Mittagsjournal 1971.11.20

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    Rechtliches

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    Mittagsschornal.
    Guten Tag meine Damen und Herren.
    Heute ist Samstag, der 20.
    November.
    Es war soeben 12 Uhr.
    Bei der Mittagsinformationssendung des Hörfunks begrüßt Sie für Redaktion und Technik Helmut Bock.
    Unser Programm in Schlagzeilen.
    Der Wochenkommentar beschäftigt sich heute mit dem Thema
    Peking nach der Aufnahme in die Vereinten Nationen.
    Weiters hören Sie die Vereinten Nationen und das Flüchtlingsproblem in Pakistan.
    Dann einen Bericht über den außerordentlichen Parteitag der Sozialdemokraten in Bonn.
    Und dann planen wir noch ein Thema, Japaner protestieren wegen Okinawa-Vertrag.
    Einige Themen aus Österreich.
    Heute Nacht der dritte Ausbrecher aus Stein verhaftet und die Inlandspresseschau beschäftigt sich mit dem Thema Österreichisches Bundesheer wider Gesprächsthema Nummer 1.
    Für die Sportfreunde unter unseren Hörern hoffen wir einen Vorbericht zum Fußballländerkampf Österreich-Italien aus Rom zu erhalten.
    Die Kulturredaktion beschäftigt sich mit der heutigen Premiere von Manu in der Wiener Staatsoper.
    Nach den Weltnachrichten und dem ausführlichen Wetterbericht werden wir aufgrund der sehr schlechten Straßen in ganz Österreich und im benachbarten Ausland Verbindung mit dem ÖAMTC aufnehmen und wichtige Hinweise für die Autofahrer weitergeben.
    Nun aber die Weltnachrichten, heute gesprochen von Wolfgang Riemerschmid.
    Italien.
    Die Autostrada del Sole wurde heute zwischen Florenz und Bologna aufgrund starker Schneefälle in den Apenninen für den Verkehr gesperrt.
    Etwa 100 Autofahrer blieben im Schnee stecken.
    Die Polizei verteilte Verpflegung und heiße Getränke.
    Bundesrepublik Deutschland.
    In Bonn geht heute der außerordentliche Parteitag der SPD nach dreitägiger Dauer zu Ende.
    In einer Kampfabstimmung am Vormittag konnte eine knappe Mehrheit der Delegierten einen Antrag des als linksgerichtet bekannten Bezirks Hessen-Süd als Grundlage der Diskussion über Massenmedien durchsetzen und lehnte damit einen vom Parteivorstand unterstützten Entschließungsentwurf für ein Pressearbeitsgesetz ab.
    Der Antrag von Hessen-Süd spricht sich unter anderem für eine Entflechtung marktbeherrschender Pressekonzerne aus.
    Österreich.
    Der dritte Ausbrecher aus der Strafanstalt Stein, Adolf Schandl, konnte heute Nacht in Wien-Hernals von Beamten des Wiener Sicherheitsbüros verhaftet werden.
    Die Polizei war durch verschiedene Hinweise aus der Öffentlichkeit auf die Spur des Ausbrechers aufmerksam gemacht worden.
    Schandl war am 4.
    November mit seinen Komplizen Nejedli und Schubirsch aus der Haftanstalt Stein ausgebrochen.
    Die beiden Letztgenannten hatten sich bereits zwei Tage später der Polizei ergeben.
    In Salzburg beginnt heute um 14.30 Uhr eine kommunalpolitische Konferenz der jungen Generation in der SPÖ unter dem Motto Die Humanisierung der Stadt.
    An der Tagung nehmen 150 Delegierte aus allen Bundesländern, vor allem junge Kommunalpolitiker, teil.
    In einem Arbeitspapier für diese Konferenz wird die Schaffung von Siedlungsgemeinschaften mit Aufenthalts- und Hobbyräumen angeregt, um die Wohngemeinschaft als Zelle aller Aktivität zu mobilisieren.
    Danach sollte es weiters in jedem Stadtbezirk ein Großraumfreizeitzentrum geben, das kostspielige Einrichtungen enthält.
    Grundsatzreferate werden Bautenminister Moser, der Bundesobmann der jungen Generation, Abgeordneter Blecher sowie Dozent Dr. Gamser aus der Bundesrepublik Deutschland halten.
    Der Österreicher arbeitet laut ÖVP-Präsidienst von allen Europäern am meisten für das Finanzamt.
    Aus einer vor kurzem veröffentlichten internationalen Statistik soll hervorgehen, dass ein Österreicher bei einem Jahreseinkommen von durchschnittlich 100.000 Schilling pro Stunde 19 Minuten für das Finanzamt arbeiten muss.
    Vereinte Nationen.
    Die 26.
    Vollversammlung der UNO geht am 21.
    Dezember zu Ende.
    Bis dahin sollte nach Meinung aller Delegierten die Nachfolgefrage Utans geklärt sein.
    Die zehn nichtständigen Mitglieder des Sicherheitsrates trafen gestern zusammen, um diese Frage erneut zu diskutieren.
    Ein neuer Generalsekretär muss nach den Gesetzen der Vereinten Nationen vom Sicherheitsrat der Vollversammlung empfohlen werden.
    Als Nachfolger Utans steht auch der österreichische UNO-Botschafter Dr. Baldheim zur Diskussion.
    Ägypten.
    Der Herausgeber der Cairoer Zeitung Al-Ahram und Vertraute von Staatspräsident Sadat Haikal wird auf Einladung des Zentralkomitees der kommunistischen Partei der Sowjetunion bald nach Moskau reisen.
    Das meldet die libanesische Zeitung Al-Nakhar in ihrer heutigen Ausgabe.
    USA.
    Die amerikanisch-sowjetischen Beratungen über gemeinsame Unternehmungen im Weltraum werden Ende dieses Monats in Moskau fortgesetzt.
    Wie die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA gestern bekannt gab, werden die Wissenschaftler in der sowjetischen Hauptstadt vom 29.
    November bis 7.
    Dezember vor allem Probleme der Zusammenarbeit auf technischem Gebiet erörtern.
    Der Mars hat nach Angaben von Wissenschaftlern des Weltraumlaboratoriums in Pasadena eine ovale Form und zeigt auf der Höhe des Äquators eine Ausbuchtung.
    Dies geht aus den Aufnahmen hervor, die die amerikanische Mars-Sonde Meriner 9 vom roten Planeten gemacht hat.
    Wie die Wissenschaftler weiters mitteilten, lege sich der Sandsturm auf den Mars allmählich und man könne in etwa zwei Wochen mit klaren Aufnahmen der Fernsehkameras rechnen.
    Meriner 9 befindet sich seit Sonntag in einer Umlaufbahn um den Mars.
    Die amerikanische Atomenergiekommission erklärt in ihrem abschließenden Bericht über den umstrittenen Nukleartest auf der Aleuteninsel Amchitka, dass die befürchteten Schäden an der Tierwelt ausgeblieben seien.
    Entgegen den Erwartungen habe die Zündung in 1800 Meter Tiefe allerdings stärkere Erdverschiebungen an der Küste Amchitkas verursacht.
    Der unterirdische Test diente der Erprobung des Sprengkopfes für die Spartan-Rakete des amerikanischen Raketenabwehrsystems.
    Die Atomenergiekommission will ihre ersten Testergebnisse noch durch genaue Untersuchungen in der unterirdischen Sprengkammer ergänzen.
    China.
    Der nordvietnamesische Ministerpräsident Pham Van Dong ist heute an der Spitze einer Partei- und Regierungsdelegation in Peking eingetroffen.
    Nach Ansicht diplomatischer Beobachter in Saigon will die Delegation die Haltung der Volksrepublik China zum Konflikt in Indokina im Hinblick auf den bevorstehenden Peking-Besuch Präsident Nixons sondieren.
    Es wird auch für möglich gehalten, dass sich Nordvietnam um weitere Militär- und Wirtschaftshilfe bemühen will.
    Sowjetunion Das Parteiorgan Pravda nahm heute in einem Artikel zu Berichten über Veränderungen in der Führungsspitze der chinesischen KP Stellung.
    Die Pravda meinte, diese Berichte zeigten an, dass die chinesische Parteiführung eine ernste Krise durchmache.
    Unter Berufung auf das amerikanische Nachrichtenmagazin Time heißt es in der Pravda weiter, von 21 Mitgliedern des Politbüros seien jetzt nur mehr neun aktiv, während von den anderen zwölf, sechs, während der September-Ereignisse von der Bildfläche verschwanden.
    Die Pravda weist darauf hin, Diplomaten und Journalisten in Peking seien davon überzeugt, dass chinesische Pressekritiken an ungenannten Verschwörern und Karrieremachern auf den zuletzt aussichtsreichsten Kandidaten um die Mao-Nachfolge, Marshall Lin Piao und vier Mitglieder des Generalstabs der chinesischen Armee, gemünzt seien.
    Kanada
    Der Rat der Internationalen Zivilluftfahrtvereinigung beschloss auf seiner Sitzung in Montreal, Vertreter Pekings als die einzig rechtmäßigen Repräsentanten Chinas anzuerkennen.
    Dem Rat gehören 27 Länder an.
    Wie es heißt, sei dieser Beschluss mit großer Mehrheit gefasst worden.
    Die Internationale Zivilluftfahrtvereinigung umfasst 122 Mitgliedstaaten.
    Oppositionsführer Harold Wilson ist nach einem fünftägigen Besuch der Unruhegebiete in Nordirland gestern in Dublin eingetroffen.
    Er bezeichnete vor Journalisten das Nordirland-Problem als die wichtigste Frage, mit der sich das Londoner Unterhaus in den kommenden Wochen beschäftigen müsse.
    Für Dienstag hat Wilson konkrete Lösungsvorschläge für Nordirland angekündigt.
    Italien
    Der Senat in Rom billigte gestern eine Gesetzesvorlage über ein Rauchverbot an öffentlichen Orten und in Verkehrsmitteln.
    Von dieser Maßnahme sind vor allem Spitalsräume, Schulzimmer, Warteseele in Bahnhöfen sowie Theaterräume und Kinos betroffen.
    Ausnahmen von diesem Gesetz werden nur dann genehmigt, wenn in den lokalen Entlüftungsanlagen vorhanden sind.
    Die Vorlage muss noch von der Deputiertenkammer gebilligt werden.
    Libanon.
    Reste einer byzantinischen Kirche aus der Zeit vor 450 sind in Byblos entdeckt worden.
    Der Boden der Kirche ist mit Mosaiksteinen belegt, die das byzantinische Kreuz in zahlreichen Varianten darstellen.
    Gerade dieses Mosaik hat die Bestimmung des Alters der Kirche ermöglicht, denn nach 450 hatte Byzanz die Darstellung des heiligen Kreuzes auf den Fußböden untersagt.
    Der primitive Charakter des Gebäudes vermittelt andererseits wertvolle Aufschlüsse über die Entwicklung der Architektur des orientalischen Kirchenbaus.
    Unweit der Kirche wurde auch ein neun Meter langes Teilstück einer sechs Meter breiten römischen Straße mit einem 90 Zentimeter starken Unterbau gefunden.
    Diese Straße war von Säulen umrandet, die den Säulen von Baalbek gleichen.
    Das waren die Meldungen.
    Das Wetter.
    Die Wetterlage.
    Ein Hochdruckausläufer schiebt sich von Westeuropa her bis zu den Alpen vor und drängt dadurch das zuletzt in unserem Raum wetterwirksame Tiefdruckgebiet allmählich ostwärts ab.
    In weiterer Folge greift jedoch erneut eine atlantische Frontalzone auf Mitteleuropa über.
    Die Wetteraussichten bis morgen früh.
    Zunächst noch häufig starke Bewölkung und strichweise Schneefall, besonders an der Alpen-Nordseite.
    Ab den späteren Nachmittagsstunden oder in der Nacht weitere Wetterbesserung und Bewölkungsrückbildung.
    Winde aus Nordwest bis Nord.
    Nachmittagstemperaturen minus 4 bis plus 1 Grad.
    Tiefstwerte der kommenden Nacht minus 8 bis minus 2 Grad.
    Die Wetteraussichten für morgen Sonntag.
    Tagsüber aufgelockerte Bewölkung, zum Teil auch heiter.
    Nur in Nordstau lagen örtlich stärker wolkig und einzelne leichte Schneeschauer.
    Gegen Abend in Westösterreich beginnende Eintrübung und nachfolgend Einsätzen von Niederschlägen.
    Winde aus West bis Nordwest.
    Tageshöchsttemperaturen minus zwei bis plus drei Grad.
    Die Messwerte von 12 Uhr.
    Wien, bedeckt, leichter Schneefall, 0 Grad, Nordwestwind 40 Kilometer in der Stunde, Spitzentön mit 70 Kilometer.
    Eisenstadt, bedeckt, leichter Schneefall, 0 Grad, Nord 20 Kilometer.
    Linz, wolkig, 0 Grad, Nordwest 20.
    Salzburg, stark bewölkt, minus 3 Grad, West 15 Kilometer.
    Innsbruck stark bewölkt, leichter Schneefall, minus 2 Grad Nordost 10.
    Bregenz heiter, minus 3 Grad Nord 15.
    Graz bedeckt, 1 Grad Nord 35 Kilometer und Klagenfurt stark bewölkt, 0 Grad Nordostwind, 5 Kilometer in der Stunde.
    Soweit der ausführliche Wetterbericht von heute Samstag, den 20.
    November.
    Und dieser ausführliche Wetterbericht veranlasste uns jetzt, Kontakt mit der Informationszentrale des ÖAMTC aufzunehmen.
    Guten Tag, Herr Kellner.
    Guten Tag, Herr Doktor.
    Herr Kellner, wie sieht eigentlich der Straßenzustand in ganz Österreich aus?
    Es herrschen zur Zeit auf fast allen österreichischen Bergstraßen winterliche Fahrbedingungen.
    Zum Teil ist die Situation auch so, dass selbst in den Ausflugsgebieten in der Umgebung der großen Städte winterliche Fahrbedingungen herrschen, insofern als Straßenglätte auftritt, als auch auf Nebenstraßen vielleicht durchgehende Schneefahrbahnen auftreten.
    Das gilt auch für den Osten Österreichs, nicht nur für die Berge?
    Das gilt auch für den Osten Österreichs.
    Wir haben heute in den Vormittagsstunden auf der steirischen Seite des Semmering durchgehende Schneefahrbahnen und zum Teil erhebliche Sichtbehinderung durch starkes Schneetreiben.
    Die Sicht wurde zeitweise auf nur 10 Meter eingeschränkt.
    Wie sieht es eigentlich auf den Autobahnen aus?
    Auf den Autobahnen treten eigentlich nur Behinderungen auf im Raum Salzburg und im Raum Mondsee, auf der Westautobahn, auf der Brennerautobahn, auf den Überholspuren auch noch stellenweise Matsch oder Eis, aber sonst sind die Autobahnen im Wesentlichen unbehindert befahrbar.
    Wir müssen also unseren Hörern sagen, Vorsicht auf jeden Fall beim Autofahren.
    Es könnte ein überraschender Kälteeinbruch ja wieder kommen und dann wird es Glatteis geben.
    Sehr richtig, vor allem in den Abendstunden und während der Nacht wird wieder besondere Vorsicht notwendig sein.
    Soweit zu den Straßen Österreichs.
    Wie sieht es im umliegenden Ausland aus?
    Wir hörten, dass auch in Italien schon Schnee gefallen ist.
    Ja, auch in Italien ist der Winter mit ganzer Stärke eingezogen.
    Wir haben selbst auf den Autobahnen in Norditalien Behinderungen durch Schneefälle und Schneestürme.
    Und natürlich auf den Südtiroler Bergstraßen, auf den Dolomitenbässen, sind erhebliche Behinderungen aufgetreten, sodass man hier Ketten unbedingt mitnehmen muss.
    Einige Bergstraßen mussten hier sogar gesperrt werden.
    Auch in der Schweiz sind zwölf Passstraßen gesperrt und selbst in Jugoslawien tritt verbreitet Glatteis oder Schneeglätte auf den Straßen auf.
    Das ist also der Straßenzustand in Europa.
    Was würden Sie jetzt ganz kurz noch für unsere Autofahrer für Tipps geben?
    Wir würden an Tipps gerne weitergeben, dass alle, die es noch nicht geglaubt haben, dass der Winter sobald kommen wird, jetzt endgültig soweit ist, dass man Winterreifen oder Spikes an die Fahrzeuge montieren muss.
    oder zumindest Schneeketten in den Kofferraum legen muss und dann zeitgerecht vor allem die Schneeketten montiert bei der Verschlechterung des Straßenzustandes.
    Es sollte auch die Batterie und der Frostschutz des Fahrzeuges überprüft und gegebenenfalls ausgewechselt werden.
    Vor allem aber ist es notwendig sich wieder vollkommen umzustellen auf die geänderten Fahrbedingungen.
    Es dauert erfahrungsgemäß einige Tage bis die Kraftfahrer sich umgestellt haben.
    Und in dieser Zeit, in diesen einigen Tagen, sollte man besondere Vorsicht walten lassen.
    Und wer nicht das Auto unbedingt braucht, kann es eventuell auch stehen lassen.
    Ja, auch das ist richtig.
    Herr Gellner, herzlichen Dank für diese Tipps für unsere Autofahrer.
    Und damit kommen wir zu unserem ersten Beitrag unseres heutigen Mittagsjournals, der Wochenkommentar von Alfons Dalma.
    Der Einzug Chinas in die Vereinten Nationen ist in dieser Woche vollzogen worden.
    Die Delegation aus Peking hat kein Hehl daraus gemacht, welche Linie sie in der Großen Versammlung der Staaten und Völker, vielleicht mehr der Staaten als der Völker, zu verfolgen beabsichtigt.
    Sie hat ihre Strategie verkündet.
    Es war ein Aufruf zur Sammlung aller, wie es hieß, Beleidigten und Erniedrigten, um die neue Führungsmacht, die nun im Verein Sitz und Stimme hat, die Führung an Ort und Stelle in diesem Glashaus und im aquariumartigen Versammlungssaal am East River von New York effektiv übernehmen kann.
    Denn China scheint prädestiniert zu sein, alle Voraussetzungen zu besitzen, diese Rolle in den Vereinten Nationen zu übernehmen.
    Es ist im Laufe seiner neueren Geschichte von den europäischen Großmächten und großen Industriestaaten der Welt wie Amerika und Japan erniedrigt und bereidigt worden.
    Es ist selbst immer noch industriell und wirtschaftlich unterentwickelt in einem solchen Ausmaße, dass der gesamte Handel dieses 800 Millionen Landes nicht größer ist als der Außenhandel des inzwischen viel stärker industrialisierten chinesischen Zwergstaates Formosa ist.
    Dieses China hat nicht darauf gewartet, sich der Tribüne der Vereinten Nationen zu bemächtigen, um zur Sammlung der Unterentwickelten zu blasen, alles in seinem Machtstehende zu tun, um sich als das ideologische Richtfeuer, die wirtschaftliche Helfer und der politische Beschützer der Schwachen und Zurückgebliebenen zu präsentieren.
    Dabei besitzt es das Prestige des ältesten Kulturvolkes der Erde und die Verheißung der Macht, die in der Größe seines Territoriums und seiner Bevölkerung liegt.
    Der Aufruf zur Bildung einer dritten Front in den Vereinten Nationen ist also logisch.
    Amerika, Westeuropa und Japan, das sind die wirklichen fortgeschrittenen Industrieländer der Welt.
    Sie bilden eine natürliche Gruppe.
    Diese besitzt für andere wenig emotionale Anziehungskraft.
    Bestenfalls sind es rein materielle Interessen,
    die lateinamerikanische, südasiatische und afrikanische Staaten an Europa, Amerika und Japan binden können.
    Solche Bindungen hinterlassen den bitteren Nachgeschmack der Abhängigkeit, rufen den Komplex nicht nur der Minderwertigkeit, sondern auch der angeblich ungerechten Ausnützung hervor.
    Die Sowjetunion ist die reine Großmacht, strotzend vor Rüstungen, die das Hauptelement ihrer weltpolitischen Bedeutung geworden sind.
    Russland ist auf seine Art auch ein hochentwickelter Industriestaat.
    Es hat eine straffe politische Führung und ein erstarrtes gesellschaftliches und wirtschaftliches System.
    Eine Folge dieser materiellen Macht und der Systemerstarrung ist das Verblassen der politischen und der ideologischen Anziehungskraft der Sowjetunion in der Welt.
    Der Kommunismus sowjetischer Prägung erweckt keine Verheißungen mehr, bietet nicht mehr jene Vision, die noch in den 30er und 40er Jahren geeignet war, überall in der Welt Begeisterung und Hingabe für das sowjetische Modell der Zukunft der Menschheit zu entfachen.
    Die Existenzbedingungen und die Autonomiespanne der europäischen und asiatischen Staaten unter der Ägide der Sowjetunion, von Ostdeutschland bis zur äußeren Mongolei, sind für die große Masse der unterentwickelten Länder nicht verlockend.
    Auf dem heutigen China lasten noch keine Hypotheken dieser Art.
    Es wird nicht um den Reichtum beneidet, den Amerika, Westeuropa und Japan besitzen.
    Es wird nicht ob der harten Machtausübung und der machtpolitischen Ausnützung der Ideologie gefürchtet, wie Russland.
    Der chinesische Kommunismus, maoistische Prägung, hat den Vorteil einer Heilslehre, über die das Urteil der Geschichte noch nicht gefällt werden konnte.
    Einerseits dauert diese Revolution in Anwendung erst seit rund zwei Jahrzehnten.
    Ein halbes Jahrhundert musste vergehen, bis eine nüchterne Bilanz der russischen Oktoberrevolution gezogen werden konnte.
    Andererseits ist China nicht nur für uns in Europa, sondern erst recht für die Völker Afrikas, Lateinamerikas oder auch Südasiens so weit, so geheimnisvoll in sich geschlossen, so undurchdringlich, dass die komplex behafteten politischen Führungsschichten der Entwicklungsländer ihre Hoffnungen und Zukunftserwartungen an dieses China binden können, ohne durch die Konfrontation mit der Wirklichkeit enttäuscht zu werden.
    Die Wirksamkeit der Heilslehre wird im Jenseits geprüft, in diesem Fall nicht im metaphysischen Sinne, in einem anderen Leben, das nicht von dieser Welt ist, sondern vielmehr in einem Bereich jenseits der Reichweite der Information, des Wissens von den Dingen, der genauen Kenntnisse von den Zuständen.
    Das erleichtert und provoziert geradezu den Glauben an China, sei es als ideologische Hoffnung und Aufstiegsmodell, sei es als Erwartung einer neuen, überwältigenden Führungsmacht in der Welt.
    Wie undurchdringlich das Reich der Mitte ist, hätten wir schon immer wissen müssen.
    Seit dem Sommer wird uns das aber sehr eindringlich vor Augen geführt.
    Eine der größten Operationen der Nachkriegsdiplomatie war zugleich auch die größte Überraschung für die sonst immer so gut informierte Öffentlichkeit.
    Nur in Mao's China war die Kissinger-Mission möglich.
    Ein Beweis, wie gut sich Peking mit Geheimnis zu umgeben versteht, wie perfekt es die chinesische Führung als Mittel der Politik zu handhaben weiß.
    Das ist aber ein noch relativ kleines Symptom im Vergleich zur Undurchdringlichkeit der allerwichtigsten inneren Vorgänge in diesem riesigen und mächtigen Land.
    Es ist zwar schon eine ganze Literatur über die Kulturrevolution der letzten 60er Jahre geschrieben und veröffentlicht worden, sich hat aber nicht die Frage geklärt, warum diese innere Umwälzung ausgelöst worden ist, was war ihr Zweck, wer waren die eigentlichen Drahtzieher,
    Warum ist sie ebenso je abgebrochen wie vom Zaun gebrochen worden?
    Und noch undurchdringlicher, wer regiert heute wirklich in China?
    Mao selbst?
    Chu Enlai?
    Was ist aus dem designierten Nachfolger Maos, aus dem Chef der chinesischen Armee, die sich seit der Kulturrevolution an die Stelle der Partei gesetzt hatte, was ist aus Lin Piao geworden?
    Der noch vor kurzem mächtigste Mann des Landes ist spurlos von der Oberfläche verschwunden, als hätte ihn die Erde plötzlich verschluckt.
    Seit Juni hat ihn niemand gesehen.
    Seit Mitte September wird er nicht mehr erwähnt.
    Gerüchte wollen wissen, dass er mit sieben Freunden oder Mitarbeitern, auch von Komplizen ist die Rede, durch den Absturz einer dreimotorigen Düsenmaschine über dem Gebiet der äußeren Mongolei ums Leben gekommen sei.
    War es eine Flucht in die Sowjetunion?
    Nach einem misslungenen Staatsstreich?
    Es gibt überhaupt keine Möglichkeit, diese Fragen auch nur nach einer Wahrscheinlichkeit zu prüfen, geschweige denn zu klären.
    So undurchdringlich ist dieses China.
    Die mit China eng befreundeten Staaten wie Albanien, Rumänien, Äthiopien, Nordvietnam tappen genauso im Dunkeln wie die Großmächte Amerika und Russland.
    Kissinger hat darüber anlässlich seines zweiten Peking-Besuches nicht mehr erfahren als der italienische Sozialistenführer Pietro Neni, der vor drei Tagen aus China zurückgekehrt ist.
    Beide wissen über diese Vorgänge nichts.
    Die sowjetische Haltung zu China offenbart Unsicherheit und einen offensichtlichen Mangel an Information.
    Die sowjetische Propaganda ist sonst nie um die Frage verlegen, wo und wie sie mit der Beeinflussung einsetzen soll.
    Der abessinische Kaiser sprach noch im September Lin Piao in seiner Pekinger Tischrede, wenn auch ins Leere, denn er war nicht anwesend, an.
    Ebenso die anderen befreundeten Staatsführer in Glückwunsch-Telegrammen zum Tag der Revolution.
    Erst kürzlich trauten sich die Rumänen nachzufragen, ob sie den Namen von Mao's Nachfolger in einer Glückwunsch-Adresse erwähnen sollen.
    Die Antwort war, ohne weitere Erklärung und Information, ein simples Nein.
    So ist also auch der Umgang mit Peking auch für Freunde und Verbündete.
    China wird dennoch oder gerade deshalb in den Vereinten Nationen und in seiner Einflusspolitik sehr viele Verbündete und Freunde finden.
    Es wendet Lenins Rezept an und wiederholt ein Modell, dessen sich die Sowjetunion so lange bedient hatte, solange dies möglich war.
    eine aufsteigende Macht in einer Periode, in der sie noch ihr an sich großes Machtpotenzial infolge der Unterentwicklung und auch der nachrevolutionären Wegen und Schwierigkeiten nicht voll zur Entfaltung bringen kann, verwendet die Ideologie und die Mobilisierung der von den etablierten Großmächten erniedrigten und beleidigten Völker, Staaten und politischen Führungsschichten
    um die noch fehlende Fülle der materiellen Macht durch einen möglichst großen ideologischen und politischen Einfluss in der Welt zu ergänzen und auszugleichen.
    Das ist die Formel Macht minus X plus Y-Einfluss gleich Macht auf jeden Fall.
    Was auch immer der Erfolg dieser chinesischen Einflusspolitik als Führungsmacht der Erniedrigten und der Beleidigten werden mag, in den Vereinten Nationen oder in der Welt überhaupt, eines steht schon heute fest.
    Es wird nicht dabei bleiben.
    Die synthetische Weltmacht nach Lenins Rezept ist keine echte Großmacht, die sich aus der eigenen materiellen Kraft ergibt.
    Sie ist nicht unabhängig und autonom, sondern an das Auf und Ab der Sympathien und der materiellen Enttäuschungen der Klienten gebunden.
    China wird den Weg aller Mächte gehen, den Weg allen politischen Fleisches sozusagen.
    Es tut bereits alles, um sein vorhandenes, enormes Machtpotenzial in echte, industrielle, wirtschaftliche und militärische Macht umzusetzen.
    Den Einzug in die Vereinten Nationen, das dürfen wir nicht vergessen, hat es durch die Explosion seiner bis jetzt perfektesten Atombombe begleitet.
    Im indisch-pakistanischen Konflikt, auch in dieser Woche sehr aktuell, verspricht China dem einen unterentwickelten Großstaat die materielle und die waffentechnische Hilfe gegen das noch größere Entwicklungsland.
    Es beschimpft die Vereinigten Staaten von Amerika, arrangiert sich aber auch zugleich mit ihnen.
    China hat in aller Form seinen Führungsanspruch gegenüber der dritten Welt erhoben.
    Dahinter steckt aber nur der Anspruch auf den Rang, auf die Kraft und die Herrlichkeit der dritten Supermacht.
    Im heutigen Wochenkommentar beschäftigte sich Alfons Thalmer mit der Rolle Chinas bei den Vereinten Nationen.
    Mit unerwartet scharfen Angriffen gegen die indische Regierung hat gerade gestern die Volksrepublik China in der UNO Stellung zum indisch-pakistanischen Konflikt bezogen.
    Der chinesische Delegierte Fu Hua
    warf Kindien vor, den Konflikt durch Einmischung in die inneren Angelegenheiten Pakistan verursacht zu haben.
    Nun, wir hören ja täglich in den Nachrichten von den militärischen Auseinandersetzungen an den Grenzen zwischen Indien und Pakistan.
    Angesichts dieser Tatsache hat nun gestern der pakistanische Staatspräsident Jaya Khan Indien vorgeschlagen, eine neue Ära der guten Nachbarschaft zwischen beiden Ländern einzuleiten.
    In seiner Botschaft an die Nation sagte Yaya Khan, beide Länder hätten zu lange ihre Energien und Hilfsquellen verschwendet, um gegeneinander zu rüsten.
    Er wandte sich auch an die ostpakistanischen Flüchtlinge in Indien und forderte sie zur Rückkehr in ihre Heimat auf und um diese ostpakistanischen Flüchtlinge geht es in unserem nächsten Beitrag.
    Es ist ja interessant, dass sich weder die Vereinten Nationen, also die Vollversammlung der Vereinten Nationen, noch der Sicherheitsrat mit diesen Flüchtlingen beschäftigt.
    Unser Amerika-Korrespondent Rudolf Stoiber sprach darüber mit dem österreichischen Juristen Professor Erma Kora, der bei der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen eine bedeutende Rolle spielt.
    Herr Professor, warum schweigen die Vereinten Nationen?
    Nach meiner, nun nicht offiziellen, sondern persönlichen, von meinem Fachwissen getragenen Auffassung argumentiert man eben so,
    dass die Situation in Pakistan als eine Angelegenheit angesehen wird, die die inneren Verhältnisse Pakistans betreffen.
    Eine ähnliche Argumentation wurde ja seinerzeit bei der nigerianischen Frage vorgetragen und hier haben wir dasselbe.
    Nun ist meine persönliche Auffassung die, dass dieses Argument nicht richtig ist und zwar deshalb nicht richtig ist, weil doch im Frühjahr dieses Jahres
    die Bevölkerung Ostpakistans oder zumindest die politisch akzentuierte Bevölkerung Ostpakistans sich auf das Selbstbestimmungsrecht berufen hat und unter diesem Schlagwort des Selbstbestimmungsrechtes die Unabhängigkeit von Westpakistan verlangt hat und nach den bisherigen Traktaten zur Selbstbestimmung, die die Vereinten Nationen
    abgegeben haben und Erklärungen, müsste in dem Moment, wo die Bedingungen für die Anrufung des Selbstbestimmungsrechts gegeben sind, eine Angelegenheit nicht mehr als eine rein innerstaatliche Angelegenheit angesehen werden.
    Es herrscht hier im Haus Konfusion bezüglich des Ausmaßes der Flüchtlinge.
    Pakistan erklärt zwei Millionen Flüchtlinge, Indien erklärt fast zehn Millionen.
    Welche Zahlen stimmen?
    Es hat der Hochkommissär gesagt, dass die Zahl der Flüchtlinge wohl eher zu der oberen Grenze, das heißt zu 9 Millionen, hinneigen könnte, wenngleich auch dem Hochkommissär keine exakten Zahlen zur Verfügung stehen.
    Aber er drückte sich etwas so aus, dass die Zahl jedenfalls weit über der von Pakistan angegebenen Zahl von 2 Millionen läge.
    Also, Herr Professor, wer hilft zurzeit und in welchem Ausmaß?
    Man muss hier zwei große Hilfsaktionen unterscheiden.
    Auf der einen Seite ist es die Hilfe, die die Staaten leisten und die dem Hochkommissär zugutekommt.
    Der Hochkommissär verteilt die Mittel und versucht so zu helfen.
    Auf der anderen Seite ist es die Hilfe, die von den privaten Organisationen, Non-Governmental Organizations oder durch Sammlungen zustande kommt.
    Was nun die erste Seite der Hilfe angeht, nämlich die Hilfe, die dem UN-Hochkommissär geleistet wird, so sind es rund
    55 Staaten, die bis jetzt Beiträge geleistet haben, also durchaus freiwillige Beiträge geleistet haben.
    Was die europäischen Staaten angeht, so liegen aus der tabellarischen Aufzeichnung interessante Hinweise vor.
    Wir haben Österreich mit 99.000 Dollar, wir haben
    Belgien mit 412.000 Dollar, ich spreche in Rundenziffern, Dänemark mit 1.620.000 Dollar, Finnland mit 477.000 Dollar, die Schweiz mit 2 Millionen Dollar, wenn man die Ziffern, die nicht nur hier bemerkenswert sind, sondern auch hinsichtlich der allgemeinen Leistung des österreichischen Budgets für das Flüchtlingswesen ansieht,
    So figuriert Österreich einfach unter Fernalifen, gemessen an den vergleichbaren Staaten.
    Wenn ich mir eine bescheidene Bemerkung erlauben darf, so sehr es wichtig ist, die österreichische Kultur in das Ausland zu tragen, es wird die Leistung eines Staates im internationalen Konzert an diesen harten Zahlen gemessen.
    Ich danke Ihnen vielmals, Herr Professor.
    Rudolf Stoiber sprach mit dem Völkerrechtler Prof. Erma Korer bei den Vereinten Nationen über die Probleme der pakistanischen Flüchtlinge.
    Es war soeben 12.32 Uhr, zwei Minuten nach halb eins.
    In der Bonner-Biethofen-Halle geht heute nach drei Tagen Gedauer der Sonderparteitag der SPD zu Ende.
    Der Parteitag hatte gestern Abend mit großer Mehrheit eine Entscheidung über die künftige Form der Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
    Diesem Parteitag ging ja der spektakuläre Rücktritt des parlamentarischen Staatssekretärs Rosenthal voraus, der sich damit gegen den Minister Schiller stellte.
    Über den Verlauf des SPD-Parteitags berichtet direkt aus Bonn Klaus Emmerich.
    Herbert Wehner, der große Taktiker der deutschen Linken, musste heute Vormittag wieder seinen Unmut bekunden.
    Eine große Mehrheit der Delegierten des außerordentlichen Parteitages, der SPD, hatte sich dem Willen der Parteiführung in der Bonner Beethoven-Halle widersetzt.
    Diesmal am Beispiel der sogenannten Medienpolitik.
    War schon in den frühen Vormittagsstunden in der Frage der Stellung der größeren Bonner Regierungspartei zur Presse und Rundfunk die Parteiführung mit einem gemäßigten Antrag unterlegen, so musste sie nun ein zweites Mal eine Mehrheit der SPD-Delegierten gegen sich sehen.
    Alfred Nau, der sonst respektierte Schatzkanzler der SPD, hatte sich vergeblich dagegen gestemmt, dass ein ungewöhnlich weitgehender Antrag, das als linksradikal geltend im Bezirkes Hessen-Süd, weiterbehandelt werde.
    Dieser Antrag sieht öffentlich-rechtliche Kontrollen, Entflechtungen bei Zeitungen und geringere Erweisungsbefugnisse für Intendanten von Rundfunkanstalten
    und vieles mehr vor, was die regierende SPD als zu weitgehend empfindet.
    In einem dramatischen Appell versuchte Nau, der sich davor am Vorstandstisch mit Wehner besprochen hatte, dem außerordentlichen Parteitag klarzumachen, dass auch die SPD-Führung den Einfluss großer Verlage Wehner des Springer-Verlages mit gemischten Gefühlen verfolge, gegen kollektivistische Staatskontrollen
    und gesetzliche Auflagen über die Organisation und Kontrolle sowie Arbeitsweise der Massenmedien einschließlich der Weisungsbefugnis innerhalb von Redaktionen geht der SPD-Führung jedoch die Vorstellung von Hessen Süd zu weit.
    Nun muss sie hinnehmen, dass ein mehrseitiger Antrag in der Frage von Presse und Rundfunk im Einzelnen durchberaten wird.
    Damit ist dem linken Parteiflügel auf dieser außerordentlichen Veranstaltung eine neue Demonstration gelungen.
    Schon vorgestern vermochte er sich mit dem Antrag gegen die Parteiführung durchzusetzen, wonach noch heute über die Schwangerschaftsunterbrechung diskutiert werden soll.
    Von Brand, Wehner und der SPD-Führung war der Parteitag bewusst auf eine Steuerreform und die Vermögensbildung angelegt.
    In der Steuerfrage konnten sich die Strategen des SPD-Establishments zwar an den meisten, aber keineswegs in allen Fragen durchsetzen.
    Dass die Vermögensbildung überhaupt vertagt, nämlich an einen Ausschuss zurücküberwiesen wurde, führt nach Meinung vieler SPD-Delegierter dazu, dass dieses Thema von der Linken auf mehrere Jahre oder längere Zeit aufgeschoben wird.
    Vor der nächsten Bundestagswahl ist jedenfalls kaum noch mit einem Vermögenskonzept der SPD zu rechnen.
    Damit hat der Parteitag zu den vielen Überraschungen eine weitere gefügt.
    Philipp Rosenthal, bis Anfang der Woche parlamentarischer Staatssekretär von Wirtschaftsminister Prof. Schiller, ist mit seinem demonstrativen Rücktick politisch gleichsam ins Leere gedampft.
    Schiller wurde zwar nicht bejubelt, konnte sich aber sachlich in den meisten Fällen durchsetzen, freilich mit mehrfacher Hilfe von Bundeskanzler Brandt oder dem stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Wehner.
    Rosenthal, ein engagierter Vermögenspolitiker, vermochte jedoch die SPD nicht aufzurütteln.
    Der linke Flügel, der ganz offensichtlich in den meisten Fachfragen auf mehr Staatseinfluss drängt,
    traf sich hier mit dem rechten Flügel, der unausgegorene Umverteilungspläne wegen der nächsten Konjunktur und einer möglichen Verärgerung des unselbstständigen Mittelstandes fürchtet.
    Über den außerordentlichen SPD-Parteitag in Bonn berichtete Klaus Emmerich.
    Der dritte Ausbrecher aus der Strafanstalt Stein, Adolf Schandl, wurde heute Nacht im Hause Taubergasse 35 in Wien-Harnals vom Beamten des Wiener Sicherheitsbüros verhaftet.
    Dies haben wir ja auch schon in den Nachrichten gemeldet.
    Seine beiden Komplizen, Alfred Nähetli und Walter Schubirsch, waren ja schon am 6.
    November, also vor 14 Tagen, festgenommen worden.
    Schandl konnte sich in der Zwischenzeit verstecken und wird zurzeit im Sicherheitsbüro einvernommen.
    Georg Schalkruber sprach mit dem Leiter der Mordkommission im Wiener Sicherheitsbüro Oberpolizeirat Korneck über Einzelheiten der heutigen Polizeiaktion.
    Herr Oberpolizeirat, wie wurde der dritte Ausbrecher Schandl heute Nacht verhaftet?
    Unter welchen Umständen?
    Wir haben den Einsatz für drei Uhr angesetzt.
    Es waren vier Funkstreifenwagen mit Beamten des Sicherheitsbüros.
    also insgesamt 16 und das Einsatzkommando mit schusssicheren Westen bereitgestellt und wir sind dann tatsächlich um 3 Uhr eingeschritten, mussten eine 15 Meter hohe Mauer überwinden, da wir sonst in das Haus nicht hineingekommen wären und drei Kriminalbeamte unter Leitung von Oberleutnant Fichtinger haben dann die Festnahme durchgeführt.
    Woher wusste die Wiener Polizei, dass sich Schandl in dem Haus Taubergasse 35 befand und wo hat er sich in welcher Wohnung dort aufgehalten?
    Wir haben schon in der letzten Zeit mehrfach Mitteilungen bekommen, dass Schandl sich in Wien aufhalten soll.
    Wir haben alle seine Bekannten, seine Freunde, seine Verwandten immer wieder durchgeackert und sind nunmehr zu überzeugen gekommen, nachdem wir viele, viele Kleinigkeiten zusammengetragen haben, dass er sich wahrscheinlich dort aufhalten wird.
    Er war dort bei der Mutter eines seiner Mithäftlinge in Stein.
    Und er hat sich unter einem speziellen Vorwand bei ihr eingeschlichen.
    Wie hat sich das abgestellt?
    Er hat dieser Frau Grüße ihres Sohnes gebracht.
    und hat aber gleich hinzugefügt, wenn sie ihn der Polizei verraten würde, beziehungsweise nicht beherbergen würde, dann würde es ihr schlechter gehen.
    Er hat sie sozusagen erpresst.
    Die Frau kann ja sicherlich strafrechtlich nicht belangt werden.
    Ich glaube nicht.
    Zum Zeitpunkt der Festnahme, was machte Schandl da?
    War er bewaffnet?
    Hat er Widerstand geleistet?
    Er war weder bewaffnet, noch hat er Widerstand geleistet.
    Er hat also sicherlich das Aussichtslose eingesehen.
    Hat man ihn aus dem Bett geholt?
    Nein, er war schon angekleidet, denn bis wir in die Wohnung eindringen konnten, brauchten wir doch einige Minuten und das hat ihm offenbar genügt.
    Konnte bei den Verhören schon geklärt werden, wo sich Schandl vom Zeitpunkt seiner Trennung mit den Komplizen befunden hat, bis zu seiner Verhaftung?
    Die Einvernahme ist zurzeit noch im Gang, aber er hat sich hauptsächlich in Wien aufgehalten und vor allem auch in dieser Wohnung.
    hat er diese Wohnung zeitweise verlassen?
    Selbstverständlich.
    Und er wurde nicht erkannt?
    Er wurde nicht erkannt.
    Lässt es nicht auf eine gewisse Indifferenz der Bevölkerung schließen, obwohl der Fall ja so groß aufgemacht wurde, dass er nicht erkannt wurde?
    Diesen Schluss kann man nicht unbedingt daraus ziehen.
    Wir haben sehr, sehr viele Mitteilungen bekommen und die meisten waren zweifellos auch gut gemeint, allerdings befanden sich auch solche darunter, wo man sagen konnte, sie waren von vornherein falsch und haben die Polizei
    in Irrtum geführt beziehungsweise haben Nachbarn oder Freunde unter Anführungszeichen die Polizei auf den Hals gehetzt.
    Herr Oberpolizeirat, der Komplize Schandls, Nejedli, hat nach seiner Verhaftung an Schandl einen Appell gerichtet, sich zu ergeben.
    Hat Schandl von diesem Aufruf Kenntnis erhalten?
    Wie stellte er sich dazu?
    Er hat diesen Aufruf gehört, wollte sich auch stellen, hat aber dann doch noch eine geringe Chance gesehen, dass er aus Wien wegkommt, wenn er im Besitz von Geld gelangt.
    Es konnte schon geklärt werden, ob Schandl tatsächlich an dem Überfall auf die Raiffeisenkasse Laxenburg etwas zu tun hat.
    Er selber hat es bestritten, also er sagt, er war nicht dabei und es dürfte auch richtig sein, denn er hat kein Geld.
    Herr Oberpolizeirat, der erfolgreiche Abschluss der Jagd auf die drei Ausbrecher von Stein kann wohl als Erfolg der Wiener Polizei angesehen werden.
    Kann man nun auch sagen, dass die weiche Welle zum Beispiel im Unterschied zu den Vorkommnissen in München nun gesiegt hätte?
    Welche Konsequenzen werden sich für die Polizei daraus ergeben?
    Es ist sicherlich ein Erfolg der Wiener Polizei und ein Erfolg des Wiener Sicherheitsbüros.
    Die Schlagworte weiche Welle, harte Welle sind vielleicht in diesem Fall nicht ganz angebracht, denn meine Meinung ist, dass hier die Welle der Vernunft gesiegt hat.
    Vielen Dank, Herr Oberpolizeirat.
    Mit Oberpolizeirat Korneck sprach Georg Schallgruber über die Festnahme des dritten Steinausbrechers Adolf Schandl.
    Es ist 12 Uhr 41 Minuten und 30 Sekunden.
    Wir kommen zur Inlandspresseschau.
    Die Landesverteidigung, ein Thema aller Wahlkämpfe der letzten Jahre, macht ja in diesen Tagen wieder Schlagzeilen.
    Zuerst kritisierte der Presseschef im Verteidigungsministerium, Ministerialrat Ellinger, und dann auch noch General Bach die offizielle Heerespolitik.
    Dann wurde der Beamte von seinem Posten durch Minister Lüttgendorff abgerufen und der Offizier vom Bundeskanzler Dr. Kreisky gerügt.
    An der Frage, ob Beamte und Offiziere in der Öffentlichkeit ihre Privatmeinung zu Heeresfragen vertreten dürfen oder nicht, entzündet sich nahelich eine Kontroversie um den Kurs, den das Kabinett Kreisky nach der Verkürzung der Präsenzdienstzeit auf sechs Monate in Sachen Landesverteidigung steuert.
    Diese Debatte in der Öffentlichkeit wird zu einem Großteil von den Zeitungen geführt, aus denen Johannes Kunz heute Zitate aus Vierleitartikeln und Kommentaren auswählte.
    In den oberösterreichischen Nachrichten schreibt Josef Laschober unter dem Titel, ernst genommen einleitend, überaus rasch war die Volkspartei zur Stelle, dem abberufenen Pressechef Ellinger vom Verteidigungsministerium eine feste Mauer zu machen, ein vermeintliches Unrecht an einem Beamten anzuprangen.
    Nur um die eine Seite des Problems kümmerte man sich somit gerade jene, die keineswegs so kristallklar als Fehlentscheidung zu betrachten ist, weil es eben für Beamte doch Grenzen für öffentliche Äußerungen gibt.
    Aber selbst wenn die Versetzung vom Dienstposten vielleicht nicht ganz stubenrein sein sollte, fallen auf den ÖVP-Protest einige Schatten.
    LaSchoba kritisiert an dieser Stelle, dass die Volkspartei in Grundsatzfragen der Landesverteidigung keinen Vorstoß unternehme, sondern über vermutete verletzte Beamtenrechte lamentiere und schließt mit den Worten.
    Es hat den Anschein, dass die ÖVP es zumindest vorerst nicht wagt, zum Frontalangriff überzugehen, sondern an Nebenfronten Scheingefechte führt.
    Das bringt aber die Frage auf, wie ernst es der ÖVP eigentlich mit der bisher so hochgeschriebenen Verteidigungspolitik überhaupt ist.
    Solange die ÖVP nicht den Kern der Wehrfrage aufgreift und den Verteidigungsminister zu klaren Bekenntnissen herausfordert, muss alles nur Stückwerk bleiben.
    Nicht umsonst gehen bereits spöttische Bemerkungen um.
    Den Schweigerlass des Ministers Lüttgendorff nehme so recht nur noch die ÖVP wirklich ernst.
    Aus sozialistischer Sicht beleuchtet Günther Traxler in der Arbeiterzeitung die Haltung der Volkspartei unter der Schlagzeile der Maulerlass folgendermassen.
    Vom Schlachtenglück im Trocken-Doc verlassene Parteistrategen verordnen sich als Beschäftigungstherapie den Beamtenschutz zwei Wochen vor dem Personalvertretungswahl.
    Aber die Herren Offiziere sollten aus ihren langen Erfahrungen mit ÖVP-Verteidigungsministern endlich erkannt haben, dass es dem Heer nichts bringt, wenn sie sich als parteipolitisches Kanonenfutter verheizen lassen.
    Darüber hinaus muss es auch für alle anderen Beamten in Österreich aufreizend wirken, wenn einige unter Ihnen aus dem Rechtstitel des bunten Rockes
    die Dienstpragmatik nicht wahrhaben wollen.
    Politik wird nirgends von Beamten gemacht.
    Das ist keine Diskriminierung und hat auch mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung nichts zu tun.
    Sie wird von gewählten und kontrollierbaren Mandataren gemacht, von Parlament und Regierung.
    Die Heerespolitik ist keine Ausnahme.
    Hugo Partisch stellt sich im Kurier unter der Überschrift vom Reden und Schweigen ebenfalls die Frage, ob der Bundeskanzler Recht habe, wenn er nun die Generäle zur Ordnung ruft und erklärt dazu.
    Ja, das hat er.
    Seine Rechtsposition ist korrekt, die der rebellierenden Offiziere ist es leider nicht.
    Und doch gibt es auch hier ein Aber.
    Denn wenn in einer Demokratie das Heer nur ein Instrument in der Hand der vom Volk kontrollierten Politik sein darf, dann hätte man eigentlich keinen General zum Minister und damit zum Politiker machen dürfen und wären seine Fähigkeiten noch so groß.
    Kreis Gerber hat gleich zwei Generäle hintereinander zu Verteidigungsministern gemacht, wohl in der Hoffnung, sie würden besser als Zivilisten in der Lage sein, die anderen Offiziere zur widerspruchslosen Annahme politischer Forderungen wie der Verkürzung der Wehrdienstzeit zu bewegen.
    Stattdessen geschieht nun das Gegenteil.
    Generäle, die sich für mindestens so erfahren erachten wie ihr Kollege auf dem Ministersessel, nehmen sich jetzt auch die gleichen Rechte wie diese heraus.
    Sie übersehen, dass der General als Minister Politiker geworden ist, Sie aber Generäle geblieben sind.
    Nur leider, der Minister übersieht seinerseits, dass er nicht mehr General ist, sondern Politiker geworden ist.
    Die einen reden, wo sie den Dienstweg zu gehen hätten, der andere verbarrikadiert sich auf dem Dienstweg, wo er zu reden hätte.
    Doch wenn es nur das wäre.
    Der Streit ums Reden wird sich mit einem klärenden Wort oder dem Hinweis auf die Dienstpragmatik noch bereinigen lassen.
    Wichtig allein ist die Sache, ist das Heer, die Landesverteidigung.
    Hier gilt es, Taten zu setzen.
    Und diese werden sich erst setzen lassen, wenn die dafür zuständigen Politiker die volle Wahrheit über das Heer erkennen, sie dem Parlament und der Öffentlichkeit unterbreiten und dann in Kenntnis dieser Wahrheit und mit Unterstützung des Volkes an die Totalreform unserer Landesverteidigung schreiten.
    Weder die Polemik der Offiziere noch die Rechthaberei der Politiker wird zu diesem Ziel führen.
    Dazu bedarf es zunächst der ganzen Wahrheit, dann der ganzen Intelligenz und schließlich der Arbeit aller, die sich für dieses Land verantwortlich fühlen.
    Otto Schulmeister spricht in der Presse unter dem Titel »Das Geheimnis einer Reform« von einer parteipolitischen Vivisektion des Bundesheeres, ehe er zusammenfasst.
    Für eine Missgeburt von Heer sind die Jugend, die Unteroffiziere und Offiziere, die ihren Beruf noch mit Österreich verbinden, zu schade.
    Wo ist also das Landesverteidigungskonzept?
    Ist es eine Sage, dann müsste sich das Gerücht verstärken, die verunglückte Bundeswehrreform sei im Grunde eine geglückte Gesellschaftspolitik.
    Doch wer möchte heute schon unterstellen, dass man so zur egalitären Gesellschaft und zum Sozialismus kommen will?
    Ergänzend zur eben gehörten Inlandspresseschau erhalten wir soeben eine Meldung, wonach die österreichische Volkspartei in der Sitzung des Landesverteidigungsrates am 29.
    November die Vorlage eines korrekten und schonungslosen Berichtes über den gegenwärtigen Zustand des Bundesheeres fordern werde.
    ÖVP-Wehrexperte Tötling bezeichnete den Fall Ellinger als Alarmzeichen für die Krisensituation des Heeres.
    Und jetzt zum Sport, denn heute ist Fußballländerkampf Österreich-Italien.
    In der ausgezeichneten Länderspielbilanz des italienischen Fußballs zeigt sich vor dem heutigen 30.
    Zusammentreffen der beiden Nationalteams, dass Österreich zu den erfolgreichsten Fußballgegnern der Italiener zählt.
    Bisher wurden je zwölf Siegeerrungen, fünf Partien endeten unentschieden.
    Natürlich liegt der Großteil der österreichischen Erfolge lange Jahre zurück.
    Erst im 11.
    Länderkampf 1932 gelang der Squadre Azura der erste Sieg über Österreich.
    Nun, unser letzter Erfolg wurde vor elf Jahren erzielt.
    Österreich gewann in Neapel 2 zu 1.
    Heute ist Italien Vize-Weltmeister und Stassnis Aufgebot nimmt in der europäischen Rangliste einen Platz im Mittelfeld ein.
    Unter diesen Aspekten findet heute um 14.30 Uhr im Olympiastadion von Rom die 30.
    Begegnung statt, über die sich nun Robert Segner direkt aus der italienischen Hauptstadt informiert.
    Ausgesprochen ruhig ist die Stimmung vor dem Länderspiel im römischen Olympiastadion Italien gegen Österreich.
    Das Wetter hingegen hier in Rom ist ausgesprochen schlecht und unfreundlich.
    Es regnet seit gestern fast tausend Lot und es ist ausgesprochen kalt.
    Nun, freundlich wurde hingegen die österreichische Mannschaft, die aufgenommen uns.
    Das hat man eigentlich nicht unbedingt erwartet, da ja im vergangenen Jahr beim Länderspiel in Wien dieser unglückliche Unfall mit Gigi Riva, dem Nationalidol der Italiener, passierte, bei dem Riva einen Bein bruch.
    davon getragen hatte, nachdem er mit Hof zusammengestoßen war.
    Die italienische Presse hatte diesen Vorfall diesmal nicht hochgespielt.
    Es gibt keine Schlagzeilen, die von irgendeiner Revanche sprechen oder von einer Kontroverse Hof gegen Rieber.
    Vielmehr wurde das Länderspiel in der italienischen Presse nicht überbewertet.
    Es hat genau jenen Platz bekommen, den man hier für notwendig erachtet hatte.
    Heute vor mir liegen zwei römische Zeitungen der Kuriere.
    Velo Sport und il Tempo geht man in erster Linie in den Prognosen auf einen Sieg der Italiener aus, aber man hat hier einen besonderen Aspekt für die italienische Mannschaft bei diesem Länderspiel.
    Man spricht von einer Prüfung für die junge, zukünftige Mannschaft für die Weltmeisterschaftsausscheidung für das Jahr 1974.
    Denn Teamchef Valcareggi hat heute Nachmittag einige Neulinge im Aufgebot, darunter auch zwei Spieler von AS Rom, nämlich Santorini und Bett.
    Und diese beiden Spieler werden also wahrscheinlich vom römischen Publikum besonders stimmgewaltig akklamiert werden.
    Die Entscheidung in der Europameisterschaft ist ja schon längst gefallen.
    Italien ist qualifiziert.
    Dieses letzte Spiel ist also ein Prestigespiel, ein Freundschaftsspiel.
    Und trotzdem erwartet man,
    Wenn es auch um nichts geht, heute 50.000 bis 60.000 Zuseher im Olympiastadion von Rom.
    Von den Österreichern ist noch zu sagen, dass es Thomas Paritz wohl etwas besser geht.
    Er ist ja in Kripa erkrankt, heute aber kaum zum Einsatz kommen wird.
    Teamchef Stassen hatte schon gestern die Mannschaft nominiert und hat also einige wichtige strategische Besprechungen am Abend vorgenommen.
    Er hat Horvath, den Linz als Libor eingesetzt.
    Und Schmidt-Radner wurde beauftragt gegen Riva zu spielen.
    Man will ja auf alle Fälle vermeiden, dass Hof gegen Riva.
    unbedingt spielen muss.
    Hof ist natürlich mit dabei.
    Teamchef Stasny sah keinerlei Bedenken im Einsatz von Hof.
    Die österreichische Mannschaft, darf ich vielleicht noch einmal sagen, sie ist ja schon seit gestern bekannt, Antrich im Tor.
    Als Libero wird Horvath fungieren.
    In der Abwehr Sarah, Schmid, Radner, Eigenstiller und Pum.
    Im Mittelfeld Hof und Ebmeyer und die drei Sturmspitzen werden von Kögelberger, Dirkner und Jara gebildet.
    Nun, meine Damen und Herren, das Spiel beginnt in etwa zwei Stunden.
    Schiedsrichter der Begegnung ist der Emsberger aus Ungarn.
    Robert Seger berichtete aus Rom über den Fußballländerkampf Österreich-Italien, der heute um 14.30 Uhr im Olympiastadion von Rom abrollen wird.
    Der Hörfunk überträgt die zweite Spielhälfte im Regionalprogramm ab 15.25 Uhr direkt.
    Kurze Einblendungen während der ersten Spielhälfte schon nach 14.30 Uhr in Ö3.
    Das Fernsehen bringt eine Direktübertragung des gesamten Länderkampfes ab 14 Uhr und 25 Minuten.
    Und jetzt ist es 12 Uhr und 53, sieben Minuten vor eins und wir kommen zur Kultur.
    Neuerlich ist die Problematik der Aufnahmeprüfungen an die Kunsthochschule ins Kreuzfeier der Öffentlichkeit gerückt.
    Vier junge Leute, die die Aufnahmeprüfung an die Wiener Hochschule für angewandte Kunst nicht bestanden haben, luden gestern Abend zu einer Diskussion in die Galerie in Contro.
    Heidi Grundmann berichtet.
    Die vier jungen Leute, die ihre Ablehnung durch die Prüfungskommission der Hochschule für Angewandte Kunst nicht sang- und klanglos hinnahmen, sondern begonnen haben, Fragen zu stellen nach der Gültigkeit der bestehenden Auswahlverfahren, Fragen übrigens, die nur die jüngste Gruppe in einem langen Klagelied sind, man denke an die Vorfälle an der Akademie für Bildende Kunst im vergangenen Jahr, diese vier Junge haben eine Reihe von Schicksalsgefährten.
    Rektor Professor Karl Unge,
    Wir haben heuer einen sehr starken Andrang gehabt.
    247 Bewerber haben sich gemeldet.
    Davon konnten wir gleich 35 ausscheiden.
    Das waren sehr klare Fälle.
    Davon blieben dort 95, die Prüfung zugelassen wurden.
    und 162 Bewerber haben die Prüfung bestanden und 50 wurden abgewiesen.
    Die Aufnahmsprüfung geht kurz gefasst so vor sich.
    Arbeitsproben sind vorzulegen, die in einem Tag begutachtet werden und darüber entscheiden, wer überhaupt zur Prüfung antreten kann.
    An zwei Tagen dann werden Prüfungsaufgaben gestellt und erfüllt.
    Die Leiter der 24 Meisterklassen begutachten in Anwesenheit eines Studentenvertreters die Prüfungsarbeiten und wählen aus.
    Professor Unger?
    Naja, diese Kriterien
    Das ist sehr schwer zu sagen.
    Unser Kollegium hat eine große Erfahrung.
    Es sind alles Künstler.
    Und rein vom Visuellen sieht man, wer schöpferisch begabt ist und wer weniger begabt ist.
    Gerald Grasser, zur Aufnahmsprüfung zugelassen, in die Hochschule für Angewandte Kunst nicht aufgenommen.
    An einem Tag wird über die eingereichten Arbeiten, über die Aufnahmen entschieden.
    Ich glaube nicht, dass man innerhalb eines Tages über 200 junge künstlerisch tätige Leute über deren Fähigkeit entscheiden kann.
    Erwin Sauerzapf, Vorsitzender der Hochschülerschaft an der Hochschule für Angewandte Kunst,
    Ich kann die Ausführungen des Kollegen insofern bestätigen und hinzufügen, dass auch das Unbehagen über die gegenwärtige Form der Aufnahmeprüfung allgemein ist, sogar bei den Professoren.
    Die Leiter der Meisterklassen stehen, was immer ihre private Meinung sein mag, der Aufnahmsprüfung verlassen von den feststehenden Kriterien und unter dem Druck einer immerhin besten Anzahl freier Plätze gegenüber.
    Kann man von ihnen verlangen, dass sie die Erfahrung und Gewohnheit langer Jahre über Bord werfen und als Ausbildungsziel einer Kunsthochschule zum Beispiel das akzeptieren, was Gerald Grasser so formuliert?
    Wir wollen nicht hingehen, um Künstler zu werden, sondern um grafische Techniken zu lernen.
    Das neue Kunsthochschulorganisationsgesetz enthält zwar einige Änderungen, etwa was die Berufung von Professoren betrifft, Berufungen von denen gerade an der Hochschule für angewandte Kunst in den nächsten Jahren eine ganze Reihe bevorstehen, die Aufnahmsprüfungen sind im Prinzip gleich geblieben.
    Erwin Sauer-Zapf
    Durch das neue Gesetz bedingt, wird man sich andere Formen der Leistungsfeststellung der besonderen Eignung für die Hochschule überdenken müssen.
    Es ist sehr einfach bei den wissenschaftlichen Hochschulen.
    Das Matura-Zeugnis gilt als Nachweis der Eignung für die Hochschule.
    Ein Pendant, eine Art künstlerische Matura, wenn man so etwas sagen darf, gibt es nicht.
    Fragen sind gestellt, Probleme aufgezeigt von den abgelehnten Kandidaten, von den Studentenvertretern, von den Professoren, vom Rektor.
    Nach jeder Aufnahmeprüfung hat man ein Unbehagen und fragt sich, hat man jetzt diesem einen oder diesem anderen Hörer Unrecht getan?
    Ich lehne die Prüfung grundsätzlich ab, da es keine Richtlinie gibt, nach der man die Arbeiten der jungen künstlerisch tätigen Leute beurteilen könnte.
    Das Unbehagen über die Aufnahmeprüfung ist ja nicht nur bei den Studenten oder den Abgewiesenen der Fall.
    Zum Beispiel kennen wir einen Brief der Frau Minister, wo sie eine Änderung dieser Modalitäten selbst wünscht.
    Noch kristallisiert sich das Unbehagen um die Kriterien der Aufnahmsprüfung.
    Wird man warten, bis ins Auge springt bzw.
    geht, was man hinter diesem spezifischen Unbehagen schon mehr als ahnen kann?
    Das Verlangen nach einem neuen Selbstverständnis der Kunsthochschulen.
    Heidiger und Mann berichtete über die Problematik der Aufnahmeprüfungen an die Wiener Hochschule für Angewandte Kunst.
    Und jetzt, zweieinhalb Minuten vor 1 Uhr, einige Kurzmeldungen.
    Südkorea.
    Der militärische Sicherheitsdienst gab heute die Verhaftung von zwölf Spionen bekannt, die für Nordkorea gearbeitet haben sollen.
    Wie es heißt, befinden sich unter den Verhafteten Universitätsprofessoren, Geschäftsleute und Journalisten.
    Nach Angaben des Sicherheitsdienstes hätten sich die Spione bei ihrer subversiven Tätigkeit auf politische, militärische und akademische Kreise sowie auf die unmittelbare Umgebung von Staatschef Park Chung-hee konzentriert.
    Sowjetunion.
    Die Armee hat neue Dienstgrade eingeführt, die auch zur Zeit des Zaren gebräuchlich waren.
    Diese wichtigen Neuerungen, schreibt General Vurkov in einem von der Nachrichtenagentur TASS verbreiteten Artikel, sind von großer nationaler Wichtigkeit.
    Nach Ansicht des Generals werden die neuen Ränge zur Festigung der Kader des Heeres und der Kriegsmarine und zur Verstärkung des Verteidigungspotenzials der Sowjetunion beitragen.
    Mexiko.
    Der Millionär und Rektor der Universität Guerrero, Jaime Diaz, wurde von fünf mit Maschinenpistolen bewaffneten Männern entführt.
    Seine Entführer fordern nach Angaben der Polizei ein Lösegeld von 160.000 Dollar.
    Berlin.
    In der Lagerhalle eines Verbrauchermarktes im Westberliner Bezirk Kreuzberg brach heute ein Feuer aus, das einen Schaden von einer Million Mark, das sind umgerechnet etwa sieben Millionen Schilling, anrichtete.
    Die Polizei verhaftete sechs Männer und zwei Frauen, die im Verdacht stehen, den Brand in dem Konsummarkt, der erst nächste Woche eröffnet werden sollte, gelegt zu haben.
    Frankreich.
    Die Besatzung und die vier Passagiere des griechischen Frachters Gero-Gero-Garkis sind in Ajaccio verhaftet worden.
    Der korsische Zoll hatte die Verhaftung veranlasst, da an Bord des Frachters große Mengen amerikanischer Zigaretten im Gegenwert von etwa 2,8 Millionen Schilling sichergestellt werden konnten.
    Mit diesen Kurzmeldungen beenden wir das heutige Mittagsschanal.
    Die Redaktion meldet sich wieder um 18.45 Uhr mit dem Abendschanal.
    Auf Wiederhören.

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Datum: 1971.11.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wetterbericht
    Datum: 1971.11.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Natur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Straßenzustand in Österreich
    Interview: Heinz Kellner (ÖAMTC)
    Mitwirkende: Bock, Hellmuth [Moderation] , Kellner, Heinz [Interviewte/r]
    Datum: 1971.11.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Wirtschaft ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wochenkommentar: Chinas Rolle nach Einzug in die UNO
    Mitwirkende: Dalma, Alfons [Gestaltung]
    Datum: 1971.11.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Prof. Ermacora zum Flüchtlingsproblem in Indien und Pakistan, Schweigen der Vereinten Nationen
    Interview: Prof. Ermacora
    Mitwirkende: Stoiber, Rudolf [Gestaltung] , Ermacora, Felix [Interviewte/r]
    Datum: 1971.11.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Parteitag der SPD in Bonn
    Mitwirkende: Emmerich, Klaus [Gestaltung]
    Datum: 1971.11.20 [Sendedatum]
    Ort: Bonn, Beethovenhalle [Veranstaltungsort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Zur Festnahme des dritten Ausbrechers aus der Strafanstalt Stein
    Interview: Oberpolizeirat Korneck
    Mitwirkende: Schallgruber, Georg [Gestaltung] , Kornek, Otto [Interviewte/r]
    Datum: 1971.11.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik ; Politik Österreich ; Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Inlandspresseschau: Privatmeinung von Offizieren in der Öffentlichkeit
    Mitwirkende: Kunz, Johannes [Gestaltung]
    Datum: 1971.11.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik ; Medien und Kommunikation ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Meinungsfreiheit , Nachrichten
    Vorschau auf das Fußball-Ländermatch Italien - Österreich
    Mitwirkende: Seeger, Robert [Gestaltung]
    Datum: 1971.11.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Sport ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Studentendiskussion um Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Angewandte Kunst
    Einblendung: Rektor Unger, Studenten Grasser und Sauerzapf, Einblendung von Professoren
    Mitwirkende: Grundmann, Heidi [Gestaltung] , Unger, Carl [Interviewte/r] , Grasser, Gerald [Interviewte/r] , Sauerzapf, Erwin [Interviewte/r]
    Datum: 1971.11.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Wissenschaft und Forschung ; Bildende Kunst ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten

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    Titel Mittagsjournal 1971.11.20
    Spieldauer 01:00:09
    Mitwirkende Bock, Hellmuth [Moderation]
    Meyer-Lange, Arnold [Regie] [GND]
    CNN [Produzent]
    Datum 1971.11.20 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ audio
    Format KKA [Kompaktkassette]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-711120_k02
    Medienart Mp3-Audiodatei
    Gesamtwerk/Reihe Mittagsjournal

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    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt