Mittagsjournal 1978.10.09

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    Untertitel der Amara.org-Community
    Guten Tag, meine Damen und Herren.
    Der Aktuelle Dienst präsentiert das Mittagsschonal Berichte aus Politik, Wirtschaft und Kultur.
    Am Mikrofon ist Roland Machatschke.
    Wahlen stehen heute bei uns im Mittelpunkt.
    Die Landtagswahlen in Wien und in der Steiermark.
    Wir berichten über Pressekonferenzen der Spitzenpolitiker, der drei Parteivorsitzenden Kreis Giethaus und Götz und Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland.
    Da bringen wir eine bundespolitische Analyse der Wahlergebnisse von Hessen.
    Außerdem berichten wir heute noch über eine Studie über das Sparverhalten der Österreicher und im Kulturteil über die soziale Lage der Schriftsteller in unserem Land und in anderen Ländern.
    Zu Beginn aber jetzt die Nachrichten.
    Als Chef vom Dienst ist für Sie verantwortlich Rainer Warnecke und gesprochen werden Sie von Annemarie Berthe.
    Österreich.
    Die Landtags- und Gemeinderatswahlen in Wien haben der Sozialistischen Partei 62, der Volkspartei 35 und der Freiheitlichen Partei drei Mandate gebracht.
    Im Vergleich zu dem auf die neue Wahlordnung umgerechneten Ergebnis der Gemeindewahlen von 1973 ergibt sich für die SPÖ ein Verlust von drei Mandaten, für die Volkspartei ein Gewinn von fünf Mandaten und für die Freiheitliche Partei ein Verlust von zwei Mandaten.
    Der Stimmenanteil der Sozialisten ist von 60,2 auf 57,2 Prozent zurückgegangen.
    Der Anteil der ÖVP von 29,3 auf 33,8 Prozent gestiegen.
    Für die FPÖ haben sich 6,5 Prozent der Wähler entschieden.
    Bei den Landtagswahlen in der Steiermark hat die Volkspartei eines ihrer 31 Mandate an die Freiheitlichen verloren, die nun drei Abgeordnete in den Landtag entsenden.
    Die SPÖ hat ihre 23 Mandate gehalten.
    Auf die Volkspartei sind in der Steiermark 51,8 Prozent der Stimmen entfallen, auf die SPÖ 40,4 und auf die Freiheitliche Partei 6,4 Prozent.
    Die nach Gesprächen zwischen Handelsminister Staribacher und den Erdölgesellschaften praktisch feststehende Heizölverbilligungsaktion wird nicht zustande kommen.
    Wie Staribacher heute bekannt gab, haben die Mineralölfirmen ihre Zusage zurückgezogen, Ofenheizöl um 20 Groschen pro Liter und Industrieheizöl schwer um 30 Schillen pro Tonne zu verbilligen.
    Als Grund wurde die Ankündigung des Bauten- und des Finanzministers angegeben, einen zweckgebundenen Zuschlag zur Mineralölsteuer einzuführen.
    Staribacher meinte dazu, er nehme zur Kenntnis, dass die Sanierung des Budgets Vorrang habe und dafür auf die Verbilligungsaktion verzichtet werden müsse.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Die Parteiführungen von CDU, SPD und FDP in Bonn und Wiesbaden beraten heute über das Ergebnis der gestrigen Landtagswahlen in Hessen.
    Die Parteien der sozialliberalen Koalition konnten ihre Stellung verteidigen.
    Von der FDP ist ein Mandat zur SPD gegangen.
    Stärkste Partei im Landtag ist mit, wie bisher, 53 Mandaten die CDU.
    Die Sozialdemokraten stellen 50, die Freien Demokraten 7, Abgeordnete.
    Israel-Ägypten.
    Der israelische Verteidigungsminister Weizmann hat heute vor seinem Abflug in die USA der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass ein Frieden mit Ägypten Sicherheit für Generationen und wahre Nachbarschaftsbeziehungen zwischen beiden Völkern bringen werde.
    Weizmann sagte, es seien noch viele Einzelheiten zu klären, weshalb auch keine neue Prognose über die Konferenzdauer möglich sei.
    Er und Außenminister Dayan würden unter Umständen nach zwei Wochen nach Israel zurückkehren, um dem Kabinett Bericht zu erstatten und neue Instruktionen einzuholen.
    Die neue ägyptische Verteidigungsminister Kamal Hassan Ali hat in seinem ersten Interview eine Sendung der Rüstungsausgaben, ich verbessere, eine Senkung der Rüstungsausgaben angekündigt.
    Wie Kamal Hassan Ali in seiner ersten Pressekonferenz erklärte, soll die ägyptische Armee in Zukunft nicht nur für Verteidigungsaufgaben, sondern auch für die Wirtschaft eingesetzt werden.
    Als Beispiel nannte der Minister die Furchtbarmachung der Wüste, den Bau von Straßen und Brücken und den Einsatz in Fernmeldewesen.
    Kamel Hassel-Adi wird in Washington die ägyptische Delegation bei den Friedensverhandlungen mit Israel leiten.
    Er betonte, dass er bei den Gesprächen mit keinen wesentlichen Schwierigkeiten rechne.
    Nahe Osten
    In Damaskus sollen die Gespräche zwischen dem libanesischen Staatspräsidenten Sarkis und dem syrischen Präsidenten Assad heute fortgesetzt werden.
    Anschließend wird Sarkis eine Rundreise durch mehrere arabische Länder unternehmen und dann wieder nach Damaskus zurückkehren.
    Die rechtsgerichteten Milizen im Libanon haben die syrischen Truppen unterdessen beschuldigt, den Waffenstillstand zu verletzen.
    In Tel Aviv sagte Verteidigungsminister Weizmann, er sei über Berichte beunruhigt, wonach zwei Kampfbrigaden palästinensischer Freischeller in Beirut eingerückt seien, um an der Seite der Syrer gegen die christlichen Milizen zu kämpfen.
    Außenminister Dayan sagte in einem Interview, Israel werde die christlichen Milizen im Libanon weiterhin durch Waffenlieferungen unterstützen.
    USA.
    Großbritannien und die Vereinigten Staaten haben nach Ansicht des rhodesischen Ministerpräsidenten Smith zur Verlängerung des Untergrundkampfes beigetragen und die Übergabe der Regierungsgewalt an die schwarze Bevölkerungsmehrheit verzögert.
    Smith sagte in einem Fernsehinterview, wenn seine Regierung die Unterstützung bekommen hätte, die ihm zugesagt worden sei, wäre der Terrorismus bereits zusammengebrochen.
    Smith wird heute mit Außenminister Vance zusammentreffen.
    Die schwarze Pastor Sitole, ein Mitglied der Übergangsregierung, erklärte, die Regierung in Salisbury habe den Verdacht, dass nach einem solchen Allparteientreffen Führer der radikalen Nationalisten in die Regierung aufgenommen werden sollten.
    Er fügte hinzu, dass die Nationalisten damit eine Position erreichen würden, die sie durch freie Wahlen niemals bekämen.
    Türkei
    Bei einem Überfall auf eine Versammlung der Marxistischen Arbeiterpartei in Ankara sind gestern Abend vier Parteiaktivisten ermordet worden.
    Ein weiterer Mann wurde schwer verletzt.
    Zwei Personen wurden von den Tätern entführt.
    Nach der Aussage des Verletzten hielten sich die Funktionäre im Anschluss an eine offizielle Parteiveranstaltung in einer Privatwohnung auf, als vier Unbekannte eindrangen und das Feuer eröffneten.
    In der Türkei haben politisch motivierte Gewalttaten in diesem Jahr schon mehr als 300 Menschenleben gefordert.
    Iran Gesundheitsminister Moqtada Moidechi ist von seinem Amt zurückgetreten.
    Offiziell wurden dafür keine Gründe bekannt gegeben.
    Zu den Aufgaben des Ministers gehörte die Umstrukturierung der Sozialversicherung, die eine der Gründe für die jüngsten Unruhen war.
    Die Unruhen haben auch am Wochenende angehalten.
    Bei Demonstrationen in Amrol am Kaspischen Meer wurden zwei Menschen getötet.
    Spanien
    Nach den Sozialisten hat nun auch die rechtsgerichtete Volksallianz den Rücktritt der Regierung unmittelbar nach der Volksabstimmung über die neue Verfassung gefordert.
    Bei einer Kundgebung der Partei in Valladolid erklärte der Generalsekretär der Volksallianz, der ehemalige Innenminister General Frankos, Fraga Iribane, nach dem für Ende November anberaumten Referendum müsse eine neutrale Regierung Parlamentswahlen durchführen.
    Für das Verbleiben des derzeitigen Kabinetts haben sich lediglich die Kommunisten ausgesprochen.
    Portugal
    In Lissabon beginnt heute ein Prozess gegen sieben Angehörige der ehemaligen Geheimpolizei PIDE, die der Beteiligung an der Ermordung des oppositionellen Präsidentschaftskandidaten Humberto Delgado vor 13 Jahren beschuldigt werden.
    Gegen vier Angeklagte, darunter den Mann, der die tödlichen Schüsse auf Delgado abgefeuert hat, wird in Abwesenheit verhandelt.
    Der Prozess wird voraussichtlich mehrere Monate dauern.
    Delgado war 1965 an der spanischen Grenze in einen Hinterhalt gelockt und erschossen worden.
    Italien.
    Nach Angaben der Polizei wird die Parteiführung der Christdemokraten in den Aufzeichnungen der Roten Brigaden über die Verhöre des Parteivorsitzenden Moro schwer belastet.
    Moro soll die Verwicklung von Parteifreunden in mehrere Skandale aufgedeckt haben.
    Ministerpräsident Andriotti hat Meldungen dementiert, wonach seine Behörde unter dem Vorwand des Staatsgeheimnisses einzelne Passagen in dem vor kurzem in Mailand entdeckten angeblichen Verhörprotokoll zensuriert habe.
    Frankreich.
    Der belgische Chansonsänger Jacques Brel ist heute früh im Alter von 49 Jahren in einem Krankenhaus bei Paris gestorben.
    Als Todesursache wurde eine Embolie angegeben.
    Jacques Brel war schon seit längerer Zeit schwer krank.
    Die Karriere des Belgiers begann Anfang der 50er Jahre.
    Der ausführliche Wetterbericht.
    Die Wetterlage.
    Das Hoch über Mitteleuropa und der nördlichen Balkanhalbinsel sichert den Fortbestand des herbstlichen Schönwetters.
    Die Wetteraussichten bis morgen früh.
    Mitunter noch Boden- oder Hochnebelreste.
    Im Allgemeinen aber keine oder nur geringe Bewölkung.
    Schwache Winde aus Südost bis Südwest.
    Nachmittagstemperaturen 15 bis 21 Grad.
    Ab den Abendstunden wieder lokal Nebelbildung.
    Frühtemperaturen zwischen 2 und 10 Grad.
    Die Wetteraussichten für Morgendienstag.
    In den Morgen- und ersten Vormittagsstunden mitunter Nebelfelder.
    Sonst sonnig.
    Schwacher Südost- bis Südwestwind.
    Tageserwärmung auf 17 bis 22 Grad.
    Die Messwerte von 12 Uhr.
    Wien wolkenlos, 18 Grad, Ostwind, 3 km in der Stunde.
    Eisenstadt wolkenlos, 21 Grad, Ostwind, 25.
    Linz, Nebel, 10 Grad, Ostwind, 3 km in der Stunde.
    Salzburg-Heiter, 19 Grad, Windstille.
    Innsbruck-Heite 17°, Westwind 5, Bregenz-Heite 11°, Südwestwind 5 km in der Stunde, Graz-Heite 17°, Windstille und Klagenfurt-Wolkig 15°, Südwind 3.
    Es ist elf Minuten nach zwölf Uhr.
    Politische Veränderungen haben die beiden Bundesländerwahlen in Österreich am gestrigen Tag gebracht.
    Eine kleinere Änderung in der Steiermark, wo ein Mandat im Landtag von der österreichischen Volkspartei zur freiheitlichen Partei gewandert ist.
    Die Sozialisten sind gleich geblieben.
    Die Mandatsverteilung in der Steiermark, 30 ÖVP, 23 SPÖ und 3 FPÖ.
    Größer ist dann die Änderung in Wien ausgefallen.
    Dort haben die Sozialisten zwar ihre absolute Mehrheit halten können mit einem starken Polster, sie haben aber Stimmen und Mandate verloren.
    62 Sitze SPÖ, 35 Sitze ÖVP und 3 Sitze FPÖ.
    Das ist die Verteilung im neuen Wiener Gemeinderat und Landtag.
    Die vier Mandate, die die Sozialisten verloren haben, sind also zur ÖVP gegangen.
    Die Freiheitlichen sind gleich geblieben.
    Überraschend war die geringe Wahlbeteiligung in Wien rund 71 Prozent nur.
    Heute Vormittag haben dann die Parteiführer in Pressekonferenzen zum Wahlausgang Stellung genommen oder sie nehmen gerade noch Stellung.
    Wir schalten jetzt zunächst in den Presseclub Concordia.
    Von der Pressekonferenz des SPÖ-Vorsitzenden, Bundeskanzler Skrajski, berichten Johannes Fischer und Markus Sommersacher.
    Kein bundespolitischer Trend nach den Landtagswahlen in Wien und in der Steiermark sichtbar, mit einer einzigen dafür überraschenden Ausnahme.
    Wiens Stadtoberhaupt Leopold Kratz, noch immer erste Adresse beim Nachfolgespiegel Kreisky, trotzdem vorsichtig formulierte, nichtsdestotrotz recht massive Kritik des Parteivorsitzenden am Kronprinz in der Bundeshauptstadt.
    Das war die Bilanz Bundeskanzler Kreiskys nach dem gestrigen Wahlsonntag hier im Presseclub Concordia.
    Dem Wiener Sieger von der ÖVP und künftigen Vizebürgermeister Erhard Busseck mochte Kreisky die Anerkennung nicht versagen.
    Ohne Zweifel ist der Sieger der gestrigen Wahl in Wien der Doktor Busseck.
    Man kann davon ausgehen, dass bei all dem was hier geschehen ist und bei allem was hier in Bewegung gesetzt wurde, offenbar zum ersten Mal
    zum ersten Mal nach langer Zeit die ÖVP an den Kandidaten nominiert hat, der ihr ganzes Wählerpotenzial,
    also ihr in Wien zur Verfügung steht, ausgeschöpft hat.
    Wollte der Kanzler damit wohl zum Ausdruck bringen, für die ÖVP ist er jetzt eine Art Plafond in Wien erreicht, sah Kreisky die Ursachen für das enttäuschende Abschneiden der eigenen Partei in einem anderen Umstand.
    Um nun den Verlust meiner Partei nicht zu verkleinern, möchte ich aufmerksam machen,
    dass das schwerste Schlag, der meiner Partei zugefügt wurde, durch die geringe Wahlbeteiligung entstanden ist.
    Diese geringe Wahlbeteiligung, die früher immer der Sozialistischen Partei in Wien zugute gekommen ist, hat ihr diesmal geschadet und es wird jetzt Aufgabe der Wiener Sozialistischen Partei sein,
    zu prüfen, warum es 100.000 Menschen ungefähr, würde ich sagen,
    vorgezogen haben, nicht zu wählen.
    Das muss einen Grund haben.
    Diese Nichtwählergruppe, so Kreisky weiter, habe für ihr Verhalten bestimmte Gründe gehabt.
    Einen und damit auch einen bundespolitischen Einfluss, sieht Bundeskanzler Kreisky in der Atomfrage.
    Die Wiener Sozialisten mussten die maximalen negativen Konsequenzen der kommenden Volksabstimmung vorwegnehmen.
    Sie haben das sicher zu spüren bekommen.
    während sie dem Kandidaten der FVP zugute gekommen sind.
    Das ist eine sehr offene, herzliche Antwort, vor einer Abstimmung.
    Aber das hat gar keinen Sinn, sich hier herumzudrücken, so ist es.
    Der Kanzler präzisierend, er glaube, dass ein bis zwei Prozent der Nichtwähler an diesem Sonntag in Wien sich durch die Haltung der SPÖ in Sachen Kernenergie haben abschrecken lassen.
    Aber vor allem in der Bundeshauptstadt selbst habe es auch noch andere, spezielle Wiener Gründe gegeben, die Kreisky es erstmal persönlich nennt.
    Vielleicht ist man der Meinung gewesen, dass man nicht genügend energisch auf das eine oder andere reagiert hat, was in den letzten
    Monaten in der öffentlichen Debatte war.
    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Frage mit den Grundstücken, dass die Frage um den Bauringer und dass das alles irgendwie so und so viele Leute irritiert hat und ihr Verhalten beeinflusst hat.
    Ich kann mir das vorstellen.
    Da wird man diese Dinge aufklären müssen.
    Restlos aufklären müssen.
    Ich sage noch einmal, es handelt sich um eine Agglomeration
    einer Fülle von Dingen, die ein gewisses Unbehagen ausgelöst haben, dass es nicht so weit gegangen ist, dass man dem anderen seine Stimme gegeben hat, sondern dass man nur gesagt hat, jetzt gehre ich halt nicht wählen, die sollen das einmal sehen.
    So weit also der Bundeskanzler zur Wiener Wahl und zu seiner Analyse.
    Auf die Bestellung des Generalintendanten des ORF werde dies keinen Einfluss haben, meinte Kreisky.
    Es handelt sich bei der Bestellung des Generalintendanten um eine Sachfrage.
    Niemand habe von ihm verlangen können, in einer parteiinternen, ernsten Streitfrage für den einen oder anderen Kandidaten zu entscheiden, betonte Kreisky zum abgeschlossenen Willensbildungsprozess innerhalb der SPÖ.
    Im Übrigen mochte Kreisky zu diesem Thema nicht mehr sagen.
    Als in der Folge keine Fragen der Journalisten mehr an den Kanzler gerichtet wurden, zeigte sich Kreisky erstaunt, dass er zu den, wie er sagte, wirklich wichtigen Fragen noch nicht gefragt worden sei.
    Es sei doch nicht möglich, meinte Kreisky, dass man bei Randproblemen, also dem bisher Gesagten, hängen bleibe.
    Kreiski nahm also von sich aus zur Wirtschafts- und Budgetpolitik Stellung und führte unter anderem aus, dass Österreich sich als einziges Land die Vollbeschäftigung erhalten habe, zu den drei Ländern mit der niedrigsten Inflationsrate zähle und an der Hartwährungspolitik festhalten werde.
    Das Budget 1979 werde nach zwei Grundzügen erstellt werden.
    Erstens gehe es um eine maßvolle Erhöhung der frei verfügbaren Einkommen und zweitens um eine relativ geringe Belastung für die Inanspruchnahme öffentlicher Leistungen, also Gebührenerhöhungen.
    Und Kreisky ergänzte?
    Ja, dann unter Umständen eine leichte Erhöhung, eine nicht sehr ins Gewicht fallende Erhöhung der Konsumentenpreise für zwei oder drei
    Produkte oder basiert auf zwei oder drei Produkten.
    Glauben Sie wirklich, meine Damen und Herren, dass in einem Land, in dem eine Viertelmillion Automobile importiert werden und für 25 Milliarden Automobile importiert werden, dass eine Erhöhung des Kilopreises für Brot um einige Groschen unerträglich ist?
    Sofern gerade diejenigen, die die kleinsten Einkommen haben, die Abgeltung erfahren.
    Kann doch nicht sein.
    Ebenfalls von sicher Ausnahme der Regierungschef zur Außenpolitik Stellung.
    Im Mittelpunkt stand dabei das Nahostproblem, wobei der Kanzler die Meinung vertrat, ohne die Palästinenser zu berücksichtigen, werde man für diesen Krisenherd keine dauerhafte Lösung finden.
    Soweit unser Bericht von der Pressekonferenz des Regierungschefs und damit wieder zurück ans Studio des Mittagschanals.
    Reporter waren Markus Sommersacher und Johannes Fischer und jetzt wieder zurück zum Thema Wahlen.
    Dazu gebe ich in die Parteizentrale der österreichischen Volkspartei, denn wenn alles geklappt hat, dann müsste jetzt Wilfried Seifert, ÖVP-Obmanntaus, vor dem Mikrofon haben.
    Danke, Roland Machatschke.
    Es hat alles geklappt.
    Neben mir sitzt der Bundesparteiobmann der österreichischen Volkspartei, Dr. Josef Taus.
    Herr Bundesparteiobmann, Sie haben eben den Bericht von der Pressekonferenz von Bundeskanzler Kreisky mitgehört.
    Der gestrige Wahlsonntag hat Ihrer Partei einen Gewinn von vier Mandaten in Wien, den Verlust von einem Mandat in der Steiermark gebracht.
    Das ÖVP-Parteiorgan spricht von einer schweren Schlappe für die Sozialisten.
    Bundeskanzler Kreisky hat den Begriff schwerer Schlag gebraucht in der eben abgelaufenen Pressekonferenz.
    Was ist nun Ihre Bilanz zum gestrigen Wahlsonntag in Wien und in der Steiermark?
    Der gestrige Wahlsonntag war die erste große Konfrontation der beiden großen Parteien seit der Nationalratswahl 1975.
    Und es hat sich eindeutig gezeigt, dass die Sozialisten auf der ganzen Linie verloren haben.
    Denn in Wien ist die Niederlage der Sozialisten ja so eindeutig, dass man darüber kein Wort zu verlieren braucht.
    In der Steiermark haben die Sozialisten ebenfalls deutlich verloren, wenn sie daran denken, dass sie
    auf 40,3 Prozent der Wähler zurückgefallen sind.
    Sie hatten, glaube ich, vorher 41,2.
    So ist das also von einem an sich schon tiefen Niveau ein weiterer Verlust.
    Und ich glaube, ganz so leicht, wie der Bundeskanzler versucht hat, das zu erklären, kann man sich die Sache nicht mehr machen.
    Denn hier ist ohne Zweifel eine Abkehr von der sozialistischen Partei bei diesen beiden Wahlen festzustellen gewesen.
    Wer hat nun die Wahlen für die ÖVP zumindest in Wien gewonnen, die BundesöVP oder Dr. Bussek?
    Das ist außer Frage, dass Dr. Erhard Bussek der große Wahlsieger in Wien ist und wir sind sehr stolz darauf, dass der Wiener Parteiobmann, der ja unter gar keinen leichten Verhältnissen in Wien angetreten ist, einen großen Erfolg gehabt hat.
    Da gibt es gar keine Diskussion darüber.
    Zwei ein wenig außerhalb seiner Partei liegende Motive hat der Bundeskanzler genannt, die den Sozialisten in Wien auf den Kopf gefallen sein könnten.
    Das sei einmal die vergleichsweise doch sehr geringe Wahlbeteiligung in Wien gewesen und andererseits die am 5.
    November bevorstehende Volksabstimmung zum Thema Atom.
    Haben diese beiden Motive, diese bundespolitischen oder nur vom Wetter bedingten Motive, bei dieser Entscheidung mitgestimmt?
    Nun, das Erste, die geringe Wahlbeteiligung, da muss man analysieren, was da wirklich los gewesen ist.
    Sicherlich haben die Sozialisten ebenfalls das erste Mal darunter gelitten.
    Aber ohne Zweifel auch wir, denn wenn Sie sich die Wahlergebnisse so anschauen, so werden Sie sehen, dass durchaus auch hier Leute, die potenziell ÖVP wählen, nicht bei der Wahl gewesen sind.
    Aber eines lässt sich bei dieser Wiener Wahl schon sagen.
    Die einzige Partei, die auch absolut Stimmen dazugewonnen hat, ist die österreichische Volkspartei gewesen.
    Das Zweite, jetzt diese Zwentendorf-Abstimmung mit ins Gespräch zu bringen, ich glaube, das ist auch ein bisschen zu einfach, die Dinge gemacht.
    Denn erstens einmal kommt das erst, zweitens einmal, glaube ich, hat man mit der bisherigen Propaganda die Leute eher ein wenig verärgert und verunsichert.
    Aber ob sie eine Rolle gespielt hat bei der Wiener Wahl, glaube ich nicht.
    Ich glaube doch vielmehr, dass sowohl in Wien als auch in der Steiermark, also schon auch
    wie ich das einmal genannt habe, ein Hauch von Bundespolitik dabei gewesen ist.
    Bleibt noch der steirische Wermutstropfen im Wiener Freudenbecher der ÖVP.
    Nun hat die steirische ÖVP ihre Position im Großen und Ganzen zwar gehalten, hat aber natürlich den Verlust eines Mandates hinnehmen müssen.
    Worauf führen Sie diese Niederlage, diesen Verlust zurück?
    Maga, diese Dinge muss man völlig nüchtern sehen.
    Die Steirische Volkspartei hat gestern neuerlich ein Traumergebnis erzählt, den 52% der Stimmen zu bekommen, während die Sozialisten nur gut 40% der Stimmen bekommen haben.
    Es ist ein so gewaltiger Abstand, dass man an sich von einem großen Wahlerfolg der ÖVP in der Steiermark reden kann.
    Für mich war es natürlich, dass die Freiheitlichen gerade in der Steiermark etwas dazugewinnen werden.
    Denn ich erinnere eben noch an die Jännerwahl in Graz, aber das hat sich eigentlich in Grenzen gehalten.
    Aber Sie glauben, dass der Götzeffekt nur ein lokaler oder bestenfalls regionaler ist?
    Ja, gestern hat sich gezeigt, dass die Freiheitlichen eben nur in der Steiermark dazugewonnen haben.
    Und auch Teile von dem zurückgewonnen haben, was sie an sich in der Steiermark immer hatten.
    Vielen Dank, Herr Dr. Tausser.
    Und wir geben damit zurück an das Studio des Mittagsschnalls.
    Reporter in der ÖVP-Zentrale war Wilfried Seifert.
    Die dritte Parteiführer-Pressekonferenz dieses heutigen Vormittags, die Pressekonferenz des neu gewählten FPÖ-Obmanns Alexander Götz, ist noch nicht zu Ende.
    Wir können daher noch nicht ins Parlament schalten, wo die Pressekonferenz stattfindet und wir schieben jetzt aber ebenfalls zum Thema Landtagswahlen in Wien und in der Steiermark einen anderen Beitrag ein.
    nämlich unsere Inlandspresseschau, die heute ausschließlich aus Zitaten zum Wahlausgang besteht.
    Hans Langsteiner hat die Presseschau verfasst.
    Zunächst einige Kommentare, die sich speziell mit dem Wahlergebnis in der Bundeshauptstadt beschäftigen.
    In der Presse meint dazu etwa Thomas Kohr her.
    Wenn nicht alles trügt, hat diese Wahlabsenz die Sozialisten weit schwerer getroffen als die große Oppositionspartei.
    Und das wieder erlaubt die Feststellung, dass offenbar die Vermutung, es gebe tiefe Risse in dieser Kaderpartei SPÖ, absolut zutrifft.
    Anderer Ansicht ist Manfred Scheich in der Sozialistischen Arbeiterzeitung.
    Das Wahlergebnis in Wien bestätigt die sozialistische Politik in dieser Stadt.
    Da kann keine Rede sein von dem Erdrutsch, den bürgerliche Kommentatoren forderten und dafür ist die Tatsache, dass die ÖVP wieder den Prozentsatz der Trimmelzeit erreicht hat, kein Gegenbeweis.
    Die überdimensionale Wahlenthaltung jedoch, die zulasten der SPÖ ging, bedarf der eingehenden Untersuchung, fordert Manfred Scheuch in der Sozialistischen Arbeiterzeitung.
    Einige mögliche Gründe für das schlechte Abschneiden der Wiener SPÖ nennt Peter Gnam in der Neuen Kronenzeitung.
    Selbst ein Poldi-Graz konnte das Unbehagen über Brückeneinstürze und Grundstücksskandale, Stadtbahnunfälle und Gasrohrgebrechen nicht ausräumen.
    Die Wiener ließen ihn und den Kanzler samt seiner Führungsschwächen, die am Beispiel ORF krass zutage traten, genauso links liegen wie Vizekanzler Androsch und dessen Steuerberatungsfirma Consultatio.
    Die Wiener wechselten zur ÖVP und Busseck oder fuhren ins Grüne statt zu wählen.
    Und im neuen Volksblatt der ÖVP resümiert Peter Klarr... Man kann es drehen und wenden wie man will und trotzdem kommt man immer wieder zu ein und demselben Schluss.
    Dieser 8.
    Oktober 1978 brachte den Sozialisten alles in allem eine schwere Wahlschlappe.
    Und weiter... Was den Grazern ihr Götz, ist den Donaustätern ihr Busseck.
    Nicht nur momentan, auch auf lange Sicht ein sehr erfreulicher Trend für die Volkspartei.
    Zu dem hier im Neuen Volksblatt der ÖVP erwähnten steirischen Ergebnis schreibt Fritz Tschocklich in der Grazer Kleinen Zeitung.
    Wenn gleich also der Götzeffekt in Grenzen geblieben ist, der zeigt, dass die FPÖ unter ihrem neuen Bundesparteiobmann zumindest in den südlichen und westlichen Bundesländern zu einer gewissen Oppositionskonkurrenz der ÖVP werden könnte.
    Ebenfalls mit dem steirischen Wahlresultat befasst sich Walter Kunz im sozialistischen Oberösterreichischen Tagblatt.
    Die SPÖ hat ihre Stellung gehalten.
    Dazu kann man ihr gratulieren.
    Angesichts des Wiedererstehens der militanten Rechten ist das eine Hoffnung, aber für unsere Begriffe zu wenig.
    Noch hält der Damm der Sozialdemokratischen Partei.
    Halten ist nicht genug.
    Es wird darum gehen, eine Gegenoffensive zu starten.
    Nicht nur in der Steiermark.
    Nach diesem Zitat aus dem sozialistischen Oberösterreichischen Tagblatt zum Abschluss einige Stimmen zu den möglichen bundespolitischen Auswirkungen des gestrigen Urnenganges.
    Gerhard Neureiter in den Salzburger Nachrichten.
    Die SPÖ verlor weder in Wien noch in der Steiermark so viel, dass sie in Panik ausbrechen müsste.
    Wenn sie zum Nachdenken über ihre Politik veranlasst wird, schadet ihr das nicht.
    Hermann Polz in den Oberösterreichischen Nachrichten.
    Eine sehr deutliche Warnung für die Regierung und die SPÖ insgesamt.
    Für die Bundespolitik bedeuten die Ergebnisse wenig.
    Abzulesen ist jedenfalls, dass die SPÖ derzeit alles andere denn gut aussieht.
    Aber das war wohl vorher klar.
    Und festzustehen scheint auch, dass sich des Alexander Götz' Ausstrahlung vorerst nicht als bundesweiter Hit erweist.
    Alles übrige bleibt offen.
    Bis zum nächsten Oktober.
    Das war die Inlandspresseschau und in diesen Minuten ist auch die Pressekonferenz von FPÖ-Chef Alexander Götz im Parlament zu Ende gegangen und wir geben nun weiter zu Erich Eichinger zu einem Bericht.
    Im Parlament in den Klubräumen hat heute Vormittag die konstituierende Sitzung des FPÖ-Bundesparteivorstandes unter dem neuen Parteichef Alexander Götz stattgefunden.
    Beratungsthema selbstverständlich die Beratung der Wahlergebnisse, nachdem man sozusagen eine Nacht darüber geschlafen hat.
    Mit Götz stellten sich unter anderem die von den gestrigen Wahlgängen direkt Betroffenen wie der neue Wiener Landesobmann Steger oder der Grazer Spitzenkandidat Turek, aber auch weitere Mitglieder des FPÖ-Bundesparteivorstandes.
    Die zum Teil schon gestern getroffene Qualifizierung der beiden Wahlgänge in der Steiermark und in Wien durch Götz heute
    Die Frage ist nicht, ob man ein gestecktes Ziel im ersten Anlauf erreicht, sondern die Frage ist, glaube ich, ob man ein solches Ziel völlig konsequent im Auge behält.
    Ich sehe den nicht in jenem Ausmaß oder nicht in dem erhofften Ausmaß
    stattgefundenen Wahlgang in Wien als Herausforderung an, dafür zu sorgen, dass der nächste und die nächstmögliche Gelegenheit und der nächste Wahlgang gerade und zentral hier in Wien andere Ergebnisse bringt.
    Es ist sicher so, dass das Problem natürlich auch mit der differenzierten Mentalität der Bewohner unserer Bundesländer ebenso zu tun hat, stelle ich völlig außer Streit.
    dass ich sehr bemüht sein werde, jenes Verständnis, das in größerem Maße dort vorhanden ist, wo man eben länger tätig war, was ja auch selbstverständlich ist, weil das ja nicht von heute auf morgen geht, dieses Verständnis auszuweiten.
    Was ich ganz bestimmt nicht tun werde, ist eine notwendige politische Auseinandersetzung vermeiden.
    Eine Auseinandersetzung, die sich um zentrale Probleme dieser Politik dreht und wenn jemand das als persönliche Beleidigung auffasst, tut es mir furchtbar leid.
    Es ist keine solche, sondern es ist eine kritische Auseinandersetzung.
    Götz bekräftigte im Übrigen in diesem Zusammenhang, dass er insbesondere seinen Vorwurf an Bundeskanzler Kreisky aufrechterhalte, wonach dieser gegen die Bundesverfassung verstoßen habe.
    Dieser, so Gott, absolut sachlichen Kritik hätten sich bereits namhafte Verfassungsjuristen angeschlossen und im Übrigen werde sich Herr Götz von sich aus an die Inhaber verschiedener juristischer Lehrkanzeln mit der Bitte um Stellungnahme wenden.
    Vor allem den für die FPÖ günstig gelaufenen steirischen Wahlen kann Götz auch einen Zukunftsaspekt abgewinnen.
    Insgesamt haben beide anderen Parteien rund 5.000 Stimmen verloren.
    Wir haben rund 16.000 Stimmen gewonnen.
    Womit sehr vereinfachend, was wir sicher nicht tun, sondern erst nach einer genauen Analyse darlegen werden, aber sehr vereinfachend man sagen könnte, alle neu hinzugekommenen Wähler haben freiheitlich gewählt.
    werden wir sicher nicht formulieren, aber es scheint, ich sage das mit aller Vorsicht und ohne jetzt Detailbeweise zu haben, aber es scheint anhand einiger Wahlsprengelüberlegungen und Überprüfungen im Bereich Graz, wo wir das gemacht haben, Abgeordnete Durig wird näheres darüber sagen können, dass ein
    Noch wesentlich höherer Anteil ist diese 52%, ein Anteil, der über die 100% geht aus dem Bereich erstmaliger Wähler, sprich Jungwähler oder solche, die eben ihre Stimme bei einer Landtagswahl zum ersten Mal abgegeben haben, gewonnen werden konnten.
    Hat in irgendeiner Form in Wien etwa bei der großen Zahl von Nichtwählern die Atomfrage eine Rolle gespielt, wie SPÖ-Vorsitzender Kreisky heute Vormittag vermutete?
    Dazu geht's.
    Ich selbst stand nicht unter dem Eindruck, dass die Tatsache, jetzt von der Sachfrage her, dass Zwentendorf lokal, immerhin in einem Nahbereich zu Wien steht, dass diese Tatsache
    zur Wahl beigetragen hat, aber möglicherweise dieser zweite doch irgendwo Verunsicherungsvorgang für einen Wähler, der vielleicht erwartet, ich sage das immer mit Fragezeichen und in der Möglichkeitsform, der vielleicht erwartet, dass ihm seine Parteiführung klar sagt Ja oder klar sagt Nein oder klar sagt, bitte mach das allein, aber nicht am Vormittag Ja und am Nachmittag Nein.
    Kann sein,
    Ich betone mit der Einschränkung, es ist wahnsinnig schwer ein Urteil abzugeben nur anhand von Ziffern, die in keiner Weise noch irgendwie aufbereitet und analysiert sind.
    Soweit die wichtigsten Ausschnitte aus diesem Pressegespräch und damit zurück zum Studio des Mittagschanals.
    Vom Pressegespräch des FPÖ-Obmanns Götz berichtete Erich Aichinger und von den Wahlen in Österreich nun vier Minuten nach halb eins zum Wahlausgang in der Bundesrepublik Deutschland.
    In Hessen hat gestern die CDU versucht, die Mehrheit der Koalition von Sozialdemokraten und Freien Demokraten zu brechen.
    Das ist nicht gelungen.
    Trotz Stimmenverlusten blieben die Christdemokraten zwar stärkste Partei, haben aber die angestrebte absolute Mehrheit bei weitem nicht erreicht.
    Verloren hat auch die FDP ein Mandat.
    Dieses Mandat ist aber zum Koalitionspartner SPD gegangen.
    57 Sitze hat die Koalition im Landtag, 53 die CDU-Opposition.
    Über bundespolitische Aspekte dieser Wahl berichtet nun Klaus Emmerich.
    Wenn Helmut Schmidt heute Mittag in seiner Eigenschaft als Bundeskanzler mit großem Gefolge zu einer einwöchigen Asienreise nach Japan und Singapur startet, wird er, wie aus seiner Umgebung zu hören ist, außenpolitisch und wirtschaftlich umzusetzen trachten, was ihm Schmidt gestern in seiner Eigenschaft als stellvertretendem Obmann der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands durch den Sieg dieser Partei innenpolitisch beschert wurde.
    Eine Bestätigung für rot-blaue Regierungsbündnisse sowohl in Hessen als auch in Bonn, denn Sozialdemokraten und Freie Demokraten haben den Urnengang von fast vier Millionen Hessen auch als Plebiszit für die Bundeskoalition aus Sozialdemokraten und Freien Demokraten gewertet.
    Dazu kommt, dass sich diese beiden Parteien nicht nur für die Zeit bis 1980 bestätigt und bekräftigt fühlen, sondern auch nach den ersten genaueren Analysen von heute Vormittag bereits für die Zeit danach und als Partner internationaler Geschäfte sich deshalb anbieten.
    Es geht also nicht nur darum, dass die Regierung Schmidt-Gentscher zusätzliche parlamentarische Hürden in Bonn während der bis 1980 laufenden Legislaturperiode nun nicht mehr zu befürchten haben, vergessen und verdrängt ist also die akute Furcht von einer Zweidrittelmehrheit im Bundesrat, der Länderkammer, die im Falle eines CDU-Sieges in Hessen entstanden wäre und zu einer weitgehenden Erlebung der Gesetzgebung einschließlich der Staatsfinanzen hätte führen können.
    Rot-Blau braucht jetzt auch mit solchen Gefahren nicht mehr zu rächen, obwohl schon am nächsten Sonntag die nächste Wahl ansteht, nämlich die Neubestimmung des Landtages in Bayern.
    Dort hat andererseits die Christlich-Soziale Union, die CSU, nichts zu fürchten und vor dieser nächsten Wahl wird auch offen bleiben, ob und wie der CSU-Chef Franz Josef Strauß die Idee der Ausdehnung der CSU als vierte Partei in ganz Westdeutschland verfolgt.
    In ersten Stellungnahmen der Christdemokraten tauchen manche Argumente auf, die bisher von Strauß öffentlich zur Diskussion gestellt wurden, wenn er laut über das Projekt an der vierten Partei, also die Trennung der Union bei der Wählerwerbung, nachgedacht hat.
    Es bestünden jetzt praktisch zwei gleichstarke Blocks der bundesrepublikanischen Parteien, nämlich der Sozialdemokraten und der Freien Demokraten auf der einen Seite und der Christdemokraten auf der anderen.
    Da die Freien Demokraten sich mehrheitlich zu Koalitionen mit den Sozialdemokraten bekennen würden, erst gestern wieder mit großer Mehrheit für das Bundesland Schleswig-Holstein, dreht sich die Parteiendiskussion jetzt verstärkt um die Frage, ob die parlamentarische Regel von der Austauschbarkeit der Parteien in Regierung und Opposition im westdeutschen Fall noch gelte.
    Die Freien Demokraten, die unter Hans-Dietrich Gentscher nicht zuletzt durch dessen persönlichen Einsatz gestern in Hessen einen überraschenden Überlebensbeweis geliefert haben, bestreiten die These von der Blockbildung und unterstreichen mit neugewonnenem Selbstbewusstsein ihre Eigenständigkeit und damit die Existenz eines Drei-Parteien-Systems in der Bundesrepublik.
    Jedenfalls zeigt sich bei ersten Analysen der Hessenwahl, dass die Liberalen bei starker Fluktuation ihrer Wähler wieder mit sogenannten Leihstimmen vor allem aus dem Lager der SPD und auch mit Mitleidseffekt zu rechnen haben.
    Für die Sozialdemokraten wirkt der Sieg ihres bisherigen und neuen Ministerpräsidenten Holger Börner aus mehreren Gründen nach Bonn zurück.
    Die SPD sieht ganz allgemein eine Trendwende.
    Börner liefert ein Beispiel, wie verschiedene Meinungen innerhalb der Sozialdemokraten unter einen Hut zu bringen sind.
    Und hier macht sich sicherlich bemerkbar, dass er als einer der engsten Mitarbeiter von Willy Brandt SPD-Bundesgeschäftsführer war.
    Und Börner zeigt, wie es möglich ist, durch eine richtige Personalentscheidung, nämlich einen belasteten Landeschef wie Albert Oswald abzulösen, Kernwähler zu mobilisieren und Wechselwähler anzusprechen.
    Das System Börner, der freundlich, leise, bürgernah, pragmatisch und solide aufgetreten ist, bietet sich nun auch für die Bundes-SPD an, zumal sich in Hessen wieder gezeigt hat, dass Fachfragen etwa der Bildungspolitik, der Raumordnung oder der Umwelt weniger ziehen als vielfach angenommen wurde.
    Apropos Umwelt, auch bundespolitisch ist für Westdeutschland wichtig, dass die grünen Listen der Umweltschützer in Norddeutschland zunächst noch erfolgreicher in Hessen unter ferner Liefen zu verbuchen sind.
    Obwohl im hessischen Kernkraftwerk gearbeiten, Luftverschmutzung an der Tagesordnung ist und große Straßenbauprojekte die Gemüter im Einzelnen erregen, entscheiden selbst aufgebrachte Bürger schließlich für etablierte Parteien.
    Das war ein Bericht von Klaus Emmerich.
    In Spanien laufen die Vorbereitungen für die Volksabstimmung über die Verfassung Ende November auf Hochtour.
    Die Opposition will das zum Anlass nehmen, um die Regierung zum Rücktritt zu zwingen und neue Wahlen ausschreiben zu lassen.
    Vorerst waren es die Sozialisten, die die Forderung erhoben, nun hat sich auch die rechtsgerichtete Volksallianz angeschlossen.
    Und auf der anderen Seite hat sich ein seltsames Bündnis von Regierungslager und Kommunisten ergeben, das für die Kontinuität des Kabinetts eintritt.
    Aus Madrid berichtet Robert Gerhardt.
    In Spanien stehen die Debatten über die neue Verfassung vor dem Abschluss.
    Die Vorbereitungen für das Referendum beginnen, mit dem die 36 Millionen Bevölkerung hinter dem Pyrenäen ihr Ja oder Nein zu diesem Projekt sagen kann, das seit einem Jahr im Parlament von Madrid diskutiert wird.
    Mit der Volksabstimmung, die Ende November vorgesehen ist, sind die Spanier der Demokratie einen Schritt näher gekommen.
    Allgemein wird erwartet, dass nur die außerparlamentarische Linke und vielleicht noch die baskische Nationalpartei
    gegen die vorliegende Verfassung stimmen werden.
    Die im Parlament vertretenen großen Parteien richten sich inzwischen schon auf die nächste folgende Phase ein.
    Es geht um Wahlen in den Gemeinden, die 90 Tage nach dem Referendum stattfinden sollen.
    Und es geht um die Frage, ob es danach auch schon zu Neuwahlen für das Parlament kommt.
    Als einzige Partei haben sich bisher die Sozialisten von Felipe González klar für sofortige Neuwahlen zur Vollversammlung ausgesprochen.
    Meinungsumfragen geben ihnen eine aufsteigende Tendenz in der Beliebtheitskurve.
    Und außerdem hat diese traditionsreiche Partei immer schon betont, dass die Zusammensetzung des derzeitigen Parlaments nur ein Provisorium sein kann.
    Für sie ist es eine verfassungsgebende Versammlung, die nach Abschluss ihrer Arbeit jetzt ihre Funktion erfüllt hat.
    Nicht so sehen es die Regierungspartei von Adolfo Suárez und die Kommunisten von Carillo.
    Beide politische Formationen möchten noch Zeit gewinnen, um ihre Parteien besser in der Bevölkerung präsent zu machen.
    Die UCD von Premier Suárez wird vom 19. bis 21.
    Oktober ihren ersten Parteikongress abhalten, zu dem auch Liberale und Christdemokraten aus aller Welt geladen sind.
    Die Regierungspartei sucht erst noch ihr Programm und verhält sich daher äußerst reserviert gegenüber dem Wunsch der Sozialisten, schon Anfang des kommenden Jahres Neuwahlen zum Parlament ausschreiten zu lassen.
    Ihre Wahlchancen stehen dann noch nicht so gut, dass sie mit einer Mehrheit rechnen können.
    Und die Kommunisten sehen sich ebenfalls noch nicht stark genug, über ihre augenblicklich 20 Abgeordnetensitze hinauszukommen.
    Eine Allianz zwischen Regierungspartei und den Kommunisten, um baldige Neuwahlen zu blockieren, ist inzwischen denkbar.
    Auf der anderen Seite stehen jetzt neben den Sozialisten die Ultrakonservativen der Volksallianz von Fraga Eribarne.
    Sie glauben, bei baldigen Neuwahlen ihre bisher 16 Abgeordnetenplätze erhöhen zu können.
    Fraga Eribarne, der Neo-Frankist und temperamentvolle Parteiführer, verlangt erst einmal den Rücktritt des Ministerpräsidenten sofort nach dem Referendum.
    Die neue Verfassung sieht das so vor.
    Und danach rechnet sich die Volksallianz Möglichkeiten aus, doch noch dichter an die Macht zu kommen, eventuell durch eine Koalition mit dem Regierungslage.
    In Spanien ist nach langwierigen Verfassungsdebatten wieder etwas in Bewegung geraten.
    Referendum, Gemeindewahlen und eventuell auch Neuwahlen zum Parlament stehen vor der Tür.
    Und nach diesem Beitrag von Robert Gerhard aus Madrid wieder Berichte aus Österreich.
    Die Bemühungen der Bundesregierung, das Budgetdefizit zu verringern, haben auch zu Überlegungen geführt, wie man die Sparförderung reduzieren könnte.
    Das Budget wird durch die Förderung etwa des Prämien, des Bausparens, des Wertpapiers und des Versicherungssparens mit mehr als 5 Milliarden Schilling im Jahr belastet.
    Finanzminister Androsch kann sich angesichts dieser Situation durchaus vorstellen, dass beispielsweise beim Wertpapiersparen die Steuerbegünstigung überhaupt wegfällt.
    Er hat angekündigt, dass er morgen nach dem Ministerrat zu Fragen der Sparförderung Stellung nehmen wird.
    Heute hat nun die erste österreichische Sparkasse eine Studie über die Sparmotive der Österreicher präsentiert.
    Matthias Katinger berichtet.
    Sparen gilt in allen Bevölkerungsgruppen als sehr wichtig.
    Insgesamt sind 93% der Österreicher der Ansicht, dass Sparen wichtig bzw.
    besonders wichtig ist.
    Nur 7% finden Sparen unwichtig bzw.
    überflüssig.
    Nach einer Studie des Fessler-Institutes haben demgemäß auch nur 10% der Österreicher keinen Kontakt mit einem Geldinstitut.
    Etwa drei Viertel aller Österreicher haben ein Sparbuch, 26%
    ein Girokonto mit Scheckkarte, 22% einen Bausparvertrag, 17% einen Prämiensparvertrag, jedoch nur insgesamt 6% der Österreicher haben Anleihen, Pfandbriefe oder Aktien.
    Das wichtigste Motiv zu sparen ist noch immer die Vorsorge für schlechtere Zeiten.
    Für mehr als die Hälfte der Österreicher ist dieses Motiv das wichtigste.
    Etwa 45% sparen auf ein bestimmtes Ziel.
    Interessanter Nebenaspekt, die psychologische Barriere vor der Aufnahme eines Kredites ist noch immer sehr groß.
    Besonders groß ist diese Barriere dann, wenn man Dinge damit kaufen will, die den Hauch des Luxuriösen haben.
    Kredit nehmen fällt aber umso leichter, je mehr Reserven, sprich Sparverträge, Anleihen oder Pfandbriefe vorhanden sind.
    Eher geringer ist der Anteil jener, die einfach sparen, weil es sich eben so gehört.
    Ein interessanter Aspekt für die Geldinstitute.
    Viel mehr Sparer wissen, dass Bausparen und Prämiensparen die attraktivsten Sparformen sind, nutzen diese jedoch nicht.
    Der Marketingchef der Ersten Österreichischen Sparkasse, Magister Böhm, versucht dies so zu erklären.
    Etwa beim Bausparen gibt es zwischen dem Erkennen des Bausparens als der attraktiven Sparform und dem tatsächlichen Grad der Nutzung des Produktes Unterschiede, die bis zu 10 Prozentpunkten ausmachen.
    Meist sind es auch nicht die Zweifel an der Sicherheit der Geldanlage, sondern der Wunsch nach sofortiger Verfügbarkeit des Geldes.
    Das Gefühl spielt überhaupt eine große Rolle beim Sparen.
    So führen nur 29% der Österreicher ein Wirtschaftsbuch, 28% machen hier und da Aufzeichnungen, mehr als 40% dagegen hoffen, dass das Geld auch so bis zum nächsten Ersten reicht.
    Der Planungshorizont des österreichischen Sparers ist übrigens nicht sehr gut ausgebildet.
    Etwa 25 Prozent der Besitzer ablaufender Prämiensparverträge haben keine Ahnung, wann ihr Vertrag abläuft und wie viel Geld sie überhaupt ausbezahlt bekommen.
    Gar zwei Drittel der Prämiensparer wissen bei Ablaufen des Vertrages nicht, wie sie das Geld verwenden werden.
    In diesem Zusammenhang noch ein Hinweis auf die Wichtigkeit sozialer Normen beim Sparen.
    So zeigt sich bei der Untersuchung über das Einkaufsverhalten der Frau, dass die Möglichkeit zu sozialen Kontakten bei der Wahl eines Stammgeschäftes ebenso wichtig ist, wie der Preis der dort angebotenen Waren.
    Nicht neu dagegen die Erkenntnisse, dass das Spar- und Konsumverhalten nicht nur von der Höhe des Monatseinkommens, sondern in gleichem Ausmaß von Beruf und Bildung abhängt.
    So haben bei gleichem Einkommensniveau 82% der Nichtmaturanten, aber nur 70% der Höhergebildeten ein Sparbuch.
    Anspruchsvollere Sparformen werden überwiegend von besser Informierten, in der Sozialschicht höher angesiedelten Personen genutzt.
    Ein Drittel der Maturanten und Akademiker mit einem Haushaltseinkommen von 17.000 Schilling besitzen Anleihen.
    Von den gleich vielverdienenden Nichtmaturanten sind es hingegen nur 10%.
    Soweit also die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchung über die Sparmotive der Österreicher.
    Und damit zurück ins Studio des Mittagschanals.
    Es berichtete Matthäus Skatinger.
    Auf Einladung der Grazer Autorenversammlung sind derzeit einige schwedische Schriftsteller in Wien.
    Heute Vormittag wurden auf einer Pressekonferenz die Unterschiede in der sozialen Lage der Schriftsteller in Schweden und in Österreich erläutert.
    Hören Sie einen Bericht von Konrad Sobel.
    Das schwedische System der Literaturförderung funktioniert in zwei Richtungen.
    Zum einen gibt es eine Förderung der Autoren, die eigentlich gar nicht als Förderung, sondern als Bezahlung gewertet werden muss.
    Es handelt sich nämlich um eine Art Entschädigung an die Autoren für die Entlehnungen ihrer Bücher in den öffentlichen Bibliotheken.
    Eine ähnliche Regelung gibt es seit kurzem auch in Österreich mit dem kleinen Unterschied, dass dabei in Schweden 90 Millionen Schilling für die Schriftstelle herausschauen, in Österreich nur 4 Millionen.
    Das hat seine Gründe nicht zuletzt in der viel reichhaltigeren Büchereilandschaft Schwedens und führt dazu, dass von diesen 90 Millionen Schilling auch Gehälter und Pensionen an die Schriftstelle ausgezahlt werden können und zwar nach Maßgabe der sozialen Bedürftigkeit und literarischen Qualität der Autoren und nicht nach ihren Verkaufsziffern.
    während in Österreich das Geld gerade für die sozialen Notfälle reicht.
    Zum Zweiten aber gibt es in Schweden auch eine Förderung der Buchproduktion im Umfang von über 50 Millionen Schilling.
    Davon profitieren vor allem die kleineren Verlage mit kulturellen Ambitionen, daher sind die großen Verlage mit ökonomischen Ambitionen nicht gerade für diese Subventionen.
    Aber auch unter den schwedischen Schriftstellern gibt es Stimmen, die dieses Förderungssystem für verfehlt halten.
    Lars Gustafsson etwa ist überhaupt gegen die staatliche Subventionierung der Literatur.
    Seine Gründe?
    Erstens gibt es das große politische Risiko, dass die Literatur fängt an, sich anzupassen.
    Die potenzielle Bedrohung, die in dem möglichen Rückzug der Unterstützung liegt.
    Und das soll man ernst nehmen.
    Aber zweitens gibt es natürlich auch das Gefahr, dass man in einer allgemeinen Brühe des Amateurismus landet.
    Die natürliche Situation ist wohl, dass Literaturleser hat und dass die Leser die Literatur
    Ganz anderer Meinung ist Bengt-Erik Hedin, der in einer der für die Verteilung der Gelder zuständigen, kompliziert zusammengesetzten Gremien sitzt.
    Die Förderung der Buchproduktion kann man natürlich, dagegen kann man kritisch sein, aber in einem kleinen Land mit einer kleinen Sprache ist es notwendig, die Buchproduktion zu fördern.
    In einem ganz kapitalistisch gesteuerten Buchmarkt wird nur die große Verkäufer da sein.
    Und es ist notwendig, dass mehrere Autoren, mehrere Bücher produziert werden.
    Und man kann klar sagen, dass die schwedische Buchmarkt bis jetzt eine
    ganz große, ganz gute Qualität hat.
    Es gibt also eine Menge interessante Autoren, die vielleicht nicht so viel verkaufen, aber trotzdem sehr lesenswert sind.
    Und man muss auch jüngere Autoren fördern und sehen, dass alle eine Möglichkeit, zu einem Publikum zu kommen.
    Die Situation in Österreich ist wie schon angedeutet für die Schriftsteller weit weniger günstig.
    Eine Voraussetzung für eine positive Veränderung wäre die Schaffung eines Volksbüchereigesetzes.
    Dazu erklärte uns Milot Dor von der Interessengemeinschaft österreichischer Autoren.
    Es geht um das Volksbüchereigesetz, das jede Gemeinde in Österreich, sagen wir über 1000 Einwohnern, verpflichtet, an der Bibliothek zu halten.
    Das haben wir bisher nicht.
    Also hätten wir das, dann gäbe es viel mehr Bibliotheken in Österreich.
    Und ich nehme an, also mit der Zeit auch viel mehr Leser.
    Denn wenn die Bücher da in der Reichweite sind, nicht wahr, dann greift man ab und zu zu ihnen.
    Und hätten wir so ein Volksbüchereigesetz,
    dann müsste natürlich auch der Staat oder die Gemeinschaft oder die jeweilige Gemeinde, also der Besitzer, der jeweilige Besitzer der Bibliotheken müsste auch verpflichtet sein, Bücher heimischer Autoren zu kaufen und dadurch könnte man die Auflagen sichern.
    Man brauchte keine eigene Unterstützung.
    Bis es so weit kommt, dürften die meisten österreichischen Autoren noch viele sehnsuchtsvolle Blicke in den literatur- und lesefreundlichen Norden werfen.
    Die soziale Lage der Schriftsteller in Schweden und in Österreich, das berichtete Konrad Sobel.
    Im Grazer Künstlerhaus wurde gestern Abend eine Ausstellung mit exklusivem Charakter eröffnet.
    Es ist eine Sammlung zeitgenössischer Kunst, die ein italienischer Tischler in den letzten 20 Jahren zusammengetragen hat.
    Diese Ausstellung trägt den Titel Der Rahmen, meine Welt.
    Es berichtet Gudrun Gröbelbauer.
    Es ist eine seltsame Geschichte, die Geschichte des Tischlers Luigi aus Norditalien.
    Seit Generationen lebt seine Familie in einem kleinen Dorf nahe bei Monza.
    Sein Vater ist Verpackungstischler und Luigi soll in seine Fußstapfen treten.
    Doch dem Sohn tut es leid, aus guten Holzkisten anfertigen zu müssen, die, wenn sie ihren Zweck erfüllt haben, verbrannt werden.
    Er möchte etwas Bleibendes aus Holz schaffen.
    Er beginnt sich mit bildender Kunst zu beschäftigen und wird Rahmentischler.
    Für manche Künstler, die schon am Markt gut angekommen waren, habe ich begonnen, gegen Bezahlung Rahmen zu bauen.
    Und so konnte ich den anderen dann helfen, die noch nicht die Möglichkeit gehabt haben, sich Rahmen zu kaufen.
    Und vor allem, weil ich für diese neuen Ideen dieser Künstler bessere Rahmen als die, die am Markt waren, machen wollte, damit sie ihre Ideen möglichst gut realisieren können.
    Die Familie leistet anfänglich gegen seine Förderung junger Künstler Widerstand.
    Bedeutet doch die unentgeltliche Arbeit, die der Tischler für viele junge Künstler leistet, Verzicht auf notwendige Einnahmen für die Familie, die in bescheidenen Verhältnissen lebt.
    Im Laufe der Jahre erhält der Tischler von den Künstlern, mit denen er zusammenarbeitet, Bilder, Zeichnungen und Skulpturen.
    Teils werden sie ihm geschenkt, teils kauft er sie.
    Heute besitzt er eine kostbare Sammlung zeitgenössischer Kunst.
    Ein Großteil dieser Sammlung, deren Versicherungswert 50 Millionen Schilling beträgt, ist nun im Grazer Künstlerhaus und in der Neuen Galerie zu sehen.
    Die Ausstellung ist ein Spiegelbild der vielfältigen Strömungen der modernen Kunst in den letzten 20 Jahren.
    Expressionistische Arbeiten sind ebenso vertreten wie Werke, die der abstrakten, der surrealistischen, der kinetischen Kunst sowie der Op Art zuzuordnen sind.
    Die Exponate stammen größtenteils von renommierten Künstlern.
    Viele von ihnen haben Weltruf.
    Natürlich hat der Tischler vorwiegend Bilder und Skulpturen italienischer Künstler gesammelt, wie zum Beispiel von Fiume, Colombo, Manzoni und Fontana.
    Aber es finden sich in dieser Ausstellung auch Arbeiten von Malern aus anderen Ländern, wie von Man Ray und Horst Antes, um nur zwei zu nennen.
    Jede Arbeit hat für den Tischler einen besonderen Erinnerungswert.
    Mit Manzoni, Castellani und Fontana bin ich natürlich schon sehr lange in Freundschaft verbunden gewesen.
    Und außer dass ich mit ihnen gearbeitet habe, war es eben auch rein die freundschaftliche Bindung mit ihnen.
    Und die Teatrine von Fontana, die ich mit Fontana entwickelt habe, ich erinnere mich noch, als hätte ich die heute gemacht.
    Dem einfachen, bescheidenen Tischler Luigi ist etwas gelungen, wovon in der Theorie viel geredet und in der Praxis wenig verwirklicht wird.
    Er hat Zugang zur Kunst gefunden.
    Heute ist es viel einfacher, sich mit dem Künstler zu befassen.
    Vor 20 Jahren war es wirklich noch sehr schwierig, den Kontakt zwischen den Künstlern und der Bevölkerung herzustellen.
    Aber ich glaube, heute dürfte das eigentlich kein Problem mehr sein, weil ja die Künstler heute selbst sehr viel auch in der Stadt arbeiten und auch sehr viel daran arbeiten, dass man besser leben könnte und das müssten eigentlich die jungen
    jungen Leute verstehen und die Künstler heute auch sehr schätzen.
    Das, was mich freut heute, ist, dass ich glaube, dass ich einfach mein richtiges Leben eben gefunden habe, indem ich eben so lebe.
    Man sollte sie nicht versäumen, die Ausstellung, der Rahmen, meine Welt.
    Diese Welt ist jedem Interessierten bis Ende Oktober zugänglich.
    Aus Graz berichtete Gudrun Gröbelbauer und wir schließen jetzt das Mittag-Journal mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Meldungen und Journalbeiträge.
    Österreich.
    Die Parteivorsitzenden von SPÖ, ÖVP und FPÖ haben heute zu den Ergebnissen der gestrigen Wahlen in Wien und in der Steiermark Stellung genommen.
    SPÖ-Vorsitzender Bundeskanzler Kreisky erklärte, die Wahlergebnisse zeigten keinen bundespolitischen Trend.
    Sieger der Wiener Wahlen sei ohne Zweifel der Kandidat der ÖVP, Bussek.
    Als Grund für den Stimmenverlust der Wiener Sozialisten nannte der Bundeskanzler in erster Linie geringe Wahlbeteiligung.
    ÖVP-Bundesparteiobmann Taus meinte, in der ersten großen Konfrontation seit den Gemeinderatswahlen 1973 habe die SPÖ auf der ganzen Linie verloren.
    Das Resultat von Wien bezeichnete Taus als großen Erfolg Erhard Bussex.
    Zur geringen Wahlbeteiligung in der Bundeshauptstadt meinte Taus, unter ihr hätte nicht nur die SPÖ, sondern auch die Volkspartei gelitten.
    In der Steiermark habe die ÖVP trotz des Mandatsverlustes neuerlich ein Traumergebnis erreicht.
    FPÖ-Parteiobmann Götz bezeichnete das Resultat von Wien als Herausforderung für die Freiheitlichen, dafür zu sorgen, dass der nächste Wahlgang in der Bundeshauptstadt andere Ergebnisse bringe.
    Zum Wahlresultat in der Steiermark, meinte Götz, es scheine der FPÖ geglückt zu sein, besonders die Jungwähler anzusprechen.
    Die Landtags- und Gemeinderatswahlen in Wien haben der Sozialistischen Partei 62, der ÖVP 35 und der FPÖ drei Mandate gebracht.
    Im Vergleich zu dem auf die neue Wahlordnung umgerechneten Ergebnisse der Wahlen von 1973 ergibt sich für die SPÖ ein Verlust von drei Mandaten, für die Volkspartei ein Gewinn von fünf und für die FPÖ ein Verlust von zwei Mandaten.
    Bei den Landtagswahlen in der Steiermark hat die ÜVP eines ihrer 31 Mandate an die Freiheitlichen verloren, die nun drei Abgeordnete in den Landtag entsenden.
    Die SPÖ hat ihre 23 Mandate gehalten.
    Wie nach Gesprächen mit Handelsminister Staribacher und den Erdölgesellschaften praktisch feststehende Heizölverbilligungsaktion wird nicht zustande kommen.
    Wie Staribacher heute bekannt gab, haben die Mineralölfirmen ihre Zusage zurückgezogen, Ofenheizöl um 20 Groschen pro Liter und Industrieheizöl schwer um 30 Schilling pro Tonne zu verbilligen.
    Als Grund wurde die Ankündigung der Regierung angegeben, einen zweckgebundenen Zuschlag zur Mineralölsteuer einzuführen.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Die Parteiführungen von CDU, SPD und FDP in Bonn und in Wiesbaden beraten heute über das Ergebnis der gestrigen Landtagswahlen in Hessen.
    Dabei konnten die Parteien der sozialliberalen Koalition ihre Stellung verteidigen.
    Von der FDP ging ein Mandat zu den Sozialdemokraten.
    In einer halben Minute ist es 13 Uhr.
    Wir sind am Ende des Mittagsjournals und melden uns wieder mit neuen Informationen um 18.30 Uhr im Programm Österreich 1 im Abendjournal.
    Untertitel der Amara.org-Community

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Datum: 1978.10.09 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wetterbericht
    Datum: 1978.10.09 [Sendedatum]
    Schlagworte: Natur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Pressekonferenz Bundeskanzler Kreisky zu Busek-Erfolg, SPÖ-Verlusten, Atomfrage, Wiener Wahlfaktoren, Erhöhung diverser Konsumentenpreise
    Einblendung: Bundeskanzler Kreisky
    Mitwirkende: Fischer, Johannes [Gestaltung] , Sommersacher, Markus [Gestaltung] , Kreisky, Bruno [Interviewte/r]
    Datum: 1978.10.09 [Sendedatum]
    Ort: Wien, Presseclub Concordia [Veranstaltungsort]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Politik ; Gesellschaft ; Medien und Kommunikation ; Wirtschaft ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Interview: ÖVP-Bundesparteiobmann Taus zu Wahlausgang, Wahlbeteiligung
    Interview: Josef Taus
    Mitwirkende: Seifert, Wilfried [Gestaltung] , Taus, Josef [Interviewte/r]
    Datum: 1978.10.09 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Politik ; Gesellschaft ; Medien und Kommunikation ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Inlandspresseschau: Wahlen
    Mitwirkende: Langsteiner, Hans [Gestaltung]
    Datum: 1978.10.09 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Politik ; Gesellschaft ; Medien und Kommunikation ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Pressekonferenz FPÖ-Obmann Götz zu Wahlausgang, weiteren FPÖ-Vorgehensweise, Grazer Wahl, Jungwähler und Atom
    Einblendung: Alexander Götz
    Mitwirkende: Eichinger, Erich [Gestaltung] , Götz, Alexander [Interviewte/r]
    Datum: 1978.10.09 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Politik ; Gesellschaft ; Medien und Kommunikation ; Wirtschaft ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Auswirkungen der Hessenwahl auf BRD-Bundespolitik, Grüne-Linke bedeutungslos
    Mitwirkende: Emmerich, Klaus [Gestaltung]
    Datum: 1978.10.09 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Vor Volksabstimmung über spanische Verfassung - Sozialisten für Neuwahlen, Regierung und KP dagegen
    Mitwirkende: Gerhardt, Robert [Gestaltung]
    Datum: 1978.10.09 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Untersuchung über Sparverhalten der Österreicher und ihrer Gründe
    Mitwirkende: Kattinger, Matthäus [Gestaltung]
    Datum: 1978.10.09 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Medizin ; Wirtschaft ; Technik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Soziale Lage der Schriftsteller in Schweden und Österreich
    Einblendung: Lars Gustafsson, Bengt Erik Hedin, Milo Dor
    Mitwirkende: Zobel, Konrad [Gestaltung] , Gustafsson, Lars [Interviewte/r] , Hedin, Bengt Erik [Interviewte/r] , Dor, Milo [Interviewte/r]
    Datum: 1978.10.09 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik Österreich ; Kultur ; Medien und Kommunikation ; Wirtschaft ; Literatur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    "Der Rahmen - meine Welt" Ausstellung der Kunst-Sammlung eines italienischen Tischlers
    Einblendung: Tischler Luigi
    Mitwirkende: Gröbelbauer, Gudrun [Gestaltung] , Luigi ... [Interviewte/r]
    Datum: 1978.10.09 [Sendedatum]
    Ort: Graz [Veranstaltungsort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik Österreich ; Kultur ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten

    Katalogzettel

    Titel Mittagsjournal 1978.10.09
    Spieldauer 00:59:52
    Mitwirkende Machatschke, Roland [Moderation] [GND]
    Brandl, Hellfried [Regie] [GND]
    ORF [Produzent]
    Datum 1978.10.09 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ audio
    Format TKA [Tonband auf Kern (AEG)]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-781009_k02
    Medienart Mp3-Audiodatei
    Gesamtwerk/Reihe Mittagsjournal

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    Inhalt

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    Verortung in der digitalen Sammlung

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    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt