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KI-generiertes Transkript
Einen schönen guten Tag, meine Damen und Herren.
Bei diesem Samstagmittag-Mittagsjournal begrüßt Sie Werner Löw.
Und zu Beginn ein Blick auf unseren Programmzettel für die folgenden 60 Minuten Information, ein Blick auf die Schlagzeilen unserer geplanten Beiträge nach den ausführlichen Nachrichten.
Aus dem Inland, SPÖ Landesparteitag in Salzburg, ein Blick in die Kommentarspalten der österreichischen Zeitungen und die Premiere einer neuen Idee für unsere Samstag-Journale, die Sonderserie im Journal zu Gast.
Zu Gast, nämlich zu einem ausführlichen informellen Gespräch, ist heute noch Bauernbund-Präsident Roland Minkowitsch.
Auslandsthemen, der Parteitag des kleinen deutschen Koalitionspartners FDP in Freiburg,
Die Ausgangslage zu den an diesem Wochenende bevorstehenden Regionalwahlen in Italien
und die trotz erwarteten Besucherschwund unvermindert weitergehende Vorbereitung an Moskau auf seine olympischen Sommerspiele.
Die Kulturredaktion schließlich präsentiert einen Bericht über eine Retrospektive des österreichischen Avantgarde-Films, so eine Vorschau auf zwei Konzerte mit historischen Instrumenten in Wien.
Erster Programmpunkt aber wie immer die Nachrichten, Chef vom Dienst Edgar Heider, Sprecher Josef Wenzl-Knatek.
USA.
Anlässlich eines Aufenthalts in New York hat sich Nationalbank-Präsident Corén skeptisch über die Lage der Weltwirtschaft geäußert.
In einer von Unsicherheit und nationalen Gegensätzen gekennzeichneten Periode sei es besonders schwierig, meinte Corén, in der Weltwirtschaft ein geeignetes Instrument zu finden, mit dem sich die Krisensituation bewältigen lässt.
Mangel an politischem Willen, aber auch psychologische Faktoren nach einer langen Periode des ungebrochenen Wohlstands stehen nach Ansicht Korenz heute einer Kooperation und Harmonisierung der Interessen entgegen.
In diesem Zusammenhang hob der Nationalbankpräsident die besonders günstige Lage Österreichs hervor.
Demnach kann Österreich heuer mit einem Zuwachs des Bruttonationalproduktes um mehr als 3% rechnen.
Die Inflationsrate dürfte die 6%-Grenze nicht überschreiten.
Die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten hat den höchsten Stand seit 1945 erreicht.
Wie aus den soeben veröffentlichten Statistiken über den amerikanischen Arbeitsmarkt hervorgeht, wurde in den Monaten April und Mai eine seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erreichte Zuwachsrate von 1,7 Millionen neuen Beschäftigungslosen verzeichnet.
In den Monaten davor waren in den USA durchschnittlich pro Monat 6 bis 6,5 Millionen Arbeitslose registriert worden.
Die Gesamtzahl beträgt nun etwa acht Millionen Beschäftigungslose.
Der außerordentliche Anstieg der Arbeitslosenrate in den USA wird auf die Inflationsbekämpfung zurückgeführt.
Österreich
Der Energiesprecher der Volkspartei König erklärte heute, eine Anhebung der Mehrwertsteuer bei Strom von derzeit 8 auf 18 Prozent wäre ein eklatanter Bruch eines Wahlversprechens.
Die Volkspartei wende sich entschieden dagegen, dass unter dem Vorwand des Zwanges zum Energiesparen neue Steuerbelastungen geschaffen werden, die in Wahrheit nur zum Stopfen von Budgetlöchern dienen, sagte König.
Die Vorsitzende der Katastrophenhilfe österreichischer Frauen, Elisabeth Schmitz, hat heute die gestrigen Äußerungen von SPÖ-Klubobmann Fischer zu Fragen der Kernenergie heftig kritisiert.
Fischer hatte unter anderem angeregt, beispielsweise ein Kernenergiesicherheitsgesetz zu schaffen, das zwar nicht sofort grünes Licht für Atomstrom bedeuten würde, aber die Verwaltung instand setzen könnte, alle nötigen Voraussetzungen zu schaffen.
Frau Schmitz bezeichnete dies heute als Wortbruch an den Wählern.
Mit diesem fragwürdigen Vorgehen mache sich Klubobmann Fischer, der nach der Zwentendorfer Hinterlage der SPÖ das Atomsperrgesetz persönlich eingebracht habe, vor der gesamten österreichischen Öffentlichkeit unglaubwürdig, sagte Elisabeth Schmitz.
Im Salzburger Kongresshaus ist heute der Landesparteitag der SPÖ Salzburg eröffnet worden.
In seiner Begrüßungseinsprache wies Landesparteivorsitzender, Landeshauptmann, Stellvertreter Moritz auf die Erfolge seiner Partei auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene in den vergangenen beiden Jahren hin, warnte aber auch vor einer drohenden ÖVP-Übermacht in Salzburg, USA.
Knapp ein Jahr nach der Unterzeichnung des SALT-II-Vertrages zur Begrenzung der strategischen Rüstung in Wien hat Außenminister Maski die Bereitschaft der USA bekundet, die Ratifizierung des Abkommens zu beschleunigen.
In einer Stellungnahme gegenüber der Presse vertrat Maski die Ansicht, der SALT-II-Vertrag könne gesondert von der sowjetischen Intervention in Afghanistan behandelt werden.
Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Afghanistan hatte Präsident Carter den Senat aufgefordert, das Ratifizierungsverfahren für SALT II vorläufig auszusetzen.
Sowjetunion, USA Nach dem falschen Raketenalarm in den USA hat die sowjetische Nachrichtenagentur TASS eine Verringerung und Begrenzung des Atomwaffenarsenals der beiden Supermächte befürwortet.
Wie aus dem TASS-Kommentar hervorgeht, hat der falsche Alarm in den Vereinigten Staaten die unmittelbare Gefahr einer bewaffneten Auseinandersetzung heraufgeschworen.
Der Fehlalarm ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Washington auf ein Versagen der Computer zurückzuführen, die die amerikanische Verteidigung vor einem Raketenangriff warnen sollen.
Der Fehler wurde erst nach drei Minuten und zwölf Sekunden entdeckt.
In diesem Zeitraum war bereits eine Aktion zur Abwehr des vermeintlichen Angriffes gestartet worden.
Erst nach weiteren 20 Minuten konnte der irrtümliche Alarm zurückgenommen werden.
Auf dem New Yorker Kennedy Flughafen sind drei von zehn Amerikanern eingetroffen, die in Teheran unter der Leitung des früheren Justizministers Ramsey Clark an einer Konferenz über angebliche Verbrechen der USA im Iran teilgenommen haben.
Die amerikanischen Zollbehörden beschlagnahmten Dokumente, die die drei Juristen mit sich führten.
Die Teilnehmer an der Teheraner Konferenz müssen den USA mit einem Prozess rechnen, weil sie gegen ein Reiseverbot in den Iran, das Präsident Carter erlassen hat, verstoßen haben.
Bei einem Verfahren könnten die Amerikaner zu einer maximalen Freiheitsstrafe von zehn Jahren und einer Geldbuße von 50.000 Dollar verurteilt werden.
In einer Pressekonferenz sagten die drei Juristen, bei den Beratungen in Teheran habe niemand verlangt, dass den amerikanischen Geiseln im Iran ein Spionageprozess gemacht werde.
Wenige Tage nach der Einigung über die britischen Beitragszahlungen ist es zu neuerlichen Meinungsverschiedenheiten in der Neuner-Gemeinschaft gekommen.
Anlass dazu ist eine Erklärung des französischen Staatspräsidenten Giscard d'Estaing, wonach vor der Aufnahme neuer Mitglieder zuerst die Probleme des gemeinsamen Marktes gelöst werden müssten.
Großbritannien, die Niederlande und Belgien haben diese Erklärung Giscard d'Estaing entschieden zurückgewiesen.
Die Bundesrepublik Deutschland warnte davor, die Äußerungen des französischen Präsidenten zu dramatisieren.
Mit Jahresbeginn 1981 wird Griechenland Vollmitglied der Europäischen Gemeinschaft.
Beitrittsverhandlungen mit Spanien und Portugal sind noch im Gange.
Die griechische Regierung zeigte sich von der Stellungnahme Giscard d'Estaing überrascht und betonte, dass ihr keine Einwände gegen die Aufnahme Griechenlands bekannt seien.
Der portugiesische Präsident Janis hat jeden Zusammenhang mit den Beitrittsbemühungen seines Landes in Abrede gestellt.
Bundesrepublik Deutschland
Der Wahlparteitag der Freien Demokraten in Freiburg im Breisgau wird heute mit Beratungen über das Wahlprogramm für die Bundestagswahlen am 5.
Oktober fortgesetzt.
Mit überwältigender Mehrheit haben sich die Delegierten für eine neuerliche Regierungskoalition mit den Sozialdemokraten in der kommenden Legislaturperiode ausgesprochen.
Die FDP will aber auch eine absolute Mehrheit der SPD verhindern.
Jugoslawien
Der Dinar ist um 30% gegenüber dem amerikanischen Dollar abgewertet worden.
Dieser Beschluss der Regierung in Belgrad dürfte demnächst auch auf andere Währungen angewendet werden.
Von der DINA-Abwertung ist eine erhebliche Verbilligung der Jugoslawien-Urlaube für westliche Touristen zu erwarten.
Griechenland Das schwedische Fährschiff Zenobia, das am Montag vor der zypriotischen Küste in Seenot geriet, ist heute früh überraschend gesunken.
Personen kam man nicht zu schaden, weil alle Passagiere vor zwei Tagen bei einer Rettungsaktion an Land gebracht worden sind.
Unter den Geretteten befinden sich 25 Österreicher.
Mit dem Schiff sind 150 Lastwagen untergegangen, wovon 23 aus Österreich stammten.
Berlin.
Der 86.
Deutsche Katholikentag wird heute in Westberlin mit einer Reihe von Veranstaltungen fortgesetzt.
Unter anderem wird der umstrittene Tübinger Theologe Hans Küng an einem Streitgespräch über die Zukunft der Kirche teilnehmen.
Küng ist Ende des vergangenen Jahres vom Vatikan die kirchliche Lehrbefugnis entzogen worden.
Veranstaltet wird die Diskussion vom sogenannten Katholikentag von unten, einer Vereinigung von etwa 40 katholischen Basisgruppen.
Italien.
Die Polizei hat in einem alten Kastell in der Nähe der norditalienischen Stadt Alessandria die angeblich größte Heroinfabrik Europas entdeckt.
100 Kilogramm reines Heroin im Wert von umgerechnet etwa zwei Milliarden Schilling konnten beschlagnahmt werden.
Organisiert wurde die Heroinfabrik von 17 Personen, darunter vier französischen Chemikern.
Das Kastell war als Ort für Speiseeiserzeugung getarnt worden.
Das waren die Meldungen.
Die Wetterlage.
Eine Gewitterzone hat Westösterreich erreicht.
Ihre Wetterwirksamkeit ist aber nicht sehr stark.
In der Folge nimmt in Mitteleuropa der Hochdruckeinfluss zu,
Es setzt der Zustrom von Warmluft ein, sodass auch in Österreich das Wetter zunehmend sommerlichen Charakter annehmen wird.
Die Wetteraussichten bis morgen früh.
Im Westen meist stark bewölkt und häufig Regenschauer und Gewitter.
Im übrigen Bundesgebiet aufgelockerte Bewölkung und zum Teil auch sonnig.
Auch hier lokale Gewitter- oder Schauerbildungen.
Schwachwindig, nur in Gewittern kurzzeitiges Auffrischen des Windes.
Nachmittagstemperaturen 18 bis 24, Tiefstemperaturen der kommenden Nacht 6 bis 14 Grad.
Die Wetteraussichten für morgen Sonntag.
Zunächst aufgelockerte Bewölkung oder heiter.
Tagsüber teilweise stärkere Haufenwolkenentwicklung und nochmals lokale Gewitterbildungen.
Schwache bis mäßige gegen Süd drehende Winde.
Tageshöchsttemperaturen 19 bis 25 Grad.
Nun die Messwerte von 12 Uhr.
Wien meldete wolkig bei 21 Grad, Nordwestwind 10 Kilometer in der Stunde.
Eisenstadt wolkig 21, Nord 5, Linz heiter 19 Grad bei Windstille, Salzburg heiter 19 Grad, Südwind 15 Kilometer in der Stunde.
Innsbruck stark bewölkt, 18°, Südostwind 5 km in der Stunde.
Bregenz bedeckt 16°, Windstille.
Graz stark bewölkt, 22°, Windstille.
Und Klagenfurt stark bewölkt, 19°, Südwind 3 km in der Stunde.
Soweit also Nachrichten und Wetter, gelesen von Josef Wenzel-Chnatyk im Mittagsjournal des aktuellen Dienstes.
Und mit unserem ersten Beitrag gehen wir ins Ausland.
In Freiburg in Baden-Württemberg geht nämlich heute der Parteitag der bundesdeutschen Liberalen, der FDP, zu Ende.
Der kleine Koalitionspartner der sozialliberalen Regierung in Bonn tagt immer noch unter dem Eindruck des erschreckenden Stimmenverlusts bei den jüngsten Landeswahlen von Nordrhein-Westfalen.
Bei den letzten Bundestagswahlen vor vier Jahren hatte die Partei Hans-Dietrich Gentschers noch knapp acht Prozent der Wählerstimmen errungen.
Bei späteren Regionalwahlen teilweise erhebliche Verluste erlitten und vor vier Wochen in Nordrhein-Westfalen nicht mehr die Fünf-Prozent-Hürde ins Landesparlament geschafft.
Beim jetzigen Parteitag geht es also um neue Programme, um ein neues Profil, wie Paul Schulmeister berichtet.
Wieder einmal beschworen die westdeutschen Liberalen den Geist von Freiburg, also die Aufbruchsstimmung der Freiburger FDP-Parteitage von 1968 und 1971, als der sozialliberale Kurs eingeleitet wurde.
Doch die Phase stürmischer Reformen in der Bundesrepublik ist vorbei.
Die Wählerstimmung ist nicht auf Veränderung, sondern auf die Erhaltung des Bestehenden von Frieden und Wohlstand ausgerichtet.
So hat die intensive Programmdebatte der FDP auf ihrem Freiburger Wahlparteitag, der am frühen Nachmittag zu Ende gehen wird,
Vor allem zwei Gründe, sich nach dem Schock der Niederlage von Nordrhein-Westfalen, wo die Liberalen nun gleichfalls aus dem Landtag ausgeschieden sind, in ihrer Identität als diskussions- und reformfreudige Partei selbst zu bestätigen.
Also eine Art Autosuggestion zwecks Selbstermutigung unter dem Motto, die FDP als dritte Kraft ist eben unersetzlich.
Zweitens, und wohl wichtiger, geht es für die westdeutschen Liberalen in ihrem Existenzkampf darum,
wieder programmatisch klares Profil, Ecken und Kanten zu zeigen, Anstoß- und Nichtverhinderungspartei zu sein, wie FDP-Chef Genscher erklärte.
Vor allem so hoffen die Liberalen im Getöse der Wahlschlacht zwischen Schmidt und Strauß die Aufmerksamkeit der Wählerschaft auf sich zu lenken.
Das erklärt die Kilopakete von Papieren, Anträgen und Gegenanträgen zum rund 80 Seiten starken Wahlmanifest, das noch heute Mittag mit großer Mehrheit vom Parteikongress beschlossen werden dürfte.
Die gestern verabschiedete Koalitionsaussage für die SPD bis 1984 war praktisch schon seit der Wahl von Franz Josef Strauß zum Unionskanzlerkandidaten vor einem Jahr vorgezeichnet.
Unvermeidlich wurde sie nach dem FDP-Debakel an Rhein und Ruhr, da jedes Anzeichen für einen späteren Koalitionswechsel vier Monate vor der Bundestagswahl zu einer für die FDP tödlichen Verunsicherung der Wähler beigetragen hätte.
Aus diesem Grund war das eigentlich Interessante dieses Freiburger Parteitags zweierlei.
Erstens, wo sieht die FDP kurzfristig die beste Überlebensstrategie?
Laut Genscher eben im weiteren Bündnis mit der SPD als Schmitt-Partei, also gegen deren Linkstendenzen, im radikalen Kampf gegen Strauß,
und in der programmatischen Profilierung, vor allem in der Friedens- und Entspannungspolitik.
Der zweite und langfristig noch interessantere Punkt betrifft die Tendenzverschiebungen innerhalb der FDP, ablesbar an den stundenlangen Debatten, in den vier Arbeitskreisen, dem Plenum und schließlich in den Abstimmungen.
Die junge Wirtschaftspolitikerin Ingrid Matthäus-Meyer begründete den neu erwachten Reform-Eifer vor allem der linken Basis so.
Lasst uns 90% der Wähler vor den Kopf stoßen, wenn uns dadurch nur die restlichen 10% wählen.
Konkret sah das dann so aus, dass es die heftigsten Debatten über Anträge gab, die gesellschaftliche Gleichstellung von Homosexuellen anzustreben, die strafrechtliche Verfolgung von Rauschgift-Süchtigen zugunsten der Therapie einzuschränken,
gleichgeschlechtliche Partnerschaft im Vergleich zur staatlich geschützten Ehe nicht zu diskriminieren und erst recht nicht alternative Formen des Zusammenlebens außerhalb der Ehe, etwa in Wohngemeinschaften.
Es sei ein Test auf die Toleranz der Partei, sagte Generalsekretär Verheugen.
Die radikalen Veränderer setzten sich nicht in allen, aber in vielen Fällen durch.
Für eine etablierte Partei wie die FDP ein erstaunliches Engagement, sichtlich auch vom Wunsch bestimmt, bei gesellschaftlichen Minderheiten Zustimmung und Stimmen zu finden.
Ein klassischer Schwerpunkt des linksliberalen Reformeifers ist auch das Feld der Rechtspolitik, wo der FDP-Parteitag eine Einführung von Volksbegehren und Volksentscheid, eine Einschränkung sowohl der verfassungstreue Überprüfung von Beamten als auch der Antiterrorgesetze forderte, etwa eine Aufhebung des Kontaktsperregesetzes, ferner eine Verschärfung des Datenschutzes, eine verstärkte Kontrolle, sprich Einschränkung der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Geheimdiensten,
sowie eine liberale Praxis des Asylrechts.
Vage blieben die Aussagen zur Atomkraft- und Energiepolitik wohl mit Rücksicht auf die Konkurrenz der Grünen.
Entschieden altliberal die Aussagen zur Marktwirtschaft als Ordnungsprinzip der Gesellschaft.
An der Spitze des Wahlprogramms mit den bedeutendsten Tendenzänderungen steht aber die Friedens- und Entspannungspolitik
wo die FDP an ihre einstige, erfolgreiche Vorreiterrolle in der sozialliberalen Koalition anknüpfen möchte.
Dies nicht zuletzt mit Rücksicht auf den Stimmungswandel in der westdeutschen Bevölkerung, wo offenbar der am meisten Beifall und Stimmen erhält, der in vorsichtiger Distanz zu den USA und getragen vom Verständnis für die Sicherheitsbedürfnisse der Sowjetunion mehr vom Retten der Entspannung als von der Wiederherstellung des militärischen Gleichgewichts spricht.
Entsprechende Vorstöße des linken FDP-Flügels waren so stark, dass die Parteispitze Mühe hatte, die ärgsten Überspitzungen abzublocken, die als Distanzierung von der Bonner Regierungspolitik oder den NATO-Nachrüstungsbeschlüssen erschienen.
Harmlos klingen Forderungen nach einer europäischen Abrüstungskonferenz oder einem Gewaltverzichtsvertrag zwischen NATO und Warschauer Pakt.
Doch vom Expansionsdrang der Sowjets oder von Afghanistan ist entweder gar nicht oder nur am Rande die Rede.
Insgesamt Bekenntnisse zur Entspannungspolitik, die zwar einer offenbar wachsenden, ohne Mich-Haltung und Friedenssehnsucht in der westdeutschen Bevölkerung Rechnung tragen, aber zugleich eine beginnende Aufweichung der bisherigen Sicherheitspolitik in betonter Solidarität mit den USA darstellen.
Von den Ostblock-Beobachtern beim Freiburger Parteitag wurde dieser Trend innerhalb der FDP aufmerksam registriert.
Beim SPD-Parteitag am nächsten Montag und Dienstag in Essen wird er zweifellos seine Entsprechung finden.
Die FDP also auf der Suche nach einem neuen Profil.
Und vom Parteitag einer durch jüngste regionale Wahlergebnisse stark angeknacksten Partei zu bevorstehenden Regionalwahlen.
Und zwar in Italien.
Morgen und übermorgen wählen insgesamt mehr als 42 Millionen Italiener in 15 von 20 italienischen Regionen neue Regional-, Provinz- und Landesparlamente.
Und obwohl 1980 für Italien, anders als für die Bundesrepublik, nicht auch ein nationales Wahljahr ist, so könnte doch auch schon bei den Regionalwahlen jetzt das Schicksal der Regierung in Rom mit auf dem Spiel stehen, Alfons Deimer berichtet.
Worum es geht, lässt die Art, wie die Kommunisten diesen Wahlkampf, wie immer aus der Offensive heraus, gestaltet haben, verstehen.
Sie rufen die Wähler auf,
die gegenwärtige Regierung Kosiga zu stürzen und der Drei-Partei-Koalition der Demokratiachristianer, der Sozialisten und der Republikaner das Lebenslicht auszublasen.
Von Problemen der Regionen und der Provinzen, deren Landes- und Lokalregierungen eigentlich gewählt werden sollten, ist kaum die Rede.
Mit einem ungeheuren Aufwand an Energie, parlamentarischen Manövern und Propaganda
haben sich die Kommunisten den gesteuerten Aussagen eines roten Brigadisten bemächtigt, um einen der prominentesten Gegner ihres Anspruches auf den Einzug in die Regierung, den links-katholischen Christlich-Demokraten Donat Katta, auszuschalten, weil der Jüngste unter seinen vier Söhnen im terroristischen Untergrund verschwunden ist.
Der kommunistischen Partei kommt es darauf an, jede Regierungskoalition unmöglich zu machen, an der sie nicht beteiligt ist.
Im letzten Interview vor den Wahlen sagt heute Enrico Berlinguer, nur ein Votum, das die Niederlage der christlich-demokratischen Führungsgruppe einläutet,
kann die italienische Politik wieder nach links in Bewegung setzen.
Deshalb ist es unser Ziel, die democrazia cristiana zu schlagen und diese impotente Koalition zu stürzen.
Auf der anderen Seite antwortet auch heute der christlich-demokratische Generalsekretär Flaminio Piccoli,
Die nationale Solidarität ist zusammengebrochen, weil die kommunistische Partei nicht loyal war, weil sie sich nie wirklich für den Westen und für die liberale Demokratie entschieden hat, weil sie zu sehr an Moskau gebunden geblieben ist.
Länger auf die Kommunisten in der Mitte des Weges zu warten, würde Italien völlig unregierbar machen, denn sie kommen dem Land nicht entgegen.
Und der Sozialistenführer Bettino Craxi
Eine Koalition mit den Kommunisten ist unmöglich.
Für die jetzige Drei-Parteien-Regierung gibt es keine Alternative.
Wovon die Kommunisten nicht reden, woran sie aber stets denken, ist gerade ihre Macht in den Regionen, die ein echtes Gegengewicht zur Zentralregierung darstellt.
In einigen wichtigen Landesregierungen und großstädtischen Gemeinderäten wie Piemont, Lazio, Campania, Turin, Neapel, Rom
beruht die kommunistische Führung nur auf schwachen Koalitionsmehrheiten.
Das alles könnte am kommenden Montag zusammenbrechen.
Die Kommunisten hoffen auf keinen echten Zuwachs von Stimmen, ungeachtet der 900.000 Erstwähler unter den 42 Millionen Aufgerufenen.
Sie bauen vielmehr auf eine abnormal große Stimmenthaltung als Folge des allgemeinen Überdrusses
wegen der zu heutigen Wahl ginge und aufgrund der um sich greifenden Unzufriedenheit mit der Wirtschaftskrise, mit der Unsicherheit im Alltag und mit den ewigen Politikerfäden.
Die Kommunisten tun alles, um diese Verdrossenheit zu fördern.
Sie hoffen, bei einer niedrigen Wahlbeteiligung und ohne Stimmenzuwachs mit günstigen Prozentsätzen protzen zu können und ihre Stellungen zu halten.
Das war ein Bericht von Alfons Dalma über Regionalwahlen, die morgen und übermorgen in Italien stattfinden.
Regionalwahlen, bei denen fast 90 Prozent aller italienischen Stimmberechtigten, nämlich wäre es für einen nationalen Wahlgang 90 Prozent dieser Anzahl, sind morgen und übermorgen wahlberechtigt.
Ein möglicherweise wichtiger Ausgang.
Und mit unserem nächsten Beitrag kommen wir zurück nach Österreich.
Wir schalten kurz um nach Salzburg.
Denn dort findet derzeit der Landesparteitag 1980 der SPÖ statt.
Die SPÖ Salzburg hat ja jetzt mit über 27.000 Mitgliedern den höchsten Mitgliederstand ihrer Geschichte.
Knapp 600 Delegierte und rund 240 Gäste wurden erwartet.
Um zunächst einmal Referaten zum Motto des Parteitags, nämlich Erreichtes sichern, Wachstum mit neuen Zielen zu lauschen.
Prominentester Redner vor den Salzburger Sozialisten wird Bundeskanzler Kreisky sein, der allerdings erst am Nachmittag zu den Delegierten sprechen soll.
Über den bisherigen Verlauf des Parteitags berichtet aus Salzburg mein Kollege Helmut Holzer.
Der heutige Landesparteitag der Salzburger Sozialisten konnte nicht nur von der Öffentlichkeit, auch von den Delegierten mit größter Gelassenheit erwartet werden.
Ein Wahlerfolg im Vorjahr auf Landesebene im Rücken, dazu der Wahlerfolg auf Bundesebene.
Keine Personaldiskussionen und zurzeit auch keine thematischen Schwerpunkte.
Oder doch?
Gleich zu Beginn des Landesparteitags machten Vertreter des Verbandes sozialistische Studenten auf sich aufmerksam.
Sie beklagten in einem Schreiben, dass die Landesorganisation der SPÖ diese Studentenvertretung streichen werde.
Kritisiert wurde, dass die SPÖ mit ihrer Studentenorganisation nie ernsthaft in Diskussion getreten sei und ihre altbewährte Politik des Verschweigens fortgesetzt habe.
so vor allem in der Wehrpolitik und bei der Behandlung von Minderheiten.
Aufsehen erregte dann auch noch die Anfrage eines Delegierten, der die sozialistischen Mitglieder der Landesregierung kritisierte, da diese sich bei der jüngsten Sitzung des Landtages grundsätzlich mit der ÖVP dafür ausgesprochen hatten, solche Firmen von Aufträgen des Landes Salzburg auszuschließen, die sich im Zusammenhang mit dem Bau des Wiener Allgemeinen Krankenhauses unkorrekt verhalten haben.
den Regierungsmitgliedern der SPÖ wurde vorgehalten, sich an die ÖVP angehängt zu haben.
Landesrat Wolfgang Radleger nahm zu dieser Kritik Stellung.
Wir sind als Regierungsmitglieder ein äußerster
und genauesterweise bemüht, Sauberkeit im Auftragswesen in Salzburg zu erhalten.
Und ich darf daran erinnern, dass für den Landeshochbau seit vielen, vielen Jahren sozialistische Regierungsmitglieder verantwortlich gewesen sind.
Und es ist in Salzburg bisher zu keinem Fall gekommen, wo man in der Öffentlichkeit von Korruption, von Skandal oder Ähnlichem sprechen hätte können.
Und auch das, glaube ich, gehört einmal gesagt.
Nun, wir haben betont, dass wir selbstverständlich auch Maßnahmen bereit sind zu unterstützen, die dann, wenn sich Korruption nachweisen lässt, Firmen von öffentlichen Vergaben ausschließen.
Und so habe ich den Vorschlag gemacht,
die Landesvergabeordnung dahingehend zu ändern, dass wenn eine Firma nach gewisser Massen strafrechtliche Tatbestände gesetzt hat und das kann nur in einem ordentlichen Verfahren vor ordentlichen Gerichten geklärt werden, dass sie dann für eine bestimmte Zeit von Vergaben des Bundeslandes Salzburg ausgeschlossen wird.
Nach dieser Diskussion hielt Landesparteiobmann Dr. Herbert Moritz sein Referat.
Moritz sprach über das in den vergangenen Monaten mehrmals gestört gewesene Salzburger Klima.
Wie er sagte, hätten die Profilneurosen einiger junger ÖVP-Politiker den Hintergrund für etliche Auseinandersetzungen zwischen den Parteien gebildet.
Und für die Zukunft dieses politischen Klimas meinte er,
Die Zusammenarbeit der Parteien im Lande Salzburg kann daher nur erhalten werden, wenn es beim gegenwärtigen Drei-Parteien-System bleibt.
Nur es kann den absoluten Machtanspruch der ÖVP in die Schranken weisen.
Daher besteht wohl ein allgemeines politisches Interesse daran, die derzeitige Benachteiligung der kleinsten Partei zugunsten der stärksten Partei bei der Wahl der Landesregierung auszugleichen.
Wir bieten hierfür unsere Unterstützung an, ohne auch nur die leiseste Gegenforderung zu stellen.
Dieses Angebot an die Salzburger Freiheitlichen kam doch eher überraschend.
Schließlich kritisierte Moritz noch die LandesöVP, indem er sagte,
Die ÖVP hat aus der Serie der letzten Landtagswahlen offensichtlich keine Lehre gezogen.
Sie will nicht wahrhaben, dass jene ÖVP-Landeshauptleute, die nicht ständig mit der Bundesregierung Streit suchen, sondern mit Dr. Kreisky vernünftig sprechen, relativ gut abgeschnitten haben, während die Salzburger ÖVP, die sich bekanntlich immer noch zur Wortführerin einer von ihr erhofften konservativen Länderfront berufen fühlt,
dafür eine Niederlage bezogen hat.
Das Referat des Landesparteiobmannes Dr. Herbert Moritz ist vor wenigen Minuten zu Ende gegangen.
Der Landesparteitag der Salzburger Sozialisten wurde nun unterbrochen und wird am Nachmittag mit einem Referat von Bundeskanzler Bruno Kreisky fortgesetzt.
Helmut Holzer berichtete aus dem Salzburger Kongresshaus vom Landesparteitag 1980 der SPÖ.
Die Kommentatoren der österreichischen Tageszeitungen befassen sich heute vornehmlich mit einem Thema, wie Erich Aichinger festgestellt hat.
Die gestern von Finanzminister Androsch präsentierten Studien der Meinungsforschungsinstitute IFES und FESL über die Steuermentalität der Österreicher sind heute der Anknüpfungspunkt für die Betrachtungen der Kommentatoren in den österreichischen Tageszeitungen.
So heißt es beispielsweise in der Presse unter dem Titel Die Steuerlüge.
Raunzen, Pfuschen, Schmuggeln.
Das sind die Ventile nicht nur des vielgelästerten Wieners, sondern des Österreichers schlechthin, wenn ihn der Schuh im Allgemeinen oder der Finanzminister im Besonderen drückt.
der wiederum trägt's mit Fassung.
Besser ein bisserl steuerfreier Pfusch als weit listigeres, aktives Aufmucken, etwa nach dem Muster ausländischer Steuerwiderstandsparteien.
So lügt man sich gegenseitig in die Taschen, unter die Räder kommt ohnehin nur jener intellektuell angehauchte Mittelstand, dem der Pfusch mangels entsprechender manueller Qualifikationen verwehrt bleibt.
Wolfgang Sperner im ÖVP-Organ Neues Volksblatt.
Pfusch als beliebteste Art des Steuerwiderstandes, Mogeln als Ausweg aus der Steuerschraube und der Geldwertverdünnung, Mogeln auch als stillschweigend geduldetes Ventil bei einem immer explosiver geladenen Dampfkessel an staatlichen Belastungen des Bürgers.
Ein erschreckendes Bild, das seine andere Facette noch durch die Aussage erhält, der Österreicher wisse ganz genau, dass seine Steuergelder ohne dies verpulvert werden.
In dieser Is-eh-alles-wurscht-Stimmung lässt sich der Österreicher steuerlich bis aufs Hemd ausziehen.
Erst wenn ihm auch die Hosen genommen werden, würde er verschämt aufbegehren.
Nur 42 Prozent würden dann eine Partei wählen, die für Steuersenkung ist.
Eines ist doch gewiss.
Unter einer ÖVP-Regierung wäre solch eine Befragung zum Thema Steuerdruck ganz anders ausgefallen.
Was hätte es da nicht, und man muss bekennen, berechtigt, an Protesten, an Gewerkschaftsaktionen usw.
gegeben?
Im Zentralorgan der Sozialistischen Partei AZ, Tagblatt für Österreich, meint Hans Diebold,
Überraschend mag für viele sein, dass der weitere Ausbau der staatlichen Sozialleistungen um den Preis einer höheren steuerlichen Belastung von über 70 Prozent der Berufstätigen abgelehnt wird.
In den Augen der Steuerzahler ist das soziale Netz offenbar dicht genug, ihre weiteren Ansprüche an den Staat halten sich in Grenzen.
Mehr als bisher wird man den Steuerzahlern aber erklären müssen, warum die eine oder andere Ausgabe notwendig ist, wenn man von ihnen mehr Geld haben will.
Denn der Staatsbürger ist zur Leistung seines Beitrages eher bereit, wenn er von der Notwendigkeit der Ausgabe überzeugt ist und weiß, was mit dem Geld geschieht.
Steuersünder gelten bei uns eben als besonders tüchtige Burschen.
Und je mehr der Steuerdruck, zumindest gefühlsmäßig, wächst, desto mehr Tüchtige wird es in diesem Land geben.
Schon heute ist zu hören, nur so komme man zu etwas.
Warum auch Steuern zahlen, womit den Milliarden sowieso Schindluder getrieben wird.
Die öffentliche Hand, das ist die vorherrschende Meinung, gibt unsere sauerverdienten Steuerschillinge keineswegs sparsam, sondern ausgesprochen leichtfertig aus.
Wer hört nicht das Murren unter der Bevölkerung über den Krankenhausskandal?
Und noch eines, die Österreicher sind durchaus bereit, viel zu arbeiten und lassen sich daran auch nicht durch Steuern hindern.
Vielleicht sollten manche hier ihre Klischee-Vorstellungen korrigieren.
Der wichtigste Schluss für die SP-Regierung muss allerdings sein, dass wir nicht mehr zwangsbeglückt werden wollen.
Bitte keine neuen Geschenke mehr.
Sie kosten nur mehr Steuermittel.
Und die Verwirrung wird damit noch größer.
Die Auszüge aus österreichischen Pressekommentatoren, Kommentare nicht aus den Kommentatoren natürlich, hat heute Erich Eichinger zusammengestellt.
Und hier ein kurzer Blick auf die Programmpunkte der noch kommenden knappen halben Stunde.
Es ist jetzt zwei Minuten nach halb eins.
Aus der Kulturredaktion haben wir vorbereitet für Sie einen Bericht über historische Konzerte im Musikvereinssaal und einen Bericht über eine Retrospektive des österreichischen Filmarchivs über
die Avantgarde des österreichischen Films.
Außerdem ein Blick auf die Vorbereitungen der Olympiastadt Moskau.
Zunächst aber eine kleine Premiere im Samstag-Mittag-Journal, den Start einer neuen Reihe.
Ab heute gibt es im Wochenend-Mittag-Journal nicht unbedingt jeden Samstag, wahrscheinlich in eher unregelmäßigen Abständen,
Eine neue Art von Journal extra.
Titel, im Journal zu Gast.
Die Grundidee dabei, Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft oder anderen Bereichen des öffentlichen Lebens in einem etwas ausführlicheren Gespräch ein bisschen näher vorzustellen.
Dabei braucht nicht unbedingt die tagesaktuelle Neuigkeit im Vordergrund zu stehen, obwohl natürlich irgendein aktueller Zusammenhang nie fehlen wird.
Wie es auch bei der ersten Persönlichkeit der Fall ist bei... Im Journal zu Gast.
Heute Roland Minkowitsch.
Roland Minkowitsch, führender ÖVP-Politiker, ist seit 1970 Präsident des ÖVP-Bauernbundes und seit 1975 zweiter Nationalratspräsident, die dem Protokoll nach ranghöchste Staatsfunktion, die die ÖVP gegenwärtig besetzt.
Vor wenigen Tagen hat Minkowitsch völlig überraschend angekündigt, dass er die Funktion des Bauernbundpräsidenten, also seine politische Basisfunktion, im Herbst zurücklegen wird.
Das Amt des zweiten Nationalratspräsidenten wird Minkowitsch weiter behalten.
Rudolf Nagila führte mit Minkowitsch das folgende Gespräch.
Herr Präsident, als einen der wesentlichen Gründe für Ihren Entschluss, dass Sie im Herbst nicht mehr zum Bauernbundpräsidenten kandidieren werden, sagten Sie, Sie wollten anderen Politikern oder überhaupt in der Politik kein Beispiel geben, dass man nicht zu lange am Sessel kleben soll.
Ich persönlich gehe davon aus, dass man in seiner Funktion zu dienen hat.
dass man für ein Amt da ist und nicht das Amt zur Unterstreichung einer Person da ist.
Und dann muss man rechtzeitig genug das Amt in eine andere Hand übergeben, damit man dann auch noch dem Nachfolger entsprechend zur Verfügung stehen kann.
Aus dieser Begründung geht jedenfalls hervor, dass Sie der Ansicht sind, dass in Österreich Politiker zu oft auf ihrem Sessel kleben.
Ich habe es für richtig gefunden, einmal zu demonstrieren, dass man nicht bis zum Umfallen irgendwo in einer Position verbleiben muss und würde das gar nicht nur auf Politiker eingeschränkt wissen wollen.
Sondern auch?
Auch im wirtschaftlichen Management gibt es auch Leute, die einen Unersetzlichkeitskomplex haben.
Ein zweiter Grund, den Sie nannten,
dafür, dass sie im Herbst nicht mehr zum Bauernbundpräsidenten kandidieren werden, der lautete, sie wollen sich in Zukunft mehr mit grundsätzlich politischen Fragen beschäftigen, sie wollen das Gewissen der ÖVP werden.
Wie ist das zu verstehen?
Ich bin überzeugt davon, dass uns ein solcher Typ in unserer Partei wirklich fehlt.
Dass es notwendig ist, dass man jemanden hat, der mit etwas weniger Rücksichtnahme auf die Verpflichtungen seines Amtes gewisse Dinge etwas ungeschmänkter darstellen kann.
Aber das bezieht sich nicht nur auf die Parteifreunde, sondern insgesamt auf die gesamte politische Landschaft.
Man soll Lebende nicht mit Verstorbenen vergleichen.
Dennoch erlauben Sie mir die Frage, vorgestern ist der frühere Nationalratspräsident, Minister der SPÖ, Karl Waldbrunner, verstorben.
Der war das irgendwie, zeitenweise, in der SPÖ, ein Gewissen der Partei, hat im Hintergrund gewirkt.
Denken Sie an eine ähnliche Rolle?
Sie haben damit einen Namen genannt, den ich mir durchaus in diesem Punkt als ein Vorbild vorstelle.
Wollen Sie dieses Gewissen der Partei mit den Parteiführern im stillen Kämmerlein sein oder auch in der Öffentlichkeit?
Sowohl als auch.
Gibt es derzeit Anlässe, um der ÖVP oder den Politikern überhaupt ins Gewissen zu reden?
Die Politik ist ein so schwieriges Geschäft, dass es immer jemanden nötig hätte, dass man auch nach den gewissen Grundwerten demokratischen Vorgehens vorgeht, dass das auch gesagt wird.
Auch in Ihrer eigenen Partei?
Auch in der eigenen Partei, natürlich.
Könnten Sie da Beispiele nennen?
Nein, lieber nicht.
Warum nicht?
Weil ich ja noch monatelang Bauernbundpräsident bin.
Und weil ich mir vorgenommen habe, die Rücksichtnahmen auf dieses Amt bis zur letzten Minute in jeder Beziehung wahrzunehmen, was auch auf die Verhandlungsführung bei den jetzt laufenden schwierigen Wirtschaftsgesetzen und so weiter auch zutrifft.
Mit voller Kraft bis zum letzten Augenblick.
Herr Präsident, wenn Sie auf Ihre 20, 30 Jahre aktiver politischer Betätigung jetzt zurückblicken, was war denn Ihr größter politischer Erfolg?
Ich würde an die Spitze stellen, dass es meiner tätigen Mithilfe gelungen ist, die absolute Einheit der österreichischen Volkspartei zu bewahren.
Da gibt es Zusammenhänge, über die ich vielleicht später mal etwas sagen und auch schreiben werde.
Wann war das?
In den Anfängen der 70er Jahre.
Als die Partei in die Opposition musste?
Als die Partei in die Opposition musste, als noch niemand von den einzelnen aufgestellten Fallen in den schönen Wiesen, die es dort gegeben hat, überall Kenntnis nehmen wollte und als es gar keine Selbstverständlichkeit war, dass man nicht in die Fallgruben hineingestoppert ist.
Und da konnten Sie mit verhindern, dass die Partei nicht in ihre Bünde zerfällt?
Jawohl, das nehme ich für mich in Anspruch.
Das war Ihr größter Erfolg und was war Ihr größter Misserfolg?
Jeder Politiker, jeder Mensch hat auch Misserfolge.
Da gibt es bestimmt einige Dinge, die nicht so gelaufen sind, aber das halten wir ohne dies die anderen vor, die muss ja nicht ich noch besonders auch unterstreichen.
Sie könnten eine ganz andere Meinung dazu haben als Leute, die Ihnen vielleicht kritisch gegenüberstehen.
Sagen wir ein Beispiel, ohne konkret zu sein, dass ich, weil ich vielleicht zu sehr das Maß auf meinen eigenen Schuhen nehme, vielleicht um ein bisschen zu lange in einem Gesprächspartner dasselbe Maß an Fairness voraussetze, das ich selbst geben würde.
Das ist in der Politik nicht mehr so drinnen wie noch vor
Also in früheren Zeiten.
Sind Sie da oft enttäuscht worden?
Einige Male sehr.
Herr Präsident, Sie waren seit 1975 zweiter Präsident des Nationalrats und seit 1970 Präsident des Bauernbundes.
Sie waren also die letzten fünf Jahre, wenn man will, ein Doppelpräsident.
Hat das manchmal irgendwelche Unvereinbarkeiten mit sich gebracht?
Ich habe keine gesehen.
Es gibt auf derselben Etage einen anderen Doppelpräsidenten auch.
Der Präsident Peña.
Präsident Peña.
Entschuldigung, den man manchmal gerade von ÖVP-Seite oder aus ÖVP-Nähe gesagt hat, nachgesagt hat, das sei irgendwo unvereinbar, gleichzeitig Präsident des Parlaments und Präsident des ÖGB zu sein.
Es kommt ganz auf die Gestion an, wie man seine Funktionen wahrnimmt.
Ich möchte dazu nicht Stellung nehmen.
Aber ich habe festgestellt, dass gerade dieses Näheverhältnis manche Entwicklungen, die sich sorgenvoll angelassen haben in der österreichischen Innenpolitik, bereinigt wurden, bevor es zu Eklat gekommen ist.
Herr President, zu Ihrer privaten Situation.
Sie haben hier in Mannersdorf im östlichen Niederösterreich einen Weinbauernhof.
Bewirtschaften Sie den noch selbst?
Im Wesentlichen bewirtschaftet den schon mein Sohn mit seiner sehr tüchtigen Schwiegertochter.
Im Wesentlichen, das heißt Sie arbeiten noch etwas mit?
Meine Frau arbeitet im Betrieb hier noch entsprechend mit und ich selbst konzentriere mich auf die Schulung der Weine in Zusammenarbeit mit meinem tüchtigen Sohn.
Ich freue mich sehr, dass er die hohen Qualitätsanforderungen, die wir an unseren Weinbau gestellt haben, in würdiger Form weiter fortsetzen wird.
Jetzt müssen Sie noch sagen, was Schulung der Weine genau heißt.
Überwachung des Gärungsverlaufes.
Damit fängt es schon an, nicht?
Überwachung des Weines im Keller.
Überwachung des Weines im Keller.
Vor allem des Jungweines im Keller.
Noch eine allerletzte Frage.
Das Wetter war heuer bis jetzt nicht sehr gut.
Die Vegetation ist ungefähr zwei Wochen hinten nach.
Wie wird denn da der Weinjahrgang 1980 voraussichtlich werden?
Obwohl man Prognosen eigentlich nie wagen soll, aber der 80er wird kein großer Jahrgang werden.
Danke Herr Präsident.
Rudolf Nagilla sprach mit Roland Minkowitsch in der ersten Ausgabe von... Im Journal zu Gast.
Eine Samstagsserie, die wir ab heute in unregelmäßigen Abständen fortsetzen wollen.
In 42 Tagen beginnen in Moskau die Olympischen Sommerspiele 1980.
Spiele, die durch den von den USA geforderten Olympia-Boykott wegen der sowjetischen Afghanistan-Intervention ein sehr besonderes politisches Profil bekommen haben.
Über 50 Staaten sind ja bekanntlich dem Boykott-Aufruf gefolgt.
Mehr als 80 Staaten werden trotz Boykott-Appell in Moskau teilnehmen.
Jetzt wird dort auch offiziell eingeräumt, dass statt der erwarteten 300.000 ausländischen Besucher nur mehr mit insgesamt rund 100.000 Touristen, Sportlern und Berichterstattern gerechnet wird.
Die Vorbereitungen laufen aber unvermindert präzis weiter.
Laut Otto Hörmann sogar bis hin zum Wetter.
Der Sowjetstaat und seine Ideologen haben die gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Zukunft fest im Griff.
Das weiß jeder Zeitungsleser.
Dass die Meteorologen hier in Moskau aber auch schon das Olympia-Wetter festgelegt haben, ist vielleicht noch eine Neuigkeit.
Also hier der Wetterbericht für das Olympische Moskau.
Durchschnittstemperatur 17 bis 18 Grad, an manchen Tagen bis 25 Grad ansteigend.
Im Großen und Ganzen niederschlagsfrei.
Moskau ist praktisch bereit für die Olympischen Spiele.
Das war laut Barti dieser Tage Bürgermeister Promislow.
Neuigkeit ist das eigentlich keine, denn es gehört schon längst zur offiziellen Linie, die Spiele zwar als Ereignis fast historischer Dimensionen zu preisen, andererseits aber so zu tun, als hätte man das alles früher oder später sowieso gebaut.
Romislov hat jetzt auch mit einer neuen Zahl hinsichtlich der Olympia-Ausgaben aufgewartet.
Dieses bisher 230 Millionen Rubel,
So heißt die Parole jetzt 1,3 Milliarden Rubel, umgerechnet 26 Milliarden Schilling.
Es wird nie gesagt, was eingerechnet wird, also ersetzt eine Hausnummer die andere.
Die Stadt wird auf Vordermann gebracht.
Es gibt jetzt auch einen olympischen Subotnik.
Noch einen Tag, an dem die Werktätigen unentgeltlich roboten dürfen.
Meine Sekretärin Svetlana wird am Samstag, dem 14.
Juni auf den Leningbergen Blumenbeete jäten und Bäumchen setzen.
größeren Ruhm der saubersten Großstadt der Welt.
In diesen Tagen rollen Autobuskolonnen mit roten Fähnchen geleitet von Polizeieskorten vor die Stadt hinaus.
In den Bussen sind Schulkinder, die jetzt nach Schulschluss in die Pionierlager gebracht werden, wie jedes Jahr um diese Zeit.
Aber das ist sicher nicht jene vorolympische Evakuierung, von der manch eifriger Reporterkollege noch vor Monaten zu glauben hörte.
Allerdings
hatte man ursprünglich immer mit 300.000 ausländischen Gästen geprahlt, zu dem sich die Veranstalter jetzt mit der Zahl 100.000 zufrieden.
Touristen, Sportler und Berichterstatter, alles zusammen.
Und Bürgermeister Promislow hat auch gleich eine islamisch-fatalistische Sentenz parat.
Es ist besser, wenn weniger Leute kommen, dann kriegen sie ein besseres Service.
Moskau wird Sommerspiele der langen Wege abhalten.
Die Objekte sind über die ganze acht Millionen Stadt verteilt, um den Transit schnell zu machen, während 20.000 Fahrzeuge zur Verfügung stehen, die auf sogenannten olympischen Trassen bevorzugt verkehren dürfen unter einer grünen Welle.
Ab 10.
Juli werden in Moskau verschiedene Verkehrsbeschränkungen in Kraft treten.
Noch eine gute Nachricht.
In Moskau ankommende Sportler werden im olympischen Dorf innerhalb von drei Minuten akkreditiert.
Wie lange sie am Flughafen brauchen werden, um überhaupt hereinzukommen ins fortschrittlichste Land der Welt, werden wir sehen.
Die Zollabfertigung ist 42 Tage vor Olympia nervenaufreibend wie eh und je.
Man muss eine Zolldeklaration ausfüllen und dort auch die eingeführten Valuten angeben.
Olympia-Maskottchen Mischa lädt also in ein nach wie vor nicht ganz perfektes Land ein.
Und etwa 14 Minuten vor 1 Uhr, eine Minute nach dreiviertel eins, zu unseren Kulturberichten.
Im Rahmen des Musikfestes der Wiener Festwochen im Musikverein sind zwei Konzerte angesetzt, die dem Besucher historische Konzertprogramme bieten.
Heute Abend wird die Programmabfolge des am 19.
Jänner 1870 veranstalteten Abschiedskonzerts von Klara Schumann wiederholt.
Die Ausführenden, dieses in Zusammenarbeit mit der Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums veranstalteten Konzerts, sind Elisabeth Leon-Skaja, Gundula Janowicz, Josef Suk und Robert Freund.
Am Dienstag dann ist ein Konzert zu hören, dessen Programm dem diesjährigen Festwochenmotto ganz entspricht.
Das ORF-Sinfonieorchester unter der Leitung von Hans Graf spielt nämlich das Programm eines Arbeiter-Sinfonie-Konzertes, das der Komponist Anton von Webern im November 1926 im großen Musikvereinssaal in Wien dirigierte.
Walter Gellert berichtet.
Klares Schumanns Abschiedskonzert im Jahre 1870 war auch gleichzeitig der Eröffnungsabend des kleinen Saales, des heutigen Brahmssaales, im neuen Haus der Gesellschaft der Musikfreunde.
Die Pianistin hatte im Winter 1837-38 in Wien mit großem Erfolg einige Konzerte gegeben und war seit dieser Zeit Ehrenmitglied der Gesellschaft.
Auf dem Programm des Abschiedskonzertes standen Klavierstücke von Mendelssohn Bartholdy, Ernst Rudolf, Chopin und Schumann und Lieder von Schubert, Brahms und ebenfalls Schumann.
Dazu kam noch das Trio für Pianoforte, Violine und Walthorn, Op.
40 von Johannes Brahms.
Dieses Trio wird heute Abend auf
Instrumenten gespielt.
Untertitel der Amara.org-Community
Elisabeth Leon Skyer spielt dieses Konzert auf einem Hammerflügel von Johann Baptiste Streicher aus dem Jahre 1868.
Welcher Unterschied besteht nun im Spiel im Vergleich zu einem modernen Konzertflügel?
Es war ein unwahrscheinliches Gefühl vom Gesang.
Also ein bestimmliches Gesang, das vom Klavier kommt.
Und moderne Klavier, die können besser oder schlechter sein, die können sein,
gut, die können sein wie eine Maschine und das würde ich sagen, das ist ein unwahrscheinlicher Mensch, dieses Klavier hier.
Dazu kann ich sagen nur, dass ich bin verliebt in dieses Klavier.
Den Hornpart im Trio von Brahms spielt Robert Freund.
Er verwendet ein Inventionshorn aus Böhmen aus der Mitte des 19.
Jahrhunderts, also ein Naturhorn ohne Ventile.
Brahms selbst ist das Trio besonders am Herzen gelegen.
Robert Freund?
Er hat ganz großen Wert darauf gelegt, dass dieses Horn-Trio auf dem Naturhorn gespielt wird.
Brahms selbst war Hornist, das wissen die wenigsten.
Er hat Hornetüden geschrieben, natürlich selber gespielt und in Wien wurde das Brahms-Trio zum ersten Mal aufgeführt und da sollte der Solo-Hornist der Wiener Oper
den Hornpart spielen, der hat sich aber nicht bereit gefunden, das auf dem Naturhorn zu erlernen, sondern er wollte es auf dem Ventilhorn spielen, weil es ziemlich schwierig ist.
Und Brahms hat ihn daraufhin nicht genommen, sondern er hat sich den damals zweiten Hornisten genommen, der eben bereit war,
sich wochenlang mit dem Naturhorn so weit auseinanderzusetzen, dass man auch dieses schwierige, doch fast schon chromatische Werk, das heißt zwar Es-Dur, aber im Prinzip ist es fast chromatisch, dass er auch dieses darauf spielen konnte.
Ebenfalls ein historisches Programm ist Dienstagabend im Großen Musikverein Saal zu hören.
Ein Programm, das zum Motto der diesjährigen Festwochen passt.
Seit 1905 wurden nämlich vom Verein Sozialdemokratische Kunststelle Arbeitersymphonie-Konzerte veranstaltet, die einem musikalisch weniger gebildeten Publikum anspruchsvolle musikalische Literatur einschließlich zeitgenössischer Musik näherbringen sollten.
So waren hier zum Beispiel Prokofiev, Mahler und Schönberg zu hören, bevor sie in Wien noch richtig beachtet wurden.
1923 übernahm Anton von Webern die Leitung dieser Konzerte, deren Programme er bis 1934 gestaltete und in denen er sich für Werke von Beethoven, Reger, Berg, Schönberg, Eisler und Gustav Mahler einsetzte.
Ein Beispiel für Weberns Programmgestaltung ist das Konzert vom 11. und 14.
November 1926 im Großmusikvereinssaal, in dessen Mittelpunkt Mahlers klagendes Lied in der Fassung vom Jahre 1898 stand.
Da flattern die Dohle nun ruhig.
Da liegt ein blonder Ritterstern, und ob Blättern und Blüten begraben,
Neben dem klagenden Lied von Mahler waren in dem Arbeiter-Sinfonie-Konzert Beethovens Choreolan-Overtüre und Liszts Totentanz für Klavier und Orchester zu hören.
Für den jungen Dirigenten Hans Graf, Karl-Böhm-Preisträger des Jahres 1979, steht bei der Programmgestaltung ein Gedanke im Hintergrund.
Das ist C-Moll für mich und Tod.
Obwohl also die Choreolana natürlich nicht unbedingt ein Todesstück ist, sie ist aber der Totentanz auf jeden Fall und auch der Maler mit dem Zitat aus dem Toten Choral und das ganze Stück handelt ja um den Tod des jungen Bruders.
Also das ist in sich schon sehr abgeschlossen.
Soweit Hans Graf, der das Programm des Arbeiter-Sinfonie-Konzertes vom November 1926 mit dem ORF-Orchester und dem ORF-Chor aufführt.
Solist des Liszt'schen Totentanzes ist Peter Lang.
Zwei historische Konzertprogramme also im Rahmen der Wiener Festwochen im Musikverein heute und Dienstagabend.
Gestern hat das österreichische Filmarchiv gemeinsam mit dem Wiener Z-Club im Rahmen der Wiener Festwochen Alternativ eine Retrospektive über den österreichischen Avant-Garde- und Underground-Film 1950 bis 1980 gestartet.
Also ein Rückblick auf die vergangenen 30 Jahre.
Bis zum 12.
Juni werden täglich um 18.20 Uhr und um 22 Uhr im Z-Club Wien 7, Kirchengasse 23 insgesamt an die 200 Filme von mehr als 30 österreichischen Filmemachern gezeigt.
Diese Retrospektive zeigt das österreichische Filmarchiv dann ab 14.
Juni bis zum Oktober im Alten Schloss in Laxenburg und vom 12. bis zum 17.
Juni wird sie auch auf der Kunstmesse in Basel vorgeführt.
Karim Bauer sprach mit zwei Vertretern des österreichischen Avantgarde-Films, mit Peter Waibl und Ernst Schmidt Junior, der diese Avantgarde-Retrospektive auch zusammenstellte und darüber eine Broschüre verfasste.
Ernst Schmidt Junior, nach welchen Schwerpunkten ist diese Programmierung erfolgt?
Ist das quasi eine Art Geschichte der österreichischen Avantgarde?
Ja, das Programm gibt im Wesentlichen einen Überblick über die Geschichte des österreichischen Avantgarde-Filmes von den Anfängen, das ist um 1950 bis zur Gegenwart.
Die ersten Filme sind Experimente mit einer narrativen Form.
Das heißt, das sind Handlungsfilme, wo mit der Handlung experimentiert worden ist.
Das sind wesentliche Mitarbeiter, zum Beispiel der Gerhard Röhm,
Der Konrad Beyer, die haben zusammen mit Herbert Wessele Filme gemacht, mit Peter Kubelka, mit Feri Radax.
Die zweite Gruppe ist das, dass dann die Handlung aufgegeben worden ist, eine sogenannte strukturalistische Firma.
Da waren hauptsächlich beteiligt Peter Kubelka, der das schon sehr früh gemacht hat, 1957, dann Kurt Grain, Marc Adrian und andere.
Also die haben sich beschränkt, quasi abstrakte Filme zu machen, wo sie von den Einzelkader ausgehen.
Dann gibt es eine große dritte Gruppe, die 60er-Jahre, die Underground-Filmbewegung, die hat zum Teil auch politischen Hintergrund, große Aufbruchbewegung.
Dann hat es ein bisschen abgeflaut.
Viele Künstler sind ins Ausland gegangen oder haben sich mit Video beschäftigt hauptsächlich.
Und in den letzten Jahren ist interessant, dass wieder neue Leute kommen.
wie der Campinger oder die Lisl Bonger oder die Maria Lassnig, die eigentlich sehr spät angefangen hat, in New York Trickfilme zu machen.
Und es ist auch der Frauenfilm jetzt wieder sehr stark im Vordergrund.
Ich denke nur an Wally Export, die den ersten berühmten Spielfilm gemacht hat, Unsichtbare Gegner, die auch auf der Biennale heuer Österreich vertritt, zusammen mit der Filmmacherin Maria Lassnig, die wir auch zeigen.
und auch die Friederike Blitzsoldi.
Unter welchen Bedingungen arbeiten die österreichischen Filmemacher?
Ja, ursprünglich war es so, dass die ersten Filme sind eigentlich Auftragsfilme.
Die frühen Handlungsfilme mit der narrativen Form sind eigentlich schon Mäzene, die Filme finanziert haben.
Während die Undergroundfilme der 60er-Jahre sind eigentlich völlig frei von den Filmmachern selbst finanziert worden, die einen normalen Beruf gehabt haben und die Filme quasi wie Amateure gemacht haben, nur halt von einem anderen ästhetischen Standpunkt aus.
In letzter Zeit ist durch die Unterstützung des Unterrichtsministeriums natürlich möglich gewesen, wie eben zum Beispiel die Wale-Export oder mein Wien-Film, dass man eben längere Filme macht, die kann man dann nicht mehr privat machen.
Da ist man wieder auf einen Mäzen angewiesen.
Nur jetzt ist der Mäzen quasi der Staat oder die Stadt.
Früher hat es auch private Mäzene gegeben, also in den 50er Jahren.
Peter Waibl, welche Stellung nehmen Sie persönlich innerhalb der österreichischen Avantgarde ein?
Auf den Film bezogen ist es so, dass ich eben den Ernst Schmid 1965 kennengelernt habe und auch den Hans Scheukl.
Und wir haben zusammen die Austria Filmmakers Kooperative gegründet, die, glaube ich, die radikalste und treibendste Kraft dieser ganzen Filmbewegung gewesen ist, weil wir haben nicht nur Filme gemacht, wir haben auch, was sehr wesentlich war, Kulturpolitik gemacht, wir haben Streiks gemacht, wir haben Protestaktionen gemacht und wir haben auch viele Artikel geschrieben, theoretische Natur, auch über den österreichischen Film, Avantgarde-Film.
Und in dieser Zeit, ab 67, habe ich im Gegensatz zu meinen Vorgängern, die eher die Beziehungen der einzelnen Bildkader untereinander untersucht haben, untersucht die ganzen anderen Elemente des Films zueinander.
Also die Position der Kamera, dass es eine Leinwand gibt, dass es einen Ton gibt.
Und ich habe dann diese Elemente vertauscht, habe sie umgestülpt, habe sie verdreht.
Und dadurch ist das erweiterte Kinn entstanden.
Ich habe dann zum Beispiel die Filme nicht mehr auf die Leinwand projiziert, sondern auf mich.
Wenn ich den Film auf meinen nackten Oberkörper projiziere,
kann ich nicht nachdenken, was produziere ich jetzt drauf.
Eine Wolke, die auf meine haarige Brust produziert wird, hat einen anderen Gedankengang, als wenn ich die Wolke einfach auf einer Filmleinwand produziere.
Und aus dem sind dann neue Formalismen entstanden, die dann wiederum später dann, also Mitte der 70er Jahre, zurückgeführt worden sind in den normalen Filmen.
Über das Drehbuch gemacht, Unsichtbare Gegner, da habe ich diese Überlegungen wieder rückgeführt, eben in den Kader des normalen Films.
Ja, und damit kommen wir zum Schlusspunkt dieses Journals, Kurznachrichten.
Österreich.
In Salzburg ist heute der Landesparteitag der Salzburger SPÖ eröffnet worden.
Landesparteivorsitzender Moritz wies auf die Erfolge der SPÖ auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene in den vergangenen Jahren hin.
Der Freiheitlichen Partei sicherte Moritz Unterstützung ihres Verlangens nach stärkerer Vertretung in der Landesregierung zu.
Die Salzburger ÖVP kritisierte er wegen mangelnder Verhandlungsbereitschaft mit der Bundesregierung.
USA.
Anlässlich eines Aufenthalts in New York hat sich Nationalbank-Präsident Coren skeptisch über die Lage der Weltwirtschaft geäußert.
Coren meinte, in einer von Unsicherheit und nationalen Gegensätzen gekennzeichneten Periode sei es besonders schwierig, ein geeignetes Instrument zu finden, mit dem sich die Krisensituation bewältigen lasse.
Einer Harmonisierung der Interessen stehen seiner Ansicht nach Mängel an politischem Willen, aber auch psychologische Faktoren nach einer langen Periode des ungebrochenen Wohlstandes gegenüber.
Finanzminister Androsch reist morgen zu einem einwöchigen Besuch in die USA.
Androsch will sich einen Überblick über die Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten verschaffen und Informationen über wirtschaftspolitische Maßnahmen der amerikanischen Regierung erhalten.
Und das war es auch, die letzte Journalausgabe dieser Woche.
Ein schönes Wochenende mit halbwegs schönem Wetter wünscht Ihnen noch Werner Löw.
Einblendung: SPÖ-Landesrat Wolfgang Radlegger, Landeshauptmannstellvertreter Herbert Moritz
Mitwirkende:
Holzer, Helmut [Gestaltung]
, Radlegger, Wolfgang [Interviewte/r]
, Moritz, Herbert [Interviewte/r]
Datum:
1980.06.07 [Sendedatum]
Ort:
Salzburg [Veranstaltungsort]
Schlagworte:
Politik Österreich
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Gesellschaft
;
Wirtschaft
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Radiosendung-Mitschnitt
;
20. Jahrhundert - 80er Jahre
Typ:
audio
Inhalt:
Nachrichten
Einblendung: Probeausschnitt aus Brahms Trio für Horn, Violine und Klavier Es-Dur op. 40 auf historischen Instrumenten, Elisabeth Leonskaja, Robert Freund, Ausschnitt aus Mahlers "Das klagende Lied"
Mitwirkende:
Gellert, Walter [Gestaltung]
, Leonskaja, Elisabeth [Interpret/in]
, Leonskaja, Elisabeth [Interviewte/r]
, Freund, Robert [Interpret/in]
, Freund, Robert [Interviewte/r]
, Graf, Hans [Interviewte/r]
Datum:
1980.06.07 [Sendedatum]
Ort:
Wien, Musikverein [Veranstaltungsort]
Schlagworte:
Politik Österreich
;
Gesellschaft
;
Kultur
;
Musik ; E-Musik
;
Radiosendung-Mitschnitt
;
20. Jahrhundert - 80er Jahre
Typ:
audio
Inhalt:
Nachrichten
Sammlung Radio Mitschnitte der Österreichischen Mediathek
Sammlung Radio Mitschnitte der Österreichischen Mediathek
Mit dem Wort „Mitschnitt“ ist eine audiovisuelle Aufnahme gemeint, die von einer fixen Anlage an einem festen Ort durchgeführt wird. Im Vergleich zu „Feldaufnahmen“, bei denen die technische Anlage immer wieder neu aufgebaut werden muss, sind Mitschnitte organisatorisch einfacher durchzuführen. Ein wichtiger Teil des Archivs der Österreichischen Mediathek besteht aus Radio-Mitschnitten, welche die Österreichische Mediathek selbst angefertigt hat und weiterhin anfertigt. Es wurden und werden viele Radioprogramme österreichischer Sender selektiv mitgeschnitten. Die Fülle des Angebotes und die vergleichsweise geringen quantitativen Möglichkeiten stellen die Österreichische Mediathek hier vor erhebliche Selektionsprobleme. Dennoch stellen Mitschnitte eine weitere wichtige Möglichkeit dar, das medial vermittelte Zeitgeschehen zu dokumentieren. Bei den Rundfunkmitschnitten nehmen die seit 1976 durchgeführten Mitschnitte der Journalsendungen des ORF – Ö1-Mittagsjournal, Abendjournal etc. – einen besonderen Platz ein, wegen der schieren Menge des darin versammelten zeitgeschichtlichen Quellenmaterials, aber auch, weil sie seit einiger Zeit via Internet (www.journale.at) in der Österreichischen Mediathek zugänglich sind (derzeit: 1967 bis1999). In jüngerer Zeit tritt neben die Möglichkeit des Mitschnittes von Rundfunkmaterial der Download aus dem Internet, der allerdings wieder eigene Probleme, nicht zuletzt rechtliche, aufwirft. Für die Online-Edition "Österreich am Wort" wurde versucht, einen repräsentativen Querschnitt aus den Archivbeständen der Österreichischen Mediathek auszuwählen.