Mittagsjournal 1983.03.12

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    Die Zeit?
    In fünf Sekunden ist es 12 Uhr.
    12 Uhr.
    Hier ist der österreichische Rundfunk.
    Grüß Gott meine Damen und Herren, bei Mittagschanal begrüßt Sie an einem strahlenden Samstagmittag Reinhold Henke im Namen des aktuellen Dienstes.
    Wir haben heute im Mittagschanal in der kommenden Stunde zwei Beiträge, zwei Vorschauen auf zwei Wahlen und zwar in der Bundesrepublik Deutschland und in Frankreich.
    Im nördlichsten deutschen Bundesland, Schleswig-Holstein, wird morgen der Landtag neu gewählt und da gibt es zumindest ein interessantes Detail.
    Die Freidemokraten, die ja in Bonn mit den Christdemokraten koalieren, wollen hier eine Koalition mit den Sozialdemokraten.
    Zurzeit regiert eine CDU-Regierung.
    Und in Frankreich kommt es morgen zum zweiten Durchgang der Kommunalwahlen, die im vergangenen Sonntag einen hervorragenden und überraschenden Sieg der bürgerlichen Parteien gebracht haben.
    Im Journal zu Gast ist heute Vizekanzler Fred Sinowatz.
    Dann gibt es wie immer die Auszüge aus den Kommentaren der Tageszeitungen.
    Und wir bringen dann noch anlässlich des 100.
    Todestages von Karl Marx ein Gespräch mit dem Ideologen der österreichischen Kommunistischen Partei, Ernst Wimmer.
    Und im Kulturtheater hören Sie einen Beitrag über den Verlag Rowold, der jetzt 75 Jahre alt geworden ist.
    Jetzt zum Meldungsteil.
    Verantwortlich dafür ist heute Mittag Elisabeth Mahners und die Sprecherin ist Eva Wächter.
    Mit einem Abrüstungsappell ist heute Vormittag in Neu Delhi die Gipfelkonferenz der Bewegung der Blockfreien zu Ende gegangen.
    In einem Schlussdokument mit der Bezeichnung Botschaft von Delhi werden die Großmächte aufgefordert, Misstrauen abzubauen und mit gutem Willen eine Einigung in Fragen der Abrüstung anzustreben.
    Darüber hinaus wird verlangt, einen Ausweg aus der Weltwirtschaftskrise zu suchen.
    Die neue Vorsitzende der Bewegung der Blockfreien, die indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi, erklärte, die Wirtschaftskrise bedrohe alle Staaten der Erde.
    Frau Gandhi bezeichnete die Konferenz als Erfolg, auch wenn, wie sie sagte, nicht in jedem Punkt Übereinstimmung erzielt worden sei.
    So wurde eine Erklärung zum iranisch-irakischen Krieg aus dem Schlussdokument ausgeklammert.
    Keine Einigung gab es auch über den nächsten Tagungsort der blockfreien Länder.
    Eine Entscheidung darüber soll erst in zwei Jahren fallen.
    Polen.
    Die Fronten zwischen der verbotenen Gewerkschaft Solidarität und der Militärregierung in Warschau haben sich wieder verhärtet.
    Der ehemalige Gewerkschaftsführer Lech Walesa kündigte Streiks, Hungerstreiks und andere Formen des Protestes an.
    Walesa sagte, Gespräche, Aktionen und Briefe hätten keinen Erfolg gebracht.
    Es sei nicht möglich, weiter zu diskutieren, wenn immer mehr Menschen festgenommen und in Prozesse verwickelt würden.
    Die Arbeiter der Leninwerft in Danzig wollen in den nächsten Tagen für die Wiederzulassung der Solidarität demonstrieren.
    Entsprechende Flugblätter kursieren in Danzig.
    In New York hat ein früherer Funktionär der Solidarität behauptet, in Polen müssten etwa 8000 politische Häftlinge in Straflagern Schwerarbeit leisten.
    Der Ex-Funktionär sagte, im Vergleich zu den Lebensbedingungen in diesen Straflagern seien die Verhältnisse in den früheren Internierungslagern als paradiesisch zu bezeichnen.
    Jugoslawien.
    In der überwiegend von Albanern bewohnten jugoslawischen Provinz Kosovo ist es gestern neuerlich zu Demonstrationen von Jugendlichen gekommen.
    Anlass war der zweite Jahrestag der blutigen Unruhen in der autonomen Provinz.
    Die Versammlungen wurden von den Sicherheitskräften aufgelöst.
    Mehrere Anführer wurden festgenommen.
    Zentrum der Kundgebungen war die Provinzhauptstadt Pristina.
    Frankreich.
    Die Kommunalwahlen in Frankreich gehen morgen in die zweite entscheidende Runde.
    Gewählt wird in jenen Gemeinden, in denen im ersten Wahlgang keine Partei die absolute Mehrheit erringen konnte.
    Im zweiten Wahlgang genügt die relative Mehrheit.
    Die erste Runde hat den regierenden Sozialisten und Kommunisten deutliche Verluste gebracht.
    Nach Ansicht politischer Beobachter in Paris wird Staatspräsident François Mitterrand im Falle weiterer Einbußen wahrscheinlich seine Regierung umbilden.
    Als unsicher gilt besonders die Position von Ministerpräsident Pierre Moroy.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Die Spannungen im europäischen Währungssystem sind stärker geworden.
    Spekulationen über eine Neuordnung der Wechselkurse haben Auftrieb erhalten.
    Nach Überzeugung von Frankfurter Devisenhändlern stehen alle Währungen des Systems, mit Ausnahme der deutschen Mark und des holländischen Guldens, unter Abwertungsdruck.
    Eine Korrektur nach dem morgigen zweiten Wahlgang der französischen Kommunalwahlen wird nicht ausgeschlossen.
    Großbritannien Die Erdölminister der OPEC, der Organisation Erdöl exportierender Länder, setzen heute in London ihre Beratungen fort.
    Zur Debatte stehen das Ausmaß einer Ölpreissenkung sowie neue Förderquoten.
    Sollte eine Einigung auf eine neue Förderstruktur zustande kommen, so wäre der Weg für die Senkung des Basispreises von bisher 34 Dollar auf 29 Dollar pro Fass frei.
    USA.
    Präsident Reagan hat seine Umweltpolitik verteidigt.
    In einer Pressekonferenz sagte Reagan, der Rücktritt der Leiterin der amerikanischen Umweltschutzbehörde, Ann Burford, habe keine fachlichen, sondern politische Ursachen gehabt.
    Ziel der Kritik sei nicht der Umweltschutz, sondern seine Regierung.
    Der Präsident bekräftigte außerdem die Entschlossenheit, sogenannte undichte Stellen im Regierungsapparat zu schließen.
    In jüngster Zeit sind zahlreiche vertrauliche Informationen aus dem Weißen Haus an die Öffentlichkeit gelangt.
    Nun werden tausende Regierungsangestellte eine Erklärung abgeben müssen, dass sie solche Informationen nicht weitergeben.
    Vorgesehen sind ferner der Einsatz von Lügendetektoren sowie die sorgfältige Überwachung der Kontakte zwischen Behörden und Medien.
    Jüngste Presseberichte über Unstimmigkeiten in der amerikanischen Delegation bei den Genfer Verhandlungen über Interkontinentalraketen haben in Washington für Aufsehen gesorgt.
    Delegationschef Edward Rowney soll dem neuen Vorsitzenden der Abrüstungsbehörde Kenneth Edelman eine sogenannte schwarze Liste mit den Namen von 18 Beamten übersandt haben, die seiner Ansicht nach entlassen werden sollten.
    Angeblich kritisiert Rowney, dass diese Beamten ein Abkommen mit Moskau um jeden Preis anstrebten.
    Ein Sprecher des Außenministeriums in Washington wollte sich zu den Meldungen bisher nicht äußern.
    Die Zahl der Verbrechen ist in New York im vergangenen Jahr um 5% zurückgegangen.
    Am stärksten war der Rückgang bei Raubüberfällen mit 10% und bei Einbrüchen mit 16%.
    Auch die Zahl der Mordfälle liegt um 9% unter der des Vorjahres.
    Die Polizeibehörden von New York führen diese positive Tendenz auf neue Methoden bei der Verbrechensbekämpfung zurück.
    Italien.
    Wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder sind gegen alle Mitglieder des obersten Richterrates mit einer Ausnahme gerichtliche Ermittlungen eingeleitet worden.
    Der Richterrat ist die höchste Kontrollinstanz der italienischen Justiz.
    Lediglich Staatspräsident Sandro Pertini, er leitet dieses Gremium, ist nicht von den Ermittlungen betroffen.
    Ausgelöst wurden die Untersuchungen nach einer parlamentarischen Anfrage der radikalen Partei.
    Sie hatte enorme finanzielle Aufwendungen des Richterrates kritisiert.
    Spanien.
    Im Baskenland sind gestern Abend drei Bombenanschläge verübt worden.
    Ziele waren ein Büro der pro-kommunistischen Gewerkschaft und zwei Industriebetriebe, die einen Personalabbau angekündigt hatten.
    Verletzt wurde niemand, der Sachschaden ist jedoch beträchtlich.
    Bisher hat sich noch niemand zu den Anschlägen bekannt.
    Norwegen.
    Der frühere Manager eines Altenpflegeheims in Trondheim ist wegen Mordes an 22 Patienten zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt worden.
    Ein Schwurgericht sprach ihn schuldig, von 1977 bis 1980 22 alte Patienten durch Giftinjektionen ermordet zu haben.
    Die psychiatrischen Gutachter erklärten den Mann für nicht geisteskrank, billigten ihm aber zu, aufgrund einer unglücklichen Kindheit in der Entwicklung zurückgeblieben zu sein.
    Der Prozess gilt als der umfassendste und langwierigste in der Geschichte Norwegens.
    Die Wetterlage.
    Im Alpenraum festigt sich wieder der Hochdruckeinfluss.
    Die Aussichten bis morgen früh.
    Örtlich noch starke Bewölkung mitunter Schneeschauer.
    In der Folge allgemein Bewölkungsrückgang.
    Mäßige Winde aus West bis Nord.
    Nachmittagstemperaturen 2 bis 9 Grad.
    Tiefstwerte der kommenden Nacht minus 5 bis plus 2 Grad.
    Die Wetteraussichten für morgen Sonntag, allgemein heiter bis wolkig, Wind aus West bis Nordwest, Tageshöchsttemperaturen 5 bis 10 Grad.
    Das Wetter übermorgen Montag, wechselnd wolkig und weiterer Temperaturanstieg.
    Die Messwerte von 12 Uhr.
    Wien heiter, 5 Grad, Nordostwind mit 15 Kilometern in der Stunde.
    Eisenstadt stark bewölkt, 5 Grad, Nordwind 25 Kilometer.
    Linz wolkig, 4 Grad, Südwest 5.
    Salzburg heiter, 6 Grad, Windstille.
    Innsbruck bedeckt, 5 Grad, Ostwind 15 Kilometer.
    Bregenz bedeckt, 8 Grad, West 3.
    Graz stark bewölkt, 4 Grad, Windstille.
    Und Klagenfurt stark bewölkt, 5 Grad, Ostwind mit 20 Kilometern in der Stunde.
    Am morgigen Sonntag gibt es in der Bundesrepublik Deutschland und in Frankreich zwei Wahlgänge, die trotz der schon gewesenen Bundestagswahl am vergangenen Sonntag eigentlich sehr interessant sind.
    Zunächst in die Bundesrepublik Deutschland.
    Dort wird im nördlichsten Bundesland, Schleswig-Holstein, der Landtag neu gewählt.
    Der Ausgang dieser Wahl ist nach dem Ergebnis der Bundeswahl zumindest natürlich im Trend vorhersehbar, aber dennoch.
    Es gibt nämlich eine Konstellation, die diese Wahl sehr spannend macht.
    Schleswig-Holstein wird von der CDU regiert.
    Nach dem jetzigen Finanzminister Gerhard Stoltenberg, der davor Ministerpräsident von Schleswig-Holstein war,
    ist es jetzt Uwe Barschl.
    Gegen ihn stehen aber SPD und, mittlerweile schon eine Einzigartigkeit in der Bundesrepublik Deutschland, die Freidemokraten.
    Der dortige FDP-Landeschef Ronneburger, einst übrigens Genschers Gegenkandidat auf dem Sonderparteitag in Berlin nach dem Koalitionswechsel in Bonn, Ronneburger möchte mit den Sozialdemokraten eine linksliberale Landeskoalition binden.
    Für die FDP des Bundeslandes geht es aber auch um die Überlebensfrage.
    Schlechthin so gesehen ist also noch vieles offen in Schleswig-Holstein.
    Gottfried Zmeck berichtet.
    Gleich nach den Bundestagswahlen am Sonntag zogen in Schleswig-Holstein die Plakatierkolonnen los.
    Die Slogans mussten dem Wahlergebnis angepasst werden.
    Für die CDU, die in Kiel mit absoluter Mehrheit regiert, geht es darum, das hervorragende Bundesergebnis auch in einen Zuwachs an Landtagsmandaten umzumünzen.
    Die SPD hofft darauf, dass die rund zwei Millionen Wahlberechtigten dem Unionssieg vom 6.
    März ein landespolitisches Gewicht entgegensetzen, unter dem Motto, damit die schwarzen Bäume nicht in den Himmel wachsen.
    Doch die alte politische Faustregel, wonach es bei Landtagswahlen jene Partei leichter hat, die in Bonn auf den Oppositionsbänken sitzt, ist diesmal kaum anwendbar.
    Der Abstand von nur einer Woche ist zu kurz, um dem Sog der Bundestagswahl zu entrinnen.
    Die landespolitischen Themen wie Kernkraft, Stichwort Brockdorf, Gesamtschule und, für das Land zwischen Ostsee und Nordsee wichtig, die Frage der Eindeichungen, wurden von bundesweiter Problematik wie der Arbeitslosigkeit überlagert.
    Vor fünf Monaten übernahm CDU-Ministerpräsident Uwe Barschl dieses Amt von Gerhard Stoltenberg, der als Finanzminister nach Bonn ging.
    Der Doppeldoktor Uwe Barschl ist mit 38 Jahren der jüngste Regierungschef in der Bundesrepublik.
    Innerhalb seiner kurzen Amtszeit ist es ihm durchaus gelungen, aus dem Schatten Stoltenbergs herauszutreten.
    Die CDU setzt auf den bundesweit so erfolgreichen Slogan vom Aufschwung.
    Noch rechtzeitig vor den Wahlen verabschiedete sie ein 420-Millionen-Mark-Investitionsprogramm.
    Die Bekämpfung der Wirtschaftskrise ist auch in Schleswig-Holstein Thema Nummer eins.
    Die Arbeitslosenrate liegt hier über dem Bundesdurchschnitt.
    1979 war die Mehrheit der CDU hauchdünn.
    Ganze 1300 Stimmen weniger.
    Und die SPD hätte mithilfe der FDP die Regierung übernommen.
    Nach dem eindrucksvollen Sieg vom Sonntag hoffen die Christdemokraten, im nördlichsten Bundesland ihre absolute Mehrheit zu festigen.
    Am 6.
    März gewann die CDU in Schleswig-Holstein mehr als 7% dazu.
    Außerdem nahm sie der SPD 9 von 11 Direktmandaten ab.
    Damit überholte erstmals die CDU die SPD bei Bundestagswahlen in diesem Land.
    Keine günstige Position für den sozialdemokratischen Spitzenkandidaten Björn Engholm.
    Der frühere Bonner Bildungsminister, er wird dem linken SPD-Flügel zugerechnet, tritt an, um die CDU-Vorherrschaft in Kiel nach 33 Jahren zu brechen.
    Er präsentiert sich als die sympathischere Alternative und warnt vor dem, so wörtlich, totalen CDU-Staat.
    Seine Wahlkampfmannschaft, der nur zwei Politiker aus dem Lande selbst angehören, spiegelt in ihrer personellen Zusammensetzung den traditionell linken Kurs der Landes-SPD wieder.
    Auch in den eigenen Reihen wird dieses Team als wenig zu kräftig empfunden.
    Enkholms Chancen, durch einen Sieg in Kiel das Selbstbewusstsein der gesamten SPD aufzumöbeln, stehen auch deshalb nicht günstig, weil mit den Liberalen, die sich als Koalitionspartner angeboten haben, kaum zu rechnen ist.
    Die FDP, die vor vier Jahren 5,7% erreichte, funkt SOS.
    Hilfe, rettet die Liberalen, ist auf ihren Plakaten wörtlich zu lesen.
    Der FDP-Landesvorsitzende Uwe Ronneburger, beim Berliner Parteitag unterlegener Gegenkandidat Genschers, setzt auf eine im Gegensatz zur Bundespartei stehende Koalitionsaussage zu Kunsten der SPD.
    Der Hauptgrund, warum FDP-Chef Genscher im Landtagswahlkampf nicht präsent war.
    Die Demoskopen siedeln die FDP zwischen 2 und 3 Prozent an.
    Vor einer Woche erreichten die Liberalen zwar 6,3 Prozent, allerdings mit zahlreichen Zweitstimmen von der CDU.
    Diese werden bei der Landtagswahl wohl wegfallen.
    Ebenso unsicher ist der Einzug der Grünen in den Kieler Landtag.
    Erst im Herbst fanden die zerstrittenen Grünen in Schleswig-Holstein zu einer gemeinsamen Liste zusammen.
    Sie stehen vor allem seitens der SPD unter Beschuss, obwohl sie mit Engholm unter zwei Bedingungen zusammenarbeiten würden.
    Vorbehaltloses Nein zur Kernenergie und Verhinderung der NATO-Nachrüstung.
    Ähnlich wie Hans-Jochen Vogl ließ auch Engholm seine Haltung zu den Grünen offen.
    Er würde die Stimmen der Grünen bei der Wahl des Ministerpräsidenten nicht zurückweisen, sei allerdings zu keinen Zugeständnissen bereit.
    Eine rot-gelb-grüne Regierung, die sogenannte Ampelkoalition, wird es allerdings mit Sicherheit nicht geben.
    Die FDP machte deutlich, dass sie bei so einem Bündnis nicht mitmachen würde.
    Hält man sich an den Trend vom letzten Sonntag, so ist ein Sieg der CDU zu erwarten.
    Doch die Wähler in Schleswig-Holstein waren schon in der Vergangenheit des Öfteren für Überraschungen gut.
    Das war eine Vorschau auf die Landtagswahlen im nördlichsten deutschen Bundesland Schleswig-Holstein, ein Beitrag von Gottfried Zmeck.
    Am morgigen Sonntag heißt es auch in hunderten französischen Städten wählen gehen.
    Es ist dort der zweite Durchgang der Kommunalwahlen, die am vorigen Sonntag bereits ihre erste Runde erlebt hatten.
    Dort, wo es für die einen oder die anderen keine absolute Mehrheit gab, muss morgen eine Stichwahl durchgeführt werden.
    Die Wahl vom vergangenen Sonntag wurde trotz der deutschen Bundestagswahlen überall auch mit viel Interesse verfolgt.
    Nach dem Regierungsumschwung auf Staatsebene in Paris wurde mit Spannung verfolgt, ob es nämlich die französische Linke wieder schafft oder ob die bürgerlichen Kandidaten einen Teil der Macht im Staate zumindest auf Bürgermeisterebene zurückerringen könnten.
    Als noch die bürgerliche Regierung unter Präsident Giscard d'Estaing in Paris einer Macht war, eroberten die Sozialisten 1977 bei den Gemeindewahlen sensationell unzählige Bürgermeistersessel und diesmal war zumindest beim ersten Durchgang eben der Trend umgekehrt.
    Am vorigen Sonntag konnten die bürgerlichen Parteien ihren großen Wahlerfolg feiern.
    Aber der ist eben noch nicht fixiert.
    Dieser Trend muss erst bei der morgigen Stichwahl bestätigt werden.
    Nach dem ersten Durchgang sprachen jedenfalls sozialistische Politiker vom Schiffbruch der Linken.
    Aus Paris berichtet Thomas Fuhrmann.
    Die erste Runde der französischen Gemeindewahlen war für die Linksparteien der Regierungskoalition eine kalte Dusche.
    Der morgige zweite Wahlgang könnte die Dusche in ein Sintflutartiges Gewitter umwandeln.
    Wenn der Trend vom letzten Sonntag zugunsten der bürgerlichen Opposition anhält, dann wird die Linke zu den bereits verlorenen 16 Großstädten weitere 30 bis 40 an die Rechte abtreten müssen.
    Unter den Opfern könnte sich auch so mancher Minister befinden.
    Der Wahlkampf in den letzten Tagen war durch zwei Elemente gekennzeichnet.
    Zunächst versuchten die beiden großen Lager in allen Städten, wo Stichwahlen erforderlich sind, die kleinen Listen und ihr Stimmenpotenzial zu sich herüberzuziehen.
    Das galt für die Grünen wie für links- und rechtsextreme Gruppierungen.
    Aber nicht überall ließen sich die Großen von den Kleinen oder umgekehrt erpressen und betören.
    Das zweite Element war der Versuch, all jene, die sich am vergangenen Sonntag der Stimme enthalten hatten, für die zweite Runde auf die Beine zu bringen.
    Besonders aktiv war in dieser Hinsicht die geschockte Linke, die mit allen Mitteln versucht, den Schaden in erträglichen Grenzen zu halten.
    Vor allem die sozialistischen Parteiverantwortlichen gaben zu, sie hätten die Warnung, das Signal der ersten Runde empfangen und würden sich danach richten.
    Aber nun müsse alles daran gesetzt werden, dem Triumph der Rechten einen Riegel vorzuschieben.
    Den bürgerlichen Parteien wurde eine reaktionäre, rassistische, ja faschistische Wahlkampagne vorgeworfen.
    Die Rechtsparteien hätten ihren Erfolg ausschließlich mit den Themen Überfremdung und wachsende Unsicherheit erzielt.
    Tatsächlich beherrschte nicht die Wirtschaftspolitik, sondern die Gastarbeiterfrage und die Kriminalität die Endphase des Wahlkampfs.
    Es wurde nicht rational, sondern nur mehr emotional argumentiert.
    Das Zentrum des Wahlkampfs lag dabei in dieser Woche zweifellos in Marseille.
    Der dortige Überlebenskampf des Bürgermeisters Gaston de Fer beherrschte die Wahlschlacht.
    Eine Niederlage des 72-jährigen Innenministers wäre das leuchtende Symbol für die Schwächung der Linken.
    Defer regiert die Mittelmeer-Metropole seit 30 Jahren.
    Seine Niederlage käme dem Sturz eines Denkmals gleich.
    Außerdem wäre der Verlust der zweitgrößten Stadt des Landes umso schmerzlicher, als damit die Rechte die drei größten Städte Frankreichs, Paris, Marseille und Lyon, beherrschen würde.
    Nach der von Innenminister Defer eingeleiteten Dezentralisierung, die den Städten und Gemeinden mehr Kompetenzen als in der Vergangenheit übertragen hat,
    hätte die Opposition damit ein bedeutendes Gegengewicht zur Zentralregierung in Paris geschaffen.
    All das zusammengenommen wäre für Gaston de Fer zu viel.
    Deshalb hat er bereits angekündigt, er würde das Kabinett verlassen, sollte er morgen in Marseille verlieren.
    Allein dadurch wäre eine Regierungsumbildung nach den Gemeindewahlen unvermeidlich.
    Vom Endergebnis der Wahlen wird das Ausmaß der Kabinettserneuerung abhängen.
    Über die reinen Personalfragen hinausgehend stellt sich für Staatspräsident François Mitterrand die Frage der Fortsetzung oder Veränderung des politischen und wirtschaftlichen Reformkurses.
    Ein Debakel seiner Linkskoalition gebe ihm dafür freie Hand und eine noch größere Entscheidungsfreiheit als bisher.
    Das war Thomas Fuhrmann aus Paris.
    Sowohl über die Kommunalwahlen in Frankreich als auch über die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein werden wir dann am Montag früh im Wagenschanal berichten.
    Da wird man schon einigermaßen das Ergebnis wissen.
    Es ist jetzt 12 Uhr und 21 Minuten und jetzt unsere Samstagsserie.
    Im Journal zu Gast.
    Heute ist unser Gast Unterrichtsminister und Vizekanzler Fred Sinowatz.
    Bundeskanzler Kreisky ist ja innerhalb der Sozialistischen Partei seit 13 Jahren wohl einer der unumstrittensten Parteiobmänner, die es in der SPÖ je gegeben hat.
    Trotzdem gibt es aber rund um Bruno Kreisky praktisch eigentlich seit 1975 in und außerhalb der Partei eine beliebte Spekulation, nämlich jene um die möglichen Nachfolger des Kanzlers.
    Einerseits hängen diese Spekulationen sicher mit der fortgeschrittenen Alter Kreiskis zusammen, andererseits aber auch damit, dass der Kanzler ja selbst immer wieder mögliche Nachfolge ins Spiel gebracht hat.
    Deren Namen und Zahl sind mittlerweile schon Legion, manche scheinen völlig aus dem Rennen zu sein, wie etwa Wiensbürgermeister Graz, andere wieder werden von den Medien als Kronprinzen auf Kohärenzurlaub gehandelt,
    wie etwa der jetzige Generaldirektor der Kreditanstalt Bankverein Hannes Androsch.
    Ein Mann hat sich für diese Funktion des logischen Nachfolgers nie gedrängt und scheint es nun gerade deswegen vielleicht zu werden, eben Fred Sinowatz.
    Der stets mit Übergewicht kämpfende Burgenländer, von einer Zeitung einmal als der leider neue Karrierist bezeichnet, hat die allerbesten Chancen, Bruno Kreisky in der Partei nachzufolgen,
    und im Falle eines Verlustes der absoluten Mehrheit der SPÖ auch der wahrscheinliche Kanzler einer Koalition zu werden.
    Der 54-jährige Historiker pendelt übrigens heute noch täglich zwischen dem Wiener Minoritenplatz, dem Sitz des Unterrichtsministeriums, und seinem Einfamilienhaus in Neufeld im Burgenland.
    Er gibt Bruno Kreisky als sein politisches Vorbild an und gilt in der Sozialistischen Partei als integrative Kraft, sollte Bruno Kreisky abtreten.
    Mit Fred Sinowatz sprachen Fritz Besatter und Johannes Fischer.
    Herr Vizekanzler, am 13.
    April 1982 haben Sie gesagt, ich habe keine Lust auf die Kreisky-Nachfolge.
    Ungefähr ein halbes Jahr später haben Sie gesagt, es gibt einige Gründe, die gegen mich sprechen, sollte ich aufgefordert werden, Bundeskanzler zu werden.
    Und in den letzten Interviews haben Sie gesagt, ich nehme diese Aufgabe an, sollte sie an mich herangetragen werden.
    Die Frage an Sie, was hat sich in dieser Zeit, in diesem knappen Jahr verändert?
    Ist die SPÖ und ihre Wahlchancen, sind die schlechter geworden oder sind Sie in Ihrer eigenen Einschätzung besser geworden?
    Also ich bin überhaupt der Meinung, dass man keine Lust haben soll, eine so große und verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen.
    Das Wort Lust haben darauf, das ist etwas, das ich nicht gerne verwende.
    Ich bin damals gefragt worden, weil das eine Aufgabe ist, die mit so viel Verantwortung und mit so viel Schwierigkeiten verbunden ist, dass man von der Seite herangehen muss, nach meinem Dafürhalten.
    Darf man keine Lust auf ein Regierungsamt haben?
    Ja, Lust ist ein Wort, das ich in dem Zusammenhang ich persönlich nicht verwende.
    Ich kann mir vorstellen, dass eine solche Aufgabe herausfordert, die Kreativität sozusagen beflügelt und dass man etwas erreichen will, etwas durchsetzen möchte, Ideen realisieren möchte, politische Ziele.
    durchsetzen kann.
    Das stimmt schon, aber Lust, das ist etwas so Vordergründiges, das meine ich, soll man damit nicht in Zusammenhang bringen.
    Und ich gebe gerne zu, dass ich bei vielen Aussagen, die ich gemacht habe, darauf verwiesen habe, dass ich
    wie ich glaube, ein selbstkritischer Mensch bin und ich mich nicht scheue zu sagen, naja, das muss ich mir schon überlegen.
    Da muss ich mit mir selber fertig werden und mit meinen Freunden reden darüber.
    Das gebe ich gerne zu, das habe ich nie verschwiegen.
    Aber Sie würden es sich heute weniger
    kritisch überlegen als noch vor einem Jahr?
    Genauso kritisch wie vor einem Jahr.
    Ich habe das nie anders gesehen.
    Schauen Sie, ich bin mit 16 Jahren zum ersten Mal 1945 in der sozialistischen Partei als junger Mensch tätig gewesen.
    Ich habe nie geglaubt, in dieser Partei so wichtige Funktionen
    zu haben und ich wäre ein Sozialdemokrat, auch wenn ich nicht Minister wäre.
    Ich meine, für mich gibt es auf der einen Seite diese politische Herausforderung, ich bin ein politischer Mensch, aber auf der anderen Seite steht diese Aufgabe, die mir übertragen wurde und die ich immer als Aufgabe verstanden habe, nicht als etwas, um das ich mich beworben habe, um etwas, das ich sein wollte.
    Sie sprechen von Herausforderungen, Herr Vizekanzler.
    Die Herausforderung kann auch die eigene Partei betreffen.
    13 Jahre Regierung, SPÖ, haben in der SPÖ einige Abnutzungserscheinungen offenbar werden lassen.
    Wo würden Sie sagen, gibt es eine Herausforderung für Sie, was die Partei betrifft?
    Was ist an der SPÖ zu reparieren nach diesen 13 Jahren?
    Die sozialistische Partei
    hat im Verlauf ihrer Tätigkeit, in vielen, vielen Jahrzehnten, sich immer eingestellt auf die gesellschaftlichen Verhältnisse, die bestanden haben.
    Und das geschieht auch jetzt so.
    In der sozialistischen Partei ist nichts zu reparieren.
    Es gibt neue Aufgabenbereiche.
    Es gibt neue Herausforderungen.
    Es gibt neue gesellschaftliche Bedingnisse.
    Und es kommt darauf an, für eine so große Partei, ob sie imstande ist, dieser Herausforderung Rechnung zu tragen.
    Schauen Sie, Umweltschutz.
    Ich gebe zu, dass wir einen Erziehungsprozess benötigen.
    Wie immer, wenn neue Aufgaben kommen, werden sie zuerst ventiliert, werden sie artikuliert.
    Und hier haben jene, die
    sich als Grüne bezeichnet haben, durchaus ihre Berechtigung gehabt und haben ihre Berechtigung.
    Aber in der politischen Durchsetzung erwarte ich mir von einer Partei, die eindimensional denkt, diese Probleme nicht in Zusammenhang sieht mit anderen Fragen, keine Lösungskompetenz.
    Zu den Grünen noch einmal.
    Sie werfen Ihnen Eindimensionalität vor, meinen wohl damit, dass sich diese grünen und alternativen Gruppen nur auf ganz bestimmte sektorale
    Themen beschränken, Umweltschutz und vor allem in diesem Bereich.
    Machen Sie es sich da nicht als große Partei ein bisschen zu leicht, weil es ist ja nicht zu erwarten, dass die Alternativen gleich die absolute Mehrheit und die Grünen-Parteien in diesem Parlament erreichen werden.
    Ich muss noch einmal sagen, dass ich die Rolle der Menschen, die sich diesen neuen Ideen verschrieben haben, nicht geringschätze.
    Ich möchte noch einmal sagen, dass sich wahrgeblich dazu beigetragen haben, dass sich im Bewusstsein der Menschen eine Sensibilisierung für diese Bereiche ergeben hat.
    Dass viele, die versponnen waren in dieser Politik des Wachstums, sich jetzt Gedanken machen, wo sind die Grenzen, was muss ich tun, was muss ich machen.
    Aber das halte ich als die Aufgabe der Grünen und nicht die Aufgabe sozusagen in der Politik selbst aufzutreten, sozusagen als Partei.
    Denn hier beginnt ja dann die Frage der Realisierung.
    Da muss dann diese Eindimensionalität wegfallen.
    Und ich glaube nur, dass diese riesigen, gigantischen, gesellschaftlichen Aufgaben, die damit verbunden sind, nur durch eine starke politische Kraft realisiert werden kann.
    Ich hielte also,
    Die Grünen, die sozusagen das Gewissen dieser Politik sein können, in der Bewusstseinsbildung ganz allgemein außerhalb des Parlaments viel wichtiger und viel bedeutsamer als wenn sie sich in der Politik in einer doch sehr engen parteipolitischen Grenze halten, wie das jetzt schon erkennbar ist in ihren Aussagen, in ihren Streitigkeiten,
    in ihren doch sehr einseitigen Bereichen.
    Ja, das ist der gute Recht als Sozialdemokrat und Mitglied einer Partei, die der absolute Mehrheit im Parlament hat, zu sagen, mir sind die Grünen lieb und teuer, aber am liebsten sind sie mir, wenn sie außerhalb des Parlaments bleiben, damit ich weiterhin im Parlament die absolute Mehrheit habe.
    Die Frage ist aber, die sollte, und einiges spricht dafür, sollten jetzt Grünparteien, Alternativparteien ins Parlament kommen, wie weit sind sie dann auch aus Ihrer Sicht
    Ich meinte das gar nicht so vorhin, dass ich aus rein parteipolitisch-egoistischen Gründen der Auffassung bin, dass die Grünen nicht im Parlament sein sollen.
    Ich glaube nur, dass ihre politisch-moralische Aufgabe besser bewältigt werden kann, wenn sie nicht durch diese doch sehr enge parteipolitische Struktur, die sie jetzt annehmen, behindert werden.
    Wenn die Grünen ins Parlament kommen, dann ist das ein Teil des Parlaments und man wird dann sehen, wie sie sich im Parlament verhalten, wie ihre Arbeit sein wird.
    Das ist ein unbekannter Faktor.
    Wenn Sie mich fragen, ich erwarte mir nicht sehr viel.
    Ist die SPÖ in Gefahr, eine Partei zu werden, die schon zu lange auf eine Person zugeschnitten ist und dieses Führungspersönlichkeitsprinzip kann das zur Gefahr für die SPÖ werden?
    Ich glaube, es wird überhaupt übertrieben, dass die SPÖ sozusagen nur die Partei Bruno Kreiskis ist.
    Aber zu einem guten Elis ist es.
    Das ist gar keine Frage, dass die überragende Persönlichkeit Bruno Kreiskis sehr stark die Bewegung repräsentiert.
    Ich halte das für durchaus legitim und für richtig.
    Aber die Partei selbst lebt ja.
    Das ist ja nicht so, dass die abgetreten ist.
    Deswegen, weil in der Öffentlichkeit aus vielen, vielen Gründen dieser Parteiobmann und dieser Bundeskanzler diese starke Persönlichkeit in den Vordergrund tritt.
    Aber es passiert in der Partei wie in der Regierung das, was Bruno Kreisky will?
    Wir sind in einer Situation, bei der wir halt gerne dem zustimmen, was der Bundeskanzler vorschlägt, weil es halt immer Hand und Fuß hat und weil es sich in den letzten Jahren ja richtig erwiesen hat.
    Ist nach dem Abtritt Bruno Kreiskis, der irgendwann in den nächsten Jahren absehbar ist, eine Regeneration der SPÖ notwendig?
    Das Wort Regeneration ist völlig falsch in dem Zusammenhang.
    Ganz gleich, ob Kreisky noch zehn Jahre bleibt oder nicht, muss sich jede Partei immer wieder erneuern.
    Und das ist ja auch in dieser Partei in den 70er Jahren der Fall gewesen.
    Man übersieht nur dadurch, weil man sich immer mit dem politischen Alltag befasst, was sich an Neuerungen, an Erneuerung ergibt.
    Und auch im Hinblick auf manche Verkastungen und Verkrustungen, die es natürlich in einer Partei, in einer großen Partei auch gibt, haben wir ja gesehen, dass gerade von ihm, von Bruno Greysky immer wieder
    Impulse für Erneuerungen ausgegangen sind.
    Und das muss jede Partei immer wieder haben.
    Wenn die Partei, auch die sozialdemokratische Bewegung, das nicht mehr hat, dann wäre es so, dass sie nicht mehr berufen sein kann, für die großen Aufgaben der Gegenwart da zu sein.
    Konkrete politische Fragen dazu.
    Erneuerung, Sie wollen das Wort Erneuerung, nicht Regeneration, besser in der Opposition oder in der Regierung?
    Ist eine Partei überhaupt fähig, sich in der Regierung zu erneuern?
    Ganz sicher.
    Davon bin ich fest überzeugt.
    Und das haben wir in den 13 Jahren auch gezeigt.
    Warum soll man sich dann, wenn man mit der Regierungsarbeit betraut ist, nicht immer wieder auch diese Aufgabe der Erneuerung
    stellen.
    Ich sehe gar keinen Grund dafür.
    Vizekanzler, wenn man Ihnen vorher zugehört hat, wie Sie über die Person, die Leistungen und die Fähigkeiten von Bruno Kreisky geredet haben, ja geradezu in Schwärmen gekommen sind, könnten Sie einem ja direkt leitun, der Sie ja mal an dieser Person Kreisky gemessen werden.
    Ich möchte die Zeit nicht missen, in der ich mit Bruno Kreisky zusammengearbeitet habe.
    Und ich will auch gar nicht schwärmen.
    Ich möchte gar nicht etwas zum Denkmal machen, was sehr lebendig ist.
    Aber Bruno Kreisky ist ein großer Politiker und ein sehr menschlicher Politiker und das meinte ich damit.
    Kein Mensch ist ersetzbar, ganz gleich wie er ist.
    Und es ist völlig klar, dass wenn ein personeller Wechsel vor sich geht, andere Gegebenheiten da sind und andere Voraussetzungen.
    Sie wollten sagen, kein Mensch ist unersetzbar.
    Er darf es nicht sein.
    Er darf es nicht sein.
    Ganz bestimmt.
    Und noch eines kommt dazu.
    Jeder müsste scheitern, der nach Kreisky die Aufgabe erhält, in diese Funktion einzutreten.
    Denn das Allerwichtigste ist, auch in der Politik, dass man die Identität wahrt.
    Dass man nicht wer anderer sein will, als man ist.
    Dass man in seinem Bereich bleibt.
    in seiner Persönlichkeitsstruktur.
    Das kann man ja nicht ändern.
    Und daran scheitern ja so viele, weil sie sich hier verstellen.
    Das heißt, bei aller Ihrer Selbstbescheidenheit und bei Ihrem Hang zur Selbstgedick haben Sie persönlich keine Angst davor, einmal an Bruno Kreisky gemessen zu werden?
    Ich meine, man kann sich ja nicht wehren, an Bruno Kreisky gemessen zu werden.
    Das ist ganz klar.
    Bruno Kreisky war sicher eine Ausnahmeerscheinung in der österreichischen Politik.
    Aber Selbstbewusstsein in der Hinsicht, dass man das bleiben will, was man ist, dieses Selbstbewusstsein habe ich.
    Vielen Dank.
    Fred Sinowatz, Unterrichtsminister und Vizekanzler, heute im Journal zu Gast gewesen.
    Fritz Besatter und Johannes Fischer haben ihn befragt.
    Zwölf Uhr und 36 Minuten ist es.
    Jetzt ein wenig Musik im Journal.
    Peace, Love and Harmony.
    Untertitel im Auftrag des ZDF, 2021
    Zwölf Uhr und 40 Minuten war es soeben, 20 Minuten vor 1 Uhr.
    Jetzt werfen wir einen Blick in die heutigen Tageszeitungen.
    Die Kommentatoren der heimischen Tageszeitungen beschäftigen sich heute mit einer Fülle von Einzelthemen.
    Im Mittelpunkt stehen natürlich Probleme des Wahlkampfs.
    Darunter in erster Linie der spektakuläre Absprung des burgenländischen FPÖ-Landesparteiobmannes Pellikan zu den Grünen Professor Tollmanns.
    Besonders originell sind heute auch die den Kommentaren beigefügten Karikaturen in dieser Frage.
    Aus diesem ganzen innenpolitischen Blumenstrauß hat Leopold Esterle die heutige Inlandspresse-Schau zusammengestellt.
    Mit der Titelfrage seines Leitartikels, worum es bei den Wahlen gehe, reißt Hans Rauscher in der Wiener Tageszeitung Kurier Grundsätzliches an.
    Bis jetzt ist der Wahlkampf eher fad.
    Man hat nicht den Eindruck, als ob es um besonders viel ginge.
    In der Bundesrepublik Deutschland hat man die Entscheidung als Schicksalswahl, ja als Jahrhundertwahl ausgerufen.
    Das war gewiss weit übertrieben.
    Aber immerhin, es ging draußen um eine Wende.
    um die Frage Marktwirtschaft oder Staatsinterventionismus wie bisher, um gesellschaftspolitische Weichenstellungen, schließlich um die Stellung der Bundesrepublik zwischen West und Ost.
    Hans Rauscher ergänzt im Kurier, es sei beim Wahlgang in der Bundesrepublik Deutschland letztlich darum gegangen, ob es mit 13 Jahren sozialistischer Dominanz sein Ende haben sollte.
    Dann schreibt er,
    Dieses Gefühl fehlt noch bei uns.
    Zumindest wird es in den Wahlaussagen nicht so recht vermittelt.
    Dabei geht es ja wirklich um etwas.
    Der SPÖ um die absolute Mehrheit, die derzeit ziemlich kräftig wackelt.
    Und um die Frage, was mit der Partei geschieht, wenn Kreisky nach einem Verlust der Absoluten wirklich gehen sollte.
    Der ÖVP geht es um die Brechung der absoluten Mehrheit und darum, ob sie nach langen Jahren in der Opposition endlich, endlich wieder an der Regierung teilhaben kann.
    Der FPÖ ging es bis vor kurzem um eine mögliche Regierungsbeteiligung, erstmals seit der Nachkriegszeit.
    Jetzt geht es eher darum, ob die Partei von den Grünen dezimiert wird.
    Und den Grünen und alternativen Gruppen, so meint Hans Rauscher im heutigen Kurier Leitartikel, gehe es um die Frage, ob sie überhaupt ins Parlament kommen.
    Das alles spiegelt sich im Wahlkampf nicht wider.
    Er ist nicht einmal besonders gehässig, wenn man von einigen Entgleisungen absieht.
    Das muss nicht einmal ein Unglück sein.
    Niemand wünscht sich eine Schlammschlacht.
    Aber ein bisschen dürfte es schon darum gehen, welche Rolle das bürgerliche Lager in den 80er Jahren in Österreich spielt.
    Davon bemerkte man aber bisher relativ wenig.
    Soweit Hans Rauscher im Kurier.
    Wir bleiben beim Thema.
    Natürlich wird der spektakuläre Wechsel des ehemaligen FPÖ-Landesparteiobmannes des Burgenlandes, Diplom-Ingenieur Wolfgang Pellikan, zu den Vereinten Grünen Österreichs unter Professor Tollmann von den Leitartiklern und Kommentatoren auf die Frage hin untersucht
    ob und wenn ja wie dieser Schritt der FPÖ bundesweit im Wahlkampf schaden könnte.
    So schreibt etwa Karl Danninger unter dem Titel Blaue Existenzsorgen in den oberösterreichischen Nachrichten.
    Hageldicht drastelt es in diesem Wahlkampf auf die kleine Oppositionspartei nieder.
    In Graz verlieren sie den Bürgermeister.
    Dann schickt der bis dahin aussichtslos um Wählerstimmen ringende Grün-Kämpfer Tollmann den Salzburger Fuchs aus, damit er in bislang fremden Revieren auf Stimmenfang gehe.
    Grün frisst Blau, so hatte ÖVP-Generalsekretär Graf den Vorgang genannt, der ja bis zu diesem Zeitpunkt die FPÖ das bevorzugte Stimmenreservoir für neue Gruppen zu sein schien.
    Karl Danninger meint ergänzend, dass dieser Spruch nun seine Gültigkeit verloren habe.
    Denn spätestens seit Pellikans Überlaufen zu Tollmann müsste nach Ansicht der oberösterreichischen Nachrichten der Ausspruch Grafs in Blau Frist Blau abgewandelt werden.
    Denn Pellikan haben sich die Freiheitlichen selbst zuzuschreiben.
    Der als Stegermann in der Partei Großgewordene hatte anderes im Kopf, als man von einem Blauen gemeinhin erwartet.
    Diese Spannung hätte früher oder später ohnehin mit einem Bruch geendet.
    Der Bruch kam früher und plötzlich haben die Blauen Existenzsorgen, wenngleich sie das bestreiten.
    Und quasi zur grafischen Untermauerung des Leitartikels findet sich auf der Titelseite der Oberösterreichischen Nachrichten das Bild von FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Steger im sattsam bekannten Kostüm des Lohengrins.
    Der Helm, den Steger trägt, erinnert an den Kopfputz der Wikinger nach verlorener Schlacht.
    Das Schwert ist schartig wie das des Tronjas nach Hagens Gemetzel mit den Hunden.
    Und in Anlehnung an die weltberühmte Slezak-Frage nach der Abfahrtszeit des nächsten Schwans fragt Norbert Steger sich und seine Wähler,
    Wann geht der nächste Pelikan?
    Das war die heutige Inlands-Presseschau mit einem Zitat am Ende.
    Am kommenden Montag jährt sich der Todestag von Karl Marx zum 100.
    Mal.
    Der Mitverfasser des Kommunistischen Manifests und Mitbegründer des Kommunismus wird gleichermaßen jetzt als Bahnbrecher der Ideologie gefeiert, wie auch als teilweise überholter wirtschaftspolitischer Prophet kritisch
    Viele Historiker und Wissenschaftler zerzausen heute schon Karl Marx und meinen, von seinen Theorien und Prophezeiungen sei nichts übrig geblieben.
    Politiker untersuchen in diesen Tagen auch, welche Bedeutung Karl Marx heute noch hat und wie sich seine Theorien auf die Probleme des ausklingenden 20.
    Jahrhunderts anwenden lassen, wenn man seinen ideologischen Dogmen überhaupt etwas abgewinnen kann.
    In Österreich gedenkt man heute des 100.
    Todestages von Karl Marx.
    Der Bildungsausschuss der Wiener SPÖ veranstaltet am Nachmittag, passenderweise im Wiener Karl-Marx-Hof, eine Feierstunde und bereits am Vormittag erörterte die KPÖ, eine der wenigen Moskau-treuen kommunistischen Parteien Westeuropas, bei einer wissenschaftlich-theoretischen Konferenz die Aktualität und Wirkung von Karl Marx.
    Das Hauptreferat hielt dabei einer der Chefideologen der Kommunistischen Partei in Österreich
    der im KP-Politbüro für Bildungsarbeit und Propaganda zuständige Ernst Wimmer.
    Über die Einstellung des gleichsam offiziellen österreichischen Kommunismus zu Karl Marx führte Hans Langsteiner mit Ernst Wimmer das folgende Gespräch.
    Herr Wimmer, was bedeutet Karl Marx für Österreichs Kommunisten heute?
    Ist er quasi nur ein sakrosankter Seilheiliger oder gehen von ihm ganz konkrete Ratschläge für die aktuelle Tagespolitik in den 80er Jahren aus?
    Selbstverständlich lassen wir uns als Partei, als marxistische Partei, von einer der wichtigsten Erkenntnisse von Marx leiten, dass Theorie und Praxis untrennbar zusammengehören.
    Also findet das auch seinen Niederschlag in der Tagespolitik.
    Ich möchte gleich hinzufügen,
    Solange sich die Welt weiter dreht, gibt es kein letztes Wort in der Wissenschaft.
    Allerdings, wenn man meint, man könnte Marx für tot erklären, verzichten auf seine Grunderkenntnisse in der Arbeiterbewegung, dann heißt das, dass man hinter Marx zurückgeht, so denkt wie zu vormarxischen Zeiten.
    Der französische Philosoph Jean-Paul Sartre hat etwas sehr Treffendes gesagt.
    Eigentlich gibt es nur vormarxistische Philosophien und noch keine nachmarxistische Philosophie.
    Nun, Marxismus-Kritiker wenden ein, dass Karl Marx vieles vorausgesehen haben mag, aber nicht alles.
    Etwa, um jetzt irgendwelche Beispiele zu nennen, er hat Freude nicht vorhergesehen.
    Ist aus Ihrer Sicht Marx in allen Dingen der, der das letzte Wort hat?
    Oder würden Sie als österreichischer Kommunist Karl Marx in manchen Dingen korrigieren oder zumindest ergänzen wollen?
    Ich habe schon gesagt, es gibt kein letztes Wort in der Wissenschaft, soweit die Welt sich weiter dreht.
    Also muss der Marxismus ständig weiterentwickelt werden.
    Eigentlich zeigt die Geschichte, jeder Knotenpunkt in der Entwicklung der Geschichte, Revolution 1848 oder Oktoberrevolution, ist zugleich ein Knotenpunkt in der Entwicklung, in der Weiterentwicklung des Marxismus.
    Und jede neue Erfahrung unter neuen Kampfbedingungen, in Kuba, in Vietnam, bringt zugleich eine Bereicherung des Marxismus.
    Zweite Frage.
    Natürlich konnte Marx nicht alles voraussehen.
    Er hat versucht, aus der gegebenen Wirklichkeit des Kapitalismus abzuleiten, wie die Zukunft aussehen kann.
    Nicht im Detail, in Grundzügen, in ihren Gesetzmäßigkeiten.
    Und hier hat er sich natürlich in einem Punkt geirrt.
    Nämlich hat er angenommen, dass der Sozialismus annähernd gleichzeitig in allen hochentwickelten kapitalistischen Ländern siegen wird.
    In Wirklichkeit hat der Sozialismus zuerst dort gesiegt, wo die Kette des Imperialismus am schwächsten war, in einem rückständigen Land, in Russland, wo große Energien überhaupt erst darauf aufgewendet werden mussten, um die Grundlagen für die Entwicklung des Sozialismus herzustellen.
    Man kann sagen, der Marxismus hat heute viele Befreiungsbewegungen ergriffen.
    Und wenn Sie sich umsehen in der Welt, muss auffallen, dass
    die Befreiungsbewegungen vor allem in relativ rückständigen Ländern siedeln.
    Dort ist es leichter eine Revolution durchzuführen, aber schwerer eine neue Gesellschaft aufzubauen.
    Nun, das mag für die Entwicklungsländer vielleicht zutreffen.
    Im deutschen Sprachraum ist Marx derzeit, um es ganz salopp zu sagen, nicht gerade in die letzte Renaissance des Marxismus, hat es bei der Studentenbewegung gegeben.
    Sehen Sie die Möglichkeit für eine neue Renaissance des Marxismus im Westen?
    Selbstverständlich lebt der Marxismus in der Arbeiterbewegung und ist heute auch eine aktive Kraft, auch im deutschsprachigen Raum, die aus verschiedenen objektiven und subjektiven Gründen nicht massenhaften Charakter annimmt.
    Aber niemand kann leugnen, dass zum Beispiel die Studentenbewegung 1968 vorgegeben hat, eigentlich die marxistische Bewegung zu sein.
    Sie unterscheidet sich dadurch von der heutigen neuen sozialen Bewegung, zum Beispiel von den Alternativen.
    Sie wollen eine Alternative zur Gesellschaft sein, aber geben nicht vor, marxistisch zu sein.
    Die einen werden verzweifeln an einer Änderung, nach rechts gehen.
    Das ist möglich bis zum Faschismus oder bis zu Faschistoidenströmungen.
    Andere werden sich bewusst werden, wo die Wurzeln der Übel liegen, gegen die sie anrennen und systematisch hervorgehen.
    Und dazu müssen sie nicht unbedingt umfassende Marxisten werden, aber sie müssen einiges der Gesellschaftskritik von Marx beherzigen.
    Wie kann man Umweltzerstörung bekämpfen?
    ohne gegen die Profitlogik, die sogenannte, anzukommen.
    Wo liegt die Ursache der Profitlogik?
    Nicht in den Köpfen, sondern in den Eigentumsverhältnissen.
    Also muss man sie ändern.
    So sprach einer der Chefideologen der KPÖ, Ernst Wimmer.
    Neun Minuten vor ein Uhr ist es, wir kommen zu einem Beitrag der Kulturredaktion.
    Der Rowold Verlag, einer der bekanntesten Verlagsunternehmen, feiert in diesem Jahr sein 75-jähriges Jubiläum, gleichzeitig übrigens mit dem 75.
    Geburtstag des Verlegers Heinrich Maria Ledig-Rowold, der feiert heute seinen 75.
    Geburtstag.
    Ledig hatte den Verlag, der wegen seiner Programmvielfalt und wegen seines linksliberalen Profils bekannt ist, 1960 von seinem Vater Ernst Rowold übernommen.
    Er selbst hat sich vor einem Jahr etwa aus der Verlagsarbeit zurückgezogen.
    Im Folgenden nun ein Beitrag zur Geschichte des Rowold Verlages von Silke Lendrowiak.
    Ein bisschen Charlatanerie ist dabei, wenn der Rowold Verlag in diesen Tagen sein 75-jähriges Bestehen feiert.
    Die Gründung des heute weltbekannten Unternehmens ist nämlich als ein hübsches und nahhaftes Spielchen überliefert.
    Freunde des inzwischen legendären Verlagsgründers Ernst Rowold erzählen, dass dieser noch als Volontär der Ackermannschen Hofbuchhandlung in München
    Im Jahre 1908 als erste Verlegertätigkeit Visitenkarten und Briefbogen drucken ließ.
    Der darauf gepriesene Ein-Mann-Betrieb, Ernst-Rowold-Verlag, Leipzig-München, veröffentlichte im selben Jahr nur ein einziges Produkt, Lieder der Sommernächte, ein Versband von Gustav C. Etzer.
    Von dem Auto hörte man nie wieder etwas, dafür umso mehr von dem Verleger.
    Der erwies ein erstaunliches Geschick, seinen Verlag durch alle Finanzierungskrisen hindurch und über alle Zusammenbrüche hinweg zu einem anerkannten Verlagsunternehmen auszubauen.
    Die in der klassisch gewordenen Expressionistensammlung Menschheitsdämmerung vereinten Autoren wurden zuerst von Ernst Rowoldt aufgenommen.
    Autoren wie Franz Kafka, Ringelnatz, Walter Mehring, Kurt Tucholsky, Alfred Polgar, Robert Musil und viele andere wurden von ihm durchgesetzt.
    Noch heute begründen diese Klassiker der Moderne den literarischen Ruhm des Ruewoldt-Verlages.
    Mit ihnen natürlich auch die Amerikaner Hemingway, Wolff, Faulkner und Miller, die Franzosen Sartre, Camus und Genet und von den deutschen Autoren nach dem Zweiten Weltkrieg Wolfgang Borchardt, Rolf Hochhuth und der unübertroffene Sachbuchautor C. W. Ceram.
    So hoch die literarische Bedeutung dieser Autoren auch ist, sie sind jedoch seit langem nur noch ein Bein des Ruhrwald Verlages und nicht das finanzkräftigere.
    Den auf 182 Mitarbeiter angewachsenen Verlag trägt die Taschenbuchproduktion.
    35 neue Titel erscheinen pro Monat.
    Die auch schon klassisch gewordene erste Taschenbuchreihe Rororo aktuell ist inzwischen die auflagenstärkste politische Taschenbuchreihe Europas.
    Diese Entwicklung über das Taschenbuch, vom Literarischen zum Politischen, von der Unterhaltung, dem Sachbuch, dem Thriller, zum Kinder-, Jugend- und Frauenbuch, auch dem Porno und eben der politischen Aktualität, diese Entwicklung zum Gemischt-Warenladen, wie böse Zungen sagen, ist mit dem Namen des Rowold-Sohnes, Heinrich Maria Ledig-Rowold, verbunden.
    Er, der ebenfalls seinen 75.
    Geburtstag feiern kann, hat nach dem Kriege das Taschenbuch in Europa eingeführt.
    Er sorgte für den neuen Ruf des Rowold-Verlages, nicht nur billig, sondern auch unbequem zu sein.
    Zunächst gehörte ich eigentlich ganz und gar der Literatur, war ich verschrieben.
    Ich war ein politischer Säugling.
    Das ist wohl der Moment, wo wir angefangen haben, im Taschenbuchverlag die Rororo aktuell zu machen.
    Das war ein politischer Moment gewesen.
    Von da an habe ich mich dann mit den Herausgebern der Oaktuels sehr heftig mit Politik eingelassen.
    Und ich bin auch der Meinung gewesen, dass der Regierungswechsel damals mit auf dieses und auf andere Bücher, die wir zur gleichen Zeit veröffentlicht haben, wir haben damals auch schon eine Art Bewusstseinsänderung sichtbar bewirkt.
    Dann kamen ja die 68er-Jahre und davon ist gar nicht zu leugnen, wie viel man dagegen vorbringen kann, gegen diesen etwas wüsten, ungestutzten Utopismus, sozialen Utopismus der 68er, der APO.
    Aber die hat das Bewusstsein verändert.
    Und ich habe mich ja damals auch zum Sprachrohr dieser Generation gemacht, die mich dann nicht immer sehr nett behandelt hat, weil sie gedacht haben, der macht das ja nur, weil er Geld verdienen will.
    dass man ihnen einen Kapitalisten geschimpft hat, das hat Heinrich Maria Ledig-Rohwoldt bis heute nicht verschmerzt.
    Sicher hat er den Verlag seines Vaters zu einem umsatzstarken Konzern entwickelt.
    Doch er gilt auch als einer der letzten starken Verlegerpersönlichkeiten dieser Zeit.
    ohne dessen Eigensinn und Begeisterungsfähigkeit für Junges, Neues, manches heute auf dem Buchmarkt nicht mehr wegzudenkende, nie in die Druckerpresse gekommen wäre.
    Sein Nachfolger, Matthias Wegner, der seit einem Jahr die Verlagsleitung übernommen hat, wird es schwer haben, diese Tradition fortzusetzen.
    Aber das hat man auch schon ledig gesagt, als er das Erbe seines Vaters übernahm.
    Das war ein Beitrag von Silke Jentrowiak über das 75-jährige Bestandsjubiläum des Ruhrwald Verlages.
    Und bei uns gibt es jetzt noch einmal Nachrichten.
    Österreich.
    Vizekanzler Sinovac meinte heute in der Radioreihe im Journal zu Gast, er glaube, dass von den Medien übertrieben werde, wenn es heisse, die SPÖ sei sozusagen nur die Partei Bruno Kreiskis.
    Zu seiner Person sagte Sinovac, er lehne die Formulierung von der Lust an einem Regierungsamt ab, weil er ein Amt stets als Aufgabe und Verantwortung betrachte.
    Zu den Grünen, meinte der Vizekanzler, erschätze die Rolle jener Menschen nicht gering, die sich grünen Ideen verschrieben hätten, erwarte sich aber von der parlamentarischen Arbeit dieser Parteien nicht allzu viel.
    Indien.
    In Neu Delhi wurde heute die Gipfelkonferenz der Bewegung der Blockfreien mit einem Abrüstungsappell beendet.
    In einer sogenannten Botschaft von Delhi werden die Großmächte aufgefordert, Misstrauen abzubauen und mit gutem Willen eine Einigung in Fragen der Abrüstung anzustreben.
    Polen.
    In Warschau haben sich die Fronten zwischen der Militärregierung und der verbotenen Gewerkschaft Solidarität wieder verhärtet.
    Arbeiterführer Lech Walesa kündigte Streiks und andere Formen des Protestes an.
    Walesa sagte, bisherige Gespräche und Briefe hätten keinen Erfolg gebracht.
    Es sei nicht möglich, weiter zu diskutieren, wenn immer mehr Menschen festgenommen und in Prozesse verwickelt würden.
    Jugoslawien.
    In der überwiegend von Albanern bewohnten Provinz Kosovo ist es gestern wieder zu Demonstrationen gekommen.
    Anlass war der zweite Jahrestag der blutigen Unruhen in der autonomen Provinz.
    Die Sicherheitsbehörden lösten die Versammlungen auf, mehrere Anführer wurden festgenommen.
    Frankreich.
    Die Kommunalwahlen in Frankreich gehen morgen in die entscheidende Runde.
    Gewählt wird in jenen Gemeinden, in denen im ersten Wahlgang am vergangenen Sonntag keine Partei die absolute Mehrheit erringen konnte.
    Bei der morgigen Abstimmung genügt die relative Mehrheit.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Zurzeit gibt es wieder Spannungen im europäischen Währungssystem.
    Spekulationen über eine Neuordnung der Wechselkurse haben Auftrieb erhalten.
    Nach Angaben von Frankfurter Devisenhändlern stehen alle Währungen des Systems mit Ausnahme der deutschen Mark und des holländischen Guldens unter Abwertungsdruck.
    Großbritannien.
    Die Erdölminister der OPEC setzen ihre Beratungen in London fort.
    Erörtert werden das Ausmaß einer Ölpreissenkung sowie neue Förderquoten.
    Die Wetteraussichten für Österreich bis heute Abend überwiegend heiter bis wolkig, bei mäßigen Winden relativ kühl.
    Frühtemperaturen 0 bis 3, Tageshöchstwerte 5 bis 8 Grad.
    Das war das Mittagschanal.
    Wir melden uns morgen wieder um 17 Uhr im Programm Österreich 3 mit dem Sonntagsschanal.
    Im Mikrofon war heute Reinhold Henke, ein schöner Nachmittag noch.
    Auf Wiederhören.

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Datum: 1983.03.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wetterbericht
    Datum: 1983.03.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Natur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    BRD - Vorschau auf die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein
    Mitwirkende: Zmeck, Gottfried [Gestaltung]
    Datum: 1983.03.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Frankreich - Vor 2. Durchgang der französischen Kommunalwahlen
    Mitwirkende: Fuhrmann, Thomas [Gestaltung]
    Datum: 1983.03.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Im Journal zu Gast: Vizekanzler Fred Sinowatz
    Interview: Vizekanzler Fred Sinowatz
    Mitwirkende: Fischer, Johannes [Gestaltung] , Pesata, Fritz [Gestaltung] , Sinowatz, Fred [Interviewte/r]
    Datum: 1983.03.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Inlandspresseschau: Wahlkampf und Pelikan
    Mitwirkende: Esterle, Leopold [Gestaltung]
    Datum: 1983.03.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Politik ; Medien und Kommunikation ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Interview mit dem KPÖ-Ideologen Ernst Wimmer anläßlich des 100. Todestages von Karl Marx
    Interview: Ernst Wimmer
    Mitwirkende: Langsteiner, Hans [Gestaltung] , Wimmer, Ernst [Interviewte/r]
    Datum: 1983.03.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Rowohlt-Verlag 75 Jahre alt
    Einblendung: Heinrich Maria Ledig-Rowohlt
    Mitwirkende: Jendrowiak, Silke [Gestaltung] , Ledig-Rowohlt, Heinrich Maria [Interviewte/r]
    Datum: 1983.03.12 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Medien und Kommunikation ; Literatur ; Kultur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten

    Katalogzettel

    Titel Mittagsjournal 1983.03.12
    Spieldauer 01:00:05
    Mitwirkende Henke, Reinhold [Moderation] [GND]
    Bachmair, Udo [Regie]
    ORF [Produzent]
    Datum 1983.03.12 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ audio
    Format TKA [Tonband auf Kern (AEG)]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-830312_k02
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    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt