bis 24 Grad, sonst zwischen 14 und 18 Grad.
    Ab den Abendstunden von Nordwesten her Bewölkungsverdichtung bzw.
    Eintrübung und erneut Aufleben der Niederschlagstätigkeit.
    Frühtemperaturen morgen 10 bis 16 Grad.
    Nordwestliche Winde.
    Die Wetteraussichten für morgen.
    Im Allgemeinen stark bewölkt bis bedeckt und regnerisch.
    Im späteren Tagesverlauf vor allem über den Niederungen des Nordostens Wetterbesserung.
    Nordwestliche Winde.
    Tageshöchsttemperaturen morgen 12 bis 16, örtlich bis zu 20 Grad.
    Und nun die Messwerte von heute 12 Uhr.
    Wien meldet wolkig bei 22 Grad und Westwind mit 5-10 km in der Stunde.
    Eisenstadt wolkig 24, Nord 10, Linz heiter 20, West 20, Salzburg stark bewölkt 17, Südost 5,
    Innsbruck, Wolkig 17° bei Windstille.
    Bregenz, Wolkig 20° bei Westwind mit 3 km in der Stunde.
    Graz, Wolkig 22°, Nordwest 25° und schließlich Klagenfurt, Wolkig 19°, Südwestwind mit 10 km in der Stunde.
    Soweit also Nachrichten und Wetterbericht.
    In der Zwischenzeit ist es 12.13 Uhr geworden, zwei Minuten vor Viertel eins.
    Eines der interessantesten Themen der derzeitigen, allerdings sommerlichen Phase der Innenpolitik ist das Rätselraten um die von Bundeskanzler Kreisky für den Herbst angekündigte Regierungsumbildung.
    Fast sicher als Nachfolger von Landwirtschaftsminister Weiß und Sozialminister Häuser dürften der derzeitige Staatssekretär Heiden und der Präsident des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger Weißenberg feststehen.
    Und seit etwa zehn Tagen sieht es auch so aus, als ob sich der Regierungschef bereits auf den Nachfolger für Außenminister Pielka festgelegt habe.
    Kreisky kündigte jedenfalls an, er werde den derzeitigen Chef des Verfassungsdienstes im Bundeskanzleramt, Sektionschef Dr. Willibald Paar, dem Parteivorstand als Kandidat für die Nachfolge PLKs vorschlagen.
    Aufsehen erregte dabei allerdings die Meldung, die kurz darauf bekannt wurde, dass Paar nämlich zu Beginn der ÖVP-Alleinregierungszeit dem Arbeiter- und Angestelltenbund der ÖVP beigetreten ist und inzwischen auch kein offizielles Austrittsschreiben aus dem ÖAB eingereicht hat.
    Allerdings teilte ÖAAB-Chef Mock mit, Paar habe ihm 1974 während der parlamentarischen Beratungen um die Rundfunkgesetznovelle einmal einen Zettel zugesteckt, auf dem Paar mitgeteilt habe.
    Er betrachte sein Verhältnis zum ÖAAB als beendet.
    Dies sei jedoch in einem Gespräch, das zitiert die Wochenpresse, dann so gut wie zurückgenommen worden.
    Pahr wiederum hat unterdessen durchblicken lassen, dass er in dieser Zeit, das war also das Jahr 1974, wegen seiner, wie er sagte, loyalen Dienstauffassung als Beamter von Seiten der ÖVP angegriffen worden sei.
    Nun, wie auch immer die Frage steht, ob nun Dr. Pahr noch Mitglied des ÖAB und damit der ÖVP ist oder nicht.
    Für die große Oppositionspartei ergeben sich durch die jüngste Koalition einige Probleme.
    Darüber führt nun Erich Eichinger mit ÖVP-Bundesparteiobmann Dr. Josef Tauß das folgende Interview.
    Der Generalsekretär des Arbeitnehmerflügels der ÖVP, Heinzinger, hat etwas sinngemäß gemeint.
    Bundeskanzler Kreisky habe nun einen Aristokraten als Verteidigungsminister, einen Katholiken als Staatssekretär mit der
    Wiesenthaljagd die nationalen Kreise befriedigt in dieser Palette, habe ihm nur mehr ein ÖVP-Mitglied gefehlt.
    Warum ist nicht ein ähnlicher Ausspruch von Ihnen etwa gekommen?
    Man hat den Eindruck, als habe sich die ÖVP-Zentrale bisher zu diesem Fall in Schweigen gehüllt.
    Nun, ich möchte Ihnen hier ganz grundsätzlich Folgendes sagen.
    Ich halte es für den Bundeskanzler für unbenommen, wen er in sein Kabinett hineinnehmen will.
    Das ist seine Sache.
    Wir werden natürlich die jeweiligen Persönlichkeiten, wie es der Opposition zusteht, qualifizieren und unsere Meinung über diese Personen sagen.
    Das ist der erste Punkt.
    Der zweite Punkt, um den es hier geht, ist, mich wundert eigentlich, dass die sozialistische Partei bislang niemand gefunden hat aus ihren eigenen Reihen, der die Position des Außenministers einnehmen könnte.
    Es ist immerhin interessant, dass eine
    so große Partei nun wieder keinen Außenminister, der Mitglied der sozialistischen Partei ist, gefunden hat.
    Aber das muss sich auch der Bundeskanzler mit seinen Parteifreunden ausmachen und nicht mit uns.
    Das Dritte in diesem Zusammenhang hat mich mit einem gewissen Schmunzeln entlockt, als ich gehört habe, dass der Herr Sektionschef Dr. Bahr, ich glaube einen Monat vor der letzten Nationalratswahl 600 Schilling Mitgliedsbeiträge beim ÖAB nachgezahlt hat.
    Wenn das stimmt, ich habe keinen Grund daran zu zweifeln, dann bleibt jedem Wähler überlassen und auch mir überlassen, ein solches Verhalten zu qualifizieren.
    Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.
    Wie wird der Parteiobmann nun rein parteirechtlich das Verhalten qualifizieren?
    Ist Sektion Schäfpar für Sie nach wie vor ÖVP-Mitglied oder plädieren Sie selbst für einen Ausschluss oder für eine gütliche Regelung?
    Ich sehe nicht, was hier diskutiert oder gültig oder wie immer Sie das nun nennen wollen, geregelt werden soll.
    Ich glaube, die Vorgangsweise in so einem Fall ist immer eindeutig.
    Wie die Dinge liegen und nach meinen Informationen ist Sektionschef Dr. Bahr ÖAB Mitglied.
    Offensichtlich hat hier der Bundeskanzler echte Informationslücken gehabt.
    hängt vielleicht ein wenig mit seiner Natur zusammen.
    Sich vielleicht die eine oder andere Sache doch nicht so genau anzuschauen, wie es dem Gegenstand angemessen wäre, ist ja nicht der erste Fall.
    Ich erinnere an den Minister Oellinger.
    Das ist seine Sache und vor allem auch Sache der ÖVP und Sache der SPÖ und Sache der Öffentlichkeiten, solches Verhalten zu qualifizieren.
    Also wie die Dinge liegen, ist Sektionschef Bahr ÖAB-Mitglied.
    Und es wird nun in den zuständigen Gremien zu entscheiden sein, wenn jemand, und das soll völlig ohne jede Emotion geschehen, in eine sozialistische Regierung hineingeht, sich
    dezidiert mit deren Zielen und Absichten einverstanden erklärt, ob er dann ÖAB-Mitglied bleiben kann.
    Ich bin der Auffassung, dass wir da wahrscheinlich nicht bleiben können.
    Und so wird die Entscheidung dann auch wahrscheinlich fallen, ohne dass ich den Gremien hier vorgreifen möchte.
    Ich sage hier nur meine Meinung, wie es in einer demokratischen Organisation richtig und notwendig ist.
    Sie haben etwas sinngemäß gemeint.
    Es wäre für Sie bemerkenswert, dass die Sozialisten in ihren eigenen Reihen offensichtlich keinen Kandidaten für den Außenministerposten fänden.
    Nun gab es ja auch schon angeblich Bestrebungen von Bundeskanzler Kreisky, ein ÖVP-Mitglied zum Landwirtschaftsminister zu machen und dann haben die Sozialisten doch jeweils einen aus ihren Reihen für den Posten des Landwirtschaftsministers gefunden.
    Ist das für Sie so etwas wie ein Versuch, aus der ÖVP Gruppen herauszubrechen?
    Ich glaube nicht, dass mit der Nennung eines Mannes, der von sich sagt, dass er nicht mehr ÖVP-Mitglied ist, wo aber die Fakten dafür sprechen, dass er ÖVP-Mitglied ist, dass da irgendeine Gruppe irgendwo herausgebrochen werden wird.
    Ich meine, das ist eine Taktik.
    Ich glaube auch gar nicht, dass es so gemeint war.
    Das ist eine Taktik, die so nicht aufgehen kann.
    Aber der Bundeskanzler hat ja, glaube ich, selber gesagt, wenn ich das auch noch richtig im Ohr habe, dass Bayern nicht mehr ÖVP-Mitglied sein.
    Nun hat sich herausgestellt, dass es offensichtlich doch ist.
    Also so beabsichtigt war das Ganze ja nicht.
    Wenn man sich zurückerinnert an die These, mit der die ÖVP
    den Nationalratswahlkampf 1975 geführt hat, die These von der Zusammenarbeit, die These von der Konzentrationsregierung.
    Könnte man da nicht argumentieren, Sie müssten eigentlich froh sein, wenn ein ÖVP-Mitglied nun in eine Regierung käme?
    Nun, es ist immer so, dass wenn ÖVP-Mitglieder in eine Regierung hineingehen, die nicht von der ÖVP gestellt wird, oder umgekehrt, wenn also auch SPÖ-Mitglieder in eine Regierung gehen, die von der ÖVP gestellt wird, ist es üblich, dass also die Parteien hier miteinander sprechen.
    Das ist auch ganz logisch und ganz normal.
    Das ist in dem Fall nicht geschehen.
    Gar nicht geschehen, sollte auch nicht geschehen, denn der Bundeskanzler ging ja von der Voraussetzung aus, dass Dr. Pah im Nicht-ÖAB Mitglied ist.
    Das ist die Situation, in der wir sind.
    Das hat wieder etwas mit Zusammenarbeit und mit Konsens zu tun.
    Sie wissen, dass ich der Auffassung bin, dass wir überall dort mit der SPÖ in sachlichen Fragen mitgehen werden, wo wir es ähnlich
    genauso gemacht hätten, dass wir dort mitgehen, wo wir einen für uns vertretbaren Kompromiss finden und dass wir dort hart dagegen sind, wo das unseren Überzeugungen widerspricht.
    Und das ist auf diesen Fall hier überhaupt nicht anzuwenden.
    soweit eine Stellungnahme von ÖVP-Parteiobmann Taus zum Fall Paar.
    Der Sektionschef dürfte also, sollte er Außenminister werden, aus dem ÖAAB bzw.
    aus der ÖVP ausgeschlossen werden.
    Und wir setzen beim Thema Paar eigentlich gleich fort und zwar mit der Inlandspresse-Show.
    Im ÖVP-Organ Salzburger Volkszeitung kommentiert Walter Rahming die Diskussion um Sektionschef Paar folgendermaßen.
    Kennen Sie den Geschmack ranziger Butter oder das bamstige Gefühl nach dem Zähneziehen?
    Unangenehm und unbehaglich.
    Derartige Gefühle beschleichen einen, wenn man an Sektionschef Dr. Parr denkt.
    Nicht etwa deshalb, weil er die Chance seines Lebens ergreift und als Krescki-Kandidat in die Regierung ziehen dürfte.
    Auch nicht wegen der ÖVP-Stellungnahmen, die davon reden, dass der ÖAAB ein Mitglied verliert.
    Das ist wohl das Recht einer Oppositionsgruppe, auf ein Mitglied zu verzichten, wenn es Minister der Regierungspartei werden will.
    Ob es immer dabei bleiben wird?
    Bei uns in Balkanschweden?
    Nein, Unbehagen verursacht das Drum und Dran, mit dem der Sektionschef Pahr herumhudelt, um seine ÖAAB-Mitgliedschaft in den Kamin zu schreiben, meint Walter Rahming in der Salzburger Volkszeitung.
    Pahr-Episode überschreibt Reinhard Hampel in den oberösterreichischen Nachrichten seinen Kommentar zum selben Thema.
    Er setzt sich vor allem mit der gestrigen Äußerung Vizekanzler Heusers auseinander, wonach Sektionschef Pahr ein Mann mit Charakter sei.
    Dazu Hampel.
    Als die ÖVP die Alleinregierung stellte, trat Paar dem ÖAAB bei.
    Zufällig, zur gleichen Zeit, da der jetzt apostrophierte Außenminister Sektionschef des Verfassungsdienstes wurde, zahlte er keine Mitgliedsbeiträge.
    Dann zahlte seine Frau wieder, und zwar irrtümlich.
    Und jetzt, da die Darstellungen der Vorgänge rund um Paars ÖVP-Engagement bzw.
    seinen Austritt aus dem ÖAAB verworren sind wie ein Wollknäuel, weiß der Sektionschef, es war eine Episode.
    Somit scheint Häuser ja recht zu haben, denn auch die Charakter der stärksten Männer haben ihre Episoden.
    Demgegenüber meint Walter Kunz im sozialistischen oberösterreichischen Tagblatt.
    Aufregung um einen hohen Beamten, der noch oder nicht mehr dem ÖAAB angehört und jetzt als Minister in der SPÖ-Alleinregierung im Gespräch ist.
    noch nicht designiert, nicht vorgeschlagen, eben nur im Gespräch.
    In der ÖVP meint man, das sei Gesinnungslosigkeit oder Ärgeres, zugegeben, eine nicht alltägliche Situation.
    Bestimmt aber nur die Spitze eines Eisberges, sichtbares Symptom eines Zustandes, dessen Wurzeln weit tiefer reichen.
    Bis in die kleinste Straßenmeisterei von Niederösterreich, Tirol oder Vorarlberg, um nur einige Beispiele zu nennen.
    Zunächst einmal sind wir nicht der Meinung, dass die Mitgliedschaft beim ÖAAB unbedingt etwas mit Gesinnung zu tun haben muss.
    Soweit das Oberösterreichische Tagblatt.
    In der jüngsten Nummer der Wochenpresse befasst sich Eberhard Strohal mit der Ideologiediskussion zwischen den beiden Großparteien und führt unter anderem aus.
    Das Ideologie-Ping-Pong kann nichts bringen.
    Heute hat immer noch der mehr Erfolgsaussichten, der glaubhafter verheißt, für ein besseres Leben sorgen zu wollen und zu können.
    Weil niemand in die Zukunft zu schauen vermag, denkt auch keiner mehr darüber nach.
    An Gott glauben viele, an den Teufel kaum einer.
    In der Kirche wie in der Politik.
    So ist durch Verteufelung wenig zu gewinnen.
    Das war unsere heutige Inlandspresse-Schau.
    Fünf Minuten vor halb eins.
    Wir kommen jetzt zur Spitzenmeldung der Nachrichten.
    Ein schweres Erdbeben hat ja heute Nacht die chinesische Hauptstadt Peking erschüttert.
    Nach offiziellen chinesischen Angaben erreichte der erste Erdstoß um 20.45 Uhr mitteleuropäischer Zeit, das war 3.45 Uhr Ortszeit, die Stärke 7,3 nach der Richterskala.
    Auf der Wiener Hohen Warte und von anderen seismologischen Instituten wurde eine Bebenstärke 8 nach Richter gemessen.
    Dies würde nach Angaben unserer Hohen Warte eine Bebenstärke 11 nach der 12-teiligen Mercalliskale einsprechen.
    Ein wirklich sehr schweres Erdbeben.
    Sein Epizentrum soll 150 Kilometer südöstlich von Peking gelegen sein.
    Dort befindet sich die riesige Industriestadt Tianjin.
    Nun, von offizieller chinesischer Seite gibt es bisher, außer der Bestätigung, dass das Beben stattgefunden hat, eigentlich noch keine detaillierten Informationen.
    Es ist auch interessant, dass gerade in diesem Fall die Technik der chinesischen Erdbebenvorhersage, und sie ist doch eigentlich schon sehr weit entwickelt, offenbar versagt hat.
    Nach wie vor waren es wieder die Haustiere, die das Beben als erste vorhergespürt haben und die sich panisch verhielten.
    Nun, wir haben schon in der Früh, falls ihr das Morgenschanal gehört habt, ein kurzes Gespräch mit unserem Botschafter in Peking geführt.
    Zu einer Zeit, wo er naturgemäß natürlich noch kaum etwas wissen konnte, es sei denn, was er aus eigenem Erleben schildern konnte.
    Und da merkte er es eigentlich nur am Scheppern der Luster, dass die Erde bebte.
    Nun, kurz vor unserem Mittagsschanal hatten wir wieder mit Peking Telefonverbindung und meine erste Frage an Botschafter Tschöpp war, weil wissen Sie, weiß man jetzt schon mehr über das Beben?
    Ja, ich weiß deswegen nicht viel mehr, weil Radio Peking hat bis jetzt keinerlei Verlautbarungen über das Erzbeben und die dadurch entstandenen Schäden gebracht.
    Also die hiesigen Botschaften verfügen also alle bis jetzt auch nur über ausländische Agenturmeldungen.
    Aber es hat sich natürlich inzwischen einiges herausgestellt, zum Beispiel, dass sich die Bewohner verschiedener chinesischer Stadtwirbel nachts panikartig aus ihren Häusern auf die Straße geflüchtet haben, dass einige Brände in der Stadt ausgebrochen sind und die Feuerwehr ständig unterwegs war.
    Aber was außerhalb von Peking passiert ist, wo das Epizentrum liegt, das wissen wir bis jetzt nicht.
    Nun, die Bevölkerung Pekings dürfte aber verständigt worden sein von den Beben.
    Wir zumindest hier haben Meldungen, dass die Bevölkerung aufgerufen worden ist, die Nacht noch im Freien zu verbringen, da weitere Nachtbeben befürchtet werden.
    Ja, es sind weitere Nachtbeben wohl angesagt worden.
    Für die Botschaft hier,
    hat das Protokoll telefonisch bekannt gegeben, dass eben Nachgeben möglich sind und die Mitglieder der Botschaften gebeten werden, wachsam zu bleiben, damit deren Sicherheit gewährleistet ist.
    Also diejenigen, die höher als dem fünften Stockwerk eines Gebäudes wohnen, sollen sich in niedrigere Gefilde begeben.
    Das heißt also auch diejenigen Angehörigen der österreichischen Botschaft, für die sich
    Es werden daher heute Nacht Notquartiere auf der Botschaft gezielt.
    Und jetzt haben sie typischerweise keine weiteren Ersatzschüsse erreicht.
    Man sieht wenig von Schäden.
    Aber viele Leute richten sich darauf ein, die Nacht tatsächlich im Freien zu verbringen, was recht unangenehm ist, denn es regnet momentan ziemlich stark hier.
    Nun, das Epizentrum des Bebens soll ja eigentlich 150 Kilometer südöstlich-östlich von Peking liegen, und zwar in der Nähe der Industriestädte Tianjin und Tangshan.
    Und gibt es auch keine Verbindungen dorthin?
    Also in Peking, in der österreichischen Botschaft in Peking, weiß man noch immer nicht allzu viel über die Auswirkungen des Erdbebens der vergangenen Nacht.
    Bessere Informationen haben natürlich in solchen Fällen vielleicht Journalisten, wie jener Korrespondent der Nachrichtenagentur Reuter, der der BBC folgenden Bericht zur Verfügung stellte, den Bericht, den Sie jetzt hören.
    Nach dem vielleicht schwersten Erdbeben der Welt seit über zehn Jahren sieht man in den Straßen Pekings Zehntausende von chinesischen Familien unter Regenschirmen kauern.
    Die nicht weit von Peking entfernte Stadt Tianjin wurde kurz vor Tagesanbruch von dem Beben heimgesucht.
    Über die Lage in der Stadt und über die Zahl der Opfer liegen keine Meldungen vor.
    Von offizieller Seite wurde jedoch mitgeteilt, der australische Oppositionsführer Whitlam, der Tianjin einen Besuch abstattet, sei unverletzt geblieben.
    Auch Peking wurde von den Erdstößen erschüttert und die sechs Millionen Menschen zählende Bevölkerung flüchtete auf die dunklen Straßen.
    In mehreren großen Gebäuden zeigten sich Risse und einige Häuser in der Altstadt brachen teilweise zusammen.
    Die Hochhäuser, in denen die Ausländer untergebracht sind, wankten, Fensterscheiben zersplitterten und der Putz fiel von der Decke.
    Eine Diplomatenfrau lief nackt auf die Straße und ein chinesischer Student sprang aus dem vierten Stock eines Universitätsgebäudes und brach sich die Beine.
    Nach chinesischen Angaben betrug die Stärke des Bebens 7,3 auf der Richterskala.
    Amerikanische Messungen ergaben indessen eine Stärke von 8,2, was bedeuten würde, dass es sich um das schlimmste Erdbeben seit der Katastrophe von Anchorage im Jahre 1964 gehandelt hat.
    Besorgten australischen Diplomaten wurde von offizieller chinesischer Seite versichert, Oppositionschef Whitlam, der die Nacht in Tianjin verbrachte, befinde sich in sehr guter Verfassung, woraus die Diplomaten schlossen, dass er völlig unverletzt geblieben ist.
    Whitlam sollte heute Vormittag mit dem Wagen die etwa 160 Kilometer nach Peking zurückfahren.
    Sechs Stunden nach dem Beben befand er sich jedoch immer noch in Tianjin.
    Wie die Diplomaten erklärten, wurde von chinesischer Seite der Eindruck erweckt, die etwa 4 Millionen Einwohner zählende Stadt sei nicht schwer beschädigt.
    Das Zentrum der Erschütterungen habe sich rund 60 Kilometer nördlich von Tianjin befunden.
    Soweit also ein Reuter-Korrespondentenbericht über das Erdbeben in China.
    Und vielleicht gibt es dann schon fürs Abendjournal nähere, genauere Informationen über die Auswirkungen dieses Bebens.
    Spanien, das seine ersten tastenden Schritte in Richtung westlicher Demokratie macht, sucht nun gleich auch sein Verhältnis zur katholischen Kirche, sprich dem Vatikan, neu zu regeln.
    Die Vorarbeiten dazu sind allerdings schon unter Franco aufgenommen worden.
    Doch dürfte der Tod des Cordillo den Abschluss des neuen Konkordats zwischen Spanien und dem Vatikan doch beschleunigt haben.
    Heute soll nun in Madrid der Vertrag unterzeichnet werden, mit dem das 1953 abgeschlossene Konkordat revitiert wird.
    Die wichtigsten Punkte dieser Neuregelung fasst Robert Gerhardt zusammen.
    Schon lange sollte das letzte Konkordat neu formuliert werden.
    Beide Seiten, Spanischer Staat und die katholische Kirche, waren sich in diesem Punkt einig,
    und sprachen von einem anachronistischen Pakt.
    Er war 1953 zwischen der Franco-Administration und dem Vatikan geschlossen worden und bedeutete für die damals total isolierte Diktatur hinter den Pyrenäen den ersten willkommenen Schritt zu internationaler Anerkennung.
    Beide Seiten räumten sich große Privilegien ein.
    Die katholische Kirche Spaniens bekam viel Geld aus der Staatskasse,
    durfte über die öffentliche Moral wachen, konnte Bischöfe in das Ständeparlament und andere wichtige Körperschaften entsenden und hatte auch bei der Erziehung ein gewichtiges Wort mitzureden.
    Außerdem blieb der katholische Glaube Stafreligion.
    Priester konnten nicht ohne Einwilligung des Papstes vor Gericht gestellt werden und erhielten nach einer Verurteilung Sonderbehandlung und Sondergefängnis.
    Für diese zahlreichen Zugeständnisse erkaufte sich der spanische Staat das Wohlverhalten der katholischen Kirche und setzte vor allem durch, dass die letzte Entscheidung über die Ernennung von Bischöfen in Madrid getroffen wurde.
    Franco hat sich stets geweigert, auf dieses Vorrecht zu verzichten.
    Und daran scheiterten daraufhin immer die seit Ende der 60er Jahre begonnenen Bestrebungen, eine allmähliche Trennung von Thron und Altar zu erreichen.
    Der katholischen Kirche war vor allem daran gelegen, nicht mehr bedingungsloser Diener des Systems zu sein.
    Immer häufiger kam es zu Konflikten zwischen weltlichen und geistlichen Herrschern.
    Die Kirche entwickelte sich spätestens mit Beginn dieses Jahrzehnts zur schärfsten Opposition gegenüber dem Franco-Regime.
    Immer häufiger kam es zu Verhaftungen von Priestern wegen staatsgefährdender Predigten und teilweise zu Gefängnisurteilen, die bis zu 20 Jahre gingen.
    Schnell und überraschend ist es jetzt zu einer Entspannung zwischen Kirche und Staat gekommen.
    König Juan Carlos, der Spanien auf den Weg zur Demokratie führen will, verzichtete am vergangenen Sonntag feierlich auf das letzte Wort bei der Ernennung von Bischöfen.
    Und Rom antwortete sofort mit einer Gegengabe.
    Von Sonderrechten in der Gerichtsbarkeit wird kein Gebrauch mehr gemacht.
    Heute unterzeichnet der neue spanische Außenminister Oreja im Vatikan dieses Abkommen.
    Es wird als erster Schritt angesehen, nun auch die übrigen Passagen des Konkordats zu revidieren.
    Das sind insgesamt 36 Artikel.
    Die Regierung in Madrid hat sich vorgenommen, die Nation allmählich zur Demokratie zu führen.
    Dazu gehört zwangsläufig auch das Ende des politischen Einflusses auf die Kirche.
    Die staatliche Zensur von Predigten könnte bald Vergangenheit sein.
    Ebenso Gefängnis für systemkritische Priester.
    Der Staat will nun offenbar Frieden mit der Kirche.
    Ein positives Zeichen für die demokratische Opposition.
    Denn vielleicht wird auch bald mit ihr ein friedliches Zusammenleben gesucht.
    Aus Madrid hörten Sie Robert Gerhardt.
    Die Lage im südlichen Afrika hat sich besonders seit der Geisler-Affäre von Entebbe erheblich verschärft.
    In den letzten Tagen standen Uganda und Kenia am Rande bewaffneter Auseinandersetzungen.
    Und der zweite Unruheherd, das sind die Bastionen der Weißen, Rhodesien, Namibia und Südafrika.
    Gerade die jüngsten Unruhen in Südafrika, in der Neger Vorstadt Soweto, haben die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, wie explosiv diese Brandheit wirklich ist.
    Und es ist natürlich klar, dass Schwarze und Weiße in diesem Konflikt jede Gelegenheit benutzen, um in der Öffentlichkeit ihren Standpunkt zu vertreten und den Gegner zu diffamieren.
    Eine solche Gelegenheit gab es gestern im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen, wo Sambia wegen eines Angriffs auf ein Grenzdorf Anklage gegen Südafrika erhob.
    Rudolf Stoiber berichtet.
    Wenn einmal nach dem Tag gesucht wird, an dem beide Seiten des Rassenkonflikts in Afrika öffentlich eingestanden, dass dieser in einem erbarmungslosen Rassenkrieg zwischen Schwarz und Weiß enden könnte, dann wird man auf den gestrigen Tag kommen.
    Nachdem bis jetzt nur die afrikanischen Staaten die Möglichkeit eines solchen als Schreckgespenst an die Wand gemalt hatten, wurde diese Möglichkeit gestern im UN-Sicherheitsrat zum ersten Mal auch von einem Sprecher der südafrikanischen Regierung ins Auge gefasst.
    Der Anlass war der Beginn der Sicherheitsratsdebatte über die Klage Sambias, dass die südafrikanische Luftwaffe am 11.
    Juli ein Lager der afrikanischen Freiheitskämpfer der Organisation
    im Dorf Sialola, 30 Kilometer innerhalb Sambias, bombardierte, wobei mindestens 24 Todesopfer und 45 Schwerverletzte zu beklagen waren.
    Der Außenminister Sambias, Dr. Siddique Mwale, der die Klage vor dem Sicherheitsrat vorbrachte, behauptete, dass der Bombenangriff von Hubschraubern aus, die in dem von Südafrika illegal okkupierten
    Südwestafrika oder Namibia gestartet wurden, nur der jüngste von über einem Dutzend grenzübergriffen Südafrikas in diesem Jahr war.
    Und er forderte, dass der Sicherheitsrat die vorsätzlichen Angriffe Südafrikas auf das Schärfste verurteile.
    Südafrika begehe Genozid gegen die afrikanischen Staaten, erklärte der Außenminister Zambias.
    Und der Sicherheitsrat müsse verlangen, dass das rassistische Südafrika die Souveränität und territoriale Integrität Zambias respektiert.
    Die überraschende Antwort des südafrikanischen Vertreters Botschafter Botsa war, dass die südafrikanische Regierung von diesem Angriff überhaupt nichts wisse,
    und ihn auch nie autorisiert habe oder autorisieren würde, was den Aufstieg des Zambiers zur Erwiderung herausforderte, dass, wenn dem so sei, Südafrika offensichtlich die Kontrolle über seine Luftwaffe in Namibia, also Südwestafrika, verloren habe.
    Nun, außer diesem voraustragbaren Wortwechsel war an der gestrigen Sitzung, wie gesagt, die erste öffentliche Warnung Südafrikas bemerkenswert,
    dass es tatsächlich zu einem Rassenkrieg im südlichen Afrika kommen könnte.
    Der südafrikanische Vertreter Botha warnte... Wir brauchen Konsolidierung.
    Wir brauchen keine Verteidigung.
    Wir brauchen Kommunikation.
    Wir brauchen keine Abschaffung.
    Lassen Sie uns nicht unsere Emotionen in eine Kriege marschieren, die niemand gewinnen kann.
    Nach einer rhetorischen Geste, dass was Not tue, Konzilianz und Verständigung sein, dass nicht zugelassen werden soll, dass die Emotionen die afrikanischen Staaten in einen Krieg zerren, den niemand gewinnen kann.
    Der Friede kann gewonnen werden, ohne dass jemand in die Knie gezwungen wird, sagte der südafrikanische Vertreter.
    Aber nur, wenn beide Seiten zur Kenntnis nehmen, dass die Verwüstung eines Krieges die einzige Alternative sei, die sich niemand leisten kann.
    Die Sicherheitsratsdebatte wird heute um 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit fortgesetzt.
    Nun, wieder einmal Krach im Weltsicherheitsrat, diesmal zwischen Südafrika und Sambia, Rudolf Stoiber berichtete.
    Das französische Uhrenwerk Lipin-Bézançon ist vor drei Jahren weltbekannt geworden.
    Nicht nur wegen der guten Uhren, die es herstellt, sondern weil es einige hektische Monate lang von den Arbeitern in eigener Regie geführt und verwaltet worden ist.
    Die LIB-Arbeiter wollten damals verhindern, dass der Betrieb, der in einer ganzen Gegend Arbeit und Brot gibt, von einer ausländischen Firma gekauft und möglicherweise zugesperrt würde.
    Die Arbeiter besetzten damals die Werkshallen, arbeiteten weiter und verkauften die Uhren in eigener Regie.
    Die Selbstverwaltung konnte sich allerdings nicht halten.
    Der Verkauf der Firma wurde aber verhindert.
    Jetzt gibt es im Fall LIB allerdings den zweiten Akt, Christoph Schwerin berichtet.
    Die Situation heute ist nicht zu vergleichen.
    Die 900 Arbeiter erhalten eine Arbeitslosenunterstützung von 90 Prozent ihres Gehalts.
    Dem von der Regierung eingesetzten Direktor Neuschwander gelang es nicht, für die Qualitätsuhren einen neuen Markt zu erschließen.
    Die Umstellung in der Herstellung von billigen Gebrauchsuhren auf moderne Quarzuhren war ein völliger Fehlschlag.
    Die von der Betriebsgewerkschaft sichergestellten Uhren sollen dieses Mal nicht verkauft werden, sondern sollen nur als Druckmittel verwandt werden.
    Wobei jedoch Ihnen eine Fehlbeurteilung unterlaufen ist, denn die Uhren gehören gar nicht mehr der Firma, sind also nicht ein Teil des Verkaufsobjektes, sondern sie sind Eigentum der Konkursverwaltung für die Gläubiger des Uhrenwerks.
    Die Gläubiger, das sind die Zulieferfirmen der Gegend, und jedermann dort, nicht nur die LIB-Arbeiter, lebt von der Uhrenindustrie.
    So kann es nicht verwundern, dass die Neuauflage nach drei Jahren der Affäre LIB bisher auf geringe Sympathie gestoßen ist.
    Die kommunistische CGT-Gewerkschaft des Departements hat heute Vormittag denn auch das Vorgehen der nicht-kommunistischen Betriebsgewerkschaft von LIB missbilligt und hat darauf hingewiesen, dass die Arbeiter in ihrer Mehrheit gar nicht von der widerrechtlichen und eigenwilligen Beschlagnahmung des Uhrenlagers unterrichtet worden sind, da über die Hälfte von ihnen sich in den Sommerferien befindet.
    Die Regierung hat die Maßnahme der Betriebsgewerkschaft radikal abgelehnt und juristische Maßnahmen angekündigt.
    Der verantwortliche Gewerkschaftsführer Piaget ist aber vor drei Jahren zu einer national bekannten politischen Persönlichkeit geworden.
    So bleibt die Frage, wird es ihm noch einmal gelingen, die öffentliche Meinung von seinen Forderungen zu überzeugen.
    Soweit Christoph Schwerin.
    Was kostet die Welt?
    Dafür interessierte sich ein amerikanisches Fachinstitut mit Sitz in Genf.
    Und flott wie die Amerikaner nun auch einmal sind, gibt's auch schon die erste Statistik über die teuersten Städte dieser Erde.
    Den Weltrekord halten Tokio und Osaka.
    Japan ist also ein teures Pflaster.
    Aber auch Europa will erst erkauft sein.
    Denn die teuersten Städte gibt es hier in Skandinavien und der Schweiz.
    Nun erstellt wurde die Statistik auf der Basis der momentan gültigen Preise in New York.
    Und gedacht wurde dabei weniger an einen Service für Touristen wie du und ich, sondern es soll ein Leitfaden für Manager sein, die von ihren Gesellschaften in alle Welt gesandt werden und die dann oft erstaunliche Spesen zustande und nach Hause bringen.
    Nun, was kostet die Welt?
    Horst Hölle hat die Broschüre für uns untersucht.
    Die Goldmetallie als teuerste Stadt der Welt wurde Tokio erteilt, während Osaka, ebenfalls in Japan, den zweiten Preisrang erhielt und Schwedens Hauptstadt Stockholm als drittteuerste ausgezeichnet wurde.
    Zu diesem Ergebnis kam ein in Genf ansässiges Fachinstitut, nämlich Business International, welches wie jedes Jahr die Preislage in 52 führenden Städten der Welt untersuchte.
    Es geht hier weniger um Touristen, sondern um die Lebenserhaltungskosten für Firmen, welche wissen wollen, was ihre Mitarbeiter zum Leben brauchen oder wie viel es kostet, einen Mitarbeiter in diese oder andere Stadt zu senden.
    Deswegen haben die Untersucher in den 52 Städten, darunter auch Wien, nach allem geblickt, das Geld kostet.
    Vom Taxi über die Wohnung und Küche bis zum Nachtleben.
    Die Angaben aus Genf sind somit sicherlich interessant und haben auch in der Schweizer Konferenzstadt einiges Interesse gefunden.
    Denn beispielsweise ist das Leben in der österreichischen Bundeshauptstadt Wien wesentlich billiger als hier in Genf, aber doch etwas teurer als in der EWG-Stadt Brüssel.
    Auf weltweiter Ebene liegt Wien mit seinen Lebenspreisen auf Platz 13 und unter den führenden europäischen Städten auf Platz 7.
    Spitzenreiter unter den europäischen teuren ist Stockholm, gefolgt von Zürich, Genf, Oslo, Kopenhagen und Paris.
    Am billigsten lebt man in Rom, aber auch in Mailand, Dublin, Barcelona, Madrid, London, Lissabon und in Athen.
    Immer wurde von den Untersuchern der Richtpreis von 100 Dollar in New York angenommen und dann ausgerechnet, wie viel mehr oder weniger das eine oder andere woanders kostet.
    Der sogenannte Einkaufskorb mit 52 Artikeln ist in Wien im Vergleich mit dem letzten Jahr sogar etwas billiger geworden.
    Er kostet heute 111 Dollar, in Genf 128 und in New York 100 Dollar.
    Auch Kleider sind in Wien billiger zu kaufen als beispielsweise in Genf.
    Nämlich der Richtpreis für Wien beläuft sich auf 97 Dollar, in Genf auf 120 Dollar.
    werden für Transportmittel in Wien 123 und in Genf 138 Dollar bezahlt werden müssen.
    Die billigsten Nächte für amerikanische Geschäftsleute aus Sicht der Genfer Fachinstitution sind in Dublin mit 50,5 Dollar, in Mailand mit 55,5 Dollar und Athen mit 59 Dollar zu finden.
    Das teuerste Geschäftsabendessen für drei Personen findet man in Stockholm, gleichgefolgt von Zürich und Genf.
    Doch am billigsten isst man in Rom, Mailand und in Athen.
    Soweit Thorst Höller und nun zu einem ganz anderen Thema, das uns wieder nach Österreich führt.
    Übrigens, es ist gerade 12.45 Uhr, dreiviertel eins.
    Die österreichische Ärztekammer hat kürzlich gemeinsam mit dem Fessel-Institut eine Meinungsumfrage bei Ärzten aus acht Bundesländern durchgeführt.
    Ziel der Aktion war es, die Ärzte als Träger des Gesundheitswesens auf breiter Basis zu Meinungsäußerungen aufzufordern.
    Von den angeschriebenen Ärzten haben 40 Prozent, insgesamt 3.700, die mehr als 60 Fragen beantwortet.
    Insbesondere jetzt im Zusammenhang mit der Diskussion über die finanzielle Lage der Sozialversicherungen kommt den Ergebnissen dieser Umfrage natürlich einige Bedeutung zu.
    Eugen Freund analysiert im folgenden Beitrag die Ergebnisse.
    Viele der Ergebnisse der Umfrage sind zwar vor allem für die Standesvertretung, also für die Ärztekammer, von Bedeutung, kann sie doch mithilfe der Meinungsforschung Forderungen anmelden, die sich auf eben solche Wünsche in der Ärzteschaft stützen.
    Dennoch sind einige Aussagen auch für das Verhältnis zwischen Arzt und Patienten, somit also praktisch für uns alle, von Bedeutung.
    Hervorstechend gerade für diesen Aspekt ist sicher die Tatsache, dass nur knapp weniger als die Hälfte der Ärzte angeben, in den meisten Fällen genug Zeit für ihre Patienten zu haben.
    Oder umgekehrt, ein Drittel glaubt, nur in manchen Fällen dem Patienten auch so lange Gehör schenken zu können, wie er oder die Sache es erfordert.
    Als Grund für diese offenbar immer größer werdende Kluft zwischen Arzt und Patienten geben die meisten der Befragten an, durch die Administration, also durch Büroarbeiten, so überlastet zu sein, dass die Patienten oder vielmehr die Gespräche mit ihnen zu kurz kommen.
    Apropos Gespräch.
    Gerade hier also beim ärztlichen Gespräch wird gefordert, dass diese oft nur von psychologischer Bedeutung geführte Unterredung, was sicher aber auch nicht zu unterschätzen ist, als fixer Bestandteil in die Kassenverträge aufgenommen werden sollte, während gleichzeitig eine Vereinfachung des administrativen Aufwandes möglich sein müsste.
    Vor allem glaubt die Mehrzahl der Ärzte, dass sie in diesem Gespräch die Patienten in ihrem Gesundheitsbewusstsein positiv beeinflussen können.
    Weiter auf dem Honorarsektor.
    Zwei Drittel der befragten Ärzte glauben, dass eine Kostenbeteiligung des Patienten diesen nicht hindern würde, einen Arzt in Anspruch zu nehmen und somit, wie es in der Ärzteumfrage wörtlich heißt, vom volksgesundheitlichen Aspekt als nicht bedenklich bezeichnet wird.
    Gerade diese Frage, die Kostenbeteiligung des Patienten, wird sicher noch bei den Betroffenen selbst, also bei jenen, die dann zu bezahlen haben, erfragt werden müssen.
    Was die verschiedenen ärztlichen Leistungen betrifft, so sprechen sich 57 Prozent der Ärzte für ein reines Einzelleistungssystem aus.
    Das heißt, eine einzelne, in sich abgegrenzte Leistung, wie etwa Ordination, Visite oder Injektion, sollte auch einzeln honoriert werden.
    Immerhin sind aber 37% für ein gemischtes System, in dem sowohl Einzelleistungen als auch gewisse Pauschalleistungen abgegolten werden sollten.
    Ein reines Pauschalsystem wird nur von einer verschwindenden Minderheit von 3% der Ärzte begrüßt.
    Gerade im Zusammenhang mit der immer wieder diskutierten Frage, ob es einen sogenannten Ärzte-Überschuss gibt oder geben wird, ist sicher von Bedeutung, dass ein Drittel der befragten Ärzte angibt, 50 bis 60 Stunden in der Woche zu arbeiten, ein weiteres Drittel nennt sogar mehr als 60 Arbeitsstunden pro Woche.
    Dabei werden von der gleichen Anzahl bis zu 40 Patienten bzw.
    zwischen 40 und 60 Patienten pro Tag behandelt.
    Den Einwand, dass durch kürzere Arbeitszeit und verringerte Patientenanzahl mehr Ärzte eingesetzt werden könnten, weist Kammerpräsident Piatti mit dem Argument zurück, es sei kein Geld mehr vorhanden, die zusätzlichen Ärzte zu bezahlen.
    Nur noch kurz zur Frage der ärztlichen Niederlassung.
    Die Hälfte der Ärzte will am Land eine Praxis aufmachen, etwas weniger wollen lieber in der Stadt bleiben.
    Die meisten Ärzte gaben als Grund für ihre Abneigung gegen eine Landarztpraxis private Gründe, im Wesentlichen den Widerstand der Frau an.
    Und weil gerade von der Frau die Rede ist, sie unterstützt mehr als die Hälfte der Ärzte in ihrer Tätigkeit, meist als Ordinationshilfe.
    In ländlichen Gemeinden ist der Prozentsatz noch viel größer.
    Dort helfen 70 Prozent der Arztgattinnen in der Ordination.
    Die Arztpraxis wird sozusagen als Familienbetrieb geführt.
    Wo drückt Österreichs Ärzte der Schuh?
    Eine Umfrage sollte Aufschluss geben.
    Eine Umfrage, über die Eugen Freund berichtete.
    Und nun noch ein Bericht unserer Kulturredaktion.
    In Salzburg findet morgen Abend in der Felsenreitschule die zweite Opernpremiere, allerdings die einzig echte Opernpremiere, der diesjährigen Festspiele statt.
    Aufgeführt wird Mozarts Operaserie Titus in der Regie und Ausstattung von Jean-Pierre Ponel, der dieses Werk schon in Köln und München inszeniert hat.
    Die musikalische Leitung hat James Levine.
    Hören Sie zur bevorstehenden Salzburger Premiere in dem Bericht von Volkmar Paschalk.
    Im Sommer 1791, Mozart hatte die Zauberflöte beinahe vollendet, erhielt er den Auftrag, die Festoper zur Krönung Leopolds II.
    zum König von Böhmen zu schreiben.
    Man hatte Metastasius viel vertontes Drama La Clemenza di Tito, die Milde des Titus, zur Verherrlichung des Herrschers ausgewählt und Mozart ließ sich dieses Textbuch von Caterino Mazzola als ihm gemäßes Opernlibretto bearbeiten.
    Es war für Mozart ein Rückgriff zur Opera Seria, die er mit dem Figaro der Cossi, dem Don Giovanni, überwunden hatte.
    Nur wenige Wochen, 18 Tage, wie manche zu sagen wissen, hatte Mozart Zeit und ein Meisterwerk entstand, das die Kunstgattung der Opera Seria krönte und weit über sie hinaus wuchs.
    Titus wurde lange Zeit hindurch nicht in seiner eigentlichen Bedeutung erkannt, als zweitklassiges Werk angesehen.
    Auch bei den Salzburger Festspielen stand es bisher nur einmal am Programm.
    In den letzten Jahren wurde das Werk wiederentdeckt und in fast allen europäischen Musikzentren, zuletzt bei den Wiener Festwochen dieses Jahres, zu einem großen Erfolg.
    Jean-Pierre Pornel hat mit vielbeachteten Aufführungen in Köln und München zu dieser Wiederentdeckung entscheidend beigetragen und wurde auch jetzt als Regisseur für Salzburg verpflichtet.
    Ja, ich halte es für eine ganz wichtige Oper von Mozart.
    Bekanntlich ist sie auch im letzten Jahr geschrieben.
    Es steht in vielen Büchern von sogenannten weisen Wissenschaftlern, dass man würde fühlen in dem Stück schon den todkranken Mann.
    Meines Wissens behauptet es keiner vom Requiem oder
    von der Zauberflöte, dass Mozart todkrank und nicht in vollem Besitz seiner geistigen Kräfte war, als er diese Stücke schrieb.
    Und dasselbe gilt für Titus.
    Ich finde es ein herrliches Stück und meine persönliche Erfahrung lehrt mich, dass es sowohl die Kölner Aufführung, die in London, die in Zürich, die in Budapest war, wie die Münchner Aufführung einen sehr großen Anklang gefunden hatte.
    Bonnell hat sich nicht für einen klassizistischen Stil entschieden, sondern für einen Mischstil zwischen Barock und Rococo, der in etwa der Entstehungszeit des Werkes entspricht.
    Er hat die Arkaden des Naturschauplatzes der Felsenreitschule auf die rechte Seite hin verlängert, in die Mitte einen efeu bewachsenen Triumphbogen gestellt, der gleichzeitig als Tor verwendbar ist und Seitenproteste für Auftrittsmöglichkeiten geschaffen, alles in idealer Weise dem Raum angepasst.
    Ich habe versucht, eben diese Dekoration oder diese Teile, die ich für notwendig halte aus verschiedenen Gründen, doch so zu integrieren aus Respekt für den Rahmen.
    Dieser Rahmen, also zum Beispiel diese vier Arkaden, die ich zusätzlich gebaut habe, dienen zum Teil der Symmetrie des Ganzen, zweitens auch, vor allen Dingen habe ich sie aus akustischer Gründe gemacht.
    Und ich glaube, die Akustik ist dadurch wesentlich besser, speziell für diese Chorszenen.
    Das hilft sehr.
    Das ist also einer der Hauptgründe, was den Titusbogen betrifft.
    A assoziiert man natürlich aus dem Grund des bekanntlichen Titusbogen in Rom und so weiter, die Titus mit seinem Bogen.
    Das erlaubt mir trotzdem auch fast wie eine kleine Bühne, beinahe Barockbühne, auf der Bühne herzustellen.
    Und das ist, finde ich, also für mich ganz zweckmäßig.
    Den Titus wird in Salzburg wie in Wien Werner Hollweg verkörpern, der von vielen als der ideale Titus unserer Zeit angesehen wird.
    Tatjana Trojanos spielt den Sextus, Carol Neblett die dramatische Partie der Vitellia.
    In weiteren Rollen wirken Catherine Malfitano, Anne Howells und Kurt Riedl mit.
    Hören Sie als Beispiel einen kurzen Probenausschnitt.
    In diesem Augenblick erinnere ich mich an mein erstes Liebe, das mich umbrannte.
    Der Trostinger, der Toreador, Der Trostinger, der Toreador
    Dirigent ist James Levine, junger musikalischer Chef der Metropolitan Opera in New York, der in Salzburg im Vorjahr mit einem Konzert ein überaus erfolgreiches Debüt gehabt hat.
    Er hat in den USA viel Mozart dirigiert, leitet aber zum ersten Mal den Titus, den er für ein Meisterwerk hält.
    Titus soll auch im nächsten Sommer in der Felsenreitschule mit den gleichen Interpreten aufgeführt werden.
    Morgen also Premiere von Titus in der Felsenreitschule in Salzburg und nach diesem Bericht von Volkmar Paschalk gebe ich noch einmal weiter ins Nachrichtenstudio zu Kurzmeldungen.
    Österreich.
    Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien hat heute um 11.56 Uhr mitteleuropäischer Zeit wieder ein sehr schweres Erdbeben registriert, dessen Herd in rund 8000 Kilometer Entfernung vermutlich abermals in China gelegen sein dürfte.
    Auch dieses Beben erreichte nahezu den Grad 8 nach der Richterskala.
    Über das Ausmaß der Schäden und über etwaige Menschenopfer, die die schweren Erdstöße von heute Nacht gefordert haben, gibt es nach wie vor keinerlei Angaben.
    Nach einem Reuter-Bericht gleicht Peking zurzeit einem riesigen Flüchtlingslager.
    Die Verbindungen mit Tianjin, der drittgrößten Stadt Chinas, wo das Beben vermutlich die stärksten Auswirkungen hatte, sind weiterhin unterbrochen.
    ÖVP-Bundesparteiobmann Tauß vertrat in einem Interview die Meinung, der von Bundeskanzler Kreisky als Außenminister ins Gespräch gebrachte Sektionschef Paar sei sehr wohl noch Mitglied der ÖVP.
    Die zuständigen Gremien der Volkspartei würden über die weitere Vorgangsweise zu entscheiden haben, sagte Tauß, wenn Paar wirklich in die sozialistische Alleinregierung berufen werden sollte.
    Das Aktionskomitee des Allgemeinen Bauernverbandes hat beschlossen, den für Molken in Kärnten geplanten Milchauslieferungsstreik nicht durchzuführen.
    Auch die Kundgebungen vor den Molkereien, die blockiert werden sollten, finden nicht statt.
    VATIKAN Der Heilige Stuhl und Spanien haben ein Abkommen geschlossen, mit dem das Concordat aus dem Jahre 1953 modifiziert wird.
    Wesentlichster Punkt ist ein Verzicht des spanischen Königs auf ein Mitspracherecht bei Bischofsernennungen.
    Libanon.
    Einen Tag nach der ohne Zwischenfällen verlaufenden amerikanischen Evakuierungsaktion sind die Kämpfe zwischen den Bürgerkriegsparteien in Beirut wieder voll entbrannt.
    Während der Nacht hat man im Flüchtlingslager El Saatar aus jenem Trümmerfeld, unter dem angeblich mehrere hundert Personen begraben liegen sollen, 157 Leichen geborgen.
    Ja, das wär's dann wieder für heute Mittag, meine Damen und Herren, Redaktion und Technik verabschieden sich.
    Auf Wiederhören.

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Datum: 1976.07.28 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wetterbericht
    Datum: 1976.07.28 [Sendedatum]
    Schlagworte: Natur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    ÖVP zu Besetzung des Außenministerpostens
    Interview: Bundesparteiobmann Taus
    Mitwirkende: Eichinger, Erich [Gestaltung] , Taus, Josef [Interviewte/r]
    Datum: 1976.07.28 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Inlandspresseschau: Pahr, Ideologiediskussion
    Mitwirkende: Sommersacher, Markus [Gestaltung]
    Datum: 1976.07.28 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Medien und Kommunikation ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Erdbeben in China, Bericht des österreichischen Botschafters Dr. Tschöp in Peking
    Moderatorengespräch
    Mitwirkende: Oberhofer, Ilse [Moderation] , Tschöp, ... [Interviewte/r]
    Datum: 1976.07.28 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Spanien normalisiert Verhältnis zur Kirche, neues Konkordat
    Mitwirkende: Gerhardt, Robert [Gestaltung]
    Datum: 1976.07.28 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    UNO-Sicherheitsrat: Beschwerde Sambias gegen Südafrika
    Mitwirkende: Stoiber, Rudolf [Gestaltung]
    Datum: 1976.07.28 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Neue Arbeiterinitiative in der französischen Uhrenfabrik LIP
    Mitwirkende: Schwerin, Christoph [Gestaltung]
    Datum: 1976.07.28 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Untersuchung über teuerste/billigste Städte der Welt
    Mitwirkende: Höller, Horst [Gestaltung]
    Datum: 1976.07.28 [Sendedatum]
    Schlagworte: Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Nur 4 von 10 Ärzten haben genug Zeit für Ihre Patienten
    Mitwirkende: Freund, Eugen [Gestaltung]
    Datum: 1976.07.28 [Sendedatum]
    Schlagworte: Medizin ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Vorschau auf "Titus"-Premiere der Salzburger Festspiele
    Einblendung: Jean Pierre Ponnelle (Regie), Szenenausschnitt, James Levine (Dirigent)
    Mitwirkende: Parschalk, Volkmar [Gestaltung] , Ponnelle, Jean Pierre [Interviewte/r] , Levine, James [Interviewte/r]
    Datum: 1976.07.28 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Kultur ; Musik ; E-Musik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten

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    Titel Mittagsjournal 1976.07.28
    Spieldauer 00:57:30
    Mitwirkende Oberhofer, Ilse [Moderation]
    Brandl, Hellfried [Regie] [GND]
    ORF [Produzent]
    Datum 1976.07.28 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ audio
    Format TKA [Tonband auf Kern (AEG)]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-760728_k02
    Medienart Mp3-Audiodatei
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    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt