Mittagsjournal 1977.07.18

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    Rechtliches

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    Eine schöne Mittagsstunde, meine Damen und Herren.
    Hier aus dem Journalstudio melde dich heute als Redakteur Mikrofon Helmut Bock.
    Einige Schlagzeilen für das ausführliche Programm nach den Nachrichten.
    Österreich.
    Gewerkschaft nimmt Stellung zum Vorschlag von ÖIAG-Präsident Geist Lohnstopp in Österreich.
    Israel.
    Ab heute neue Sparmaßnahmen.
    Gewerkschaft nimmt Stellung gegen die Regierung.
    Nahe Osten.
    Aussichten auf eine neue Genfer Nahostkonferenz am Vortag des Besuches von Israels Ministerpräsident Begin bei Präsident Carter.
    Spanien.
    Neue Preiswelle, Flugpreise um 14 Prozent erhöht, schlechte Aussichten für Urlauber.
    Großbritannien.
    Spaltung der kommunistischen Partei, ein Schachzug Moskaus.
    Und Vatikan, der politische Hintergrund für die Lefèvre-Bewegung.
    Unsere Kulturredaktion bringt ein Gespräch zum Thema Kunstförderung in Österreich.
    Nun aber zuerst Nachrichten aus aller Welt, verantwortlich dafür als Chef von Dienst, Henri Goldhahn, Sprecherin Annemarie Berthet.
    Österreich.
    Im Jahre 1975 lag der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung in Österreich unter dem Durchschnitt der Staaten der Europäischen Gemeinschaft.
    Während in der Neuner-Gemeinschaft im Jahre 1975 40,8% der Gesamtbevölkerung erwerbstätig waren, betrug die Erwerbsquote in Österreich nur 39,7%.
    Den höchsten Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung haben im gemeinsamen Markt Großbritannien und Dänemark mit mehr als 46 Prozent.
    Am niedrigsten liegt diese Quote in Italien mit knapp 34 Prozent sowie in den Niederlanden.
    Die Bundeswirtschaftskammer bezeichnet heute in einer Presseaussendung das von ÖIAG-Generaldirektor Geist vorgeschlagene Zentrale Planungsbüro für Wirtschaftspolitik als absolut überflüssig.
    In diesem Planungsbüro sollen Vertreter von Bundeskammer, Industriellenvereinigung und Verstaatlichte Industrie sitzen.
    In der Bundessektion Industrie seien seit eh und je alle Industriebetriebe ohne Unterschied der Eigentumsverhältnisse vertreten und daher auch in der Lage, die Industriepolitik gemeinsam zu bestimmen, betont die Bundeswirtschaftskammer.
    Leichtmetallfelgen und breite Reifen sind oft ungesetzlich und können manchmal sogar den Versicherungsschutz kosten.
    Nach einer Mitteilung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit muss jeder, der sein Fahrzeug mit einer anderen Bereifung ausstattet, als im Typenschein vorgeschrieben, dies von der Zulassungsbehörde durch eine Eintragung im Typenschein sanktionieren lassen.
    Bundesrepublik Deutschland
    Die deutschen Automobilhersteller stehen in diesem Jahr vor ihrem bisher größten Produktionsergebnis.
    Bei einer Steigerung um vermutlich 5% gegenüber dem Vorjahreswert werden erstmals mehr als 4 Millionen Autos in den deutschen Fabriken erzeugt werden.
    Damit wird die bisher größte Produktion von 3,98 Millionen Wagen im Jahre 1971 wahrscheinlich übertroffen.
    Die Vorstände von VW, Ford, Daimler-Penz und BMW äußerten sich durchwegs zufrieden über ihre Absatzerfolge im In- und Ausland.
    Die höchste Produktionssteigerung für 1977 erwartet der Ford-Konzern mit einer Zunahme von 28 Prozent.
    Bundesbankpräsident Emminger hält das Ziel der Regierung in Bonn, die Zahl der Arbeitslosen noch in diesem Jahr auf 850.000 zu reduzieren, für nicht mehr erreichbar.
    In einem Interview für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel meinte Emminger, sollte das Bruttosozialprodukt im ganzen Jahr ebenso wie in den ersten drei Monaten nur um 4% wachsen, werde die Zahl der Arbeitslosen nur ganz knapp unter einer Million sinken.
    Obwohl er ein Wachstum von 4,5% nicht ausschließe, sei ein Jahresdurchschnitt von 850.000 Arbeitslosen nicht mehr möglich, stellte Emminger fest.
    Italien
    Die Rolle der Bundesrepublik Deutschland ist nach Ansicht des Präsidenten der EG-Kommission Jenkins für die Zukunft der europäischen Gemeinschaft von entscheidender Bedeutung.
    In einem Interview für die Zeitung Corriere della Sera betonte Jenkins, Europa komme nicht schnell genug vorwärts, die Lage verschlechtere sich aber auch nicht.
    Ein entscheidender Impuls könne nur von Bonn ausgehen, das aufgrund seiner Stärke Europa um einen wesentlichen Schritt voranbringen könnte, erklärte der Präsident der EG-Kommission.
    Schweden.
    Nach dem neuesten Bericht des Konjunkturinstitutes in Stockholm befindet sich die schwedische Wirtschaft weiterhin auf Talfahrt.
    Der Höhepunkt der Krise wird für den Herbst oder den frühen Winter dieses Jahres erwartet.
    Wichtigste Ursachen des Konjunkturrückschlages sind die äußerst schwachen Exportergebnisse, aber auch der nachlassende inländische Konsum.
    Für das heurige Jahr rechnet man in Stockholm mit einer Inflationsrate von 12 Prozent.
    Das Konjunkturinstitut vertritt die Auffassung, der schwedischen Wirtschaft könne am besten durch eine Abwertung der Krone geholfen werden.
    Handelsminister Linde führt den Konjunktureinbruch auf die internationale Wirtschaftslage und auf spezifisch schwedische Strukturprobleme zurück.
    Zypern
    Nach Ansicht der Nikosia-erscheinenden Fachzeitschrift «Middle East Economic Survey» sind die Mitglieder der OPEC, die Organisation Erdöl produzierender Länder, in der Frage des Ölpreises und einer möglichen Kontingentierung des Erdöls gespalten.
    Das Blatt kündigt eine neue Krise der Organisation an, die bei der nächsten OPEC-Konferenz im Dezember dieses Jahres in Caracas ausbrechen könnte.
    Als Quelle zitiert die Zeitschrift den libyschen Erdölminister Mabrouk,
    der für eine Preiserhöhung im nächsten Jahr eintritt.
    Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben diese Ölpreiserhöhung anlässlich der jüngsten OPEC-Konferenz in Stockholm abgelehnt.
    USA Äußerst optimistisch beurteilt der amerikanische Atlantic Ridgefield-Konzern die Zukunft der Kohle.
    Der Vorsitzende des Verwaltungsrates dieses Unternehmens, Anderson, vertrat in Salt Lake City die Ansicht, Erdöl und Erdgas würden in einigen Jahren nicht mehr zu den dominierenden Energiegütern zählen.
    Der Bedeutung der Kernkraft als Energiequelle misst der Experte angesichts der Abneigung der Bevölkerung gegen Atomkraftwerke ebenfalls keine größere Bedeutung bei.
    Israel.
    Die von der Regierung unter Ministerpräsident Begin verfügten Sparmaßnahmen sind von Mitgliedern der Oppositionellen Arbeiterpartei und von den Gewerkschaften scharf kritisiert worden.
    Begin hat dem vergangenen Wochenende drastische Preiserhöhungen für nahezu alle Konsumgüter sowie eine Kürzung des Verteidigungshaushaltes und der Subventionen angeordnet.
    Diese Maßnahmen sind heute in Kraft getreten.
    Der frühere Verteidigungsminister und Führer der Arbeiterpartei, Peres, hat in erster Linie die Streichungen im Militärbudget verurteilt.
    Peres sagte vor Journalisten, damit habe der rechtsgerichtete Likud-Block seine Wahlversprechen nicht eingehalten.
    Es sei skandalös, dass der Rechtsblock, der während seiner langjährigen Oppositionszeit immer eine Kürzung des Verteidigungshaushaltes abgelehnt habe, als neue Regierungspartei einen entgegengesetzten Kurz einschlage.
    Der Allgemeine Gewerkschaftsverband wird heute eine dringende Sitzung seines Zentralkomitees abhalten.
    Die Gewerkschaft wendet sich vor allem dagegen, dass die Regierung Beijing ihre Wirtschaftsentscheidungen ohne vorherige Konsultationen getroffen habe.
    Sowjetunion.
    Das Parteiorgan Bravda hat heute an der amerikanischen Nahostpolitik heftige Kritik geübt.
    Anlässlich des Besuches des israelischen Ministerpräsidenten Begin in Washington, heißt es in der Bravda, die Vereinigten Staaten versuchten, den Eindruck von Fortschritten in ihrer Nahostpolitik zu erwecken.
    Die jüngsten Erklärungen und Versprechungen der Regierung in Washington sollten die arabischen Länder blenden, während sie das Kabinett Begin umwerbe.
    Nach Ansicht des sowjetischen Parteiorgans haben die Vereinigten Staaten seit dem Amtsantritt von Präsident Carter, so heißt es wörtlich, israelischen Expansionskurs verteidigt und zugleich ihre Bemühungen um eine Stärkung ihrer politischen und wirtschaftlichen Stellungen in der arabischen Welt mit dem Ziel intensiviert, den Ölpreis stabil zu halten und die Gefahr eines neuen Ölembargos zu bannen.
    Chile
    Der traditionalistische französische Erzbischof Lefebvre ist aus Kolumbien kommend in Santiago eingetroffen.
    Er wurde auf dem Flughafen von hunderten Sympathisanten stürmisch begrüßt.
    Wenige Stunden später zelebrierte Lefebvre in einem Hotel eine Messe nach dem alten römischen Ritus, die nach den jüngsten Konzilbeschlüssen verboten ist.
    Die Abhaltung eines Gottesdienstes in einer Kirche hat ihm der chilenische Episkopat verboten.
    Griechenland.
    Die Gangster, die am vergangenen Samstag ein Feriendorf des Club Mediterranee auf der Insel Corfu überfielen, haben neben Bargeld im Wert von umgerechnet etwa 1,2 Millionen Schilling auch 700 Touristenpässe geraubt.
    Nach Ansicht eines Polizeisprechers waren die Pässe das Hauptanliegen der Diebe, da die Dokumente auf dem Schwarzmarkt um etwa 8.000 Schilling gehandelt werden.
    Die Gangster flüchteten mit einer in Wien registrierten Yacht.
    Der Kapitän der Yacht gab sich gegenüber den Hafengehörden als italienischer Journalist aus.
    Nach den bisherigen Erhebungen dürfte er aber österreichischer Staatsbürger sein und in Italien seinen Wohnsitz haben.
    Italien.
    Experten des internationalen Vulkanologie-Institutes in Katania haben die neue Tätigkeit des Vulkanes Äthne auf Sizilien als normal und verausschaubar bezeichnet.
    Seit zwei Tagen strömen aus dem nordöstlichen Krater des größten Vulkans Europas Lavamassen, die sich auf ein unbewohntes Tal zubewegen.
    Das Naturschauspiel wird von vielen Touristen von der Hafenstadt Katania aus beobachtet.
    Das waren die Meldungen.
    Und nun zum ausführlichen Wettbewerb.
    Die Wetterlage.
    Über West- und Mitteleuropa herrscht eine westliche Höhenströmung.
    Durch sie wird eine Atlantikfront nach Zentraleuropa gesteuert.
    Die Wetteraussichten bis morgen früh.
    Unterschiedlich aufgelockerte, im Süden kurzzeitig auch noch reichliche Bewölkung.
    Westliche Winde.
    Nachmittagstemperaturen 19 bis 25 Grad.
    Frühtemperaturen morgen zwischen 10 und 15 Grad.
    Die Wetteraussichten für morgen.
    An der Alpen-Nordseite stark bewölkt bis bedeckt und regnerisch.
    Im Norden und Nordosten im Durchschnitt reichliche Bewölkung, aber nur strichweise Regen.
    Im Süden und Südosten hingegen wechselnd aufgelockerte Bewölkung.
    Westliche Winde, Tageshöchsttemperaturen 17 bis 23 Grad, im Süden bis 26 Grad.
    Die Messwerte von 12 Uhr.
    Wien stark bewölkt bei 24 Grad, Südwestwind 15 Kilometer in der Stunde.
    Eisenstadt bedeckt 19 Grad, Nordostwind 3.
    Linz stark bewölkt, 22 Grad, Westwind 10 Kilometer in der Stunde.
    Salzburg wolkig 20, Nordwest 10.
    Innsbruck wolkig, 20°, Ostwind 10.
    Bregenz wolkig, 20°, Nordwind 5 km in der Stunde.
    Graz bewölkt, 21°, Windstille.
    Und Klagenfurt stark bewölkt, 22°, Südostwind 3.
    Und gleich eine Zeitansage.
    Es ist jetzt 12 Uhr und 13 Minuten.
    Der Vorstandsvorsitzende der österreichischen Industrieverwaltungsaktiengesellschaft, Generaldirektor Franz Geist, hat am Freitag vergangener Woche in einer Pressekonferenz Formulierungen verwendet, die als Aufforderung zu einem allgemeinen Lohn- und Preisstopp in Österreich von verschiedenen Seiten verstanden wurde.
    Geist meinte, sinngemäß höhere Löhne, die auf die Preise überwälzt werden, verringerten den Absatz.
    Und andererseits, wenn es nicht gelinge, die höheren Lohnkosten auf die Preise aufzuschlagen, dann gäbe es eben weniger Investitionen.
    Also einfach eine Schwächung der Wirtschaft.
    Dazu hat der Arbeiter- und Angestelltenbund der österreichischen Volkspartei Stellung genommen und festgestellt, diese Forderung Geists sei auf das Scheitern der SPÖ-Politik in der verstaatlichten Industrie zurückzuführen.
    Wie sehen nun die Gewerkschaften, die ja maßgeblich die Lohnpolitik in Österreich mitbestimmen, die Vorschläge des ÖIAG-Generaldirektors?
    Stellung bezogen hat heute der Vorsitzende der Gewerkschaft Metall, Bergbau und Energie, der sozialistische Abgeordnete Karl Sekanina.
    Mit ihm sprach Erich Aichinger.
    Herr Präsident Sekanina, Äußerungen des ÖIAG-Generaldirektors Geist am vergangenen Wochenende wurden so interpretiert, als seien Sie ein Plädoyer für einen Lohnpreisstopp.
    Können da die Gewerkschaften mitziehen?
    Ist das überhaupt sinnvoll?
    Soweit es die Gewerkschaft Metall, Bergbau und Energie betrifft, darf ich gleich konkret antworten.
    Wir können nicht mitgeben.
    Wir haben auch gar nicht die Absicht mitzugeben.
    Es ist das gute Recht des Herrn Generaldirektors Dr. Geis zur aktuellen wirtschaftlichen Fragestellung zu beziehen, ebenso unser gutes Recht darauf zu replizieren.
    Wir haben die Diskussion bitte nicht begonnen und in sommerlichen Tagen und Wochen etwas überraschend für uns, darf ich schon mit der Deutlichkeit sagen, aber zur Lohnpolitik der Gewerkschaft, die ich repräsentieren darf.
    Wir haben einen gültigen Kollektivvertrag, wir haben vereinbart, dass wir
    innerhalb einer Laufzeit von zwölf Monaten zu neuen Verhandlungen nicht antreten.
    Wir kennen zwei Ebenen unserer Lohnpolitik.
    Das ist die generelle, die vertragliche, mit den Vertragspartnern abgeschlossene.
    Wir kennen die betrieblichen Aktivitäten zwischen den Konzernleitungen, Firmenvorständen und den örtlich tätigen Betriebsräten.
    Und diese Praxis hat sich mehr als 30 Jahre bewährt, auch für Österreichs Wirtschaft.
    Das sollte bitte auch in Zukunft so bleiben.
    Wenn Generaldirektor Dr. Geist davon spricht, seiner Meinung nach sei der Schlüssel für die wirtschaftliche Gesundheit Österreichs in erster Linie in der Lohnpolitik zu suchen, ist der Gedankengang so falsch.
    Der Gedankengang ist sicherlich nicht falsch, aber es könnte ja dazu führen, dass Outsider und nicht Insider, wenn ich das so formulieren darf, nun durch diese Formulierung die Meinung und Auffassung hätten, dass die bisherige Vorgangsweise falsch und schlecht war und das bestreite ich.
    Die Gewerkschaften haben auch in den letzten Jahren eine Politik betrieben, die nach unserer Formulierung wirtschaftskonform ist.
    Wir haben uns wohl überlegt, welche Größenordnung wir verlangen dürfen.
    Wir haben uns wohl überlegt, wie lange diese Verträge Laufzeit haben könnten.
    Und daher ist also die Formulierung, wenn sie so interpretiert wird, der Schlüssel der wirtschaftlichen Zukunft, der guten wirtschaftlichen Zukunft Österreichs, liegt in einer entsprechenden Lohnpolitik, dann bestreite ich das nicht.
    Aber die Vergangenheit beweist nach unserem Dafürhalten, dass wir eben eine richtige Lohnpolitik betrieben haben.
    nicht Paradeprozentsätze verlangt haben, mit wesentlichen Abstrichen bei den Verhandlungen dann aussteigen mussten, sondern wir haben uns von vornherein zurückgehalten, haben uns wirtschaftskonform verhalten und das werden wir auch in Zukunft tun.
    Sollte es zu keiner Art Lohnpreistop kommen, so meinte offenbar sinngemäß Generaldirektor Geist, dann fürchte er eine Schwächung der Wirtschaft, eine Schwächung des Exports.
    Sehen Sie das auch so drastisch?
    sehe ich nicht so drastisch.
    Ich möchte bitte, soweit es innerhalb von wenigen Sekunden interpretierbar ist, sagen, wenn wir die Zeit 1974 wirtschaftlich international beurteilen, große Rezessionen, 15 Millionen Arbeitslose, Österreich auch konfrontiert damit, 1975 erstmalig ein Minus im Wirtschaftswachstum von 2 Prozent, 1976 auch wieder 5,2 Prozent,
    plus 1977 Jahres Miete, jetzt rechne ich mit einer Größenordnung von ungefähr 4 Prozent.
    Österreichs Wirtschaft konnte sich international behaupten, es gibt keine Einbrüche, dass es natürlich permanente, härter werdende Konkurrenzkämpfe gibt, das ist unbestritten.
    Aber hier wird man sich in den Konzernleitungen zu überlegen haben, wie man dem
    beikommen kann, ob es hier nicht entsprechende Veränderungen der Organisationsform geben muss, innerhalb der Betriebe, bei den einzelnen Produktionstechniken und all die Einzelheiten, die es im Rahmen eines Interviews jetzt nicht aufzuzeigen sind.
    Wenn das beachtet wird, glauben wir, im Verein, auch mit einer bisher betriebenen verantwortungsbewussten Lohnpolitik, werden wir auch in Zukunft unsere Position halten können.
    Vom ÖERG-Generaldirektor Geist heißt es, dass er im nächsten Jahr in Pension gehen werde.
    Da könnte einer auf die Idee kommen, das ist die wirtschaftliche Wahrheit, die einen ausspricht, der keine Rücksicht mehr zu nehmen braucht.
    Ich glaube, persönlich formulieren zu dürfen, dass, soweit ich Herrn Generaldirektor Dr. Geist beurteilen kann,
    er derartiges nicht notwendig hätte.
    Ich schätze ihn nach wie vor als einen Fachmann, der durchaus aufgrund seiner internationalen Erfahrungen die Dinge beurteilen kann.
    Was jetzt nur passiert ist bei seinen Formulierungen, dass man das Gefühl haben müsste oder könnte zumindest, er hat gemeint, es kann nur durch einen Weg eines Lohnstoppes, einer Vereinbarung, die bis dato in Österreich also nicht
    Gültigkeit erlangt hat, könnte man Schwierigkeiten überwinden.
    Ich bestreite nicht die Schwierigkeiten, aber ich möchte behaupten, dass unsere Lohnpolitik nicht das auslösende Moment ist, sondern dass eine Reihe von anderen Umständen dazu beitragen, weltweit gesehen, aber auch national beurteilt.
    Und meine Bitte geht als Vorsitzender der Gewerkschaft für Bergbau und Energie an die Adresse des Herrn Generaldirektor Dr. Geist.
    Man sollte Bewährtes nicht ad hoc abschaffen, sondern es weiterhin dem Verantwortungsbewusstsein beider Seiten, ob Arbeitnehmer oder Arbeitgeber, lassen und die Probleme gemeinsam lösen.
    Mit dem Thema Lohn- und Preisstub in Österreich beschäftigen sich auch heute einige Kommentatoren in den österreichischen Tageszeitungen.
    Die Inlandspresse Schau hat Leopold Esterle zusammengestellt.
    Mit der Forderung von OIAG-Generaldirektor Geist, bei einem gleichzeitigen Einfrieren der Preise zu einem Lohnstopp zu kommen, um auf den internationalen Märkten weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben, beschäftigt sich heute Karl Graber im Wirtschaftsteil der Presse.
    Graber kommentiert insbesondere den Satz des OIAG-Generaldirektors, wonach die Tarifpartner bestimmen, wie viele Arbeitsplätze bei gegebener Produktivität wettbewerbsfähig bleiben, und schreibt, Nachdem die Unternehmer in Sachen Lohnpolitik unter den gegebenen Kräfteverhältnissen ohnehin kaum etwas zu plaudern haben, kann es auch keine Zweifel geben, dass Geist mit den Tarifpartnern niemanden anderen als die Gewerkschaften gemeint haben kann,
    Zumal diese in der verstaatlichen Industrie ohnehin kein tarifpartnerliches Gegenüber haben, beziehungsweise es in Doppelrolle selbst spielen.
    So besehen war Geist Philippika geradewegs ein Sakrileg, aber ein kalkuliertes.
    Geist sprach als einer, der keine Rücksichten mehr zu nehmen hat.
    Und zur Begründung meint der Autor dann, So weit Karl Graber in der Presse.
    Und ein Kurzkommentar in den Salzburger Nachrichten schlägt in dieselbe Kerbe, wenn man liest.
    Österreichische Unternehmungen liefern erstklassige Qualität zu vereinbarten Terminen.
    Dafür zahlt man international einen angemessenen, auch höheren Preis.
    Wenn in Österreich aber durch Arbeitszeitverkürzungen und Lohnsteigerungen die Produktionskosten rascher wachsen als in den Konkurrenzländern, wird dieser Preis sehr rasch überhöht sein und nicht mehr bezahlt werden.
    Die Auswirkung einer solchen Entwicklung wäre schlimmer als das von Generaldirektor Geist verlangte Maßhalten.
    Im ÖVP-Organ Neues Volksblatt nimmt Chefredakteur Peter Klar das Treffen von Bundeskanzler Kreisky mit dem Tiroler Landeshauptmann Walnöfer am vergangenen Wochenende in Innsbruck zum Anlass, neuerlich die politische Szene im Zusammenhang mit der Spitäler Sanierung auszuleuchten.
    Es war ja vorauszusehen, dass Kreisky bei Walnöfer abblitzen werde.
    Nicht einmal der Bundeskanzler selbst dürfte sich ernstlich der Illusion hingegeben haben, dass er beim Tiroler Landeshauptmann erreiche, was ihm die ÖVP-Bundesparteileitung versagte.
    Und Kennern der politischen Szenerie war daher schon von allem Anfang an klar, dass der Hinweis auf das samstägige gemeinsame Mittagessen zweier älterer Herren in Innsbruck nur ein taktischer Winkelzug in der Attacke gegen ÖVP-Gesundheitssprecher Wiesinger war.
    Sonst nichts.
    Klar meint deshalb im weiteren Verlauf seines Leitartikels, es sei wenig sinnvoll, den schwarzen Peter der Finanzierungslast der Spitäler zwischen Bund, Ländern, Gemeinden und Krankenkassen hin und her zu schieben.
    Sinnvoller wäre es zu untersuchen, ob eine Ausweitung des Geldbedarfs der Krankenhäuser in einem derart erschreckenden Ausmaß überhaupt notwendig sei.
    Klar meint dazu,
    Viele teure medizinische Apparate, man denke nur an die Scannerflut nach der hochgejubelten Krebsaktion, stehen nutz- und sinnlos in den Spitälern herum, ohne dass das medizinische Personal zu ihrer Betreuung überhaupt vorhanden wäre.
    In Wien wird nun schon jahrelang an einem Monsterspital herumgebaut, ohne dass die Kosten überhaupt abschätzbar sind.
    Hier wäre der Hebel anzusetzen.
    Und nicht in Überlegungen, wie und wo man dem Volk noch ein paar Schilling aus den Taschen reißen kann.
    Soweit Peter Klar im ÖVP-Organ Neues Volksblatt.
    Denselben, übrigens auch von der Industriellenvereinigung geforderten Gedanken nach einer Erarbeitung eines patientengerechten Gesundheitskonzeptes, kommentiert heute auch das Salzburger Volksblatt.
    Doch heißt es hier abschließend, die geforderten politischen Entscheidungen würden so ziemlich alle von den Spitalsverwaltungen über die Ärzteschaft bis zu den Patienten zu Todfeinden machen.
    Und welcher Politiker will seine Wähler schon zu Todfeinden haben?
    Mit einem Auszug aus dem Salzburger Volksblatt endete unsere heutige Inlandspresseschau.
    Es ist jetzt 12 Uhr und 24 Minuten, sechs Minuten vor halb eins.
    Wenn man vielleicht in Zukunft einmal unsere Gesellschaft ein bisschen charakterisieren will, dann würde man zweifellos sagen, wir leben in einer Wegwerfgesellschaft.
    Fährt man zum Beispiel an Müllhalten am Land irgendwo vorbei, dann sieht man Autowracks, Autoreifen, Papier, Ziegelberge, Glas und nicht zuletzt auch Textilien, die man eben ganz einfach wegwirft.
    Sie könnten aber bei richtiger chemischer und maschineller Behandlung wieder zu einem verwertbaren Rohstoff umgewandelt werden.
    Fachleute sagen dazu Recycling.
    Nun, das Handelsministerium hat im April dieses Jahres eine Aktion gestartet, die dazu dienen soll, die Österreicher, was Altrohstoffeinsparung betrifft, aufzuklären.
    Handelsminister Staribacher zog heute eine erste Zwischenbilanz dieser Aktion.
    Michael Kerbler meldet sich dazu mit einem Bericht aus dem Regierungsgebäude.
    Altrohstoffe zu sammeln ist von besonderer volkswirtschaftlicher Bedeutung, denn Abfall ist praktisch die einzig noch nicht voll erschlossene Rohstoffquelle.
    Mehr als 60 Prozent des Hausmülls besteht aus Altrohstoff und das war der Grund dafür, dass das Handelsministerium eine sogenannte Altrohstoff-Hibel herausgebracht hat.
    Eine Rohstoff-Hibel, die die Bevölkerung weg vom Wegwerfsystem bringen sollte.
    Grund für die Sammelaktion, die an zahlreichen Orten des Bundesgebietes durchgeführt worden ist, war, nicht nur aus umweltschützerischen Gründen, durchgeführt worden.
    Gewichtigster Grund, Abfall zu sammeln, ist Devisensparen.
    Dazu ein Beispiel.
    1976 musste die österreichische Wirtschaft für den Import von Altrohstoffen mehr als 500 Millionen Schilling ausgeben.
    Hinzu kommt noch, dass die Müllbeseitigung, also das Wegführen, das Deponieren und die Vernichtung der Abfälle, Geld kostet.
    Geld, das nicht nur das Budget der einzelnen Gemeinden und Ländern, sondern auch die Geldbörse jedes einzelnen Haushaltes belastet.
    Wie erfolgreich war nun diese Testsammelaktion?
    Handelsminister Staribacher zieht Bilanz.
    Zu meiner größten Überraschung wurde von der Bevölkerung diese Aktion sehr gut aufgenommen.
    Die Altroststofffibel ist also, wie man so schön sagt, gut angekommen und ich selbst habe 2000 Briefe bekommen mit Vorschlägen, aber auch mit Kritik.
    Bei der letzten Altpapiersammlung in Wien wurden 1300 Tonnen aufgebracht und das ist fast doppelt so viel, wie wir im März 1977 aufgebracht haben.
    Das zeigt also klar und deutlich, dass die Aktion Altrohstofffibel, Aufklärung der Bevölkerung, Mitwirkung der Bevölkerung sehr gut eingeschlagen hat.
    Durch den Einsatz von Altrohstoffen kann aber nicht nur Geld gespart werden, sondern auch Energie.
    So können zum Beispiel bei der Papierfabrikation dann bis zu 60% der notwendigen Energie eingespart werden, wenn man Altpapier als Rohstoff einsetzt.
    Dass dadurch auch unsere Gewässer geringer belastet werden, ist ein erfreulicher Nebenaspekt.
    Ein weiteres Moment, warum es so wichtig ist, Zeitungen, Illustrierte, Telefonbücher, Glasflaschen, Autofracks, alte Kühlschränke und anderen Mist zu sammeln, ist der Umstand, dass eine halbe Million Österreicher in Betrieben beschäftigt ist, die Altrohstoffe verwenden oder Vormaterialien, die aus Altrohstoffen hergestellt werden, beschäftigt.
    Durch die Altrohstoffsammlungen können wir uns von vielen Importen, Altpapier, Bestandteile für die Glasproduktion usw.
    befreien oder zumindest entlasten, weil eben dieser Altrohstoff, der früher verloren gegangen ist, der in Deponien abgelagert wurde oder der überhaupt die Umwelt verschmutzt hat, jetzt in die Produktion wieder rückgeführt wird.
    Dabei kommt es natürlich insbesondere zu ganz großen Energiesparen und diese Energieersparnis führt letzten Endes dazu, dass wir uns damit mit diesen Devisen, die wir uns auch hier bei den Alt-Roh-Materialien ersparen, andere Produkte kaufen können, die wir dringend brauchen und dadurch unsere Arbeitsplätze auch auf diesem Weg sichern.
    Wie wichtig die Beseitigung von Problemmüll ist, zeigt eine Initiative des Handelsministeriums.
    Im Herbst soll ein Gesetzesantrag zur Beseitigung von Altöl ins Parlament eingebracht werden.
    Mit diesem Bericht von Michael Kerbler haben wir die Inlandsberichterstattung im heutigen Mittagsjournal abgeschlossen und nun ins Ausland Spanien.
    Vor sechs Tagen wurde die spanische Währung der Peseta abgewertet.
    Das war genau am 12.
    Juli und es dauerte nicht mal eine Woche, dass die Preise in Spanien wieder steigen.
    Das Aufatmen der Spanienurlauber
    hört eigentlich schon wieder auf.
    Ab heute werden zum Beispiel die internationalen Flüge von und nach Spanien um fast 15 Prozent angehoben.
    Und auch die Preise im Land steigen wieder neuerlich an.
    Robert Gerhardt aus Madrid.
    Am vergangenen Wochenende gab es lange Autoschlangen vor den Tankstellen.
    Die Spanier wollten noch einmal zum alten Preis einkaufen, nachdem das Gerücht die Runde machte, um Mitternacht sollte das Benzin teurer werden.
    Und zwar um 5 Peseta, umgerechnet etwa 1 Schilling auf 7 Schilling pro Liter Super.
    Die Sorge war allerdings verfrüht.
    Es gab keinen Preisanstieg.
    Doch er wird nicht lange auf sich warten lassen.
    Am kommenden Mittwoch tagt der Ministerrat in Madrid und fast ausschließlich sollen Wirtschaftsfragen beraten und beschlossen werden.
    Nach der Abwertung der Peseta um 25 Prozent
    sind nun unbedingt ergänzende und stützende Maßnahmen nötig, wenn es nicht zu einer galoppierenden Inflation kommen soll.
    Die beträgt im Moment etwa 30 Prozent und hat gerade in diesen Tagen nach der Abwertung schwindelerregenden Auftrieb bekommen.
    Schon verlangen die nationalen Reise- und Fluggesellschaften mindestens 15 Prozent Aufschläge.
    Und das mit dem Argument, dass die Importpreise für Flugzeug, Sprit und Petroleum um etwa 50 Peseta umgerechnet 10 Schilling angestiegen seien.
    Eine Preislawine zeichnet sich auch schon bei Lebensmitteln und anderen Konsumartikeln ab.
    Während auf dem Weltmarkt die Quoten für Kaffee, Tee oder Zucker zurückgehen, stiegen sie in Spanien bisher schon um 20 Prozent.
    Zucker beispielsweise ist inzwischen in ganz Europa am teuersten in Spanien.
    Das Kilo kostet umgerechnet fast acht Schilling.
    Auf dem Markt in London wird es dagegen mit weniger als die Hälfte gehandelt.
    Inflation gibt es nach der Abwertung selbst schon bei Industrieprodukten, die nicht eingeführt, sondern in Lizenz in Spanien hergestellt werden.
    Die wurden alle rundweg um 10 Prozent teurer.
    Das Fieber der Inflation hat fast alle Bereiche erfasst.
    Dass nun Gas und Elektrizität im Preis ansteigen werden, darauf müssen sich die Spanier ebenfalls vorbereiten.
    Die Börse hat inzwischen den tiefsten Stand des Jahres erreicht.
    Von der Regierung wird nun Mitte dieser Woche erwartet, dass sie die Preislawine durch verschärfte Kontrollen stoppen kann.
    Gelingt es ihr nicht energisch durchzugreifen, ist die Abwertung ohne Sinn und hat als Leidtragenden nur wieder einmal den kleinen Mann, der noch tiefer in die Tasche greifen muss.
    Und kommt es nicht schnell zu einem Preisstopp, dann haben bald auch die Touristen nicht mehr viele Vorteile, die sie in diesen Tagen durch die 25% Abwertung erhielten.
    Noch hat die Mehrheit der Spanier die dramatische Situation nicht ganz erfasst.
    Viele sind schon im wohlverdienten Urlaub und andere feiern ein verlängertes Wochenend, das bis heute geht.
    Denn vor genau 41 Jahren machte Franco und seine Generäle ihren Putsch.
    Der blutige Bürgerkrieg begann und eine fast 40-jährige Diktatur.
    Zum letzten Mal wird heute der Tag des Aufstandes, der 18.
    Juli, als Nationalfeiertag begangen.
    Im Tal der Gefallenen, wo auch Franco liegt, lesen dessen Anhänger zu dieser Stunde eine Messe.
    König Juan Carlos und die Repräsentanten der Regierung sind nicht erschienen.
    Drastische Preiserhöhungen also in Spanien, keine gute Nachricht für Spanien-Urlauber, Robert Gerhardt berichtete.
    Drastische Preiserhöhungen aber auch in Israel.
    Nun, diese Preiserhöhungen waren eigentlich zu erwarten.
    Ministerpräsident Begin befindet sich seit Freitag in Amerika und will ab morgen mit Präsident Carter verhandeln über eine neue Nahostlösung.
    Und gerade während der Abwesenheit von Begin wurde diese neue Regierungsmaßnahme in Kraft gesetzt.
    Die Opposition, aber auch die Gewerkschaft haben dagegen stark protestiert und haben neue Maßnahmen angekündigt.
    Ja, die Opposition und die Gewerkschaft will in Israel die Massen einfach auf die Straße bringen, um gegen das Begin-Regime zu demonstrieren.
    Was tut sich in dieser Stunde in Israel während der Abwesenheit von Ministerpräsident Begin?
    Moshe Meisels.
    Ab heute sind Durchkürzungen der Regierungssubventionen
    die Preise der wichtigsten Lebensmittel wie Brot, Milch, Speiseöl, Eier, Käse und Huhn um 25% erhöht wurden.
    Ebenso die Strom-, Wasser-, Treibstoff- und Fahrpreise in den öffentlichen Verkehrsmitteln um 25%.
    Außerdem wurde die zweite schleichende Pfundabwertung in der Höhe von 2% im Laufe von 14 Tagen durchgeführt.
    Die Wellen in Israel schlagen heute insbesondere in Arbeiter- und Lohnverdienerkreisen hoch.
    Diese sehen in den drastischen Wirtschaftsmaßnahmen einen hauptsächlich gegen sie gerichteten Schritt, der sie zur Senkung des Lebensstandards und Engaschnallen des Gürtels zwingen soll.
    Die Likud-Regierung bezeichnet ihre Maßnahmen als unvermeidbar, um ein großes Defizit im Staatsbudget zu verhindern, die Inflationsrate von 38 Prozent zu drosseln und den Export zu steigern.
    Sie erklärt, dass sie mit Kürzung ihres eigenen Staatshaushaltes um circa 4,8 Milliarden Schilling, davon über 3 Milliarden Schilling im Verteidigungsbudget, mit gutem Beispiel vorangeht.
    Alle Posten im Staats- und öffentlichen Dienst werden eingefroren werden, um eine relative Abnahme der Zahl der öffentlichen Beamtenschaft zu fördern.
    Minder bemittelte Schichten würde per Sofort eine Teuerungszulage in der Höhe von 6 Prozent zugebilligt werden.
    Die von der Arbeiterpartei beherrschte Histadrut läuft jedoch gegen die wirtschaftlichen Maßnahmen der Lekut-Regierung Sturm, wobei sich nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische Konfrontation abzeichnet.
    Der Generalsekretär der Histadrut, Jerocha Meschel, der in der Früh die obersten Histadrut-Gremien zu einer Notstandssitzung einberufen hat, bezeichnete die Wirtschaftsmaßnahmen der Lekut-Regierung als Vertrauensbruch.
    Die Regierung habe der Histadrut vorgeschlagen, Verhandlungen
    über ein langfristiges Preis-, Steuer- und Lohnstopp-Abkommen zu führen und zugesagt, keine drastischen Wirtschaftsmaßnahmen ohne vorherige Absprache mit ihr durchzuführen", erklärte Meschel.
    Sie habe die Histadrut-Mitschritten, die insbesondere die Arbeiterschaft und Lohnverdiener schwer treffen würden, vor fertige Tatsachen gestellt.
    Die Wirtschaftspolitik der Regierung würde zu einer immer stärker werdenden Arbeitslosigkeit führen.
    Die Regierung zwingt die Histadrut zu einer harten Konfrontation gegen ihren Willen.
    Sollte die Regierung nicht sofort zu einer vollen Entschädigung der Lohnverdiener für die Teuerung zustimmen, werde die Histadrut scharfe Maßnahmen ergreifen müssen und nicht vor Streiks zurückschrecken.
    Der Vorsitzende der Arbeiterpartei, Simon Perez, bezeichnete die wirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung als unüberlegt, zu einem schlechten Zeitpunkt gewählt,
    und den Versprechungen des Likud während der Wahlkampagne zuwiderlaufend.
    Er erklärte, dass die Arbeiterpartei diese Wirtschaftspolitik, die unter anderem auch durch Kürzung des Verteidigungsbudgets die Sicherheit des Staates gefährdet, energisch bekämpfen wird.
    Die Linksparteien haben bereits zu einer Arbeiterdemonstration in Tel Aviv am Nachmittag gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung aufgerufen.
    Im Parlament wurde der erste Misstrauensantrag gegen die Likud-Regierung eingebracht, der morgen zur Debatte und Abstimmung gelangen wird.
    Also innere Schwierigkeiten in Israel.
    Und der Ministerpräsident befindet sich in Amerika und wird dann ab morgen mit Präsident Carter verhandeln.
    Nun, diese Verhandlungen werden aus Moskauer Sicht nicht sehr positiv beurteilt.
    Wir melden es ja schon in den Nachrichten.
    Die Pravda kritisiert heute schon die morgen beginnenden Gespräche.
    Wie sieht eigentlich der Nahe Osten selbst, also die arabische Seite, diese Gespräche?
    Und gibt es von arabischer Seite aus Hoffnung auf eine neue Nahost-Friedenskonferenz in Genf?
    Dazu Peter Brünner aus Kairo.
    Schalmeinklinge begleiteten mir nach Beginns Reisevorbereitungen.
    Ein fröhliches Okay zur Wiederaufnahme der Genfer Verhandlungen, ein Angebot an Präsident Sadat, den gegenseitigen Propagandakrieg zu dämpfen,
    und des israelischen Generalstabschefs Mordechai Gurs Äußerung, Israel sei stark genug, einen Rückzug von der Westbank zu verkraften.
    Last Not Least ein Friedensplan, den Menachem Begin für seine Reise in den Zylinderhut steckte.
    Ob er eine Taube aus dem Hut zaubert, mag füglich bezweifelt werden.
    In der arabischen Öffentlichkeit geht niemand davon aus, dass Menachem Begin sich auch nur in einem der israelischen Essentials nachgiebig zeigt.
    Essentials, die da lauten,
    Kein Rückzug aus den besetzten Gebieten, kein selbstständiger Palästinenser-Staat, militärgeografisch sichere Grenzen.
    Von kleineren Zugeständnissen an die arabische Seite ist die Rede, die israelische Friedensbereitschaft vordergründig signalisieren, im Grunde aber auf Zeitgewinn hin zielen.
    Die für Minach im Beginn wohl wichtigste Frage ist, wie die amerikanische Öffentlichkeit reagiert.
    werden die Argumente karterscher Energiepolitik, die die engere Zusammenarbeit mit den ölreichen Arabern einplant, oder die Argumente amerikanisch-israelischer Waffenbrüderschaft die Oberhand gewinnen und Carter zur Flexibilität gegenüber den israelischen Vorstellungen zwingen.
    In einem einzigen Punkt sind die Araber bereit, noch Konzessionen zu machen.
    Zumindest Sadat und König Hussein sind sich einig, dass es keinen selbstständigen palästinenser Staat geben solle.
    sondern dass die Palästinenser nur begrenzte Autonomie im Rahmen des haschemitischen Königreichs haben sollen.
    Die PLO aber kämpft für die volle Autonomie.
    Ein Gespräch, zu dem PLO-Chef Arafat dieser Tage nach Kairo reiste, brachte darüber keine Einigung zwischen ihm und Präsident Sadat.
    Die offizielle Tageszeitung der PLO, Palestina Taura, kommt in einer Analyse zu dem Schluss, der einzige Weg, der noch offen ist, ist Krieg.
    Mit dieser Meinung stehen die Palästinenser im Moment noch allein da.
    Aber als Alternative zum Scheitern der Genfer Verhandlungen wird ein möglicher fünfter Nahostkrieg längst offen diskutiert, nicht nur von den Militärs.
    Den undurchsichtigen Part in der Nahostpolitik spielt derzeit immer noch die Sowjetunion.
    Man kann getrost davon ausgehen, dass ohne die Sowjetunion eine Friedensregelung nicht zustande kommen wird.
    Und der ägyptische Außenminister Fahmy
    waren nicht zuletzt dieserhalb in Moskau.
    Doch über Goodwill-Erklärungen zur Wiederaufnahme freundschaftlicher, nicht aber besonderer Beziehungen sind Fahmy und seine Gesprächspartner offensichtlich nicht hinausgekommen.
    Und wann der zweite Teil der ägyptischen sowjetischen Gespräche in Kairo stattfindet, darüber redet man zurzeit nicht.
    Carter spricht immer wieder davon, dass er keine Friedensregelung im Nahen Osten erzwingen wolle.
    Das klingt überzeugend und demokratisch.
    Doch dahinter steckt ein Gedanke, den Gamal Abdel Nasser vor über 20 Jahren formulierte.
    Es gibt nur eine Möglichkeit, so sagte er damals, Frieden im Nahen Osten zu erreichen.
    Er muss von den USA den Beteiligten aufgezwungen werden, weil Israel und die arabischen Staaten nicht in der Lage sind, Friedensverhandlungen mit dem nötigen gegenseitigen Vertrauen zu führen.
    Dies hat sich bis heute noch nicht geändert.
    Und nun aus dem Nahen Osten zurück nach Europa.
    Die Diskussion um den sogenannten Euro-Kommunismus geht weiter und hat nun indirekt auf England übergegriffen.
    Die kommunistische Partei Großbritanniens hat sich gespalten.
    Eine Gruppe von Stalinisten und Sowjet-Trauen-Funktionären hat sich als Protest gegen diesen Euro-Kommunismus, den auch die britische KP unterstützt, selbstständig gemacht und will eine eigene Partei gründen.
    Die britische kommunistische Partei zählt ja zu den kleinsten kommunistischen Bewegungen Westeuropas.
    Sie hat offiziell nur 28.000 Mitglieder.
    Seit der offenen Auseinandersetzung mit dem spanischen KP-Führer Carillo lässt aber Moskau offenbar nichts unversucht, um die aufsässigen Genossen in Westeuropa endlich zur Raison zu bringen.
    Heinz Beran aus London.
    nicht gelitten hat der Kampfgeist und die Erfindungsgabe der KP-Führer.
    Zunächst sind sie von den 50er Jahren an langsam aber sicher in die Gewerkschaften eingestiegen.
    Wie bekannt, ist die Begeisterung für gewerkschaftliche Alltagsarbeit unter den normalen Mitgliedern nicht sehr groß.
    Umso leichter haben es Linksaktivisten gehabt, wichtige Funktionen zu erobern, um in einer Zeit der Arbeitslosigkeit und großer wirtschaftlicher Schwierigkeiten aus der Unzufriedenheit der Arbeiterschaft Kapital zu schlagen.
    So ist heute der Führer der schottischen Bergarbeiter McGarhey ein KP-Mitglied.
    In anderen Fällen sind es Linkstehende, die mit den Kommunisten in dieser Sache gemeinsame Front machen, wie Arthur Scargill, der Yorkshire-Bergarbeiterführer.
    Der Chefredakteur der Zeitschrift dieser Bergarbeiter in Yorkshire,
    Morris Jones ist auch KP-Mitglied und hat sich vor kurzem in die DDR abgesetzt, weil er von der Polizei so bedroht wurde, dass er um seine Frau und seine dreijährige Tochter besorgt war und deshalb die Flucht in ein kommunistisches Land vorzog.
    Nebenbei, um den Stellenwert der Bedrohungen anzugeben,
    Der Frau sei von der Polizei vorgeworfen worden, dass sie als Finnin, also nicht-britische Staatsbürgerin, illegal bei einem Friseur gearbeitet habe, im Jahre 70, ein paar Monate lang.
    Und über das Kind, so schrieb Morris Jones, hätte die Polizei gesagt, sie haben ein reizendes kleines Mädel, der Verkehr in den Straßen wird um diese Jahreszeit sehr stark.
    Was immer dran ist, er befindet sich im Aufnahmeheim 124 Fürstenwalde, BSF 62 DDR und die Polizei dort könnte ja die Polizei hier befragen, ob die Kollegen wirklich das Leben des kleinen Mädchens haben bedrohen wollen.
    Auch die Präsidentin der Studentengewerkschaft ist KP-Mitglied.
    Aber das sind ja nur die Prominenten.
    Es gibt eine Menge kleinerer kommunistischer Funktionäre bei den Gewerkschaften.
    Und der Erfolg des Kampfes gegen den Sozialkontrakt ist sicher auch mit der Hilfe dieser kommunistischen Funktionäre erzielt worden.
    Ein großer Erfolg, auch rein publizistisch, war die heurige kommunistische neuntägige Universität von London.
    Eine alljährliche Veranstaltung der Partei, die bis gestern ging.
    Sie begann im Jahre 1968 als Folge der damaligen Studentenrevolte.
    Jaurès-Medvedev durfte nicht dozieren.
    Das zeigt wohl, dass der orthodoxere Flügel doch recht stark ist.
    dass der Zwisk jedoch ein gewisses Maß von unlösbar erreicht hat, geht daraus hervor, dass wir erfahren, dass sich eine Gruppe britischer Kommunisten, die gegen den Eurokommunismus sind, von der britischen KP abgespalten haben.
    Sie nennen sich New Communist Party, also Neue Kommunistische Partei.
    Bis zu einem im August abzuhaltenden Kongress hat Sidney French den Sekretärsposten übernommen.
    Die Neue Partei betonte gestern in einem Statement,
    dass sie den Antikommunismus überall dort bekämpfen werde, wo er auftritt.
    Bekämpfung des Antikommunismus, Bekämpfung des Kommunismus.
    Der traditionalistische französische Erzbischof Lefebvre hat nach seiner Ankunft in Santiago de Chile im Sheraton Hotel eine Messe nach dem alten römischen Rhythmus zelebriert, nachdem ihm das chilenische Episkopat verboten hatte, den Gottesdienst in einer Kirche zu feiern.
    Lefebvre wiederholte seine Kritik an der Haltung des Vatikans und erklärte, falls es zu einem Schisma kommen sollte, werde dies nicht seine Schuld sein und er wetterte wieder einmal gegen den Kommunismus und warf dem Vatikan vor, zu nachgiebig gegenüber dem Kommunismus zu sein.
    Hören Sie dazu eine Analyse von Barbara Kudenhofe-Kalergi.
    Die offizielle katholische Kirche Chiles wandte sich gegen ihn, aber einige hundert begeisterte Chilenen nahmen dennoch am gestrigen Sonntag an Erzbischof Lefebvre's lateinischer Messe im Sheraton-Hotel von Santiago teil.
    Die Rufe, mit denen der Gast begrüßt wurde, hatten freilich weniger religiösen als politischen Charakter.
    Lefebvre ja, Kommunismus nein und nieder mit dem Roten Kardinal.
    Gemeint war der Bischof von Santiago, Kardinal Raúl Silva Henríquez, der sich gegenüber der chilenischen Militärdiktatur verschiedentlich für verfolgte Regimegegner eingesetzt hat.
    Mit dem Besuch des umstrittenen Traditionalistenbischofs Marcel Lefebvre wird erstmals die politische Seite des Falles Lefebvre deutlich, die bisher hinter dem Konflikt für oder gegen die lateinische Messe zurückgetreten war.
    Lefebvre, der die römische Kirche als Opfer von liberalen Freimaurern und Kommunisten sieht, hat sich demonstrativ nach Lateinamerika begeben, um sich mit jenen Kräften zu solidarisieren, die sich dort, anders als in Europa, nach seiner Meinung mit der nötigen Entschlossenheit den Mächten der Unordnung und des Kommunismus entgegensetzen.
    In diesem Sinne hat er bereits früher die chilenische Politik gegen den Kommunismus begrüßt und jenen brasilianischen Bischof unterstützt, der sich gegen Priester eingesetzt hatte, die für die von Ausrottung bedrohten Indios und gegen die Regierung demonstriert hatten.
    Marcel Lefebvre's politisches Engagement datiert nicht erst seit seinem Konflikt mit dem Papst.
    Der Nordfranzose, dessen Familie seit Generationen im ultrakonservativen Bürgertum der Stadt Lille verankert ist, hatte bereits in den frühen 30er Jahren öffentlichen Streit mit seinem damaligen vorgesetzten Bischof.
    Bischof Lienar hatte sich bei einem Arbeitskonflikt für die christlichen Gewerkschaften eingesetzt.
    Lefebvre ging aus dem Roten Lil in die Afrikamission und wurde in den 50er Jahren Erzbischof von Dakar im Senegal.
    Als aber der Senegal unter dem gemäßigt sozialistischen Präsidenten Senghor unabhängig wurde, kehrte Lefebvre enttäuscht wieder nach Frankreich zurück.
    Auch die Entkolonialisierung war für ihn ein Sieg der Mächte der Unordnung.
    Das Zweite Vatikanische Konzil und die Amtszeit von Papst Johannes dem 23. erlebte er schließlich als den Höhepunkt der in seinen Augen unheilvollen Entwicklung in der Kirche.
    Als Mitglied der Vorbereitungskommission unterzeichnete er zwar das Dekret über die Liturgiereform, sagte aber Nein zu dem Dokument über die Religionsfreiheit.
    Die Trennung von Kirche und Staat hat er nie akzeptiert.
    Die beiden müssen nach seiner Ansicht vielmehr gemeinsam gegen den Geist der Subversion kämpfen.
    Der französische Theologe Gilles Saint nannte die Lefèvre-Bewegung denn auch einen Weg in den Faschismus, der mit guten Vorsätzen gepflastert ist.
    Viele Beobachter sind der Ansicht, dass die wahre geistige Auseinandersetzung zwischen Lefebvre-Anhängen und Gegnern noch bevorsteht, und zwar in Lateinamerika, wo die Frage nach dem sozialen und politischen Engagement der Kirche krasser gestellt ist als in Europa.
    Wenn der Vatikan mit einer Exkommunikation Lefebvres zögert, dann nicht zuletzt deshalb, weil dann viele traditionelle, aber romtreue Kreise energisch auch eine Verurteilung progressiver Priester und Laien verlangen würden.
    Ein solches Gizmo aber soll so lange wie möglich vermieden werden.
    Vor allem, weil niemand genau weiß, wie viele Katholiken eigentlich heimlich mit den Ideen des streitbaren Bischofs sympathisieren.
    Und jetzt um 12.49 Uhr, 11 Minuten vor 1 Uhr, kommen wir zu unserer Kulturberichterstattung im Mittagsschonal.
    In diesem Sommer feiert die Alte Münstädte in Hall in Tirol ihr 500-jähriges Bestandsjubiläum.
    Aus diesem Anlass gibt es ein reichhaltiges Festprogramm.
    Höhepunkt der kulturellen Veranstaltungen ist die heutige Aufführung der »Marienwesper« von Claudio Monteverdi in der Haller Pfarrkirche.
    Die Ausführenden sind international gesuchte Spezialisten für Barockmusik.
    Den folgenden Beitrag gestaltete Gunther Schneider.
    Monteverdis' Marienvespa in ihren Dimensionen mit den großen geistlichen Werken Bachs und Beethovens vergleichbar, ist die vielleicht kühnste frühbarocke Konzeption einer Musik, in der sich die Bedürfnisse liturgischen Feierns und festliche Repräsentation des Machtapparats Kirche mit neu entstandenen leidenschaftlichen Ausdrucksformen des Matrikals und insbesondere der Oper verbinden.
    Der Plan der Aufführung der Marienvespa in der Haller Jesuitenkirche, die 1610 im Erscheinungsjahr des Marienvespadrucks geweiht wurde, ist ein alter Wunsch der Galerie Sankt Barbara.
    Anlässlich der Festlichkeiten um das 500-Jahr-Jubiläum der Haller Münze ergab sich die Möglichkeit, die Marienvespa in Zusammenarbeit mit der Stadt Hall, dem Fremdenverkehrsverband Hall-Mils-Absam, dem Land Tirol und dem Landesstudio des ORF zu realisieren.
    Freilich soll diese Aufführung nicht nur ein Ereignis für musikalische Feinschmecker werden.
    Die Galerie St.
    Barbara plante deshalb die Herausforderung, die Monteverdis-Marien-Vesper als überdimensionaler Lobgesang auf die von der katholischen Kirche verehrte Gottesmutter darstellt, anzunehmen und die Gedanken- und Kunstwelt von 1610 mit dem Denken von heute zu konfrontieren.
    Was bedeutet Maria, immerhin zentraler Fluchtpunkt gläubiger Verehrung durch hunderte von Jahren abendländischer Kultur, heute, in einer Zeit, in der die katholische und christliche Religion kaum mehr den Anspruch aufrechthalten kann, geistige Norm über die Welt und in der Welt zu sein?
    Dazu Initiator Gerhard Krepacz.
    Gerade die Marienwespe geht natürlich in einen Bewusstseinsbereich, der zwar offiziell immer stark vertreten ist, Kirche und Glaube wird ja in Tirol sehr hoch gehalten, aber es wird sehr oberflächlich und sehr wenig reflektiert geglaubt.
    Und so hätten wir die Hoffnung,
    dass über so eine pompöse Musik und über das sich Bewusstsein dieser Musik 1610, dass man dadurch auch ein bisschen mehr wieder nachdenkt über die Situation, in der wir heute sind.
    Dass solche Fragen wie auch generelle über das Verhältnis von Kirche und Welt bereits zur Zeit Monteverdis aktuell waren, zeigt die Musik selbst, eben in der schon angedeuteten Verquickung verschiedener und nicht nur in der damaligen Auffassung gegensätzlicher Ausdrucksbereiche.
    Ivan Fischer, der Dirigent der Aufführung meint,
    Er ist also ein Komponist, der durch die Oper und durch die Matrigale in die Kirche gekommen ist.
    Und er hat einfach versucht, seinen modernen Stil und seine neuen Versuche in die Kirche und in die geistliche Musik reinzubringen.
    Und das war etwas unerhört Modernes.
    Und dadurch ist seine Komposition geschrieben worden, was man vielleicht nur avantgardistisch bezeichnen kann.
    Aufführung der Marienvespa von Claudio Monteverdi in der Haller Pfarrkirche anlässlich 500 Jahre Haller Münstädte.
    Seit den Äußerungen Bundeskanzler Kreiskis über eine Kulturpolitik, die auch radikale Ansätze in der Kunstproduktion in Betracht zu ziehen habe, hat es viele Leitartikeln und Interpretationsversuche zu diesem Thema gegeben.
    Wie sieht nun aber die Praxis aus?
    Heidi Grundmann sprach mit dem Chef der Sektion Kunst im Unterrichtsministerium, Dr. Hermann Lein.
    Herr Sektionschef, in Österreich ist es doch so, dass die reproduzierenden Gebiete der Kunst immer noch viel mehr Geld verschlingen als die produzierenden.
    Was gedenkt man da zu unternehmen?
    Das ist richtig, das lässt es sich auch in einem Prozentschlüssel ausdrücken.
    Im Bereich meiner Sektion werden also die reproduzierenden Künste, die hauptsächlich bei Musik und Theater beheimatet sind, mit 73 Prozent meines Budgets bedacht.
    Alles übrige teilt sich dann auf Filmliteratur und bildende Kunst auf.
    Es wird natürlich schwer sein, und ich glaube, das ist auch nicht möglich, Musik und Theater, die notwendigen Mittel wegzunehmen.
    Es wird nur darum gehen,
    den anderen Kunstrichtungen mehr Geld zu beschaffen.
    Das wird nicht ganz leicht sein, denn Sie wissen, für das Jahr 1978 haben wir bereits eine 10-prozentige Kürzung der Subventionen.
    Hier kann man vom Budget natürlich sagen, dass der
    die Möglichkeit umzuschichten und neue Initiativen unterzubringen, bei der Bildung und Kunst, bei der Literatur und beim Film leichter zu bewerkstelligen ist, obwohl weniger Geld vorhanden ist, als bei Musik und Theater, wo also die Beträge von vornherein schon gebunden sind.
    Es ist in letzter Zeit sehr viel davon gesprochen worden, dass die junge Kunst mehr gefördert werden soll, dass man auch radikale Ansätze fördern will.
    Sie müssen das in die Praxis umsetzen.
    Gibt es da schon konkrete Vorstellungen?
    Sie wissen, wir haben ja im Kulturpolitischen Maßnahmenkatalog, wird von Kulturexperimenten geredet.
    Das ist nicht immer ganz leicht, aber wir haben gerade im letzten Jahr einen Kultur-,
    einen Kulturversuch durchgeführt, durchaus mit Erfolg, und zwar das Videoprojekt lokales Fernsehen.
    Und auf der Konferenz der Landeskulturreferenten haben sich diese Referenten sehr für diesen Versuch interessiert und das wird weitergehen.
    Damit sind wir schon bei einem anderen Stichwort, das nicht nur in Österreich in Beziehung auf die Kunstförderung zurzeit viel gebraucht wird, bei der Projektförderung.
    Es gibt da ganz verschiedene Definitionsmöglichkeiten von Projekt.
    Wie würden Sie das sehen?
    Ich würde meinen, dass eine Projektförderung ein
    bestimmtes, genau umrissenes Unternehmen betrifft.
    Das kann die Herausgabe eines bestimmten Buches sein.
    Es wird also nicht der Verlag gefördert, sondern nur dieses bestimmte Buch.
    Es kann ein bestimmter Film sein.
    Es wird also keine Filmfirma, sondern ein bestimmter Film wieder gefördert.
    Und ich könnte mir also vorstellen, dass auch im Bereich von Musik und Theater, wo bis jetzt eine ganze Institution, also die Philharmoniker, die Symphoniker, die Theater gefördert wurden, dass man nun hier zwar einen bestimmten Sockelbetrag als Betriebssubvention gibt, dass man aber darüber hinaus dann bestimmte streng umrissene Projekte in diesen Klangkörpern fördert.
    Um zur Bildenden Kunst zurückzukehren, ist es ja so, dass in manchen Ländern Versuche gestartet worden sind, dort Projektförderung so zu verstehen, dass man eben Projekte von Künstlern fördert, bei denen nicht unbedingt dann ein Bild oder eine Skulptur, also nicht eine Kunst herauskommt, die man dann im Museum aufbewahren kann.
    Denkt man auch an so eine Interpretation der Projektförderung?
    Ich muss ehrlich gestanden sagen, über diese Möglichkeit der Projektförderung haben wir uns noch nicht den Kopf zerbrochen.
    Um zu einem ganz anderen Thema zu kommen, im nächsten Jahr ist wieder eine Biennale von Venedig fällig.
    Welche Überlegungen gibt es da?
    Es ist jetzt bei der Biennale üblich gewesen, einen Kommissär mit allen vollen Machten auszustatten.
    Es hat sich im Laufe der Zeit ergeben, dass es für einen Kommissär allein schwer möglich ist, die nötige Arbeit zu leisten und auch die Verantwortung allein zu tragen.
    So wird es in Hinkunft so sein, ist schon für die nächste Biennale geplant, dass wir also zwei Persönlichkeiten damit beauftragen, den österreichischen Biennalebeitrag zu gestalten und dass, da es sich in Italien abspielt, ein
    Herr des österreichischen Kulturinstituts in Rom für die italienischen Verhältnisse verantwortlich zeigt und hier im Ministerium ein junger Beamter dafür verantwortlich zeichnen wird für die verwaltungsmäßigen Angelegenheiten.
    Kann man schon sagen, wer die zwei Persönlichkeiten sind?
    Es ist zwar schon von zwei bestimmten Persönlichkeiten die Rede gewesen.
    Ich glaube, es ist noch nicht der Zeitpunkt, dass ich die Namen nennen kann.
    Sind das Künstler oder Persönlichkeiten des Kulturmanagements?
    Also, soweit kann ich schon sagen, in diesem Fall sind es zwei Künstler.
    Nach diesem Gespräch mit dem Chef der Sektion Kunst im Unterrichtsministerium, Dr. Hermann Lein, noch einmal Kurznachrichten.
    Österreich.
    Der Vorsitzende der Gewerkschaft Metall, Bergbau und Energie, Sekanine, sagte heute, die Gewerkschaften hätten stets eine Politik betrieben, die man als wirtschaftskonform bezeichnen müsse.
    Alle Lohnforderungen seien wohlüberlegt gestellt worden.
    Seckanina bezog sich mit dieser Äußerung auf die Forderung von UIAG-Generaldirektor Geist, zu einem Lohnstopp bei gleichzeitigem Einfrieren der Preise zu kommen, um die österreichische Wirtschaft international exportfähig zu erhalten.
    Im Jahre 1975 lag der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung in Österreich unter dem Durchschnitt der Staaten der Europäischen Gemeinschaft.
    Während in der Neuner-Gemeinschaft im Jahre 1975 40,8% der Gesamtbevölkerung erwerbstätig waren, betrug die Erwerbsquote in Österreich nur 39,7%.
    Die im April an die österreichischen Haushalte ausgesandten Altrohstofffiebeln sind nach Angaben des Handelsministeriums ein voller Erfolg.
    Wie Handelsminister Staribacher heute vor Journalisten erklärte, seien bei der letzten Altpapiersammlung in Wien beispielsweise aufgrund der Werbeaktionen 1300 Tonnen Altpapier aufgebracht worden.
    Diese Menge ist doppelt so groß wie die im März 1977 in Wien gesammelte Altpapierquantität.
    Der ÖAMTC erinnert heute in einer Aussendung an den sogenannten Patientenpass.
    Dieses Dokument liegt bei den wichtigsten Dienststellen des ÖAMTC auf und soll Krankenurlaubern die Verständigung mit ausländischen Ärzten ermöglichen.
    Spanien.
    Nach der Freigabe des Wechselkurses, der peseta, hat die Inflation fast alle Bereiche der spanischen Wirtschaft erfasst.
    Lebensmittel und sogar im Inland hergestellte Industrieprodukte sind um 10 bis 20 Prozent teurer geworden.
    Die Preise für Flüge von Spanien ins Ausland, nicht aber die Preise für Flüge nach Spanien, wurden um 14 Prozent angehoben.
    Mit diesen Kurznachrichten, meine Damen und Herren, endet das Mittagsjournal eine halbe Minute vor 13 Uhr.
    Nachrichten bringt der aktuelle Dienst wieder zu jeder vollen Stunde und ausführliche Berichte hören Sie dann um 18.30 Uhr im Programm Österreich 1 beim Abendjournal.
    Das Team des Mittagsjournals wünscht noch einen angenehmen Tag.
    Auf Wiederhören.

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Datum: 1977.07.18 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten
    Wetterbericht
    Datum: 1977.07.18 [Sendedatum]
    Schlagworte: Natur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten
    Gewerkschaften zu ÖIAG-Generaldirektor Geists Vorschlag eines Lohn-Preisstops
    Interview: Karl Sekanina
    Mitwirkende: Eichinger, Erich [Gestaltung] , Sekanina, Karl [Interviewte/r]
    Datum: 1977.07.18 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik ; Gesellschaft ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten
    Inlandspresseschau: Geist - Forderung, Spitalssanierung
    Mitwirkende: Esterle, Leopold [Gestaltung]
    Datum: 1977.07.18 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik ; Gesellschaft ; Medizin ; Medien und Kommunikation ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wiederaufbereitung von Altmaterialien
    Interview: Handelsminister Staribacher
    Mitwirkende: Kerbler, Michael [Gestaltung] , Staribacher, Josef [Gestaltung]
    Datum: 1977.07.18 [Sendedatum]
    Schlagworte: Wirtschaft ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
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    Teuerungswelle in Spanien nach Pesetenabwertung
    Mitwirkende: Gerhardt, Robert [Gestaltung]
    Datum: 1977.07.18 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten
    Israelisches Sparprogramm führt zu Protesten und Demonstrationen der Gewerkschaften
    Mitwirkende: Meisels, Moshe [Gestaltung]
    Datum: 1977.07.18 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Tauziehen um Nahost-Konferenz in Genf
    Mitwirkende: Brünner, Peter [Gestaltung]
    Datum: 1977.07.18 [Sendedatum]
    Ort: Genf [Veranstaltungsort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Spaltung der britischen Kommunisten
    Mitwirkende: Beran, Heinz [Gestaltung]
    Datum: 1977.07.18 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten
    Analyse des Chilebesuches von Erzbischof Lefevre
    Mitwirkende: Coudenhove-Kalergi, Barbara [Gestaltung]
    Datum: 1977.07.18 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    500 Jahre Münzstätte Hall in Tirol - Marienvesper von Monteverdi in Barbarakirche in Hall
    Einblendung: Gerhard Crepaz (Initiator), Iwan Fischer (Dirigent)
    Mitwirkende: Schneider, Günter [Gestaltung] , Crepaz, Gerhard [Interviewte/r] , Fischer, Ivan [Interviewte/r]
    Datum: 1977.07.18 [Sendedatum]
    Ort: Hall in Tirol [Veranstaltungsort]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Gesellschaft ; Kultur ; Wirtschaft ; Musik ; E-Musik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Probleme der Kunstförderung
    Interview: Sektionschef Lein
    Mitwirkende: Grundmann, Heidi [Gestaltung] , Lein, Hermann [Interviewte/r]
    Datum: 1977.07.18 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Kultur ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten

    Katalogzettel

    Titel Mittagsjournal 1977.07.18
    Spieldauer 00:59:48
    Mitwirkende Bock, Hellmuth [Moderation]
    Vockenhuber, Hans [Regie]
    ORF [Produzent]
    Datum 1977.07.18 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ audio
    Format TKA [Tonband auf Kern (AEG)]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-770718_k02
    Medienart Mp3-Audiodatei
    Gesamtwerk/Reihe Mittagsjournal

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    Inhalt

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    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt