Mittagsjournal 1986.12.23

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    Rechtliches

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    KI-generiertes Transkript

    Die Zeit in fünf Sekunden ist es zwölf Uhr.
    Zwölf Uhr.
    Hier ist der österreichische Rundfunk.
    Eine angenehme Mittagsstunde, meine Damen und Herren.
    Herbert Dobrowolny begrüßt Sie zum letzten Mittagsschanal vor dem Heiligen Abend.
    Für die kommenden 60 Minuten haben wir Beiträge zu folgenden Schlagzeilen vorbereitet.
    Interview mit dem aus seiner Verbandung zurückgekehrten André Sacharow, Gespräch mit Zdeněk Mlinář über die Dissidentenszene und die Bedeutung der Freilassung Sacharows, Frankreich im Zeichen des Streiks bei den öffentlichen Verkehrsmitteln und Zwischenbericht über den Prozess gegen den ehemaligen Kaiser Zentralafrikas Bokassa.
    Aus Österreich informieren wir Sie über all jene Neuerungen, die mit Jahresbeginn in Kraft treten, über eine Pressekonferenz von Wiensbürgermeister Helmut Zilk – er will die Liste der Gratis-Flieger in der Flughafenticket-Affäre bekannt geben – und wir erbringen ein Gespräch mit einem Pensionsreifen.
    Menschen, Günther Nenning ist heute 65.
    Die Kulturredaktion berichtet über den Film »Frohes Fest«, der in den heimischen Kinos anläuft.
    Und nach den Meldungen, die von Edgar Theider redigiert wurden, sprechen wir noch mit der Hohen Warte über das voraussichtliche Wetter zu den Feiertagen.
    Nun spricht aber Josef Ensl Nattek die Nachrichten.
    Sowjetunion.
    Der Bürgerrechtskämpfer und Nobelpreisträger Andrei Sakharov und seine Frau Jelena Bonner sind heute aus ihrem Verbannungsort Gorki nach Moskau zurückgekehrt.
    Das Ehepaar wurde auf dem Jaroslavski-Bahnhof von hunderten Journalisten und Freunden empfangen.
    Sakharov dankte allen, die sich für ihn eingesetzt haben.
    Er kündigte an, er werde sich auch in Zukunft zu Fragen des öffentlichen Lebens äußern.
    Sakharov forderte die Freilassung aller politischen Gefangenen in der Sowjetunion
    und verlangte entscheidende Maßnahmen, um die, wie er sagte, Tragödie in Afghanistan zu beenden.
    Der Atomphysiker will sich nach seiner Erholungspause wieder seiner Tätigkeit an der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften widmen.
    Österreich FPÖ-Chef Haider hat heute den Großparteien vorgeworfen, das Sozialversicherungswesen auf Kosten der Bürger sanieren zu wollen.
    Wörtlich sprach Haider von einem bevorstehenden Anschlag auf die Börsen der Österreicher.
    SPÖ und ÖVP wollten die Sozialversicherungsbeiträge erhöhen, anstatt das System grundlegend zu reformieren.
    Der ÖVP lastet Heider an, sich zusehends als Umfallerpartei zu profilieren.
    Der stellvertretende Obmann der Freiheitlichen, Justizminister Hofner, kritisierte, die Koalitionsverhandlungen der Großparteien finden wie zu Zeiten Metternichs hinter verschlossenen Polstertüren statt.
    Diese Vorgangsweise habe in der Ära des mündigen Bürgers nichts verloren.
    Hofner charakterisiert die Unterhändler von SPÖ und ÖVP als Männer, die offenbar das Gedächtnis verloren haben, weil sie das Versprechen einer wirksamen Steuersenkung vergessen hätten.
    Der in Untersuchungshaft befindliche ehemalige Geschäftsführer der Föst-Tochterfirma Intertrading, Gernot Precherne, will nach Angaben seines Anwalts keine Informationen über die Geschäfte der lichtensteinischen Firma Legmas preisgeben.
    Der Rechtsanwalt des Ex-Managers teilte heute mit, sein Mandant schweige nicht, weil geheime Provisionszahlungen erhalten haben, sondern vielmehr, um auf die Geschäftspartner der Firma Legmas Rücksicht zu nehmen.
    Pechern habe ihnen zugesagt, überlaufende Projekte keine Details zu veröffentlichen.
    Ausdrücklich weist der Verteidiger Pecherns darauf hin, dass es keinerlei Beweise für Provisionszahlungen gebe.
    Autofahren ist deutlich billiger geworden.
    Nach minus 2,4 Prozent im September und minus 1,7 Prozent im Oktober ist der Autokostenindex für November um 2,2 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres gesunken.
    Normal- und Superbenzin verbilligten sich gegenüber November 1985 um mehr als 23 Prozent, beziehungsweise um mehr als 20 Prozent.
    Auch bei den Reifenkosten gab es einen Preisrückgang um nahezu 3 Prozent.
    Deutlich gestiegen sind allerdings die Teilkaskoprämien mit mehr als 20 Prozent, die Haftpflichtversicherungsprämien mit mehr als 8 Prozent und die Preise für Parkgaragen um 8 Prozent.
    China.
    In der Hafenstadt Shanghai haben sich ungeachtet eines Versammlungsverbotes auch heute wieder zahlreiche Studenten zu einem Protestzug für mehr Bürgerrechte zusammengeschlossen.
    Die Demonstranten zogen mit Spruchbändern für mehr Demokratie und Pressefreiheit vom Universitätsgelände zum Rathaus.
    Die Kundgebung wurde von Polizisten begleitet, die offenbar aber nicht eingriffen.
    Gestern hatten die Behörden vor weiteren Störungen der öffentlichen Ordnung gewarnt.
    In Shanghai haben seit vergangenem Freitag mehrere 10.000 Studenten für Bürgerrechte demonstriert.
    Frankreich Die Streiks im öffentlichen Verkehr in Frankreich werden möglicherweise auch während der Weihnachtsfeiertage andauern.
    Heute früh sind Lohnverhandlungen zwischen den Gewerkschaften und der staatlichen Eisenbahnergesellschaft ergebnislos abgebrochen worden.
    Die Gewerkschaften verlangen Lohnerhöhungen und wollen auch Fragen der Arbeitsbedingungen und der Aufstiegsmöglichkeiten klären.
    Der zuständige Staatssekretär sagte gegenüber, die Regierung könne durch übersteigerte Forderungen der Eisenbahner-Gewerkschaften ihr Sparprogramm nicht in Gefahr bringen.
    Die Streiks haben in Frankreich bereits in den vergangenen fünf Tagen zu schweren Behinderungen im Eisenbahnverkehr und im öffentlichen Verkehr in Paris geführt.
    Auch Schifffahrtslinien werden bestreikt, sodass die Mittelmeerinsel Korsika zurzeit vom Festland abgeschnitten ist.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Der Terrorist Helmut Pohl ist heute vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
    Pohl wurde des versuchten gemeinschaftlichen Mordes an 17 Menschen für schuldig befunden.
    Er und Stefan Frey gelten als Urheber des Sprengstoffanschlags auf den amerikanischen Militärstützpunkt Ramstein-Pfalz, bei dem 1981 17 Menschen verletzt worden sind.
    Stefan Frei wurde zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt.
    Während des Verfahrens bekannten sich Pol und Frei ausdrücklich zur Terrororganisation Rote Armee Fraktion.
    Argentinien, Uruguay.
    Der argentinische Senat hat ein umstrittenes Gesetz gebildet, das neue Prozesse gegen Armeeangehörige wegen Menschenrechtsverletzungen während der Zeit der Militärdiktatur unterbindet.
    25 Senatoren stimmten für das Gesetz, 10 dagegen.
    Die Vorlage muss nun noch von der Abgeordnetenkammer angenommen werden.
    Demnach sollen Menschenrechtsverletzungen unter der Militärherrschaft vor 1983 ungeahndet bleiben, ausgenommen ist nur Kindesentführung.
    Gegen die Gesetzesvorlage ist es in Buenos Aires zu massiven Protestgrundgebungen gekommen.
    Auch in Uruguay wurde ein Gesetz verabschiedet, das die Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen durch Armee und Polizei in der Zeit der Militärdiktatur verhindert.
    USA
    Das Versuchsflugzeug Voyager wird heute nach einem Nonstop-Flug rund um die Erde auf dem Luftwaffenstützpunkt Edwards in Kalifornien zurück erwartet.
    Nach Angaben der Leitzentrale sind die beiden Piloten zwar übermüdet, sie fühlen sich angesichts des bevorstehenden Weltrekordes jedoch in Hochstimmung.
    Die Treibstoffvorräte von Voyager sind ausreichend, um mit Maschinenkraft in Kalifornien zu landen.
    Während des Fluges kam es mehrmals zu Pannen, die aber von den Piloten behoben werden konnten.
    Soweit also der Nachrichtenüberblick im Mittagsjournal.
    Es ist jetzt 12.08 Uhr und die Frage an Walter Sobiczka von der Hohen Warte.
    Wie wird es denn zu den Weihnachtsfeiertagen?
    Grüß Gott.
    Ja, wir werden heuer in ganz Österreich weiße Weihnachten haben.
    Es herrscht in Österreich kaltes Winterwetter.
    Das sieht man auch an den Wettermeldungen von 12 Uhr.
    Wien, wolkig, leichter Schneefall, minus 1 Grad.
    Nordwestwien mit 20 Kilometern pro Stunde.
    Eisenstadt, wolkig, 0 Grad.
    Nordwestwien 25 Kilometer pro Stunde, Spitzen bis 60 Kilometer pro Stunde.
    St.
    Pölten, wolkig, leichter Schneefall, minus 3 Grad.
    Südwestwien 10 Kilometer pro Stunde.
    Linz stark bewölkt, Schneefegen minus 3 Grad, West 40 km pro Stunde, Salzburg stark bewölkt, Schneetreiben minus 2 Grad, Westwind 20 km pro Stunde, Innsbruck wolkig minus 3 Grad, Bregenz bedeckt, Schneefall minus 4 Grad, Südostwind 10 km pro Stunde, Graz, Heiter minus 5 Grad und Klagenfurt, Heiter minus 6 Grad.
    Auch morgen erwarte ich ähnliche Wetterverhältnisse.
    Der Süden und teilweise der Westen Österreichs etwas begünstigt, teilweise längere sonnige Abschnitte, sonst aber weiterhin veränderliche Bewölkung und örtlich etwas Schneefall.
    Die Frühtemperaturen werden morgen zwischen minus 10 und minus 3 Grad liegen.
    Im Süden können sogar Tiefstwerte bis oder Frühtemperaturen bis minus 15 Grad erreicht werden, da dort die Bewölkung fehlt.
    Und die Tageshöchsttemperaturen morgen in Österreich minus 6 bis minus 1 Grad.
    Könnten wir jetzt ein bisschen zur Aufklärung hinsofern beitragen, dass wir die Metrologensprache ein bisschen übersetzen.
    Was bedeutet denn Schneefegen?
    Schneefegen, das ist ein... Derzeit sind die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.
    Dadurch ist der Schnee locker und wird durch den Wind gehoben.
    Und dadurch ist eine Windverfrachtung des Schnees kann für Autofahrer sehr unangenehm sein.
    Und ich kann mir auch vorstellen, dass das relativ gefährlich in Gebirgslagen ist, was man ja in den letzten Tagen gesehen hat, wo es zu tragischen Lawinenunglücken kam.
    Ja, das ist richtig.
    Auch der Lawinenwarndienst weist weiterhin darauf hin, dass es doch zu starken Schneeverfrachtungen aufgrund der stärkeren Winde in den letzten Tagen gekommen ist.
    Also vor allem im Nord- und Zentralalpenbereich ist die Schneebrettgefahr erheblich.
    Also bei Hochgebirgstouren sollte man da sehr vorsichtig sein oder diese meiden.
    Herr Dr. Sowitschka, ich glaube das wäre es.
    Herzlichen Dank und auf Wiederhören.
    Wiederhören.
    Zwölf und elf Minuten.
    Andrei Sakharov ist also wieder in Moskau.
    Er kehrte heute nach fast sieben Jahren Verwandlung aus der für Ausländer gesperrten Stadt Gorki in die Sowjetmetropole zurück.
    Die Ankunft Sakharovs und seiner Frau Jelena Bonner um sieben Uhr Moskauer Zeit, dabei also bei uns fünf Uhr früh, wurde von einem dutzenden Journalisten mitverfolgt.
    Unser Mann in Moskau, Helmut Opletal, hatte das Glück, bevor noch der große Medienrummel einsetzte, ein Interview mit dem Friedensnobelpreisträger und Regimekritiker führen zu können.
    können.
    Wie fühlen Sie sich?
    Sie sind doch zum ersten Mal seit sieben Jahren in Moskau.
    Ich bin ganz aufgeregt.
    Das alles wurde nur möglich dank der großartigen internationalen Unterstützung.
    In all den sieben Jahren haben Kollegen, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Staatsmänner und viele, viele Freunde zu mir gehalten.
    Und vor allem meine Frau ist zu mir gestanden.
    Die Unterstützung dieser Menschen hat unsere Befreiung erst ermöglicht.
    Und wie geht es Ihnen jetzt?
    Mir geht es nicht schlecht, aber meine Frau kommt in einem schlechten Zustand hier an.
    Ihre Beine schmerzen.
    Dieses Beinleiden ist die Folge einer Quetschung aus der Kriegszeit.
    Was erwarten Sie jetzt von Michael Gorbatschows Politik?
    Die Fragen der Politik habe ich noch nicht alle analysiert.
    Ich interessiere mich sehr für das, was in unserem Land jetzt vor sich geht, aber ich möchte mir erst mein eigenes Bild, meine eigene Meinung bilden.
    Herr Sakharov, wollen Sie in Moskau bleiben oder woanders hin weiterreisen?
    Ich glaube nicht, dass man mir das erlauben wird und daher stelle ich auch gar keinen Antrag.
    Und womit werden Sie sich jetzt beschäftigen?
    Ich beschäftige mich mit kosmologischen Problemen und mit der Elementarteilchen-Theorie.
    Und ich werde mich hoffentlich auch mit dem Problem der gesteuerten thermonuklearen Reaktion befassen können.
    Herr Professor, welche Pläne haben Sie für Moskau?
    Ich muss mich erst sammeln und organisieren.
    In den letzten sieben Jahren hatten ich und meine Frau praktisch keine Möglichkeit, mit anderen Menschen zu sprechen.
    Einmal kam ein Freund, ein Studienkollege zu mir, und ich durfte mit ihm auf der Straße sprechen.
    Das war schon ein Wunder, dass ich ihn auf der Straße sprechen konnte.
    Im Großen und Ganzen waren wir völlig von den Menschen isoliert.
    Und man sagt, Herr Gorbatschow hat Sie angerufen.
    Ja, am 15.
    Dezember, am Abend, wurde unerwartet ein Telefon installiert.
    Da haben wir sogar zuerst etwas Angst bekommen.
    Aber am 16. um 3 Uhr hat mich Michael Sergejewitsch Gorbatschow angerufen, um mir zu sagen, dass ein Beschluss zu meiner Befreiung gefasst worden ist, dass ich nach Moskau zurückkehren darf und dass auf Bonn,
    zurückkommen kann.
    Bonaire, hat er gesagt, er hat den Namen meiner Frau falsch ausgesprochen.
    Ich habe ihm geantwortet, dass ich dankbar für diesen Beschluss bin, dass aber meine Gefühle sehr verwollen sind, weil das mit dieser riesigen Tragödie, mit dem Tod von Anatoly Marchenko zusammengefallen ist.
    Er war ein hervorragender Mensch, ein Held des Kampfes für Menschenrechte.
    Und ich habe Gorbatschow in meinem Brief vom 19.
    Februar daran erinnert, wo ich ihn aufgefordert habe, alle Gewissensgefangenen freizulassen.
    Die Menschen, die allein für ihre Ansichten leiden und die selbst keine Gewalt angewandt haben.
    Jetzt, nach Malchenkos Tod, sind meine Gefühle sehr angespannt und voller Trauer.
    Denn wer ist der Nächste?
    Wer wird als nächster sterben?
    Das darf in unserem Land nicht passieren, dass es Gewissensgefangene gibt, Menschen, die für ihre Ansichten leiden müssen.
    Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, mich so sehr einzusetzen, wie ich kann, damit dies alles einmal aufhört.
    Welche Gefühle haben Sie jetzt, wieder in Moskau zu sein?
    Ich freue mich sehr, dass ich wieder in Moskau bin.
    Ich bin den Lärm hier nicht mehr gewohnt.
    Ich bin die Menschen nicht mehr gewohnt.
    Für mich ist eine solche große Menschenmasse schwer zu ertragen.
    Und sie erzeugt in mir ein Stressgefühl.
    Der in diesem Interview angesprochene Dissident Marchenko ist ja vergangene Woche in Lagerhaft verstorben.
    Nun, Sakharov verabschiedete sich nach diesem Gespräch ziemlich schnell von den internationalen Journalisten, die ihn auf dem Bahnhof erwartet hatten, und seine Frau Jelena Bonner meinte, Sakharov werde sich in den nächsten Tagen ein wenig zurückziehen, um sich mit der neuen Situation in Moskau vertraut zu machen.
    Wie sich der Empfang am Bahnhof abspielte, das hören Sie im folgenden Bericht von Helmut Opletal.
    hat man nicht gewusst, ob André Sacharow wirklich in dem angekündigten Zug aus Gorky kommen würde.
    Trotzdem hatten sich in der klirrenden Morgenkälte um 7 Uhr Moskauer Zeit, das ist hier noch mehr als eine Stunde vor Sonnenaufgang, an die 200 Auslandskorrespondenten und Freunde Sacharows auf dem Moskauer Jaroslawski-Bahnhof versammelt.
    Als der Zug dann einfuhr, drängten sich die Journalisten an den Waggons vorbei nach vorne.
    So etwas hätten sie noch nie erlebt, sagten alteingesessene Korrespondenten in Moskau.
    Polizei war übrigens nicht zu sehen.
    Auch die bei solchen Anlässen üblichen Sicherheitsbeamten im Zivil fielen diesmal nicht ins Auge.
    Und auch das sonst übliche Fotografier- und Filmverbot auf Bahnhöfen wurde nicht beachtet.
    Es war ein übermüdeter, aber sichtlich freudiger und wiederauflebender André Sacharow, der schließlich dem Waggon Nummer 13 entstieg.
    Voran seine Frau Jelena Bonner, die nur kurz angebunden war.
    Nicht ich, sondern mein Mann André Dimitrovic ist gekommen.
    Lassen Sie mich jetzt in Freiheit, sagte sie.
    Und dann entschwand sie den Journalisten.
    André Sacharow wurde noch am Bahnsteig von einer dichten Traube von Reportern, Fotografen und Fernsehkameraleuten umringt.
    Guten Tag, ich bin ganz geblendet, waren seine ersten Worte.
    Und dann bedankte er sich für die internationale Unterstützung, ohne die seine Freilassung nicht möglich geworden wäre.
    Es dauerte dann fast eine halbe Stunde, bis Sacharow den Bahnhofsvorplatz erreichte.
    So sehr wurde er von den Freunden und Journalisten bedrängt.
    Und es kam auch zu einigen gefährlichen Drängeleien auf dem schneebedeckten Bahnsteig.
    Die meisten sowjetischen Reisenden, die gerade auf dem Bahnhof waren, wussten nicht so ganz genau, um wen es so viel Aufregung gab.
    Aber einige drängten sich dann auch neugierig nach vorne, als sie erfuhren, dass es André Sacharow war.
    Kein Offizieller war übrigens zur Begrüßung auf den Bahnhof gekommen.
    Freunde holten das Ehepaar Sacharow mit einem kleinen Auto ab und brachten die beiden schließlich in ihre alte Wohnung am Moskauer Innenring.
    Jene Wohnung übrigens, die vor 1980 als Treffpunkt für Freunde und Journalisten gedient hatte und als Umschlagplatz von Informationen über die sowjetische Bürgerrechtsbewegung.
    Jelena Bonner bat dann, die Journalisten nicht in die Wohnung zu drängen.
    Die Sacharows bräuchten Ruhe nach der anstrengenden Nacht und sie würden heute nicht mehr zu den Journalisten sprechen.
    Dann schloss sich die Tür.
    André Sacharow hatte auch gesagt, dass er noch heute in die Akademie der Wissenschaften fahren möchte, um sich an seiner Arbeitsstelle zurückzumelden.
    Wie es jetzt weitergeht, wird man in den nächsten Tagen sehen.
    Der erste Eindruck ist, dass die Moskauer Führung Andrei Sakharow wie einen ganz gewöhnlichen Privatmann behandeln möchte, ohne Privilegien, aber auch ohne besondere Einschränkungen.
    Ob sie das auch dann durchhalten kann, wenn sich Sakharow wieder engagiert, so wie er angekündigt hat, für seine weiterhin inhaftierten Freunde und Gesinnungsgenossen einsetzt,
    Das wird man in den nächsten Wochen und Monaten sehen.
    Und das wäre dann auch tatsächlich eine andere Politik der Sowjetführung als bisher.
    Was kann nun diese spektakuläre Freilassung André Sacharows aus der Verbandung und seine volle Rehabilitierung durch den sowjetischen Generalsekretär höchstpersönlich für die Sowjetunion bedeuten?
    Raimund Löw befragte dazu Zdeněk Mlinař, den ehemaligen tschechoslowakischen ZK-Sekretär aus der Zeit des Prager Frühlings, der heute als Politikwissenschaftler in Wien lebt.
    Mlinarš hat erst vor kurzem in der italienischen KP-Zeitschrift Rinascita einen Artikel zur Notwendigkeit der Demokratisierung des Sowjetsystems geschrieben.
    In einer Moskauer Parteizeitschrift war ihm daraufhin eher wohlwollend geantwortet worden.
    Wie sieht Steneg Mlinarš die Bedeutung der Person Andrei Sakharovs für die sowjetische Öffentlichkeit?
    In der Sowjetunion ist Sakharov sicher ein Symbol von einer Fähigkeit, sozusagen kritisch zu denken.
    Und man muss verstehen, dass er nicht immer sozusagen ein Dissident war.
    Am Anfang war er einer von denen, die mit der Regierung engste Zusammenarbeiter gepflegt haben als Akademiemitglied.
    Und er hat sich zum Beispiel vor dem Jahr 1963 eingesetzt für Verbot der Atomversuche in der Atmosphäre.
    Und dann langsam, von dem Jahre 1966 ungefähr, also nach dem Sturzhof-Schock, wurde er immer aus der offiziellen Struktur herausgedrängt, weil er kritisch nachgedacht hatte und weil er zum Beispiel 1968 hat er verfasst ein Essay oder eine Studie über die Zusammenhänge zwischen Entspannung, Progress,
    Und Freiheit und Freiheit des Denkens vor allem.
    Und das hat er nicht nur für Russland gemeint, sondern als Weltprobleme, also sozusagen Problematik, die die heutige Menschheit betrifft.
    Und darauf wurde dann immer mehr repressiv reagiert.
    bis er sozusagen im Jahre 80 in Gorki in eine Verbannung geschickt wurde.
    Und was jetzt geschah, das ist für die sowjetische Innenpolitik soweit wichtig, meiner Meinung nach, dass das bedeutet, ja, es ist nicht mehr strafbar, kritisch zu denken.
    Und ich glaube, das braucht auch die Gorbatschow-Führung, weil wir sehen heute in der Sowjetunion haben wir eine Lage von oben, sozusagen gibt es Bemühungen, was zu ändern.
    Es gibt Aufrufe, die Denkweise zu ändern und so weiter, aber von unten, insbesondere von der Seite der Intellektuellen, das ist nicht die Initiative, die wir nach dem Stalin-Tode erlebt haben.
    Und das hängt auch damit zusammen, dass die kritisch Denkenden unterdrückt wurden, dass sie während der Brezhnev-Ära sozusagen kriminalisiert wurden.
    Und das ist meiner Meinung nach ein Signal heute, so geht es nicht weiter und in diesem Sinne ist eine wichtige innenpolitische Änderung in der Sowjetunion.
    Herr Dr. Mlinasch, wie würden Sie die Interpretation dieser Entscheidung gewichten?
    Wie groß ist der Anteil dessen, dass es sich um den Anfang einer neuen Menschenrechtspolitik handeln könnte?
    Wie groß ist der Anteil dessen, dass es sich um eine Propaganda-Geste handelt?
    Etwa Amnesty International hat heute eine Aussendung gemacht, wonach es 600 bekannte politische Gefangene in der Sowjetunion gibt.
    In Wirklichkeit sind es natürlich viel mehr, deren Situation sich nicht entscheidend geändert hat in den letzten Monaten.
    Ja, sicher bedeutet das nicht eine Änderung der Lage der kritischen und oppositionellen Kräfte in der Sowjetunion überhaupt.
    Aber es ist auch nicht bloße Propaganda.
    Meiner Meinung nach, was die Menschenrechte betrifft, also die Dissidentenproblematik, das ist nur ein Teil der Menschenrechtsproblematik in der Sowjetunion.
    Es geht um viel mehr.
    Und da muss man doch abwarten, was
    dass man alles damit verbunden darf, weil zu viel Optimismus haben wir schon mehrmals erlebt.
    Aber in jedem Fall bin ich auch dagegen, das zu minimalisieren und nur zu behaupten, dass eine Propaganda nur für Ausländer bestimmt ist.
    Diese Entscheidung war mit sehr großem persönlichen Engagement Gorbatschows verbunden.
    Kann das dem Generalsekretär nicht auch gefährlich werden?
    Man kann sich vorstellen, dass etwa der KGB-Chef es nicht sehr gerne sieht, wenn jetzt sozusagen ein Oppositionsführer in die Hauptstadt zurückgeholt wird.
    Ich glaube, das war keine persönliche Entscheidung von Gorbatschow.
    Da musste sich schon das Politbüro einigen.
    Und ich glaube auch nicht, dass die Widersprüche so einfach aussehen.
    Also KGB als Ganzes hat eine andere Meinung als Parteiapparat.
    Es gibt eine Grenze innerhalb der Machtapparate und ich kann mir vorstellen, dass gewisse Leute im KGB dagegen sind, aber nicht nur im KGB, sondern auch im Parteiapparat, im Staatsapparat usw.
    Aber es sind einige, die dafür sind, auch im KGB.
    Also ein Kampf existiert sicher, aber nicht in dem Sinne eine Institution gegen die andere, sondern die Grenze geht innerhalb der Institutionen.
    Halten Sie die Position von Gorbatschow für so gefestigt, dass er einen solchen neuen Kurs auch wirklich durchsetzen kann?
    Naja, ich glaube, das gehört also zu vielen Änderungen, die er schon durchgesetzt hat und durchsetzen versucht und das ist also nur ein Bestandteil seiner Politik.
    Soweit das Gespräch mit Zdenek Mlinasz.
    Es ist jetzt 12.25 Uhr und nach diesem Interview mit einem Dissidenten und zu einer der umstrittensten Persönlichkeiten in der heimischen Medien- und Polizszene, die ist seit heute pensionsreif.
    Günter Nenning ist 65.
    Vom Rot-Grünen zum ausschließlich Grünen gewandelter Publizist, Bundesheergegner, Auhirisch, Parteirebell und von Bruno Kreisky sogar als Wurschtl bezeichnet,
    sorgte er in der SPÖ, im österreichischen Gewerkschaftsbund und schließlich auch bei den Grünen stets für Aufsehen und Unruhe.
    In den 50er Jahren war er stellvertretender Chefredakteur der sozialistischen Tageszeitung Neue Zeit in Graz.
    Seit 1958 war Nenning redaktioneller Leiter der Kulturzeitschrift Forum.
    25 Jahre lang war Nenning Chef der Journalistengewerkschaft, ehe er im Vorjahr wegen gewerkschaftsschädigenden Verhaltens aus dem ÖGB ausgeschlossen wurde.
    Wenige Monate davor hatte die SPÖ Nenning vor die Tür gesetzt.
    Bei den Fraktionskämpfen innerhalb der Grünen spielte der Jubilar in den vergangenen Monaten eine eher undurchsichtige Rolle.
    Den Sprung ins Parlament hat Nenning jedenfalls auch im Pensionsalter nicht mehr geschafft.
    Ernest Hauer führte mit Günter Nenning das folgende Gespräch.
    Günther Nenning, 65, nicht mehr in der SPÖ, nicht mehr im ÖGB und bei den Grünen geht es Ihnen auch nicht recht gut.
    Wie fühlt man sich da zu so einem Geburtstag?
    Ja, frei, frei, frei über den Wolken.
    Ich blicke herunter und liebe alle.
    Sie haben doch versucht, eine Rolle zu spielen bei der Einigung der Grünen, um zum letzten aktuellen politischen Engagement zu kommen.
    Die Einigung ist nach Heulen und Zähneknirschen gelungen, aber Günther Nenning scheint dabei übrig geblieben zu sein.
    Ja, für mich ist der Satz, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, kein negativer Satz.
    Das wäre ja Rassismus.
    Für die Neger muss man sein.
    Mohr waren Sie in verschiedenen Bewegungen.
    Wenn man zurückdenkt an den berühmten Wurstl von Bruno Kreisgieser, haben Sie fast überall, wo Sie sich engagiert haben, mehr Tadel, mehr Beschimpfungen geerntet als Lob.
    Wie steht man diesen Leuten, die dafür verantwortlich sind, gegenüber?
    Ja, man seift's tief, man soll auch seine Kränkung, Enttäuschung, Wut nicht zurückhalten, so ein therapeutischer Ratschlag.
    Und dann ist es aber draußen, und es klingt komisch, aber dann mag man sich irgendwie wieder.
    Weil vom Wurstl die Rede war, wer hat den Greisky und mich damals wieder zusammengebracht?
    Ein gewisser Heinz Kinzl, der den Anton Penier angerufen hat, gesagt hat, bringt die zwei Depperten zusammen, und so geschah es.
    Es ist nicht alles negativ.
    Wenn der Zorn weg ist, kommt das Positive wieder raus.
    Der Zorn ist weg.
    Hört sich nach einem Rückblick nach dem Motto Liebe in der Politik an.
    Kann man das mit dem kämpferischen Engagement, für das Sie ja doch bekannt sind, vereinbaren?
    Mir geht's da ein bisserl wie mit den Frauen oder den Mädchen.
    Ich bin liebenswürdig, ich arbeite wie ein Irrer sozusagen.
    Und dann gibt's einen letzten Augenblick, wo man ein bisserl brutal sein muss, um ans Ziel zu kommen.
    Und da bin ich dann eine Softe.
    Nachdem ich das alles getan hab, denk ich mir, na ja, warum eigentlich?
    Vielleicht ist ein bisschen Selbstdarstellung dabei gewesen, aber man hat den Eindruck, rückblickend, Günther Nenning war der erste 68er, der erste Pazifist, der erste Grüne, der erste Feminist.
    Immer auf der Welle des Zeitgeists.
    Ja, danke für das Gespräch.
    Das ist wunderbar.
    So seh ich's auch.
    Und was wird die nächste zeitgeistige Vorreiterrolle des Günther Nennings sein?
    Es gibt immer einen Zauber des Anfangs.
    Jetzt möchte ich gern wieder schreiben, schreiben, schreiben.
    Mein wirklicher Test, ob ich beschädigt wurde durch das alles, war, kannst du noch schreiben.
    Ich kann und bin auch insofern glücklich.
    Was wird's als nächstes?
    Naja, es gibt einen Buchvertrag mit Hoffmann und Kampl.
    Kommt zurück, lieber Gott.
    Eine Theologie eines Laien.
    Leihenteologie als nächste Zeitgeistwelle?
    Ja, aber andersrum.
    Die haben erst gemeint, da ist ein alter Progressiver, der wird was schreiben über die Theologie der Revolution an Schmarn.
    Ich schreib drüber, gibt's Engel oder nicht, gibt's den Teufel, über des Teufels Großmutter hab ich schon eine sehr, wie soll man sagen, interessante Theorie entwickelt.
    Ich bin jetzt ganz woanders als
    Im Progressiven, vielleicht so, ich war irrsinnig progressiv, gell?
    Und im Alter, behauptet man, wird man immer ein Stückchen konservativ bis reaktionär.
    Jetzt bin ich vielleicht vom Progressiven vorwärts schreitend genau in der richtigen, ausgeglichenen Gegend.
    Da bleib ich jetzt noch eine Zeit lang.
    Und wenn es die früheren Kampfgefährten aus verschiedensten Bereichen nicht verstehen, kann man nichts machen?
    Ich glaube, teils verstehen sie es.
    Es ist auch eine Intelligenz- und Herzensprobe, ob sie es verstehen.
    Die Richtigen bleiben übrig als Freundinnen und Freunde.
    Danke für das Gespräch.
    Dr. Dr. Günther Günther, wie er auch gerne genannt wird, Nenning ist 65 und ist jetzt des Teufels Großmutter auf der Spur.
    Das Gespräch mit ihm führte Ernest Hauer.
    Es ist jetzt 12.30 Uhr, halb eins, kurz die Schlagzeilen der Beiträge, die Sie bis 13 Uhr hören können.
    Aus dem Ausland der Prozess gegen den zentralafrikanischen Ex-Kaiser Bokassa geht weiter.
    Aus dem Inland dann gesetzliche Änderungen, die zum Jahreswechsel in Österreich in Kraft treten.
    Wiens Bürgermeister Helmut Zilk nennt die Freiflüge Nehmerliste.
    Diese Pressekonferenz ist noch im Gang.
    Und kulturerster Film von George Tabori, Frohes Fest, läuft als Weihnachtsfilm in den österreichischen Kinos an.
    Vor all dem aber noch ein Hinweis auf unser Journal Panorama heute Abend.
    Journal Panorama.
    Ihr habt die Hand gefordert, bekommen aber habt ihr den ganzen Arm.
    So wird in Frankreich der Erfolg der Protestbewegung von Schülern und Studenten kommentiert, die Premierminister Jacques Chirac zwangen, eine umstrittene Universitätsreform zurückzunehmen.
    Vorausgegangen waren dreiwöchige Demonstrationen mit bis zu einer Million Teilnehmern.
    Eine Protestbewegung, wie sie Frankreich seit den Mai-Tagen von 1968 nicht mehr gesehen hatte.
    Mit der Studentenbewegung der 60er-Jahre verbindet die Demonstranten von heute allerdings nur sehr wenig.
    Es war die viel zitierte unpolitische Jugend, die nun den Aufstand geprobt hat.
    Während sich nun weitreichende politische Folgewirkungen der Protestwelle abzuzeichnen beginnen, versucht man auch, die genaueren Ursachen für den explosiven Protest zu analysieren.
    Michel Culin, Journalist und ehemaliger Direktor des französischen Kulturinstitutes in Wien, über die Unterschiede zwischen 68 und 86.
    Damals gab es den Vietnamkrieg, bzw.
    im Osten den Prager Frühling, die Fantasie an die Macht, oder es ist verboten zu verbieten, oder seien wir Realisten, verlangen wir das Unmögliche, all diese Parolen.
    hatten einen sehr starken utopischen Gehalt.
    1986 will man Veränderungen in bestimmten, klar definierten Bereichen erreichen.
    Man will die Gesellschaft nicht wechseln, sondern die Gesellschaft verändern.
    Dort, wo das Gleichheitsprinzip, das als Grundprinzip dieser Gesellschaft aufzufassen ist, verletzt wird.
    Nämlich im Schul- und Hochschulbereich, aber auch in anderen Bereichen, in den Fragen des Ausländerrechts oder des Polizeistaates.
    Eine Zusammenfassung dieses Vortrages von Michel Coulain über den Aufbruch der französischen Studenten sowie Interviews mit Teilnehmern an der Protestbewegung hören Sie heute Abend ab circa 18.30 Uhr im
    Journal Panorama.
    Wiens Bürgermeister Helmut Zilk hat heute die schon lange erwartete Liste jener Personen vorgelegt, die in den letzten drei Jahren vom Wiener Flughafen Gratistickets bekommen haben.
    Insgesamt gibt es etwa 300 Freiflüge mit einem Gesamtwert von 9 Millionen Schilling.
    Auf der heute vorgelegten Liste stehen aber nicht die Namen derjenigen, die im Auftrag des Bundes oder der Länder Wien und Niederösterreich oder des Flughafens Dienstreisen gemacht haben.
    Die heute genannten Flüge wurden als Studien- und Informationsreisen oder Werbereisen deklariert.
    Hier besteht nach einer subjektiven Beurteilung des Wiener Kontrollamtsdirektors Unkorrektheit.
    Es geht insgesamt um mehr als 100 Flugreisen im Wert von 5,8 Millionen Schilling.
    Der endgültige Bericht wird erst in etwa acht Wochen vorliegen.
    Flughafendirektor Otto Engelberger, der die Gratis-Tickets verwaltet hat, wird bis zum Ende der Untersuchungen vom Dienst freigestellt.
    Christiane Wagner vom Landesstudio Wien berichtet.
    Viele Journalisten dürften ihren Weihnachtsurlaub verschoben haben, denn der Saal für die Pressekonferenz im Wiener Rathaus war gesteckt voll.
    Man wartete gespannt auf Bürgermeister Helmut Zilk, der die versprochene Liste mit den Namen der Personen, die Gratistickets erhalten haben, mitbrachte.
    Auf dieser Liste stehen mehr als 100 Namen, die Flüge wurden zumeist als Studien- und Informationsreisen oder als Werbereisen deklariert.
    Bürgermeister Helmut Zilk?
    Was Sie bekommen von uns, meine Damen und Herren, ist kein, und ich appelliere jetzt an Ihr journalistisches Verantwortungsbewusstsein, ich habe das noch nie so eindringlich gemacht wie jetzt, ich appelliere an Ihr journalistisches Verantwortungsbewusstsein, das ist nicht der Bericht des Kontrollamtes,
    Schon gar nicht einer, der durch den Kontrollausschuss gegangen ist.
    Tatsächlich ist eine Detailüberprüfung über lange Strecken notwendig.
    Und diese Arbeit werden die zwei Kontrollämter so wie bisher weiter durchführen.
    Das wird einige Wochen in Anspruch nehmen.
    Es wird dann einen Bericht geben.
    Was sie bekommen, ist eine subjektive Beurteilung.
    des Direktors des Wiener Kontrollamtes, der hier sitzt, den ich gebeten habe, im Interesse der Öffentlichkeit, die ein Anrecht auf Information hat und einen Eindruck nicht haben darf, den ich auf keinen Fall im Zusammenhang mit meiner Person haben will, weil er meinem Stil widersprechen würde, nämlich, dass die Absicht bestehen könnte, aufgrund der gründlichen Untersuchung möglichst viel Zeit zu gewinnen und die Dinge hinauszuschieben.
    Der Wiener Kontrollamtsdirektor Satrapa hat also diese erste Liste zusammengestellt.
    Sie enthält Namen von Politikern, Journalisten, Funktionären von Interessensvertretungen bis hin zu einer Knabenfußballmannschaft.
    Für einige dieser Reisen gibt es Begründungen, die für den Kontrollamtsdirektor durchaus akzeptabel sind.
    Hinter vielen Namen steht allerdings auch der Vermerk des Kontrollamtsdirektors, dass die Ordnungsmäßigkeit infrage gestellt ist.
    Den Journalisten wurde heute nicht die Liste der Namen mit Flughafenangehörigen vorgelegt, die mit den Tickets eine Dienstreise gemacht haben.
    Selbstverständlich sind die Bereiche der privaten Flüge von Angehörigen des Flughafens, von Funktionären des Flughafens, vom Leiter des Flughafens, hier drinnen, weil das natürlich nicht Reisen sind, die im Auftrag einer Dienststelle und eines Vorgesetzten unternommen worden sind, sondern im verwandtschaftlichen Auftrag möglicherweise angetreten sind.
    Flughafendirektor Otto Engelberger hat mittlerweile 780.000 Schilling für Tickets, die er an Freunde und Verwandte weitergegeben hat, zurückgezahlt.
    Bei der Flughafen-Gratisticket-Affäre geht es insgesamt um mehr als 300 Tickets im Gegenwert von 9 Millionen Schilling.
    Bürgermeister Zilk erklärte zu Zeitungsspekulationen, wonach mehr als die Hälfte dieser Flüge unkorrekt gewesen seien.
    Und es ist aber keine Frage, und auch das möchte ich Ihnen sagen, dass man jetzt schon sagen kann, dass vom Gesamtkonvolut, nämlich der Reisen, die ja auch im Interesse des Unternehmens als angeordnete Dienstreisen durchgeführt worden sind, dass die Anzahl der offenkundig missbräuchlich oder jedenfalls in der Grauzone weitergegebenen Tickets zweifellos eine klare und eindeutige Minderheit darstellt.
    Flughafendirektor Otto Engelberger ist vor einigen Tagen nach Aufforderung von Bürgermeister Helmut Silke auf Urlaub gegangen.
    Der Vorsitzende des Wiener Kontrollausschusses, der freiheitliche Klubobmann im Rathaus, Dr. Erwin Hirnschall, hat unterdessen den Rücktritt des gesamten Flughafenvorstandes gefordert.
    Das ist neben Direktor Otto Engelberger auch der zweite Geschäftsführer Heribert Kreis.
    Und die freiheitliche Nationalratsabgeordnete Helene Patik-Pablé hat in der Vorwoche Strafanzeige gegen die beiden Geschäftsführer und auch gegen Franz Nikola als Aufsichtsratsvorsitzenden wegen Verdachts der Untreue erstattet.
    Wiens Bürgermeister Helmut Silb zur beruflichen Zukunft von Direktor Engelberger, der die Gratistickets verwaltet hat.
    Solange die Untersuchung nicht abgeschlossen ist, habe ich dem Herrn Direktor Engelberger gebeten, im Einvernehmen
    mit dem Aufsichtsrat oder das Einfahren immer mit dem Aufsichtsrat zu suchen und auf eine Dienstleistung am Flughafen
    bis zum Abschluss zu verzichten.
    Sie wissen, Herr Dr. Engelberger ist bis 15.
    Januar auf seinem Gebührenurlaub.
    Ich habe ihm in seinem Interesse gebeten, dass er aus eigener Initiative, und er hat mir das auch zugesagt, dafür sorgt, dass er von der Dienstausübung entbunden wird bis zum Abschluss der Untersuchung.
    Auf die Frage von Journalisten, ob diejenigen, die die Tickets nachweislich ungerechtfertigt erhalten haben, den Gegenwert zurückzahlen müssen, antwortete Kontrollamtsdirektor Satrapa, die Forderungen des Kontrollamts werden darauf hinauslaufen.
    Soweit mein Bericht aus dem Rathaus und damit zurück ins Funkhaus.
    Eine Frage noch, Kollegin Wagner, kann man eigentlich einige Namen nennen, die auf dieser subjektiven Liste stehen?
    Gibt es da prominente Namen, die heute mitgeteilt wurden?
    Ja, da gibt es eine Menge an Namen.
    Wir haben uns allerdings dazu entschlossen, diese Namen noch nicht zu nennen, weil eben Bürgermeister Helmut Silk extra darum gebeten hat, mit den Namen sehr vorsichtig umzugehen und deshalb war es ein Entschluss hier, die Namen noch nicht zu nennen.
    Man wird sehen, ob sich die Zeitungskollegen auch daran halten.
    Vielen Dank für diesen Bericht.
    Zwölf Uhr und neununddreißig Minuten war's soeben.
    Wenige Tage trennen uns noch von dem neuen Jahr und was es bringen wird, darüber schreiben sich in diesen Tagen vor allem die Astrologen die Finger wund.
    Ob das Vorhergesagte dann auch tatsächlich eintrifft, steht aber freilich in den vielbeschriebenen Sternen.
    Man kommt jedoch durchaus auch ohne Astrologie aus, um zu sagen, was das Jahr 1987 für die Österreicher bringt.
    Mit 1.1.87 treten nämlich zahlreiche Bestimmungen in Kraft.
    Gesetze, Gesetzesnovellen, Verordnungen.
    Viel Neues also im neuen Jahr.
    Robert Stoppocher gibt im Folgenden einen Überblick über die wesentlichsten Änderungen, die es am Neujahrstag dann geben wird.
    1987 tritt die versprochene Steuerreform in Kraft.
    Alle Steuerzahler werden davon profitieren, je nach Einkommen mehr oder weniger stark.
    Wer unter 30.000 Schilling monatlich verdient, erspart sich 280 Schilling im Monat.
    Ein Besserverdienender mindestens 113 Schilling pro Monat.
    Die Warteschlangen bei den Finanzhemdern sollen bald der Vergangenheit angehören.
    Ab 1.
    Jänner 1987 können Steuerfreibeträge bis zu zwei Jahre später geltend gemacht werden.
    Das heißt man kann seine Freibeträge für 1986 bis 31.12.1988 beantragen.
    Die Renten und Pensionen
    werden um 3,8 Prozent erhöht.
    Eine, verglichen mit den diesjährigen Lohn- und Gehaltsabschlüssen, recht deutliche Einkommensverbesserung.
    Die Ausgleichszulagen sowie die Leistungen nach dem Kriegsopferversorgungs- und dem Opferfürsorgegesetz steigen um 4,2 Prozent.
    Das höchste Arbeitslosengeld beträgt künftig 345 Schilling pro Tag, bisher 331 Schilling.
    Erhöht werden auch die Familien- und Geburtenbeihilfen.
    Ab 1.
    Jänner 1987 zahlt der Staat um 100 Schilling mehr im Monat.
    Für Kinder unter 10 Jahren beträgt die Beihilfe dann 1.200 Schilling, für ältere Kinder 1.450 Schilling.
    Gleichzeitig wird das Programm des Mutter-Kind-Passes erweitert.
    Vorgesehen sind zusätzliche Untersuchungen von Mutter und Kind.
    Außerdem gibt es am Ende des vierten Lebensjahres des Kindes eine Sonderzahlung von 2000 Schilling.
    Eine weit weniger erfreuliche Änderung im finanziellen Bereich betrifft das Sparen.
    Die am 1.
    Jänner in Kraft tretende Novelle zum Kreditwesengesetz sieht vor, dass Spareinlagen, die innerhalb von 14 Tagen nach Einzahlung wieder abgehoben werden, von den Banken nicht mehr verzienst werden.
    Die Begründung, man wolle eine vernünftige Funktionstrennung zwischen Sparbuch und Girokonto erreichen.
    Stichwort Konto, der Kontostand ist dem Kunden in Zukunft mindestens einmal vierteljährlich durch Kontoauszug bekannt zu geben.
    Beim Thema Gebühren wartet das neue Jahr mit unterschiedlichen Akzenten auf.
    Wer krank ist und Medikamente braucht, muss nach dem Neujahrstag tiefer in die Tasche greifen.
    Die Rezeptgebühr erhöht sich wieder um einen Schilling auf 23 Schilling.
    Dafür kann man ab 1987 billiger ins Ausland telefonieren.
    Günstiger wird es vor allem bei Telefonaten mit der Bundesrepublik Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern.
    Schlechte Nachricht hingegen für Kulturinteressierte.
    Die Eintrittsgebühren für die Bundesmuseen werden erhöht, meist um 5 Schilling.
    Mehr Mitbestimmung am Arbeitsplatz, auch das gibt's ab 01.01.1987.
    Eine Novelle zum Arbeitsverfassungsgesetz bringt eine Ausweitung der Mitwirkungsrechte des Betriebsrates.
    So hat der Betriebsrat etwa bei Einstellung, Kündigung und Versetzung von Arbeitnehmern mehr Informationsrecht.
    Die Arbeits- und Sozialgerichtsbarkeit wird 1987 in die ordentliche Rechtsprechung eingegliedert.
    Künftig sind für Klagen, mit denen Leistungsansprüche aus der Sozialversicherung durchgesetzt werden sollen, nicht mehr die Schiedsgerichte der Sozialversicherung zuständig, sondern die Landes- und Kreisgerichte.
    Neuregelung auch im Ehescheidungsverfahren.
    Die sogenannte streitige Scheidung fällt ab 1987 ebenso wie die einvernehmliche in die Kompetenz der Bezirksgerichte.
    Bisher waren die Landes- und Kreisgerichte dafür zuständig.
    Die Justizbehörden versprechen sich von der Neuorganisation in erster Linie eine Vereinheitlichung.
    Opfer von Amtshandlungen der Exekutive sollen in Hinkunft Hilfe erhalten.
    Vorgesehen ist eine Entschädigung jener Bürger, denen als Unbeteiligte Schaden zugefügt wird oder deren Eigentum durch rechtmäßige Amtshandlungen von Polizei oder Gendarmerie beschädigt wird.
    Ferner wird der Bürgerdienst des Innenministeriums ausgebaut.
    Und was bringt das neue Jahr für die Autofahrer?
    Vor allem die nächste Stufe der Katalysatorregelung.
    Ab 1.
    Jänner dürfen PKW und Kombis mit über 1,5 Liter Hubraum nur mehr mit Katalysator neu zugelassen werden.
    Die staatliche Prämie für den Kauf eines Cut-Autos unter 1,5 Liter Hubraum verringert sich von bisher 7.000 Schilling auf 5.500 Schilling.
    Und schließlich, die 4- und 5-Liter-Kanister mit Motoröl, wie man sie derzeit noch bei diversen Diskonten erhält, wird man nach dem 1.
    Jänner vergeblich im Regal suchen.
    Im Handel darf künftig maximal ein Liter Motoröl pro Person verkauft werden, wenn nicht an Ort und Stelle ein Ölwechsel durchgeführt wird.
    Das ist eine der wichtigsten Bestimmungen des Altölgesetzes, die mit Jahresbeginn in Kraft treten.
    Die Absicht, der private Ölwechsel soll verhindert werden.
    Argument, ein Liter Öl kann immerhin bis zu einer Million Liter Grundwasser verseuchen.
    Und wenig Freude werden 1987 die Videofreaks haben.
    Für Farbvideokameras und bespielte Videokassetten müssen im kommenden Jahr 32% Mehrwertsteuer bezahlt werden, statt bisher 20%.
    Das alles kommt also 1987 auf uns zu.
    Ein Beitrag von Robert Stoppacher war das.
    Und jetzt ist es 12 Uhr und 45 Minuten und wir kommen nochmals ins Ausland.
    Als im Jahr 1979 ein von Frankreich unterstützter Umsturz gelang, musste der selbsternannte Kaiser Jean Bedelbo-Cassa flüchten.
    Ausgerechnet nach Frankreich.
    In diesem Zwangsexil fühlte er sich nie wohl, denn die Franzosen, die ihn als getreuen Soldaten einst auszeichneten, wollten mit dem Schlechter von Van Gogh nichts mehr zu tun haben.
    Als nämlich ruchbar geworden war, es war ein Bericht von Amnesty International, der das Schicksal Bocassas endgültig besiedelte, als ruchbar geworden war, dass der Kaiser persönlich an der Ermordung von mehr als 100 Schulkindern beteiligt gewesen sein soll, da ließen ihn die Franzosen fallen.
    Bokassa verließ am 22.
    Oktober sein Zwangsexil und kehrte nach Bangui zurück.
    Vielleicht hoffte er auf einen triumphalen Empfang durch begeisterte Anhänger.
    Empfangen wurde er von Militärs, die ihn ins Gefängnis brachten.
    Nun findet der Prozess statt.
    Der Angeklagte heißt Jean-Bédel Bokassa.
    Michael Kerbler informiert sie.
    Ein Radio bildet den akustischen Mittelpunkt.
    Um das Rundfunkgerät herum steht rund ein Dutzend Studenten der Universität von Bangui.
    Sie verfolgen gespannt eine Direktübertragung, die Live-Berichterstattung von jenem Prozess, der in diesen Tagen, Jean Bédel-Bokassa, in der Zentralafrikanischen Republik gemacht wird.
    Bokassa, der sich selbst zum Kaiser krönte und dafür ein Viertel des Staatsbudgets von 1977 ausgab, dieser Bokassa soll ein Massenmörder sein.
    Nicht genug damit, ihm wird sogar Kannibalismus vorgeworfen.
    In der Villa Colongo, der ehemaligen Residenz Bokassas, sie ist heute ein Teil der Universität Bangui, existieren eine Reihe von Zimmern mit makabren Inschriften.
    Studenten sollen es gewesen sein, die mit Bleistift etwa «Chambre de la Torture», «Folterkammer» oder «La Chambre pour la conservation de cadavres humains», «Leichenkammer» an die Wände schrieben.
    Als Erinnerung daran, dass Dutzende Menschen unter Verantwortung Bokassas ermordet wurden, etwa Löwen zum Franz vorgeworfen wurden.
    Doch daran kann sich der kleine Ex-Kaiser, der sich gerne mit Napoleon vergleicht, nicht mehr erinnern, sagt er.
    Er bestreitet auch an der Ermordung von mehr als 100 Schulkindern, persönlich beteiligt gewesen zu sein, die deshalb von Soldaten blindwütig erschossen wurden, weil sie sich weigerten, Schuluniformen um teures Geld zu kaufen.
    Die Fabrik, die diese Kleidung herstellte, gehörte Bokassas Frau.
    Immer wieder wird die Rechtfertigungsrede Bokassas oder einer seiner vier Anwälte von aufgebrachten Zuhörern unterbrochen, die den Angeklagten beschimpfen.
    Gut 200 Zeugen sind aufgerufen, um Licht ins Dunkel der Verbrechen Bokassas und seiner Gefolgsleute zu bringen.
    Bokassa leugnet, er habe niemals Massenhinrichtungen befohlen.
    Er kann sich oder will sich an nichts mehr erinnern.
    Vor einigen Tagen allerdings war der Ex-Kaiser konzessionsbereit.
    Ja, so sagte er, er sei wohl moralisch für die Morde während seiner Regentschaft verantwortlich.
    Wutgeschrei aus dem Publikum war die Folge.
    Ruhig sitzt er da, Jean Bédel Bokassa in seinem noblen, dunkelgrauen Tuchanzug und im langsamen, nahezu akzentfreien Französisch, gibt er seine Antworten.
    Manchmal blickt er dabei nach oben in Richtung Galerie des Gerichtshalles, dorthin, wo die vielen ausländischen Journalisten sitzen.
    Einer von ihnen, der Brite Michael Goldsmith, er arbeitet seit Jahren für die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press, hätte auf einem besseren Platz weit vorne auf der Seite des Staatsanwaltes sitzen können, als Zeuge der Anklage.
    Denn Goldsmith war vor neun Jahren verhaftet worden, weil Bokassas Sicherheitsdienst ein Fernschreiben voller technisch bedingter Druckfehler für einen umstürzlerischen Geheimcode hielt.
    Bokassa ließ den Journalisten herbeischaffen, schlug mit seinem Zepter aus Elfenbein auf den Briten ein, zertrat dessen Brille, um wenig später ihn mit Füßen zu treten.
    Ein Monat lang saß Goldsmith in Bokassas Gefängnissen, wurde plötzlich freigelassen, vom Bokassa eingeladen und vor versammelter Familie offiziell zum Freund der Bokassas auf Lebenszeit anhand.
    Der Prozess gegen den launischen Schlechter vom Bangui, wie Bokassa von vielen Einwohnern der Hauptstadt unterdessen bezeichnet wird, dürfte noch einige Wochen dauern.
    Und selbst dann, wenn dem Ex-Kaiser aus eigener Gnade die Mittäterschaft an Morden nachgewiesen werden kann, wird der 66-Jährige, der einst 2,8 Millionen Zentralafrikaner regierte, nicht die Höchststrafe verbüßen müssen.
    Die Todesstrafe.
    Der regierende Staatschef, General Kolimba, will Gnade vor Rechter gehen lassen.
    Und nach kurzem Zögern sagt der General, wir wollen kein schlechtes Exempel statuieren.
    Wir wollen kein schlechtes Vorbild abgeben.
    Kolimba will einen Schlussstrich ziehen unter die Ära Bokassa, unter Bokassa und seine Löwenkäfige.
    Sehen Sie, dort, sagt ein Student in der Ex-Kaiser-Villa Colongo zu einem Auslandsjournalisten, sehen Sie, Monsieur, hier waren die Gefangenen angeschmiedet.
    Und dann ist diese Tür dort aufgegangen und dann die andere.
    Und dann sind zwei Löwen hereingekommen.
    Ein Löwe und eine Löwin.
    Nicht gleichzeitig natürlich.
    Manchmal hat das alles Stunden gedauert.
    Man muss sich das einmal vorstellen.
    Ein Bericht von Michael Kerbler, 12.51 Uhr.
    Neun Minuten vor 13 Uhr nun unser Kulturbeitrag.
    Ein in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlicher Weihnachtsfilm kommt diese Woche in die heimischen Kinos.
    Der Streifen heißt »Frohes Fest«, ist bereits vor fünf Jahren entstanden und stammt vom Theaterregisseur Georges Tabory, der ja 1987 das Wiener Schauspielhaus von Hans Gratzer übernehmen wird.
    Im Stil eines Amateurfilms und mit einer Mischung aus Berufs- und Leihenschauspielern karikiert Tabori ein frohes Fest, die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes.
    In Mannheim wurde der Streifen seinerzeit mit einem Preis ausgezeichnet.
    In Österreich fielen die kritischen Reaktionen mitunter recht kühl aus.
    Hans Langstein hat Josh Tabori, der derzeit in München arbeitet, telefonisch zu seinem Film befragt und den folgenden Beitrag gestaltet, der mit einem Dialogausschnitt beginnt.
    Was soll'n jetzt?
    Jetzt ist fix!
    Weihnachten!
    Weihnachten!
    Weihnachten!
    Weihnachten!
    Weihnachten!
    Was ist denn das, Weihnachten?
    Weihnachten ist, wenn alle Bescheuerten losgelassen werden.
    In seinem ersten und bisher einzigen Spielfilm führt George Tabori westdeutschen Weihnachtswirbel aus der Sicht eines exotischen Beobachters vor.
    Der Indianer Chattanooga Kid mischt sich mit Kamera und Mikrofon unter die geschenksuchenden Passanten.
    George Tabori... Die Idee ist ja, dass ein Ausländer, und zwar ein Indianer, ein ganz naiver Fremder, der von einer anderen Welt kommt,
    Er kommt nach München, es könnte auch Wien sein, und fotografiert alles.
    Er ist ein Amateurfilmmacher, und wir sehen ja das ganze Film von seinem Standpunkt an.
    Es ist Weihnachten.
    Was ist das, Weihnachten?
    Mord und Totschlag.
    Mord und Totschlag.
    Zuhälter, entsprungene Irre und eine Selbstmörderin bevölkern Taboris weihnachtliche Welt.
    Was bedeutet Weihnachten für Tabori?
    Naja, ich glaube das Film, zwar ist es nicht unbedingt subjektiv, das Film sagt schon etwas über, ich meine, oder ich glaube nebenher, die meisten Leute finden, dass Weihnachten jetzt ein kommerzialisierter, ein neurotischer
    Soll ich sagen, verquälter Versuch, zurück zu etwas, was schon längst vorbei ist.
    Und das ist also miteinander zu Weihnachten, nämlich die Geburt eines kleinen Kindes in Bethlehem, überhaupt nichts zu tun hat.
    Er war Gottes Sohn.
    Und wo ist er jetzt?
    Ja, wo ist er denn jetzt, Isolde?
    In uns, in uns.
    In dir und allen anderen, die an ihn glauben.
    Und deshalb kaufen sie so viel Fleisch.
    Szenen und Dialoge wie dieser lassen befürchten, dass um Taboris frohes Fest eine ähnliche Kontroverse entbrennen könnte, wie einst um Herbert Achternbuschs immer noch verbotenes Gespenst.
    Fürchtet Tabori solche Reaktionen?
    Das müssen Sie die Österreicher fragen.
    Ich weiß nicht.
    Ich glaube, das Film war ganz klar nicht eine Ausprovokation gemeint.
    Und es ist, wie er eben auch betont hat,
    angucken.
    Ich hatte einfach vor, den schlimmsten Film je zu drehen.
    Der sarkastische Spott dieses Films scheut kein Tabu.
    Aus einer Modeschau für Blinde und Gelähmte.
    Meine Damen und Herren, als pièce de résistance, die spezial geformten, entspiegelten, von Tintoretto entworfenen Kontaktlinsen in schwarz,
    Zur Diskussion ein Anlass geben könnte auch die bewusst amateurhafte Machart des Streifens.
    Ein Stil, zu dem sich Tabori nachdrücklich bekennt.
    Ich bin nicht sicher, ob ich selbst noch immer ein Amateur bin.
    Das Wort Amateur heißt ja Liebhaber.
    Und das Gegenteil von was man professionell nennt.
    Ich mag das Wort professionell nicht.
    Und ich möchte mich auch nie als Profi bezeichnen.
    Ein Profi ist jemand, der etwas für Geld tut.
    Also ich bin schon ein Amateur.
    Ich bin ein Anfänger.
    Anfangen wird George Tabori demnächst auch als Theaterchef, wenn er Hans Kratzers Schauspielhaus übernimmt und als Der Kreis in eine neue, spannende Zukunft führt.
    Und nach diesem Bericht von Hans Langstein erschließen wir vier Minuten vor 13 Uhr das Mittagschanal mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Meldungen.
    Sowjetunion.
    Der Regimekritiker Andrei Sakharov hat heute in Moskau die Freilassung aller politischen Gefangenen in der UdSSR verlangt.
    Nach der Rückkehr aus fast siebenjähriger Verbandung in Gorki forderte Sakharov entscheidende Maßnahmen, um die, wie er sagte, Tragödie in Afghanistan zu beenden.
    Bei seinem Eintreffen in Moskau kündigte der Friedensnobelpreisträger von 1975 abermals an, dass er sich auch weiterhin für die Menschenrechte einsetzen würde.
    In einem ORF-Interview sagte Sakharov, er sei für seine Feinlassung dankbar, zugleich aber sehr aufgeregt, weil er so viele Menschen nicht mehr gewohnt sei.
    Der Dissident kündigte an, dass er keinen Ausreiseantrag aus der Sowjetunion stellen wird.
    Österreich
    Der ehemalige tschechoslowakische ZK-Sekretär Zdeněk Mlinaš, der nun in Wien lebt, hat die Freilassung Sakharovs als volle Rehabilitation des Friedensnobelpreisträgers bezeichnet.
    Mlinaš spricht von einer Signalwirkung der Genehmigung zur Rückkehr nach Moskau.
    Es solle demonstriert werden, dass Kritik in der Sowjetunion nicht mehr strafbar sei.
    Das sei eine klare Änderung des politischen Kurses des Kremls.
    Nach der Ansicht von Mlenas hat Parteichef Gorbatschow die Heimkehr Sakharovs nicht allein beschlossen, sondern vielmehr einen Beschluss des Politbüros exekutiert.
    USA.
    Das amerikanische Versuchsflugzeug Voyager wird nach seinem Nonstop-Flug rund um die Erde heute auf dem Luftwaffenstützpunkt Edwards in Kalifornien zurück erwartet.
    Die Treibstoffvorräte reichen aus.
    Auch die letzte Strecke muss nicht im Gleitflug bewältigt werden, wie man verschiedentlich befürchtet hat.
    Das Spezial-Leichtflugzeug dürfte gegen 16.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit am Ziel sein.
    Österreich
    Der Wiener Bürgermeister Helmut Zilk hat heute eine Liste jener Personen veröffentlicht, die von der Wiener Flughafengesellschaft Gratis-Flugtickets erhalten haben.
    Insgesamt sind etwa 100 Namen aufgeführt, darunter Politiker, Journalisten und andere Prominente.
    Der Gesamtwert der Flüge beträgt etwa 5,8 Millionen Schilling.
    Nicht in der Liste enthalten sind Dienstreisen.
    Bürgermeister Zilk bezeichnete die Namenssammlung als subjektive Beurteilung des Kontrollamtsdirektors mit inoffiziellem Charakter.
    Verteidigungsminister Helmut Krünes hat heute Brigadier Gerald Probst zum neuen Militärkommandanten von Niederösterreich bestellt.
    Gerald Probst ist Nachfolger von Kurkommandant Ernst Merker, der in den Ruhestand tritt.
    Probst war bisher Versorgungsinspektor des österreichischen Bundesheeres.
    Die Innenstadt von Linz erlebte heute Vormittag einen regelrechten Verkehrsinfarkt.
    Einzelne Straßenzüge mussten für den gesamten Verkehr gesperrt werden.
    Es gab viele Unfälle, die meisten aber nur mit Blechschaden.
    Das Autofahren ist in Österreich heuer wieder billiger geworden.
    Der Autokostenindex für November ist um 2,2 Prozent gefallen, womit sich die Tendenz des Jahres fortsetzte.
    Deutlich gesunken sind die Preise für Normal- und Superbenzin.
    Auch bei Autoreifen war ein Preisrückgang festzustellen.
    Deutlich gestiegen sind dagegen die Teilkaskoprämien, die Haftpflichtversicherungsprämien und auch die Preise für Parkgaragen.
    Das waren die Meldungen, die Wetteraussichten für Österreich bis heute Abend.
    Im Süden und in inneralpinen Lagen teilweise heiter, sonst wechselnd bis stark bewölkt, wiederholt Schneefall.
    Und damit sind wir am Ende von 60 Minuten Information.
    Für das Team von heute Mittag verabschiedet sich Herbert Dobrowolny.
    Auf Wiederhören.
    Untertitel der Amara.org-Community

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Datum: 1986.12.23 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Weihnachtswettervorschau
    Mitwirkende: Sobitschka, Walther [Gestaltung]
    Datum: 1986.12.23 [Sendedatum]
    Ort: Hohe Warte, Zentralanstalt für Meteorologie (ZAMG) [Aufnahmeort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Interview mit dem nach Moskau zurückgekehrten Sacharow
    Interview: Andrej Sacharov (Übersetzer Kerbler)
    Mitwirkende: Opletal, Helmut [Gestaltung] , Sacharow, Andrej [Interviewte/r] , Kerbler, Michael [Übersetzer/in/Dolmetscher/in]
    Datum: 1986.12.23 [Sendedatum]
    Ort: Moskau [Aufnahmeort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Reportage rund um die Sacharow - Rückkehr
    Mitwirkende: Opletal, Helmut [Gestaltung]
    Datum: 1986.12.23 [Sendedatum]
    Ort: Moskau [Aufnahmeort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wie bewertet "Reformkommunist" Zdenek Mlynar Sacharows "Freilassung"
    Interview: Politikwissenschafter Mlynar
    Mitwirkende: Löw, Raimund [Gestaltung] , Mlynar, Zdenek [Interviewte/r]
    Datum: 1986.12.23 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Interview Nenning: 65. Geburtstag - Rückblick / Ausblick
    Interview: Günther Nenning
    Mitwirkende: Hauer, Ernest [Gestaltung] , Nenning, Günther [Interviewte/r]
    Datum: 1986.12.23 [Sendedatum]
    Ort: Wien, Parlament [Aufnahmeort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Trailer Journal-Panorama: Cullin - Frankreichs Studentenunruhen
    Einblendung: Journalist Cullin
    Mitwirkende: Wischenbart, Rüdiger [Gestaltung] , Cullin, Michel [Interviewte/r]
    Datum: 1986.12.23 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wiener Bürgermeister Zilk nennt Freiflieger - "Nehmerliste"
    Einblendung: Bürgermeister Zilk
    Mitwirkende: Wagner, Christiane [Gestaltung] , Zilk, Helmut [Interviewte/r]
    Datum: 1986.12.23 [Sendedatum]
    Ort: Wien, Rathaus [Aufnahmeort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Gesetzliche Änderungen zum Jahreswechsel in Österreich
    Mitwirkende: Stoppacher, Robert [Gestaltung]
    Datum: 1986.12.23 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Prozeß gegen Ex - Kaiser von Zentralafrika, Bokassa
    Mitwirkende: Kerbler, Michael [Gestaltung]
    Datum: 1986.12.23 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Kultur: Erster Film von George Tabori "Frohes Fest" in Österreich
    Einblendung: Filmszenenausschnitte, Regisseur Tabori
    Mitwirkende: Langsteiner, Hans [Gestaltung] , Tabori, George [Interviewte/r]
    Datum: 1986.12.23 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten

    Katalogzettel

    Titel Mittagsjournal 1986.12.23
    Spieldauer 01:00:14
    Mitwirkende Dobrovolny, Herbert [Moderation]
    Glück, Luis [Regie]
    ORF [Produzent]
    Datum 1986.12.23 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ audio
    Format TKA [Tonband auf Kern (AEG)]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-861223_k02
    Medienart Mp3-Audiodatei
    Gesamtwerk/Reihe Mittagsjournal

    Information

    Inhalt

    Nachrichten

    Verortung in der digitalen Sammlung

    Schlagworte

    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt