Mittagsjournal 1981.06.19

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    Rechtliches

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    KI-generiertes Transkript

    Die Zeit in fünf Sekunden ist es 12 Uhr.
    12 Uhr.
    Hier ist der österreichische Rundfunk.
    Eine angenehme Mittagstunde, meine Damen und Herren.
    Aus dem Studio des Mittag-Journals meldet sich Bruno Berger.
    Nach den Nachrichten haben wir wieder vor, über die weitere Wetterlage zu informieren, ob es für den Rest des für viele verlängerten Wochenendes bei dem schlechten Wetter bleibt.
    An politischen Themen berichten wir dann über die Abfangjäger-Diskussion in Österreich.
    Hier drängt die betroffene Flugzeuge-Industrie der Amerikaner und Franzosen auf eine Entscheidung.
    Wir berichten zur Studie über die Folgen einer möglichen Arbeitszeitverkürzung und wir zitieren aus den heutigen Inlandszeitungen.
    An Auslandsthemen haben wir anzubieten.
    Iran, Konflikt um für morgen geplante Absetzung des Staatspräsidenten Bani Sader im Parlament, eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Anhängern und Gegnern des Politikers scheint möglich.
    Einen Bürgerkrieg befürchtet auch ein iranischer Politologe, der nach längerem Aufenthalt im Iran wieder in Wien ist und den wir interviewt haben.
    Dann diplomatisches Tauziehen um UNO-Konferenz über Kambodscha und USA, Entdeckung eines wirksameren Impfstoffes gegen die Maul- und Klauenseuche.
    Im Kulturteil gehen wir ein auf die Josefstadt-Premiere des selten gespielten Schnitzler-Stückes »Der Zug der Schatten« und wir sprechen aus Anlass seines 70.
    Geburtstages mit Kammersänger Hans Baier.
    Das, meine Damen und Herren, wäre also eine kurze Programmübersicht jetzt zu den Meldungen, verantwortlich Redakteur heute Mittag Adolf Poindl, Sprecherin Annemarie Berté.
    Österreich.
    Bundeskanzler Kreisky wird das Rudolfspital in Wien morgen Nachmittag oder am Sonntag verlassen können.
    Der Bundeskanzler, der am Montagabend mit akuten Atembeschwerden nach einem Blutstau in der Lunge in das Krankenhaus eingeliefert worden war, soll heute noch einer routinemäßigen Kontrolluntersuchung unterzogen werden.
    Der behandelnde Arzt, Primarius Professor Neumeier, wiederholte heute, er habe Kreisky geraten, nach seiner Entlassung aus dem Spital noch eine Woche auszuspannen.
    Die Industriellenvereinigung hat die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung neuerlich als unannehmbar zurückgewiesen.
    In einer Presseaussendung der Industriellenvereinigung heißt es, eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit hätte gravierende negative Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Industrie.
    Durch die zu erwartende Erhöhung der Arbeitskosten würde die Wettbewerbsfähigkeit vor allem der Klein- und Mittelbetriebe geschmälert, meint die Industriellenvereinigung.
    Die Arbeiter in der Bekleidungsindustrie erhalten ab 1.
    Juli eine Lohnerhöhung um 7%.
    Den Chemischputzern, Wäschern und Färbern in der Industrie wurde ebenfalls eine Lohnsteigerung um 7% ab 1.
    September zuerkannt.
    Das sind die wichtigsten Ergebnisse längerer Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertragsabschluss.
    Vereinte Nationen
    Der Weltsicherheitsrat entscheidet heute Nachmittag über eine Resolution zum israelischen Luftangriff auf das irakische Atomzentrum.
    Die USA und der Irak haben sich auf einen Kompromiss geeinigt.
    Israel soll scharf verurteilt werden.
    Sanktionen sind aber nicht vorgesehen.
    Die Entschließung hat gute Chancen angenommen zu werden.
    Die Vereinigten Staaten dürften auf ihr Veto verzichten.
    Europäische Gemeinschaft Das Europaparlament in Straßburg hat eine ausdrückliche Kritik am israelischen Luftangriff auf das irakische Atomzentrum abgelehnt und stattdessen die Gewalt im Nahen Osten in ihrer Gesamtheit verurteilt.
    Eine entsprechende Entschließung wurde heute Vormittag mit 93 gegen 16 Stimmen bei 29 Enthaltungen gebilligt.
    Außerdem hat das Europaparlament mit großer Mehrheit die Abschaffung der Todesstrafe in den Ländern der Europäischen Gemeinschaft gefordert.
    Dem Gesetz nach können in den zehn Mitgliedstaaten derzeit noch in Frankreich, Belgien, Irland und Griechenland Todesurteile verhängt werden.
    Bundeskanzler Schmidt hat sich neulich gegen eine einseitige Abrüstung des Westens ausgesprochen.
    In einer Diskussion beim Evangelischen Kirchentag in Hamburg meinte Schmidt, wer sich nicht wehren könne, habe ein Schicksal wie Afghanistan zu befürchten.
    Zugleich setzte sich der deutsche Bundeskanzler für Abrüstungsgespräche zwischen den USA und der Sowjetunion ein.
    Israel.
    Ministerpräsident Begin hat seine These von der kollektiven Schuld des gesamten deutschen Volkes an der Vernichtung von sechs Millionen Juden während der Nazizeit bekräftigt.
    Zum Abschluss eines Treffens von 10.000 jüdischen Überlebenden der nationalsozialistischen Konzentrationslage, sagte Begin in Jerusalem, für den Massenmord an den Juden sei das deutsche Volk verantwortlich.
    Nur ein starkes Israel sei die Garantie dafür, dass sich ein Holocaust nicht wiederhole.
    In Anspielung auf den jüngsten Angriff gegen das irakische Atomzentrum erklärte die Regierungschef, Israel werde niemals zulassen, dass einer seiner Vereine eine Waffe entwickel, die für die Vernichtung des jüdischen Volkes eingesetzt werden könne.
    Nahe Osten.
    Im Schatten der weltweiten Empörung über den israelischen Luftangriff auf das irakische Atomzentrum bei Bagdad beginnen am Wochenende in Kairo israelisch-ägyptische Gespräche über die Bildung einer internationalen Beobachtergruppe für die Halbinsel Sinai.
    Diese internationale Sondereinheit soll nach einem endgültigen Abzug der Israelis aus dem noch besetzten Ostteil der Halbinsel die israelisch-ägyptische Grenze überwachen.
    Das Verlangen nach ihrer Aufstellung ist ein wesentlicher Punkt des Camp David-Abkommens.
    Die Vereinten Nationen haben die Bildung einer solchen Streitmacht wegen der Opposition der meisten arabischen Länder und einer Veto-Drohung der Sowjetunion abgelehnt.
    Philippinen
    Die amerikanische Außenminister Haig hat die nicht-kommunistischen Länder Südostasiens aufgerufen, den sowjetischen Einfluss in dieser Region gemeinsam mit den USA zurückzudrängen.
    Zu Beginn seiner Gespräche mit der Regierungsdelegation bei der Konferenz Südostasiatischer Staaten in Manila begrüßte Haig die gestrigen Beschlüsse der Konferenz zum Kambodscha-Problem.
    Darin wird der Abzug der vietnamesischen Truppen aus Kambodscha und die Aufstellung einer Friedenstruppe der Vereinten Nationen gefordert.
    Aus der Umgebung des amerikanischen Außenministers verlautete, Washington erwäge militärische Hilfe für die Untergrundbewegungen in Kambodscha, falls politischer und wirtschaftlicher Druck nicht ausreichen sollte, die Vietnamesen zum Abzug aus dem Nachbarland zu zwingen.
    Sowjetunion.
    Die Moskauer Bravda übt heute heftige Kritik an den geplanten amerikanischen Waffenlieferungen an China.
    Unter dem Titel »Ein riskantes Spiel« schreibt das sowjetische Parteiorgan, Moskau könne solchen Plänen nicht gleichgültig gegenüberstehen.
    Die Bravda spricht von Gelüsten der Pekinger Führung, die beiden Supermächte in einen atomaren Konflikt zu treiben, den sie, wie sie glaube, unversehrt überstehen könnte.
    China.
    Nach Zeitungsmeldungen aus Hongkong ist der Vorsitzende der chinesischen Partei, Hua Guofang, nicht gewillt abzutreten.
    Hua soll sich geweigert haben, die Verantwortung für, wie es wörtlich heißt, linksradikale Irrtümer und Verfehlungen zu übernehmen.
    Mit dem Rücktritt Huas und seiner Ablöse wird seit Monaten gerechnet.
    Die lange erwartete Plenarsitzung des Zentralkomitees der KP Chinas hat, entgegen verschiedener Berichte, noch immer nicht begonnen.
    Großbritannien
    Die Regierung in London hat die vom Verteidigungsministerium gewünschten Einsparungen bei den Streitkräften abgelehnt.
    Nach inoffiziellen Berichten haben mehrere Minister Bedenken gegen die Pläne des Verteidigungsministeriums, vor allem gegen die radikale Verminderung der Zahl der britischen Kriegsschiffe.
    Wie in London durchsickerte, sollen 29 der 63 britischen Kriegsschiffe außer Dienst gestellt werden, um mit den eingesparten Kosten das teure amerikanische Trident-Waffensystem bezahlen zu können.
    USA.
    In den Vereinigten Staaten ist ein wirksamer Impfstoff gegen die gefürchtete Maul-und-Klauen-Seuche entwickelt worden.
    Landwirtschaftsminister Block berichtete über den erfolgreichen Abschluss einer mehrwöchigen Testserie mit dem Serum.
    Der Minister erklärte, mit dem neuen Impfstoff könnten Schäden in Milliardenhöhe vermieden werden.
    Das Serum ist auch ungekühlt über längere Zeit haltbar, was vor allem für den Einsatz in den Entwicklungsländern Bedeutung hat.
    Französisch-Koyane.
    Der Countdown für den Start der europäischen Trägerrakete Ariane verläuft bisher planmäßig.
    Starttermin ist 13.20 Uhr mitteleuropäischer Zeit.
    Die Rakete soll zwei Satelliten auf eine Umlaufbahn um die Erde bringen.
    Ein erster Versuch im November 1979 war erfolgreich verlaufen.
    Der zweite im Mai des vergangenen Jahres endete mit einem Fehlschlag.
    Das also waren die Meldungen im Mittagsschornal.
    Zwölf Uhr und zehn Minuten wird es gleich zur angekündigten zweiten Wetterprognose nach dem gestrigen Feiertag.
    Bei mir im Studio ist wieder Dr. Hufnagel von der Hohen Warte in Wien.
    Herr Dr. Hufnagel, Sie haben uns am Mittwoch schlechtes Wetter vorhergesagt und wir alle haben insgeheim etwa gehofft, naja, hoffentlich irrt er sich.
    Sie haben sich leider für uns alle nicht geirrt.
    Bleibt es dabei bei dieser schlechten Prognose oder haben wir etwas Hoffnung?
    Nun die Wetterverschlechterung ist eigentlich noch etwas intensiver ausgefallen als ich angenommen habe.
    Die Niederschläge sind unter dem Einfluss von Gewittern teilweise recht ergiebig gewesen.
    Nun der Höhepunkt des schlechten Wetters ist wohl vorbei.
    Es reicht aber immer noch eine Tiefdruckzone von Skandinavien über Mitteleuropa bis nach Südosteuropa.
    Österreich bleibt in den nächsten Tagen in einer
    nördlichen bis nordwestlichen Strömung und damit das Wetter unbeständig.
    Es ist also für einige Zeit mit dem sommerlichen Wetter sicherlich vorbei.
    Gibt es keine Ecke in Österreich, wo das nicht der Fall sein könnte?
    Nun, am ehesten würde ich sagen, wird im Osten und im Süden gelegentlich die Sonne etwas durchkommen.
    Im Prinzip aber sehr veränderliche Bewölkung und man muss immer wieder mit Regenschauern an der Alpen-Nordseite, vielleicht sogar mit länger anhaltendem Niederschlag rechnen.
    Und die Temperaturen bleiben im Bereich etwa 14 bis 18 Grad und können im Süden und Osten gelegentlich 20 Grad erreichen.
    Sie strahlen ja die Hoffnung recht dünn.
    Sie haben in der Zwischenzeit, glaube ich, auch die Werte von 12 Uhr erhalten, wenn Sie uns die bitte verlesen.
    Wien stark bewölkt, 14° Nordwestwind mit 25 km pro Stunde, Eisenstadt bedeckt, 14° Nordwest 25, Linz bedeckt, Regen 10° West 25, Salzburg stark bewölkt, 9° Westwind mit 10 km pro Stunde, Innsbruck stark bewölkt, 11° Nordost 10,
    Bregenz bedeckt 9 Grad Windstille, Graz stark bewölkt, 16 Grad Nordwind, 20 Kilometer pro Stunde und Klagenfurt wolkig, 18 Grad Südwestwind mit 10 Kilometern pro Stunde.
    Danke Herr Dr. Hufnagel.
    Eine Frage noch jetzt im Nachhinein.
    Sie haben gesagt, wenige Tage bleibt es schlecht.
    Wagen Sie eine Prognose für die nächste Woche?
    Ich habe irgendwie schon vorweggenommen, dass es einige Zeit lang jetzt kein sommerliches Wetter geben wird.
    Die Vorhersagekarten, die uns zur Verfügung stehen, reichen bis etwa Wochenmitte.
    Und hier dürfte sich keine grundlegende Umstellung zu einem Hochdruckwetter und zu einem heißen Wetter ergeben.
    Er bleibt dabei.
    Danke, Herr Dr. Hufnagel.
    12 Uhr und 12 Minuten ist es geblieben.
    Das Dauerthema der vergangenen fünf Jahre Abfangjäger als Luftpolizei fürs Bundesheer hat gute Chancen am Tisch innenpolitischer Berichterstattung zu bleiben.
    Trotz dringend der im Ausscheidungsrennen verbliebenen Letztbieter Frankreich und USA dürfte auch bei der nun angeblich zum letzten Mal verschobenen Entscheidungstagung des Landesverteidigungsrates am 29.
    Juni keine endgültige Entscheidung fallen.
    Zu unterschiedlich sind die Meinungen der militärischen und politischen Entscheidungsträger dieses Gremiums, was einerseits die militärtechnische Leistungsfähigkeit des französischen Modells Mirage M50 und andererseits die Qualität der Kompensationsangebote anlangt.
    Leopold Estele informiert dazu.
    Die Testpiloten des Bundesheeres favorisieren die vom texanischen Industriegiganten General Dynamics angebotenen zwei Versionen des Abfangjägertyps F-16 zum Preis von 7 bzw.
    8 Milliarden Schilling.
    Allerdings nicht ohne hinzuzufügen, dass das 6 Milliarden Schilling teure französische Modell Mirage 50 von Dassault-Breguet die Anforderung einer österreichischen Luftpolizei auch erfüllen könnte.
    Der Wirtschaftsaspekt der Kompensation müsse daher den Ausschlag geben.
    Dieser Wirtschaftsaspekt spricht nach den Worten von Staatssekretär Nussbaumer aber für die Franzosen.
    SPÖ-Wehrsprecher Mondl und FPÖ-Militärexperte Josek haben sich daher bereits für die Mirage 50 entschieden.
    ÖVP-Wertsprecher Ermakora wiederum plädiert aus technischen Gründen für die F-16 und widerspricht Nussbaumer darüber hinaus auch im kommerziellen.
    Nur bei Barzahlung sei die Mirage das billigste System.
    In der Österreich von der Pariser Regierung ebenfalls angebotenen Kreditversion sei die technisch unterlegene Mirage sogar noch teurer als die F-16-Version in der USA und das gleich um eine Milliarde Schilling.
    Und der Bundeskanzler überlegt angeblich eine Zwischenversion mit zwölf Maschinen und Finanzminister Salcher erklärt, für Abfangjäger überhaupt kein Geld zu haben.
    Angesichts dieses Meinungsspektrums fällt es schwer, an eine endgültige Entscheidung auch bei der angeblich zum letzten Mal verschobenen Entscheidungssitzung am 29.
    Juni zu glauben.
    Dass sowohl Franzosen als auch Amerikaner massiv zu drängen beginnen, ist daher verständlich.
    Ihr Argument, bei einer weiteren Verzögerung müssten die Kompensationsangebote neu überdacht werden.
    Bei dem soeben zu Ende gegangenen Pariser Luftfahrtsalon in Le Bourget erklärte etwa der französische Projektleiter für den M50-Verkauf, Francis Caid.
    Wir haben Material, das wir aus vielen Ländern beschaffen, sprich zum Beispiel Rohmaterial, Aluminium und so weiter.
    Unser Interesse ist natürlich, dieses Material aus Ländern zu beziehen, Länder, die mit uns im Geschäftsverkehr stehen.
    Wenn Österreich die 24 Maschinen nicht kauft,
    werden wir diese Käufe oder diese Arbeiten nach Ländern vergeben, wo wir im Geschäftsverkehr stehen.
    Soweit Franciscaet d'Assaut-Briguet.
    Sein amerikanisches Pendant, Old Schwarzenberger von General Dynamics, meint Wir sind sehr, sehr interessiert, dass Sie in Österreich unser sehr gutes Kampfflugzeug bekommen.
    Und wir haben in dieser Beziehung einen Industriekompensationplan zusammengelegt, der Ihnen sicher langfristig gesehen gute Vorteile und Industriemöglichkeit verschaffen wird.
    Bis jetzt haben wir aber keine
    Antworten, also Rückfragen, bekommen.
    Anfang kommender Woche wollen die Amerikaner bei der österreichischen Regierung jedenfalls noch einmal zu einem Anlauf ansetzen.
    An sich sind aber die beiden Kontrahenten im 8-Milliarden-Konkurrenzkampf um Österreichs Abfangjäger in einem Punkt zumindest einig.
    Da so Brigitte Direktorkeit spricht aus, was sich auch die Amerikaner über die permanenten Verzögerungen denken.
    Ich muss sagen,
    Ich habe zur Zeit die verschiedenen Termine unserer Verhandlungen nicht im Sinn, aber ich kann mich nicht entsinnen, dass etwas so lange gedauert hat wie in Österreich.
    Denn letzten Endes ist der Gedanke bereits Ende der 60er Jahre aufgekommen.
    Ich glaube, es gibt kein Beispiel in der westlichen Welt,
    wo wir uns in einer ähnlichen Situation befunden haben.
    Zu denken geben sollte allerdings ein anderer Aspekt.
    Wenn die Ergebnisse der Testpiloten über die Qualität der beiden Abfangjäger-Modelle stimmen und wenn die Aussagen von ÖVP-Wehrsprecher Erna Korer bezüglich der Finanzierung ihre Richtigkeit haben, kauft Österreich unter Umständen das schwächere Modell zum teureren Preis.
    Ja, wie Sie gehört haben, war Leopold Estele beim Pariser Luftfahrtsalon.
    Der hat genaue Daten über Preise etwa und Leistung der beiden in Frage kommenden Abfangjäger für Österreich mitgebracht.
    Und er gestaltet zu diesem Thema heute ein Journal extra.
    Ein Journal extra also zum Thema Abfangjäger für Österreich, ja oder nein.
    Und Sie hören das Journal Extra heute im Abendjournal ab 18.10 Uhr im Programm Österreich 1.
    Und jetzt weiter mit der Inlandspresseübersicht, Auswahl der Zitate heute Hans Langsteiner.
    Die trotz eines Dementis des stellvertretenden SPÖ-Vorsitzenden Blecher von den Zeitungen nach wie vor erörterten Überlegungen über eine Vorverlegung der nächsten Nationalratswahl sind auch das Hauptthema der heutigen innenpolitischen Kommentare.
    In den Salzburger Nachrichten vertritt Gerold Christian die Meinung, die Indizien für eine Wahlvorverlegung mehrten sich.
    Nicht zuletzt im Zusammenhang mit einer abermaligen Kandidatur von Bundeskanzler Kreisky.
    Intern dürfte sich Kreisky bereits entschieden und den Drängern auf eine Wiederkandidatur nachgegeben haben.
    Der parteiinterne Schlachtruf »Alles klammert sich an Kreisky« scheint es dem Parteivorsitzenden leicht gemacht zu haben.
    Um die Person des Bundeskanzlers kreist auch der Vorverlegungskommentar in der Tiroler Tageszeitung, den Josef Nowak verfasst hat.
    Der SPÖ sitzt seit Montagabend der Schock in den Knochen.
    Die Angst, den nächsten Wahlkampf doch ohne Kreisky schlagen zu müssen.
    Was liegt da näher als der Gedanke, rasch zu wählen?
    Daran ändert auch ein Dementi des stellvertretenden Parteiobmanns Blecher nichts.
    Auch er, gerade er weiß, dass die SPÖ ohne Kreisky kaum eine Chance hat, die absolute Mehrheit zu halten.
    Kreisky, wer sonst?
    Dieser Slogan aus den Wahlkämpfen der 70er Jahre ist für die SPÖ zur bangen Schicksalsfrage geworden.
    In den Vorarlberger Nachrichten zählt Franz Ortner mögliche sozialistische Argumente gegen eine Vorverlegung der Wahlen auf.
    Derzeit schwimmt die SPÖ in einem inneren Zustand und bei einer äußeren Wählergunst, der keinen Wahlsieg auch nicht mit Kreisky an der Spitze erwarten lässt.
    Das kann sogar noch schlechter werden, denn im September beginnt der mehrwöchige AKH-Prozess in Wien.
    Dabei steht zur Wahl, dass harte Urteile die SPÖ mitbelasten oder verständnisvolle Urteile die Volkswut anheizen, dass man kleine Spitzbuben hängt und große Lumpen laufen lässt.
    Die SPÖ hat daher beschlossen, im Herbst lediglich mit einer Werbekampagne Sperrfeuer gegen diese belastende Korruptionsatmosphäre zu legen.
    Und erst nachher wird sie ablesen können, wie es um sie steht, ob sie den Wahltermin trotz Kreiskis Altersproblem noch weiter hinausschieben oder mit dem Kanzler auf dem Schild sich in Trab setzen soll.
    Wie denkt nun die SPÖ selbst über diese und andere Spekulationen?
    Dazu ein Auszug aus einem Kommentar von Gerald Höchtler im sozialistischen Oberösterreichischen Tagblatt.
    Der Grazer Parteitag hat den Spekulationen eigentlich ein Ende gesetzt.
    Kreisky hat sich ein Jahr Bedenkzeit genommen, weil er, bevor er sich entscheidet, ganz genau überlegen will, ob er sich eine neue Kandidatur zumuten kann.
    Bisher wurden die Wähler vom Kanzler noch nie geblufft.
    Wann immer er angetreten ist, stand fest, dass er nicht als Strohmann für einen anderen in die Auseinandersetzung geht, sondern die Herausforderung einer ganzen Legislaturperiode annimmt.
    Daran hat er auch jetzt keinen Zweifel gelassen.
    Jetzt zu spekulieren, die SPÖ wolle möglichst rasch wählen, um das Zugpferd Kreisky noch einmal nützen und den Kanzler dann kurzfristig in die wohlverdiente Pension schicken zu können, ist eigentlich eine infame Unterstellung.
    Naturgemäß anders als das sozialistische oberösterreichische Tagblatt sieht das neue Volksblatt der ÖVP die Situation.
    Peter Klar meint dort in seinem Leitartikel.
    Nur noch Kreisky und sonst niemand konnte und kann als Schwimmgürtel die Partei davor bewahren, dass die Bogen der Wählergunst über ihr zusammenschlagen.
    Aber Kreisky will nicht mehr und kann wohl auch nicht mehr.
    Ihm noch zwei volle Jahre an der Regierungsspitze zu belassen und dann in einen anstrengenden Wahlkampf zu hetzen, aus dem er sowohl politisch als auch gesundheitlich nur geschwächt hervorgehen könnte, wäre einfach zu viel.
    Doch ohne Kreisky wären wohl alle Chancen vertan.
    Je früher also, so die Überlegung, diese unselige Periode beendet wird, desto größer die Wahrscheinlichkeit, es mit Kreisky doch noch zu schaffen.
    Österreich würde dies zwar nichts nützen, aber die Sozialisten könnten sich dann länger an der Macht halten, falls die Rechnung aufgeht.
    Falls sie nicht aufgeht, wäre die Periode der Macht allerdings früher zu Ende.
    Und das macht die Entscheidung so schwer.
    Die Presseschau heute zu verantworten von Hans Langsteiner.
    Das Thema einer Arbeitszeitverkürzung in Diskussion gebracht von Sozialminister Dallinger hat heute die Industriellenvereinigung aufgegriffen.
    In ihrem Hause wurde eine Studie des Institutes für angewandte Sozial- und Wirtschaftsforschung über die Auswirkungen einer Arbeitszeitverkürzung von 40 auf 35 Wochenstunden präsentiert.
    Beteiligt an der Erarbeitung dieser Studie sind die Universitätsprofessoren Seicht und Klement und der Arbeitsrechtler Gerhard Heinrich.
    Die Studie basiert auf einer Befragung von 36 Unternehmen, deren Chefs umfangreiche Fragebögen mit nicht weniger als 91 Fragen auszufüllen hatten.
    Hans Adler berichtet dazu.
    Zusammengefasst und auf einen Nenner gebracht ist das Ergebnis der Studie.
    Eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 40 auf 35 Stunden schafft kaum neue Arbeitsplätze, erhöht die Kosten der Unternehmen und verringert dadurch die Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft insgesamt.
    Im Detail ergibt der von Prof. Gerhard Seich durchgeführte Teil der Untersuchung, der sich mit dem betriebswirtschaftlichen Aspekt der Arbeitszeitverkürzung befasst, dass nach dem Ergebnis der Befragung die höchste Kostenbelastung die kleinsten Unternehmen mit einem bis maximal 49 Beschäftigten zu tragen hätten.
    Sie errechnet sich dort mit mehr als 13 Prozent.
    Am geringsten wäre die Belastung für Betriebe bis 1.000 Beschäftigte insgesamt, hat so Professor Seicht der durchschnittliche Industriebetrieb eine Kostensteigerung von mehr als 8 Prozent zu tragen.
    Die Kostensteigerung würde beim Gewerbebetrieb mehr als zehn Prozent ausmachen.
    Außerdem ist man der Ansicht, dass die meisten Betriebe, vor allem aber die kleineren, die Auswirkungen der Arbeitszeitverkürzung durch Investitionen und durch Überstunden, nicht aber durch die Aufnahme zusätzlicher Arbeitskräfte, ausgleichen würden.
    Als Alternativen finden sich in der Studie ein Vorschlag zu einer flexibleren Arbeitszeit in der Form, dass dem Arbeitnehmer freigestellt werden sollte, ob er 35 Wochenstunden gegen entsprechend geringeres Entgelt arbeitet oder ein erhöhtes Entgelt durch Überstunden erwirbt, die dann allerdings bis zu 45 Wochenstunden keine Zuschläge enthalten, sondern nur eben den normalen Lohn per Stunde ausmachen dürften.
    Erst ab 45 Wochenstunden sollten, so der Vorschlag von Prof. Werner Klement in seinem Teil der Studie, die Überstunden mit den entsprechenden Zuschlägen ausbezahlt werden.
    Dr. Günther Stumpfold, zuständiger Beamter der Industriellenvereinigung, bezeichnete diesen Vorschlag als eine... ...ernstzunehmende Diskussionsgrundlage, ein Denkanstoß, den wir sicherlich in der weiteren Diskussion über diese Thematik miteinbeziehen werden.
    Mehr kann man heute dazu wirklich nicht sagen.
    Professor Klement, der sich in seinem Teil der Studie mit den Auswirkungen einer Arbeitszeitverkürzung auf den Arbeitsmarkt und die Beschäftigungspolitik auseinanderzusetzen hatte, findet keine zwingenden Gründe in der derzeitigen Lage auf dem österreichischen Arbeitsmarkt die Arbeitszeit aus Gründen der Arbeitslosigkeitsverhinderung zu kürzen.
    Außerdem, so meint er, wisse man viel zu wenig über die Wirkung der bisher angewendeten Arbeitsmarktstrategien und ebenso gäbe es keine Angaben über die Wirkungen der schon gehabten
    Arbeitszeitverkürzungen auf Wirtschaftswachstum und Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft.
    Eine stehe jedenfalls, so ergibt sich aus der Studie fest, Arbeitszeitverkürzung, so liest man, führe vor allem zu verstärkten Investitionen und kaum zu mehr Arbeitsplätzen.
    Vor allem in der kleinstrukturierten österreichischen Wirtschaft, so wurde erklärt, habe der durchschnittliche kleine Betrieb kaum die Möglichkeit, für den Verlust von fünf Wochenstunden eine Arbeitskraft anzustellen.
    Man könne schließlich nicht etwa ein Viertel Buchhalter aufnehmen.
    Abgesehen von alledem, so der dritte Teil der Studie, verfasst von Dr. Gerhard Heinrich, sei das Problem des Lohnausgleiches bei Arbeitszeitverkürzungen rechtlich ebenso wenig geregelt, wie die notwendigen Varianten einer Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich will heißen, ohne Abzüge.
    Auch die Urlaubsregelung könne man nicht durch eine einfache gesetzliche Bestimmung schaffen, sondern müsse sich mit den Notwendigkeiten einer flexibleren Arbeitszeit auseinandersetzen.
    Fazit also nach Ansicht des Generalsekretärs der Industriellenvereinigung, Professor Herbert Kretschi.
    Es ist die falsche Forderung zur falschen Zeit, es ist eindeutig eine falsche Prioritätensetzung.
    Es hat sich aus der Demoskopie in den letzten Monaten ergeben, dass in der breiten Öffentlichkeit Unbehagen und Unsicherheit über den wirtschaftlichen Kurs, damit auch die Folgen
    für den einzelnen Arbeitsplatz, Einkommen, soziale Sicherheit um sich greifen.
    In einer solchen Umwelt ist es nach unserer Ansicht geradezu eine Frivolität, wenn der Sozialminister geradezu wie mit einer tibetanischen Gebetsmühle seine Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung alle paar Tage erhebt.
    Und dies, so Gretschi, sei ausschließlich die Stellungnahme der Industriellenvereinigung als Interessensvertretung.
    Was die Volkspartei auf diesem Gebiet sagt, ist ihre Sache.
    Was wir aufgrund unserer Verantwortung und auch aufgrund der Interessenlage gegenüber unseren Mitgliedern zu sagen haben, ist unsere Sache.
    Nachzutragen wäre, dass die Untersuchungen natürlich auf Aussagen von Unternehmern beruht, die sich freiwillig zur Ausfüllung des Fragebogens bereit erklärt haben.
    Das mag vielleicht in einigen Details Auswirkungen auf die Aussagen gehabt haben.
    Insgesamt aber stellt man sich hinter die Grundaussage flexiblere Arbeitszeit ja, einfache Arbeitszeitverkürzung nein.
    Eine Studie über die Folgen einer Arbeitszeitverkürzung in Österreich aus der Sicht der Industriellenvereinigung Hans Adler hat diesen Beitrag gestaltet.
    Schäden in Milliardenhöhe könnte ein neuer in den USA von Mikrobiologen eines gentechnischen Labors in San Francisco entwickelter angeblich sicherer Impfstoff gegen die Maul- und Klauenseuche vermeiden helfen.
    Wie gemeldet gab der amerikanische Landwirtschaftsminister Block nun den erfolgreichen Abschluss seiner mehrwöchigen Testserie mit diesem Produkt bekannt, das durch seine Eigenschaft auch ungekühlt über längere Zeit lagerbar zu sein für einen Einsatz in den Entwicklungsländern geradezu prädestiniert wäre.
    Außerdem, so heißt es in den Meldungen aus den USA, sei mit der Herstellung des Impfstoffes ein wichtiger Durchbruch in der Gentechnologie gelungen, einem großen Hoffnungsgebiet der Wissenschaft zu bekämpfen von Viruskrankheiten.
    Über die Tragweite dieser Entwicklung für den weltweiten Kampf gegen die Maul- und Klauenseuche hat Josef Wenzel-Natek von unserer Wissenschaftsredaktion mit Ministeraldat Friedrich Waller vom Gesundheitsministerium das folgende Gespräch geführt.
    Herr Ministerialrat Dr. Waller, was würde die Entwicklung eines solchen sogenannten sicheren Impfstoffes im Hintergrund der Mauer- und Klauenzeichenproblematik bedeuten?
    Impfen gegen Maul- und Klauenseuche kann man ohnehin schon seit Jahrzehnten.
    Wie Sie richtig gesagt haben, impft man etwa seit 1938 sehr wirkungsvoll gegen die Maul- und Klauenseuche.
    Das Problem der ständigen Durchimpfung etwa in den EEG-Staaten liegt darin, dass
    Das heißt, die Seuche entstehen lässt.
    Das Problem liegt darin, dass man solche Impfstoffe auf die Weise erzeugt, dass man Erreger zwar abtötet und die dann den Tier als Vakzine injiziert.
    So kommt es gelegentlich vor, dass nicht alle Erreger abgetötet wurden und somit eine Tierkrankheit aktiviert wird.
    In dem neuen Impfstoff wird dieser Nachteil der Vakzine fehlen, sodass mit einem sicheren Impfstoff zu rechnen wird sein.
    Natürlich unter der Voraussetzung, dass die Angaben über den neuen Impfstoff in der Pressemeldung stimmen.
    Herr Dr. Waller, ein wichtiger Aspekt auch noch dieser Meldung ist, dass dieser neue Impfstoff in den Entwicklungsländern gut lagerbar und damit auch gut anwendbar wäre.
    Ist dieser Aspekt allein schon wichtig für die weltweite Seuchenbekämpfung?
    Nun, die Entwicklungsländer leiden ja unter der Geißelmaul- und Klauenseuche, jedoch die Bekämpfung dieser Seuche scheiterte ja nicht am Impfstoff, sondern an den technischen Voraussetzungen, wie geschultes Personal, technische Einrichtungen, Impfmöglichkeiten durch Personen und letztlich, wie es in Afrika ist,
    durch nomadisierende Herden, die man in keinem Staat erfassen kann.
    Das Problem liegt viel tiefer und liegt nicht allein an der Qualität des Impfstoffes.
    Das heißt im Großen und Ganzen gesagt, diese Entwicklung
    die hier beschrieben wurde, wohl ein Durchbruch, ein Durchbruch auf methodischem Gebiet, aber für die Gesamtbekämpfung der Maul- und Klauensäuche müssten noch ganz andere Gegebenheiten kommen.
    Das ist richtig, denn es beschäftigen sich ja sehr viele internationale Organisationen damit,
    Entwicklungsländer.
    Wie gesagt, am Impfstoff allein wird es nicht liegen.
    Soviel zum Thema neuer angeblich sicherer Impfstoff gegen die Maul- und Klauenseuche.
    Ein Blick auf die Uhr, 12.31 Uhr.
    Was planen wir noch bis 13 Uhr?
    Iran vor Eskalation des Konfliktes um Staatspräsident Banisadr.
    Dazu auch ein Gespräch mit einem iranischen Politologen, der einen Bürgerkrieg im Iran befürchtet.
    Dann diplomatisches Tauziehen um UNO-Konferenz über Kambodscha und im Kulturteil gehen wir ein auf die Josefstadt-Premiere des selten gespielten Schnitzler-Stückes Der Zug der Schatten und wir sprechen aus Anlass seines 70.
    Geburtstages mit Kammersänger Hans Beyrer.
    Jetzt also nach Persien.
    Dort dominieren wieder einmal die Parolen und die Massen auf den Straßen.
    Aufgehetzt durch den Kreisen Revolutionsführer Khomeini ist das erklärte Ziel, die Absetzung und politische Verurteilung des im Vorjahr von Millionen gewählten Staatspräsidenten Bani Sadr, das sich in den letzten Monaten immer mehr zum oppositionellen Geist gegen die Mullah-Gradi im Iran entwickelt hatte.
    Die Eskalation dieser Entwicklung wurde erreicht, als Banisadra in der Vorwoche untertauchen musste, um einer Verhaftung und weitergehenden Repressionen zu entgehen.
    Gegen seinen Amtssitz wurde ein Bombenanschlag verübt.
    Khomeini mobilisierte die Massen gegen Banisadra, dessen Anhänger sich bisher zurückhalten mussten, nachdem ihnen auch noch ein Demonstrationsverbot auferlegt worden war.
    Für morgen ist im Teheraner Parlament die formelle Absetzung Banisadres geplant und Beobachter sind nun der Meinung, dass sich das die Anhänger Banisadres nicht mehr gefallen lassen werden.
    Ulrich Tilgner berichtet dazu aus Teheran.
    In Teheran fällt am Wochenende nicht nur die Entscheidung über das weitere Schicksal von Abolhassan Banisadre, der ja immer noch Staatspräsident ist, sondern auch über die künftige Politik im Iran.
    Banisadres Absetzung ist sicher.
    Seine Anhänger werden die Parlamentsentscheidung nicht verhindern können, mit der Rumänisch dann freie Bahn hat, den Präsidenten zu entlassen.
    Die wollen es aber auch gar nicht mehr.
    Es ist auch nicht damit zu rechnen, dass der Präsident von der Möglichkeit, sich im Parlament zu verteidigen, Gebrauch macht.
    Bani Sabri, der sich mit Sicherheit noch in Teheran aufhält und nachdem an den Grenzen des Landes bereits gefahndet wird, scheint auch keinen Abgeordneten mit seiner Verteidigung beauftragen zu wollen.
    Für den Moment der Veröffentlichung der Parlamentsentscheidung muss jedoch mit starkem Unruhen im gesamten Lande gerechnet werden.
    Die Opposition will auf die Straße gehen und ist ganz offensichtlich kampfentschlossen.
    Revolutionsführer Romini selbst hat gestern noch einmal seine gesamte Autorität in die Waagschale geworfen.
    Die Bevölkerung solle die vom Westen und Osten abhängigen Intellektuellen ein für allemal beiseiteschieben.
    Der 82-Jährige erklärte, die Opposition sei die gefährlichste Konterrevolution, die das Land bisher erlebt habe.
    Diese Konterrevolution sei gefährlicher als die Schadiktatur.
    Und er kündigte an, dass er am Wochenende Entscheidungen bekannt geben würde.
    Das bedeutet, dass auch Rumänien mit starken Auseinandersetzungen rechnet und eventuell bereit ist, sogar den heiligen Befehl zum Krieg zu... Entschuldigung?
    Das bedeutet,
    dass auch Rumäni für das Wochenende mit starken Auseinandersetzungen rechnet und eventuell sogar den Befehl zum heiligen Krieg zu geben.
    Ein Befehl, den er bisher in seinem Leben noch nicht gegeben hat.
    Das Parlament wird morgen einen Schlussstrich unter den Fall Banisabres zielen.
    Dem 47-Jährigen, der im Januar vergangenen Jahres mit überwältigender Mehrheit von fast 11 Millionen Iranern zum Präsidenten gewählt worden war, wird vorgeworfen,
    die Verfassung des Landes verletzt, mit seinen Auftritten die Institutionen des Landes geschwächt und öffentliche Unruhen angestiftet zu haben.
    Banisadre hatte seit dem Herbst des vergangenen Jahres immer deutlicher die politische Unterdrückung und die Justizunsicherheit im Lande auf Großveranstaltungen kritisiert.
    Diese Auftritte hatten ihm große Popularität in den Städten des Landes eingebracht.
    Aus dem Präsidenten war er in Oppositionsführer geworden.
    Als Bani Sadre sich weigerte, die Angriffe auf seine innenpolitischen Gegner aus den Reihen der Partei der Islamischen Republik, die Parlament, Regierung und Justiz des Landes kontrollieren einzustellen, war er bei Rumänien Ungnade gefallen.
    Seine Zeitung wurde geschlossen und er selbst als Oberbefehlshaber der Armee abgesetzt.
    Zu Anfang dieser Woche hatte Bani Sadre dann erst einmal den Kampf auf den Straßen der iranischen Hauptstadt verloren.
    Am Montag hatten 100.000 Regierungsanhänger für Rumänien und gegen Bani Sadre demonstriert und sogar den Tod des Präsidenten gefordert.
    Seither kontrollieren die Regierungsanhänger die Straße.
    Mit drastischen Strafankündigungen wurde die Opposition abgehalten, sich zu versammeln.
    Seine Sympathisanten mussten den sehr oft gewaltsam vorgehenden Regierungsanhängern weichen, die bis heute die Straßen der Hauptstadt kontrollieren.
    Aber es ist damit zu rechnen, dass vor allen Dingen die radikalen Oppositionsgruppen morgen gewaltsam ihren Weg gehen wollen.
    Wie dann die Bevölkerung reagiert, kann man heute von Teheran noch nicht sagen.
    Am Freitag, das ist der islamische Sonntag, ist es hier sehr ruhig.
    Wir bleiben beim Thema Iran.
    Iran, zwei Jahre nach der Revolution, das ist der Titel eines Berichts, dessen Verfasser, der ein Wien lebender Politologe, Dr. Humayoun Alisade ist.
    Er schildert darin die Eindrücke eines mehrmonatigen Aufenthalts in seiner Heimat.
    Dazu gehören die Flüchtlingsmassen des irakisch-iranischen Krieges in den Straßen Teherans, die Schlangen vor den Lebensmittelgeschäften, Khomeini-Bilder und islamische Parolen und gleichzeitig rigoroses Vorgehen von bewaffneten Milizen der islamischen Fundamentalisten gegen alle Regungen von Opposition.
    Über die Lage einen Tag vor der wahrscheinlich entscheidenden Parlamentssitzung, über die wir gerade aus Teheran berichtet haben, sprach Roland Machatschke mit Dr. Ali Zadeh.
    Zwei Jahre nach der Revolution im Iran hat man immer stärker den Eindruck, als hätten die Perser ein Übel mit dem anderen vertauscht, die Diktatur des Shahs mit der Diktatur der Mullahs.
    Ist das nun, Herr Dr. Al-Izzat, ein Eindruck, den man vor allem im westlichen Ausland hat?
    Oder hat diesen Eindruck auch jemand, der so wie Sie gebürtiger Iraner ist und erst vor kurzem aus dem Iran nach einem längeren Aufenthalt nach Österreich zurückgekommen ist?
    Ich glaube, ich kann die Aussage voll bestätigen, dass die Hoffnung, die wir nach der Revolution hatten, Iran in einen demokratischen und unabhängigen Land zu führen, die Hoffnung beseitigt worden ist, in dem Sinne sich eine Diktatur, eine faschistische Regime, die in Macht gekommen ist, die jegliche
    Hoffnung auf Unabhängigkeit des Irans zunichte gemacht hat.
    Eine andere Frage, die immer wieder eine Rolle gespielt hat in der Beurteilung des Shah-Regimes im Ausland, die Frage der Menschenrechte, die gefürchtete Geheimpolizei des Shah, Sawak, Folter, Terror, Amnesty International hat da immer wieder darüber berichtet.
    In ihrem Bericht, Iran zwei Jahre nach der Revolution, Herr Dr. Alizadeh, lese ich, dass es immer noch politische Gefangene im Iran gibt, nach Schätzung der Opposition sogar mehrere tausend.
    Was sind das für politische Häftlinge, die im Iran jetzt festgehalten werden?
    Ich glaube, man muss unterscheiden zwischen der systematischen Folterung, der systematischen Unterdrückung, wie es seitens der SAWA gemacht worden ist, und der jetzigen politischen Verfolgung der Opposition im Iran, dass hier ein anderes Bild gibt,
    dass nämlich Leute ohne jegliche gesetzliche Grundlagen verhaftet werden, gefoltert werden und ermordet werden.
    Und dass diese Menschenrechtsfälle in Iran heute viel krasser und viel schlimmer sind.
    Schlimmer noch als zur Scharzeit?
    Viel schlimmer, ja.
    Gehen wir nun ganz kurz auf die mögliche politische Zukunft des Iran ein, wenn der morgige Tag, wenn die Parlamentssitzung in Teheran das erwartete Ergebnis bringt, nämlich die Absetzung des Präsidenten Bani Sader.
    Was passiert dann im Iran, zum Beispiel für den Fall, dass Bani Sader, was ja vielfach spekuliert worden ist, die Flucht ins Ausland versuchen wird?
    Ich glaube, das ist die große Frage des politischen Kräfteverhältnisses derzeit im Iran, nämlich die Islamische Regulantische Partei, die Tudeh-Partei und die Fedai-Inmehrheit einerseits und auf der anderen Seite die minderbewaffneten Mujahedin-Khalq, die anderen fortschrittlichen und nationalen Kräfte derzeit im Iran, ist meines Erachtens eine Frage, inwieweit
    Bani Saad als Führer diese Opposition lenken kann.
    Ich glaube, wenn Bani Saad jetzt das Land verlassen würde, ist es für mich ein Minuspunkt, denn derzeit hat er eine Massenbasis hinter sich und das ist die Frage, wie weit er sich durchsetzen kann.
    Befürchten Sie den Ausbruch eines Bürgerkriegs im Iran?
    Ich bin fest davon überzeugt, dass Iran sich seit einiger Zeit im Bürgerkriegszustand befindet.
    Ich habe selber die Symptome.
    Im Iran gesehen, die militärische Auseinandersetzung zwischen Fundamentalisten, zwischen Anhängern der Islamischen Republikanischen Partei mit den Oppositionellen,
    Und das ist die Frage, ob dieser Bürgerkrieg die Unabhängigkeit des Irans in Frage stellen wird, weil meines Erachtens haben die Großmächte, sowohl die USA als auch die Sowjetunion, ein großes Interesse an Iran.
    Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Iran ein Pulverfass werden könnte für einen
    großen Konfrontation der Supermächte in dieser Region.
    Danke, Herr Dr. Aldezade.
    Das waren zwei Iran-Berichte im Mittagsschornal und jetzt weiter nach Südostasien.
    In die politisch und diplomatisch heikle Kambodscha-Frage kommt wieder etwas Bewegung.
    Die westlich orientierte Südostasiatische Staatengruppe ASEAN besprach sich zuletzt durch ihre Außenministerin Manila.
    Der ASEAN gehören die Länder Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien und die Philippinen an.
    In einer Art Gegenkonferenz konferierten die kommunistischen südostasiatischen Staaten Kambodscha, Vietnam und Laos in Phnom Penh.
    Es ging unter anderem um die für 13.
    Juli in New York geplante UNO-Konferenz zu Kambodscha, für die nun die genannten kommunistischen Länder ihre Teilnahme verweigern und den ASEAN-Staaten ein regionales Treffen vorschlagen.
    Diese hatten sich in Manil über ein gemeinsames Vorgehen für New York besprochen und in einer Art Kambodscha-Plan auch ihr Endziel umrissen.
    Die Schaffung eines wirklich unabhängigen, neutralen und bündnisfreien Kambodscha, dessen Regierung auf den sogenannten Volkswillen gestützt, keine Bedrohung für seine Nachbarn sein soll.
    Wie schon im Vorjahr bei der Konferenz von Kuala Lumpur traten in Manila Thailand und Singapur für eine härtere Linie gegenüber Vietnam ein, dem faktischen Machthaber in Kambodscha, durch die militärisch starke Präsenz der Vietnamesen dort.
    Die anderen Mitglieder sind eher kompromissbereit, wobei niemand so recht weiß, wie dieser Kompromiss aussehen soll.
    Die Kambodscha-Frage vor der geplanten UNO-Konferenz.
    Dazu Michael Brauner.
    Hier in Manila wurde nun ASEANs jüngste Strategie formuliert.
    Die Bemühungen Kurt Waldheims und der UNO wurden so wie die geplante UNO-Konferenz voll unterstützt, Vietnams Vorschlag eines regional begrenzten Dialogs hingegen abgelehnt.
    Ferner forderten die südostasiatischen fünf den Rückzug aller vietnamesischen Okkupationstruppen aus Indokina, der gemeinsam mit der Entwaffnung der antivietnamesischen Khmer-Guerillas
    im Einsatz einer UNO-Friedenstruppe und international überwachten Wahlen in Kambodscha gehen solle.
    Besondere Solidarität wurde dem ASEAN-Frontstaat Thailand gegenüber ausgesprochen und das thailändische Repatriierungsprogramm von Kambodscha-Flüchtlingen gut geheißen.
    Kurz zuvor erst hatte Vietnam gedroht, in den thailändischen Grenzgebieten wieder militärisch einzugreifen, wenn Thailand
    vorwiegend antivietnamesischen Flüchtlinge zur Verstärkung der Khmer-Guerillas nach Kambodscha zurückschickt.
    Der ASEAN-Außenministerkonferenz in Manila ist umso mehr Bedeutung zuzumessen, als heute und morgen erweiterte Gespräche geführt werden.
    Allen voran ist US-Außenminister Alexander Haig nach seinem Peking-Besuch hier in Manila eingetroffen und mit ihm die Außenminister von Japan, Kanada, Neuseeland und Australien.
    Als Vertreter der Europäer nimmt auch der holländische Außenminister an den Beratungen teil.
    So diskutieren in diesen Stunden elf Außenminister über das unlösbar scheinende Kambodscha-Problem.
    Zwar ist die Diktion in den offiziellen Statements der kommunistischen Indokinerstaaten als auch der ASEAN-Mitglieder etwas sanfter und kompromissbereiter geworden, aber alle konkreten Vorschläge
    Frieden, in die seit Jahrzehnten umkämpfte Region zu bringen, scheinen chancenlos.
    Denn der prolongierte Krieg um Kambodscha ist kein regionaler, sondern ein Supermacht-Konflikt.
    Vietnam agiert als Stellvertreter Moskaus, die anti-vietnamesischen Widerstandskämpfer in Kambodscha sind von Peking gestützt und die ASEAN-Staaten verstehen sich als neutrale, sind aber letztlich eine pro-amerikanische Kraft in der Region.
    Der philippinische Präsident Ferdinand Marcos erklärte in seiner Begrüßungsansprache für den US-Außenminister, dass Hakes Besuch in Asien das Wiedererwachen der USA symbolisiere.
    Und Hake setzt auch laufend Zeichen, dass die Regierung von Präsident Reagan nun endgültig das Trauma des gescheiterten US-Engagements in Vietnam während der 60er und 70er Jahre überwunden hat und eine neue, engagierte Asienpolitik entwickelt.
    In Stichworten Waffen an China und Pakistan, Aufrüstung Japans, kräftige Unterstützung Südkoreas und eben auch militärische Kooperation mit den ASEAN-Staaten.
    Die gegenwärtige Strategie, nämlich Verhandlungsbereitschaft zu signalisieren, zugleich aber kräftig die Muskel zu zeigen, ist eine eindeutige Reaktion auf Vietnams Ersetzungspolitik in Indokina.
    besteht allerdings Gefahr, dass der Konflikt so noch weiter verschärft wird.
    Denn die Achse Moskau-Hannau hat nun wirklich guten Grund, sich von allen Seiten eingekreist zu fühlen, insbesondere von China und den USA.
    Hinter den Kulissen wird diese Problematik auch bei ASEAN reflektiert.
    Einige Mitgliedstaaten haben historisch bedingtes Misstrauen, sowohl gegenüber den USA als auch über die Rolle Chinas, dass sich langfristig mehr noch als Vietnam
    zur Gefahr für die Unabhängigkeit Südostasiens entwickeln könnte.
    Und bei allen offiziellen Treue-Schwüren, die heute und morgen zwischen Haig und seinen fernöstlichen Kollegen abgegeben werden, steht neben der Zufriedenheit über wachsendes US-Engagement in Asien auch die Angst im Raum, dass die USA ihre Asienfreunde nun zu stark in pro-chinesische und antisowjetische Positionen drängen.
    Damit nämlich wäre die Glaubwürdigkeit ASEANS als unabhängiger und neutraler Block völlig dahin.
    Weitere Polarisierung würde zu noch stärkeren Differenzen führen, die der neuen Eskalation in und um Indokina befürchten lassen.
    Zwei Minuten nach dreiviertel eins, Kulturberichte im Mittagschanal.
    Ein selten gespieltes Schnitzlerstück, nämlich das Drama Zug der Schatten, hat heute im Theater in der Josefstadt in Wien Premiere.
    In der Inszenierung von Michael Kehlmann spielen unter anderem Birgit Dolleugenstark und Harald Harth in der Ausstattung von Gottfried Neumann-Spallert und Ernie Knippert.
    Dazu ein Bericht von Helga Janisch.
    Das Drama Zug der Schatten, an dem Artur Schnitzler über zwei Jahrzehnte lang gearbeitet hat, in dem er Schauplätze, Gestalten und Probleme aus früheren Stücken wiederkehren lässt und das er selbst als unvollendet bezeichnete, kam erst im Jahre 1971 am Wiener Volkstheater zur Uraufführung und ist nur selten auf dem Spielplan deutschsprachiger Bühnen zu finden.
    Regisseur Michael Kehlmann sagt über die Gründe dafür.
    Die Gründe dafür sind das, was der Theaterdirektor in dem Stück sagt,
    Schuld daran sind die Dramaturgen, weil es ist ein glänzendes Stück und es gehörte viel öfter auf die Bühne und ich hoffe, dass es uns gelingt, mit dem Stück, dem Stück selbst, zu einem Durchbruch zu verhelfen.
    Außerdem gehört es zu den erstaunlichen Erscheinungen des zeitgenössischen deutschsprachigen Theaters, dass viele Stücke, die dort einen Platz haben sollten, nicht gespielt werden.
    Das Stück spielt in Wien, einer Stadt, die hier zeitentdrückt wird, wenngleich sich Einzelheiten des Geschehens auf die Zeit nach dem Zusammenbruch der Monarchie beziehen.
    Der eigentliche Inhalt des Stücks ist die Einsicht des alternden und später alten Arthur Schnitzler, dass die Veränderung der gesellschaftlichen Umstände die Menschen in ihren Empfindungen, ihren inneren Abhängigkeiten, ihrem Verhältnis zueinander und in ihrem Verhältnis zur Liebe nicht verändert.
    Das ganze Stück handelt von der Gefährlichkeit des verstandesmäßig unberechenbaren Gefühls.
    Inmitten einer gutbürgerlichen Gesellschaft und ihren Tändeleien steht die junge Schauspielerin Franzi, ein junges Mädchen, das stark und echt empfindet.
    Darstellerin Birgit Doll sagt über die Figur der Franzi, Franzi ist eine Schauspielerin.
    Kleindarstellerin, hat nicht sehr viel Erfolg.
    Sie ist sehr labil von ihrem Charakter her, auch von dem, wie sie aufgewachsen ist.
    Sie hat sich in die Liebesbeziehung mit dem Richard ganz hineingestürzt, absolut.
    und sucht da ihren Halt.
    Und wie das eben nicht funktioniert und er sie verlässt, ist das für sie eigentlich schon das Ende.
    Führen sie dazu den Ausschnitt einer Szene, in der Franzi und ihr Geliebter heimlich zusammentreffen.
    Es spielen Birgit Doll und Eugen Stark.
    Du hast viele Leute gesprochen.
    Junge Damen.
    Auch.
    Fräulein Veith zum Beispiel.
    Es ist kein Anlass gerade die besonders zu erwähnen.
    Die wirst du heiraten.
    Ludwig hat mir schon seinerzeit erzählt, dass du sie heiraten wirst.
    Da weiß er mehr als ich.
    Die oder eine andere.
    Mir kann es ja gleich sein, an wen ich dich verlieren werde.
    Und das weißt du ganz bestimmt, dass du mich verlieren wirst.
    Nächstes Jahr bin ich in Hamburg oder Gott weiß wo.
    Aber wer zwingt dich dazu?
    Du kannst doch hier im Residenztheater bleiben.
    Und wieder Stubenmädels spielen.
    Ich hab gemeint, es ist dir gleichgültig, was du spielst.
    Du hast doch selbst gesagt, dass es anders werden wird.
    Das Bühnenbild von Gottfried Neumann-Spallert und Michael Kehlmanns Regie-Konzept fallen durchaus nicht aus dem Rahmen der in Wien üblichen Schnitzler-Inszenierungen, auch wenn Regisseur Kehlmann das Wort Schnitzler-Stil nicht gelten lassen will.
    Der in Wien übliche Schnitzler-Stil ist eine Unsinn, unsinnige Behauptung, die ich schon bei dem Schnitzler-Symposium gehört und zurückgewiesen habe.
    Es gibt keinen üblichen Schnitzler-Stil.
    Wenn österreichische Adelige sprechen, haben sie einen nasalen Ton.
    Man könnte das nur nach der Art progressiver Uckermärker
    auf Sächsisch sagen lassen oder gar nicht oder die Herrschaften machen Freiübungen dazu oder zeigen sich die Marken ihrer Unterhosen.
    Alles was heute im deutschen Theater teils Gang, teils Gebe und Unsitte ist und dazu beiträgt, dass niemand mehr ins Theater geht.
    Ein Stück, vor allem eines, das keiner kennt, weil es ein neues Stück und weil es die Wiederentdeckung eines Stückes ist, ist so geschrieben, wie es geschrieben ist.
    Die Wiener Philharmoniker zwingt niemand, wissentlich dissonant zu spielen.
    Ich sehe nicht ein, dass ein erstklassiges Ensemble, das imstande ist, österreichische Menschen Österreichisches zu spielen, mit ihren Fehlern und mit ihren Vorzügen, das bewusst ändern soll, um etwelchen Leuten, die zu oft Theater gestern gelesen haben, eine Freude zu machen.
    Jedenfalls kann man auf den Zug der Schatten gespannt sein, da er eine Art Zusammenfassung von Arthur Schnitzlers gesamten dramatischen Wirken darstellt.
    Am Dienstag wird ein Sänger, 70 Jahre alt, der als letzter echter Heldentenor bezeichnet wird.
    Kammersänger Hans Beyrer wird an diesem Tag in der Staatsoper als Herr Rodes in der Richard-Strauss-Oper Salome zu hören sein.
    Bereits morgen wird in der Reihe Künstler abseits von Bühne und Kostüm im Gobelinsaal den Staatsoperfreunden Rede und Antwort stehen.
    Das folgende Porträt hat Peter Dussek gestaltet.
    Wo andere Tenöre nur mit Mühe über die Runden kommen, da trumpft Hans Beyrer erst so richtig auf.
    Das gilt für seinen Tannhäuser und seinen Tristan, seinen Siegfried und seinen Parsifal.
    Denn der 1911 in Wiener Neustadt Geborene setzt eine Tradition fort, die ansonsten nicht mehr zu finden ist.
    Was einst ein Sudhaus oder ein Melchior waren, richtige Heldentenöre, die weniger auf psychologische Details achteten, sondern ihre ganze Kraft in die sängerischen Möglichkeiten investierten, das findet man unter den Wagner-Tenören von heute nicht mehr.
    Dabei war auch für Hans Beyrer der Weg zum Heldentenor nicht von allen Anfang an vorgegeben.
    Wer etwa glaubt, dass Stimmen von seinem Kaliber schon in der Wiege entdeckt werden können, irrt.
    Also wenn ich in der Wiege laut geschrien habe, könnte ich annehmen, aber das war nicht Heldentenor, sondern ein Kind, das eben nach der Mutter geschrien hat.
    Später dann habe ich zu Hause öfter gesungen, aber die Stimme war nicht groß.
    Und erst als mich meine Frau gehört hat, hat sie die Entwicklungsmöglichkeiten in meiner Stimme gesehen.
    Und ich habe die ersten Jahre, wie ich in der Schweiz in Engagement war, in Linz an der Donau, sehr lyrische Partien gesungen.
    Ich habe Papier von Sevilla gesungen, Don Giovanni, Bohème, Verkaufte Braut.
    Und dann erst später in Berlin bin ich langsam ins dramatischere Fach hineingekommen mit Martha, Carmen,
    Radames und später mit Meistersinger.
    Turmbandaufnahmen aus der Frühzeit von Hans Beyrer dokumentieren sogar den Operettentenor.
    Ich geb dir alles, was du willst, wenn du nur schön spielst, wenn du meine Freuden, deine Schmerzen mit mir siehst.
    Ende der 40er-Jahre zu Beginn der 50er-Jahre wurde aus dem lyrischen Tenor endgültig jener Wagner-Sänger, der von den berühmtesten Dirigenten geholt wurde.
    Meine ersten Heldenpartien habe ich mit Dr. Bröm in Neapel gemacht, Barsefal und Tannhäuser.
    Und im selben Jahr vorher, im April, hatte ich Barsefal mit Seraphin in Rom, mit der Calas als Kundry.
    Die anderen haben italienisch gesungen, nicht deutsch, aber es war trotzdem ein großer Erfolg.
    Dann habe ich an der Scala weiter mit
    Karajan, Dannhäuser, mit Furtwängler, Barsifal und Meistersinger und später mit Gnabrtsbusch, Tristan gemacht und gleichzeitig bin ich dann auch bei Reut gekommen, wo ich Barsifal, Tristan und
    Tannhäuser gesungen habe.
    Wenn der viel gefragte Tenor morgen im Gobelinsaal der Wiener Staatsoper aus seinem ereignisreichen Sängerleben erzählen wird, dann kann er es ihm Bewusstsein tun, im Vollbesitz seiner Stimme zu sein.
    Wie erklärt er sich die Strapazfähigkeit seiner Stimme, die angesichts von zahllosen Kurzkarrieren vieler seiner Bühnenpartner ein Phänomen für sich ist?
    Also die Stimme frisch zu halten ist Art 1, dass man richtig singt.
    Dass man nicht einen falschen Schongang drinnen hat, falsch markiert und die Stimme verdruckt.
    Die Stimme ist ein Muskel, der arbeiten muss und der auch gern arbeitet, wenn er richtig behandelt wird.
    Das Zweite ist das Leben, das meine Frau und ich führen.
    Wir gehen nie ganz hin, wo geraucht wird.
    Bei uns darf auch keiner rauchen.
    Der muss entweder aufs Klo oder am Gang hinaus, aber wo wir sitzen, wird nicht geraucht.
    Und drittens ist, dass der Körper fit erhalten wird durch Sport, also jeden Morgen Frühsport, damit die Gelenkigkeit da ist.
    Ja, und ein gewisser Optimismus zum Leben, den wir beide haben, meine Frau und ich.
    Und der 70-jährige letzte Heldentenor, der erst vor kurzem als Tannhäuser in der Wiener Staatsoper begeisterte, steckt auch noch voller Pläne.
    Am 4.
    Juli ist in Berlin meine Geburtstagsfeier, obwohl es ja schon beinahe 14 Tage später ist.
    Aber da ist Götterdämmerung mit Stein am Bolt.
    Und anschließend habe ich einen neuen Vertrag, 3-Jahres-Vertrag mit Götz Friedrich für die Deutsche Oper gemacht.
    Hier in der Wiener Staatsoper habe ich ja noch einen Vertrag.
    Und mir genügen im Moment die zwei Häuser.
    Ich möchte nicht mehr so viel singen wie früher.
    Ich habe früher oft im Jahr 85 Abende und davon 60 schwere Wagner-Opern gesungen.
    Das möchte ich nicht mehr.
    Ich mache jetzt nur mehr Wien und Berlin und das genügt mir vollkommen.
    Das war Kammersänger Hans Beirer und wir haben drei Minuten vor 1 Uhr noch die Schlussmeldungen am Programm.
    Österreich.
    Bundeskanzler Kreisky kann das Rudolfspital in Wien morgen Nachmittag oder am Sonntag verlassen.
    Kreisky ist am Montagabend mit akuten Atembeschwerden in das Krankenhaus eingeliefert worden.
    Der behandelnde Arzt primarius Professor Neumeier wiederholte heute, er habe Kreisky geraten nach seiner Entlassung aus dem Spital noch eine Woche auszuspannen.
    Bundespräsident Kirchschläger wird, wie heute aus der Präsidentschaftskanzlei bekannt wurde, das Wochenende über in Spitalpflege bleiben müssen.
    Kirchschläger laboriert an einer virulent gewordenen Kriegsverletzung am Bein.
    Das Befinden des Bundespräsidenten wurde als gut bezeichnet.
    Eine Arbeitszeitverkürzung ist aus gesamtökonomischer Sicht derzeit nicht zwingend und würde die Arbeitskosten erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft verschlechten.
    Dies ist das wichtigste Ergebnis einer Studie des Institutes für angewandte Sozial- und Wirtschaftsforschung.
    Die Studie ist von der Industriellen Vereinigung und der Bundeswirtschaftskammer finanziert worden.
    Vereinte Nationen, der UNO-Weltsicherheitsrat entscheidet heute über eine Resolution nach dem israelischen Luftangriff auf das irakische Atomzentrum bei Bagdad.
    Die USA und der Irak haben sich offensichtlich auf einen Kompromiss geeinigt.
    Israel soll scharf verurteilt werden, Sanktionen sind aber nicht vorgesehen.
    Europäische Gemeinschaft.
    Das Europaparlament in Straßburg hat eine ausdrückliche Kritik an israelischen Luftangriff auf das irakische Atomzentrum abgelehnt und stattdessen die Gewalt im Nahen Osten in ihrer Gesamtheit verurteilt.
    Eine entsprechende Entschließung wurde heute mit 93 gegen 16 Stimmen bei 29 Enthaltungen gebilligt.
    Außerdem hat das Europaparlament mit großer Mehrheit die Abschaffung der Todesstrafe in den Ländern des gemeinsamen Marktes gefordert.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Anlässlich des evangelischen Kirchentages in Hamburg hat sich Bundeskanzler Schmidt neuerlich gegen eine einseitige Abrüstung des Westens ausgesprochen.
    Schmidt sagte unter anderem, wer es sich nicht wehren könne, habe ein Schicksal wie Afghanistan zu befürchten.
    Das, meine Damen und Herren, war eine Stunde aktuelle Information.
    Für das Team des Mittagsschanals verabschiedet sich Bruno Berger.
    Auf Wiederhören.
    Das war's für heute.

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Datum: 1981.06.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Vorschau auf das Wochenendwetter
    Mitwirkende: Hufnagl, Felix [Gestaltung] , Berger, Bruno [Moderation]
    Datum: 1981.06.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten
    Abfangjäger: Flugzeugindustrie drängt Österreich zur Entscheidung
    Interview: Projektleiter Francis Keith und Projektleiter Schwarzenberger
    Mitwirkende: Esterle, Leopold [Gestaltung] , Keith, Francis [Interviewte/r] , Schwarzenberger, O. [Interviewte/r]
    Datum: 1981.06.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik Österreich ; Politik ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten
    Inlandspresseschau: Vorverlegung der Nationalratswahlen?
    Mitwirkende: Langsteiner, Hans [Gestaltung]
    Datum: 1981.06.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Politik ; Medien und Kommunikation ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten
    Industrie zu Arbeitszeitverkürzung
    Interview: IV-Generalsekretär Krejci und Wirtschaftswissenschaftler Stummvoll
    Mitwirkende: Adler, Hans [Gestaltung] , Krejci, Herbert [Interviewte/r] , Stummvoll, Günter [Interviewte/r]
    Datum: 1981.06.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik ; Gesellschaft ; Wissenschaft und Forschung ; Medien und Kommunikation ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten
    Neuer sicherer Impfstoff gegen Maul- und Klauenseuche in den USA entwickelt
    Interview: Ministerialrat Friedrich Walla
    Mitwirkende: Hnatek, Josef Wenzel [Gestaltung] , Walla, Friedrich [Interviewte/r]
    Datum: 1981.06.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Medizin ; Wissenschaft und Forschung ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Ausgangspositionen vor der iranischen Parlamentssitzung über Bani-Sadr
    Mitwirkende: Tilgner, Ulrich [Gestaltung]
    Datum: 1981.06.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Iranischer Politologe erwartet Ausbruch des Bürgerkrieges nach Bani-Sadr-Absetzung
    Interview: Politologe Homayoun Alizadeh
    Mitwirkende: Tilgner, Ulrich [Gestaltung] , Alizadeh, Homayoun [Interviewte/r]
    Datum: 1981.06.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Asian-Konferenz in Manila: Kambodscha-Frage
    Mitwirkende: Brauner, Michael [Gestaltung]
    Datum: 1981.06.19 [Sendedatum]
    Ort: Manila [Veranstaltungsort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Schnitzler-Premiere in der Josefstadt "Zug der Schatten"
    Interview: Regisseur Kehlmann und Schauspielerin Birgit Doll , Einblendung: Szene (Birgit Doll und Eugen Stark)
    Mitwirkende: Janisch, Helga [Gestaltung] , Kehlmann, Michael [Interviewte/r] , Doll, Birgit [Interviewte/r] , Stark, Eugen [Interpret/in]
    Datum: 1981.06.19 [Sendedatum]
    Ort: Wien, Theater in der Josefstadt [Ort der Aufführung]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Theater ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    70. Geburtstag von Kammersänger Hans Beirer
    Interview: Sänger Hans Beirer , Einblendung: Musik (mit Hans Beirer)
    Mitwirkende: Dusek, Peter [Gestaltung] , Beirer, Hans [Interviewte/r]
    Datum: 1981.06.19 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Musik ; E-Musik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten

    Katalogzettel

    Titel Mittagsjournal 1981.06.19
    Spieldauer 01:00:08
    Mitwirkende Berger, Bruno [Moderation]
    Henke, Reinhold [Regie] [GND]
    ORF [Produzent]
    Datum 1981.06.19 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ audio
    Format TKA [Tonband auf Kern (AEG)]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-810619_k02
    Medienart Mp3-Audiodatei
    Gesamtwerk/Reihe Mittagsjournal

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    Schlagworte

    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt