Mittagsjournal 1985.04.04

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    Rechtliches

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    KI-generiertes Transkript

    Die Zeit in fünf Sekunden ist es zwölf Uhr.
    Zwölf Uhr.
    Hier ist der österreichische Rundfunk.
    Grüß Gott, sage ich Ihnen beim Mittagsjournal des aktuellen Dienstes, heute am Gründonnerstag.
    Redakteurin im Studio ist Ilse Oberhofer.
    Ich nehme an, Sie genießen so wie wir das vorösterliche Wetter.
    Glockenklang haben Sie auch schon im Hintergrund, meine Studiotür ist nämlich leider offen.
    Hoffentlich bleibt uns dieses Wetter noch ein bisschen erhalten.
    Wir wollen jedenfalls heute gleich im Anschluss an die Nachrichten unsere Wetterfrösche von der Hohen Warte fragen, was sie für uns Ostern wettermäßig versprechen können.
    Was aber gibt es dann noch in unserem Programm bis 13 Uhr?
    Zunächst zu den Inlandsthemen.
    Wieder Diskussion um die Arbeitszeit.
    Dazu gab es heute eine Pressekonferenz von Bundeskammer Generalsekretär Kehrer, über die wir berichten.
    In der Inlandspresseschau gibt es Kommentare zur gestrigen Pressekonferenz des ÖGB.
    Steckt der ÖGB in der Krise, hieß es da und die ÖGB-Spitze antwortete mit Nein.
    Wie kommentieren das die österreichischen Journalisten?
    Und wir informieren Sie dann noch über die Situation der Elektronikbranche in Österreich.
    Großer Block Ausland, da haben wir heute unter anderem einen Gast im Studio, und zwar Michael Vrase, einen deutschen Korrespondenten, der soeben aus Teheran zurückgekommen ist und den wir über seine Eindrücke fragen wollen.
    Zum Thema Golfkrieg etwa, meint er.
    Beide Seiten sprechen immer von, nach jeder Offensive, von Zehntausenden von Toten, aber es gibt Schätzungen, die von einer halben Million Opfer auf beiden Seiten ausgehen.
    Und wenn man eine halbe Million Opfer hat, muss man sicherlich zwei- bis dreimal so viel Verletzte hinzuaddieren.
    Und diese verletzten Kriegsinvaliden, die sieht man auch im iranischen Straßenbild.
    Man sieht Weinamputierte, man sieht sehr viele Leute auf Rollstühlen fahren.
    Also die Opferzahlen sind ungeheuer groß in diesem Golfkrieg.
    Mehr dann, wie gesagt, im Verlauf unserer Sendung, in der es dann noch Auslandsthemen gibt.
    Die Wahlrechtsreform in Frankreich hat zu einem Ministerrücktritt geführt und es gibt einen Großbrand im Hamburger Hafen, über den wir auch berichten wollen.
    Agenturmeldungen sprechen von einem flammenden Inferno.
    Die Kulturredaktion bringt heute zwei Beiträge.
    Sie berichtet über ein Gastspiel des Berliner Pianisten Joe Lugar mit Chansons der 20er und 30er Jahre und Rolf Hochhuth nimmt zu seinem gefährdeten Burgtheater-Projekt der Judith Stellung.
    Zunächst aber gibt's die Nachrichten im Mittagschanal.
    Zusammengestellt hat sie Federoli und gesprochen werden sie von Rosmarin Fraundorfer.
    Österreich.
    Der Wiener ÖVP-Obmann und Vizebürgermeister Erhard Busig forderte heute die Befürworter des Kernkraftwerkes Zwentendorf auf, sie sollten auch die möglichen Standorte anderer Atomkraftwerke in Österreich bekannt geben.
    Busig meinte, nach den Regierungsunterlagen werde Zwentendorf erst rentabel, wenn es zwei oder drei weitere Kernkraftwerke in Österreich gebe.
    Eine Aktivierung des Atomstroms würde laut Busek zwischen 9 und 21 Milliarden Schilling zusätzlich kosten.
    Er wiederholte seine Forderung, Zwentendorf in ein Gaskraftwerk umzurüsten.
    Dies wäre laut Busek mit Kosten von 4 Milliarden Schilling möglich.
    Der österreichische Gewerbeverein hat die gestrigen Aussagen von ÖGB-Chef Anton Benyar zu einer Steuerreform kritisiert.
    Benyar hatte gestern gemeint, man dürfe an eine Steuerreform nur sehr vorsichtig herangehen.
    Die bisher letzte Steuerreform hat nach den Aussagen Benyars den Staat viel gekostet, den Arbeitnehmern im Durchschnitt aber wenig gebracht.
    Der Gewerbeverein wirft Benja nun vor, mit dieser Aussage Zusammenhänge zwischen Steuerbelastung und Arbeitsplatzsicherung außer Acht zu lassen.
    Die Eigenkapitalbasis der Klein- und Mittelbetriebe in Österreich sei derzeit sehr gering, meint der Gewerbeverein.
    Eine steuerliche Entlastung sei daher notwendig.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Alt-Bundeskanzler Bruno Kreisky sieht im Zusammenbruch des Dritten Reiches vor 40 Jahren einen Anlass zur Freude.
    Wörtlich sagte Kreisky in einem Interview für den Deutschlandfunk, man habe jeden Grund zu feiern.
    Kreisky hob hervor, dass Österreich nach dem Krieg im Gegensatz zu Deutschland nicht geteilt worden ist, sondern nach dem Willen der überwältigenden Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher wiedererstanden ist.
    Allgemeine Schuldgefühle der Österreicher wegen der nationalsozialistischen Verbrechen existieren laut Kreisky nicht.
    Auch die Frage eines Wiederanschlusses an Deutschland wie 1938 spiele heute in der Politik Österreichs keine Rolle mehr.
    USA
    Die frühere UNO-Botschafterin Jean Kirkpatrick ist gestern entsprechend ihren Ankündigungen der Republikanischen Partei von Präsident Ronald Reagan beigetreten.
    Kirkpatrick gehörte bisher der Demokratischen Partei an, hat aber wiederholt Kritik an der Parteilinie geübt.
    Laut Kirkpatrick haben die Demokraten ihre früheren Ideale des Wirtschaftswachstums in den USA und der Stärke im Ausland aufgegeben.
    Frankreich
    Landwirtschaftsminister Michel Rocard ist in der vergangenen Nacht überraschend zurückgetreten.
    Seine Demission steht im Zusammenhang mit der jüngsten Entscheidung des Ministerrates, in Frankreich das Verhältniswahlrecht einzuführen.
    Rocard, der äußerst populär ist, gilt als entschiedener Befürworter des Mehrheitswahlrechtes.
    Iran, Irak.
    Die Regierungen in Teheran und Bagdad haben mit neuen Angriffen auf die Städte des Gegners gedroht.
    Ein Armeesprecher in Bagdad kündigte an, alle iranischen Städte sollten ab heute mit sogenannten Boden-Boden-Raketen beschossen werden.
    Die Führung der iranischen Armee droht ihrerseits mit der Zerstörung der irakischen Städte, falls die Luftwaffe des Iraks neuerlich zivile Ziele im Iran angreifen sollte.
    Im Zentrum von Teheran ist in der vergangenen Nacht nach offiziellen Angaben eine von Oppositionellen gezündete Bombe explodiert.
    Dabei sollen mehrere Personen verletzt worden sein.
    Der Irak hatte zur selben Zeit Angriffe auf die iranische Hauptstadt gemeldet.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Im Hafen von Hamburg ist in den frühen Morgenstunden einer der verheerendsten Großbrände in der Geschichte der Stadt ausgebrochen.
    Das Feuer entstand in einer Lagerhalle, in der außer Kaffee, Kakao, Tee und Tabak auch Kautschuk und 300 Tonnen Kaliumchlorat aufbewahrt wurden.
    Die Chemikalien explodierten und sprengten die Wände des Lagers.
    Die Detonation war bis in die Innenstadt von Hamburg zu hören.
    Es dürften jedoch keine Giftgase frei geworden sein.
    Ein Feuerwehrmann wurde bei den Löscharbeiten verletzt.
    Das gesamte angrenzende Hafenbecken musste geräumt werden, weil der durch die Hitze geschmolzene Kautschuk ins Wasser geflossen war.
    Die Ursache des Brandes ist noch ungeklärt, auch die Schadenshöhe kann noch nicht abgeschätzt werden.
    Bundesrepublik Deutschland, Österreich.
    Zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden hat sich auf einer westdeutschen Autobahn ein Giftgasunfall ereignet.
    Aus bisher ungeklärter Ursache explodierte zwischen Koblenz und Köln ein mit einer giftigen Flüssigkeit gefüllter Behälter auf der Ladefläche eines Lastwagens.
    Etwa 20 Menschen mussten mit Atembeschwerden und Augenbrennen in den Krankenhäusern der Umgebung ambulant behandelt werden.
    Ein Teilstück der Autobahn wurde völlig gesperrt.
    Erst gestern früh hatte sich in der Nähe von Freiburg ein schwerer Unfall ereignet.
    Eine Giftgaswolke lag stundenlang über der Region, nachdem ein mit Chemikalien beladener LKW mit einem Personenwagen zusammengestoßen war.
    Bei dem Unfall kamen drei Menschen ums Leben.
    Etwa 100 Personen mussten mit Vergiftungserscheinungen in die Krankenhäuser eingeliefert werden.
    Der freiheitliche Abgeordnete Norbert Gugerbauer hat sich für verstärkte Maßnahmen zum Schutz gegen Giftgasunfälle auf den Straßen ausgesprochen.
    Gugerbauer argumentierte, Österreich sei als Transitland besonders gefährdet.
    Man sollte die Giftgasunfälle in der Bundesrepublik Deutschland genau auswerten und gegebenenfalls das Bundesgesetz über die Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße den neuen Anforderungen anpassen.
    Österreich
    Der ÖAMTC hat die Kraftfahrer und die Exekutive aufgerufen, in gemeinsamen Bemühungen die Unfallzahlen im Osterreiseverkehr möglichst gering zu halten.
    Polizei und Gendarmerie sollten den Verkehr dort überwachen, wo erfahrungsgemäß die meisten Unfälle geschehen, betont die Autofahrerorganisation.
    Radargeräte sollten nicht versteckt, sondern sichtbar als Warnung vor Gefahren und Motivation zur Einhaltung der Verkehrsbestimmungen aufgestellt werden.
    Andi Kraftfahrer appelliert der ÖAMTC, die Geschwindigkeit den Verhältnissen anzupassen und auf ausreichenden Sicherheitsabstand zu achten.
    Besonders wichtig sei die Einhaltung der Alkoholvorschriften, heben die Verkehrsjuristen des ÖAMTC hervor.
    Und da sind wir jetzt eigentlich auch schon beim Thema Ostern.
    Was uns alle ganz sicher interessiert, ist die Frage, wird das schöne Wetter, so wie es sich uns heute präsentiert, ich glaube in ganz Österreich, auch über die nächsten Tage halten?
    Ich frage Dr. Sabu von der Hohen Warte, können Sie uns da Positives versprechen?
    Ja, grüß Gott, die Antwort ist kurz, fast positiv.
    Das derzeit wirklich strahlend schöne Wetter wird durch Hochdruckeinfluss und eine recht milde südwestliche Höhenströmung verursacht.
    Diese beiden Faktoren spiegeln sich natürlich auch in den Wettermeldungen von 12 Uhr wieder, die folgendermaßen lauten.
    Wien wolkenlos 17 Grad, Südostwind mit 15 Kilometern in der Stunde.
    Eisenstadt wolkenlos 18 Grad, Südostwind mit 15 Kilometern in der Stunde.
    Linz-Heiter 14°, Salzburg-Heiter 18°, Südostwind mit 15 km in der Stunde, Innsbruck-Heiter 15°, Westwind mit 15 km in der Stunde, Bregenz-Heiter 19°, Graz-Heiter 15° und Klagenfurt wolkenlos 14°.
    Nun, was passiert in den nächsten Tagen, was passiert zu den Osterfeiertagen?
    Morgen nach wie vor Hochdruckeinfluss und diese milde Südwestströmung.
    Das heißt auch morgen am Karfreitag schönes Strahlen, schönes Wetter mit Temperaturen etwa bis 22, 24 Grad.
    Am Karsamstag kommt dann von Südwesten her ein Störungsausläufer gegen die Alpen vor.
    Das heißt im Westen Österreichs, im Süden insgesamt eher starke Bewölkungen und sicherlich einige Regenschauer.
    Der Norden und Osten bleibt wahrscheinlich verschont.
    Das heißt bei uns stärkere Bewölkung, kaum Niederschlag.
    Nach dem Durchgang dieser Störung für den Ostersonntag und für Ostermontag wieder recht freundliches und warmes Wetter.
    Die Temperaturen vielleicht nicht mehr so hoch wie morgens, sondern nur noch 16 bis 20, 16 bis 21 Grad.
    Das heißt insgesamt müsste der Karstamstag das schlechteste Wetter bieten.
    Sonntag und Montag dann freundlich sonnig.
    Noch einige Worte zum Bergwetter.
    Die Nullgradgrenze derzeit recht hoch bei 3.000 Metern.
    Die Temperaturen in 2.000 Metern etwa zwischen 6 und 8 Grad.
    Dementsprechend gibt es natürlich auch aufgrund dieser Wetterlage Mitteilungen der Lawinenwarndienste.
    Zwar insofern, dass heute und morgen die kräftige Tageserwärmung und die Sonneneinstrahlung natürlich die Selbstauslösung von Lawinen erwarten lässt.
    In den Tourengebieten ist allgemein schlechte Schneedeckenaufbau zu beachten.
    und nach wie vor eine recht große Schneebrettgefahr gegeben.
    Das wäre es für die Osterfeiertage.
    Wie gesagt, kein Samstag, eher unbeständig und schlecht, der Ostersonntag und Montag dann sonnig und wieder mild.
    Danke, Herr Dr. Sabo, für uns eigentlich sehr erfreuliche Mitteilungen.
    Zwölf Uhr und zwölf Minuten ist es jetzt.
    Wir beginnen mit unserer Berichterstattung im Mittagsschanal.
    Erstes Thema Diskussion um die Arbeitszeit in Österreich.
    Dabei geht es ja nicht nur um die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit, sondern in der Diskussion auch um ihre Verteilung, die Verteilung der Arbeitszeit über Woche, Monat oder Jahr.
    Gegenstand von intensiven Diskussionen zwischen Gewerkschaftern und Unternehmen in den letzten Monaten.
    Flexible Arbeitszeit heißt jedenfalls das Motto.
    Erst gestern hat die ÖGB-Führung Argumente zum Problemkreis neue Arbeitszeitformen der Öffentlichkeit präsentiert.
    Einzelne Erscheinungen wie etwa Teilzeitarbeit oder gleitende Arbeitszeit werden darin als Realität anerkannt und als unter Umständen auch im Interesse der Arbeitnehmer gelegen.
    Andere Formen wiederum der Arbeitszeiteinteilung werden strikt abgelehnt, wie etwa Jobsharing, also die Teilung eines Arbeitsplatzes auf zwei Arbeitnehmer, oder Kapovats, die, wie es heißt, kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit, auch als Arbeit auf Abruf beschrieben.
    Insgesamt allerdings vermutet der ÖGB hinter der Diskussion um neue Arbeitszeitformen das Bestreben der Unternehmer, teure Überstunden zu reduzieren oder eine Art Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich zu erreichen.
    Wie sieht nun die Unternehmervertretung das Problem?
    Dazu gab es heute Vormittag eine Pressekonferenz des Generalsekretärs der Bundeswirtschaftskammer, Kehrer.
    Ernest Hauer berichtet.
    Bundeskammer-Generalsekretär Karl Kehrer hat gar nicht verschwiegen, dass hinter den Vorschlägen zu einer Flexibilisierung der Arbeitszeit auch das vom ÖGB vermutete Bestreben nach einer Reduzierung der teuren Überstunden steht.
    Nach Kehrers Worten ist mehr Spielraum für die Betriebe aber eine Überlebensfrage.
    Wenn nun die Bundeskammer dem Sozialminister in einem offenen Schreiben Vorschläge für eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes unterbreitet habe, so habe das mehrere Gründe.
    So tun wir das einerseits aufgrund der Bedürfnisse unserer Mitglieder, andererseits aber auch, weil wir aus Umfragen wissen, dass es auch ein Anliegen der Mitarbeiter unserer Unternehmen ist, mehr über die eigene Arbeitszeit disponieren zu können.
    Ich möchte aber klarstellen, dass es uns natürlich vorrangig um das Anliegen größerer Flexibilität der Betriebe geht.
    Für die Unternehmer sollten unter anderem geringere Überstunden kosten, möglicherweise auch eine Senkung von Lager- und Kapitalkosten herauskommen.
    Für die Beschäftigten sieht Kera bei einer Realisierung der Bundeskammervorschläge unter anderem den Vorteil längerer zusammenhängender Freizeit.
    zu den wichtigsten Forderungen aus dem Schreiben an den Sozialminister.
    Die wöchentliche Normalarbeitszeit soll bis auf 45 Wochenstunden ausgedehnt werden können, wenn über einen Zeitraum von 13 Wochen hindurch die Durchschnittsarbeitszeit weiterhin 40 Stunden beträgt.
    Überstunden würden also für die 41. bis 45.
    Stunde pro Woche nicht bezahlt werden.
    Darüber hinaus soll durch Kollektivverträge für einzelne Branchen dieser sogenannte Durchrechnungszeitraum, in dem sich die gesetzliche Normalarbeitszeit im Durchschnitt ergeben muss, auch verlängert werden können.
    Gedacht ist hier vor allem an Fremdenverkehr und Bauwirtschaft, an Saisonbetriebe also.
    Neben den Vorteilen für die Unternehmer hätte dies nach Ansicht der Bundeskammer für die Beschäftigten den Vorteil, dass während der Hauptsaison sozusagen angesparte Stunden das Arbeitsverhältnis auch in die Tote-Saison hinaus verlängern könnten.
    Die tägliche Arbeitszeit sollte nach Vorstellungen der Bundeskammer wie schon vor dem Jahr 1975 wieder bis zu 10 anstatt bis zu 9 Stunden wie derzeit betragen können.
    Weiter sollten im Fremdenverkehr das Sonntagsarbeitsverbot für Jugendliche abgeschafft und das Nachtarbeitsverbot für Jugendliche eingeschränkt werden.
    Auch die Zahl der zulässigen Überstunden in dieser Branche sollte erhöht werden.
    Auf die neuen Arbeitszeitformen Jobsharing, also Teilung eines Arbeitsplatzes auf zwei Arbeitnehmer, und Kapovats, Arbeit auf Abruf also, verzichtet die Bundeskammer im Einvernehmen mit dem Sozialpartner.
    Für die nun an Dallinger adressierten Forderungen glaubt Kehrer, gestützt auf die Erfahrungen aus dem Sozialpartnerschaftlichen Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen und auch auf das gestern vom ÖGB vorgelegte Arbeitszeitpapier, bei den Gewerkschaften Verhandlungsbereitschaft orten zu können.
    Einen Tausch Arbeitszeitverkürzung gegen flexible Arbeitszeit schließt der Bundeskammer Generalsekretär aber aus.
    Allerdings, so sehr uns an der Realisierung dieser Ideen gelegen ist, so wenig sind wir aber bereit, ein Tauschgeschäft gegen eine gesetzliche Arbeitszeitverkürzung einzugehen.
    Die von den Präsidenten abgesegnete Beiratsstudie hat dieses Thema eindeutig den Kollektivvertragspartnern zugewiesen und dazu stehen wir auch, obwohl sich an unserem fundierten Bedenken gegen den Einsatz der Arbeitszeitverkürzung als beschäftigungspolitisches Instrument nichts geändert hat.
    Aber auch auf der kollektivvertraglichen Ebene wird eine Übereinstimmung unter anderem nur dann zu erzielen sein, wenn gleichzeitig vom Gesetzgeber die Voraussetzung für eine flexiblere Arbeitszeiteinteilung geschaffen wird.
    Erst eine Lockerung des Arbeitszeitgesetzes könnte nach Ansicht der Unternehmervertretung, also die Voraussetzungen schaffen, dass die Verhandlungen über Arbeitszeitverkürzung, etwa in den Branchen Metall oder Textil, zu einem Erfolg führen könnten.
    Das war ein Bericht von Ernest Hauer.
    Bleiben wir gleich noch beim Stichwort ÖGB.
    Da gab es ja gestern eine Pressekonferenz der Gewerkschaftsbundspitze zum Thema, steckt der ÖGB in der Krise?
    Und die Antwort der ÖGB-Spitze, nein, der ÖGB steckt nicht in der Krise.
    Reizworte bei dieser Pressekonferenz, Heinburg, die Ereignisse drumherum, Sekanina-Rücktritt,
    und das Thema auch noch offene Geschäfte am 8.
    Dezember.
    Wir haben ja gestern ausführlich von dieser Pressekonferenz berichtet.
    Heute gibt es dazu Meinungen der Tagespresse.
    Leopold Esterle hat die Inlandspresseschau zusammengestellt.
    Das Thema der gestrigen Pressekonferenz der ÖGB-Spitze, es lautete allerdings mit einem Fragezeichen versehen, ÖGB in der Krise, sei für Herbert Lackner im sozialistischen Zentralorgan Arbeiterzeitung brisant gewesen.
    Aber
    Nein, wegen Heinburg gerät der ÖGB sicher nicht in eine Krise.
    Dazu ist er tatsächlich zu groß.
    Dafür haben seine 1,6 Millionen Mitglieder zu diesem Thema eine zu einhellige Meinung.
    Wenngleich sicher nicht alle ÖGB-Mitglieder in dieser Frage den Kurs der Gewerkschaftsführung gotieren.
    Dazu sind knapp 1000 Austritte wirklich zu gering.
    Der ÖGB ist kein Koloss auf tönernen Beinen.
    Seine Standwerkzeuge sind durchaus stämmig.
    Was blieb, sind Schrammen, und auch die sollte man nicht leicht nehmen.
    Anschließend vertritt der Autor der AZ die Ansicht, dass die Ökologiebewegung, ja die Grünen überhaupt, keine ernstzunehmende Gefahr für die Gewerkschaften sei.
    Die wahre Gefahr für die gesamte Arbeiterbewegung liegt laut Herbert Lackner heute ganz woanders.
    Nämlich in den Eigengesetzlichkeiten dieser immer mehr auf Technisierung und Automatisierung setzenden Wirtschaftsordnung, die tendenziell immer mehr auf den Menschen am Arbeitsplatz verzichten kann.
    Eine Gewerkschaft, die dem nicht Paroli bieten kann, geriete tatsächlich in eine Krise.
    So viel aus dem heutigen Leitartikel der sozialistischen Arbeiterzeitung.
    Für Lutz Holzinger in der kommunistischen Volksstimme könnte angesichts neuer Technologien nur die rasche Einführung der 35-Stunden-Woche eine wirksame Gegenmaßnahme sein.
    Wenn der ÖGB auch nicht in einer Krise steckt, so könnte er doch ins Schleudern kommen, wenn seine Führung sich weiterhin um die Lösung dieser Aufgabe herumschwindelt.
    Soweit Parteistimmen.
    In einem Kurzkommentar der Neuen Kronenzeitung meint Dieter Kindermann heute, Präsident Benja habe prinzipiell nicht Unrecht, wenn er gestern davon gesprochen habe, dass die Gewerkschaft in keiner Krise stecke.
    Aber, so die Kronenzeitung, der hohe Mitgliederstand darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass im ÖGB sehr wohl Risse, Sprünge und Spannungen sichtbar geworden sind.
    Wer in die Fabriken, in die Betriebe hineinhört, weiß, dass viele Gewerkschafter mit der Haltung ihrer Führungsspitze in brisanten Fragen unzufrieden sind.
    Da gibt es nicht nur Reizwörter wie Heimburg, 8.
    Dezember oder Sekanina, sondern auch Privilegien gewisser Betriebsräte mit Multifunktionen.
    Was man dem ÖGB verschreiben müsste, ist eine Art Verjüngungs- und Entschlackungskur.
    Das liest man heute in der Kronenzeitung.
    Ähnliches findet man auch in einem Kurzkommentar der Wiener Tageszeitung Die Presse.
    Unter dem Titel Alles in Butter steht zu lesen... Keine Krise.
    Alles in Butter.
    Das ist der trügerische Schluss der ÖGB-Spitze.
    Doch sollte der rein quantitative Augenblickserfolg nach einer Mitgliederwerbeaktion nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch der Gewerkschaftsbund einer Reform bedarf, bei aller Anerkennung der Verdienste, die er sich in den vergangenen 40 Jahren erworben hat.
    Wie wäre es zum Beispiel mit der Einführung von Urwahlen zur Bestellung der ÖGB-Spitze als Beitrag zum Aufbruch ins fünfte Jahrzehnt der Zweiten Republik, meint die Presse.
    Unter dem Titel Denja von Selbstkritik nicht einen Hauch meint Kurt Vorhofer in der kleinen Zeitung Graz, dass der ÖGB-Chef die internen Probleme verniedlicht habe.
    Nicht so, aber andere Dinge wie beispielsweise die Sockel-Arbeitslosigkeit, mit der man auch in Österreich rechnen müsse.
    Am stärksten waren jene Benja-Passagen, in denen die gesamtwirtschaftliche Politik des ÖGB fernab vom alten Klassenkampf-Schema betont wurde.
    Der Gewerkschaftspunkt als Ordnungsfaktor mit Anton Benyar an der Spitze.
    Man nennt ihn, teils kritisch, teils anerkennend, den letzten Konservativen.
    Kurt Vorhofer, Kleine Zeitung Graz.
    Zum Abschluss der Presseschau Humor.
    Das Kurieroriginal Weinstein meint heute, was Statistik und Verdrängung angeht, ist der Benyar zweiter Archimedes.
    Störe meine Krise nicht.
    Leopold Esterle hat diese Inlandspresse-Show heute für uns zusammengestellt.
    12 Uhr und 22 Minuten ist es jetzt zu unseren Berichten aus dem Ausland.
    Es vergeht ja kaum ein Tag, an dem es nicht neue Meldungen vom Golfkrieg gibt, also vom Krieg zwischen dem Irak und dem Iran.
    Meldungen, die allerdings fast immer nur lapidar dasselbe aussagen.
    Beide Länder sind nun zum Städtekrieg übergegangen.
    Das heißt, nach der jüngsten iranischen Offensive vor etwa drei Wochen hat der Irak damit begonnen, Teheran mit Raketen anzugreifen.
    Die Iraner antworten ebenfalls mit der Beschießung ziviler Ziele im Irak.
    Auch in diesem Fall, wie ja im gesamten Golfkrieg, sind vor allem die Zivilisten die Leidtragenden eines Konflikts, der schon fast fünf Jahre dauert und dessen Ende eigentlich nicht wirklich abzusehen ist.
    Durch die Bombardierung Teherans ist nun natürlich die Situation in der iranischen Hauptstadt erheblich angespannt.
    Die meisten internationalen Fluglinien haben schon vor zwei Wochen ihren Verkehr wegen des großen Risikos eingestellt.
    Teheran verlassen kann man derzeit nur noch auf Umwegen.
    Und einer, der diesen mühsamen Weg gegangen ist, ist Michael Vrase, Korrespondent mehrerer deutscher Zeitungen, wie etwa der Hamburger Wochenzeitung der Zeit.
    Michael Vrase ist soeben nach einer dreitägigen, sehr anstrengenden Busreise von Teheran über die Türkei in Wien eingetroffen.
    Er ist auf der Weiterreise nach Zypern und obwohl er recht müde und erschöpft ist, haben wir ihn dennoch zu uns ins Studio gebeten.
    Er ist immerhin ein Augenzeuge aus Teheran.
    Und meine erste Frage an ihn, wie sieht es jetzt in der iranischen Hauptstadt aus?
    Vorher hatte man den Krieg nur im Fernsehen erlebt, in der laufenden Kriegsberichterstattung des iranischen Fernsehens, was Stimme und Vision heißt.
    Jetzt hat man nahezu täglich Bombenwarnungen und Bombenangriffe, die meist in der Nacht vorgetragen werden.
    Das sieht meistens dann so aus, dass ein oder zwei irakische Flugzeuge in sehr großer Höhe am Himmel über Teheran erscheinen und dann ihre
    Raketen und letztlich in der vergangenen Woche auch zum ersten Mal Bomben abwerfen.
    Das sind aber nur zwei oder drei Raketen, die sehr unpräzise abgefeuert werden.
    Kein Wunder, auf 6000 Meter kann man nicht präzise schießen.
    Diese Bomben oder Raketen treffen meist zivile Ziele in den letzten zehn Tagen, meist die ärmeren Wohngebiete im übervölkerten Südterran, wo natürlich jede Rakete, die einschlägt, ein Treffer und damit verbundene hohe Opfer fordert.
    Jetzt spricht man in der letzten Zeit immer wieder vom Städtebombardement, vom gegenseitigen Städtebombardement.
    Haben die Iraner jetzt eigentlich aufgrund ihrer militärischen Ausrüstung überhaupt dieselben Möglichkeiten wie die Iraker den Gegner ebenso zu treffen?
    Diese Möglichkeiten haben sie seit etwa drei bis vier Wochen.
    Vor drei Wochen haben die Iraner zum ersten Mal Mittelstreckenraketen eingesetzt, die sie nach Bagdad abgefeuert haben und dort waren natürlich die Verluste ähnlich hoch wie in Teheran und die Iraner haben angekündigt, dass jedem
    irakischen Bombenangriff, nicht nur auf Teheran, sondern auch auf andere Städte in der Region ein iranischer Raketenangriff auf Bagdad folgen soll.
    Und dieser Schlagabtausch soll so lange vonstatten gehen, bis Bagdad
    einlenkt und die begonnene Beschießung von zivilen Zielen einstellt.
    Die Iraker wiederum sagen, sie wollen so lange zivile Ziele bombardieren, bis Iran Friedensverhandlungen an allen Fronten einwilligt.
    Und das ist natürlich für die iranische Regierung ein Unding.
    Sie wollen unbedingt den Krieg bis zum Sturze des irakischen Staatschefs Saddam Hussein weiterführen.
    Das ist jetzt ja gerade der springende Punkt, dass man sich fragt, was kann denn letztlich in diesem Krieg überhaupt die Entscheidung bringen?
    Es gibt zwei Optionen.
    Die eine ist, dass entweder Saddam Hussein oder auch Khomeini abgelöst wird.
    Bei Khomeini ist also eine Ablösung kaum möglich.
    Es heißt in Teheran, wenn Khomeini einmal sterben sollte, seien die Möglichkeiten für einen Frieden etwas größer.
    Auf der anderen Seite muss man natürlich auch mit der Möglichkeit eines Staatsstreiches gegen Saddam Hussein rechnen.
    Es gibt Gerüchte, dass auf ihn
    bereits ein Attentat verübt worden sei, was aber fehlgeschlagen sei.
    Die andere Möglichkeit ist ein militärischer Teilerfolg der iranischen Streitkräfte an der Südfront in dem Marschland von Hurelo-Weze.
    Die letzte Offensive der Iraner hat nicht den ganz großen Durchbruch auf die Straße von Bagdad nach Basra gebracht, aber immerhin sind jetzt die Iraner etwa zwei bis sechs Kilometer
    östlich dieser Straße, natürlich auch östlich des Tigris.
    Sie können diese strategisch wichtige Straße von Basra nach Bagdad beschießen.
    Und sie wollen eine weitere Offensive durchführen.
    Herr Frase, Sie haben jetzt selbst vom Blutzoll gesprochen, den dieser Krieg gekostet hat.
    Das ist ja das Furchtbare daran, viereinhalb Jahre dauert der Golfkrieg.
    Ein Ende ist im Grunde genommen vermutlich nicht in kürzester Zeit abzusehen.
    Wie schaut die Bilanz aus?
    Wie viele Menschen sind da jetzt bereits mehr oder weniger sinnlos auf beiden Seiten hingemetzelt worden?
    Ich glaube, man hat da ja gar keinen Überblick.
    Das ist Menschenmaterial, das eingesetzt wird und das irgendwo liegen bleibt.
    Es gibt keine offiziellen Zahlen.
    Beide Seiten sprechen immer von, nach jeder Offensive, von Zehntausenden von Toten.
    Aber es gibt Schätzungen, die von einer halben Million Opfer auf beiden Seiten ausgehen.
    Und wenn man eine halbe Million Opfer hat, muss man sicherlich zwei- bis dreimal so viel Verletzte
    hinzuaddieren.
    Und diese verletzten Kriegsinvaliden, die sieht man auch im iranischen Straßenbild.
    Man sieht Beinamputierte, man sieht sehr viele Leute auf Rollstühlen fahren.
    Also die Opferzahlen sind ungeheuer groß in diesem Golfkrieg.
    Natürlich kann Iran, eine Nation von 43 Millionen, diese Opfer etwas leichter verkraften.
    Das ist sicherer als der Irak, wo nur etwa 12 bis 13
    Millionen Menschen leben.
    Aber sollte der Krieg zu lange dauern, wird auch im Iran eine Unruhe sich breit machen.
    Momentan gibt es Unzufriedenheit im Land über den Krieg, die überhaupt nicht verwundert.
    Auf der anderen Seite fordern die irakischen Bombardements meist nur auf zivile Ziele.
    Immer so etwas wie Rache-Lust unter der Bevölkerung
    Und das erleichtert der regierenden iranischen Geistlichkeit die Mobilisierung von neuen Freiwilligen für die Front.
    Diese Freiwilligen gibt es tatsächlich?
    Diese gibt es in ganz großer Anzahl.
    Entlang der 1200 Kilometer lang iranisch-irakischen Frontlinie gibt es etwa 800.000 Freiwillige und die iranische Geistlichkeit hat überhaupt keine
    Probleme diese religiös motivierten Freiwillige für die Front zu mobilisieren.
    Da bestehen auf iranischer Seite überhaupt keine Schwierigkeiten.
    Im Gegensatz auf irakischer Seite hört man doch, dass man im zunehmenden Maße sogar auf die arabischen Nachbarländer zu
    rückgreifen muss.
    Ich las vor einigen Tagen einen Artikel in der französischen Zeitung Libération, demzufolge irakische Offiziere sogar im Nordjemen anwerben.
    Und das zeigt doch, dass das Menschenpotenzial doch in diesem Krieg sehr für die Iraner spricht und nicht so sehr für die Iraker.
    Jetzt möchte ich Sie, Herr Frase, gerne noch ein bisschen fragen, wie es ganz allgemein jetzt mit der Situation im Iran oder speziell in Teheran, weil Sie dort drei Wochen jetzt waren, aussieht.
    Wie sieht es mit der Versorgungslage aus?
    Wie leben die Leute?
    Die Versorgungslage ist, wenn man bedenkt, dass jetzt schon viereinhalb Jahre Krieg geführt wird, noch erstaunlich gut.
    Es gibt überhaupt keine Knappheit im Iran.
    Lebensmittelversorgung ist gesichert, auch die Lebensmittelversorgung mit Grundnahrungsmitteln, die rationiert werden, allerdings auch subventioniert vom Staat, ist auch gesichert.
    Ich habe keine größeren Warteschlangen an Tankstellen feststellen können.
    Da gibt es überhaupt keine Knappheit.
    im Iran und auch eine andere sehr bemerkenswerte Sache ist die folgende, dass die iranische Zentralbank iranischen Ausreisenden noch immer 500 Dollar auszahlt, was eigentlich sehr bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, dass Iran seit viereinhalb Jahren im Krieg ist und dass sie immer noch
    große Mengen an Devisen an Iraner ausgeben können, die das Land verlassen wollen.
    Es gibt auch keine Einschränkung, dass also Iraner, die ausreisen möchten, das nicht dürfen.
    Das habe ich jetzt auf meiner Reise durch die Türkei feststellen können.
    Ich habe dort sehr, sehr viele Iraner getroffen.
    Die haben mir durch die Bank hinweg berichtet, dass sie keine Schwierigkeiten hatten, ihr Ausreisevisum zu bekommen.
    Sie hatten keine Schwierigkeiten, ihre 500 Dollar von der iranischen Zentralbank zu bekommen, mit denen sie natürlich in der Türkei, einem für die Iraner sehr billigen Land, sehr lange leben können.
    Ja, danke, Michael Frase für diese Informationen direkt aus Teheran.
    Es gibt natürlich noch eine Menge zu sprechen, aber wir wissen, Sie sind also müde und erschöpft und jetzt froh, wenn Sie weiterfliegen können, nach Zypern, damit Sie das Studio verlassen können.
    Ein bisschen Musik, bitte.
    Das war's für heute.
    Ja, und ich sage Ihnen inzwischen, es ist 12 Uhr und 33 Minuten, was wir noch an Beiträgen bis 13 Uhr planen.
    Die Wahlrechtsreform in Frankreich hat zu einem Ministerrücktritt geführt.
    Unser Korrespondent wird uns sagen, was dahinter steckt.
    Wir berichten über den Großbrand im Hamburger Hafen und von der Kulturredaktion kommen noch zwei Beiträge.
    Ein Bericht über das Gastspiel des Berliner Pianisten Joe Lugar und Rolf Hochhut nimmt dann zu seinem gefährdeten Burgtheaterprojekt der Judith Stellung.
    Untertitel im Auftrag des ZDF, 2021
    Sie hören das Mittagsschnall des aktuellen Dienstes.
    Es geht weiter bei uns mit dem Stichwort Frankreich.
    Der gestrige Beschluss der französischen Regierung, das seit 27 Jahren bestehende Wahlrecht zu ändern, hat nun zu einem Ministerrücktritt geführt.
    Zurückgetreten ist der französische Landwirtschaftsminister Michel Rocard, ein nach Meinungsumfragen der Bevölkerung äußerst beliebter Minister.
    Der 54-Jährige gilt als entschiedener Befürworter des Mehrheitswahlrechts, das nun zugunsten des Verhältniswahlrechts abgeschafft werden soll.
    Nach dem neuen Modus wird eine klare Mehrheitsbildung künftig erschwert.
    Konnten etwa die Sozialisten 1981 nach dem Mehrheitswahlrecht mit nur knapp 38 Prozent der Stimmen noch die absolute Mehrheit im Parlament erobern, so bräuchten sie nun die absolute Stimmenmehrheit dazu.
    Die Parteien werden sich also künftig arrangieren müssen, um Regierungsmehrheiten zustande zu bringen.
    Das bringt auch die bisher traditionelle Blockbildung in Frankreich, in linkes und rechtes Lager, etwas ins Wanken.
    Andererseits verstärkt das Verhältniswahlrecht den Sieg der stimmenstärksten Partei und begünstigt auch kleinere Parteien, wie etwa die Kommunisten, aber eben auch die Rechtsradikalen.
    Die Opposition wirft nun den Sozialisten vor, das Verhältniswahlrecht nur einzuführen, um ihre für die Wahlen 1986 befürchtete Niederlage abzuschwächen.
    Andererseits hat Präsident Mitterrand allerdings schon in seinem Wahlkampf 1981 die Einführung dieses Verhältniswahlrechtes versprochen.
    Was steht aber nun in diesem Zusammenhang hinter dem Rücktritt des französischen Landwirtschaftsministers?
    Hans-Joachim Kruse informiert.
    dass die von Präsident Mitterrand beschlossene Wahlrechtsreform mit der Einführung der Verhältniswahl hohe innenpolitische Wellen schlagen würde.
    Die Überraschung ist dabei, dass die erste große Welle nicht von der Opposition kam, sondern von einem der populärsten Sozialisten und von einem ganz wichtigen Minister.
    Landwirtschaftsminister Rocard ist gegen die Einführung der Verhältniswahl.
    Er befürchtet, dass damit wieder Instabilität in die französische Innenpolitik kommt.
    wie in der Vierten Republik.
    Er befürchtet, dass es keine klaren politischen Mehrheiten mehr geben wird.
    Aus dieser Opposition gegen die Verhältniswahl hatte er nie einen Hehl gemacht.
    Aber man hatte doch damit gerechnet, dass sich der Minister der Entscheidung beugt, die schließlich der Präsident getroffen hat.
    Landwirtschaftsminister Michel Rocard hat sich aber nicht gebeugt.
    Er hat demissioniert.
    Dieser Rücktritt ist ein ziemlicher Theaterdonner.
    Er wurde mitten in der Nacht angekündigt.
    Rocard wollte zuallererst den Präsidenten von seiner Entscheidung informieren.
    Dieser war vorher telefonisch nicht zu erreichen.
    Der Rücktritt des Landwirtschaftsministers fällt zeitlich sehr ungünstig, weil Premierminister Fabius gerade jetzt zu einer einwöchigen Reise nach Südostasien aufbricht und der französische Landwirtschaftsminister tritt während des Brüsseler Marathons über die Agrarpreise zurück.
    Zwar spielen die Franzosen bei diesem Tauziehen um die Agrarpreise ausnahmsweise nicht die Hauptrolle, aber das Ausscheiden von Michel Roca erleichtert die Verhandlungen in Brüssel nicht gerade.
    Es ist allerdings nicht zu befürchten, dass die Franzosen ihren Stuhl vorübergehend wehrlassen.
    Mitterrand wird sehr schnell eine Nachfolge ernennen.
    Der spektakuläre Rücktritt von Michel Roca löst keine Regierungskrise aus, aber eine politische Krise.
    Ganz offensichtlich handelt es sich um eine Zerreißprobe für die sozialistische Partei.
    Rund 40 Abgeordnete, die Michel Rocard nahestehen, könnten sich bei der Abstimmung über die Wahlrechtsreform im Parlament der Stimme enthalten.
    Dann müsste die Regierung sogar befürchten, die Wahlrechtsänderung gar nicht durchzubringen.
    Eine solche Unsicherheit wäre eine ganz neue Erscheinung in der Fünften Republik.
    Schließlich und vor allem muss man den Rücktritt von Landwirtschaftsminister Rocard in einer größeren politischen Perspektive sehen.
    Michel Rocard nimmt eine deutliche Distanz gegenüber der Sozialistischen Partei.
    Schon bevor Mitterrand Präsident wurde, war Rocard als Präsidentschaftskandidat im Gespräch.
    Dieses Ziel, das höchste Amt in Frankreich zu erobern, hat Rocard nicht aus den Augen verloren.
    Der Rücktritt aus der Regierung und die Sonderrolle innerhalb der Sozialistischen Partei, das sind erste Schritte auf dem Weg in den Élysée-Palast.
    Im Hafen von Hamburg ist heute früh einer der verheerendsten Großbrände in der Geschichte der Stadt ausgebrochen.
    Das Feuer entstand in einer Lagerhalle, in der außer Kaffee, Kakao, Tee und Tabak auch Kautschuk und 300 Tonnen Kaliumklarat aufbewahrt wurden.
    Die Chemikalien explodierten und sprengten die Wände des Lagers.
    Die Detonation war bis in die Innenstadt von Hamburg zu hören.
    Es dürften jedoch keine Giftgase freigeworden sein.
    Das gesamte angrenzende Hafenbecken musste geräumt werden, weil das durch die Hitze geschmolzene Kautschuk ins Wasser geflossen war.
    Die Ursache des Brandes ist noch ungeklärt, auch die Schadenshöhe kann zur Stunde noch nicht abgeschätzt werden.
    Wilfried Ebert berichtet aus Hamburg.
    Die freie Hansestadt Hamburg erlebte in der vergangenen Nacht das größte Flammeninfarno seiner Nachkriegsgeschichte.
    Um 1.15 Uhr bemerkten Hafenarbeiter und Seeleute im Freihafen Steinwerder Feuer- und Raubentwicklung am Schuppen 74.
    Sofort gaben sie Alarm, die ersten Feuerlöschzüge rückten an.
    Gegen 1.38 Uhr gab es mehrere ungeheure Explosionen, die bis weit in die Innenstadt noch jenseits der Alsterbecken zu hören waren.
    Tausende Hamburger wurden aus dem Schlaf gerissen.
    Im nächsten Augenblick versank der gesamte Hafen das Herz der norddeutschen Handelsmetropole in taghellem Licht.
    Über 70 Meter hoch schlugen die Flammen aus den Lagerschuppen hervor.
    Die Feuersäule war weit bis ins Hinterland hinein zu sehen.
    Der mit Kakao, Tee, Tabak, Kautschuk gefüllte Schuppen der Firma Unikai mit Ausmaßen von ca.
    150 x 50 m warf von der nun verstärkt anrückenden Feuerwehrzügen nicht mehr zu retten.
    Das brennende Kautschuk lief in riesigen Mengen in die Hafendecken.
    Fast 380 Feuerwerker konnten sich, unterstützt von sechs Löschbooten der Hafenpolizei, lediglich darauf beschränken, ein vollständiges Übergreifen der Flammen auf andere Lagerhallen zu verhindern.
    Mit 17 Streifenwagen sperrte die Hamburger Polizei weite Teile der Hafengebiete ab, um Schaulustige und Anwohner vor Gefahren zu bewahren.
    Der in die Millionen gehende Schaden ist nach Informationen der Polizei zurzeit gar nicht genau zu beziffern.
    Behindert wurden die Löscharbeiten der inzwischen über 25 Feuerwehrzüge, ein Einsatz, den es in dieser Größenordnung seit 1948 in Hamburg nicht mehr gegeben hat, durch eine unglaubliche Hitzeentwicklung am Brandherd.
    Als die Feuerentwicklung drohte,
    An die anliegenden Gebäude in Mitleidenschaft zu ziehen und eine Brandschutzwand bereits zu brechen begann, musste die Feuerwehr damit rechnen, dass weitere riesige Mengen von Kautschuk ebenfalls Feuer fingen.
    Dann, so der Sprecher der Hamburger Polizei, wäre der Brand noch in zwei Tagen nicht zu löschen gewesen.
    Auch Glück gab es im Unglück.
    Bei der gesamten Katastrophe kam niemand zu Schaden.
    Gar nicht auszudenken, was wohl alles passiert wäre, wenn der Brand tagsüber ausgebrochen wäre.
    Der Rauch bildete jedoch noch bis morgens um 5 Uhr, als die Löschzüge das Feuer endlich unter Kontrolle hatten, riesige Wolken.
    Das langsam anbrechende Tageslicht zeigte den Mannschaften der Feuerwehr, der Polizei und dem Wasserschutz erst das gesamte Ausmaß der Feuersbrunnen.
    Gegen Morgen setzten die Behörden zudem Hubschrauber ein, um durch gezielte Meldungen an den Verkehrsfunk den durch die schwarze Rauchentwicklung stark behinderten morgendlichen Berufsverkehr in einigermaßen geordnete Bahnen lenken zu können.
    Schadstofftrupps der Feuerwehr und der Behörde für Umwelt in der Hansestadt versuchten mit Messgeräten die Giftentwicklung zu messen.
    Doch Gott sei Dank auch hier Fehlanzeige.
    Soviel zum Großbrand im Hamburger Hafen und jetzt zu einem Thema, das immer wieder für Diskussionen sorgt, der Mikroelektronik.
    Die einen befürchten ja, dass Mikroelektronik Arbeitsplätze vernichtet, während andere wieder in dieser neuen Technik einen Weg sehen, uns von Routinearbeiten zu befreien, technische Geräte bedienungsfreundlicher zu machen und die Produktivität zu steigern.
    Bei allem Für und Wider steht aber eine Tatsache außer Streit.
    Ein exportabhängiges Industrieland wie Österreich braucht die Mikroelektronik, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.
    Den Einstieg in diese neue Technologie hat die österreichische Wirtschaft relativ spät geschafft.
    Doch nun entwickeln eigentlich immer mehr Unternehmen Aktivitäten in diese Richtung.
    Ein aktuelles Beispiel etwa das neue Elektronikwerk von Philips.
    Susanne Gassner informiert.
    Die Mikroelektronik hat bereits über den Mikrocomputer hinaus in viele Bereiche Einzug gehalten.
    Im Haushalt beispielsweise werden Mikroprozessoren zur Steuerung von Waschmaschinen verwendet.
    Auch Videorekorder und Plattenspieler verfügen heute schon über Mikroprozessoren.
    Aber auch in die Medizin, den Verkehr und die Nachrichtentechnik ist die Mikroelektronik vorgedrungen.
    Und nicht zu vergessen die industrielle Fertigung, wo Mikroprozessoren Roboter steuern.
    Basis der Mikroelektronik ist die integrierte Schaltung, Chip genannt.
    Ein solcher Chip kann auf wenigen Quadratmillimetern bis zu 200.000 verschiedene Bauelemente enthalten.
    Mikroelektronik-Schaltungen sind kleiner, billiger, zuverlässiger und energiesparender als Schaltungen aus Einzelelementen.
    Diese Vorteile werden am deutlichsten beim Mikroprozessor sichtbar.
    Er kann ohne Änderung der Schaltung für verschiedenste Anwendungen programmiert werden.
    Die Weltproduktion von diesen integrierten Schaltungen liegt derzeit bei rund 200 Milliarden Schilling und wird voraussichtlich bis 1988 auf 560 Milliarden Schilling steigen.
    60 Prozent des Weltbedarfs werden heute von amerikanischen und 32 Prozent von japanischen Herstellern abgedeckt.
    Der verbleibende kleine Rest wird teilweise in Europa erzeugt und dabei nascht nun auch Österreich mit.
    In Villach erzeugt Siemens solche integrierten Schaltungen und hat damit im Vorjahr 890 Millionen Schilling umgesetzt.
    Die Siemens-Bauelemente werden in Großserien erzeugt und hauptsächlich exportiert.
    In Österreich werden die Chips aus Villach beispielsweise in Philips Videorekorder oder Grundig Farbfernseher eingebaut.
    Der Elektronik-Sparte hat sich in den letzten Jahren auch die verstaatlichte Industrie angenommen.
    Im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen der First und der US-Firma American Microsystems International, besser bekannt unter AMI, ist bei Graz eine Chip-Produktion entstanden.
    Der Vorjahresumsatz belief sich auf rund 250 Millionen Schilling.
    In einem anderen Festwerk, in Hinterberg bei Lioben, werden Leiterplatten erzeugt, die als Trägerelement für Mikroprozessoren dienen.
    Noch im Verhandlungsstadium ist derzeit eine Kooperation zwischen der Föst und dem japanischen Elektronikkonzern Oki zur Errichtung eines Chipwerkes in Österreich.
    Forciert hat auch die Verstaatlichte Elin den Elektronikbereich.
    Im Werk Fähring in der Steiermark werden Leiterplatten erzeugt.
    Die Elin hat auch versucht, verstärkt in die Leistungselektronik und Mess- und Regeltechnik einzusteigen.
    Alles in allem aber nehmen sich die Aktivitäten der verstaatlichten Industrie im Elektronikbereich noch bescheiden aus.
    Im Vorjahr betrug der Umsatz aus dieser Sparte rund 1,2 Milliarden Shilling.
    Besser bestellt als um die Chipproduktion und die damit verbundenen Basistechnologien ist es in Österreich aber um die Anwendung der Mikroelektronik und der Elektronik.
    Heute wurde in Wien der Grundstein für ein neues Elektronikwerk von Philips Österreich gelegt, da die alten Produktionsstätten zu eng wurden.
    In zwei bis drei Jahren soll das neue Werk am Wiener Berg Personalkomputer, Diktiergeräte, Radiorekorder, bestückte Printplatten und Terminals für den Weltmarkt liefern.
    Philips wird in dem neuen Werk rund 6000 Mitarbeiter beschäftigen.
    Aber auch alle anderen in Österreich tätigen Elektroindustriebetriebe können auf die Elektronik nicht mehr verzichten.
    Kapsch, Schrag oder ITT haben die Entwicklung der Elektronik genauso forciert.
    Gemeinsam mit Siemens werden diese drei Firmen das neue elektronische Telefonsystem der Post bauen.
    Aber nicht nur Großfirmen setzen heute auf Mikroelektronik, sondern auch einige kleinere Unternehmen in Österreich haben sich bereits auf Teilbereiche der Mikroelektronik spezialisiert, beispielsweise auf die Regel-, Mess- und Steuerungstechnik.
    Die Ausrichtung nach der Mikroelektronik, sowohl im Produktionsablauf als auch bei den Produkten selbst, erfasst also immer weitere Bereiche der Wirtschaft.
    Früher oder später, so meinen zumindest Experten, wird jedes Unternehmen damit leben müssen, um zu überleben.
    Und nun berichtete Kulturredaktion.
    Eine der spektakulärsten Wiener Theaterpremieren der Saison droht zu platzen.
    Die für den 27.
    April am Wiener Akademietheater vorgesehen gewesene deutschsprachige Erstaufführung von Judith, dem jüngsten Stück des deutschen Star-Dramatikers Rolf Hochhut, ist kürzlich auf unbestimmte Zeit verschoben worden.
    Hochhut sollte in der Aufführung in Wien selbst mitwirken als Kommentator, der das Geschehen auf der Bühne ergänzt und erweitert.
    Der 54-jährige Autor, der mit Politstücken wie der Stellvertreter und Ärztinnen nicht selten für Skandale sorgte, hat sich auch für seine jüngste in Glasgow uraufgeführte Arbeit ein heikles Thema gewählt.
    Die Ermordung des amerikanischen Präsidenten durch eine politisch motivierte Journalistin.
    Erika Pluha hätte diese Rolle in Wien spielen sollen.
    Brigitte Hofer hat telefonisch mit Rolf Hochhuth über die Verschiebung der Judith Premiere gesprochen und einen Beitrag gestaltet, der zunächst auf das Stück selbst eingeht.
    Judith ist zwar dem historischen Vorbild verwandt, es geht aber nicht um den Kopf des Holofernes, sondern um den Kopf des amerikanischen Präsidenten.
    Er hat grünes Licht für die Produktion von bakteriologischen und chemischen Waffen gegeben.
    Die Journalistin Judith tötete ihn mit Gift aus dem Parfumfläschchen.
    Ja, es ist ein Stück nicht gegen eine Person gerichtet, sondern gegen die Wahnsinnstaten der Rüstungspolitik in West wie Ost.
    Ich hoffe, es ist ein
    politisches Stück ohne ein parteisches zu sein.
    Ist Ihrer Meinung nach dieser Tyrannenmord, dieser politische Mord gerechtfertigt?
    Das möchte ich nicht mit Ja oder Nein beantworten, das kommt auf die Situation an.
    Ich glaube, dass die Form des Dramas mir sehr hilft, diese Frage nicht selber zu beantworten, ich könnte das gar nicht, sondern sie der Beantwortung durch meine Protagonisten zu überlassen,
    Ich meine, dass die Judith, so wie ich sie gezeichnet habe im Stück, eine ganze Anzahl höchst ehrenwerter Motive hat, ohne dass man sich darüber hinwegtäuschen darf, dass sie natürlich eine Terroristin ist.
    Rolf Hochhut war bei zwei Leseproben anwesend.
    Von der Verschiebung der Premiere auf unbestimmte Zeit, die vor kurzem vom Burgtheater lakonisch mit Divergenzen der hier erstellten Fassung wegen und ohne weiteren Kommentar begründet wurden, erfuhr auch er in Kürze.
    Ja, ich weiß sehr wenig davon.
    Ich habe nur ein kurzes Gespräch in München darüber gehabt und habe auch die Zusage von Herrn Benning, dass dieses Stück nicht aufgehoben, sondern aufgeschoben worden ist.
    Auf diese Zusage verlassen sich der Robert Verlag und der Autor.
    Ich war auf zwei Leseproben und die sind in großer Harmonie verlaufen und ich bin sehr bedrückt, dass jetzt die Aufführung verschoben werden muss.
    Und warum wird sie Ihrer Meinung nach verschoben?
    Ja, weil sich Frau Blois mit dieser Regiekonzeption und dieser Textgestaltung nicht einverstanden erklärt.
    Gab es da Gespräche mit Ihnen?
    Ja, selbstverständlich.
    Die eben in bester Harmonie, ohne jeden Streit verlaufen sind.
    Ich glaube, es liegt an den Strichen.
    Und ich habe auch gesagt, dass ich gerne eine zusätzliche Szene dazuschreiben würde.
    nicht nur für Frau Pluha, sondern das scheint mir überhaupt auch für andere Inszenierungen interessant, ob was denn dazu kommt und ob mit Frau Pluha oder mit anderen, das weiß ich nicht.
    Erika Pluha war für keine Stellungnahme zu erreichen.
    Vom Wiener Burgtheater warten Hochhut und der Rohwald Verlag innerhalb der nächsten acht Tage eine definitive Entscheidung des Spieltermins.
    Eventuelle Klaren stehen ins Haus.
    Brigitte Hofer hat informiert.
    Kein Platz für Spießer, heißt das Programm, das der Hamburger Chansonnier und Pianist Joe Lugar seit gestern Abend und noch bis Sonntag in Topsy Küppers Freierbühne Wieden in Wien spielt.
    Joe Lugar pflegt vor allem die Tradition des Berliner Literarischen Unterhaltungskabarets der 20er Jahre und lässt bei seinen Auftritten die ausgelassene, manchmal schwüle Atmosphäre dieser Zeit wieder aufleben.
    Am Beginn des folgenden Beitrags, den Robert Billig gestaltet hat, hören Sie Joe Lugar mit einem Schlager von Friedrich Holländer.
    Seit wann bläst deine Großmama Posaune?
    Das hat die olle Frau doch früher nie getan.
    Wenn sie Posaune bläst, kommt sie in Laune.
    Kaum hat sie aufgehört, gleich fängt sie wieder an.
    Wenn ich an ihrer Stelle wär, ich seh das nicht.
    Ich finde, so ner ollen Frau, der steht das nicht.
    Seit wann bläst deine Großmama Posaune?
    Was hat man deiner Großmama getan?
    Berlin glich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs einer permanenten Walpurgisnacht.
    Die Stadt wurde von einer Tanzorgie geschüttelt.
    Hier wurden vor lauter Perversion Vereinzelte wieder normal.
    Und Chemedante in eigener Person erfräse vor Schreck Veronal.
    So beschrieb Erich Kästner die Berliner Lokal- und Cabaret-Szene der 20er Jahre.
    Joe Lugar bezieht das Repertoire seines Chansonsprogramms vorwiegend aus dieser Zeit und aus dieser Atmosphäre und ist keineswegs böse, wenn man ihn deshalb als lebendiges Cabaret-Museum bezeichnet.
    Denn für den heute 65-Jährigen, der mit neun Jahren von Hamburg nach Berlin gekommen war, sind die frühen Erlebnisse mit dem damaligen Theater und Cabaret bestimmend geblieben.
    Ja, ich habe es also noch mit der Muttermilch
    kann man sagen, mitbekommen durch mein Elternhaus.
    Mein Vater war Verlagsbuchhändler und hat natürlich viel Kontakt zum Theater gehabt und Künstlerverkehrten und so weiter.
    Und dadurch habe ich natürlich die Ausläufe noch mitbekommen.
    Denn es war natürlich so, 33 war natürlich schon ein Schnitt.
    Aber dieser Übergang, dieser abrupte Abbruch, der war ja nicht so, wie man sich das heute vorstellt, sondern es waren ja noch so einiges da, die gingen ja später raus.
    Das Kabarett hat noch eine gewisse Zeit fungiert.
    Es war natürlich so, dass offiziell in großen Kabaretts gewisse Dinge nicht mehr
    gesungen werden konnten, weil es eben sehr viele jüdische Komponisten waren und Text und so weiter.
    Aber unter der Hand ging natürlich vieles noch und ich habe zum Beispiel selbst beim Militär das Repertoire, was ich heute zum Teil singe, habe ich da gesungen.
    Es hat mir also kein Mensch was gesagt.
    Nach dem Zweiten Weltkrieg war Giuluga bald wieder auf dem Brettl anzutreffen.
    Im Berliner Kabarett Kelch verdiente er sich neben Größen wie Olga Rinnemann, Dora Doret oder Altmeister Rudolf Nelson die ersten Sporen.
    Es folgten Radio- und Fernsehauftritte sowie Gastspiele in Süddeutschland.
    Seit der Neubelebung der Kleinkunstszene in den 70er Jahren betreibt Giuluga ein eigenes Kabarett in einem Hamburger Weinkeller.
    Die alten Chansons erscheinen ihm heute aktueller denn je.
    Der Bezug zur Zeit ist ja bei vielen Chansons wieder da.
    Manches ist ja so erschreckend aktuell wieder geworden, besonders politische Chansons aus der Zeit, die ich allerdings nicht pflege, was ich gerne mache.
    Ich würde wahnsinnig gern Brecht singen.
    Tchaikovsky singe ich ein bisschen, aber da singe ich eben nicht die kritischen Dinge, weil das eben meinem Typ nicht entspricht und die Leute würden es mir gar nicht abnehmen.
    Vielleicht muss ich ein bisschen älter werden, dass es dann klappt.
    Aber dieses unterhaltende und dieses charmante Chanson, was ein bisschen, manchmal sogar ein bisschen seicht ist vielleicht, das habe ich immer gepflegt, weil es meiner Stimme entspricht und auch meiner ganzen Art.
    Das Fräulein Lisa fährt dieses Jahr allein nach Pisa.
    Ganz ohne Herrn, sie möchte so gern den Turm dort sehen.
    Sie hat gelesen, dass dieser Turm so schief gewesen.
    Und dieser schiefe Turm, der reizt sie ganz enorm.
    In seinem Wiener Programm mit dem Titel »Kein Platz für Spießer« bringt Joe Lugar Chansons aus der Zeit der Jahrhundertwende, aus den 20er Jahren und von den Kabarett-Höhepunkten nach 1945.
    Neben Holländer, Benatzky oder Tucholsky singt er auch eigenes.
    So etwa das Lied »Ich bin kein Casanova«, mit dem er sich wohl selbst charakterisiert.
    Ich bin kein Richard Hauber und ich bin kein Chabadie, doch ich liebe mein Mädchen.
    Und das ist Musik, Musik.
    Musik, Musik.
    Musik, Musik, Musik.
    Okay.
    Der Hamburger Chansonnier Joe Lugar ist also noch bis Sonntag in Topsi Küppers Freierbühne Wieden in Wien zu sehen und zu hören.
    Bei uns stehen jetzt die Nachrichten auf dem Programm.
    Rosmarin Fraunder verließt sie wieder.
    Österreich.
    Ein größerer Spielraum bei der Gestaltung der Arbeitszeit ist nach Ansicht von Bundeskammer-Generalsekretär Karl Kehrer eine Überlebensfrage für die Betriebe.
    In einem Schreiben an den Sozialminister hat die Bundeswirtschaftskammer heute ihre Vorstellungen zu einer flexibleren Gestaltung der Arbeitszeit unterbreitet.
    Ein wichtiges Ziel der Wirtschaft dabei ist, die Kosten für Überstunden abzubauen.
    In dem Programm der Kammer wird unter anderem vorgeschlagen, die normale Wochenarbeitszeit bei Bedarf überschreiten zu können.
    Ein Ausgleich sollte innerhalb von jeweils 13 Wochen stattfinden.
    Der stellvertretende ÖVP-Obmann Busek hat heute die Befürworter des Kernkraftwerkes Zwentendorf aufgefordert.
    Sie sollten auch die möglichen Standorte anderer Atomkraftwerke in Österreich bekannt geben.
    Busek meint, nach den Regierungsunterlagen werde Zwentendorf erst rentabel, wenn es zwei oder drei weitere Kernkraftwerke in Österreich gebe.
    Dazu entgegnet Vizekanzler-Handelsminister Steger in einer Aussendung, das Energiekonzept der Bundesregierung sehe nicht den Bau weiterer Kernkraftwerke vor.
    Im Gegensatz zu den Äußerungen Busics werde in dem Konzept ausdrücklich betont, dass der Bau weiterer Kernkraftwerke unwirtschaftlich sei, unterstreicht Steger.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Nach Ansicht von Altbundeskanzler Kreisky ist der Zusammenbruch des Dritten Reiches vor 40 Jahren Anlass zur Freude.
    In einem Interview des Deutschlandfunk sagte Kreisky, man habe jeden Grund zu feiern.
    Im Gegensatz zu Deutschland sei Österreich nach dem Krieg nicht geteilt worden, sondern nach dem Willen der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung wiedererstanden.
    Frankreich.
    Landwirtschaftsminister Michel Rocard ist in der vergangenen Nacht überraschend zurückgetreten.
    Seine Demission steht in Zusammenhang mit der jüngsten Entscheidung des Ministerrates, in Frankreich das Verhältniswahlrecht einzuführen.
    Rocard, der als populärster Politiker Frankreichs gilt, ist ein entschiedener Befürworter des Mehrheitswahlrechts.
    Sein Schritt hat eine Krise bei den regierenden Sozialisten ausgelöst.
    USA.
    Die frühere UNO-Botschafterin Jean Kirkpatrick hat ihre Ankündigungen wahrgemacht und ist der republikanischen Partei Präsident Reagans beigetreten.
    Kirkpatrick gehörte bisher der demokratischen Partei an, sie hatte aber wiederholt Kritik an der Parteilinie geübt.
    Nach Ansicht der Diplomatin haben die Demokraten ihre früheren Ideale des Wirtschaftswachstums in den USA und der amerikanischen Stärke im Ausland aufgegeben.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Im Hafen von Hamburg ist heute früh einer der verheerendsten Großbrände in der Geschichte der Stadt ausgebrochen.
    Das Feuer entstand in einer Lagerhalle, in der durch Chemikalien gelagert waren.
    Die Chemikalien explodierten und sprengten die Wände des Lagers.
    Es dürften jedoch keine Giftgase freigeworden sein.
    Das gesamte angrenzende Hafenbecken musste geräumt werden, weil der durch die Hitze geschmolzene Kautschuk ins Wasser geflossen war.
    Die Ursache des Brandes ist noch nicht geklärt.
    Die Schadenshöhe kann noch nicht abgeschätzt werden.
    Jetzt noch die Wetteraussichten für Österreich bis heute Abend.
    Sonnig mit Nachmittagstemperaturen von 18 bis 23 Grad.
    Und das war wieder ein Mittagsschanal des aktuellen Dienstes, durch das sie Ilse Oberhofer geführt hat.
    Für Redaktion und Technik verabschiede ich mich.
    Auf Wiederhören.
    Das war's für heute.

    Beiträge dieses Journals

    Trailer Moderatorgespräch Wrase
    Einblendung: Michael Wrase
    Mitwirkende: Wrase, Michael [Interviewte/r] , Oberhofer, Ilse [Gestaltung]
    Datum: 1985.04.04 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Nachrichten
    Mitwirkende: Holy, Fedor [Gestaltung] , Frauendorfer, Rosmarin [Sprecher/in]
    Datum: 1985.04.04 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Vorschau auf das Feiertagswetter
    Mitwirkende: Sabo, Peter [Gestaltung] , Oberhofer, Ilse [Moderation]
    Datum: 1985.04.04 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wirtschaftskammergeneralsekretär Kehrer zu Arbeitszeitverkürzung, Jobsharing, KAPOVAZ
    Einblendung: Wirtschaftskammergeneralsekretär Kehrer
    Mitwirkende: Hauer, Ernest [Gestaltung] , Kehrer, Karl [Interviewte/r]
    Datum: 1985.04.04 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Wissenschaft und Forschung ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Augenzeugenbericht aus Teheran
    Interview: Michael Wrase
    Mitwirkende: Oberhofer, Ilse [Gestaltung] , Wrase, Michael [Interviewte/r]
    Datum: 1985.04.04 [Sendedatum]
    Ort: Wien [Aufnahmeort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Medizin ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Frankreich: Ministerrücktritt wegen Wahlrechtsreform
    Mitwirkende: Kruse, Hans Joachim [Gestaltung]
    Datum: 1985.04.04 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik ; Wissenschaft und Forschung ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Großbrand in Hamburger Hafen
    Mitwirkende: Ebert, Wilfried [Gestaltung]
    Datum: 1985.04.04 [Sendedatum]
    Ort: Hamburg [Aufnahmeort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Unternehmen der Elektronik Branche in Österreich
    Mitwirkende: Gassner, Susanna [Gestaltung]
    Datum: 1985.04.04 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Wissenschaft und Forschung ; Wirtschaft ; Technik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Burgtheater Projekt "Judith" von Hochhut wackelt
    Einblendung: Autor Hochhut
    Mitwirkende: Hofer, Brigitte [Gestaltung] , Hochhuth, Rolf [Interviewte/r]
    Datum: 1985.04.04 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik ; Politik Österreich ; Kultur ; Theater ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wien-Gastspiel des Berliner Pianisten Joe Luga
    Einblendung: Joe Luga, Chanson
    Mitwirkende: Bilek, Robert [Gestaltung] , Luga, Joe [Interviewte/r]
    Datum: 1985.04.04 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik Österreich ; Kultur ; Unterhaltung ; Humor ; Musik ; E-Musik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten

    Katalogzettel

    Titel Mittagsjournal 1985.04.04
    Spieldauer 01:00:04
    Mitwirkende Oberhofer, Ilse [Moderation]
    Löw, Werner [Regie]
    ORF [Produzent]
    Datum 1985.04.04 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ audio
    Format TKA [Tonband auf Kern (AEG)]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-850404_k02
    Medienart Mp3-Audiodatei
    Gesamtwerk/Reihe Mittagsjournal

    Information

    Inhalt

    Zu Beginn Kirchenglocken im Hintergrund (sehr dezent)
    Nachrichten

    Verortung in der digitalen Sammlung

    Schlagworte

    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt