Mittagsjournal 1986.09.30

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    Rechtliches

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    KI-generiertes Transkript

    Die Zeit in fünf Sekunden ist es 12 Uhr.
    12 Uhr.
    Hier ist der österreichische Rundfunk.
    Guten Tag beim Mittagjournal, sagt ein Fritz Wendler als Redakteur im Studio.
    Unsere Beitragsthemen sind heute Bundeskanzler Wranicki kündigt eine Volksbefragung über die Art der allseits propagierten großen Steuerreform an.
    Eine Ankündigung, die auch von ÖVP-Generalsekretär Graf ausdrücklich begrüßt wird.
    Er erläutert Details zu der zuletzt auch in Österreich jemals beispielhaft zitierten USA-Steuerreform.
    Internationale Pressestimmen zur Freilassung des amerikanischen Journalisten Danilov, der seit 30.
    August in der Sowjetunion unter Spionageverdacht festgehalten worden war.
    Gesundheitliche Schäden von 50 Millionen Bürgern Indonesiens durch Pflanzenschutz und Düngemittel.
    Im Sudan warten Millionen akut vom Hungerdorot bedrohter Menschen auf durch politische Verhandlungsschwierigkeiten blockierte Hilfslieferungen.
    Heute Abend wird die 38.
    Frankfurter Buchmesse eröffnet und von einem der renommiertesten bildenden Künstler Österreichs, Walter Pichler, gibt es sowohl eine neue Ausstellung als auch ein neues Buch.
    Vor all dem jetzt aber eine von Edgar Heider zusammengestellte Meldungsübersicht, die Josef Enzl-Natek liest.
    Österreich.
    ÖVP-Obmann Mock hat drei Grundelemente für die verstaatlichen Sanierung genannt.
    Bei einer Tagung mit Managern und Betriebsräten der Verstaatlichen in Wien forderte Mock ein betriebswirtschaftliches Reformkonzept, Privatisierungsmaßnahmen und eine neue Wirtschaftspolitik, deren Herzstück eine Steuersenkung sein soll.
    Der ÖVP-Chef gab der SPÖ neuerlich die alleinige Verantwortung für die Krise der verstaatlichen Industrie und wies auf die 16-jährige Alleinregierung der Sozialisten hin.
    Auch ÜVP-Generalsekretär Michael Graf verlangte neuerlich einen raschen Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik.
    Nach Darstellung Grafs muss heuer im Winter mit einer neuen Rekord-Arbeitslosigkeit von mehr als 200.000 Beschäftigungssuchenden gerechnet werden.
    Die grünen und alternativen Gruppen haben sich nun endgültig auf eine gemeinsame Kandidatur bei der Nationalratswahl geeinigt.
    Nach Mitteilung von Spitzenkandidatin Frieda Meissner-Blau haben alle grünen und alternativen Organisationen in der vergangenen Nacht den Vertrag unterzeichnet.
    Die Liste der Kandidaten ist aber noch nicht fixiert.
    In Wien, in der Steiermark, in Vorarlberg und im Burgenland steht die Entscheidung noch aus.
    Die Reihung der Kandidaten soll in etwa zwei Wochen ausgehandelt sein.
    Die Gruppierung soll die Bezeichnung die grüne alternative Liste Frieda Meissner-Blau tragen.
    Die Gesellschafter des Gemeinschaftskraftwerkes Tullnerfeld beschließen heute das bereits politisch besiegelte Ende für das nie in Betrieb genommene Kernkraftwerk Zwentendorf.
    Zuerst tritt die Hauptversammlung des Verbundkonzerns zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, in der der Eigentümerauftrag zur Liquidierung des Kernkraftwerkes erteilt werden soll.
    Am Nachmittag muss sich dann die Generalversammlung des Gemeinschaftskraftwerkes Tullnerfeld mit dem Verwertungsbeschluss befassen.
    Die Bahngewerkschafter lehnen die von verstaatlichten Minister Rudolf Streicher vorgeschlagene Änderung der Pensionsregelung für neue ÖBB-Bedienstete entschieden ab.
    Zentralsekretär Johann Schmelz sprach sich generell gegen Verhandlungen über dieses Thema aus.
    Schmelz meinte, Streichers Vorschlag sei wirtschaftlich unüberlegt.
    Die Eisenbahner hätten derzeit keinen Anspruch auf Abfertigung, der bei einer Änderung zum Tragen käme.
    Der Verstaatlichen Minister hatte gestern vorgeschlagen, die Pensionsregelung der ÖBB den ASVG-Richtlinien anzupassen.
    Dies würde eine deutliche Verschlechterung gegenüber der gültigen Regelung bedeuten.
    USA, Sowjetunion.
    Nach der Ausreise des unter Spionageverdacht in Moskau festgehaltenen amerikanischen Journalisten Nikolas Danilov aus der Sowjetunion sollen heute Einzelheiten über die Beilegung der Affäre bekannt gegeben werden.
    Am Abend wird im sowjetischen Fernsehen eine offizielle Erklärung verlesen.
    Über den Inhalt ist noch nichts bekannt.
    In getrennten Pressekonferenzen wollen die Außenminister der beiden Supermächte George Shultz und Eduard Shevardnadze im Laufe des Tages Auskünfte über den Fall Danilov geben.
    Präsident Reagan hat bereits betont, es habe keinen Tauschhandel mit der Sowjetunion gegeben.
    Die USA hätten im Fall Danilov nicht nachgegeben.
    Der amerikanische Journalist wird heute nach einem Zwischenstopp in Frankfurt am Main in Washington erwartet.
    USA Das Repräsentantenhaus hat mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit gestern Abend das Veto Präsident Reagans gegen die vom Kongress beschlossenen Südafrika-Sanktionen zurückgewiesen.
    Auch bei der heutigen Abstimmung im Senat dürfte das Veto des Präsidenten überstimmt werden.
    Offenbar unter dem Eindruck dieser Entwicklung hat sich Präsident Reagan bereit erklärt, neue Maßnahmen gegen die Apartheid-Regierung in Pretoria zu verfügen.
    Dazu gehören ein Verbot neuer Investitionen in Südafrika, ausgenommen in Unternehmen, die Schwarzen gehören, sowie ein Importverbot für südafrikanisches Eisen und Stahl.
    Außerdem wird der Regierung in Pretoria untersagt, Bankkonten in den USA zu unterhalten.
    Frankreich.
    Der Bombenanschlag auf das Kaufhaus Tartier in Paris Mitte September hat nun ein sechstes Menschenleben gefordert.
    Wie es heute bekannt wird, ist eine junge Frau am Sonntag ihren schweren Verletzungen erlegen.
    Bei dem Attentat wurden mehr als 50 Menschen verletzt.
    Die Bombe war aus einem vorbeifahrenden Auto auf das Kaufhaus geworfen worden.
    Zum Zeitpunkt des Attentats befanden sich vor allem Frauen und Kinder in dem Geschäft.
    Großbritannien.
    In Blackpool wird heute der Parteitag der oppositionellen Labour-Party fortgesetzt.
    Im Mittelpunkt wird ein Grundsatzreferat von Parteichef Neil Kinnock stehen.
    Heute kam es unter den Delegierten zu heftigen Diskussionen über die Frage der Stationierung amerikanischer Atomwaffen in Großbritannien.
    Für Aufregung sorgte vor allem eine Äußerung des Labour-Politikers Dennis Healy, der nicht ausgeschlossen hatte, dass amerikanische Nuklearwaffen nach einem Labour-Wahlerfolg in Großbritannien bleiben würden.
    Bundesrepublik Deutschland Die Regierung in Bonn berät heute über gesetzliche Konsequenzen aus der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.
    In einem Gesetzesentwurf des Umweltministeriums ist eine verbesserte Überwachung der radioaktiven Strahlung in der Umwelt vorgesehen.
    Im Einzelnen ist eine bundesweite Erfassung der radioaktiven Werte im Abstand von jeweils zwei Stunden geplant.
    Außerdem soll der Bund mehr Kompetenzen zur Festlegung von Radioaktivitätshöchstwerten in der Bundesrepublik Deutschland erhalten.
    Der Verleger Franz Burda ist heute in Offenburg im Alter von 83 Jahren gestorben.
    Burda begründete eines der größten Druck- und Verlagshäuser in der Bundesrepublik Deutschland mit 4500 Mitarbeitern in Offenburg, Darmstadt und München.
    Nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1929 hatte Franz Burda die ererbte Druckerei mit damals drei Mitarbeitern übernommen.
    Das waren die Meldungen, die Wetterlage.
    Ganz West- und Mitteleuropa stehen unter Hochdruckeinfluss.
    Die Wolkenfelder einer schwachen Störung im Nordosten lösen sich auf.
    Die Wetteraussichten bis morgen früh.
    Von einzelnen Wolkenfeldern im Nordosten abgesehen meist heiter, mäßige Winde aus Nordwest, Nachmittagstemperaturen 16 bis 21, Tiefstemperaturen der kommenden Nacht 1 bis 8 Grad.
    Die Wetteraussichten für morgen Mittwoch nach Auflösung von Frühnebelfeldern durchweg sonnig, schwache bis mäßige Winde aus Südost bis Südwest, Tageshöchsttemperaturen 16 bis 21 Grad.
    Im Gebirge außerordentlich mild, Temperaturen in 2000 Meter Höhe bei 11 Grad.
    Das Wetter übermorgen am Donnerstag, zunehmende Bereitschaft zu Nebelbildung, ab dem späteren Vormittag wieder sonnig und mild.
    Die MS-Werte von 12 Uhr Mittag.
    Wien-Heiter 20 Grad, Nordwind 15 Kilometer in der Stunde.
    Eisenstadt-Wolkig 19 Grad, Nordwind 20.
    St.
    Pölten-Heiter 17 Grad, Südwind 10.
    Linz-Heiter 18 Grad, Salzburg-Heiter 18.
    Innsbruck-Heiter 16, Bregenz-Heiter 14, Graz-Heiter 19 und Klagenfurt-Heiter bei 17 Grad.
    Das waren die Nachrichten und das Wetter.
    Es ist 12.09 Uhr und wir kommen jetzt zum Beitragsteil des Mittagsjournals, dessen Programmschwerpunkt mit dem Stichwort Steuerreform recht gut umschrieben werden kann.
    Eine solche, und zwar eine grundlegende, wird seit kurzem in Österreich intensiv diskutiert.
    Über deren Art und Weise kündigte, wie erwähnt, heute Bundeskanzler Franitziak eine Volksbefragung an und ÖVP-Generalsekretär Graf begrüßte diesen Vorschlag ausdrücklich.
    Über diese Stellungnahmen der Spitzenpolitiker der beiden Großparteien berichten wir in wenigen Minuten.
    Vorerst erläutert nun aber Michael Kerbler Details der zuletzt auch in Österreich immer als mögliches Modell zitierten, jüngst beschlossenen USA-Steuerreform.
    Die Sektkorken knallten, die amerikanischen Zeitungen schrieben von einem Jahrhundertwerk, der erste Mann im Staat, Ronald Reagan, bezeichnete sie knapp als eine friedliche Revolution.
    Die Rede ist von der amerikanischen Steuerreform, die am Wochenende auch vom Senat mit großer Mehrheit gebilligt wurde.
    Die Fakten.
    Statt 14 verschiedenen Steuersätzen wird es in den USA künftig nur noch zwei Steuersätze geben, nämlich einen in der Höhe von 15 und einen zweiten in Höhe von 28 Prozent.
    Vier von fünf Amerikanern werden künftig von ihrem Einkommen nur noch 15 Prozent an den Finanzminister abliefern müssen.
    Das restliche Fünftel, die hoch- und bestverdienendsten, 28 Prozent ihres Einkommens.
    Etwa sechs Millionen US-Bürger werden wegen ihres geringen Verdienstes gar keine Steuer mehr bezahlen müssen.
    Bei den Unternehmern wird der Spitzensteuersatz von gegenwärtig 46% auf 34% gesenkt.
    Auf den ersten Blick scheint also der Staat auf gewaltige Steuereinnahmen zu verzichten, was sich aber die USA bei einem Haushaltsdefizit von 230 Milliarden Dollar gar nicht leisten könnten.
    Der Steuerverzicht auf der einen Seite wird durch den Wegfall von Steuergeschenken aufgewogen.
    Die Regen-Administration griff nämlich zur roten Feder und strich eine ganze Reihe von Steuerbegünstigungen und Steuerabsatzbeträgen.
    Sowohl bei den Arbeitern und Angestellten als auch bei den Unternehmern.
    Wobei anzumerken ist, dass es in den USA keine strenge Unterteilung in He-Lohn-Steuer-Da-Einkommenssteuer gibt.
    Jeder US-Bürger wird zur Einkommenssteuer veranlagt und muss eine entsprechende Erklärung ausfüllen.
    Schluss gemacht wurde auch mit der Praxis vieler Großkonzerne durch legale Löcher in der Steuergesetzgebung dem Fiskus zu entkommen und keine Abgaben an die Staatskasse zu entrichten.
    Mitarbeiter der amerikanischen Bürgervereinigung für Steuergerechtigkeit hatten ermittelt, dass in den Jahren 1981 bis 1984 nicht weniger als 130 Konzerne keinen Cent Steuern gezahlt hatten, obwohl die Gesamtgewinne damals fast 57 Milliarden Dollar betrugen.
    Die amerikanische Volksseele begann, ob dieser Ungerechtigkeit zu kochen.
    Warum, so wurden die Senatoren von ihren Bürgern gefragt, muss ich 30 Prozent ans Finanzamt zahlen und Boeing oder General Electric gar nichts?
    Ronald Reagan und seine republikanischen Parteifreunde mussten damit rechnen, dass sich die politische Opposition dieses Themas bemächtigt und Kapital aus dem Unmut der Bürger über das Steuersystem schlägt.
    Ronald Reagan mit seinem Gespür für populistische Maßnahmen sah den richtigen Zeitpunkt gekommen, um seine Idee des Einheitssteuersatzes durchzusetzen.
    Die Steuerreform, sie entpuppt sich bei näherem Hinsehen eher als der gelungene Versuch, legale Steuerhinterziehung zu stoppen, kommt gerade zur rechten Zeit.
    Denn im November wird ein Drittel der Senatoren und werden die Abgeordneten neu gewählt.
    In Europa stieß das Reformpaket aus Washington auf großes Interesse.
    In Bonn, in London und bei uns in Wien stellte man sich die Frage, ob diese Reform auch auf unser Land übertragen werden kann.
    Sind auch bei uns nur mehr einige wenige Steuersätze denkbar bei gleichzeitiger Streichung von Absetzbeträgen?
    Dr. Otto Farni, Steuerrechtsexperte der Arbeiterkammer Wien, meint dazu.
    Der Schwerpunkt der Ausnahmebestimmungen, soweit sich das quantifizieren lässt, im österreichischen Steuersystem, liegt zweifellos im Bereich der Lohnsteuer, Zulagen, Zuschläge.
    Steuerfrei oder Steuerbegünstigte, 13. oder 14.
    Gehalt, Abfertigungen, das sind alles sehr große Brauchen und das gibt es ja alles in Amerika nicht.
    Und das sind alles Dinge, wenn ich zum Beispiel an Zulagen und Zuschläge denke, die vor allem den Arbeiter, den Kleinverdiener begünstigen.
    In Amerika gab es zwar auch Ausnahmebestimmungen für den Haushalt, nicht nur für die Unternehmungen, die lagen aber anders, die begünstigten eher den Besserverdienenden.
    Und dieses Potenzial war so groß, dass die Steuerlast, man spricht hier von über 100 Milliarden Dollar, auf die Unternehmen verschoben werden kann.
    Nun ist ja auch die amerikanische Unternehmenslandschaft eine ganz andere wie in Österreich.
    Amerika ist quasi eine riesige Insel, ein eigener Kontinent, von dem die Firmen doch nur beschränkt ausweichen können.
    Mit anderen Worten, während in den USA die Firmen keine Möglichkeit haben, in ein anderes Land zu wechseln, wäre dies bei unterschiedlicher Steuergesetzgebung in europäischen Staaten anders.
    Großkonzerne würden es sich natürlich aussuchen, in welchem Land sie am wenigsten Gewinnsteuern abführen müssen.
    Auch gibt es Stimmen in den USA, die vor verfrühter Euphorie warnen.
    Die Auswirkungen der Reform, etwa auf das Wirtschaftswachstum, seien noch nicht abschätzbar.
    Und es müsse sich erst erweisen, ob durch das Stopfen der Steuergesetzlücken tatsächlich Mehreinnahmen aus der Gewinnbesteuerung der Unternehmen herauskommen.
    Dr. Otto Farny argumentiert ähnlich.
    Zunächst die amerikanischen Berechnungen, die Sie zitiert haben, dass die Steuerlasten jetzt auf die Industrie gestoben werden, muss man sehr stark relativieren.
    Die Amerikaner schaffen zwar alle möglichen Investitionsbegünstigungen ab, führen aber ein neues indexiertes Abschreibungssystem wieder ein, neue Bewertungsmethoden, die sehr günstig sind.
    Und man muss erst wirklich rechnen, was nun hier tatsächlich herauskommt.
    Meiner Meinung nach wurde hier schon, insbesondere da ja in der letzten Zeit noch nicht kalkulierte Änderungen in diesem Reformplan gemacht wurden, etwas auf Hasard gespielt.
    Und man wird schon aus europäischer Sicht beobachten müssen, ob man sich hier nicht in ein finanzpolitisches Chaos manövriert hat.
    Trotz vieler Vorbehalte bleibt also das amerikanische Steuerreformmodell ein Denkmodell auch für Österreich.
    Die wichtigsten Punkte, erstens eine Vereinfachung des Steuersystems, zweitens neue, verbesserte Methoden zur Gewinnermittlung der Unternehmen und drittens eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage durch Wegfall einiger steuermindernder Sonderausgaben.
    Die amerikanische Steuerreform hat im Übrigen vorexerziert, dass es möglich ist, eine Reform zu verwirklichen, die aufkommensneutral ist, die auf soziale Symmetrien Rücksicht nimmt und gleichzeitig eine Absenkung der Steuersätze ermöglicht.
    Michael Kärmler erläuterte Details der jüngst beschlossenen USA-Steuerreform, die in der seit Kurzem auch in Österreich intensiv geführten Steuerreformdiskussion häufig als mögliches Modell zitiert wurde.
    Für eine grundlegende Steuerreform in Österreich nach den Wahlen sprach sich auch Bundeskanzler Wranitzki zuletzt mehrfach aus.
    Sagte aber, er wolle keine Wahlzuckerlung versprechen und sich im Wahlkampf nicht in eine Diskussion über das Ausmaß einer möglichen Steuersenkung einlassen.
    Das Thema Steuerreform war aber trotzdem, oder vielleicht auch deshalb, das beherrschende Impressefoyer nach der heutigen Ministerratssitzung, berichtet Erich Aichinger.
    Das Steuersystem konkret, das Lohn- und Einkommensteuersystem zu reformieren, sei seine klare politische Absicht, sagte heute Kanzler Franz Franitzki neuerlich.
    Eine Steuerentlastung soll es werden, Franitzki wörtlich.
    Es soll niemand mehr Steuer zahlen als heute.
    Zur Diskussion will Franitzki Grundzüge zweier Varianten stellen.
    A, das amerikanische System, das wir vorhin beschrieben bekommen haben, nämlich viele bestehende Ausnahmeregelungen zu beseitigen und damit zu einer, Franitzki wörtlich, sehr maßgeblichen Senkung der Steuersätze zu kommen, oder B, Ausnahmeregelungen im Großen und Ganzen beibehalten, nur durchforsten,
    Dann lassen sich, wie der Franitzki wörtlich, die Steuersätze nicht so merklich senken.
    Breite Basis der Zustimmung will sich Franitzki für das eine oder das andere Modell in der Bevölkerung holen.
    immer unter der Voraussetzung, dass uns die Regierungsverantwortung übertragen wird, nicht von einer Art Zwangsbeglückung ausgehen und dem österreichischen Steuerzahler die eine oder die andere Methode vorschreiben, sondern wir werden diese zwei Modelle, die ich jetzt geschildert habe, sehr klar darstellen und dann im Wege einer breiten
    Meinungsbildung in der Bevölkerung, etwa im Weg einer Volksbefragung, einer Volksabstimmung entscheiden lassen, welchen Weg der Österreicher zur Steuerentlastung zu gehen wünscht.
    Die Bemerkung des Bundeskanzlers, Wahlzeiten eigneten sich nicht für Details über Steuerreformkonzepte, ließ Präzisierungen über Einzelfragen, zum Beispiel, was ist mit der Besteuerung des 13. und 14.
    Bezuges, bleibt sie, fällt sie weg, wird sie geändert, im Grund nicht mehr erwarten.
    wie viele Versuche auch wir Journalisten stellvertretend starten sollten.
    Hören Sie Ausschnitte aus der Wechselrede im Ministerratspressefoyer etwa zur Frage, kommt wieder einmal ein Anlauf zur Besteuerung der Sparzinsen?
    Sie kennen meine eigenen Vorbehalte, um nicht zu sagen Abneigungen, gegen
    eine solche Besteuerung.
    Der erste Versuch, der unternommen wurde, ist auch schiefgegangen und wir müssen ganz klarstellen, dass wir eine Wiederholung einer solchen Vorgangsweise nicht ins Auge fassen.
    Herr Bundeskanzler, wäre es dann nicht doch eigentlich klüger,
    eine Verunsicherung der Sparer überhaupt zu vermeiden und sich mit dem zugegebenermaßen vielleicht unbefriedigenden Status quo zu begnügen.
    Eben weil man jahrelang vergeblich offenbar eine vertretbare wirksame Lösung gesucht hat.
    Wie meinen Sie das mit dem, was jetzt ist, dass so und so viele Leute ihre Zinseinkommen angeben bei der Finanz- und Steuerzahlen dafür und so und so viele andere Leute ihre Zinseinkommen nicht angeben?
    Die Frage ist ganz einfach die.
    Sie sagten vorhin, man hat sich jahrelang um eine Lösung bemüht, eine zielführende, hat keine gefunden, hat dann einen Versuch gestartet, der sich als Fehlversuch erwiesen hat.
    Und daher die Frage, wenn es so schwierig ist, eine befriedigende Lösung zu finden, muss man sich dann nicht
    um eine Verunsicherung der Sparer zu vermeiden, mit dem unbefriedigenden Status Quo begnügen?
    Da werden Sie da ziemlich recht haben.
    Darf ich noch einmal das Szenario eines Zustandekommens einer Lohn- und Einkommenssteuerreform entwerfen?
    Als gelernter Österreicher wird man den Verdacht nicht los.
    Jene gewachsenen Ausnahmeregelungen werden am ehesten bestehen bleiben, wo die meisten Leute dahinter sind oder die stärksten Interessensvertretungen.
    Sie haben damit den politischen Inhalt jeder Steuerreform, wenn der ein Nagel ist, der Inhalt auf den Kopf getroffen, weil
    Steuerreform ja niemals politisch gesehen etwas ist, dass man an einem Prozentsatz oder an einem Schillingbetrag herumschraubt, sondern weil das immer etwas ist, wo bestimmte gesellschaftliche Gruppen
    die von einer bestimmten Steuererleichterung profitieren, ein wichtiges politisches Interesse an der Aufrechterhaltung dessen haben oder, wenn es nicht aufrechterhalten wird, nach dem Äquivalent zu fragen.
    gibt es stattdessen.
    Und daher bin ich sehr vorsichtig in der Zeitangabe, weil Steuerreform ja nicht etwas ist, wo dann der Finanzminister mit seinen Experten im stillen Kämmerlein der Himmelfortgasse sitzt und Zahlen in einen Raster einsetzt, sondern weil da wichtige politische Verhandlungen zu führen sind mit den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen im Land.
    und wo auch die Interessen ja durchaus überlappend sein können.
    Also, um es noch einmal zu sagen, der Lohnsteuerpflichtige ist natürlich in erster Linie an Lohnsteuerregelungen interessiert.
    Aber, wenn er in einem Betrieb arbeitet, der zum Beispiel gerade in einer größeren Investitionswelle drinnen ist, dann ist er im Interesse der Modernisierung seines Betriebes auch an den steuerlichen Gegebenheiten für seinen
    für den Unternehmer interessiert.
    Und daher gibt es auch hier Verzahnungen und Verzahnungen, die mit großen politischen Inhalten versehen sind und verhandelt werden müssen.
    Keinerlei Festlegung Franitzki gab es auch, ob etwa Lohnsteuerpflichtige und Einkommensteuerpflichtige jeweils spezifisch gefragt werden sollen bei einer Volksabstimmung oder wohl doch eher Volksbefragung.
    Keinerlei Festlegung auch über den Zeitraum eines Inkrafttretens einer solchen Reform, vielleicht Ende 1988 mit Übergangsfristen.
    Franitzki wörtlich, Ronald Reagan hat für seine Steuerreform seit 1981 gebraucht.
    Und damit gebe ich zurück an das Studio.
    Mit dem Vorschlag von Bundeskanzler Weronitzki, das Volk über Art und Weise einer Steuerreform zu befragen, ist heute auch ÖVP-Generalsekretär Michael Graf bei einem Pressegespräch konfrontiert worden, berichtet Fritz Besatter.
    Während Kanzler Franz von Nitzke sich heute, wie berichtet, eine Volksbefragung oder eine Volksabstimmung über Modelle einer Steuerreform vorstellen kann, glaubt ÖVP-Generalsekretär Michael Graf schon die Antwort der Österreicher zu kennen.
    Zumindest deren Ansicht zum erst in der Vorwoche vorgelegten ÖVP-Steuerreformkonzept mit einer Reduzierung der Steuerstufen auf drei Stufen und einer Senkung des Tarifs um 20 Prozent.
    So lauten jedenfalls die ÖVP-Berechnungen.
    Genauer gesagt, der Graf präsentierte heute dazu eine telefonische Blitzumfrage, wonach 50% der Österreicher für die ÖVP-Vorstellungen 29% dagegen und 21% unentschieden seien.
    Graf ist aber auch für den Franitzki-Plan einer direkten Befragung des Volkes.
    Selbstverständlich positiv.
    Es erweist sich der Bundeskanzler Franitzki damit neuerlich lernfähig, denn er hat ja in seiner Pressestunde im Bereich Volksabstimmung, Volksbefragung
    völlig abgewinkt, also eine Demokratiereform in dieser Richtung dort verneint.
    Jetzt ist er dafür.
    Ich begrüße das und freue mich darüber.
    Ich nehme allerdings auch zur Kenntnis, dass in der SPÖ das Anschaffen offensichtlich der Parteivorsitzende Sinowaz und sein Zentralsekretär hat, denn auch die von Franitzki
    Gegen unsere Einstellung als ÖVP eröffnete Möglichkeit einer Diskussion über die Besteuerung des 13. und 14. und über eine neue Zinsertragssteuer, da ist der Bundeskanzler am nächsten Tag vom Zentralsekretär in der Öffentlichkeit deutlich zurückgepfiffen worden.
    Ansonsten beklagte Graf heute den Anstieg der Arbeitslosigkeit.
    Er befürchtet eine Winterrekord-Arbeitslosigkeit von mehr als 200.000.
    Er tritt, wieder durch eine Meinungsumfrage unterstützt, für ein TV-Duell zwischen Mock und Franitzki anstelle eines Journalisten-Hearings ein.
    Und er konstatiert im Übrigen, dass die SPÖ es darauf anlegt, überhaupt keinen Wahlkampf zu führen.
    Ein Indiz ist für Graf dabei die SPÖ-Haltung zu den Belangssendungen der Parteien im ORF.
    Graf hält jedenfalls an ÖVP-Belangssendungen im Wahlkampf fest.
    Er bietet eine Reduktion der Zeiten um 20 Prozent an und er meint, die SPÖ könnte ja auf ihre Zeiten verzichten.
    man am liebsten überhaupt keine Belangssendungen machen soll.
    Das ist ihr gutes Recht.
    Sie kann ja in der Zeit, weiß ich, die Eroica spielen oder Catch a Falling Star oder was immer.
    So meinen sie es aber nicht.
    Sie sagen, wenn wir keine Belangssendungen wollen, dann darf die ÖVP auch keine haben.
    Und unter dem Mantel reden wir über Sparsamkeit, reden wir über Fairness, war der Versuch drinnen uns auszutricksen, indem nämlich der bisherige Brauch, dass man sich über die Belangssendungen einvernehmlich geeinigt hat,
    von Dr. Keller, dem Zentralsekretär, so unterlaufen werden wollte, nämlich, dass Keller gesagt hat, so und über die Belangssendungen, die immer ein Bestandteil des Wahlkampfübereinkommens waren, reden wir nicht, wir schließen keine Vereinbarung.
    Das bisher nicht zustande gekommene Wahlkampfübereinkommen zwischen den Parteien könnte so Graf sofort nach einer Regelung über die Belangssendungen unterzeichnet werden.
    Soviel von der Pressekonferenz von ÖVP-Generalsekretär Michael Graf und damit zurück zum Studio.
    Die Diskussionen über eine grundlegende Steuerreform nach den Wahlen dürften also zu einem beherrschenden Thema des Wahlkampfs werden, der von der bei diesen Nationalratswahlen erstmals geeint antretenden grün-alternativen Gruppen bisher vor allem durch das mühsame Ringen um Einigung bestritten wird.
    Noch gestern hieß es, der Grundsatzvertrag über eine gemeinsame Kandidatur der grünen und alternativen Gruppen bei den kommenden Nationalratswahlen würde erst dann unterzeichnet werden, wenn die Listen der Kandidaten fertiggestellt sind.
    Beschlossen wurde der Grundsatzvertrag mit den Regeln der Zusammenarbeit der verschiedenen Grün-Gruppierungen am vergangenen Wochenende in Salzburg und seitdem wogte heiß die interne Diskussion um mehr oder weniger aussichtsreiche Listenplätze und deren Verteilung zwischen Wien und Vordelberg.
    Und man hoffte auf eine Unterzeichnung des Grundsatzvertrags Mitte der Woche.
    Doch nun kam diese Unterzeichnung doch schon früher zustande.
    Wie gemeldet heute Nacht.
    Gisela Hopfmüller berichtet.
    Um drei Uhr heute Nacht lagen sie vor, die Unterschriften der Vertreter aller jener Gruppierungen, die unter dem Namen die Grüne Alternative, Liste Freder Meisner Blau, bei der Nationalratswahl am 23.
    November antreten wollen, nämlich die ALÖ, die VGÖ, die Grün Alternative Sammlung, die Bürgerinitiative Parlament und die Vereinten Österreichischen Grün Alternativen.
    Unterschrieben haben also nun auch jene, die bisher skeptisch waren, bzw.
    die, die bisher auf jeden Fall zuerst die Kandidatenreihungen auf den Listen geklärt haben wollten, weil ja, so war immer wieder zu hören, die Zusammensetzung der Vertretung auch inhaltliche Folgen hat.
    Und obwohl die Kandidatenlisten nun doch noch nicht endgültig stehen, weil in den Bundesländern Wien, Burgenland, Steiermark und Vorarlberg am kommenden Wochenende bzw.
    erst später die Zusammensetzung der Ländervorschläge beschlossen werden soll, ist nun das Faktum der gemeinsamen Kandidatur mit etlichen Namenszügen unter dem Grundsatzvertrag offiziell fixiert.
    Aufatmen gab's nach dieser stundenlangen Nachtsitzung.
    Spitzenkandidatin Freda Meisner-Blau hat, so berichtet sie von den nächtlichen Vorgängen, ihren Mitstreitern klargemacht, dass die Devise heute Nacht oder nie heißt.
    Sonst habe sie kein gutes Gefühl, ob die eben im Geburtsstadium befindliche Gruppierung überhaupt denen sie gesetzten Erwartungen gerecht werden kann.
    Viel internen Erfolg dürfte Meisner-Blau auch mit dem von ihr verlangten und bis gestern geheim gehaltenen Spitzenjuristen auf der Kandidatenliste haben.
    Mit dem aus AKH und Androsch-Zeiten bekannten jungen Staatsanwalt Walter Geier hofft sie ein Signal setzen zu können.
    Wir machen nicht mit beim Vertuschen.
    Und mit Volldampf wird jetzt auch das inhaltliche Kurzprogramm der Grünen Alternativen bearbeitet.
    Das damit befasste Redaktionskomitee will das Ergebnis seiner Arbeit in den nächsten Tagen vorlegen.
    In wenigen Sekunden wird es 12.30 Uhr halb eins.
    Die voraussichtlichen Themen der zweiten Mittagsjournalhälfte sind internationale Pressestimmen zur Freilassung des amerikanischen Journalisten Danilov, gesundheitliche Schäden von 50 Millionen Bürgern Indonesiens durch Pflanzenschutz und Düngemittel,
    Im Sudan warten Millionen akut vom Hungertod bedrohte Menschen auf durch politische Verhandlungsschwierigkeiten blockierte Hilfslieferungen.
    Heute Abend wird die 38.
    Frankfurter Buchmesse eröffnet und von einem der renommiertesten bildenden Künstler Österreichs, Walter Pichler, gibt es sowohl eine neue Ausstellung als auch ein neues Buch.
    Und weil wir schon bei Programmhinweisen sind, jetzt gleich auch noch ein auf unser heutiges Abendjournal, dessen Journal Panorama.
    Da können Sie ab etwa 18.30 Uhr im Programm Österreich 1 hören, wie der neue, bisher überaus erfolgreiche Burgtheaterdirektor Klaus Paimann unlängst mit dem Burgpublikum diskutierte.
    Diese Diskussionsausschnitte hatten wir, wie Sie vielleicht im gestrigen Mittagsjournal gehört haben, schon für gestern angekündigt gehabt, mussten sie aber wegen des Todes Helmut Qualtingers und einem diesem gewidmeten Journalpanorama auf heute verschieben.
    Wenn, was wir wahrlich nicht hoffen wollen, nicht wieder so traurig aktuelles dazwischen kommt, können Sie also heute ab etwa 18.30 Uhr im Journalpanorama Klaus Paimann mit dem Burgtheaterpublikum diskutieren hören.
    Und jetzt weiter im Mittagsjournalprogramm.
    Gestern wurde, wie wir ausführlich berichteten, der seit 30.
    August in Moskau unter Spionageverdacht festgehaltene amerikanische Journalist Nick Danilov freigelassen und reiste via Frankfurt am Main in die USA, wo er heute ankommen wird.
    Obwohl die genauen Umstände und Bedingungen der Freilassung Danilovs, worüber die Außenminister der beiden Supermächte Gervard Nazi und Schulz zuletzt mehrfach intensiv verhandelten, noch immer nicht bekannt sind, so ist man allgemeiner Überzeugung, dass nun der Weg zu einem zweiten Gipfel Gorbatschow regenfrei ist.
    zu einem Gipfel, von dem die Sowjetunion immer als Vorbedingung stellte, dass dabei konkrete Abrüstungsmaßnahmen präsentiert werden können.
    Könnte das Ende der Affäre Danilov so also der Anfang zu global bedeutsamen Verträgen gewesen sein, so weiß man aber, wie gesagt, über Konkretes zur Danilov-Freilassung selbst noch herzlichst wenig.
    Offen ist zum Beispiel, was mit dem Mitte August in den USA unter Spionage-Verdacht festgenommenen sowjetischen UNO-Mitarbeiter Gennady Zakharov geschehen wird und was aus der von den USA per 1.
    Oktober verfügten Ausweisung von 25 Mitarbeitern der New Yorker UNO-Mission der UdSSR wird.
    Aufklärung zu solchen Fragen erwartet man von Pressekonferenzen, die die beiden Außenminister Schewadnazi und Schulz nach mitteleuropäischer Zeit heute Nachmittag geben werden.
    Aber auch ohne über Details Bescheid zu wissen, war die Freilassung Danilovs schon für zahlreiche Zeitungskommentatoren in den verschiedenen Ländern Anlass zu analysen.
    Auszüge daraus stellte Raimund Löw zusammen.
    Der Spion kam aus der Kälte zurück.
    Titelt heute die belgische Zeitung La Libre Belgique und drückt damit die allgemein verspürbare Erleichterung über die Freilassung des US-Journalisten Danilov aus.
    Eines ist sicher.
    Nach der Freilassung von Danilov kommt ein ganzer Mechanismus wieder in Gang.
    Man kann wieder mit einem gewissen Optimismus die Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Supermächten betrachten.
    Die Pariser Tageszeitung Libération glaubt, dass Moskau ursprünglich ein Platzen des Gipfels Reagan-Gorbatschow einkalkuliert hätte.
    Jetzt ortet man einen Umschwung, und zwar mit innenpolitischen Hintergründen.
    So muss das mit Sicherheit als Auswirkung der großen Schlacht gewertet werden, die zurzeit in der UdSSR
    im Zusammenhang mit der Reformdiskussion im Gange ist.
    Es sieht ganz so aus, als hätte Gorbatschow beschlossen, diese Schlacht im Ausland auszutragen, um geschärkt an die innere Front zurückzukehren.
    In den USA fragt sich die Washington Post, warum die Bedingungen für die Freilassung Danilovs noch immer nicht bekannt gegeben wurden.
    Der vermutete Grund?
    Um die angeblich vorbehaltlose Seite der Danilow-Freilassung hervorzuheben und um mindestens jede Art von Austausch im Hinblick auf den unter Spionageanschuldigungen in New York festgehaltenen Gennady Sakharov zu bestreiten.
    Offenbar ist dieser Fall aber Teil eines Paketes, dessen Elemente die 25 der Spionage beschuldigten sowjetischen UNO-Angestellten und vielleicht einige inhaftierte sowjetische Dissidenten sind.
    Der gordische Knoten ist entwirkt, freut sich in der Bundesrepublik Deutschland der Kölner Stadtanzeiger, um den beiden Protagonisten, USA und Sowjetunion, dann gehörig die Leviten zu lesen.
    Denn der diplomatische Eifer der vergangenen Tage könne nicht überdecken, dass sich die beiden ganz Großen dieser Welt in ihrem Starrsinn nahezu wie Kinder benommen haben.
    Kein erfreuliches Schauspiel.
    Jetzt aber habe der Druck der Weltöffentlichkeit Washington und Moskau in Zugzwang gebracht.
    Die Chancen für einen Gipfel stünden gut, meint der Kölner Stadtanzeiger.
    Denn hinter dem ganzen Dampf um Danilov, Sakharov und Co.
    ist man sich in der Materie der Rüstungskontrolle näher gekommen.
    Bei den Mittelstreckenraketen wie auch bei der Behandlung der Weltraumwaffen.
    Und das Tauziehen von New York hat immerhin auch gezeigt, dass beide keine neue Eiszeit wollen.
    Also sollte es als nächstes nur noch eins geben dürfen, Brief und Siegel unter ein Abrüstungsdokument.
    Ein Optimismus, den etwa die Münchner Süddeutsche Zeitung nicht teilt.
    Das Klima zwischen den beiden Supermächten sei äußerst schlecht, die Vertrauensbasis zwischen Reagan und Gorbatschow geschrumpft.
    Keine angenehmen Modalitäten für die USA erwartet der Kommentator der Wiener Presse aus dem amerikanisch-sowjetischen Deal unter dem Titel Geiselbefreiung.
    Heißt es?
    Agenten-Stories blättern das Innenleben der Supermächte vor aller Öffentlichkeit auf und meist ist das, was sich da im Souterrain der Politik zeigt, peinlich für alle.
    Ein mieses Kellertheater.
    Soweit die Presse.
    Geheimdienst-Querschüsse sieht Robert Wiesner in der sozialistischen neuen AZ nicht nur auf der sowjetischen, sondern auch der amerikanischen Seite.
    Wir wissen, dass die Spitzenpolitiker in Washington von der spektakulär inszenierten Sakharow-Festnahme nicht im Vorhinein informiert worden waren.
    Es gibt auch Hinweise, dass die KGB-Aktion gegen Danilov nicht mit der Kreml-Spitze abgesprochen wurde.
    Das Spiel der Geheimdienste habe zu einem grotesken Ergebnis geführt.
    Gorbatschow und Reagan waren politische Gefangene ihrer Häftlinge geworden.
    Dass die Außenminister der Supermächte sich jetzt wieder echten Problemen zuwenden können, so schließt Robert Wiesner in der neuen AZ, sei noch allemal als erfreulich zu werten.
    Viele Länder der dritten Welt sahen und sehen Möglichkeiten zur Bekämpfung des Hungers von Millionen und Abermillionen Menschen in einer durch chemische Dünge und Pflanzenschutzmittel gesteigerten Nahrungsmittelproduktion.
    Und beim Beschreiten dieses Weges wurden und werden sie von den Industrieländern bestärkt.
    Betrachten Letztere die Lieferung von, häufig auch veralteten, Chemikalien nicht selten als ideale Entwicklungshilfe.
    Kritik daran musste sich immer wieder gefallen lassen als modisch grüne Miesmacherei, die den Hungernden nichts nützt verteufelt zu werden.
    Nun äußerten aber auch in einem dritten Weltland, in Indonesien, Fachleute vor dem dortigen Parlament die Befürchtung, dass 50 Millionen Indonesier, besonders Bauern in Java, durch unsachgemäße Methoden und veraltete Chemikalien des Pflanzenschutzes gesundheitliche Schäden entweder schon davongetragen haben oder künftig davon betroffen sein werden.
    Näheres berichtet Eberhard Kurau.
    Die Gesundheit von 50 Millionen Indonesiern sei bedroht durch die verbreitete Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Lande.
    Diese Meinung vertrat kürzlich der Vorsitzende der Vereinigung indonesischer Fachleute für Umweltrisiken vor einer Parlamentsausschuss in Jakarta.
    Rajin Sinulinga erklärte den Abgeordneten, dass die Vergiftung der Umwelt durch Pflanzenschutzmittel in den letzten fünf Jahren dramatisch zugenommen habe.
    Er ging nicht darauf ein, welche Mittel im Einzelnen besonders gefährlich seien.
    Aber nach seiner Schätzung würden mindestens die Hälfte der ländlichen Bevölkerung Indonesiens an chronischen Vergiftungen leiden.
    Gleichzeitig gab die Indonesische Verbrauchervereinigung bekannt,
    dass die Bauern noch immer DDT verwendeten, das in den meisten westlichen Ländern verboten ist.
    Auch andere nicht erlaubte oder strengen Beschränkungen unterliegenden Chemikalien würden eingesetzt, nachdem sie mit gefälschten Etiketten illegal verkauft worden sind.
    Außerdem würden beim Einsatz der Pflanzenschutzmittel oft die vorgeschriebenen Höchstmengen überschritten.
    Die Fachleute führen das bedrohliche Anwachsen der Vergiftungen auch zurück auf die Kampagne der Regierung für eine Selbstversorgung des Landes mit Reis.
    In der Tat war Indonesien trotz günstiger klimatischer Verhältnisse wegen des raschen Bevölkerungswachstums in den letzten Jahrzehnten stark auf die Einfuhr des Grundnahrungsmittels Reis angewiesen.
    Erst in den letzten Jahren konnte sich das Land im Gefolge der sogenannten grünen Revolution selbst versorgen und wurde wegen des Erfolges auch international häufig gelobt.
    Aber die neuen ertragreichen Reissorten und die reichliche Verwendung des von der Regierung subventionierten Kunstdünners haben nun zu schweren Belastungen der Umwelt geführt.
    Eine Untersuchung des Gesundheitsministeriums in zwei Distrikten der Zentralinsel Java ergab, dass 146 Bauern durch Vergiftungen mit Pflanzenschutzmitteln schwer erkrankt waren.
    Die Zahl der Todesfälle ist unbekannt.
    Erschwerend wirkt sich für Java die außerordentlich dichte Besiedlung der Insel aus.
    Bis zu 25 Prozent, also einem Viertel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche, ist in Zentraljawa mit Hütten bedeckt, in denen die Menschen wohnen und zwischen denen noch Fruchtbäume wachsen, um den dringendsten Bedarf an Vitaminen zu decken.
    Jeder Quadratmeter sonst dient dort ausschließlich der Reiskultur mit bis zu drei Ernten im Jahr.
    Darüber hinaus werden die überschwemmten Reisfelder noch zur Fisch- und Entenzucht genutzt, um auf der gleichen Fläche auch noch das notwendige Eiweiß für die Ernährung der Menschen zu erzeugen.
    Es ist klar, dass sich die Gefahren der Überdosierung und falschen Anwendung von Chemikalien bei dieser mehrfachen Nutzung der gleichen Fläche rasch erhöhen.
    So gab es schon Anfang der 70er Jahre im Mitteljawa eine Katastrophe, als ein bestimmtes, weithin verwendetes Insektenschutzmittel zwar wirksam war und unschädlich für Mensch und warmblütiges Getier, sich aber als hochgiftig für Fische erwies.
    Die überlebenswichtige Fischzucht in dem dicht besiedelten Gebiet kam damals völlig zum Erliegen.
    Eine schnelle Lösung für das Problem ist im übervölkerten Java nicht in Sicht.
    Familienplanung, Aussiedlung auf die immer noch recht dünn bevölkerten großen Inseln Sumatra, Kalimantan, das frühere Borneo, und Sulawesi, das frühere Celebes, könnten helfen.
    Auch die Schulung der Bauern für den Umgang mit den gefährlichen Chemikalien muss verbessert werden.
    Aber das alles braucht Zeit.
    Und inzwischen wird die Vergiftung der Menschen wohl weitergehen.
    Ist in Indonesien also zu befürchten, dass durch Fehler bei der Steigerung der Nahrungsmittelproduktion bis zu 50 Millionen Menschen Gesundheitsschäden durch Chemie erlitten?
    So sterben in Afrika seit Jahren Tausende und Abertausende durch das Fehlen von Nahrung an Hunger.
    Vor zwei Jahren hatte die furchtbare Hungerepidemie insbesondere in Äthiopien und in der Sahelzone die Weltöffentlichkeit aufgeschreckt und zu einer Serie von Hilfsaktionen geführt, wodurch die Situation stabilisiert werden konnte.
    Nun sind aber von neuen Millionen Afrikaner akut vom Hungertod bedroht.
    Zwei bis vier Millionen Einwohner der südlichen Provinzen des Sudan, befürchten internationale Hilfsorganisationen, kommen jeden Tag in eine kritische Situation.
    Und das, obwohl Hilfslieferungen, Getreide und Medikamente aus Europa und den USA seit Wochen bereit liegen.
    Sie können aber wegen des Bürgerkriegs, wegen fehlender politischer Vereinbarungen nicht in die Krisengebiete gebracht werden.
    Im schlimmsten Sinn des Wortes also über leichengehendes politisches Verhalten, berichtet Klaus Laink Kuse.
    Inzwischen fliehen Tausende aus dem afrikanisch-christlich-animistischen Süden des Sudans in den arabisch-islamischen Norden.
    Und Hunderte sterben täglich entweder an Lebensmittelmangel oder weil sie auf der Flucht zwischen den Fronten der Regierungsgruppen aus dem Norden und der große Teile des Südens kontrollierenden südsudanesischen Volksbefreiungsarmee aufgerieben werden.
    Der Süden hummert nicht, weil etwa eine schicksalsschwere Dürre das Land heimgesucht hätte als Strafe welchen Gottes auch immer.
    Die Hungersnot ist von Bomben, Granaten und Maschinengewehren provoziert.
    Der Krieg um mehr Autonomie des Südens hat ein Ausmaß erreicht, dass Landwirtschaft zur Grundversorgung der Bevölkerung nicht mehr möglich ist.
    Und seit Wochen bemühen sich internationale Hilfsorganisationen, Arrangements zwischen der Zentralregierung in Khartoum und den Rebellenführern im Süden zu treffen, damit der Big Lift, das Unternehmen Regenbogen, der Lufttransport von Lebensmitteln in den Süden zustande kommt.
    Noch am Wochenende sah es so aus, als ob es den Geschäftsträger der niederländischen Botschaft, Sprecher des internationalen Hilfskonsortiums, gelungen sei, genügend Garantien für die Sicherheit der Herkules-Transportmaschine zu erhalten, damit im Kartonlagern des Getreide und Medizin an vier verschiedene Flugplätze im Süden transportiert werden können.
    Morgen sollte die erste Maschine starten.
    Aber gestern kam über Nairobi die Nachricht, dass die Rebellen im Süden nicht zuließen, nur die Flughäfen von Juba und Malakal anzufliegen, zwei Landebasen, die von der Regierung kontrolliert werden.
    Die Regierung in Khartoum hatte inzwischen ihre Zusage, auch Flüge nach Wau und einem anderen kleinen Flughafen zu genehmigen, zurückgezogen.
    Und wie ernst Warnungen oder Drohungen des Rebellenführers des obersten Garang zu nehmen sind, beweist der Abschuss einer Zivilmaschine am 16.
    August, bei der 60 Menschen getötet wurden.
    Keine der beiden kriegführenden Seiten ist bereit, rein humanitäre Hilfe für den jeweiligen Gegner zu akzeptieren.
    Wobei die von den Rebellen kontrollierte Hilfsorganisation des Südens deutlich gemacht hat, dass Hilfe für den Süden auch für die von den Regierungstruppen gehaltenen Städte möglich sei, wenn sie von ihr durchgeführt würde.
    Der politische Streit, wer mit wem reden darf, wer was organisieren, ist ein Kompetenzgerangel auf Leben und Tod.
    Und die in den Farben des Regenbogens angemalte Herkules brütet weiter in der sengenden Hitze auf dem Flughafen in Khartoum.
    dass die Vertreter der internationalen Hilfsorganisationen, allen voran das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen, die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, doch noch, auf welche Weise auch immer, starten zu können, zeigen die noch andauernden und diskreter werdenden Verhandlungen und die Tatsache, dass inzwischen auch Lastwagen in den Farben des Regenbogens angepinselt werden.
    Bei den tausenden Kilometern von Pisten könnten sich Möglichkeiten ergeben, direkt und unmittelbar mit den jeweils vor Ort herrschenden Militärs zu verhandeln.
    Aber die Säcke und Kisten, die dabei abgeladen werden müssten, lassen die Menschen schon jetzt aus dem Süden in Richtung Hilfsgüter in Richtung Norden fliehen.
    Und wenn es nach den Piloten und ihrer Mannschaft ginge, sie flögen einfach los.
    Denn, so sagen sie, die Militärmaschinen der Regierung fliegen auch, ohne dass sie abgeschossen werden.
    Außerdem habe die Regierung dem Hilfskonsortium Sicherheitsgarantien nach Maßgabe der Zivilluftfahrt erteilt.
    So wie man andernorts auf Regen wartet, so dringend braucht der Süden des Sudan die brummenden, tonnenschweren Regenbögen.
    Heute Abend wird in Frankfurt am Main die alljährliche, nun schon 38.
    Buchmesse, die größte der Welt, eröffnet.
    Insgesamt werden dabei fast unvorstellbare 320.000 Bücher ausgestellt sein.
    Darunter nicht weniger als 92.000 Neuerscheinungen.
    Präsentiert wird die gigantische Büchermenge von 7.000 Ausstellern aus 84 Ländern.
    Und damit kann Frankfurt wie gewohnt mit einem neuen Quantitätsrekord aufwarten.
    Rekorde, die von manchen Kritikern allerdings auch als schlicht und einfach erschreckend bezeichnet werden.
    Abgesagt haben 50 amerikanische Aussteller.
    Als Gründe dafür werden mehrere angeführt.
    Unter anderem Terroristenfurcht, der schwache Dollarkurs, eine peinliche Überschneidung des Messetermins mit dem jüdischen Neujahrsfest und überhaupt amerikanischer Europaunlust.
    Das Schwerpunktthema der bis 6.
    Oktober dauernden diesjährigen Frankfurter Buchmesse heißt Indian Wandlin Tradition.
    Insgesamt werden 1000 indische Verleger ihre Bücher und Zeitschriften vorstellen.
    Von der heutigen Buchmesse-Auftakt-Pressekonferenz berichtet nun aus Frankfurt Volkmar Paschalk.
    Hochbetrieb in den Hallen 4, 5 und 7 des Frankfurter Messegeländes.
    Architekten, Designer, Handwerker sind im Einsatz, die Stände für die morgige Eröffnung zu gestalten.
    Die Verleger laden ihre Bücher aus, um sie auf ihre Keuen zu verteilen.
    Unter allen internationalen Messen kann sich die Frankfurter Buchmesse Rühmen am meisten, das Geschäft hinter dem geistigen Anspruch zu verbergen.
    Unter allen Buchmessen ist sie die traditionsreichste und internationalste.
    Rekordzahlen bestimmen auch heuer die Pressekonferenz, die gerade jetzt am Frankfurter Messegelände im Gange ist und bei der Börsenvereinsvorsteher Christiansen insgesamt 6.920 ausstellende Verlage um rund 300 mehr als im Vorjahr vermelden konnte.
    Österreich ist mit einem Gemeinschaftsstand des Hauptverbandes sowie mit 73 größeren und kleineren Einzelausstellern auf dieser Messe vertreten, wobei österreichische Autoren durchaus auch im Angebot bundesdeutscher Verlage einen wichtigen Platz einnehmen.
    Pressesprecher Peter Czerwonka auf die Frage, ob Trends in der deutschsprachigen Literatur bei der Messe erkennbar seien.
    Also die einzige Veränderung, an die wir uns über Jahrzehnte gewöhnt haben, ist, dass es immer größer wird, was uns selbst erstaunt.
    Was aber sicherlich einen Grund darin hat, dass sehr viele ausländische Verlage dieses Jahr wieder vertreten sind.
    Fast vier Fünftel der Aussteller sind ja aus dem Ausland.
    Und in diesem Jahr besonders viele indische Verlage.
    Trends in literarischer Hinsicht möchte ich natürlich überhaupt nicht kommentieren, denn den stellen wir hier auch erst in den späteren Jahren fest.
    Frankfurter Buchmesse, das heißt nicht nur Ausstellungen von Unmengen von Büchern, das heißt auch Gespräche mit Autoren, Presseempfänge und Partys, viel Medienrummel, viele durch die Hallen wandernde Fernsehteams, aber auch Lesungen, Kabarets, Vorträge in der ganzen Stadt.
    Das heißt auch als einen Höhepunkt die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, der diesmal am Sonntag in der Paulskirche dem Warschauer Publizisten und Historiker Wladyslaw Bartoszewski übergeben wird.
    Das heißt auch ein Schwerpunktthema diesmal, Indien, Wandel in Tradition, mit Ausstellungen indischer Verlage, indischen Skulpturen und Malerei, Symposien, Fotodokumentationen, Konzerten, Tanzvorführungen und Lesungen indischer Autoren.
    Peter Czerwonka?
    Indien ist halt wirklich in jeder Hinsicht ein noch unentdeckter Kontinent.
    Allein die Größe, die Anzahl der Sprachen und der entsprechenden Literaturen, die es dort gibt, übersteigt all unsere Vorstellungen.
    Deswegen die Entscheidung.
    Und es kommt noch eins hinzu.
    Indien ist, wie das Motto sehr richtig sagt, wirklich ein Land, in dem jetzt im Augenblick ein Umbruch vor sich geht, den wir einfach zur Kenntnis nehmen müssen.
    Wir haben in den letzten Tagen hier eine Begegnung mit indischen Autoren gehabt.
    Und es ist sehr deutlich geworden, dass sie eine Menge zu bieten haben.
    Man fragt sich bei so viel versammelter Literatur in Frankfurt, wer das alles lesen soll.
    Und darauf reagiert man, gestützt von einer leichten Umsatzsteigerung, optimistisch.
    Wie auch in der bemerkenswerten Rede von Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Ulrich Wechsler kein Gegensatz zwischen elektronischen Medien und Buch festgestellt wurde,
    und die wissenschaftlich gestützte Behauptung erhoben wurde, dass Lesen das kritische Bewusstsein erwecke, bewusste Leser weniger manipulierbar und daher die besseren Fernsehzuseher seien.
    In einer Kombination des Buches und der elektronischen Medien liege die Zukunft.
    Peter Czerwonka dazu, was die Frankfurter Buchmesse dazu beitragen könne?
    Der Buchhandel ist eigentlich mit der Entwicklung der Umsätze zufrieden.
    Das heißt, es ist ein Publikum wohl da.
    Aber natürlich muss jemand da sein, der dem Publikum diese Literatur anbietet.
    Und das können ja nur die Verlage sein.
    Und deshalb ist hier Frankfurt der richtige Ort, die Verlage, und zwar nicht nur die Deutschen, sondern die Internationalen, die hier vertreten sind, auf das Thema Indien hinzuweisen.
    Aus Frankfurt, wo heute Abend die 38. wieder einmal quantitätsrekordebrechende Buchmesse eröffnet wird, berichtete Volkmar Paschalk.
    Und jetzt zu österreichischer Kultur.
    In der Wiener Galerie Ulysses wird heute eine Ausstellung mit Zeichnungen eines der bekanntesten österreichischen Künstler, nämlich von Walter Pichler eröffnet.
    Zugleich wird ein umfangreiches Walter Pichler Buch präsentiert, das soeben in Residenzverlag erschienen ist und den lapidaren Titel Bilder trägt.
    Näheres berichtet Heidi Grundmann.
    Walter Pichler, der Tiroler, der im Südburgenland nicht nur für sich, sondern auch für sein Werk, dem er dort Häuser baut, mehr als nur einen Aufenthaltsort gefunden hat, Walter Pichler, der mit diesem Werk außerhalb modischer oder auch nur aktueller Strömungen steht, Walter Pichler hat nicht zum ersten Mal Arbeiten für ein Buch zusammengefasst.
    1971 gab es eine Publikation mit Arbeiten der 60er Jahre, 1973 ein Buch mit Zeichnungen und 1983 eines, das unter dem Titel Skulpturen, Gebäude und Projekte hauptsächlich Pichlers Arbeit in St.
    Martin im Burgenland beleuchtet.
    Das neue Buch trägt also den einfachen Titel Bilder.
    Dieses Buch schließt an an das Buch von 1973, das erste Zeichnungsbuch und also die 13 Jahre inzwischen sind in dem neuen drin.
    Die Bilder sind also hauptsächlich Zeichnungen und Zeichnungen sind auch in der neuesten Ausstellung Pichlers zu sehen.
    In der Ausstellung ist eine ziemlich willkürliche Zusammenstellung von mir gemacht.
    Es sind Teile von Zeichnungen, die im Buch sind, Teile aus meiner ganz persönlichen Schublade und
    Was die größeren Arbeiten der Stirnwand sind, sind für mich ziemlich neuere Dinge und die wollte ich auch herzeigen.
    Die Zeichnungen im neuen Buch über Walter Pichler werden von einem Essay von Christian Reder, Professor an der Hochschule für Angewandte Kunst, ergänzt.
    Einem Text, der in Form und weitgespanntem von Mesopotamien über Ägypten, das Mittelalter bis zu Grundpositionen der Moderne reichenden Inhalt,
    den üblichen Kunstbüchertexten entgegengebürstet ist.
    Ich meine, ein Künstler, der sich der Sprache eines anderen aussetzen will, steht ja vielleicht besonders hierzulande vor einem ziemlichen Dilemma.
    Die Kunstkritik erreicht fast immer nur ein recht flaues Niveau.
    Die Kunsthistoriker schaffen es nur sehr selten, einen Zugang zur Gegenwartskunst zu finden.
    Es gibt diese ganzen Ausflüchte in Psychologisierungsgabriolen.
    Die Texte wurden kürzer oder ganz weggelassen.
    Mein Zugang zu diesem Text war der, gleichsam von Bichlers 30-jähriger Arbeit, von seinen Plastiken, seinen Zeichnungen, seinen Bildern abzuschreiben.
    Einer harmonisierenden Darstellung ist entgegengearbeitet worden durch Ausflüge in Beziehungsfelder
    um auch durch den Aufbau dieses Aufsatzes eine sprachliche Form zu finden, die Pichlers Begriffswelt in Assoziationen, in ihren inneren Konflikten darstellbar macht.
    Buchpräsentation und Ausstellung fallen zusammen mit Walter Pichlers morgigem 50.
    Geburtstag, auch wenn der Künstler versichert... Der Anlass ist nicht der Geburtstag, nein, wirklich nicht.
    War nicht so gedacht, wirklich nicht.
    Und Pichler hat auch gar nicht die Absicht, jetzt an der Vergangenheit hängen zu bleiben.
    Jetzt fang ich langsam an, ein paar Sachen wirklich zu begreifen.
    Und da, glaube ich, ist überhaupt nichts abgeschlossen.
    Im Gegenteil.
    Pichler bereitet gerade einen großen Auftritt vor.
    Ich arbeite gegenwärtig an einer großen Ausstellung, die in Frankfurt nächstes Jahr sein soll.
    Und baue zwei Häuser, die ich in Frankfurt aufstellen möchte.
    bin vielleicht gedanklich ein wenig in diese Richtung beschäftigt.
    Eine Riesenausstellung in Frankfurt also.
    Vor vier Jahren vertrat Pichler Österreich bei der Biennale in Venedig.
    Vor kurzem wurde ihm der große österreichische Staatspreis verliehen.
    Walter Pichler, ein Staatskünstler also?
    Also wirklich nicht.
    Ich glaube, dass der Staat sehr wenig Freude hätte mit so einem Staatskünstler.
    Also ich glaube, dass mein ganzes
    Leben und meine ganze Arbeitsweise eine wirklich ganz gegenteilige Richtung zeigt.
    Staatskünstler würde bedeuten, dass man wirklich mit den Mächten des Staates zusammenarbeitet.
    Ich bin, solange ich lebe und solange ich arbeite, auf großer Distanz mit diesen Mächten gewesen und behalte sie sicher auch weiter.
    Einer engagierten Distanz möchte sich Pichler auch in dem aus den Staatspreisträgern bestehenden Kunstsenat befleißigen.
    Bis jetzt allerdings ist er noch nicht einmal offiziell in dieses Gremium aufgenommen worden.
    Und zwar ganz einfach deshalb, weil es offensichtlich seit Monaten keine Kunstsenatssitzung mehr gegeben hat.
    Walter Pichler feiert seinen morgigen 50.
    Geburtstag also mit einer Ausstellung in der Galerie Ulysses und dem neuen Pichler-Buch Bilder.
    Und im Mittagschanal gibt es jetzt noch Schlussnachrichten.
    Österreich.
    Bundeskanzler Franitzki will im Fall seiner Wiederwahl eine Volksbefragung oder Volksabstimmung über die Steuerreform abhalten.
    Wannitzki sprach nach dem Ministerrat von zwei Möglichkeiten.
    Das amerikanische Modell, nach dem sämtliche Ausnahmeregelungen beseitigt und die Steuersätze maßgeblich gesenkt werden oder die Beibehaltung eines Teils der Ausnahmen verbunden mit einer geringeren Senkung der Steuersätze.
    Der Bundeskanzler betonte, er habe die klare politische Absicht, das Steuersystem so zu entlasten, dass ein Steuerentlastungs- und Steuersenkungskonzept nicht aber ein Steuerbelastungskonzept herauskomme.
    ÖVP-Obmann Alois Mock hat drei Forderungen für die Sanierung der verstaatlichten Industrie genannt.
    Mock forderte ein betriebswirtschaftliches Reformkonzept, Privatisierungsmaßnahmen und eine neue Wirtschaftspolitik, deren Kern eine Steuersenkung sein soll.
    ÖVP-Generalsekretär Michael Graf verlangte einen raschen Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik.
    Graf sagte, im Winter müsse heuer mit einer neuen Rekordarbeitslosigkeit von mehr als 200.000 Arbeitssuchenden gerechnet werden.
    Finanzminister Ferdinand Latsiner sieht trotz der bedeutenden Strukturunterschiede im Steuersystem in der amerikanischen Steuerreform interessante Ansätze.
    Latsiner hob hervor, dass Vereinfachung bei gleichzeitiger Aufkommensneutralität erreicht worden sei, obwohl starke Lobbys auf die Aufrechterhaltung ihrer Sondervorteile gedrängt hätten.
    Die grünen und alternativen Gruppen haben sich endgültig auf eine gemeinsame Kandidatur bei der Nationalratswahl geeinigt.
    Nach Mitteilung der Spitzenkandidatin Frieda Meißner-Blau haben alle grünen und alternativen Organisationen in der vergangenen Nacht den Vertrag unterzeichnet.
    Die Liste der Kandidaten ist aber noch nicht fixiert.
    Die Gruppierung soll die Bezeichnung die grüne alternative Liste Frieda Meißner-Blau tragen.
    Die Gesellschafter des Gemeinschaftskraftwerks Tullner Feld beschließen heute das bereits politisch besiegelte Ende für das Kernkraftwerk Zwentendorf.
    Zuerst erteilt die Hauptversammlung des Verbundkonzerns den Auftrag zur Liquidierung, anschließend befasst sich die Generalversammlung der Gesellschaft mit dem Verwertungsbeschluss.
    Die Bahngewerkschafter lehnen die von verstaatlichten Minister Rudolf Streicher vorgeschlagene Änderung der Pensionsregelung für neue ÖBB-Bedienstete entschieden ab.
    Zentralsekretär Johann Schmölz meinte, die Änderungen würden eine deutliche Verschlechterung gegenüber der gültigen Praxis bedeuten.
    Verstaatlichen Minister Streicher hat vorgeschlagen, die Pensionsregelung bei den Bundesbahnen den EASVG-Richtlinien anzupassen.
    USA, Sowjetunion Nach der Ausreise des amerikanischen Journalisten Nikolas Danilov aus der Sowjetunion sollen heute Einzelheiten über die Beilegung der Affäre bekannt gegeben werden.
    Am Abend wird im sowjetischen Fernsehen eine offizielle Erklärung verlesen.
    Die Außenminister Schulz und Schawartnatze wollen in getrennten Pressekonferenzen Auskunft über die Lösung geben.
    Präsident Reagan hat betont, es gebe keinen Tauschhandel mit der Sowjetunion.
    USA Das Repräsentantenhaus hat mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit das Veto Präsident Reagans gegen die vom Kongress beschlossenen Sanktionen gegen Südafrika zurückgewiesen.
    Auch bei der heutigen Abstimmung im Senat dürfte das Veto des Präsidenten überstimmt werden.
    Reagan hat sich unter dem Eindruck dieser Entwicklung bereit erklärt, neue Maßnahmen gegen Südafrika vorzuschlagen.
    Dazu gehören ein Verbot neuer Investitionen in Südafrika, ein Importverbot für Eisen und Stahl sowie ein Verbot südafrikanischer Bankkonten in den USA.
    Die Wetteraussichten bis zum Abend.
    Im Nordosten vereinzelt Wolkenfelder, sonst sonnig.
    Nachmittagstemperaturen heute 16 bis 21 Grad.
    Nachrichten und das Wetter standen am Ende des Mittagschanals.
    Auf Wiederhören sagt Ihnen im Namen von Redaktion und Technik Fritz Wendl.
    Musik

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Datum: 1986.09.30 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten
    Wetterbericht
    Datum: 1986.09.30 [Sendedatum]
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    Was steckt hinter der US-Steuerreform?
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    Mitwirkende: Kerbler, Michael [Gestaltung] , Farny, Otto [Interviewte/r]
    Datum: 1986.09.30 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Pressefoyer nach dem Ministerrat - Steuerreform
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    Mitwirkende: Eichinger, Erich [Gestaltung] , Vranitzky, Franz [Interviewte/r]
    Datum: 1986.09.30 [Sendedatum]
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    Schlagworte: Politik Österreich ; Politik ; Gesellschaft ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Pressefrühstück Graff - Steuerreform
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    Mitwirkende: Pesata, Fritz [Gestaltung] , Graff, Michael [Interviewte/r]
    Datum: 1986.09.30 [Sendedatum]
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    Einigung der Grünen
    Mitwirkende: Hopfmüller, Gisela [Gestaltung]
    Datum: 1986.09.30 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Politik ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten
    Indonesien: Gesundheitsschäden durch Pflanzenschutzmittel
    Mitwirkende: Kuhrau, Eberhard [Gestaltung]
    Datum: 1986.09.30 [Sendedatum]
    Ort: Singapur [Aufnahmeort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Medizin ; Wirtschaft ; Wissenschaft und Forschung ; Technik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten
    Aktion "Regenbogen" gegen den Hunger im Sudan
    Mitwirkende: Lainck-Kuse, Klaus [Gestaltung]
    Datum: 1986.09.30 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten
    Kultur: Vor der Frankfurter Buchmesse
    Einblendung: Pressesprecher Czerwonka
    Mitwirkende: Parschalk, Volkmar [Gestaltung] , Czerwonka, Peter [Interviewte/r]
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    Schlagworte: Gesellschaft ; Kultur ; Literatur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Kultur: Ausstellung Staatspreisträger Walter Pichler in Wien
    Einblendung: Walter Pichler, Professor Reder
    Mitwirkende: Grundmann, Heidi [Gestaltung] , Pichler, Walter [Interviewte/r] , Reder, Christian [Interviewte/r]
    Datum: 1986.09.30 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Kultur ; Wissenschaft und Forschung ; Literatur ; Bildende Kunst ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten

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    Titel Mittagsjournal 1986.09.30
    Spieldauer 00:59:49
    Mitwirkende Wendl, Fritz [Moderation] [GND]
    Bachmair, Udo [Regie]
    ORF [Produzent]
    Datum 1986.09.30 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ audio
    Format TKA [Tonband auf Kern (AEG)]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-860930_k02
    Medienart Mp3-Audiodatei
    Gesamtwerk/Reihe Mittagsjournal

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    Schlagworte

    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt