Mittagsjournal 1981.12.31

Video-Player wird geladen.
Advertisement
Aktueller Zeitpunkt 00:00
Dauer 00:00
Geladen: 0%
Streamtyp LIVE
Verbleibende Zeit 00:00
1x
  • Marker
  • Beschreibungen aus, ausgewählt
  • Untertitel aus, ausgewählt
    x
    ZOOM HELP
    Drag zoomed area using your mouse or a finger.
    100%

    Rechtliches

    Zitieren

    KI-generiertes Transkript

    12 Uhr.
    Hier ist der österreichische Rundfunk.
    Eine angenehme Mittagstunde, meine Damen und Herren.
    Beim letzten Journal in diesem zu Ende gehenden Jahr 1981 begrüßt Sie als Redakteur Karl Jokowsky und zu Beginn gleich die Schlagzeilen der Beiträge, die Sie bis dreiviertel eins hören können.
    Finanzminister Herbert Salcher kündigt Wohnbausonderprogramm der Bundesregierung an.
    5000 Miet- und Genossenschaftswohnungen sollen gebaut werden.
    Ab morgen wird das Leben in Österreich um einiges teurer.
    Wir versuchen aufzulisten, für welche Dinge sie morgen tiefer in die Tasche greifen müssen.
    Polen zur Jahreswende.
    Seit dem 13.
    Dezember herrschen ja die Militärs in Polen.
    Das Land steht unter einer kommunistischen Militärdiktatur.
    Bürgerrechte gibt es fast keine mehr.
    Heute letzter Amtstag von Kurt Waldheim als Generalsekretär der Vereinten Nationen.
    Nach zehnjähriger Tätigkeit folgt Waldheim morgen der Peruana Perez de Coelá.
    Dazu ein Interview mit Kurt Waldheim.
    Amerikanisch-israelisches Geheimabkommen über Politik nach Golan-Aktion durch Israel Amerika kündigt an, Sanktionen gegenüber Israel wieder aufzuheben.
    Und als Kulturbeitrag bringen wir ein Interview mit Lorin Marcel, dem designierten Staatsoperndirektor.
    Er leitet morgen zum dritten Mal das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.
    Zu Beginn jetzt die Nachrichten.
    Verantwortliche Redakteurin ist Elisabeth Manners und Sprecherin Angelika Kofler.
    Polen.
    Die Militärregierung in Warschau wirbt nun einerseits mit sozialen Maßnahmen wie einer Erhöhung der Mindestlöhne um das Vertrauen der Arbeiterschaft und schreckt andererseits mit drakonischen Strafen von weiterem Widerstand ab.
    In Łódź, Czechoslowakien, Stochau und Pile wurden vier Funktionäre der unabhängigen Gewerkschaft Solidarität zu Gefängnisstrafen von drei bis viereinhalb Jahren verurteilt.
    Sie sollen am 13.
    Dezember, dem Tag der Verhängung des Kriegsrechtes, bei einer Massenversammlung zum Generalstreik aufgerufen haben.
    Für die Silvesternacht wurde die geltende Ausgangssperre außer Kraft gesetzt.
    Damit soll der Bevölkerung die Teilnahme an den traditionellen Feiern zum Jahreswechsel ermöglicht werden.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Der stellvertretende polnische Ministerpräsident Rakowski hat seinen Besuch in Bonn am Vormittag mit Wirtschaftsgesprächen fortgesetzt.
    Hauptgesprächspartner des polnischen Politikers war der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages Amerongen.
    Rakowskis Rückreise nach Polen ist für den frühen Nachmittag vorgesehen.
    Der deutsche Außenminister Genscher hat in einem Interview für den Deutschlandfunk zu seinem gestrigen Gespräch mit Rakowski Stellung genommen.
    Genscher sagte, er habe den Eindruck gewonnen, dass für die polnische Führung klar sei, dass das Kriegsrecht keine Lösung der Probleme sei.
    In dem Interview sprach sich Genscher für die baldige Wiederaufnahme des innenpolitischen Dialogs in Polen und für die Fortsetzung der westlichen Polenhilfe aus.
    Bundesrepublik Deutschland, USA.
    Der deutsche Bundeskanzler Schmidt will sich in der Frage einer deutschen oder europäischen Beteiligung an den amerikanischen Sanktionen gegen Polen und die Sowjetunion noch nicht festlegen.
    An seinem Urlaubsort im amerikanischen Bundesstaat Florida erklärte Schmidt in einem Interview für das deutsche Fernsehen, es sei noch zu früh für eine Entscheidung, man solle die Außenministerberatungen der europäischen Gemeinschaft abwarten.
    Der Bundeskanzler sprach sich jedoch eindeutig gegen einen Abbruch der amerikanisch-sowjetischen Rüstungsbegrenzungsgespräche in Genf aus.
    USA.
    Die sowjetische Luftfahrtgesellschaft Aeroflot muss ihre Flüge in die Vereinigten Staaten vom kommenden Dienstag an einstellen.
    Die Annullierung der bisher zweimal wöchentlich stattfindenden Aeroflot-Flüge Moskau-Washington ist Teil der Sanktionen, die Präsident Reagan am Dienstag wegen der Rolle der Sowjetunion bei der Entwicklung in Polen beschlossen hat.
    Die letzte Aeroflot-Maschine wird Washington am Sonntag in Richtung Moskau verlassen.
    Kanada.
    Ministerpräsident Trudeau hat die Polen zu nationaler Aussöhnung aufgerufen.
    Trudeau sagte, nur die Geschichte könne zeigen, wie weit durch die Einführung des Kriegsrechtes eine sowjetische Intervention verhindert worden sei.
    Zu den von den USA gegen die Sowjetunion verhängten Sanktionen nahm der kanadische Regierungschef nicht Stellung.
    Großbritannien.
    Seit gestern Abend werden sowjetische Störsender gegen die für Polen bestimmten Sendungen der britischen Rundfunkgesellschaft BBC eingesetzt.
    Von dieser Maßnahme sind alle auf verschiedenen Wellenlängen ausgestrahlten polnischen BBC-Sendungen betroffen.
    Auch die amerikanische Rundfunkanstalt Voice of America hatte von der Störung ihrer für Polen bestimmten Sendungen berichtet.
    Italien.
    Nach ersten offiziellen Ergebnissen einer Volkszählung vom vergangenen Herbst hat sich der Anteil der deutschsprachigen Südtiroler in der Provinz Bozen verstärkt, während der Anteil der Italiener in etwa gleichem Ausmaß zurückgegangen ist.
    Demnach verringerte sich der Prozentsatz der in Südtirol lebenden Italiener von 33 Prozent im Jahr 1971
    auf nunmehr 29 Prozent.
    Die deutschsprachigen Südtiroler erhöhten im gleichen Zeitraum ihren Anteil im Bevölkerungsquerschnitt von 63 auf mehr als 66 Prozent.
    Auch bei den Retoromanen wurde ein leichter Anstieg verzeichnet.
    Im Zusammenhang mit der Entführung des amerikanischen NATO-Generals Dozier sind in der Nähe von Padua vier Mitglieder der linksextremen Organisation Arbeiterautonomie festgenommen worden.
    Wie der italienische Rundfunk heute meldete, befand sich im Besitz der vier Jugendlichen interessantes Material.
    Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt.
    Nach einer Krisenstabsbesprechung aller Spitzen der italienischen Ordnungs- und Sicherheitsdienste ist das Aufgebot der Fahnder verstärkt worden.
    Dozier ist seit dem 17.
    Dezember in der Gewalt der linksradikalen Terrorgruppe Rote Brigaden.
    Er war aus seiner Wohnung in Verona verschleppt worden.
    Ein vor drei Tagen von den Terroristen in Umlauf gebrachtes Foto des Generals ist nach Auffassung der italienischen Polizei echt.
    Ursprünglich meinte man, die an verschiedene Zeitungen geschickten Aufnahmen seien Fotomontagen.
    USA.
    Nach Darstellung der amerikanischen Fernsehanstalt ABC ist ein Komplize des Papstattentäters Ali Aja identifiziert worden.
    Die Fernsehgesellschaft berichtet, ein Mann, der bei dem Attentat auf dem Petersplatz am 13.
    Mai neben dem türkischen Attentäter stand, sei der steckbrieflich gesuchte türkische Terrorist Ömer Ay.
    Man habe ihn bisher noch nicht fassen können.
    Überprüft wird demnach auch die Aussage eines amerikanischen Journalisten, der noch einen dritten Komplizen gesehen haben will.
    Vereinte Nationen.
    Heute endet offiziell die zehnjährige Amtszeit von UNO-Generalsekretär Waldheim.
    Vor seiner Übersiedelung nach Österreich im Jänner verbringt Waldheim noch einen Urlaub in Florida.
    Sein Nachfolger, der Peruaner Pérez de Coelhar, wird am Montag die Amtsgeschäfte des UNO-Generalsekretärs aufnehmen.
    Die Wetterlage der Alpenraum steht unter dem Einfluss eines mächtigen Tiefdruckkomplexes, der im Bereich der britischen Inseln liegt.
    An seiner Vorderseite gelangen mit einer kräftigen Südwestströmung milde und zeitweise auch feuchte Luftmassen nach Österreich.
    Die Aussichten bis morgen früh gebietsweise Heite, sonst meist aufgelockerte bis starke Bewölkung und vor allem im Süden strichweise Niederschlag, meist als Regen.
    In den Niederungen schwachwindig, auf den Bergen stürmische Südwinde, Nachmittagstemperaturen 2 bis 10 Grad,
    Tiefstemperaturen der kommenden Nacht minus 3 bis plus 4 Grad.
    Die Aussichten für morgen Freitag, lokale Frühnebelfelder, sonst meist unterschiedliche, regional auch stärke Bewölkung und örtlich Niederschlag, meist als Regen.
    In Tiefen lagen mild auf den Bergen Temperaturrückgang.
    Mäßige westliche Winde, Tageshüchsttemperaturen 2 bis 8 Grad.
    Die Messwerte von 12 Uhr, Wien heiter 5°, Westwind mit 5 km in der Stunde.
    Eisenstadt heiter 8° Nord 5, Linz stark bewölkt 1° Nordost 2, Salzburg stark bewölkt 6° Windstille, Innsbruck stark bewölkt 4° West 15, Bregenz stark bewölkt 11° Nordost 3, Graz stark bewölkt 8° Windstille und Klagenfurt stark bewölkt 3° Windstille.
    Es ist jetzt neun Minuten nach zwölf.
    Viele Fragezeichen stehen am Beginn des Jahres 1982 und am heutigen Ausklang des Jahres 1981.
    Fragezeichen in der Weltpolitik, in der Weltwirtschaft, in Europa vor allem wegen Polen.
    Fragezeichen aber auch in Österreich.
    Die letzten Tage waren gekennzeichnet von Erklärungen vieler Politiker zum heimischen politischen Thema Nummer eins.
    Wie wird es 1982 in der generellen wirtschaftlichen Situation unseres Landes weitergehen?
    Angesichts von rund 28 Millionen Arbeitslosen in den OECD-Staaten und der sehr vorsichtigen Prognosen für Österreich ist es erklärte Aufgabe aller Verantwortlichen, eine möglicherweise auch bei uns drohende Arbeitslosigkeit zu verhindern.
    In diesem Ziel sind sich auch alle politischen Parteien einig, wenngleich die Rezepte zur Erreichung dieses Ziels durchaus unterschiedlich sind.
    Die Regierung und vor allem Bundeskanzler Bruno Kreisky setzen auf die Fortsetzung der bisherigen Politik, wenn nötig sogar um den Preis weiterer Staatsverschuldung.
    Finanzminister Herbert Salcher war hier etwas zurückhaltender und meinte, eine öffentliche Investitionspolitik wie im Jahr 1974 sei aus dem Budget nicht mehr finanzierbar.
    Man müsse sich völlig neue Wege der Wirtschaftsankurbelung überlegen.
    Die ÖVP wiederum sieht gerade in der hohen Staatsverschuldung eine mögliche Gefährdung der Arbeitsplätze.
    Die Freiheitlichen wollen 1982 in ihrer Wirtschaftspolitik neue Wege versuchen und sich gleichermaßen von ÖVP wie SPÖ abgrenzen.
    Neben der allgemeinen Arbeitslosenproblematik gibt es aber in Österreich ganz aktuell das Problem der Winterarbeitslosigkeit in der Bauwirtschaft.
    Großprojekte wie zum Beispiel in Wien die UNO-City und die Donauinsel sind fertiggestellt oder fast fertig.
    Für einen großzügigen weiteren Autobahnausbau oder andere Projekte ist zu wenig Geld vorhanden.
    Das hat dazu geführt, dass es in der Bauwirtschaft Überkapazitäten gibt, das heißt zu viele Firmen, zu viele Maschinen und leider auch zu viele Beschäftigte mit zu wenig Aufträgen.
    Die Baufirmen müssen ihren Beschäftigtenstand abbauen.
    Finanzminister Herbert Salcher will nun bei der kommenden Regierungsklausel im Jänner ein Programm vorstellen, wie damit ein gravierender Beschäftigungseinbruch in der Bauwirtschaft abgefangen werden kann.
    Hören Sie dazu den folgenden Beitrag von Johannes Fischer und Jeroen Gandbacher.
    Mit einem Sonderwohnbauprogramm wollen Regierung und Finanzminister Salcher den Beschäftigungsproblemen in der Bauwirtschaft zu Leibe rücken.
    So rasch wie möglich, nach diesem Winter, sollen 5.000 Gemeinde- oder Genossenschaftswohnungen in ganz Österreich begonnen werden.
    Zur Finanzierung dieser Wohnungen, insgesamt werden dafür 5 Milliarden Schilling gebraucht, hat sich der Finanzminister ein neues System außerhalb der Wohnbauförderung ausgedacht.
    Im Gegensatz zur bisherigen Wohnbauförderung brauchen die Mieter bei diesen Projekten keine Eigenmittel.
    Sie müssen also keine Anzahlung leisten.
    Und der Staat stellt keine billigen, geförderten Darlehen zur Verfügung, sondern das gesamte Geld für den Bau wird über normale Bankkredite aufgebracht.
    Dafür springt der Bund gemeinsam mit dem jeweiligen Land dann bei den Rückzahlungen ein.
    Der Mieter soll nicht mehr als 25 Schilling pro Quadratmeter und Monat für seine Wohnung zahlen müssen.
    Anfangs muss er nur 3,5 Prozent der nötigen Rückzahlungen selbst leisten, den Rest zahlen Bund und Land.
    Später wird ihm seine Rückzahlung allerdings gekoppelt an die allgemeine Preissteigerung von Jahr zu Jahr hinaufgesetzt und Bund und Land zahlen immer weniger.
    Binnen 25 Jahren soll dann der gesamte Kredit zurückgezahlt sein.
    So wie dieses Sonderwohnbauprogramm abgewickelt wird, könnte nach den Vorstellungen von Finanzminister Salcher nach und nach die gesamte Wohnbauförderung aussehen.
    Überlegungen werden gemeinsam mit dem Bautenministerium angestellt.
    Ebenfalls überlegt der Finanzminister, wie man die Rückzahlungen für die alten, geförderten Wohnungen zugunsten neuer Wohnungen hinaufsetzen könnte.
    Solche Überlegungen müssen angestellt werden, wenn man den Grundsatz der Solidarität der Generationen ernst nimmt.
    Denn das Wohnungsproblem wächst sich zu einem Generationengegensatz aus.
    Leute, die jetzt in gehobenen Positionen stehen und eine alte Wohnung haben, zahlen einen ganz geringen Teil des Einkommens für diese Wohnung.
    Und junge Menschen, die sich eine Existenz schaffen müssen, die zahlen überdurchschnittlich hohe Mieten.
    Ich halte es ja nicht für
    sozial vertretbar, wenn ein hochqualifizierter Facharbeiter nicht so viel verdient, dass er sich die Wohnung ohne Subjektförderung bezahlen kann.
    Durch dieses Wohnbausonderprogramm werden jetzt nur Wohnungen gefördert, die nicht im Eigentum stehen, Miet- oder Genossenschaftswohnungen.
    Entspricht es überhaupt Ihrer Vorstellung von einer Wohnbauförderung künftig, dass weniger Eigentumswohnungen gefördert werden?
    Man darf von einem Sonderwohnbauprogramm nicht Schlüsse ziehen auf das allgemeine Wohnbauprogramm.
    Das Sonderprogramm muss sehr rasch durchgezogen werden.
    Es müssen baureife Projekte vorliegen.
    Es darf keine wie immer gearteten Verzögerungen geben im Baubeginn unmittelbar nach dem Winter 1981, 1982.
    Und dazu sind eben Gemeinde- und Genossenschaftswohnpaten besser geeignet als alle anderen.
    Einen anderen Hintergedanken habe ich dabei nicht.
    Nur müsste man sich grundsätzlich eines überlegen für künftige Förderungsmaßnahmen, ob man nicht ein Mehr an Rechten
    Und ein Eigentum ist ein Mehr an Rechten gegenüber einer Miete, nicht mit einem Weniger an öffentlichen Förderungen ausgleicht.
    Denn mehr zu erreichen mit einer gleichen
    Anstrengung finanzieller Art widerspricht von meinem Grundsatz der Gleichheit, Gleiches gleich zu behandeln, unter gleichen Voraussetzungen gleiche Konsequenzen eintreten zu lassen.
    Also Eigentumswohnungen schlechter stellen als Mietwohnungen?
    Das käme darauf hinaus, wenn man sich zu diesem Grundsatz durchringt.
    Ich bitte, diese Überlegungen vorerst als theoretische Überlegungen zu betrachten und nicht als Ankündigung, die mir nicht zusteht.
    Denn das künftige Wohnbauprogramm, die künftige Gestaltung der Wohnbauförderung wird von Minister Sekanina ausgearbeitet und präsentiert und nicht von mir.
    Das sind allgemein politische Auffassungen, die ich hier angestellt habe.
    als Mitglied der Regierungspartei.
    Finanzminister Salcher kündigt Wohnbausonderprogramm der Bundesregierung an.
    5000 Miet- und Genossenschaftswohnungen sollen gebaut werden.
    Ab morgen wird das Leben in Österreich wieder um einiges teurer.
    Für folgende Dinge wird man unter anderem tiefer in die Tasche greifen müssen.
    Fürs Wohnen, für Strom und Wasser, für die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel, für das Autofahren und das Fliegen.
    und für die Beseitigung des Mülls und vieles andere mehr.
    Die wichtigsten Gebühren- und Tariferhöhungen, die frühestens vom 1.
    Jänner an spätestens ab Jahresmitte 1982 auf uns zukommen, fassten uns Hans Christian Unger zusammen.
    Zuerst eine gute Nachricht für 1982.
    Eine Fahrt mit der Bundesbahn oder mit dem Postautobus kostet im kommenden Jahr nicht mehr als heuer.
    Und auch die Tarife für Briefe und Telefon werden nicht erhöht.
    In vielen Fällen schlechter wird es dagegen für die Benutzer innerstädtischer Verkehrsmittel.
    Die umfassendste Tarifreform tritt in Wien mit 1.
    Jänner in Kraft.
    Der Preis des Einzelfahrscheins klettert von 8 Schilling 60 auf 10 Schilling 50 im Vorverkauf.
    Beim Schaffner kostet er dann gar 15 Schilling gegenüber 12 Schilling im heurigen Jahr.
    Vollends abgeschafft wurden die beliebten 5- und 6-Tage-Netzkarten.
    Dafür ermäßigt sich die 7-Tage-Wochenkarte von 94 auf 85 Schilling.
    Als besondere Preishits bieten die Verkehrsbetriebe die Monatskarte um 320 Schilling und die Jahreskarte um 3.200 Schilling an.
    Mit der Jahreskarte kommt 1982 eine Woche Straßenbahn und Bus in Wien auf knapp 62 Schilling.
    Ein Betrag, der zwar unter jenem für die 5-Tage-Marke des Jahres 1981 liegt, aber vergleichsweise höher ist, wenn man einige Wochen kein Wiener Verkehrsmittel benutzt, weil man beispielsweise auf Urlaub ist.
    Auch die Linzer Stadtväter gehen mit einer Tarifreform ins neue Jahr.
    Der Preis für den Langstreckenfahrschein wurde um 20% auf 12 Schilling erhöht.
    Bei Wochenkarten fällt die Erhöhung niedriger aus.
    Eine der relativ positiven Ausnahmen ist Graz.
    Rund um den Urturm bleibt für Tramway- und Busfahrer alles beim Alten.
    Aber dort kostet der Einzelfahrschein bereits 12 Schilling.
    Die schnellste Art der Fortbewegung, das Fliegen, wird auf vielen Strecken mit 1.
    Jänner ebenfalls kostspieliger.
    Die Fluggesellschaften, die der JATA angehören und damit auch die Austrian Airlines, erhöhen ihre Tarife im Linienflugverkehr in Europa und Nordafrika um drei Prozent.
    Kein Plus gibt es auf den Nordatlantik- und Fernostrouten.
    Das Charterunternehmen der AUA, die Austrian Air Transport, verteuert ihre Preise ab dem Inkrafttreten des Sommerflugplans um 7%.
    Der Endpreis eines Reisearrangements wird sich dadurch im Durchschnitt um knapp 300 Schilling erhöhen.
    Die Gründe dafür?
    Allgemeine Kostensteigerungen und beträchtliche Erhöhungen der Landegebühren auf den Zielflughäfen.
    Weitere Zuschläge für Arrangements aus Gründen einer Treibstoffverteuerung sind in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.
    Autofahrer dürfen ebenfalls damit rechnen, dass sie in nächster Zukunft an der Tankstelle nicht tiefer in die Tasche greifen müssen als derzeit.
    Dafür werden mit 1.
    Juli die Kfz-Haftpflichtprämien für PKWs um 5% erhöht.
    Für einen Personenkraftwagen zwischen 50 und 70 PS in der Grundstufe des Bonus-Malu-Systems beträgt dann die Jahresprämie inklusive Versicherungssteuer 3794 Schilling, was ein Plus von 181 Schilling bedeutet.
    Gleich mit 1.
    Jänner erhöht werden allerdings die Versicherungsprämien für einspurige Fahrzeuge und für Taxis sowie für LKWs.
    Weitere Prämienanhebungen in anderen Versicherungszweigen sind noch nicht fix geplant.
    Sicherlich teurer werden dürfte aber irgendwann die Krankenversicherung, da ein weiterer Anstieg der Spitalskosten und Ärztehonorare zu erwarten ist.
    Während der Bürger die Auswirkungen so mancher Preiserhöhung durch Sparmaßnahmen mildern kann, gilt dies kaum für den Bereich der öffentlichen Versorgung und Entsorgung.
    Daher werden etwa die Gebührenerhöhungen für Wasser-, Müllabfuhr- und Abwasserbeseitigung in der Bundeshauptstadt Wien voll auf das Haushaltsbudget durchschlagen.
    Der Kubikmeter Wasser kostet ab 1.
    Jänner 8 Schilling 80 und damit 10% mehr als heuer.
    Die Gebühren für die Müllabfuhr wurden um 17,6% erhöht.
    Und auch bei den Kanalgebühren gibt es eine kräftige Anhebung.
    Vom Wasserverbrauch als Berechnungsbasis ausgehend wird der Kubikmeter Abwasser nicht mehr 2 Schilling 40, sondern 4 Schilling kosten.
    Im Büro von Finanzstadtrat Hans Meier hat man die jährliche Mehrbelastung für die Wiener ausgerechnet.
    Für den Besitzer einer Wohnung mit etwa 75 Quadratmetern, Bad und WC innen, beträgt sie etwa 460 Schilling im kommenden Jahr.
    Auch zahlreiche andere österreichische Gemeinden haben den einen oder anderen einschlägigen Tarif erhöht.
    In Klagenfurt zum Beispiel den Kubikmeter Wasser um einen Schilling auf sechs Schilling fünfzig.
    In Graz dagegen bleiben die Gebühren unverändert.
    Dort erwartet man sich eine kleine Auffettung des Gemeindeseckels von der Anhebung des Kurzpacktarifs von drei auf vier Schilling pro halber Stunde.
    Vom Seewinkel im Burgenland bis zu den Ufern des Bodensees, von der Strompreiserhöhung bleibt kein Österreicher verschont.
    Denn sämtliche Landesgesellschaften setzen ihre Tarife mit dem letzten Schlag der Pummerin hinauf.
    Am günstigsten kommen noch die Tiroler und die Vorarlberger davon, die für eine Kilowattstunde Haushaltsstrom um 9% mehr zahlen müssen.
    Das sind mehr als ein Schilling inklusive 13% Mehrwertsteuer.
    In Oberösterreich klettert der Tarif ebenfalls um 9% auf 1 Schilling 37 Kilowattstunde.
    10% mehr müssen die Niederösterreicher berappen.
    Ihr Stundenpreis 1 Schilling 57.
    1 Schilling 28 kostet die Stunde in Kärnten, 1 Schilling 40 in Salzburg und 1 Schilling 45 im Burgenland.
    Was in diesen drei Bundesländern einem Plus von 13% entspricht.
    Die Steirische Landesgesellschaft erhöht ihren Tarif sogar um 15 Prozent auf 1 Schilling 32 Kilowattstunde und am meisten haben die Wiener zu zahlen.
    Die 13-prozentige Erhöhung schlägt sich in einem Strompreis von 1 Schilling 61 nieder.
    Wenn auch die Welle der Gebühren- und Tariferhöhungen 1982 im Gesamten um einiges sanfter ausgefallen ist als jene von 1981, so dürfte eines so gut wie sicher sein.
    Von der kleinen Lohnsteuerreform des Finanzministers, die maximal 300 Schilling netto im Monat bringt, wird dem Österreicher kaum etwas übrig bleiben.
    Diese Liste über das, was morgen teurer wird, erhebt übrigens keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
    Ein weiteres Resultat der Recherchen ist, vom kleinen Einkommensteuerzuckerl der Lohnsteuerreform, das uns der Finanzminister beschert hat, wird kaum etwas übrig bleiben.
    und nun Berichte aus dem Ausland.
    Seit dem 13.
    Dezember herrschen in Polen die kommunistischen Militärs.
    Das Land steht unter Kriegsrecht, Bürgerrechte gibt es fast keine mehr.
    Was viele für unmöglich gehalten haben, trat ein.
    Polen unterdrücken wieder Polen und bei der Durchsetzung ihrer Ziele griffen sie auch zur Waffe.
    Polen erschossen wieder Polen.
    Wie viele Polen erschossen worden sind, weiß niemand genau, denn der Informationsfluss aus Polen ist seit dem 13.
    Dezember unterbrochen.
    Auch die Zahl, die von den Militärs gefangen genommen worden ist, steht nicht fest.
    Sie reicht von rund 5.000 bis zu 50.000.
    Was offiziell aus Polen in die Welt dringt, verbreitet entweder Radio Warschau oder es gibt Korrespondentenberichte, die aber vor ihrer Veröffentlichung von den kommunistischen Militärs zensuriert worden sind.
    Einen solchen Bericht von Ludwig Damm hören Sie jetzt.
    Das Jahr 1981, das in Polen mit so vielen Hoffnungen begonnen hat, endet mit der schwersten politischen und wirtschaftlichen Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
    Ein vollständiger Verfall habe nur durch die Verhängung des Kriegsrechts verhindert werden können, so jedenfalls argumentiert der Militärrat.
    In den Monaten zuvor, in denen Streiks, Proteste, wirtschaftliche Engpässe, ausbleibende Importe, nachlassende Disziplin und eine um sich greifende Desintegration in Wirtschaft und Verwaltung den Weg in die Katastrophe markierten, hatten die Polen General Jaruzelski und die Armee als die letzte Hoffnung gesehen.
    Ähnliche Überlegungen waren auch im Ausland angestellt worden, in dem sich allmählich die Meinung herausbildete, in Polen sollte endlich wieder intensiv gearbeitet werden.
    Am 13.
    Dezember hat der General schließlich zugeschlagen.
    So hart, wie das weder das Volk, noch die Gewerkschaft Solidarität, noch ihre intellektuellen Berater erwartet hatten.
    Eine vorsichtige Bilanz, die von politisch interessierten Polen am Jahresende gezogen wird, ergibt Folgendes.
    Der Verfall und die um sich greifende revolutionäre Stimmung, die sich ausdrücken in Forderungen nach Ablösung des kommunistischen Regimes, nach Bildung einer Übergangsregierung durch Parteilose, nach der Umwandlung der Solidarität in eine Oppositionspartei, nach der Kontrolle über Betriebe und Wahnverteilung durch die Gewerkschaft – all diese Entwicklungen konnten zwar mit den drastischen Mitteln des Kriegsrechts aufgehalten werden, es wurden damit aber auch gleichzeitig alle Stränge eines Dialogs durchschnitten.
    In Polen ist zum Jahreswechsel zwar äußerlich Ruhe eingetreten, spektakuläre Streiks oder Protestaktionen sind abgebrochen oder verhindert worden.
    Das öffentliche Leben funktioniert, soweit es nicht durch das Kriegsrecht, durch den Winter oder durch materielle Engpässe eingeschränkt ist.
    Aber dieses Funktionieren allein genügt nicht.
    Die Frage an der Schwelle zum neuen Jahr heißt, wie kann der Kriegszustand wieder aufgehoben werden?
    Wie findet man zurück zum normalen Leben?
    Wie bringt man die Wirtschaft nicht nur in Gang, sondern zu steigenden Ergebnissen, um das 36-Millionen-Volk zu ernähren und seinen katastrophal gesunkenen Lebensstandard allmählich zu heben?
    Der Militärrat versichert durch seine Sprecher, man werde an der sozialistischen Erneuerung festhalten und die Wirtschaft reformieren.
    Hauptprobleme einer Reform, das zeigten die heftigen Diskussionen vor dem 13.
    Dezember, sind die Verselbstständigung der Betriebe und die Neugestaltung der Preisstruktur.
    Was im Klartext bedeutet, saftige Preiserhöhungen ab 1.
    Jänner 1982.
    An den bisherigen Versuchen, diese volkswirtschaftlich überfällige Preisreform einzuführen, hatten sich die großen sozialen Konflikte der letzten Jahre entzündet.
    Nicht zuletzt deshalb, so betonen alle Seiten, weil der Bevölkerung das Vertrauen in die Maßnahmen der Führung fehlte.
    Die Voraussetzungen für eine Reform haben sich aber verschlechtert, weil es im Augenblick keinen Gesprächspartner gibt, durch den sich die Masse der Arbeiter, deren Protest im August 1980 nach wie vor als legitim und berechtigt bezeichnet wird, vertreten sehen.
    Durch militärische Anordnungen lassen sich aber Wirtschaftsprobleme nicht lösen, auch soziale nicht.
    Wie kritisch die Lage am Jahresende ist, beweist die Kürzung der Zuteilungen von Fleisch und Butter.
    Für dringend benötigte Erzeugnisse wie Schuhe, Kleidung, Kindersachen will man neue Vorschriften einführen.
    Zum Teil sollen diese Artikel über die Erzeugebetriebe direkt verkauft werden, um wenigstens den notwendigsten Bedarf zu decken.
    Langlebige Konsumgüter sind fast gar nicht zu haben.
    Da mit Ausnahme der Lebensmittelpreise die Betriebe frei kalkulieren dürfen, kommt auf die Bevölkerung eine Welle von Preiserhöhungen zu, die durch einen Lohnausgleich nur teilweise aufgefangen werden können.
    Wenig erfreuliche Aussichten also für das neue Jahr.
    Silvester 1981 in Polen, ein Tiefpunkt in Polens Geschichte.
    Ludwig Damm schickte uns dieses zensurierte Fernschreiben aus Polen.
    Nach der im Schatten der Polenkrise erfolgten Annexion der Golanhöhen durch Israel ist es auch zwischen Washington und Jerusalem zu einer drastischen Klimaverschlechterung gekommen.
    Die USA verhängten Sanktionen gegen ihren traditionellen NAUS-Partner und kündigten eine Kürzung ihrer Finanzhilfe an Israel an.
    Wie nun heute Vormittag aus Jerusalem gemeldet wird, haben in den vergangenen Tagen amerikanisch-israelische Geheimverhandlungen stattgefunden, bei denen es, wie es offiziell heißt, zu einer Beilegung des Konflikts gekommen sei.
    Worauf sich die USA und Israel dabei geeinigt haben, darüber informiert Moshe Meisels.
    Jerusalem hat sich verpflichtet, keine einseitigen politischen und militärischen Schritte außer in Fällen der Selbstverteidigung bis zur endgültigen Räumung des Sinai-Gebiets am 25.
    April 1982 zu unternehmen.
    Israel soll sich dabei jeder Störung der Waffenruhe im Libanon, eines Angriffs auf die syrischen Raketenstellungen,
    eindringend in den saudischen Luftraum und Überführung des Büros des Ministerpräsidenten nach Ost-Jerusalem enthalten.
    Jerusalem wird klar machen, dass das Golan-Gesetz in keiner Weise Verhandlungen mit Syrien ohne jede Vorbedingungen beeinträchtigt.
    Demgegenüber wird Washington in Kürze seine nach dem Golan-Gesetz gegen Israel gerichteten Strafmaßnahmen rückgängig machen,
    und im Falle einer Sanktionen-Resolution im Weltsicherheitsrat gegen Israel von seinem Vettorecht Gebrauch machen.
    Die nach dem Golan-Gesetz eingefrorenen Verhandlungen über die Durchführung des Abkommens über strategische Zusammenarbeit sollen wieder aufgenommen werden.
    Der amerikanische Außenminister Haig wird in ca.
    einem Monat nach Israel und Ägypten kommen.
    um energisch für einen Durchbruch in den Autonomie-Verhandlungen zu wirken und zu versuchen, diese noch vor der israelischen Räumung des Sinai-Gebiets zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.
    Washington hat auch zugestimmt, die für 1982 an Israel zugesagte militärische Hilfe von 1,4 Milliarden Dollar auf 1,7 Milliarden zu erhöhen.
    Auch die Gespräche des Vorsitzenden
    des amerikanischen außenpolitischen Senatsausschusses, Charles Percy, mit Ministerpräsident Begin und Außenminister Shamir in Jerusalem, haben zu einer Beruhigung der gespannten Atmosphäre und Beilegung der Meinungsverschiedenheiten zwischen Jerusalem und Washington geführt.
    Senator Percy machte klar, dass die Vereinigten Staaten einseitige Schritte Israels wie das Colang-Gesetz nicht dulden könnten, sich jedoch energisch für eine Aufrechterhaltung der Basler Ruhe im Libanon, Intensivierung der Autonomie-Verhandlungen und Bemühungen um eine Gesamtregelung des Nahostkonflikts einsetzen werden.
    Heute endet offiziell die Amtszeit von UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim.
    Sein zweites fünfjähriges Mandat als Ranghöchster Beamter der Weltorganisation läuft mit heutigem Tag aus.
    Waldheims Nachfolger, der Peruaner Perez de Cuella, hält sich seit gestern am Hauptsitz der UNO in New York auf.
    Er tritt sein Amt jedoch erst am kommenden Montag an.
    Kurt Waldheim hat gestern einen Urlaub in Florida begonnen und wird im Laufe des Jänners nach Österreich zurückkehren.
    Über seine Zukunftspläne ist bisher nichts bekannt.
    In sämtlichen Interviews der letzten Zeit wollte Waldheim darauf nicht näher eingehen, so auch im folgenden Gespräch, das Klaus Emmerich mit ihm führte und in dem sich der scheidende UNO-Chef zur grundsätzlichen Fragen der Weltpolitik und der Arbeit der Feindnationen Stellung nimmt.
    Was ist für Sie in der Rückschau das Gewichtigere, das Problemreichere?
    Die Ost-West-Spannung oder die Nord-Süd-Spannung?
    Schauen Sie, die heutige Weltsituation wird ganz entscheidend beeinflusst durch zwei Probleme.
    Erstens die West-Ost-Spannung und zweitens die Nord-Süd-Spannung.
    Da ist gar kein Zweifel.
    Und von der Lösung dieser beiden Problemkreise wird es abhängen, ob wir den Frieden in den nächsten Jahren erhalten können oder nicht.
    Leider muss ich sagen, dass sich die Ost-West-Spannungen sehr verschärft haben.
    Ich bin froh, dass die Abrüstungsgespräche zwischen den Amerikanern und den Sowjets in Genf wieder aufgenommen wurden.
    Ich hoffe, dass das zu einem weitergespannten Dialog führen wird, was ja auch für uns in Europa von besonderer Wichtigkeit ist.
    Es geht ja um die europäischen Nuklearwaffen bei diesen Gesprächen.
    Wenn sich die Großmächte besser verstehen, dann ist es leichter, Lösungen für regionale Konflikte und Auseinandersetzungen zu finden.
    Und auf der anderen Seite hoffe ich doch, dass nach der Konferenz in Cancun es zu einer Aufnahme des Verhandlungsprozesses zwischen Nord und Süd kommt, also zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern.
    Wenn das gelingt, dann könnte ich mir vorstellen, dass wir wieder in eine Politik des Dialoges zurückkehren und nicht einer Konfrontation, in der wir uns derzeit befinden.
    Man hat nun der UNO ja oft vorgeworfen, vielleicht auch in einer Art Alibi-Funktion, es ist eine große Bürokratie und hier in New York vor allem wird also sehr viel leeres Stroh gedroschen, politisch geht nichts weiter.
    Was kann der Generalsekretär der Vereinten Nationen
    tun, vielleicht gerade jetzt, wo sie etwas freier sprechen können, um hier klarzumachen, wo Ursache und Wirkung liegen in dem Sinn, was Sie gesagt haben.
    Solange die nicht wollen, hilft die ganze Bereitschaft der UNO nur bedingt.
    Ich möchte zuerst sagen, dass viele dieser Vorwürfe unberechtigt sind, wenn man über die Schwerfälligkeit der Bürokratie spricht.
    Die haben sie in allen Ländern.
    Ob sie klein oder groß sind, wenn sie verfolgen die Kritiken, die gegen nationale Administrationen erhoben werden, so muss ich sagen, dass dazu im Vergleiche es bei der UNO durchaus gar nicht so schlecht aussieht, sondern eher besser, trotz der Vielfältigkeit der Nationalitäten des Apparates.
    Sicherlich ist eine Entwicklung eingetreten, die mir Sorge macht in diesen letzten Jahren, und das ist die sogenannte Blockpolitik.
    Es zeigt sich immer mehr, dass nicht nur regionale Gruppen versuchen, ihre Interessen durchzusetzen durch die Stimmenanzahl.
    sondern dass auch ideologische Blöcke sich immer mehr bemühen, durch die Stimmenanzahl ihre Wünsche durchzusetzen.
    Und das führt, besonders in der Generalversammlung, aber auch in anderen Organen der Vereinten Nationen,
    zu einer Konfrontationssituation, die die Lösung der Probleme nicht erleichtert.
    Und das ist eigentlich das, was mir Sorge für die Zukunft macht, vor allem was die Schlagkraft, die Durchschlagskraft der Organisation betrifft.
    Denn wenn zum Beispiel 120 Staaten für eine Resolution stimmen, basierend auf diesen Blocküberlegungen, diese Resolution aber für jene, die sie durchführen könnten,
    und das sind sehr oft die Großmächte und auch andere Staaten, die vorwiegend diese Organisation auch finanziell tragen, dann kann eine solche Resolution nicht implementiert werden.
    Und dann kommt die Kritik, ja, die Vereinten Nationen sind unfähig, Probleme zu lösen, sie verabschieden zwar große Resolutionen, aber es kommt dabei nichts heraus.
    Also das ist der Hintergrund dieser Entwicklung, die zweifellos einer Überprüfung bedarf und
    Ich selber habe diese Überprüfung ja schon begonnen in diesen letzten Jahren und ich hoffe, dass ein Weg gefunden wird, von dieser Block-Atmosphäre wegzukommen und nach rein sachlichen Gesichtspunkten zu entscheiden.
    Was könnte der Weg sein?
    das kann am besten eben dadurch geschehen, nicht durch eine Charteränderung, das hat mit der Charterersorgung nichts zu tun, sondern durch ein vernünftiges, realistisches Absprechen mit den verschiedenen Gruppierungen, denn letztlich liegt es allen daran, dass die Organisation praktische Arbeit leistet.
    Und es ist niemandem damit gedient, wenn eine Resolution mit einer überwältigenden Stimmenmehrheit angenommen wird und dann nichts daraus wird.
    Daher glaube ich, dass
    Verhandlungen, Gespräche, Bemühungen, die ich selbst seit langem führe, fortgesetzt werden müssen.
    Das werde ich auch meinem Nachfolger ans Herz legen, um hier eine mehr pragmatische Vorgangsweise, eine mehr realistische Vorgangsweise zu adoptieren.
    Was werden Sie machen jetzt?
    Ich habe mir noch keine
    Ich habe mir noch keine Pläne diesbezüglich gemacht.
    Ich werde mir in Ruhe überlegen, was ich jetzt in nächster Zeit tun werde.
    Sicherlich werde ich einige schreiben.
    Es ist ja eine interessante Tätigkeit gewesen, sodass es sicherlich nützlich ist, das festzuhalten.
    Darüber hinaus habe ich eigentlich keine konkreten Pläne bisher.
    Herr Generalsekretär, herzlichen Dank.
    Und nun noch Kultur im Mittagsjournal.
    Zum Jahreswechsel sind das Konzerthaus und der Musikverein in Wien Schauplatz von schon zur Tradition gewordenen Konzerten.
    Während die Wiener Symphoniker heute und morgen unter Wolfgang Zawallisch im Konzerthaus Beethovens 9.
    Symphonie aufführen, finden im Musikverein ebenfalls heute und morgen die traditionellen Strauß-Konzerte der Wiener Philharmoniker statt.
    Dirigent ist Lorin Marcel.
    Der designierte Staatsoperndirektor leitet damit zum dritten Mal das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.
    Mit Lorin Marcel spricht Walter Gellert.
    Lorin Marcel, im diesjährigen Neujahrskonzert gibt es Werke von Johann Strauss' Vater, Johann Strauss' Sohn sowie von den Brüdern Eduard und Josef zu hören.
    Es gibt Werke von Lanna zu hören und auch
    ein Werk von Otto Nicolai, dem Mitbegründer der philharmonischen Konzerte.
    Inwieweit fügt sich die Ouvertüre zu den Lustigen Weibern in das Konzept eines solchen Neujahrskonzertes ein?
    Es ist unsere gemeinsame Meinung, dass Stücke aus dieser Epoche, die eben von Strauss nicht geschrieben sind, ab und zu als Einspielstücke oder als Vorbereitung oder als Einleitung
    gern gesehen sind.
    Ich begrüße das, ich würde das doch nicht übertreiben, weil es ist doch ein Johann Strauss, also ein Strauss-Konzert.
    Aber ab und zu ist das auch schön und lustig.
    In diesem Konzert gibt es also auch Werke von Eduard Strauss und Josef Strauss wieder zu hören.
    Wie ist denn das für Sie?
    Merkt man bei diesen Werken, dass die Strauss-Familie so etwas wie marktbeherrschend zu ihren Zeiten war auf dem Sektor Unterhaltungsmusik?
    Es ist ja Josef Strauss für Johann Strauss eingesprungen, es ist ja auch Eduard Strauss an der Spitze der Kapelle gestanden.
    Ist das so eine Linie praktisch, die die Familie Strauss in ihrer Art zu komponieren auch hier aufweist?
    Ja, es ist zu bewundern, was für ein Schatz da zu vorhanden ist.
    Ich bewundere mich, wie reich dieses Schatz ist, wie umfangreich und wie diese Familie eben diesen Bereich beherrscht hat.
    Und ich würde aber den Ausdruck Unterhaltungsmusik nicht benutzen, weil meiner Meinung nach
    ist der größte Teil dieses Schatzes als Meisterwerk zu nennen.
    Es gibt eine Dimension da, doch eine sehr tiefe Bedeutung.
    Und weil diese Form ziemlich kurz und klar ist, soll man nicht den Wert der Musik unterschätzen.
    Gibt es in diesem Konzert, gibt es viele Werke, die Sie vorher nicht gekannt haben?
    Ja, das Repertoire ist enorm und ich bewundere mich, dass man so viele neue Werke doch kennenlernen kann und darf.
    Man denkt, dass man doch ziemlich viel davon weiß, aber es gibt immer neue Sachen.
    Aber ich muss sagen,
    Diese Welt ist für mich lieb und gemütlich und häuslich, darf ich sagen.
    Wahrscheinlich, weil ich Geige bin und als Bass, als junger Mensch, hatte ich sehr viel von diesen Werken auf die Geige gespielt.
    Ich kann nicht sagen, dass ich mit Johann Strauss aufgewachsen bin, aber fast.
    Also ein Musiker ist doch ein internationaler Mensch, nicht?
    Würden Sie die Geige auch wieder in die Hand nehmen für so ein Konzert?
    Ja, das könnte sein.
    Ich meine, ich spiele noch und das könnte auch vorkommen.
    Aber das wäre als Freude nicht zu bezeichnen.
    Wenn man ernst spielt, dann spielt man ein Violinkonzert und greift man nach der Geige nicht.
    Aber das könnte doch mal vorkommen.
    Ich habe es nicht vor, aber es könnte mal vorkommen, ja.
    Sie dirigieren hier die Wiener Philharmoniker.
    Haben Sie Strauss auch schon mit anderen Orchestern aufgeführt und würden Sie sagen, dass es da einen Unterschied gibt in der Aufführungspraxis?
    Oh ja, ich habe sehr viel Strauss, Johann Strauss, mit anderen Orchestern dirigiert und es ist eigentlich nicht zu vergleichen.
    Ich meine, man kann versuchen, bestimmten Sachen nachzumachen, bestimmten Phasierungen und es klingt wunderbar.
    Aber es klingt anders.
    Es gibt eine weiche Versierung, die man woanders eigentlich nicht finden kann.
    Man kann das Künstliche erreichen, das ist die Aufgabe eines Dirigenten.
    Und vielleicht habe ich das zweite, dreimal mit
    sehr viele Schwierigkeiten erreicht, vielleicht.
    Aber trotzdem ist es für mich natürlich ein großes Vergnügen, da auf dem Boden zu stehen und zu wissen, dass das kommt von selber.
    Alles selbstverständlich.
    Eine letzte Frage.
    Ist die Entscheidung, ich stelle sie jetzt an den designierten Staatsoperndirektor, ist eine Entscheidung schon bezüglich der Weiterführung des Ringes gefallen?
    Ja, wie ich gesagt habe, am 4.
    Jänner werde ich eine Meldung geben und dann wird man erfahren, welche Entscheidung ich getroffen habe.
    Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker wird morgen ab 11.10 Uhr im Hörfunkprogramm Österreich 1 zur Gänze übertragen.
    FS1 überträgt den zweiten Teil des Konzertes ab 12.15 Uhr.
    Ebenfalls morgen, und zwar ab 20 Uhr, wird die Aufführung der 9.
    Symphonie von Beethoven durch die Wiener Symphoniker im Hörfunkprogramm Österreich 1 direkt ausgestrahlt.
    Und jetzt noch einige Meldungen.
    Österreich.
    Als Reaktion auf ein Telegramm Bundeskanzler Kreiskis vom 24.
    Dezember hat der Flüchtlingshochkommissär der UNO, Hertling, verschiedene Maßnahmen zur Bewältigung des Problems der Polenflüchtlinge in Österreich angekündigt.
    Dazu zählt nach Angaben des Bundeskanzleramtes eine Finanzhilfe des UNO-Hochkommissariats in Millionenhöhe.
    Das genaue Ausmaß wird erst bekannt gegeben.
    Außerdem hat die UNO auf österreichischen Wunsch an verschiedene Länder appelliert, polnische Flüchtlinge aufzunehmen.
    Ein Sonderprogramm für den Bau von 5.000 Wohnungen mit einem Aufwand von 5 Milliarden Schilling kündigte heute Finanzminister Salcher an.
    Dieses Sonderwohnbauprogramm soll bereits im Frühjahr 82 in Angriff genommen werden.
    Die Wetteraussichten aufgelockert, bestärkt bewölkt und vor allem im Süden etwas Regen, Nachmittagstemperaturen 2 bis 10 Grad.
    Und damit, meine Damen und Herren, ist das letzte Journal in diesem Jahr beendet.
    Die Mitarbeiter und Redakteure des Journals bedanken sich für ihre Aufmerksamkeit bei unseren Sendungen und hoffen, dass sie auch im nächsten Jahr unsere treuen Zuhörer bleiben.
    Wir wünschen Ihnen ein gutes und erfolgreiches Jahr 1982.
    Bis zu unserer nächsten ausführlichen Informationssendung, dem Samstag-Morgen-Journal der ersten Sendung im neuen Jahr, verabschiedet sich Karl Jokowski.
    Auf Wiederhören und ein schönes neues Jahr.
    Untertitel der Amara.org-Community

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Datum: 1981.12.31 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wetterbericht
    Datum: 1981.12.31 [Sendedatum]
    Schlagworte: Natur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Finanzminister Salcher plant Wohnbau-Sonderprogramm
    Interview: Finanzminister Salcher
    Mitwirkende: Bayer, Irmgard [Gestaltung] , Fischer, Johannes [Gestaltung] , Salcher, Herbert [Interviewte/r]
    Datum: 1981.12.31 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Gesellschaft ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Was wird 1982 teurer?
    Mitwirkende: Unger, Hans Christian [Gestaltung]
    Datum: 1981.12.31 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Polen zur Jahreswende - eine Bilanz
    Mitwirkende: Thamm, Ludwig [Gestaltung] , Sterbenz, Edgar [Gestaltung]
    Datum: 1981.12.31 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Amerikanisch-israelisches Geheimabkommen über die Politik nach der Golan-Annexion
    Mitwirkende: Meisels, Moshe [Gestaltung]
    Datum: 1981.12.31 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Heute letzter Amtstag von Kurt Waldheim: Interview mit dem scheidenden UN-Generalsekretär
    Interview: Kurt Waldheim
    Mitwirkende: Emmerich, Klaus [Gestaltung] , Waldheim, Kurt [Interviewte/r]
    Datum: 1981.12.31 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik ; Politik Österreich ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Interview mit Lorin Maazel, dem designierten Staatsoperndirektor
    Mitwirkende: Gellert, Walter [Gestaltung] , Maazel, Lorin [Interviewte/r]
    Datum: 1981.12.31 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Wissenschaft und Forschung ; Musik ; E-Musik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten

    Katalogzettel

    Titel Mittagsjournal 1981.12.31
    Spieldauer 00:44:50
    Mitwirkende Jirkovsky, Karl [Moderation] [GND]
    Löw, Werner [Regie]
    ORF [Produzent]
    Datum 1981.12.31 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ audio
    Format TKA [Tonband auf Kern (AEG)]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-811231_k02
    Medienart Mp3-Audiodatei
    Gesamtwerk/Reihe Mittagsjournal

    Information

    Inhalt

    Nachrichten

    Verortung in der digitalen Sammlung

    Schlagworte

    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt