Mittagsjournal 1986.06.14

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    Rechtliches

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    KI-generiertes Transkript

    Die Zeit in fünf Sekunden ist es 12 Uhr.
    12 Uhr.
    Hier ist der österreichische Rundfunk.
    Grüß Gott meine Damen und Herren, hier meldet sich Herbert Dobrowolny mit dem Mittagsjournal des aktuellen Dienstes.
    Für die nächsten 60 Minuten haben wir Beiträge zu folgenden Themen vorbereitet.
    Protest, Sternfahrt, hunderter Motorradfahrer nach Wien führt zu Verkehrsbehinderungen auf den Autobahnen und am Nachmittag auch in der Bundeshauptstadt.
    Wie beurteilen die Kommentatoren der heimischen Zeitungen das neue Kabinett und dessen Zukunftschancen?
    Im Journal zu Gast ist der designierte Kanzler Franz Franitzki.
    Dann bringen wir eine Vorschau auf die morgigen Wahlen in Niedersachsen, einen Bericht über die Tatsache, dass der chinesische Parteichef zu einem offiziellen Besuch in Deutschland ist und eine Analyse des sommerfremden Verkehrs in Österreich im vergangenen Jahr.
    Die Kulturredaktion hat einen Nachruf auf Benny Goodman vorbereitet und einen Beitrag über den Umstand, dass Leslie Caron in Wien spielt.
    Zu Beginn steht aber der Meldungsblog, den Elisabeth Manners zusammengestellt hat, Sprecherin ist Rosmarin Fraundorfer.
    Österreich.
    Zur jüngsten Regierungsumbildung gibt es nach wie vor zahlreiche Stellungnahmen.
    Der Ehrenvorsitzende der SPÖ, Altbundeskanzler Kreisky, äusserte in einem Fernsehinterview Sympathie für den künftigen Bundeskanzler Franitzki.
    Auf die Frage nach seinem angeblichen Ausspruch, da hätte man gleich den Androsch nehmen können, betonte Kreisky, so habe er das nie gesagt.
    Ob die SPÖ mit der neuen Regierung die Stammwähler wieder zurückgewinnen könne, wollte der Ehrenvorsitzende der Sozialistischen Partei nicht beantworten.
    Nach Ansicht des ÖVP-Abgeordneten Edmeier hat Franitzki den noch amtierenden Bundespräsidenten Kirschschläger brüskiert.
    Edmeier betont in einer Presseaussendung, Franitzki trete als designierter Bundeskanzler auf und zeige neue Minister her, ohne vom Staatsoberhaupt mit der Regierungsbildung beauftragt zu sein.
    Daraus ist nach Ansicht des ÖVP-Abgeordneten zu schließen, dass bei den Sozialisten die Partei vor allem anderen rangiere, auch vor der Verfassung.
    FPÖ-Generalsekretär Walter Grabherr-Meyer kündigte an, seine Partei werde anlässlich der Regierungsumbildung neuerlich Verhandlungen mit ihrem Koalitionspartner über die Agrar- und Steuerpolitik aufnehmen.
    Im Bereich der verstaatlichten Industrie solle auch nach der Regierungsumbildung die zwischen FPÖ und SPÖ vereinbarte Linie konsequent fortgesetzt werden.
    In äußerst scharfen Worten hat heute Vormittag Herbert Kohlmeier, der Bundesvorsitzende des Österreichischen Arbeiter- und Angestelltenbundes, die Regierungsumbildung kritisiert.
    Kohlmeier meinte wörtlich, rote Gurus würden durch Proleten im Nadelstreif ersetzt.
    Der Tiroler Landeshauptmann Wallnöfer sagte, in Wien herrsche ein Durcheinander, als ob man mit einer Schrotflinte in einen Hennenhaufen geschossen hätte.
    Anlass dieser Äußerungen war der Landtag des Arbeiter- und Angestelltenbundes im Innsbrucker Kongresshaus.
    Nach seinem Rücktritt als Ärztekammerpräsident will Richard Piatti einen sogenannten Klub der Unabhängigen innerhalb der Volkspartei gründen.
    Die Grünen dürften nicht die einzige Alternative für die Wähler sein, betonte Piatti.
    Die unabhängigen Persönlichkeiten sollten keine Profipolitiker sein, sich als Wahlwerber der Volkspartei betätigen und dabei der Vorzugsstimmen bedienen.
    Ein erstes Gespräch mit ÖVP-Chef Mock in dieser Frage ist nach den Worten des bisherigen Ärztekammerpräsidenten positiv verlaufen.
    Sollte Mock die Anregung nicht aufnehmen, will Piaty an die Gründung einer eigenen Partei denken.
    Sowjetunion.
    Das Präsidium des Obersten Sowjets in Moskau hat dem künftigen Bundespräsidenten Kurt Waldheim zu seinem Wahlerfolg gratuliert.
    Ergänzend dazu bringt die Nachrichtenagentur TASS die Überzeugung zum Ausdruck, dass sich die guten Beziehungen zwischen Österreich und der Sowjetunion auch künftig vertiefen würden.
    In diesem Zusammenhang würdigte die TASS die Rolle Österreichs bei den Vereinten Nationen.
    Kritik übt die amtliche sowjetische Nachrichtenagentur allerdings am neuen Verteidigungsminister Grünes.
    Die TASS weist darauf hin, dass sich Grünes vor kurzem für die Aufrüstung des österreichischen Bundesheeres mit Raketenwaffen ausgesprochen habe.
    Vereinte Nationen, Südafrika.
    Der UNO-Weltsicherheitsrat hat in der Nacht auf heute einstimmig Südafrika zur sofortigen Aufhebung des Ausnahmezustandes aufgefordert.
    In der Resolution heißt es, die Regierung in Pretoria werde für jede Gewaltanwendung, für jedes Blutvergießen und für etwaige Verluste an Menschenleben bei den zu erwartenden Unruhen anlässlich des 10.
    Jahrestages des Aufstandes von Soweto voll verantwortlich gemacht.
    Der Weltsicherheitsrat verlangte ferner die Freilassung aller in den vergangenen Tagen verhafteten Apartheid-Gegner.
    Die Vereinigten Staaten haben sich unterdessen dem Beschluss der EG-Länder angeschlossen, ihre Botschaften und ihre Konsulate in Südafrika am kommenden Montag geschlossen zu halten.
    Dadurch soll der Tragödie von Soweto gedacht werden.
    Unterdessen sah sich der amerikanische UNO-Botschafter Vernon Walters veranlasst, vor einem möglichen Einsatz von Atomwaffen durch Südafrika zu warnen.
    Walters bezeichnete dies als Möglichkeit einer Antwort Pretorias auf scharfe Sanktionen der Vereinigten Staaten.
    Möglicherweise bezog sich Walters auf die gestrige Erklärung eines südafrikanischen Regierungssprechers, wonach Südafrika nicht zögern werde, hart zuzuschlagen, wenn die Gefahr neuer Ausschreitungen drohe.
    USA.
    Mehr als 100.000 Veteranen des Vietnamkriegs haben gestern an einer für sie veranstalteten Konfetti-Parade in Chicago teilgenommen.
    100.000 weitere Amerikaner bildeten ein Spalier und spendeten den ehemaligen Soldaten Beifall.
    Die Organisatoren der Parade wollten mit der Aktion den Vietnam-Veteranen einen nachgeholten Willkommensgruss entbieten.
    Der Festzug wurde vom ehemaligen Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen in Vietnam, dem inzwischen pensionierten General William Westmoreland, angeführt.
    Benny Goodman, der weltberühmte Jazzmusiker, ist tot.
    Goodman erlag am Abend im Alter von 77 Jahren in seiner New Yorker Wohnung einen Herzanfall.
    Der Jazzklarinettist und Orchesterchef hatte in den 30er Jahren eine neue Ära der rhythmischen Tanzmusik eingeleitet und mit dem ersten Jazzkonzert in der New Yorker Carnegie Hall in Jänner 1938 Musikgeschichte gemacht.
    Erstmals ließ er schwarze und weiße Musiker gemeinsam spielen.
    Österreich.
    Hunderte Motorradfahrer sind derzeit aus dem gesamten Bundesgebiet nach Wien unterwegs, um am Nachmittag an einer Demonstrationsfahrt teilzunehmen.
    Kolonnen von mehreren hundert Motorrädern fahren zur Stunde in Richtung Wien auf der Westautobahn im Raum St.
    Pölten und auf der Südautobahn bei Mötling.
    Der Verkehr ist erheblich behindert, weil die Motorradfahrer ihre Geschwindigkeit drosseln und alle Fahrspuren benutzen.
    Sie wollen mit ihrer Aktion auf eine ihrer Meinung nach bestehende Benachteiligung ihrer Fahrzeugkategorie bei der Versicherung, bei der Kraftfahrzeugsteuer und in der Straßenverkehrsordnung hinweisen und eine Verbesserung ihrer Situation erreichen.
    Die Wetterlage?
    Über Nordwest- und Nordeuropa liegt ein kräftiges Hoch mit Kern über Dänemark.
    An seiner Südostflanke fließen teilweise noch feuchte, aber warme Luftmassen gegen den Ostalpenraum.
    Die Aussichten bis morgen früh, allmählich auflockernde Bewölkung, nur an der Alpen-Nordseite anhaltend stark bewölkt.
    Zunächst strichweise noch etwas Regen, am Nachmittag Lokale, teils gewittrige Schauer, mäßiger Wind aus West bis Nord,
    Nachmittagstemperaturen 16 bis 22, Frühtemperaturen morgen 10 bis 16 Grad.
    Die Aussichten für morgen, an der Alpensüdseite teilweise noch stärkere Bewölkung, sonst vielfach aufgelockert bewölkt und sonnig.
    Am Nachmittag vor allem im Süden und über dem Bergland einige Gewitter und Regenschauer.
    Wind aus Nordost bis Südost, Tageshöchsttemperaturen 18 bis 25 Grad.
    Das Wetter am Montag, meist sonnig und kaum noch Niederschlag.
    Die Messwerte von 12 Uhr Mittag.
    Wien heiter, 21 Grad, Nordwestwind 10 Kilometer in der Stunde.
    Eisenstadt heiter, 21 Grad, Nordwest 20.
    Linz bedeckt, leichter Nieselregen, 13 Grad.
    Salzburg stark bewölkt, 17.
    Innsbruck stark bewölkt, 15.
    Bregenz stark bewölkt, 14.
    Graz bedeckt, 19 und Klagenfurt bedeckt bei 14 Grad.
    Es ist jetzt zwölf Uhr und neun Minuten, Sie hören das Mittagsjournal des aktuellen Dienstes und nun gleich zur letzten Meldung der Nachrichten zur Demonstrationsfahrt hunderter Motorradfahrer auf Wien.
    Die Frage an Peter Zich vom ÖAMTC, wie sieht es denn derzeit verkehrsmäßig aus und was ist für den Nachmittag in Wien zu erwarten?
    Nun Herr Dobrowolny, es hat sich schon einiges verlagert.
    Auf der Westautobahn gibt es derzeit im Großen und Ganzen nicht mehr so viele Störungen.
    Ein Großteil der Motorradfahrer ist bereits auf der Außenringautobahn und fährt hier dann zur Südautobahn.
    Auf der Südautobahn waren es 200 Motorradfahrer, die vor allem aus der Steiermark kamen.
    Diese sind aber schon durchwegs in Wien.
    Treffpunkt aller Teilnehmer ist der Parkplatz beim Wiener Stadion im Prater und insgesamt sollen es rund 1500 Teilnehmer sein, die dann an dieser sehr groß angelegten Motorrad Protestfahrt Teilnehmer werden.
    Und zwar habe ich hier auch die Route besonders interessant für alle diejenigen, die heute vielleicht am Nachmittag nach Wien fahren wollen, in die Stadtsammelpunkt, wie gesagt der Stadionparkplatz, von wo ab 14 Uhr über folgende Route gefahren wird.
    Vorgartenstraße, Ausstellungsstraße,
    Praterstern, Praterstraße, Aspernbrücke, dann eine Runde über die gesamte Ringstraße und den Kehl und dann wieder am Ring bis zum Rathausplatz zur Abschlussgrundgebung, die bis ca.
    16.30 Uhr dauern wird.
    Auf der genannten Strecke ist mit erheblichen Behinderungen zu rechnen.
    Auch dann bei der Abfahrt wird es sicher einiges an Behinderungen geben.
    Also im Bereich Rathausplatz und dann sternförmig weg in allen Richtungen.
    wird man sicher bis 17 oder 17.30 Uhr, wenn nicht bis 18 Uhr, mit Behinderungen rechnen müssen.
    Was wollen denn eigentlich diese Motorradfahrer mit Ihrer Aktion bezwecken, Herr Zich?
    Ja, Herr Dobrowolny, es gibt einen Slogan, den Sie haben.
    Vereinigen wir uns jetzt, bevor wir von der Straße weg verwaltet werden.
    Deshalb diese Großdemonstration.
    Ich habe hier einen ganzen Forderungskatalog.
    Ich habe mir die wichtigsten Punkte rausgenommen.
    Punkt 1, Senkung der Haftpflichtversicherungsprämie und Berechnung nach dem Leistungsgewicht, also Kilogramm pro PS.
    2.
    Einführung eines fairen Bonus-Malus-Systems, dann Wechselkennzeichen Auto-Motorrad, dass man das wie bei, wenn man zwei Autos hat, auch mit dem Motorrad austauschen kann.
    Senkung der Kraftfahrzeugsteuer, weil Abgasarm platzsparend und verbrauchsgünstig und Berechnung nach Leistungsgewicht auch hier.
    und die Abschaffung des Schutzzolls für Motorräder bis 350 cm³, die Rückkehr zur Mindestprofiltiefe von 1 mm, die Vorfahrt für Motorräder in Schrittgeschwindigkeit im absolut ruhenden Verkehr, wenn es die Verkehrslage zulässt, also dieses Durchschlängeln, das jetzt schon sehr viele bei den Kreuzungen machen.
    Dann eine generelle drastische Verminderung der Mautgebühren für Motorräder und die Schaffung einer kompetenten Vertretung aller österreichischen Motorradfahrer in Person eines Ombudsmannes im Verkehrsministerium.
    Das sind so etwa die wichtigsten Punkte aus diesem Katalog.
    Vielen Dank für diese Information.
    Darf ich da vielleicht noch dazu sagen, die Forderungen der demonstrierenden Motorradfahrer sind auf jeden Fall diskussionswürdig.
    Es ist einiges darunter, worauf die Öffentlichkeit aufmerksam gemacht wurde und Punkt für Punkt wird natürlich überprüft werden.
    Gut, Dankeschön.
    Es ist jetzt zwölf Uhr und zwölf Minuten und wenn wir schon beim Thema Verkehr sind, dann gleich noch ein Hinweis auf die Sendung in Brennpunkt.
    Heute Nachmittag um 14.45 Uhr in Österreich 1.
    Das Thema heute Auto, Umwelt und Gesellschaft.
    Eine hundertjährige Erfindung und ihre Folgen zum Thema Auto.
    Gibt es kritische Stellungnahmen und zu Wort kommen unter anderem Professor Hermann Knoflacher und Dozent Bernd Lötzsch.
    Heute Nachmittag also der Brennpunkt um dreiviertel drei in Österreich 1.
    Nun aber zur politischen Berichterstattung im Mittagschanal.
    Heute geht eine Woche zu Ende, die es innenpolitisch in sich hatte.
    Begonnen hatte es mit dem zwar erwarteten, aber doch nicht so hoch eingeschätzten Wahlsieg Kurt Waldheims im zweiten Wahlgang der Bundespräsidentenwahl.
    Ab Montag ging es dann Schlag auf Schlag.
    Nach stundenlangen Beratungen warf Fred Sinowaz als Kanzler der Koalitionsregierung das Handtuch und schlug dem Parteivorstand der SPÖ Franz Franitzki als seinen Nachfolger vor.
    Der bisherige Finanzminister hatte dann alle Hände voll zu tun, um sein Wunschteam zusammenstellen zu können.
    Die Spekulationsküche brodelte, Namen wurden genannt und wieder verworfen und schließlich stellte Wranitzki schon gestern und nicht erst wie angekündigt am Montag die neuen Mitglieder des sozialistischen Teils der Regierung vor.
    Trotz oder vielleicht gerade wegen des Datums Freitag der 13. gab es die dementsprechende Pressekonferenz.
    Am Montag werden sie angelobt, neben dem Kanzler, der neue Finanzminister Ferdinand Latsiner, der Verkehrs- und Verstaatlichtenminister Rudolf Streicher, der Landwirtschaftsressortchef Erich Schmid, Außenminister Peter Jankowitsch und der Staatssekretär im Handelsministerium Johann Bauer.
    Natürlich setzen sich heute die Zeitungen mit dem neuen Kabinett auseinander und auch mit den Zukunftschancen des Teams, das sich aller Voraussicht nach in zehn Monaten dem Wähler stellen wird.
    Roland Adrawica hat Zitate für unsere Inlandspresse-Schau zusammengestellt.
    Während die sozialistischen Parteizeitungen nicht ganz unerwartet das neue Team des designierten Bundeskanzlers Franz Wanicki und dessen gestern vorgestelltes Programm überschwänglich loben, die Gazetten der Gegenseite eben Gegenteiliges tun, finden sich in den unabhängigen Zeitungen durchgehend zwei Einwände.
    Zum einen wird oft die Übersiedlung des amtsmüden bisherigen verstaatlichten Ministers Ferdinand Laziner in das Finanzministerium kritisiert, zum anderen wird auch bemängelt, dass man den defizitären Steuerwerken bereits nach zwei Monaten den neuen Generaldirektor Rudolf Streicher entzogen habe.
    Es wird jedoch auch von einigen Kommentatoren angemerkt, dass mit dem zukünftigen Bundeskanzler Franz Wanicki ein anderer Wind wehe, so schreibt etwa Josef Nowak in der Tiroler Tageszeitung.
    Da wurde nicht mehr darüber geklagt, wie kompliziert alles ist, vielmehr wurden den einzelnen Ressorts konkrete Arbeitsaufträge erteilt.
    Und da hat man nicht mehr gehört, dass im Grunde alles zum Besten steht, sondern da war sehr deutlich davon die Rede, dass auf Leistung, Effizienz, Modernisierung und Aufholung von Rückständen in der Regierungsarbeit Mehrwert gelegt werden müsste als bisher.
    Hoffentlich weiß der neue Regierungschef auch, wie recht er damit hat.
    Soll heißen, hoffentlich lässt er seinen Worten auch die notwendigen Taten folgen, meint Josef Nowak in der Tiroler Tageszeitung.
    Auch Ulrich Stocker vermeint in der Grazer Kleinen Zeitung einen anderen Wind zu verspüren.
    Dennoch stellt er die Frage, was Ranitzky in den verbleibenden Monaten in dieser Koalition und in dieser SPÖ noch zusammenbringen könne.
    Es ist symptomatisch, dass Ferdinand Latziner das Finanzministerium übernimmt, das nun einmal das Schlüsselressort einer Regierung bedeutet.
    Franitzki wurde gestern nicht müde, ihn als seinen Wunschminister herauszustellen, allerdings als einen solchen der zweiten Wahl.
    Aber in seinen allgemeinen Erklärungen, warum und wie es zu dieser Regierungsbildung kam, wurde doch deutlich, dass die SPÖ-Granten bei dieser Mischung kräftig mitgewirkt haben.
    In Wirklichkeit muss er die Wünsche anderer erfüllen, etwa von SP-internen Mehrheiten oder des ÖGB.
    Es ist eine Schnapsidee, den gescheiterten Verkehrsminister Latziner, der in der SP wegen der verstaatlichten Industrie angeschlagen ist, zum Finanzminister zu machen, zum Chef des wichtigsten Ressorts.
    Zehn Monate Zeit und nicht mehr, lautet der Titel des heutigen Kommentars im Wiener Großformat die Presse.
    Herausgeber Otto Schulmeister beurteilt das neue Regierungsteam unter anderem so.
    Das neue Kabinett ist ein Flickwerk, aber mit einigen stark wirkenden Persönlichkeiten.
    Für die SPÖ, damit binnen zehn Monaten wenigstens die relative Mehrheit bei den Wahlen zu retten, hieße indessen ein Wunder, zumindest eine Krise der Opposition etwa durch Auseinanderdividieren gar eine Auferstehung der FPÖ zu erwarten.
    Dieser Franitzki sieht nicht danach aus.
    Er doch als Chef einer Übergangsregierung, die schlecht und recht den Wahltermin erreicht, um dann einer großen Koalition Platz zu machen.
    Otto Schulmeister heute in der Presse.
    Der Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, Karl-Heinz Ritschl, sieht das Handeln der Führenden in der SPÖ von Panik diktiert.
    Im Einzelnen kritisiert er das Herausreißen eines exzellenten Industriemanagers aus seiner eben erst übernommenen Aufgabe sowie die Bestellung Lazinas zum Finanzminister.
    Ritschl zieht abschließend folgendes Resümee.
    Diese Regierung dauert maximal neun Monate.
    Auch das ist ein Grund, warum man ihr keine hundert Tage Schonzeit geben kann, denn das wäre schon mehr als ein Drittel der Regierungszeit.
    Da einzelne gute Leute vom Kanzler abwärts in dieser Ministerliste eingetragen sind, kann man nur hoffen, dass sie versuchen, eine Zukunftsstellung für Österreich durchzuführen, statt gebannt auf den Wahltermin und damit auf das Wahlziel zu schauen.
    Das wäre jener Anstand, der am Ende dieser kurzen Periode dann mit Respekt die Wertung zuließe.
    Sie haben für Österreich gearbeitet.
    Immer wieder taucht in den Kommentaren auch der Name des ehemaligen Franitzki-Chefs Hannes Androsch auf.
    Am massivsten der Wiener Tageszeitung Kurier, wo Hans Rauscher wörtlich schreibt, um ein Haar hätte das neue Kabinett mit der guten alten Androsch-Partie verwechselt werden können.
    Rauscher begründet dies damit, dass Rudolf Streicher seit Langem zum Androsch-Clan gehöre und dass auch der ehemalige Androsch-Sekretär Herbert Kort als möglicher Finanzminister im Gespräch gewesen sei.
    Daraufhin sei der schon resignierte Ferdinand Laziner dem zukünftigen Kanzler vom alarmierten Parteichef Rezinovac persönlich ans Herz gelegt worden.
    Die Schlussfolgerung Rauschers
    Insgesamt ist aber die neue Konstellation ein Patentrezept für Dauerärger.
    Androsch wird versuchen, mit Franitzki und Streicher mitzuregieren, so ist er nun einmal gebaut.
    Sinovac und Lazina werden dem kräftig gegensteuern.
    Der Zug der Androsch-Partie hat Lazina im Bremserhäuschen.
    Gute Fahrt.
    Soweit also Auszüge aus Kommentaren österreichischer Zeitungen und nun zu unserer Samstagsserie Im Journal zu Gast.
    Das ist heute Franz Wranitzki.
    Der 49-jährige Banker und bisherige Finanzminister wird am Montag als zweitjüngster Kanzler der Republik angelobt werden.
    Wranitzkys Karriere begann ziemlich genau vor 25 Jahren in der Österreichischen Nationalbank.
    Dann übersiedelte er als wirtschafts- und finanzpolitischer Berater des damaligen Finanzministers Hannes Androsch in die Himmelpfadgasse und zählte seit diesem Zeitpunkt zum gerne so genannten Androsch-Clan.
    Die beiden engsten Mitarbeiter Androschs, Mauhard und Wranitzki, machten ja dann ihren Weg.
    Mauhard als stellvertretender Generaldirektor der Austria Tabak und Wranitzki als Vize-Chef der CA und als Generaldirektor der Länderbank.
    1984 folgte er schließlich dem schon mehrfach geäußerten Ruf der Partei und ging in die Politik.
    Kaum zwei Jahre war er Finanzminister und jetzt folgt er Sinowaz in der Funktion des Kanzlers.
    Ulrich Brunner sprach mit dem designierten Regierungschef.
    Herr Dr. Waranitzky, man hatte den Eindruck, dass die Regierungsumbildung schon eine schwere Geburt war.
    Immerhin hat es vorübergehend so ausgesehen, als ob eine Fluchtbewegung aus der Regierung einsetzen würde.
    Außer dem Landwirtschaftsminister Heiden wollten auch Latsiner und Gesundheitsminister Kreuzer ausscheiden.
    Zunächst zu Latschener.
    Haben Sie Latschener in der Regierung behalten wollen, wegen seiner fachlichen Qualitäten oder um auch damit die Parteilinke zufriedenzustellen?
    Also der Reihe nach Fluchtbewegung hat es eigentlich keine gegeben.
    Der Landwirtschaftsminister Heiden ist seit mehr als einem Jahrzehnt in Regierungsfunktion tätig und hat von sich aus den Wunsch geäußert,
    bei dieser Gelegenheit sein Amt zurückzulegen.
    Das ist eigentlich keine Fluchtbewegung, das ist eine, wenn Sie so wollen, eine Arbeitsgenerationsfrage.
    Platzener ist ein wirtschaftspolitisch universell ausgebildeter Mann, hat in vielen wirtschaftspolitischen Funktionen gearbeitet und ist jetzt, seit ich dem Kabinett angehöre, hier ja ein
    eng mit dem Finanzwesen, dem Finanzressort beschäftigter oder mitbeschäftigter Ministerkollege gewesen.
    Und so war er sehr in der Nähe, kennt auch meine Auffassung von Budget- und finanzpolitischen Notwendigkeiten.
    Und wenn ich jetzt davon ausgehe, dass wir
    zehn Monate ungefähr Zeit haben noch in dieser Gesetzgebungsperiode, so war es geboten, jemanden mit dem Finanzressort zu betrauen, der sich nicht vom Punkt Null aus einlesen und einarbeiten muss, sondern der schon sehr viel mitbringt.
    Daher habe ich mich zu keinem Neuling entschlossen, sondern eben für den Kollegen Latziner.
    Das ist eigentlich die... das ist alles, was darüber zu sagen ist, dass darüber hinaus
    Latziner jemand ist, der in der SPÖ, ich will das gar nicht auf die von Ihnen so bezeichnete Partei Linke einschränken, sondern in der sozialistischen Partei als Funktionär einen Stellenwert hat, begünstigt die ganze Sache noch.
    Hat mit eine Rolle gespielt bei Ihrer Entscheidung?
    Es hat eigentlich nicht mit eine Rolle gespielt, aber es ist ein nicht unsympathischer Begleiteffekt.
    Können Sie hier mal offenlegen, warum Latziner eigentlich nicht mehr wollte?
    Er wollte ja nicht nur nicht Verkehrsminister bleiben, er wollte ja aus der Regierung ausscheiden.
    Also, aus meiner Sicht stellt sich das so dar, und ich glaube, dass das die richtige Sicht ist.
    Dem Minister Latsiner sind innerhalb weniger Monate wirklich in der verstaatlichten Industrie etliche Malheurs entgegengeströmpt.
    Die Inter-Trading-Katastrophe, die Merks-Geschichte, die hohen Verluste bei der Förstalbine,
    und noch einige andere Dinge.
    Er hat dann in einer, man kann ruhig sagen, Radikalkur es unternommen, die ÖAG und die komplette verstaatlichten Philosophie sehr rasch auf eine andere Basis zu stellen.
    Und er ist dafür kritisiert worden.
    Alles in allem, wenn man das zusammenfasst, hat sich ein Gesprächsklima entwickelt, das Latziner sehr belastet hat.
    Und das war der Grund, warum er mir erklärt hat, im Verkehrsministerium nicht mehr bleiben zu wollen.
    Und dann ist im Laufe dieser Tage entstanden, er möchte überhaupt nicht mehr weiterarbeiten.
    Und so hat das dann auch wie eine Fluchtbewegung ausgesehen.
    Aber er wollte ja wirklich nicht mehr in der Regierung.
    Ja, aber ich habe das von Anfang an nicht akzeptiert.
    Ich habe ihm von Haus aus gesagt, er möge mit mir im Gespräch bleiben.
    Weil für mich ist die Sache noch nicht erledigt und noch nicht abgeschlossen.
    Das heißt, wenn Sie so wollen, für mich ist, weil ich diese Absicht oder diesen Vorsatz ganz auszuscheiden, für mich als der, der für die Zusammensetzung der Mannschaft verantwortlich gemacht worden ist, für mich war das keine ausgemachte Sache.
    Herr Dr. Warnitzki, was prädestiniert einen Minister, der sich im verstaatlichten Bereich nicht durchsetzen konnte, für das Schlüsselministerium dieser Regierung, für das Finanzministerium?
    Schauen Sie, mir ist schon klar, dass hier ein bestimmter Erklärungsaufwand notwendig ist.
    Das ist etwas, wo so mancher sagt, das verstehe ich nicht.
    Und ich muss zugeben, es ist vielleicht auf den ersten Blick auch nicht sehr verständlich.
    Aber ich wiederhole, Latziner ist jemand, der
    eine umfassende wirtschaftspolitische Ausbildung und Erfahrung hat.
    Und ich bin davon ausgegangen, dass er diese schwierigen Gesprächsverhältnisse, die er im Verkehrsministerium vorfindet, im Finanzressort nicht in vergleichbarer Weise vorfinden wird.
    Und es ist auch hier so, dass er natürlich auch hart verhandeln muss.
    Und dass er auch in den Mittelpunkt von Angriffen und Kritik kommen kann.
    Aber die Art der Austragung ist eine andere.
    Es hat noch einen Minister gegeben, der nicht mehr in der Regierung bleiben wollte, der Ihnen das auch brieflich mitgeteilt hat.
    Können Sie jetzt darüber Aufklärung geben, warum der Umwelt- und Gesundheitsminister Franz Kreuzer nicht mehr bleiben wollte?
    Kreuzer hat nicht mir den Brief geschrieben, sondern er hat ihm, richtigerweise, dem amtierenden Bundeskanzler, also an diesem Tag amtierenden Bundeskanzler Dr. Sinowaz,
    überreicht.
    Ich kenne aber den Inhalt des Briefes und Kreuz hat sich Gedanken gemacht darüber, ob angesichts
    des ja wirklich objektiv gegebenen Spannungsfeldes zwischen Umweltschutz, Naturschutz auf der einen Seite und etwa Ausbau der Wasserkräfte oder sonstige wirtschaftliche Nutzung von natürlichen Reserven
    ob er angesichts dieses Widerspruches weiterarbeiten soll, weil er vielleicht nicht ganz sicher war, dass es ihm gelingen könne, in diesem Spannungsfeld Kunst durch Liebes zu leisten.
    Haben Sie ihn davon überzeugt, dass das geht, dass man unter Ihrer Kanzlerschaft weiterhin eine überzeugende Grünpolitik machen kann?
    Wissen Sie, der Kollege Kreuzer ist ein Mann mit überaus hohem und scharfem Intellekt und vielleicht tendiert er dazu,
    gewisse Dinge gedanklich an eine Spitze zu treiben, die gar nicht notwendig ist.
    Denn er hat zum Beispiel sich in dieser ganzen sehr unzähligen Angelegenheit der Strahlenbelastung nach dem Unfall von Tschernobyl hier durch seinen Vorrang der Gesundheit vor anderen Dingen eigentlich aus meiner Sicht jedenfalls wirklich große Verdienste erworben.
    Und ich sage das als jemand, der ihm als Finanzminister gegenüber saß.
    Und ich will gar nicht verhehlen, dass dieses oft von Tag zu Tag wechselnde Festsetzen von neuen Werten, was ja dann immer zu finanziellen Forderungen bestimmter Gruppierungen geführt hat, dass mir das gelegentlich ordentlich auf die Nerven gegangen ist.
    Heute, wenn ich es rückblickend betrachte, hat er Recht gehabt.
    Denn er hat den Müttern die Angst genommen, dass sie ihren Kindern womöglich keine Milch mehr geben können.
    Er hat den Leuten die Angst genommen, dass sie kein Gemüse und kein Obst essen sollen oder dürfen.
    Und er hat das insgesamt eigentlich mit viel Übersicht und mit großem Einsatz geleistet.
    Sie haben aber Kreuzer in einer anderen Frage desavouiert.
    Er hat Heimburg für gestorben erklärt.
    Sie sehen das nicht so.
    Wird Heimburg gebaut?
    Ich habe ihn nicht desavouiert, oder wenn Sie das strenge Wort desavouiert hören wollen, vielleicht ist es sogar anzuwenden.
    Ich meine, es geht jetzt nicht um ein konkretes Kraftwerk Hainburg in der sogenannten Einreich-Variante oder irgendetwas anderes, sondern es geht darum, dass ich davon überzeugt bin, dass wir etwa die Donau östlich von Greifenstein oder östlich von Wien
    als einen großen Lebensraum weiter werden ausbauen müssen.
    Und zwar ausbauen werden müssen als Kulturlandschaft, dort passt Umwelt- und Naturschutz usw.
    alles hinein, als einen Energiegewinnungsraum,
    Aber wir müssen auch bestimmte Bauwerke errichten, um etwa Austrocknungstendenzen entgegenzuwirken.
    Und wenn wir die Donau weiter als Verkehrsstraße benutzen wollen, in einer fernen Zukunft, im Hinblick auf Rhein-Main-Donau-Kanal, werden dort auch bestimmte Bauten notwendig sein.
    Also auf eine Kurzformel gebracht, es muss unterhalb des geplanten Kraftwerkes Wien noch ein Kraftwerk geben.
    Ich glaube das schon.
    Ich kann heute nicht sagen, wann das sein wird.
    Ich glaube, dass das noch sehr sehr sorgfältiger Vorbereitung bedarf.
    und zwar sorgfältiger Vorbereitung, gerade um die größtmögliche Rücksichtnahme auf Natur- und Umweltschutz mit einzubringen und um in der Sicherstellung dessen auch eine größtmögliche, wenn Sie das Wort erlauben, Werbung dafür zu betreiben.
    Wir werden bestimmte
    Gruppierungen des Grün-Spektrums nie dazu gewinnen, dass sie einer solchen Vorgangsweise applaudieren oder sich nicht sogar widersetzen.
    Verzichten Sie auf diese Gruppen.
    ÖGB-Präsident Penner hat gesagt, man hat in letzter Zeit auf diese Randgruppen zu stark Rücksicht genommen.
    Das ist wahrscheinlich eine Temperamentfrage, wie man das einschätzt.
    Ich glaube nicht, dass wir auf sie verzichten sollen, auf sie verzichten dürfen.
    Sie sind Gruppierungen innerhalb unserer Gesellschaft.
    Wir haben sie zu hören, wir haben auf sie Rücksicht zu nehmen.
    Aber ich muss natürlich auch sagen, es kommt im Leben, daher auch in der Politik, irgendwo ein Punkt, wo man sich entscheiden muss und wo man sagen muss,
    Wir nehmen auf euch Rücksicht und wir tragen euren Anliegen und euren Wünschen größtmöglich Rechnung, aber über einen bestimmten Punkt können wir nicht hinausgehen.
    Und dieser bestimmte Punkt würde heißen, verzieht auf den Ausbau unserer Wasserkraftreserven.
    Und auf das können und dürfen wir uns sicherlich nicht einlassen, weil wir nicht heute im Jahr 1986, im Jahr 1987
    weil uns da heute nicht die Energieversorgung der 90er Jahre gleichgültig sein darf.
    Die Frage, was unter Bundeskanzler Wranitzki anders werden solle als unter Bundeskanzler Sinowaz, wurde bisher von Ihnen immer dahingehend beantwortet, ganz allgemein gesagt, dass sich das äußere Erscheinungsbild ändern wird.
    Boshaft formuliert, das wäre nur ein Fassadenwechsel.
    Ist das genug, um der SPÖ die Mehrheit zurückzubringen, die sie nach allen Umfragen nicht mehr hat?
    Zunächst ist es, und Sie erlauben mir das zu sagen, doch ein Gebot der Umgangsformen, dass man noch nicht einmal so recht im Amt, schon in der Öffentlichkeit erklärt, was man gegenüber dem Vorgänger besser machen sollte.
    wird, weil das heißt ja im Umkehrschluss auch, was er alles falsch gemacht hat.
    Ich werde mich zu solchen Aussagen sicherlich nicht zur Verfügung stellen, aber es wird auch nicht so sein, dass man bloß Fassadenwechsel macht.
    Das wird die Arbeit ergeben an den einzelnen Problemen in den einzelnen Arbeitsgebieten.
    Und ich glaube aber, dass ich in einigen Schwerpunkten mich vom Bundeskanzler Sinovac insofern unterscheide, als ich es für angezeigt halte, bestimmte
    bestimmte Richtungsgebungen stärker zu betonen als er.
    Zum Beispiel?
    Zum Beispiel.
    Meine ich, wir müssen als kleines Land im Herzen Europas, das aber politisch am Rand liegt,
    uns viel mehr anstrengen, um in der internationalen Gemeinschaft integriert und anerkannt zu sein.
    Wir bewegen uns manchmal, noch so wie in der Monarchie, wir sind damit uns selber beschäftigt und glauben, der Nabel der Welt zu sein und daraus entsteht, ich sage das ganz frei heraus, auch so eine gewisse, bei vielen Leuten eine provinzielle Einstellung.
    Das kann man dann weiterspielen, das geht bis zur Ablehnung dessen, was fremdländisch ist und so weiter.
    Ich glaube, wir müssen extrovertierter werden, als wir das sind, aber nicht, weil das schick ist, sondern in unserem eigenen Interesse, weil wir müssen unserer Bevölkerung die Gewissheit geben, dass wir uns von modernen Entwicklungen, aber nicht nur in der Wirtschaft, auch in der Kultur, im Verkehrswesen,
    und vielen anderen mehr nicht abkoppeln lassen dürfen.
    Herr Dr. Franitzki, ich kann mir vorstellen, dass Sie die nächste Frage gar nicht mögen, denn schon als Sie Finanzminister wurden und jetzt als designierter Bundeskanzler werden Sie immer wieder nach Androsch gefragt.
    Es heißt da, wenn ich das etwas sehr wienerisch formulieren darf,
    Androsch und seine Havara seien damit gewissermaßen doch an die Spitze der Bundesregierung gekommen.
    Wenn Sie jetzt immer wieder mit Androsch verglichen werden, ärgern Sie sich da?
    Ich ärgere mich nicht, denn erstens bin ich mit Androsch befreundet und daher ist sein Name
    Für mich kein Schimpfwort.
    Zweitens trifft das ja nicht zu.
    Wenn ich jetzt also die vier neuen Minister heranziehe, so sind ja mit Latschena und Jankowitsch zwei ehemalige Geiske-Mitarbeiter in die Regierung eingezogen.
    Streicher ist ein Androsch-Freund.
    Streicher ist ein Androsch-Freund, das ist auch nichts Verbotenes.
    Aber ich gehe eigentlich von dem gar nicht aus.
    Wenn Sie schon diese Haberer-Variante hören wollen, dann ist die Bundesregierung jetzt Franitzky und seine Haberer.
    Ich danke für das Gespräch.
    Es ist jetzt 12 Uhr und 36 Minuten nun ins Ausland.
    Im westdeutschen Bundesland Niedersachsen entscheiden morgen etwa 5,6 Millionen Wahlberechtigte nicht nur über die zukünftige Zusammensetzung des Landtages in Hannover, sondern praktisch auch über die Mehrheit im Bundesrat, der zweiten Kammer des Bundesparlaments in Bonn.
    Schon aus diesem Grund wird der ersten Landtagswahl in der Bundesrepublik Deutschland in diesem Jahr, gut sieben Monate vor der Bundestagswahl im Jänner 87, Signalwirkung über Niedersachsen hinaus beigemessen.
    Bei einem Sieg des SPD-Spitzenkandidaten Gerhard Schröder würden die Unionsparteien CDU und CSU zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland die Mehrheit in der Länderkammer verlieren, was die Gesetzgebung der Bonner Koalition erschweren könnte.
    Ministerpräsident Ernst Albrecht hat sich dagegen zum Ziel gesetzt, die 1982 erstmals auch nach der absoluten Stimmenzahl errungene absolute Mehrheit der CDU von 50,7 Prozent zu verteidigen.
    Da den Christdemokraten in allen Umfragen Stimmenverluste vorausgesagt wurden, gilt aber auch eine Neuauflage der CDU-FDP-Koalition, wie sie bereits in den 70er Jahren in Hannover bestanden hatte, als möglich.
    Voraussetzung dafür wäre aber, dass die bei den letzten Wahlen mit einem Votum von 5,9% ausgestatteten Freien Demokraten wieder die 5%-Hürde überspringen.
    Aber hören Sie näheres von Elisabeth Ludl.
    Auf welches Pferd werden die Niedersachsen am morgigen Sonntag setzen?
    Diese Frage bewegt nicht nur die Politiker, sondern seit Wochen auch die Meinungsforscher.
    Das niedersächsische Ross ziert seit Jahrhunderten das Wappen des Landes.
    Quasi als Gütezeichen fehlt es aber auch auf keinem Wahlplakat.
    Egal ob CDU, SPD, FDP oder Grüne.
    Doch es geht bei der Landtagswahl im zweitgrößten Bundesland der Bundesrepublik um mehr als nur um Landespolitik.
    Von Schicksal, Richtungs- oder Testwahl ist denn auch die Rede.
    Das Wahlverhalten der Niedersachsen, sieben Monate vor der Bundestagswahl, ist ein Gradmesser der politischen Stimmung in der Bevölkerung.
    Die Meinungsforscher haben jetzt Hochkonjunktur.
    Doch seit dem Debakel ihrer niederländischen Kollegen vor einigen Wochen sind sie mit den Aussagen vorsichtiger geworden.
    Aber auch die Politiker müssen sich erst langsam an den Last-Minute-Swing gewöhnen.
    An jene Wähler, die sich erst in letzter Minute für eine Partei entscheiden.
    Eines aber scheint schon jetzt festzustehen.
    Alleine schaffen es die beiden großen CDU und SPD nicht.
    Sie müssen sich schon jetzt auf einen kleinen Koalitionspartner einstellen.
    Das politische Schicksal von Ernst Albrecht, dem Spitzenkandidaten der CDU, wird ganz entschieden vom Abschneiden der FDP bestimmt werden.
    Zehn Jahre lang hat Albrecht, der konservative Protestant, der bei Karl Jaspers Philosophie studiert hat, die Geschicke Niedersachsens gelenkt.
    Kritiker meinen, dass sich sein Image als immer lächelnder Sunnyboy abgenützt hat.
    Zwar predigt Albrecht,
    Land auf, Land ab, den wirtschaftlichen Aufschwung, den das Land genommen hat.
    Aber auch die wirtschaftlichen Fakten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass in weiten Teilen Ostfrieslands eine Arbeitslosigkeit von 20 oder gar 30 Prozent herrscht.
    Arbeitslosigkeit und Atom, diese beiden A's, bestimmen denn auch den Wahlkampf.
    Und auch beim Thema Atom trat Albrecht bei einer Wahlveranstaltung erst kürzlich ungewollt ins Fettnäpfchen, also zur Beruhigung der Zuhörer,
    die Radioaktivität als genauso schädlich wie etwas Alkohol bezeichnete.
    Albrechts sozialistischer Herausforderer Gerhard Schröder tut sich bei beiden Themen etwas leichter.
    Er ist nicht mit der Hypothek der Sozialpolitik der Bonner Regierung belastet und nach Tschernobyl bezog die SPD eine entschiedenere Wende in der Frage der Kernenergie als die Regierungsparteien CDU und FDP.
    Und trotzdem ist Schröder bei den letzten Umfragen wieder leicht zurückgefallen.
    Niedersächsischer Ministerpräsident könnte er nur mit Unterstützung der Grünen werden.
    Eine mögliche Koalition mit der aufstrebenden Umweltpartei hat aber bisher entschieden bei allen Interviews ausgeschlossen.
    Vielleicht auch aus Angst vor dem grünen Gespenst, das aller Orten an die Wand gemalt wird.
    Denn nach den Demonstrationen und Krawallen in Brockdorf und Wackersdorf fühlen sich immer mehr Politiker verpflichtet, vor den Grünen zu warnen oder sich zumindest von ihnen zu distanzieren.
    Die Grünen selbst sehen der Wahl gelassen entgegen.
    Als einzige Partei haben sie eine Frau als Spitzenkandidat aufgestellt.
    Thea Bückert braucht sich um die Zukunft ihrer Partei jedenfalls weniger Sorgen zu machen als etwa die FDP.
    Die Grünen werden nach Tschernobyl die 5%-Hürde sicher schaffen.
    Bei der FDP ist dies noch ungewiss.
    Nicht umsonst hatte Parteivorsitzender Bangemann vor drei Wochen das niedersächsische 1x1 erfunden und die Niedersachsen aufgefordert, die FDP zu wählen, wenn sie wollten, dass Albrecht auch weiterhin Ministerpräsident bleibt.
    Denn an einem Fortbestand der CDU-FDP-Mehrheit in Niedersachsen hat natürlich auch die Koalition in Bonn elementares Interesse.
    Eine Wende zur SPD in Hannover hätte weitreichende Auswirkungen auf die Regierungsarbeit.
    Mit Niedersachsen verlören die CDU-CSU-regierten Bundesländer ihre Mehrheit im Bundesrat.
    Eine SPD-Mehrheit in der Länderkammer könnte aber bestimmte Gesetze blockieren und damit die christlich-liberale Koalition in Bonn in ziemliche Schwierigkeiten bringen.
    Nach diesem Bericht von Elisabeth Ludl bleiben wir gleich in der Bundesrepublik Deutschland.
    Zum ersten Mal besucht der chinesische Parteichef Hua Wabang Westeuropa.
    Zwei Wochen lang reist er durch Großbritannien, Deutschland, Italien und Frankreich und derzeit hält sich der 71-jährige Spitzenpolitiker aus Peking gerade bei unseren Nachbarn in der Bundesrepublik auf.
    Hu gilt nach Deng Xiaoping, dem großen alten Mann der chinesischen Politik, als einflussreichster Staatsmann des Landes.
    Der Besuch soll vor allem Chinas Interessen an engeren Wirtschaftskontakten und mehr politischer Zusammenarbeit mit Europa unterstreichen.
    Doch es geht auch um intensivere Parteikontakte mit den Kommunisten und den Sozialdemokraten in den einzelnen Ländern Westeuropas.
    Mehr über die Bedeutung der Reise des chinesischen Parteichefs im folgenden Bericht von Helmut Opletal.
    In Bonn ist Huyao Ban gleich bei zwei Politikern zu Gast.
    Und das illustriert recht gut die Doppelrolle, in der der chinesische Parteichef zwei Wochen durch Westeuropa reist.
    Der eine Gastgeber ist Willy Brandt, der Vorsitzende der westdeutschen Sozialdemokraten.
    Der andere, Helmut Kohl, im Namen der Bonner Regierung.
    In allen vier Ländern, die Hube sucht, wird er nicht nur als Regierungsoffizieller empfangen, im Rang einem Staatsoberhaupt gleichgestellt, sondern er pflegt auch Kontakte auf Parteiebene.
    In der Bundesrepublik etwa zur SPD, in Italien werden es vor allem die dortigen Kommunisten sein.
    Das enge Verhältnis, das die chinesische KP zu den deutschen Sozialdemokraten sucht, zeigt recht anschaulich das neue Selbstverständnis, das die Pekinger Genossen demonstrieren möchten.
    Obwohl man daran festhält, dass es sich bei der regierenden Einheitspartei in Peking weiterhin um eine kommunistische Partei ganz im Sinne der marxistisch-leninistischen Traditionen handelt, will man keine kommunistische Internationale mehr, so wie in der Vergangenheit und schon gar nicht eine unter der Führung Moskau.
    Chaos.
    Vielmehr möchte man sich zu einer breiten Palette sozialistischer, sozialdemokratischer und linksnationaler Parteien und Bewegungen hin öffnen und ein lockeres Bündnis pflegen, das vor allem auf Interessen von Dritte-Welt-Ländern hin ausgerichtet ist und weniger auf traditionelle ideologische Einmütigkeit.
    Der deutschen SPD ist bei diesem Öffnungsprozess eine Schlüsselrolle zugekommen, vor allem seit dem Besuch Willy Brandts in Peking vor zwei Jahren.
    Der 71 Jahre alte, körperlich kleine, aber drahtige Generalsekretär Hu Yaobang steht seit 1981 an der Spitze der chinesischen KP.
    Er ist noch ein Überlebender der alten Garde, die am Guerillakampf der 30er-Jahre teilgenommen hat, und er zählt nicht unbedingt zu den intellektuellen Technokraten, die in Peking zunehmend den Ton angeben.
    Es ist Hus erste Reise nach Westeuropa, gar nicht so leicht für einen gestandenen Mann des Parteiapparates, der mehr gelernt hat mit chinesischen Bauernfunktionären und Provinzpolitikern umzugehen, als mit der englischen Königin oder deutschen Wirtschaftsmagnaten.
    Lange Zeit sagte man Hu Jipang auch eher konventionelle Meinungen und Auffassungen nach.
    Doch es heißt, dass er nach seinen ersten Reisen in kapitalistische Länder wie Japan und Australien jetzt sogar zu einem Vorreiter der Öffnungs- und Reformpolitik geworden sei.
    Und dass es sein großes Verdienst sei, dass er den Normalisierungs- und Öffnungskurs Chinas geschickt gegen Widerstände in dem riesigen und trägen Parteiapparat durchgesetzt habe.
    Das nun geöffnete Tor Chinas wird nie wieder geschlossen werden, sagte Hu in Bonn vor führenden deutschen Wirtschaftsmanagern.
    Und die ganze bisherige Europareise steht unter dem Tenor, China als stabilen und aufrichtigen Partner für Europas Politik und Wirtschaft zu präsentieren.
    Unterstrichen wird diese Absicht noch durch Hu's wichtigsten Begleiter in der 50-köpfigen Delegation, nämlich Vizepremier Li Peng, der gute Aussichten hat, nächstes Jahr chinesischer Regierungschef zu werden.
    Nach London und Bonn hat Huya Bang jetzt noch weitere westeuropäische Hauptstädte auf dem Reiseprogramm.
    Zum Wochenende ist er Gast der Bayerischen Staatskanzlei in München und im Anschluss besucht er Rom und Paris.
    Eine Minute nach dreiviertel eins nun nochmals nach Österreich und zwar zur Wirtschaft.
    Der heimische Fremdenverkehr ist nach wie vor unsicher, ob die heurige Sommersaison besser verlaufen wird als die vorherige, in der es ja bereits zum vierten Mal hintereinander zu einem Rückgang kam.
    Im Sommer 1985 hatten sieben Bundesländer Nächtigungsrückgänge zu verzeichnen, die zu einem gesamtösterreichischen Minus von 2,6 Prozent gegenüber 1984 beitrugen.
    Die Ausnahmen Wien und in minimalem Ausmaß das Burgenland.
    Aber bei einer näheren Betrachtung der Entwicklung in den einzelnen Regionen, also bei einer Art Überblick über den Mikrokosmos des heimischen Tourismus, zeigt sich, dass die Entwicklung durchaus unterschiedlich verlief und es im allgemeinen Gejammer auch da und dort Grund zur Freude gab.
    Das hat jetzt das Institut für Raumplanung in einer Untersuchung bekräftigt, die Hans-Christian Unger für den folgenden Beitrag aufgearbeitet hat.
    Können die positiven Einzelergebnisse der Studie über den Nächtigungsverlauf in der Sommersaison 1985 heuer fortgeschrieben werden, dann dürfen sich einige jener Regionen in Österreich freuen, die eine wirtschaftliche Belebung ohnehin dringend notwendig haben.
    Denn Zunahmen hat es in erster Linie dort gegeben, wo die Arbeitslosenraten über dem Durchschnitt liegen, weil es an aufnahmefähigen Industrie- und Gewerbebetrieben fehlt und wo darüber hinaus sich auch viele Bauern nur mit Mühe und Not über Wasser halten können.
    Kurz und gut, Zuwächse gab es dort, wo viele der sogenannten entwicklungsschwachen Problemgebiete liegen.
    Und so erstreckt sich, abgesehen vom Städtetourismus, die Positivliste der Sommergewinner 1985 vom Waldviertel über das Burgenland bis in die Südoststeiermark und hinein nach Kärnten.
    Der Grund für den Zuwachs?
    Der zunehmende Trend zum Gesundheitsurlaub, der gerade in diesen Gebieten auf ein entsprechendes Angebot stößt.
    Nicht zuletzt durch die Gründung neuer Kuranstalten, wie etwa im steirischen Leupersdorf oder in Gars am Kamp.
    und nicht zuletzt auch durch kräftige Marketingbemühungen der österreichischen Fremdenverkehrswerbung.
    So konnten etwa die Bezirke Gmünd und Zweckl ihre Nächtigungszahlen im Sommer 85 gegenüber 84 um fast 12 Prozent steigern, Radkorsburg um 19 Prozent, Mattersburg um 12 Prozent und der Bezirk Fürstenfeld mit Leupersdorf als Zugpferd gar um 38 Prozent.
    nimmt man die absoluten Nächtigungszahlen her, dann ist das vielleicht im Verhältnis zu bekannten Urlaubsregionen wie Zell am See nicht gerade spektakulär, aber doch signifikant genug.
    Und auch wenn man berücksichtigt, dass in den Kurgebieten ein Großteil der Nächtigungen auf wenige große Privatheime und oft auch öffentliche Anstalten entfällt, so bleibt doch davon die Tatsache unberührt, dass auch Kurgäste Nebenausgaben tätigen, die der örtlichen Gastronomie,
    und dem örtlichen Handel zugutekommen.
    Das Fazit.
    Die Kleinen im Fremdenverkehr haben ein bisschen gewonnen, während viele Große viel verloren haben.
    Ein paar Zahlen dazu.
    Im Raum Ischgl reduzierten sich die Nächtigungen in der Sommersaison 1985 gegenüber 1984 um 35 Prozent, in der Region Salbach um 15, in Seefeld und Kirchberg in Tirol um jeweils etwa 13 und in Kitzbühel um knapp 10 Prozent.
    Die Hauptursache natürlich, das Ausbleiben der für diese Regionen wichtigsten Urlaubsgäste, nämlich der Deutschen und der Niederländer.
    Aber auffällig an der Statistik, bei den Verlierern handelt es sich fast ausschließlich um große Zweiseisonenorte, die ihren Schwerpunkt auf den Winterbetrieb gelegt haben.
    Die Frage, wie sich Touristikexperten in diesem Zusammenhang stellen,
    Inwieweit spielt bei einer solchen negativen Entwicklung eine gewisse Abneigung gegen eine technisierte Landschaft eine Rolle?
    Eine Landschaft, auf die zu einem nicht geringen Teil die Meinung des prominenten Schweizer Fremdenverkehrsfachmanns Joost Krippendorf zutrifft, dass man im Sommer eben nicht gerne dorthin fährt, wo gerade für den Winter gebaut wird.
    Und nun zu unserem Kulturbericht im Mittagschanal.
    Der weltberühmte Jazz-Klarinettist und Bandleader Benny Goodman verstarb gestern in New York an den Folgen eines Herzversagens.
    Der King of Swing, der zusammen mit Musikern wie Lionel Hampton und Gene Krupa Jazz-Geschichte gemacht hat, war 77 Jahre alt.
    Den folgenden Nachruf hat Robert Bilek gestaltet.
    Einer der großen Stilisten des Jazz, ein Superlativ an Charme, Geist und Verbindlichkeit.
    So wurde Benny Goodman charakterisiert.
    Als Klarinetist bestach er durch unübertreffliche Eleganz.
    Als Bandleader trug er wie kein anderer zur Popularisierung und Verbreitung des Jazz bei.
    Im Orchester Benny Goodman flossen die verschiedensten Ströme zusammen, schrieb der Jazzkritiker Joachim Ernst Behrendt.
    Die New Orleans Tradition Fletcher Hendersons, die er für Goodman arrangierte, die Rifftechnik aus Kansas City und die weiße Präzision und Geschuldheit, über die dieser Jazz zwar viel von seiner Expressivität verlor, andererseits aber singbare, der sauberen Intonationsweise der europäischen Musik entsprechende Form gewann, sodass er einem Massenpublikum verkauft werden konnte.
    Gottman gründete 1934 seine erste Big Band.
    Bereits 1935 wurde diese Band zur Besten des Jahres gewählt und 1938 erlebte der King of Swing den Höhepunkt seines Erfolges anlässlich des New Yorker Carnegie Hall Concerts.
    Mit diesem Einbruch des Jazz in eine Hochburg der klassischen Musik hatte Gottman den Jazz salonfähig gemacht.
    Konrad Zobel fragte Gottman anlässlich eines Wien Auftritts vor einigen Jahren, ob er damals Angst gehabt hätte.
    Ich hatte keineswegs Angst, ich hielt es eher für lächerlich, Jazz in der Carnegie Hall zu spielen.
    Ich wollte sogar die berühmte Schauspielerin Bee Lilly zur Pausenunterhaltung engagieren.
    Glücklicherweise sagte sie ab.
    Sie hat recht gehabt.
    Das Konzert war ein solcher Erfolg, dass ich nicht einmal für meine Eltern Karten bekam.
    Während Goodman in den USA Riesenerfolge feierte, versuchten ihn die Kulturfunktionäre des Hitler-Regimes als Swing-Juden, Rattenfänger und Kinderverführer zu diffamieren und erweckten damit erst recht großes Interesse für den Swing-König.
    Diese, wohl auch politische Bedeutung, wird in den USA noch durch eine andere übertroffen.
    Denn Goodman war der erste weiße Bandleader, der mit Fletcher Henderson nicht nur einen schwarzen Orangeur engagierte, sondern auch schwarze Musiker in seine Band aufnahm und damit die Rassenschranke im Musikgeschäft durchbrach.
    Die bekanntesten dieser schwarzen Instrumentalisten waren zweifellos der Pianist Teddy Wilson und der Vibraphonist Lionel Hampton, die vor allem auch in Goodmans legendären Kombo-Besetzungen mitwirkten.
    Im Sextet Benny Goodmans gelang es Charlie Christian schließlich auch die elektrisch verstärkte Gitarre durchzusetzen.
    Goodman selbst nahm mit seiner Spielweise auf der Grundlage des Swing vieles von späteren Jazzentwicklungen vorweg.
    1955 wurde seine Lebensgeschichte unter dem Titel The Benny Goodman Story verfilmt und Frank Sinatra bezeichnete ihn erst kürzlich als den perfektesten Musiker, den er je gehört hätte.
    1962 besuchte Benny Goodman als erster amerikanischer Orchesterchef die UdSSR, wo er vom sowjetischen Publikum und dem damaligen Parteichef Nikita Khrushchev begeistert empfangen wurde.
    Goodman war aber nicht nur Mittler zwischen Ost und West, sondern auch zwischen dem Jazz und der klassischen Musik.
    Er trat gemeinsam mit Béla Bartók und Paul Hindemith auf.
    Bartók und Igor Stravinsky schrieben Stücke für ihn.
    Berühmt wurde auch Goodmans Interpretation von Mozarts Klarinettenkonzert.
    Und auf die Frage, ob er lieber Jazz oder Klassik spiele, meinte Goodman.
    Das kommt ganz darauf an.
    Jede Art von Musik sollte ein Ereignis sein.
    Egal ob man Mozart spielt oder Honeysuckle Rose.
    ... Musik ... ... Musik ...
    Das war's.
    Auch das war Benny Goodman als Solist im Klarinettenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart.
    Den Nachruf auf den gestern verstorbenen Jazzmusiker hat Robert Billig gestaltet und wir schließen dreieinhalb Minuten vor 13 Uhr das Journal mit Kurzmeldungen.
    Österreich.
    Der künftige Bundeskanzler Franz Franitzki hat heute erklärt, er wolle sich als neuer Regierungschef nicht nur durch einen Fassadenwechsel vom amtierenden Bundeskanzler Fritz Inowatz unterscheiden.
    In der Reihe im Journal zu Gast sagte Franitzki, er wolle Österreich stärker als bisher an das Ausland anbinden.
    Viele Österreicher glaubten noch immer der Nabel der Welt zu sein.
    Diese provinzielle Einstellung müsse überwunden werden.
    Zur aktuellen Kraftwerksdiskussion betonte Franitzki, er sei überzeugt, dass die Donau auch östlich von Wien weiter ausgebaut werden müsse.
    Die jüngste Regierungsumbildung ist heute beim Landestag des Tiroler Arbeiter- und Angestelltenbundes der ÖVP in Innsbruck besonders scharf kritisiert worden.
    Landeshauptmann Wallnöfer meinte, in Wien herrsche ein Durcheinander, als ob man mit einer Schrotflinte in einen Hennenhaufen geschossen hätte.
    ÖAAB-Obmann Kohlmeier sagte wörtlich, rote Gurus würden nun durch Proleten im Nadelstreif ersetzt, die ein saloppes Auftreten hätten, aber noch nie etwas über Ideale gesagt hätten.
    Auf diese Äußerungen Kohl-Meyers hat die junge ÖVP Tirols äußerst heftig reagiert.
    Die junge Volkspartei protestierte schärfstens gegen eine solche Art der politischen Auseinandersetzung und forderte die Tiroler ÖVP auf, alles zu unternehmen, um Kohl-Meyer in Hinkunft von politischen Veranstaltungen in Tirol fernzuhalten.
    Sowjetunion.
    Das Präsidium des obersten Sowjets hat dem gewählten Bundespräsidenten Kurt Waldheim gratuliert.
    Ergänzend dazu betont die Nachrichtenagentur TASS, man sei überzeugt, dass sich die guten Beziehungen zwischen Österreich und der UdSSR auch künftig vertiefen würden.
    In diesem Zusammenhang würdigt die TASS die Rolle Österreichs bei den Vereinten Nationen.
    Kritik übt die sowjetische Nachrichtenagentur am neuen Verteidigungsminister Grünes.
    Ihm wirft sie vor, sich für die Aufrüstung des Bundesheeres mit Raketenwaffen ausgesprochen zu haben.
    Vereinte Nationen.
    Der Weltsicherheitsrat hat Südafrika einstimmig aufgefordert, den Ausnahmezustand sofort wieder aufzuheben.
    In der Resolution heißt es, die Regierung in Pretoria werde für jede Gewaltanwendung und für jedes Blutvergießen bei eventuellen Unruhen anlässlich des 10.
    Jahrestages des Aufstandes von Soweto voll verantwortlich gemacht.
    Zu der Erklärung des Unogremiums meinte der südafrikanische Außenminister Botha, damit würden lediglich Hass, Gewalt und Revolution geschürt.
    Das Wetter, die Aussichten für Österreich bis heute Abend.
    Teilweise sonniges Wetter.
    Am Nachmittag erneut gewittrige Strichregen.
    Nachmittagstemperaturen 16 bis 22 Grad.
    Ja, das war's wieder einmal.
    Ich verabschiede mich bis zum Sonntagschanal morgen um 17 Uhr.
    Am Mikrofon war Herbert Dobrowolny.
    Auf Wiederhören.
    Untertitel der Amara.org-Community

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Mitwirkende: Frauendorfer, Rosmarin [Sprecher/in]
    Datum: 1986.06.14 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wetterbericht
    Mitwirkende: Frauendorfer, Rosmarin [Sprecher/in]
    Datum: 1986.06.14 [Sendedatum]
    Schlagworte: Natur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Anti - Steuer - Demonstration der Motorradfahrer
    Einblendung: Peter Zich (ÖAMTC)
    Mitwirkende: Dobrovolny, Herbert [Gestaltung] , Zich, Peter [Interviewte/r]
    Datum: 1986.06.14 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik ; Politik Österreich ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Inlandspresseschau (Kabinetts - Vorstellung)
    Mitwirkende: Adrowitzer, Roland [Gestaltung]
    Datum: 1986.06.14 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Politik ; Medien und Kommunikation ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Im Journal zu Gast: Franz Vranitzky
    Interview: designierter Bundeskanzler Franz Vranitzky
    Mitwirkende: Brunner, Ulrich [Gestaltung] , Vranitzky, Franz [Interviewte/r]
    Datum: 1986.06.14 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Politik ; Gesellschaft ; Wissenschaft und Forschung ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Vorschau auf Wahlen in Niedersachsen
    Mitwirkende: Ludl, Elisabeth [Gestaltung]
    Datum: 1986.06.14 [Sendedatum]
    Ort: Bonn [Aufnahmeort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Chinesischer Parteichef auf Europa - Reise
    Mitwirkende: Opletal, Helmut [Gestaltung]
    Datum: 1986.06.14 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Analyse Sommerfremdenverkehr 1985
    Mitwirkende: Unger, Hans Christian [Gestaltung]
    Datum: 1986.06.14 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Gesellschaft ; Wissenschaft und Forschung ; Wirtschaft ; Technik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Kultur: Nachruf auf Benny Goodman
    Einblendung: Musikausschnitte (Benny Goodman), Benny Goodman
    Mitwirkende: Bilek, Robert [Gestaltung] , Goodman, Benny [Interviewte/r]
    Datum: 1986.06.14 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Kultur ; Musik ; E-Musik ; Musik ; U-Musik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten

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    Titel Mittagsjournal 1986.06.14
    Spieldauer 00:59:47
    Mitwirkende Dobrovolny, Herbert [Moderation]
    Oberhofer, Ilse [Regie]
    ORF [Produzent]
    Datum 1986.06.14 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ audio
    Format TKA [Tonband auf Kern (AEG)]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-860614_k02
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    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt