Mittagsjournal 1985.02.19

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    Rechtliches

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    KI-generiertes Transkript

    Die Zeit?
    In fünf Sekunden ist es 12 Uhr.
    12 Uhr.
    Hier ist der österreichische Rundfunk.
    Guten Tag meine Damen und Herren, eine angenehme Mittagsstunde.
    Beim Mittagsschonal am Faschingsdienstag begrüßt Sie Werner Löw.
    Folgende Themen stehen auf unserem Programmzettel für die kommende Stunde.
    Die Sowjetunion bietet Österreich die Übernahme von etwaigem Atommüll aus Zwentendorf an.
    Zu dieser Meldung von gestern Abend erwarten wir heute Stellungnahmen von Bundeskanzler Sinowaz und ÖVP-Generalsekretär Graf.
    Seit einer Stunde berät der Parteivorstand der Freiheitlichen über das angeblich parteischädigende Verhalten des Kärntner Landesrats Jörg Haider.
    Und wir haben schon vorher ein bisschen die Stimmung in der blauen Führungsriege eingefangen.
    Und zum überraschenden Rücktritt von Bautenminister Seekanina in seiner Funktion als Vorsitzender der Gewerkschaft Metall-Bergbau-Energie gibt's heute Vermutungen und Spekulationen in den Pressekommentaren.
    Auch das wichtigste Auslandsthema im heutigen Mittagsjournal spielt auf österreichischem Boden.
    In Wien hat vor rund zwei Stunden der sowjetisch-amerikanische Meinungsaustausch über Fragen des Nahen Ostens begonnen.
    Vom zweitägigen Treffen der Nahost-Experten der Supermächte sind zwar keine Verhandlungen im eigentlichen Sinn zu erwarten, aber immerhin ist es das erste Nahostgespräch zwischen Amerikanern und Russen seit fast acht Jahren.
    Ein Wirtschaftsthema noch, nämlich die morgen beginnenden Freizeitenmessen auf dem Wiener Messegelände, wo vom Urlaubmachen bis zum Fliegen, vom Segeln bis zum Radfahren Ideen und Geräte angeboten werden.
    Im Kulturteil des Mittagsschonals dann ein Gespräch mit Hans Landesmann, dem Musikdirektor des Malerfestivals in London und ein Bericht von einer Buchpräsentation, Buchtitel Die Ringstraßengesellschaft.
    Die Nachrichten beginnen aber mit einer Meldung von einer Flugzeugkatastrophe in Spanien, von der wir einstweilen noch keine weiteren Einzelheiten haben.
    Zusammengestellt hat die Meldung an Helmut Koller.
    Gelesen werden sie von Maria Piffl.
    Spanien.
    Beim Absturz eines Verkehrsflugzeuges der Type Boeing 727 der spanischen Luftfahrtgesellschaft Iberia in der Nähe von Bilbao sind heute früh mehr als 140 Menschen ums Leben gekommen.
    Die Maschine befand sich auf einem Inlandsflug von Madrid in die baskische Hafenstadt Bilbao.
    Kurz vor der Landung prallte sie aus bisher noch unbekannter Ursache etwa 30 Kilometer östlich der Stadt gegen einen Berg.
    Nach Mitteilung der Flughafenbehörden sei die Sicht zum Zeitpunkt des Unglücks allerdings relativ gut gewesen.
    Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht gemeldet.
    Auf den Generaldirektor der Banco Central, der größten spanischen Privatbank, ist heute früh ein Mordanschlag verübt worden.
    Der Bankdirektor wurde von mehreren Schüssen getroffen, als er seine Wohnung in der Innenstadt von Madrid verließ.
    Die Attentäter, angeblich vier Männer, konnten unerkannt entkommen.
    Bisher hat sich noch keine Organisation zu diesem Anschlag bekannt.
    Österreich
    Der Vorstand der Freiheitlichen Partei berät derzeit in Wien über das Verhalten des Kärntner Landesparteiobmannes Jörg Haider.
    Bereits gestern Abend tagte das FPÖ-Präsidium.
    Vor Beginn der Sitzung sagte Parteichef Steger, Haider müsse einsehen, dass er im Wesentlichen zu weit gegangen sei.
    Das werde ihm die Partei deutlich machen.
    Der Kärntner FPÖ-Chef sieht sich hingegen mit einem starken Mandat ausgestattet.
    Heider betonte, es habe in einer Präsidiums- und Vorstandssitzung der Kärntner Freiheitlichen Beschlüsse gegeben, nicht zu resignieren.
    Durch das jüngste sowjetische Angebot unter Umständen österreichischen Atommüll zu übernehmen und über die Problematik grundsätzliche Verhandlungen zu führen, hat die Diskussion über die Frage Zwentendorf neue Nahrung erhalten.
    Die Industrie sieht in dem jüngsten sowjetischen Offert eine ernstzunehmende Variante, die man eingehend prüfen müsse.
    Entgegen so mancher politischer Behauptung gebe es im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes somit sehr wohl neue Fakten, argumentiert die Industriellenvereinigung.
    Grundsätzlich spricht sie sich dafür aus, den Bau weiter zu konservieren.
    Es sei sinnlos, eine so wichtige wirtschaftspolitische Frage unter extremem Zeitdruck zu diskutieren, betont die Industrie.
    ÖVP-Generalsekretär Graf sagte, das Telegramm aus Moskau sei bereits der, wie er sich ausdrückte, x-te Vorschlag für eine Endlagerung.
    Die Regierung sei am Zug und müsse den sowjetischen Vorschlag prüfen.
    In Wien haben heute Vormittag Nahostgespräche zwischen den beiden Supermächten begonnen.
    Die erste Gesprächsrunde zwischen dem Abteilungsleiter für Nahostfragen im amerikanischen Außenministerium, Richard Murphy, und dem sowjetischen Nahostexperten, Vladimir Polyakov, findet in der sowjetischen Botschaft statt.
    Die Verhandlungen werden morgen in der amerikanischen Botschaft in Wien fortgesetzt und abgeschlossen.
    Das Ergebnis der Beratungen soll streng geheim gehalten werden.
    Ein Schlusskommuniqué wird es nicht geben.
    Vatikan.
    Der israelische Ministerpräsident Shimon Peres wird heute von Papst Johannes Paul II.
    in Privataudienz empfangen.
    Es ist dies der erste Aufenthalt eines israelischen Regierungschefs im Vatikan seit zwölf Jahren.
    Im Mittelpunkt der Unterredung dürfte die Frage einer diplomatischen Anerkennung Israels durch den heiligen Stuhl stehen.
    Peres reist anschließend zu Gesprächen mit dem rumänischen Staats- und Parteichef Ceaușescu nach Bukarest.
    Libanon.
    Bei Anschlägen im Südlibanon sind gestern zwei hochrangige israelische Militärs ums Leben gekommen.
    Nach Angaben eines Armeesprechers in Tel Aviv wurde ein Oberst bei einem Schusswechsel getötet.
    Ein anderer israelischer Offizier kam ums Leben, als sein Wagen in einem vorwiegend von Schiiten bewohnten Dorf auf eine Bombe auffuhr.
    Das betroffene Gebiet soll erst in der letzten der drei Etappen des israelischen Rückzuges aus dem Libanon geräumt werden.
    Großbritannien.
    Premierministerin Margaret Thatcher wird heute mit Vorstandsmitgliedern des Gewerkschaftsdachverbandes neuerlich Gespräche über eine Beendigung des seit fast einem Jahr andauernden Bergarbeiterstreiks führen.
    Die zuständigen Gewerkschaften versuchen mit diesem Ausstand die Schließung unrentabler Zechen zu verhindern.
    In den vergangenen Monaten ist die Streikfront aber immer mehr abgebröckelt.
    Viele Kumpel haben die Arbeit wieder aufgenommen.
    Am Wochenende hieß es, die Kluft zwischen Gewerkschaft und Kohlebehörde sei nur mehr so klein, dass eine Vermittlung zu rascher Einigung führen könnte.
    Die Regierung unter Premierministerin Margaret Thatcher hat erwartungsgemäß im Unterhaus eine Abstimmung im Zusammenhang mit der Versenkung des Argentinischen Kreuzes General Belgrano gewonnen.
    Die Belgrano wurde im Mai 1982 im Krieg um die Falkland-Inseln von einem britischen U-Boot torpediert, mehr als 360 Argentinier kamen ums Leben.
    Nun warf die Leber-Opposition der Regierung vor, die Versenkung nur aus Prestigegründen angeordnet und außerdem zahlreiche Fakten verschleiert zu haben.
    Nach einer hitzigen Debatte endete die Abstimmung mit 350 gegen 202 Stimmen.
    Kanada.
    Der oberste Gerichtshof hat nun den ersten Freiflugtest eines amerikanischen Marschflugkörpers über kanadischem Territorium freigegeben.
    Mit dieser Entscheidung wurden Proteste von Atomwaffengegnern zurückgewiesen.
    Der Marschflugkörper soll noch heute ohne Sprengkopf von einem B-52-Bomber aus abgefeuert werden.
    Das Testgebiet ist etwa 1500 Kilometer vom sowjetischen Luftraum entfernt.
    Jugoslawien.
    Zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres wird der Brotpreis angehoben.
    Die Preissteigerung beträgt diesmal 18 Prozent.
    Erst im August wurde dieses Grundnahrungsmittel um 25 Prozent teurer.
    Begründet wird die Maßnahme mit der jüngsten Preissteigerung bei Weizen und bei Mehl.
    Nun zur Wetterlage.
    Eine Hochdruckzone reicht von Südskandinavien bis in den Alpenraum und bestimmt das Wetter in Österreich.
    Die Aussichten bis morgen früh.
    Meist heiter, nur im Norden und im Osten zeitweise Durchzug stärkerer Wolkenfelder.
    Dabei vereinzelt unergiebige Schneeschauer.
    Mäßige, im Osten lebhafte Winde aus West bis Nord.
    Nachmittagstemperaturen minus 7 bis minus 2, Tiefsttemperaturen der kommenden Nacht minus 18 bis minus 9 Grad.
    Die Aussichten für morgen Mittwoch, meist sonnig, nur im Nordosten Durchzug von Wolkenfeldern.
    Mäßige Winde aus West bis Nord, Tageshöchsttemperaturen minus 7 bis minus 2 Grad.
    Noch die Vorschau auf übermorgen Donnerstag, meist sonnig, nur im Norden und Osten, zeitweise auch wolkig, kalt.
    Das Wetter um 12 Uhr.
    Wien-Heiter minus 4 Grad, Nordwestwind mit 35 km pro Stunde, Spitzen bis 65.
    Eisenstadt-Heiter minus 5 Grad, Nordwest 35, Spitzen bis 70 km pro Stunde.
    Linz Heiter minus 8 Grad, Nordwest 25, Salzburg stark bewölkt minus 6 Grad, Innsbruck Heiter minus 9, Bregenz wolkenlos minus 5 Grad, Heiter minus 2 und Klagenfurt Heiter bei minus 2 Grad.
    Es ist genau 10 Minuten nach 12, Sie hören das Mittagsschornal des aktuellen Dienstes.
    Zwei Themen, die die innenpolitische Diskussion der vergangenen Tage bestimmten, stehen auch heute im Mittelpunkt unserer Berichterstattung aus Österreich.
    Einerseits versucht die Freiheitliche Partei seit mehr als einer Stunde in einer Sitzung des Bundesparteivorstandes, ihre jüngsten parteiinternen Auseinandersetzungen beizulegen.
    Und andererseits wurde durch ein gestern erneut bestätigtes Angebot der Sowjetunion, österreichischen Atommüll im Fall des Falles abzunehmen.
    Dadurch wurde auch die Zwentendorf-Debatte wieder angekurbelt, nachdem zuletzt Bundeskanzler Sinowaz ja einen parlamentarischen Vorstoß der SPÖ für eine Zwentendorf-Entscheidung vor Ende März angekündigt hatte.
    Zu beiden Themen, Freiheitliche und Zwentendorf, nahmen heute sowohl Bundeskanzler Sinovac nach dem Ministerrat als auch ÖVP-Generalsekretär Graf in seinem alldienstäglichen Pressefrühstück Stellung.
    Wir schalten zuerst zu Erich Aichinger ins Bundeskanzleramt.
    Ein sehr seriöses Angebot aus dem auf dem Gebiet der Kerntechnologie führenden Land der Sowjetunion, Österreich den Atommüll abzunehmen, alles wörtliche Formulierungen, lassen Kanzler Sinovac noch knapp vor Torerschluss des Handelsausschusses am 31.
    März auf Teile der ÖVP hoffen.
    Wieder wörtlich, ich denke, dass in der ÖVP viele sind, die eine Inbetriebnahme Zwentendorfs für richtig halten.
    Der Koalitionspartner FPÖ war ja immer dagegen, aber mit der FPÖ allein geht es nicht.
    Alles muss jetzt im Parlament geklärt werden, so Sinowatz.
    Der Bundeskanzler dann im Frage-Antwort-Spiel?
    Ja, ich möchte sagen, dass bisher vor allem von der ÖVP immer gesagt wurde, dass sich seit 1978 nichts geändert hätte.
    Nun liegt ein Anbot der UdSSR vor, es liegt eines aus China vor.
    Der Reaktorsicherheitsbericht stellt eindeutig fest und hier gibt es ja internationale Experten, die da mitarbeiten, dass Zwentendorf von der Sicherheit her mit jedem anderen sicheren Atomkraftwerk zu vergleichen ist.
    Es hat sich also etwas geändert und daher
    lade ich alle Parteien ein, im Parlament zu ermöglichen, dass es zu einer Volksabstimmung besonderer Art kommt.
    Was ist eigentlich neu am sowjetischen Angebot?
    Es hat doch sowas schon einmal gegeben.
    Es hat so etwas nicht gegeben, sondern jetzt wurde mir in einem Memorandum vom Außenminister Kromik mitgeteilt, dass die Sowjetunion bereit sei, den Atomwühl aus Zwentendorf auf sowjetischem Territorium
    einzulagern und dass gegebenenfalls das Außenhandelsministerium bereit ist, darüber auf kommerzieller Ebene Verhandlungen zu führen.
    Mit welchen Nebenabreden?
    Gibt es da irgendwelche Nebenabreden?
    Müssen wir der Sowjetunion dafür irgendwas abkaufen?
    Müssen wir andere Bedingungen eingehen?
    Überhaupt keine Nebenabreden gibt es.
    Es fällt auf, der Zeitpunkt dieses Angebotes, wenn man das ein bisschen salopp formuliert, es schaut aus wie bestellt.
    Also bitte, ich glaube nicht, dass es uns möglich wäre, etwas zu bestellen, sondern dieses Anbot ist jetzt gemacht worden.
    Haben eigentlich die USA irgendwas dagegen?
    Da hat es doch immer geheißen, wir können ohne Einverständnis der USA einen solchen Deal mit dem Osten nicht eingehen, nicht einmal mit China.
    Ja, ich glaube, dass niemand was dagegen hätte, wenn wir mit Frankreich oder mit Bundesrepublik Deutschland so etwas tun würden und daher würde ich auch nicht einsehen, dass es etwas Schwierigkeiten gibt bei der Sowjetunion.
    Ergänzung des Bundeskanzlers, nähere Details über das sowjetische Anbot gibt es auch für die Parlamentsabgeordneten erst dann, Sinovac-wörtlich, wenn der Schlüssel zu Zwentendorf da ist.
    Gelegentlich an der Grenze zur Ungehaltenheit reagierte der Bundeskanzler heute auf andere Fragen.
    Etwa nach dem von Jörg Haider angeblich verwendeten Zitat, die FPÖ ist keine Nachfolgeorganisation der NSDAP, sonst hätten wir die Mehrheit.
    Also ich setze mich mit dem Herrn Haider nicht auseinander, das habe ich einmal schon gesagt, er ist nicht in der Regierung.
    und zum zweiten muss ich sagen allmählich muss es nun doch allen auffallen, dass wir auch andere Probleme haben in Österreich, die zu bewältigen sind als ununterbrochen über dieselbe Sache zu reden.
    Ich möchte das schon einmal klarstellen und noch eines, dass wir in Österreich unsere Vergangenheit
    bewältigt haben, daran gibt es ja keinen Zweifel.
    Dann wäre es nicht einfacher ohne Haider, ohne einen Typ wie Haider in dieser... Das ist Sache der FPÖ, was fragen Sie mich darüber bei den Haidern?
    Für mich ist der Herr Haider kein Mitglied der Bundesregierung, ich habe da gar nichts zu sagen.
    Ich, ich habe schon gesagt, war nie der Meinung des Herrn Haider.
    Und noch eines muss ich sagen,
    Was den Herrn Haider betrifft, so ist er ja immer gegen die Koalition aufgetreten und ist auch deswegen immer wieder gefragt worden zu allen Fragen, damit man ja auch etwas findet gegen die Koalition in der FPÖ.
    So wie der Herr Götz in Graz immer mit der ÖVP gebundelt hat und der Exponent war, so scheint es also auch hier zu sein beim Herrn Haider.
    Ranz-Themen beim heutigen Pressefoyer.
    Überwachungsflugzeuge, sprich Abfangjäger, müsse man kaufen, wenn man sie brauche.
    Der Abschied Karl Sekaninas vom Vorsitz der Metallgewerkschaft bedeutet keine Weichenstellung im ÖGB.
    Nachfolger Sepp Wille werde auch Klubobmann bleiben, bis ans Ende der Legislaturperiode.
    Wörtlich Sinowatz, wie wir alle, ein Satz gegen allfällige Neuwahlspekulationen.
    Wie lange dauert denn noch?
    Wie lange dauert es wirklich?
    Herr Hampl, Sie können ja nachschauen, wie lange diese Funktionsperiode dauert.
    Vier Jahre dauert sie bekanntlich.
    Vier Jahre dauert diese Funktionsperiode.
    Und Sie reden mir ja schon seit eineinhalb Jahren ein, dass sie morgen aus sein wird.
    Und sie war nicht aus morgen.
    Also so brauchen Sie mich nicht fragen.
    Sie wissen ganz genau, wie lange eine Funktionsperiode dauert, nicht?
    Das wird jeden Sonntag im Frühjahr 1987 sein.
    So ist es, so ist es.
    Und damit zurück zum Studio.
    Erich Aichinger berichtete vom Pressefoyer nach der heutigen Ministerratssitzung.
    Die meisten der hier angesprochenen Themen kamen auch zur Sprache bei dem Pressegespräch von ÖVP-Generalsekretär Michael Graf.
    Leopold Esterle berichtet.
    Für ÖVP-Generalsekretär Michael Graf hat sich am Standpunkt der Parlamentarischen Oppositionspartei der ÖVP auch durch das Gromyko-Telegramm an Bundeskanzler Sinovac nichts geändert.
    Der Vorschlag ist nämlich nicht neu.
    Den hat bereits der Herr Kvizsany im Februar 1983 gemacht.
    Und damals hat in den Salzburger Nachrichten der damalige Bundeskanzler Kreisky, ziemlich knapp vor der Wahl 1983,
    Ich habe gesagt, ich weiß nicht, was da dahinter steht, aber ich habe befürchtet, dass so etwas einmal kommt, nämlich ein sowjetischer Vorschlag.
    Ich habe gesagt, was machen wir, wenn Sie, die Russen, kommen und sagen, wir nehmen den Müll?
    Fragen die Salzburger Nachrichten.
    Was fürchten Sie, bringt das Angebot Österreich in Schwierigkeiten?
    Kreisky, naja, die Brennstäbe sind amerikanisch, die können wir gar nicht in die Sowjetunion verbringen.
    So einfach ist das alles.
    Die Regierung habe das Angebot zu Graf zu prüfen, dem Parlament einen entsprechenden Regierungsbeschluss vorzulegen.
    Kein Telegramm der Welt könne ein Parlament beeinflussen, sagte Graf.
    Wenn kein Regierungsbeschluss komme,
    Es bleibt dann bei der ÖVP-Linie in der Energiepolitik, die völlig klar ist.
    Zwentendorf wird nicht aufgesperrt, solange die Sicherheitsfrage nicht gelöst ist.
    In der Gegend von Heimburg wird ein Donaukraftwerk gebaut.
    Natürlich müssen die Voraussetzungen stimmen und Dürnrohr geht in Betrieb.
    aber natürlich voll entgiftet.
    Dazu soll man sich ums Energiesparen kümmern und die Biomasse entsprechend verwerten.
    Das ist in kurzen Worten die Energiepolitik der ÖVP.
    jüngsten angeblichen Äußerung des Kärntner FPÖ-Landesparteiobmannes Jörg Haider.
    Wäre die FPÖ tatsächlich die Nachfolgepartei der NSDAP, hätte sie schon längst die Mehrheit in Österreich, meinte Graf.
    Diese Äußerung sei für ihn indiskutabel und schade dem Ansehen Österreichs.
    Ich erwarte mir von der FPÖ, dass sie
    sich bei ihren heutigen Beratungen endlich zu einer Linie durchringt.
    Es hat sich ja gezeigt, dass der liberale Lack nur ganz dünn ist und dass da nicht nur vom Herrn Haider, sondern auch von anderen führenden Politikern der FPÖ Urlaute hervorgekommen sind in der letzten Zeit, mit denen man sich in keiner Weise einverstanden hat.
    erklären kann.
    Es wird die FPÖ ihre Haltung und ihre Linie klarzulegen haben."
    Immerhin, so meinte Graf, hätten jüngste Meinungsumfragen des Vessel-Institutes im ÖVP-Auftrag gezeigt, dass 74% der befragten Österreicher der Meinung sind, dass der Fall Frischenschlagerräder der Republik Österreich im Ausland geschadet habe.
    Nur 25 Prozent seien laut Graf der Meinung gewesen, Frischenschlagers Vorgehen habe der Republik im Ausland nicht geschadet.
    Apropos Meinungsumfrage.
    ÖVP-Generalsekretär Michael Graf präsentierte heute quasi als Hauptthema seines Pressefrühstücks noch ein anderes Ergebnis einer telefonischen Blitzumfrage des Vessel-Institutes.
    Danach sind 52% der Österreicher für Neuwahlen schon im Herbst dieses Jahres.
    Begründung, 73% der befragten Österreicher meinen, dass die Regierung zu sehr mit ihren eigenen Fehlern und Pannen beschäftigt sei.
    Einen Neuwahlantrag der ÖVP könne er, Graf, zu keiner Zeit ausschließen.
    Allerdings habe dieser aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Parlament nur einen politischen Signalcharakter.
    Soweit mein Bericht und damit zurück ans Studio des Mittagschanals.
    Reporter war Leopold Esterle.
    In den Räumen der Freiheitlichen Partei im Wiener Parlament hat vor etwas mehr als einer Stunde eine Vorstandssitzung des kleinen Koalitionspartners begonnen.
    Einziges Thema, der Vorwurf an den Kärntner Landesrat Jörg Haider, sich parteischädigend verhalten zu haben.
    Bereits gestern hatte das FPÖ-Präsidium, dem Haider nicht angehört, stundenlang getagt
    Und man hat dabei, so war zu hören, einige Probeabstimmungen durchgeführt.
    Allerdings wurden weder die genauen Fragestellungen zu diesen Abstimmungen noch natürlich die Ergebnisse bekannt.
    Allgemein scheint in der FPÖ-Spitze aber doch die Meinung vorzuherrschen, dass Haider diesmal zu weit gegangen sei.
    Mit Spannung wird erwartet, ob Parteiobmann Norbert Steger bei der heutigen Sitzung einen entsprechenden Beschluss gegen Haider erreicht oder nicht.
    Andererseits hat der Vorstand der Kärntner FPÖ gestern in Klagenfurt festgestellt, dass Haider sich in seinen Wortmeldungen nur an Beschlüsse der Bundesparteileitung gehalten habe.
    Heute Vormittag nun, kurz vor Beginn der Sitzung herrschte im FPÖ-Club zwar angesichts des Faschingsendes offenbar eine aufgeräumte Stimmung, aber Gisela Hopfmüller und Fritz Besata haben insgesamt doch versucht, ein Bild der Stimmung unter den feindlichen Spitzenfunktionären vor den heutigen Beratungen einzufangen.
    Sie fragten FPÖ-Generalsekretär Grabherr Mayer, den steirischen Landesobmann Klaus Turek, Helene Patik-Pablé, den Kärntner Nationalratsabgeordneten Alois Huber und Jörg Haider selbst.
    Herr Generalsekretär, Vizekanzler Steger hat am Sonntag in der Pressestunde gesagt, er wird am Dienstag in der Vorstandssitzung klar machen, dass am Mittwoch der Fasching vorbei ist.
    Ihre Prognose jetzt für die heutige Vorstandssitzung?
    Ich glaube, er hat damit Recht gehabt.
    Es wird eine Bereinigung des Standpunktes der Partei geben.
    Das ist das, was man von uns erwartet.
    Das ist das, was die Bevölkerung erwartet, aber auch nicht zuletzt unsere Parteimitglieder erwarten, dass hier die Proportionen wieder ins rechte Licht gerückt werden.
    Und wie wird die Rollenverteilung sein mit Angriff und Verteidigung?
    Die Kärntner eher in die Verteidigungsposition gedrängt?
    Das kann ich jetzt nicht sagen.
    Ich weiß nicht, wie das Verhalten der Kärntner Parteifreunde ist.
    Landesrat Haider hat ja bereits angekündigt, dass er mit Aufträgen zu dieser Bundesvorstandssitzung kommen wird.
    Es wird sich darauf ankommen, wie diese Aufträge lauten, die wir alle nicht kennen.
    Ich meine nur, die Partei hat gegenwärtig nichts mehr zu verschenken.
    Hier herrscht eine ziemlich ausgelassene Stimmung, sozusagen Faschenstimmung.
    Ist der Grund nicht doch ein sehr ernster für die heutige Sitzung?
    Ich habe nichts bemerkt, dass wir hier eine Forschungsstimmung hätten.
    Die Sitzung ist lange schon unberahmt gewesen.
    Dass das am Forschungsdienstag zufällig der Fall war, das haben wir seinerzeit offensichtlich übersehen.
    Sonst haben wir ein ernstes Thema zu behandeln und ich hoffe, dass wir das auch gut bewältigen werden.
    Morgen ist Aschermittwoch.
    Glauben Sie, wird es eine Charta-Stimmung in der FPÖ geben?
    Bestimmt nicht.
    In der FPÖ nicht, vielleicht bei Einzelnen.
    Bei wem?
    Was ist Ihre Prognose?
    Ja, bitteschön, ich identifiziere mich nicht mit der Vorgangsweise des Landesobmanns von Kärnten.
    Abgeordnete Patek Pablé, Faschingsdienstag ist ein guter Termin für die heutige, doch sehr ernste Sitzung.
    Wir sind nicht kostümiert.
    Der Termin ist für eine Sitzung irrelevant.
    Ob Faschingsdienstag ist oder nicht, aber es wird sicher eine sehr ernste Sitzung werden.
    Glauben Sie, wird morgen am Aschermittwoch Katerstimmung in Teilen der FPÖ herrschen?
    Das hoffe ich nicht, sondern ich erhoffe mir da schon eine reinigende Wirkung, wo sicher offen ausgesprochen werden wird, was jeder denkt und was jeder hält von den Vorfällen, die in der Partei eben passiert sind und dass morgen sozusagen ein neuer Beginn, eine neue Stimmung für einen neuen Beginn da sein wird.
    Wie sollte Ihrer Meinung nach dieser neue Beginn ausschauen?
    dass man Geschlossenheit demonstriert und Kritik, die ja durchaus jederzeit vorhanden sein kann, in den Parteigremien vorbringt.
    Ein neuer Beginn mit oder ohne Dr. Haider?
    Ich wäre grundsätzlich schon dafür, dass Haider mitwirkt, weil ich ja ihn für einen sehr guten Politiker, heute für einen sehr erfolgreichen Politiker, aber ich glaube auch, dass die Kärntner Landesgruppe eben mehr Geschlossenheit und mehr Einigkeit beweisen müsste in der Zukunft.
    Herr Huber, Sie sind einer der beiden Kärntner Mitglieder im Parteiverstand der FPÖ.
    Mit welchem Gefühl und mit welchem Auftrag kommen Sie heute hier nach Wien?
    Ich habe ein schlechtes Gefühl.
    Glauben Sie nicht, dass es eine Art Scherbengericht über Ihren Landesrat heitergeben wird?
    Nein, das glaube ich nicht.
    Glauben Sie, morgen ist auch schon Mittwoch, wird es in der FPÖ Kärnten so etwas wie eine Charta-Stimmung geben?
    Nein, das wird es auch nicht.
    Wird nichts passieren heute?
    Glaube ich nicht.
    Wir werden uns rechtfertigen und ich glaube, wir werden auf der letzten Konsequenz schon irgendwo zu Recht kommen.
    Wenn Sie sagen, Sie müssen sich rechtfertigen, heißt das ja irgendwo indirekt... Nein, nein, nicht rechtfertigen.
    Das, was man glaubt, dass wir falsch machen, darüber werden wir uns rechtfertigen.
    Glauben Sie, dass man Ihren Landesparteiobmann ungerechtfertigt angreift?
    Ja, das glaube ich, ja.
    Und wenn es heute einen Antrag auf Einleitung des Parteigerechtsverfahrens gegen Heider gibt, wie werden Sie sich da verhalten?
    Da will ich auch so reinstehen, dass gegen mich auch noch gerichtet wird.
    Herr Landesrat, mit welchen Gefühlen gehen Sie denn in die heutige Sitzung?
    Mit den besten.
    Der Parteibahnsteiger hat gesagt am Aschermittwoch ist der Fasching vorbei.
    Ist er auch für Sie vorbei?
    Diesen Grundsatz kann auch ich akzeptieren.
    Könnte es auch sein, dass für Sie die FPÖ morgen vorbei ist?
    Das glaube ich nicht.
    Es gibt Stimmen, die danach rufen, gegen Sie ein Parteischutzgericht einzuweiten.
    Oder es gibt aber auch Stimmen, wonach es heißt, Sie selbst würden eins gegen sich selbst anstrengen.
    Aufgrund der gestrigen Beschlüsse in der Landesgruppe habe ich keine Veranlassung, das zu tun.
    Das sagten also vor rund zwei Stunden Jörg Haider, der Nationalratsabgeordnete Alois Huber, Helene Patik-Pablé, der steirische FPÖ-Obmann Klaus Turek und FPÖ-Generalsekretär Grabherr Mayer, befragt von Gisela Hopfmüller und Fritz Pesata.
    Gestern hat eine fernschriftliche Mitteilung von Bautenminister Karl Sekanina allgemeine Überraschung ausgelöst.
    Der oft als Multifunktionär bezeichnete Bautenminister legte den Vorsitz der Gewerkschaft Metall-Bergbau-Energie zurück.
    Seine Nachfolge in dieser Funktion hat bereits SPÖ-Klubobmann Sepp Wille angetreten.
    Sekanina hatte schon zuvor die Funktionen des Wiener Gebietskrankenkasseobmanns sowie die des Fußballbundpräsidenten abgegeben.
    Offizielle Begründung für die Zurücklegung der Gewerkschaftsfunktion jetzt ist Arbeitsüberlastung.
    In den heutigen Zeitungen finden sich zu diesem Thema zahlreiche Kommentare und Vermutungen.
    Die Zitate hat Roland Adrowitzer ausgewählt.
    Die innenpolitischen Kommentatoren sind sich durchwegs nicht ganz schlüssig, wie sie den Rücktritt Sekaninas als oberster Metallgewerkschafter einschätzen sollen.
    Der Bautenminister wird ja seit Jahren gemeinsam mit dem privat angestellten Gewerkschafter und Sozialminister Alfred Dallinger als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Anton Benni als ÖGP-Präsident gehandelt.
    Was bedeutet nun die Zurücklegung der führenden Gewerkschaftsposition im Benni-Nachfolgespiel?
    Diese Frage stellen sich heute einige Zeitungskollegen.
    Wie etwa Gerhard Steininger in den Salzburger Nachrichten, der von einer Palastrevolution spricht.
    Er schreibt vom beginnenden Abstieg eines Mannes, der das Signal für den Beginn des Abstiegs einer Generation, also auch Dallingers, sein könnte.
    Und weiter liest man.
    Nun deutet einiges darauf hin, dass beide auf der Strecke bleiben werden.
    Wem fielen da nicht die Kreisky-Kronprinzen ein?
    Denn im ÖGB hat man zu überlegen begonnen, ob nicht überhaupt eine Generation übersprungen werden und mit einem jüngeren Mann ein neuer Anfang gemacht werden soll.
    Die Gewerkschaftsbewegung hat ja, das weiß man nicht erst seit Hainburg, mit den jungen Menschen Probleme.
    Soweit also die Salzburger Nachrichten.
    In der Wiener Tageszeitung die Presse wird in einem Kurzkommentar eines der Argumente Sekaninas für die Zurücklegung der Gewerkschaftsfunktion näher beleuchtet.
    Und zwar die Aussage des Bautenministers, er könne nicht am Vormittag als Gewerkschafter etwas verlangen, was er am Nachmittag als Regierungsmitglied ablehnen müsse.
    In der Wiener Presse heißt es dazu.
    Diese plötzliche Erkenntnis wirft natürlich eine Reihe von Fragen auf.
    Muss nicht auch Sekaninas Langzeitkonkurrent im ÖGB, Sozialminister Alfred Dallinger, zu eben dieser Erkenntnis gelangen?
    Warum hat Sekanina erst seit 1979 Bautenminister mehr als fünf Jahre gebraucht, um sich einerseits voll auf sein Regierungsamt konzentrieren zu wollen und andererseits die besagte Unvereinbarkeit zu sehen?
    Was immer die wahren Gründe für seinen plötzlichen Entschluss sind, er wird jedenfalls im ÖGB einiges in Bewegung setzen, meint heute die Presse.
    Auf der Titelseite des Wiener Kurier befasst sich Hans Rauscher kurz mit dem überraschenden Schritt Sekaninas.
    Man liest da
    Nun lautet eine Version, Sekanina hat sich von seinen Ämtern, besonders den in der Gewerkschaft, befreit, um für Größeres gerüstet zu sein.
    Die Nachfolge von Anton Benja im ÖGB.
    Aber es hält sich hartnäckig eine zweite.
    Die eigene Gewerkschaft sei aus den verschiedensten Gründen mit Sekanina nicht mehr zufrieden gewesen.
    So birgt Sekaninas plötzlicher Entschluss auf jeden Fall noch politische Überraschungen in sich.
    Auch Reinhard Hampel betreibt in den oberösterreichischen Nachrichten Rätselraten über die tatsächlichen Gründe für Sekaninas Schreck.
    Er schreibt, als Boss ist er gegangen.
    Ob er als ein solcher des ÖGB wiederkommt, bleibt abzuwarten, zumal der Gewerkschaftsbund künftig auf andere Art geführt werden dürfte.
    Die Sache scheint für einen anderen zu laufen, etwa für Sepp Wille, den neuen Metaller-Chef.
    Mit der Person eben dieses Sepp Wille in den oberösterreichischen Nachrichten angesprochen, setzt sich heute sehr kritisch die kommunistische Volkstimme auseinander.
    Wille, auch aus linken SPÖ-Kreisen bereits mehrfach attackiert und kritisiert, wird in der Volkstimme folgendermaßen charakterisiert.
    Er hat in den letzten Jahren zur Genüge gezeigt, wer er ist und wo er steht.
    In den Verdacht, ein Linker in der SP zu sein, kam Sepp Wille bisher jedenfalls nicht.
    Ganz im Gegenteil.
    Schon nach einigen Monaten Klubobmann der SP bescheinigten ihm Österreichs oberste Industrielle, die angenehmste Erscheinung in der heimischen Politlandschaft zu sein.
    Und abschließend heißt es in der Volksstimme zur Person Sepp Willes… Ausgesucht haben sich die Metallarbeiter diesen Mann nicht.
    Denn die Art, wie er am Montag in sein Amt kam, hat mit Gewerkschaftsdemokratie absolut nichts zu tun.
    Die Auszüge aus den heutigen Pressekommentaren hat Roland Adrowitzer zusammengestellt.
    Es ist jetzt eine Minute nach halb eins und wir haben damit die Inlandsberichterstattung zu den Themen Atommüll aus Zwentendorf, vielleicht in die Sowjetunion, FPÖ-Vorstand berät über und mit Jörg Haider und eben Rücktritt von Minister Sekanina als Metaller Gewerkschaftschef.
    Diese Berichterstattung haben wir abgeschlossen.
    Ein Inlandsthema steht noch auf unserem
    Programm in der knappen halben Stunde, die uns noch in diesem Mittagsschanal bleibt.
    Es ist eine Vorschau auf die morgen beginnenden Freizeitmessen auf dem Wiener Messegelände.
    Außerdem noch auf unserem Programm zwei Kulturbeiträge und zwar einerseits ein Gespräch mit Hans Landesmann, dem Organisator des Malerfestivals in London und eine Buchbesprechung zu dem Buch die Ringstraßengesellschaft.
    Zunächst einmal aber zu unserem Hauptauslandsthema von heute.
    Auch dieses spielt auf österreichischem Boden.
    Denn Wien ist heute und morgen wieder einmal Treffpunkt der internationalen Diplomatie.
    Amerikaner und Russen wollen dabei erstmals seit fast acht Jahren gemeinsam die Lage im Nahen Osten diskutieren.
    Die Gespräche, die abwechselnd in der amerikanischen und in der sowjetischen Botschaft stattfinden, dienen in erster Linie dazu, dass beide Supermächte ihre Standpunkte im israelisch-arabischen Konflikt, im Golfkrieg und in der Afghanistan-Frage auf den Tisch legen und so natürlich auch die Standpunkte des Gegners kennenlernen.
    Verhandlungen im eigentlichen Sinn, in denen etwa ein gemeinsames Vorgehen in diesen Fragen ausgehandelt werden könnte, die werden die Wiener Nahostgespräche sehr wahrscheinlich nicht sein.
    Die Ausgangsposition analysiert Brigitte Fuchs.
    Der letzte direkte Nahostkontakt der beiden Supermächte fand im Herbst 1977 statt.
    Der damalige amerikanische Außenminister Cyrus Vance und sein sowjetischer Amtskollege Andrei Gromyko veröffentlichten ein Dokument, in dem die Amerikaner erstmals von legitimen Rechten der Palästinenser sprachen und eine internationale Nahostkonferenz angeregt wurde.
    Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sollten gemeinsam den Vorsitz einer solchen Konferenz führen.
    Das Dokument hielt allerdings nicht, was es versprach, denn wenige Tage später wurde es nach heftigen Protesten der Israelis wieder zurückgenommen.
    Israel stand damals bereits mit Ägypten in Geheimverhandlungen.
    Verhandlungen, die zum Treffen von Camp David und zum Abschluss eines israelisch-ägyptischen Separatfriedens führten.
    Mit dem Camp David Abkommen, das ja unter amerikanischer Federführung zustande kam, wurden die Sowjets im nahöstlichen Verhandlungskarussell ausmanövriert.
    Eine Situation, in der sich Moskau praktisch bis heute befindet.
    Denn die Sowjetunion hatte im Nahen Osten in den letzten Jahren weniger mitzureden als die Amerikaner.
    Doch die Abwesenheit Moskaus von der diplomatischen Nahostbühne hat den Amerikanern in dieser Krisenregion nicht unbedingt einen Vorsprung gebracht.
    Man erinnere sich nur an die islamische Revolution im Iran, an den Krieg am persisch-arabischen Golf und natürlich auch an den Libanon-Krieg.
    Der Libanon-Feldzug der Israelis machte deutlich, wie unberechenbar auch Ängste Verbündete in dieser Region sein können.
    Der daraufhin folgende Libanon-Einsatz amerikanischer Marines endete mit einem Debakel für Washington.
    Der Friedensprozess, der mit dem Camp David-Abkommen in Gang gesetzt werden sollte, führte in eine Sackgasse.
    Während sich also Washington ständig mit den Folgen seiner eigenen Politik und der Politik seines Verbündeten Israels konfrontiert sah, konnte man sich in Moskau darauf beschränken, diplomatische Erklärungen abzugeben, seine eigenen Nahostverbündeten, vor allem Syrien, massiv aufzurüsten und ansonsten abzuwarten, wie sich die Dinge weiterentwickeln.
    Eine der wesentlichsten Entwicklungen war, dass es den Israelis nicht gelungen ist, in Beirut eine ihnen freundlich gesinnte Regierung zu etablieren.
    Die israelische Armee muss sich nach einem verlustreichen Besatzungskrieg wieder aus dem Libanon zurückziehen.
    Ein Rückzug, den die meisten Israelis als eine Niederlage ansehen, da weder der Libanon noch der Hauptfeind der Israelis in der Region Syrien eigene Positionen aufgeben mussten.
    Nun hat es aber gerade in den letzten Wochen eine ganze Reihe von Friedensinitiativen im Nahen Osten gegeben.
    Das Treffen des jordanischen Königs Hussein mit dem PLO-Chef Yassir Arafat und das Treffen des saudi-arabischen Königs Fahd mit Präsident Reagan, um nur zwei zu nennen.
    Diese Initiativen beruhen auf dem Prinzip, Frieden gegen Land zu tauschen.
    Frieden für Israel im Austausch gegen Land, konkret das Westjordanland und der Gazastreifen, für die Araber.
    Diese Initiative wird von allen provestlichen arabischen Regierungen unterstützt.
    Eine internationale Nahostkonferenz, wie sie schon vor acht Jahren gefordert wurde, sollte die Grundlage für Friedensgespräche bilden.
    Die beiden Hauptkontrahenten, Syrien und Israel, lehnen die jüngsten Friedensinitiativen allerdings ab.
    Israel setzt weiterhin auf eine Spaltung des arabischen Lagers, Syrien will sich seine Vormachtstellung im Nahen Osten nicht von den verhandlungsbereiten provestlichen Arabern einfach streitig machen lassen.
    Hier hackt aber wieder die Rolle der beiden Supermächte ein, die ja ein inniges Verhältnis zu Syrien und Israel haben.
    Ein Verhältnis, das nicht zuletzt auch durch die finanzielle und militärische Abhängigkeit ihrer Nahostverbündeten geprägt ist.
    Mit einer grundsätzlichen Einigung Washingtons und Moskows über den Nahen Osten könnten möglicherweise auch die Widerstände Israels und Syriens gebrochen werden.
    Eine solche Einigung ist aber bei den Wiener Nahostkontakten nicht zu erwarten.
    Die Amerikaner gehen vielmehr davon aus, dass die zweite Supermacht wieder ins regionale Krisenmanagement des Nahen Ostens einbezogen werden sollten.
    Um, wie es heißt, gefährliche Missverständnisse über die jeweilige Position des anderen gar nicht erst aufkommen zu lassen.
    Es gilt also bestehendes Misstrauen über vermeintliche oder reale Absichten des anderen abzubauen.
    Die Beseitigung dieses Misstrauens könnte zu einer echten Entspannung in diesem Krisengebiet führen.
    Und nur Entspannung wiederum kann der Nährboden für erfolgversprechende Friedensinitiativen sein.
    Brigitte Fuchs analysierte die Ausgangspositionen und Hintergründe zu den amerikanisch-sowjetischen Nahostgesprächen, die heute und morgen in Wien stattfinden.
    Und zum Thema Ost-West-Beziehungen auch ein Programmhinweiser von unser heutiges Abendjournal, konkret auf das heutige
    Die Wiederaufnahme der Genfer Rüstungskontrollverhandlungen zwischen den Supermächten wird sich vermutlich auch positiv auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West auswirken.
    Diese Ansicht vertritt der aus der DDR stammende, jetzt in der Bundesrepublik Deutschland lebende Wirtschaftswissenschaftler Professor Wolfgang Seifert.
    Die günstigeren ökonomischen Rahmenbedingungen könnten vor allem für die kleineren Ostblockländer gelten, wie Professor Seifert gestern Abend in einem Vortrag in Wien erläuterte.
    Ungarn wird jedenfalls seine Reformpolitik fortsetzen können und die Sowjetunion wird ihrerseits ihre Wirtschaftsbeziehungen mit dem Westen auszuweiten suchen, wofür sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch Österreich besondere Adressaten bleiben werden.
    Polens Weg aus der Krise wird trotz solcher verbesserten Rahmenbedingungen mühsam bleiben.
    Das eigentliche wirtschaftspolitische Problemkind der nächsten Jahre scheint mir aber die DDR zu werden.
    Warum die DDR eine Ausnahme bildet und welche Rückwirkungen die Genfer Verhandlungen auf die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ost und West haben, dazu mehr von Professor Wolfgang Seifert, heute Abend, 18.30 Uhr, Programm Österreich 1, im Journal Panorama.
    So weit also dieser Programmhinweis.
    Und jetzt, acht Minuten nach halb eins, weg von der großen Politik und zurück nach Österreich.
    Morgen, am Aschermittwoch, öffnen die Freizeitmessen 85 auf dem Wiener Messegelände ihre Pforten.
    Urlaub machen, reisen, campen, segeln, surfen, fliegen, fotografieren, Radfahren und Motorradfahren, das sind Schwerpunkte, aus denen sich das Angebot der einzelnen Fachausstellungen zusammensetzt.
    Früher wurden die einzelnen Messen, wie etwa die Ferienmesse oder die Austrobot, zu verschiedenen Terminen abgehalten.
    Jetzt hat man den Freizeitsektor im Rahmen einer einzigen Großveranstaltung untergebracht.
    Und um den Besuch attraktiv zu machen, ist auch ein umfangreiches Showprogramm eingeplant.
    Was den Besucher innerhalb und außerhalb der Hallen im Wiener Prater erwartet, darüber informiert sie im folgenden Hans-Christian Unger.
    Der Eintritt ins Freizeitparadies kostet pro Erwachsenen 50 Schilling und wer mit Familie kommt, darf unabhängig von der Kinderzahl 100 Schilling hinblättern.
    Die Kosten für eine Dauerkarte, die bis Sonntag gilt, 200 Schilling pro Besucher.
    Um dieses Geld gibt's, wie die Wiener Messe AG meint, sieben umfangreiche Fachmessen zu bestaunen und allerlei Spektakel rundum zu konsumieren.
    um gleich beim Showblock zu bleiben.
    Er reicht von Hula-Hula-Tänzen, Modellbootsvorführungen und Fotoausstellungen über eine Rollerdisco, eine Motocross-Show und Flugdemonstrationen bis zu den Auftritten prominenter heimischer Gesangskünstler und einer großen Fotoausstellung.
    soviel zur unterhaltsamen Seite.
    Und jetzt zur informativen.
    Mittelpunkt ist die nun in die Freizeitmessen integrierte Ferienmesse mit etwa 150 Ausstellern aus dem In- und Ausland.
    Mit mündlichen Informationen, tonnenweise Prospektmaterial und gratis Obstler an manchem Stand stehen heimische Hotels und Verkehrsvereine sowie Reisebüros und die Fremdenverkehrsvertretungen des Auslands parat.
    Vertreten sind so gut wie alle Reiseländer, in die es Herrn und Frau Österreicher während ihres Urlaubs zieht.
    Schwerpunkt Nummer zwei mit ungefähr 120 Ausstellern ist die Austroboot 85 kombiniert mit der Fachschau Surf 85.
    Das Angebot in den Hallen dieser zwei Ausstellungen wird viele Besucher allerdings etwas enttäuschen.
    Denn von den 120 Teilnehmern bietet nur ungefähr ein Drittel tatsächlich Boote und Bretter an, während sich der überwiegende Rest auf Charterfirmen, Zubehör, Verbände und Vereine sowie auf Totalbranchenfremde verteilt.
    Es sei denn, jemand kann einen direkten Zusammenhang zwischen Segeln und Fußmassagegeräten herstellen.
    Dass viele prominente Werften und fast alle namhaften Surfbrett-Hersteller fehlen, liegt nach Ansicht der Messe AG darin begründet, dass sich der Großteil der in Frage kommenden Firmen entschlossen hat, heuer vorerst einmal bei der Konkurrenz der Camper und Boots in Tulln auszustellen und die Entwicklung der Austro-Boots auf der Rotunde einmal abwarten will.
    Vom Wasser in die Luft.
    Der Ausstellungskatalog der erstmals veranstalteten Flug 85 zählt knapp 30 Aussteller auf.
    Verschiedene Flugsportverbände und das Technische Museum darin eingeschlossen.
    Und dass die Zahl der Aussteller relativ gering ist, wird auf die Beteiligung einschlägiger Firmen aus dem In- und Ausland an einer deutschen Flugsportmesse zurückgeführt.
    Messen sind eben teuer und daher will auch diese Branche etwas warten, wie es in Wien während der nächsten Tage läuft.
    Aus der Luft wieder zurück auf den Boden und in die Halle der Wohnwagen- und Campingshow.
    Das Angebot der mehr als 40 Aussteller, Karavans, Wohnmobile, Zeltanhänger und diverses Zubehör.
    Von der Caravan 85 in die Halle der Zweirad 85, die mit einem durchaus befriedigenden Überblick aufwarten kann.
    Unter den 50 Ausstellern finden sich nahezu alle bekannten Fahrrad-, Moped- und Motorradmarken.
    Und viel Information zum Angreifen ist auch von der letzten Fachausstellung im Rahmen der Freizeitmessen, nämlich von der Kamera 85, zu erwarten.
    Der Untertitel Foto, Film und Video verspricht allerdings etwas mehr, als das Angebot halten kann.
    Denn reichhaltig ist ausschließlich der Foto- und Filmsektor vertreten.
    Alles in allem also viel zu sehen.
    Was der Durchschnittsbesucher allerdings nicht einmal mit einem Blick durch das lichtstärkste Kameraobjektiv erkennen wird können?
    Die Frage vieler hier bereits eingemieteter Aussteller und jener, die es in den nächsten Jahren vielleicht noch werden wollen.
    Wird sich die Kombination der Freizeitmessen 85 bewähren und sich nicht nur in erhöhten Besucherzahlen, sondern auch in vollen Auftragsbüchern niederschlagen?
    Die insgesamt sieben Freizeitmessen 85 auf dem Wiener Messegelände sind von morgen Mittwoch bis einschließlich Sonntag täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
    Heute Vormittag wurde in den Räumen der Girozentrale in Wien ein neues Buch über die Wiener Ringstraße vorgestellt.
    Der Titel dieses im österreichischen Bundesverlag erschienenen Bandes lautet die Ringstraßengesellschaft.
    Der Autor heißt Peter Müller und setzt mit dieser Arbeit den offenbar anhaltenden Trend zur Beschäftigung mit dem 19.
    Jahrhundert und mit der Jahrhundertwende fort.
    Robert Bilek war bei der Präsentation dabei und hat über die Ringstraßengesellschaft den folgenden Beitrag gestaltet.
    Untertitel der Amara.org-Community
    Die Wiener Ringstraße ist weltbekannt.
    Eine Via Triumphalis von vier Kilometer Länge, an der zahlreiche öffentliche Monumentalbauten und 800 Wohnhäuser errichtet wurden.
    Peter Müllers Buch, die Ringstraßengesellschaft, erinnert jedoch daran, dass die Kunst der Ringstraßenera lange Zeit als wertloses Stilgemisch und fiktive Schaufensterpracht missverstanden worden ist.
    Dadurch sind Schäden entstanden, die auch heute in der Zeit einer kunstgeschichtlichen Neubewertung nicht mehr gut zu machen sind.
    Peter Müller?
    Ja, es war so, dass vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg der Historismus als Kunstrichtung nicht anerkannt war, und dass gerade die Architekten der Zeit, deren Lehrer, etwa von Loos oder Hoffmann, nicht gerade Freunde der Ringstraßenzeit waren, dass diese Architekten drangingen,
    Fassaden abzuschlagen, Interieurs zu entfernen, sodass eigentlich viele Sünden vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis etwa vor zehn Jahren an der Ringstraße begangen worden sind.
    Peter Müller will mit seinem Buch zur Rehabilitierung der Ringstraßen-Epoche beitragen.
    Auf 144 reich illustrierten Seiten befasst er sich in zwölf Kapiteln vor allem mit den Menschen und der Gesellschaft, die die Ringstraße prägten.
    Müller schreibt über die Entstehungsgeschichte ebenso wie über die Salons, die Künstler und die Feste.
    Er rollt Intrigen und Skandale auf und widmete ein besonders interessantes Kapitel, den sogenannten Ringstraßen-Ästheten.
    Ich habe in einigen Kapiteln auch spezielle Gruppen herausgenommen, etwa die Ringstraßen-Ästheten, jene Gruppe von Menschen, die sozusagen eine inoffizielle Geschmacksbehörde waren.
    Das waren sehr gebildete Männer,
    und Frauen, die eher im Hintergrund agiert haben, und die die sogenannten Ringstraßenritter, jene schnell zu Vermögen gekommenen Menschen, geschmacklich beraten haben.
    Vor allem also in Fragen der Kunst.
    Peter Müllers Buch leistet, was die Beleuchtung jener Berater im Hintergrund angeht, wirklich Neues, da dieses Material bisher noch nicht in so einladender Form zugänglich war.
    Aber eben weil diese Menschen eher im Hintergrund gewirkt haben, sind sie wenig bekannt und eigentlich sind das wieder Neuentdeckungen, wenn ich nur an die Familie Narko denke oder an den Alexander von Warsberg, den Diplomaten.
    und Reiseschriftsteller oder an Rudolf Graf Hoyers, der einen ungeheuren Einfluss auf die Kunst der Ringstraßenzeit gehabt hat.
    Das Buch Die Ringstraßengesellschaft erhält Hintergründe und Zusammenhänge, die das Werden und den Charakter von Wiens bekanntester Straße bedingt haben.
    Es wendet sich damit nicht nur an Architekturliebhaber und an alle an der Kulturgeschichte des 19.
    Jahrhunderts Interessierten, sondern es bietet mit seinen Kapitelzusammenfassungen in englischer Sprache auch für den ausländischen Wienbesucher interessante Informationen.
    Untertitel der Amara.org-Community
    Die Ringstraßengesellschaft, ein neues Buch von Peter Müller, ist im österreichischen Bundesverlag erschienen.
    Und auch thematisch ist der zweite Kulturbeitrag in diesem Mittagsjournal recht nahe angesiedelt, dieser Epoche zumindest.
    Denn der Geist des kulturell so aktiven Wien am Beginn dieses Jahrhunderts soll jetzt in London in Kürze wieder lebendig werden.
    Und zwar im großen Festival Maler, Vienna and the 20th Century.
    Also Maler, Wien und das 20.
    Jahrhundert.
    das von Claudia Abbado gemeinsam mit Hans Landesmann, dem ehemaligen Generalsekretär des Wiener Konzerthauses, organisiert wurde.
    Konzerte von Mahler bis Ligeti mit international bekannten Künstlern und ein umfangreiches Rahmenprogramm werden vom 14.
    März bis zum 9.
    Juni sowie vom 22.
    September bis Ende Oktober österreichischer Kultur in England noch mehr Breitenwirkung verschaffen.
    Dazu ein Beitrag von Brigitte Hofer.
    Von Ligetis Lontano unter Abbado bis Mahler's 9. unter Bernstein reicht das Programm dieses Festivals in den drei großen Konzerthallen Londons, in der Royal Festival Hall, in der Barbican und der Albert Hall.
    Aber auch Arthur Schnitzler wird gespielt, der einsame Weg als Lonely Road im Old Vic und in der Mezzo im Greenwich Theatre.
    Philosophen von Weltgeltung, unter anderem aus Oxford und Cambridge, werden im matt-ziegelrot gehaltenen Prospekt zu einem Symposium angekündigt, das die Wiener Kultur zu Beginn des 20.
    Jahrhunderts zum Thema hat.
    Ausstellungen von Adolf Loos, Klimt, Schiele und Schönberg sind in ganz London geplant.
    Dieses umfassende Festival hat Hans Landesmann organisiert.
    Schwerpunkt natürlich die Konzertprogramme.
    Maler und die Folgen.
    Mahler hat sehr international gewirkt.
    Das heißt, er war ja, wie Sie wissen, nicht nur in Wien, sondern in Deutschland und auch in Ungarn tätig.
    Wir haben daher Ligeti als ungarischen Komponisten, ungarisch-österreichischen Komponisten gewählt als Vertreter.
    Wir haben Riem aus Deutschland, Fenerow aus England.
    Nonno aus Italien, Shostakovich aus Russland, Eifer aus Amerika und Boulez aus Frankreich als zeitgenössische Komponisten herausgesucht.
    Daneben auch Moderna und Xenek, also eine sehr bunt gemischte Reihe von zeitgenössischen Komponisten.
    Komponisten, die also alle irgendwie auf das Werk Mahlers zurückzuführen sind oder auf die Wurzeln zurückgehen, die bei Mahler liegen?
    Ja, beziehungsweise Mahler und über die 2.
    Wiener Schule, Berg, Schönberg und Webern.
    Wir spielen auch fast in jedem Konzert Werke.
    von Berg, Schönberg und Webern.
    Wir führen ja auch alle wesentlichen Werke von Alban Berg im Rahmen dieses Festivals auf, schon wegen dem 100.
    Geburtstag, aber auch weil er so sehr in das Konzept hineinpasst.
    Und welche ausübenden Künstler werden da in London zu Gast sein?
    Das werden ja auch viele mitteleuropäische Künstler sein.
    Ja, die Künstler sind auch sehr international, wie heute immer heutzutage beim Festival.
    Also Abbado ist natürlich als Dirigent prominent vertreten.
    Daneben auch Colin Davis, Leonard Bernstein, dem Konzertgebauorchester, Simon Reto und Diego Masson sowie Pierre Boulez, der ebenfalls ein Konzert leitet.
    Solisten sind Maurizio Pollini, Isaac Stern, Jesse Norman, um nur einige zu nennen.
    Siebeneinhalb Millionen Schilling werden als Budget für dieses Festival nötig sein.
    Sie müssen von privaten Sponsoren aufgebracht werden.
    Vor allem in England.
    Ein Konzert wird auch von einem österreichischen Geldinstitut gesponsert.
    Denn, Dr. Landesmann,
    Ich kann wirklich sagen, in England ist die Situation katastrophal, was Kultur anbelangt.
    Die offiziellen Stellen sind hier fast, muss man sagen, desinteressiert und betrachten Kultur als eine Privatangelegenheit, was die Finanzierung von dieser Größenordnung sehr schwierig macht.
    weil die privaten Sponsoren auch lieber gängige Darbietungen sponsoren.
    Die Theater sind auch ganz schlecht daran.
    Ein Theater nach dem anderen muss schließen.
    Oder aber nur Lustspiele und Musicals spielen.
    Wir können in Wien, muss ich sagen, sehr froh sein, dass bei uns solche Zustände unbekannt sind.
    Ein zweites Anliegen, das Sie ja in England besonders betreuen, ist das Jugendorchester der Europäischen Gemeinschaft.
    Ein Orchester, das nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt in der kommenden Zeit gastieren wird.
    Woraus setzt sich dieses Orchester zusammen?
    Aus Jugendlichen welcher Länder?
    Also insbesondere, wie auch der Name bedeutet, von der Europäischen Gemeinschaft, von den zehn Ländern.
    Aber wir haben auch Gäste aus Österreich erstmalig.
    Und wir musizieren heuer ganz besonders weit weltweit, weil wir nach Japan eingeladen sind unter Leonard Bernstein.
    das Gedächtniskonzert in Hiroshima zu absolvieren.
    Und außerdem machen wir eine europäische Tournee mit der Zweiten Sinfonie von Gustav Mahler.
    Und ganz erfreulich ist es, dass Österreich hier stark vertreten wird durch die Jeunesse, weil es singt in der Mahler-Zweiten Sinfonie und auch im Kaddisch von Lennart Bernstein der Jeunesse-Chor.
    Und hier hat wieder Wien eine sehr wichtige Rolle, erfreulicherweise, und zwar das Schlusskonzert findet am 23.
    August im Musikverein statt und das wird auch in Eurovision übertragen.
    Das ist für mich eine besondere Freude, dass sozusagen Schlusspunkt und Höhepunkt in Wien sein wird.
    Hans Landesmann, der Organisator des großen Londoner Festivals Maler Vienna and the 20th Century.
    Dieses Festival wird von Mitte März bis Mitte Juni stattfinden und dann noch einmal im Herbst.
    Jetzt gleich aber im Mittagsjournal die Schlussnachrichten.
    Österreich.
    Bundeskanzler Sinovac sagte heute im Pressefoyer nach dem Ministerrat, es liege nun ein seriöses Angebot der Sowjetunion vor, für die Entlagerung des Atommülls aus dem Kernkraftwerk Zwentendorf zu sorgen.
    Er lade alle Parteien ein, sagte Sinovac, dass es im Parlament zu einer Volksabstimmung besonderer Art kommt.
    Zum Fall Haider wiederholte der Kanzler, dass er nicht bereit sei, sich mit dem Kärntner FPÖ-Chef auseinanderzusetzen.
    ÖVP-Generalsekretär Michael Graf sagte in einer Pressekonferenz am Vormittag, das Angebot der Sowjetunion, etwaigen Atommüll aus Österreich abzunehmen, sei nicht neu.
    Der Bundeskanzler solle eine Regierungsvorlage zur Aufhebung des Atomsperrgesetzes und eine entsprechend begründete Darstellung über die Lösung der Sicherheitsfragen vorlegen.
    Solange dies nicht der Fall ist, gebe es im Parlament nichts zu behandeln, sagte Graf.
    Vor etwa zwei Stunden trat in Wien der Parteivorstand der FPÖ zu Beratungen über das Verhalten des kanten Landesparteiobmannes Jörg Kaider im Zusammenhang mit der Affäre Rede Frischenschlager zusammen.
    Generalsekretär Grapermeier sprach von einer Bereinigung des Standpunktes der Partei.
    Es gelte, die Proportionen ins rechte Licht zu rücken.
    Die Partei habe nichts mehr zu verschenken, sagte Grapermeier.
    Abgeordnete Partik Pablé hofft auf eine reinigende Wirkung und auf einen neuen Beginn sowie auf Geschlossenheit der Partei.
    Der Kärntner FPÖ-Obmann Jörg Kaider seinerseits sagte, er gehe mit dem besten Gefühl in die heutige Sitzung und sehe keinerlei Notwendigkeit auf einen Antrag eines Parteischiedsgerichtes gegen ihn.
    Über die konkreten Ergebnisse der Parteivorstandssitzung liegen noch keine Meldungen vor.
    Der Zentralbetriebsratsortmann der Fürst Alpine, Franz Rohaltinger, sagte heute, seiner Meinung nach komme Bautenminister Karl Sekanina als künftiger ÖGB-Präsident nicht mehr infrage.
    Auch Sozialminister Alfred Dallinger sei für ihn kein Kandidat.
    Rohaltinger meinte in Linz, in der derzeit schwierigen Situation der österreichischen Innenpolitik sei es gut, wenn Anton Benja als ruhender Pol weiterhin an der ÖGB-Spitze stehe.
    Sollte eine Ablöse notwendig werden, müsste der neue ÖGB-Präsident aus der nächsten Politiker-Generation kommen, fordert Rohaldinger.
    In Wien haben am Vormittag Nahostgespräche zwischen den beiden Supermächten begonnen.
    Die erste Gesprächsrunde zwischen dem Abteilungsleiter für Nahostfragen im amerikanischen Außenministerium, Richard Murphy, und dem sowjetischen Nahostexperten Wladimir Polyakov findet in der sowjetischen Botschaft statt.
    Morgen werden die Gespräche in der amerikanischen Botschaft fortgesetzt.
    Spanien.
    Mehr als 140 Menschen sind heute beim Absturz eines Verkehrsflugzeuges vom Typ Boeing 727 in der Nähe von Bilbao ums Leben gekommen.
    Das Flugzeug der spanischen Gesellschaft Iberia befand sich auf einem Inlandsflug und kam aus Madrid.
    Kurz vor der Landung prallte die Maschine östlich der Stadt gegen einen Berg.
    Nach Mitteilung der Behörden war die Sicht zu diesem Zeitpunkt gut.
    In der Innenstadt von Madrid wurde heute auf den Generaldirektor der größten spanischen Privatbank, der Banco Central, ein Mordanschlag verübt.
    Der Bankdirektor wurde durch mehrere Schüsse in den Kopf getötet, als er seine Wohnung verließ.
    Die Attentäter konnten unerkannt entkommen.
    Naher Osten.
    Bei Anschlägen im Südlibanon sind gestern zwei hohe israelische Offiziere ums Leben gekommen.
    Im Zusammenhang damit sagte der israelische Verteidigungsminister Yitzhak Rabin heute in Jerusalem, er könne nicht ausschließen, dass die israelischen Streitkräfte auch in Zukunft für eine befristete Zeit in den Libanon zurückkehren, wenn sich Terrorangriffe aus dem Nachbarland nicht anders abwehren lassen.
    Italien.
    Der israelische Ministerpräsident Shimon Perdes ist heute von Papst Johannes Paul II.
    in Privataudienz empfangen worden.
    Im Mittelpunkt der Unterredung dürfte die Frage einer diplomatischen Anerkennung Israels durch den Vatikan stehen.
    Perdes wird morgen zu Nahostgesprächen mit dem rumänischen Staats- und Parteichef Ceausescu nach Bukarest reisen.
    Großbritannien.
    Regierungschefin Margaret Thatcher wird heute mit Vorstandsmitgliedern des Gewerkschaftsdachverbandes TUC über Möglichkeiten zur Beendigung des Bergarbeiterstreiks sprechen.
    Dieser Streik dauert bereits fast ein Jahr.
    Zuletzt hieß es, die Kluft zwischen Gewerkschaft und der staatlichen Kohlebehörde sei nur mehr schmal, sodass eine Vermittlung zu einer raschen Einigung führen könnte.
    Kanada.
    Der oberste Gerichtshof hat entschieden, dass die Vereinigten Staaten einen Marschflugkörper über kanadischen Territorium testen dürfen.
    Der Marschflugkörper soll noch heute ohne Sprengkopf von einem B-52-Bomber abgefeuert werden.
    Das Testgebiet liegt nur etwa 1500 Kilometer vom sowjetischen Luftraum entfernt.
    Nur noch das Wetter bis heute Abend meist sonnig, im Norden und Osten teilweise stärker bewölkt.
    Nachmittagstemperaturen minus sieben bis minus zwei Grad.
    Und damit geht wenige Sekunden vor eins das Mittagsjournal zu Ende.
    Auf Wiederhören.

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Datum: 1985.02.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wetterbericht
    Datum: 1985.02.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Natur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Reaktionen auf das sowjetische Angebot, eventuell Zwentendorf - Atommüll endzulagern: Bundeskanzler Sinowatz nach dem Ministerrat
    Einblendung: Bundeskanzler Sinowatz
    Mitwirkende: Eichinger, Erich [Gestaltung] , Sinowatz, Fred [Interviewte/r]
    Datum: 1985.02.19 [Sendedatum]
    Ort: Wien, Bundeskanzleramt, Ballhausplatz [Aufnahmeort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik Österreich ; Politik ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Reaktionen auf das sowjetische Angebot, eventuell Zwentendorf - Atommüll endzulagern: ÖVP - Generalsekretär Graff ; und zu "Fall Haider"
    Einblendung: ÖVP - Generalsekretär Graff
    Mitwirkende: Esterle, Leopold [Gestaltung] , Graff, Michael [Interviewte/r]
    Datum: 1985.02.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik Österreich ; Politik ; Wissenschaft und Forschung ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    FPÖ - Vorstand berät "Fall Haider"
    Einblendung: Walter Grabher-Meyer, Helene Partik Pablé, Klaus Turek, Alois Huber, Jörg Haider
    Mitwirkende: Hopfmüller, Gisela [Gestaltung] , Pesata, Fritz [Gestaltung] , Grabher-Meyer, Walter [Interviewte/r] , Partik-Pablé, Helene [Interviewte/r] , Turek, Klaus [Interviewte/r] , Huber, Alois [Interviewte/r] , Haider, Jörg [Interviewte/r]
    Datum: 1985.02.19 [Sendedatum]
    Ort: Wien, Parlament [Aufnahmeort]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    USA - UdSSR - Nahostkonflikt-Gespräche in Wien
    Mitwirkende: Fuchs, Brigitte [Gestaltung]
    Datum: 1985.02.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Politik Österreich ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Trailer / Panorama, O -Ton Wolfgang Seifert / Genfer Verhandlungen
    Einblendung: Prof. Seifert
    Mitwirkende: Sterbenz, Edgar [Gestaltung] , Seiffert, Wolfgang [Interpret/in]
    Datum: 1985.02.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Freizeitmessen ab morgen am Wiener Messegelände
    Mitwirkende: Unger, Hans Christian [Gestaltung]
    Datum: 1985.02.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Buchpräsentation "Die Ringstraßengesellschaft" von Peter Müller
    Einblendung: Musik, Peter Müller
    Mitwirkende: Bilek, Robert [Gestaltung] , Müller, Peter [Interviewte/r]
    Datum: 1985.02.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Gesellschaft ; Wirtschaft ; Literatur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Gespräch mit Hans Landesmann, Direktor des Mahler-Festivals in London
    Einblendung: Hans Landesmann, Musik
    Mitwirkende: Hofer, Brigitte [Gestaltung] , Landesmann, Hans [Interviewte/r]
    Datum: 1985.02.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik Österreich ; Kultur ; Musik ; E-Musik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten

    Katalogzettel

    Titel Mittagsjournal 1985.02.19
    Spieldauer 01:00:20
    Mitwirkende Löw, Werner [Moderation]
    Wendl, Fritz [Regie] [GND]
    ORF [Produzent]
    Datum 1985.02.19 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ audio
    Format TKA [Tonband auf Kern (AEG)]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-850219_k02
    Medienart Mp3-Audiodatei
    Gesamtwerk/Reihe Mittagsjournal

    Information

    Inhalt

    Nachrichten

    Verortung in der digitalen Sammlung

    Schlagworte

    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt