Mittagsjournal 1986.11.22

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    Rechtliches

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    KI-generiertes Transkript

    Die Zeit in fünf Sekunden ist es 12 Uhr.
    12 Uhr.
    Hier ist der österreichische Rundfunk.
    Guten Tag, bei einer Stunde Mittagsinformation begrüßt Sie als Redakteur Karl Jirkowski kurz unser Programm für diese Mittagstunde.
    Morgen wird in Österreich ein neues Parlament gewählt und wir bringen gleich nach den Nachrichten die Schlusserklärungen der Spitzenpolitiker Wranitzki, Mock, Haider und Meissner-Blau zur Nationalratswahl.
    Aus der Bundesrepublik Deutschland berichten wir über den Wahlparteitag der FDP.
    Am 25.
    Jänner wird ja in unserem Nachbarland ein neues Parlament gewählt.
    Über das Berliner Gerichtsverfahren gegen arabische Attentäter erwarten wir eine Analyse.
    Es geht hier um die Frage, ob Syrien an den Berliner Anschlägen beteiligt war.
    Im Journal zu Gast ist heute der Innsbrucker Herzchirurg Raimund Magreiter.
    Magreiter hat vor drei Jahren die erste österreichische Herztransplantation vorgenommen.
    Der Patient ist in dieser Woche gestorben.
    Weiters informieren wir noch über das Spielefest im Wiener Messepalast und über Paulus Manckers Filmärztling Schmutz, der in der nächsten Woche in den Kinos zu sehen ist.
    Erster Programmpunkt sind jetzt die Nachrichten.
    Verantwortlicher Redakteur ist Fyodor Huli und Sprecher Josef Wenzl-Schnatek.
    USA.
    Die Diskussion über geheime Waffenlieferungen an den Iran dauert an.
    Führende Senatoren haben die Schaffung eines sogenannten Waisenrates verlangt, der Präsident Reagan künftig in außenpolitischen Fragen zur Seite stehen soll.
    Der republikanische Senator Richard Lugar sagte, die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten im Ausland habe in jüngster Zeit Schaden genommen.
    Der Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses hat mit der Untersuchung der Hintergründe des Waffengeschäfts begonnen.
    Nach Anhörung von CIA-Chef William Casey sagte der Präsident des Repräsentantenhauses, Jim Wright, es gebe noch zahlreiche offene Fragen.
    An den Geheimanlieferungen seien mehrere Staaten beteiligt gewesen.
    Präsident Reagan hat indessen seinen Unmut an der Kritik seiner Entscheidungen geäußert.
    Der Stabschef im Weißen Haus, Donald Reagan, sagte in einem Interview für die Washington Post, der Präsident sei der Diskussion über die geheimen Waffenlieferungen an den Iran überdrüssig und wünsche, dass alle Kritiker den Mund halten sollten.
    Der Stabschef fügte hinzu, der Präsident habe allein die Verantwortung für diese politische Initiative übernommen und die Kontakte hätten den Boden für künftige Beziehungen zu Teheran geebnet.
    Ägypten
    König Hussein von Jordanien hat sich verstimmt über die geheimen amerikanischen Waffenlieferungen an den Iran geäußert.
    In einem Interview für eine ägyptische Zeitung bezeichnete Hussein das Vorgehen der USA als Beleidigung für alle Araber.
    Der jordanische Monarch betonte, die Haltung Washingtons trage nicht dazu bei, den Golfkrieg zu beenden.
    Vereinte Nationen Die UNO-Vollversammlung hat eine mehrtägige Debatte über den Nahostkonflikt begonnen.
    Der israelische UNO-Vertreter lehnte eine internationale Konferenz über die Palästina-Frage ab.
    Er vertrat die Ansicht, eine derartige Konferenz hätte das Ziel, Israel eine Lösung aufzudrängern, anstatt den Dialog mit den beteiligten Parteien zu fördern.
    Der Vertreter der PLO warf Israel und den Vereinigten Staaten vor, unter Ausschluss der Palästinenser separate Abmachungen anzustreben.
    Sowjetunion.
    Parteichef Gorbatschow hat neuerlich betont, die von ihm in Reykjavík vorgelegten Abrüstungspläne seien ein unteilbares Ganzes.
    Gorbatschow sagte bei einem Empfang für den niederländischen Regierungschef Ruud Lubbers in Moskau, jeder Versuch, einen Punkt aus diesem Paket herauszunehmen, müsse zu einem Ungleichgewicht führen.
    Der sowjetische Parteichef beschuldigte die USA, alles Erreichte entstellen, verwischen und rückgängig machen zu wollen.
    Die Nachrichtenagentur TASS schreibt dazu, man müsse sich fragen, ob die Europäer den Kontinent tatsächlich von Atomwaffen befreien wollten.
    Loebers habe nicht erklären können, warum die NATO an Positionen festhalte, die in Wahrheit den Rüstungswettlauf unterstützten.
    Die Parteizeitung Pravda hat der Führung von CDU-CSU vorgeworfen, eine Politik der Konfrontation in den internationalen Beziehungen wieder aufleben zu lassen.
    Die Pravda schreibt, aufgrund der Ereignisse in jüngster Zeit müsse man an der mehrfach geäußerten Absicht der Regierung in Bonn zweifeln, gute Beziehungen mit den östlichen Nachbarn entwickeln zu wollen.
    Die Pravda stützt ihre Kritik vor allem auf das Wahlprogramm von CDU-CSU.
    Besonders scharf wendet sich die sowjetische Parteizeitung gegen den Anspruch der Bundesrepublik Deutschland auf Vertretung aller Deutschen auch in Mittel- und in Osteuropa.
    Bundesrepublik Deutschland In München wird heute der Wahlkongress der CSU fortgesetzt und abgeschlossen.
    Parteichef Franz Josef Strauß und Bundeskanzler Helmut Kohl werden voraussichtlich in ihren Reden zu den gestrigen Beschlüssen der FDP über die geplante sogenannte Grundzeugenregelung Stellung nehmen.
    Der FDP-Bundesparteitag in Mainz hatte den Kompromissvorschlag des Bundesvorstandes zur Grundzeugenregelung verabschiedet, wonach Terroristen, die einen Mord begangen haben, statt Straffreiheit höchstens Strafminderung gewährt werden kann, wenn sie Komplizen verraten.
    Die FDP ist damit von einem entsprechenden Gesetzesentwurf der Koalitionsregierung in Bonn abgerückt.
    Der Parteitag der Freien Demokraten geht ebenfalls heute Nachmittag zu Ende.
    Rumänien
    Das rumänische Militärbudget soll beträchtlich verringert werden.
    Staats- und Parteichef Ceaușescu kündigte an, die Einsparungen sollten umgerechnet zwei Milliarden Schilling betragen.
    Man will die Truppenstärke nach den Worten Ceaușescus um 10.000 Mann reduzieren.
    Außerdem sollen 250 Panzer, 130 Artilleriegeschütze und Minenwerfer sowie 26 Kampfflugzeuge und Kampfhubschrauber außer Dienst gestellt werden.
    Morgen wird ein Referendum abgehalten, in dem die Bevölkerung die Pläne bestätigen soll.
    Neuseeland.
    Papst Johannes Paul II.
    ist heute zu einem zweitägigen Besuch in Neuseeland angetroffen.
    Bei seiner Ankunft in Auckland wurde der Papst von Ministerpräsident David Lange und dem britischen Generalgouverneur empfangen.
    Danach zelebrierte der Papst in einem Park in der Innenstadt vor 100.000 Gläubigen eine Messe unter freiem Himmel.
    Neuseeland ist die vierte Etappe der Reise des Papstes durch sechs Länder des Pazifikraumes.
    Japan.
    Nach dem schweren Vulkanausbruch auf der Insel Oshima ist heute die 110 Kilometer entfernte Hauptstadt Tokio von einer Serie von Seebeben erschüttert worden.
    Die stärksten Erdstöße erreichten den Wert von 6,1 nach der Richterskala.
    Wegen der gewaltigen Eruption des Mihara-Vulkans mussten gestern alle 11.000 Bewohner der Insel evakuiert werden.
    Das waren die Meldungen.
    Die Wetterlage.
    Die Warmfront eines atlantischen Sturmtiefs überquert von Westen her den Alpenraum.
    In der Nacht von Sonntag auf Montag wird Höhenkaltluft vor allem auf den Bergen wieder zu Temperaturrückgang führen.
    Die Wetteraussichten bis morgen früh bereits starke oder von Westen her zunehmende Bewölkung, zeitweise Regen, Schneefallgrenze bis 1500 Meter Höhe steigend.
    Mäßige bis lebhafte südliche Winde, Nachmittagstemperaturen 4 bis 11 Grad, Tiefstemperaturen der kommenden Nacht 1 bis 7 Grad.
    Wetteraussichten für morgen Sonntag, aufgelockert bis stark bewölkt, zeitweise Regen, Schneefallgrenze um 1400 Meter, am Abend und in der Nacht zum Montag jedoch unter 1000 Meter sinkend.
    In Vorarlberg und Tirol teilweise bis in tiefe Lagen.
    Mäßige bis lebhafte Winde aus Südost bis West, Tageshöchsttemperaturen am Sonntag 6 bis 11 Grad.
    Das Wetter übermorgen veränderlich und etwas kälter.
    Messwerte von 12 Uhr Mittag.
    Wien bedeckt 5 Grad, Südostwind 15, Eisenstadt ebenfalls bedeckt 5 Grad, Südostwind 15 Kilometer in der Stunde, St.
    Pölten stark bewölkt 4, Linz bedeckt 3, Salzburg bedeckt, leichter Regen 6 Grad, Innsbruck bedeckt, leichter Regen 6, Westwind 25, Bregenz stark bewölkt, leichter Regen 8, Südostwind 20 Kilometer in der Stunde und Graz bedeckt 4, sowie Klagenfurt bedeckt 5 Grad.
    Neun Minuten nach zwölf ist es jetzt.
    Morgen ist es so weit.
    Österreich wählt fünf Monate früher als ursprünglich geplant ein neues Parlament.
    Die Legislaturperiode ist ja deshalb verkürzt worden, weil die SPÖ nach dem Obmannwechsel in der FPÖ von Norbert Steger zu Jörg Haider
    die Regierungskoalition mit den Freiheitlichen nicht mehr fortsetzen wollte.
    Nach einem kurzen und an Höhepunkten armen Wahlkampf sind morgen 5.461.000 Wahlberechtigte aufgerufen, die politischen Karten neu zu verteilen.
    Der Wahlabend dürfte spannend werden, denn die beiden Großparteien liegen nach jüngsten Meinungsumfragen Kopf an Kopf.
    Vielleicht wird sogar erst am Montag feststehen, welche Partei am meisten Stimmen bzw.
    Mandate erhalten hat.
    Es sind nämlich mehr als 300.000 Wahlkarten ausgestellt worden, mehr als je zuvor bei einer Nationalratswahl in Österreich.
    Die Stimmen von rund einem Sechstel der Wähler werden also erst am Montag ausgezählt sein.
    Die Wahlkartenwähler könnten die Wahl durchaus entscheiden.
    Die SPÖ, die ÖVP, die FPÖ und die KPÖ und die grüne alternative Liste Frieder-Meißner-Blau kandidieren in allen neun Wahlkreisen.
    Nur in Wien kandidieren die grün-alternative demokratische Liste sowie die Liste Mehr-Reichts.
    Nur im Bundesland Kärnten tritt die Liste Kärntner-Grüne an.
    Bei den Nationalrätualen werden 183 Mandate vergeben.
    Derzeit lautet der Mandatstand 90 SPÖ, 81 ÖVP, 12 FPÖ.
    Wir bringen nun die Schlusserklärungen der Spitzenkandidaten jener Gruppierungen, denen seriöse Chancen für einen Neu- bzw.
    Wiedereinzug in den Nationalrat eingeräumt werden.
    Hören Sie zunächst die Spitzenkandidatin der grünen Alternativenliste, Freda Meissner-Blau.
    Liebe Wählerinnen und Wähler, kein Tag vergeht ohne Schreckensmeldungen, keine Woche ohne Katastrophen.
    Bisher haben wir, die Grünen, Widerstand geleistet.
    Doch jetzt muss schnellstens gehandelt werden.
    Denn die Zerstörung unserer Umwelt trifft nicht erst unsere Enkel, sie trifft uns selbst.
    Heute schon.
    Wenn unser Land kaputt ist, das Wasser vergiftet, wenn der Wald gestorben ist, dann ist es zu spät.
    Die Entscheidungen fallen schon jetzt.
    Die Parteizentralen und Interessenkartelle kümmern sich um ihre Macht, nicht um die kranke Umwelt.
    Sie vergessen ständig auf die Demokratie.
    Alle drei Parteien haben mitgemacht, mitgenascht, mitprofitiert von Parteibuchwirtschaft, Protektion und Privilegien.
    Darum braucht es zur Machtkontrolle eine unabhängige, unbestechliche Opposition im Parlament.
    Wir Grüne sind die Vertreter aller Demokraten, die unentwegt beleidigt werden.
    Wir sind die Anlaufstelle aller Initiativen, die sich für unsere Überlebensinteressen einsetzen.
    Wir wollen zeigen, dass Wirtschaften im Einklang mit der Natur Arbeit schafft, dass Umweltpolitik auch und vor allem Sozial- und Gesundheitspolitik ist.
    Entscheiden Sie sich morgen für Ihre eigene Sehnsucht, Ihre Forderungen, Ihre Hoffnungen.
    Grün fühlen und grün handeln heißt diesmal grün wählen.
    Die österreichweite grüne Alternative liste Frieder Meißner blau.
    Nun die Schlusserklärung des freiheitlichen Bundesparteiobmannes Jörg Haider.
    Die Freiheitlichen haben die größte Wahlbewegung ihrer Geschichte hinter sich.
    Tausende Menschen in ganz Österreich haben einem Weg der neuen FPÖ zugestimmt.
    Wir wollen eine Erneuerung Österreichs, eine Erneuerung, in der der Bürger Vorrang vor dem Bonzen, in der Ehrlichkeit vor Taktik, in der Recht vor Macht und in der der Leistungswillige den Vorrang vor dem Sozialstaat schnorern hat.
    Seit 40 Jahren haben sich Rot und Schwarz dieses Österreich in Macht- und Einflussbereiche aufgeteilt.
    Nach dem 23.
    November
    wollen beide alten Parteien eine große Koalition, die ein Wiederaufleben der alten Backelei, der alten Freundewirtschaft, des Proporzes und des Parteibuchzwanges bringen soll.
    Unter meiner Führung soll die Freiheitliche Partei daher eine starke Opposition gegen die alten Parteien sein, eine Opposition, die für mehr Leistungsdenken, mehr soziale Gerechtigkeit und mehr Sauberkeit in Österreich sorgt, die aber auch die beiden alten Parteien zwingt, die dringenden Zukunftsfragen etwa des Umweltschutzes zu lösen.
    Viele Mitbürger haben mich in den letzten Wochen gefragt, ob ich diesen Weg der Reform auch nach dem 23.
    November durchhalten werde.
    Daran besteht kein Zweifel.
    Denn seit zehn Jahren verfolge ich konsequent den Weg der politischen Sauberkeit und des Privilegienabbaues.
    Seit zehn Jahren haben mich die Bürger bei jeder Wahl mit mehr Vertrauen ausgestattet.
    Ich rufe daher auch heute alle Österreicherinnen und Österreicher und vor allem die Jugend auf, den Weg der politischen Erneuerungen Österreichs zu unterstützen und der Freiheitlichen Partei unter meiner Führung das Vertrauen zu schenken.
    Nun zu jenen beiden Spitzenkandidaten, zwischen denen morgen das Amt des Bundeskanzlers entschieden werden wird.
    Sie hören nun die Schlusserklärung des ÖVP-Spitzenkandidaten Alois Mock.
    Grüß Gott, meine Damen und Herren.
    Soll es in Österreich wirklich so weitergehen wie in den letzten Jahren?
    Nun, die meisten von Ihnen werden wohl ohne Rücksicht auf ihre Partei-Sympathie antworten, nein, so darf es nicht weitergehen.
    Genau darum geht es am morgigen Wahlsonntag.
    Wer will, dass sich bei uns etwas zum Besseren ändert, dass es eben nicht so weitergeht, der sollte diesmal der österreichischen Volkspartei die Stimme geben.
    Selbst wenn sein Herz für eine andere politische Gruppe schlägt.
    Denn die SPÖ hat selbst erklärt, dass sie ihren Kurs fortsetzen will.
    Und kleine Parteien können zwar diskutieren, aufzeigen, auch anregen,
    Aber wirklich ändern können sie kaum etwas.
    Eine große Partei wie die Volkspartei kann und wird handeln, wenn sie die Mehrheit erhält.
    Angesichts dieser nüchternen Tatsachen ist jede Stimme für die FPÖ oder die Grünen, so gut sie auch gemeint ist, eine Stimme gegen die Veränderung und für die SPÖ unter Dr. Sinowaz.
    Wir haben uns gut vorbereitet.
    Und ich kann voll stolz sagen, wir haben als einzige wahlwerbende Gruppe Programme für die Lösung der Probleme in allen Lebensbereichen vorgelegt.
    Wir wollen die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen, die Vollbeschäftigung zurückerobern, die Umwelt erfolgreich schützen, den Bauern helfen, die Steuern senken, die Verschwendung stoppen, die Verstaatlichte sanieren und Renten und Pensionen wieder sichern.
    Moral und Verantwortungsbewusstsein sollen einen neuen Stellenwert bekommen.
    Die österreichische Volkspartei hat sich ein anspruchsvolles Ziel gesetzt.
    Wir wollen Österreich aus den roten Zahlen führen.
    Dass wir das auch können, beweisen die Landeshauptleute der ÖVP in sechs Bundesländern.
    Meine Damen und Herren, dabei geht es nicht um mich oder meine Partei, sondern es geht um unser gemeinsames Vaterland Österreich.
    Wenn Sie also etwas ändern wollen, dann tun Sie es bitte morgen.
    Die nächste Gelegenheit dazu gibt es nämlich erst in vier Jahren, bei den Wahlen im Jahre 1990.
    Ich wünsche Ihnen und Österreich ein schönes Wochenende.
    Und jetzt die Abschlusserklärung des SPÖ-Spitzenkandidaten Franz Franitzki.
    Liebe Österreicherinnen und Österreicher,
    In den vergangenen Wochen habe ich alle Bundesländer besucht und mit tausenden Menschen gesprochen.
    Sie alle sind stolz auf unser Land und sie alle sind stolz auf ihre Erfolge.
    Diese Errungenschaften brauchen wir uns von niemandem schlecht machen zu lassen.
    Nun geht es aber darum, auf der Grundlage dieser Erfolge unsere Zukunft zu gestalten.
    Dazu müssen wir den Herausforderungen der Zukunft begegnen.
    Nichts auf der ganzen Welt steht still.
    Auch Österreich braucht den nächsten Modernisierungsschub, der, ausgehend von der Wirtschaft, alle Lebensbereiche umfassen muss.
    Modernisierung ist vor allem auch eine Frage der Einstellung.
    Wir brauchen den Mut, uns von überholten Vorstellungen zu trennen.
    Wir brauchen die Offenheit, auch neue, unkonventionelle Ideen zu diskutieren.
    Wir brauchen die Toleranz, Vorschläge nicht gleich deshalb zu verwerfen, weil sie vom politischen Gegner kommen.
    Aus meinen Gesprächen mit den Österreichern weiß ich, dass sie mehr Ehrlichkeit und mehr Zusammenarbeit in der Politik wollen.
    Und diese Zusammenarbeit brauchen wir für die großen Aufgaben im Interesse des Landes.
    Die Modernisierung unserer Wirtschaft,
    eine Steuerreform, den Ausbau unserer Demokratie, die Absicherung unseres Sozialsystems und weitere große Investitionen zur Erhaltung einer gesunden Umwelt.
    Liebe Österreicherinnen und Österreicher, ich möchte Ihnen zum Schluss noch etwas sehr Persönliches sagen.
    Ich bin nun seit wenigen Monaten Bundeskanzler.
    So manches haben wir in dieser Zeit verändert, mehr noch haben wir vorbereitet.
    Faszination, Stolz und Freude erfüllen mich dabei, für Österreich als Bundeskanzler arbeiten zu können.
    Die vor uns liegenden Aufgaben sind keine leichten, aber wir werden sie bewältigen.
    Wir können sie allerdings nur dann bewältigen, wenn wir die Dinge gemeinsam angehen, wenn niemand abseits steht.
    Ich ersuche Sie, das halbe morgigen Sonntag Ihr Wahlrecht auszunützen.
    Und ich ersuche Sie, morgen meinen Weg zu unterstützen und Liste 1 SPÖ zu wählen.
    Vor uns liegt das neue Österreich.
    Gehen wir den Weg gemeinsam!
    Soweit die Schlusserklärungen zur morgigen Nationalratswahl.
    Dazu noch ein Hinweis in eigener Sache.
    Der aktuelle Dienst des Hörfunks berichtet ab 19 Uhr in den Radioprogrammen Österreich 1, Österreich Regional und Ö3 über den Ausgang der Nationalratswahlen.
    Und jetzt in die Bundesrepublik Deutschland.
    Dort wird am 25.
    Jänner des nächsten Jahres ein neuer Bundestag gewählt und die FDP und die CSU halten an diesem Wochenende ihre Wahlparteitage ab.
    Der Parteitag der CSU wurde am Vormittag in München fortgesetzt.
    Hauptredner sind CSU-Chef Franz Josef Strauß und CDU-Vorsitzender Helmut Kohl.
    Vor dem FDP-Bundesparteitag
    Der in Mainz fortgesetzt wird, sprach Parteichef Wirtschaftsminister Martin Bangemann.
    Ein Thema bei beiden Parteitagen, die geplante Kronzeugenregelung, das heißt die Straffreiheit für Kronzeugen.
    Über diese Straffreiheit ist jetzt zwischen den Parteien eine Kontroverse gekommen.
    Helmut Brandstetter berichtet.
    In der Wahlkampfplanung der FDP-Spitze war der Mainzer Parteitag als Jubelveranstaltung zu Beginn der heißen Phase vor den Bundestagswahlen im Jänner gedacht.
    Doch die Basis hat der Führung, ganz liberal, in die Planung gepfuscht.
    Statt gejubelt wurde, jedenfalls bis gestern Abend, heftig gestritten.
    Die Grundzeugenregelung, die Terrormördern bei Aussage gegen ehemalige Komplizen Straffreiheit zusichern würde, dieses Gesetzesvorhaben der Koalition, erregte die Gemüter.
    Schon kurz nach Aufruf des Tagesordnungspunktes hatten sich 55 Delegierte zu Wort gemeldet, rund jeder Achte der 400 Anwesenden.
    Der Parteivorsitzende Martin Wangemann entging der Schelte oder Schlimmerem durch die Delegierten nur dadurch, dass er die heftige Reaktion der Mitglieder auf das umstrittene Gesetzesvorhaben lobte.
    Bei Liberalen werde eben mehr und ehrlicher diskutiert.
    Und dadurch, dass er im letzten Moment einen Kompromissvorschlag einbrachte.
    Danach soll es für geständige Terroristen, die ehemalige Mittäter nennen und gegen diese Aussagen nur dann Straffreiheit geben, wenn sie keinen Mord begangen haben.
    Mördern könnte nach dem Kompromissvorschlag ihre Funktion als Zeuge der Anklage im Prozess nur eine Strafmilderung eintragen.
    Nach langer Diskussion wurde der Kompromiss am Abend beschlossen.
    Aber CDU und CSU hatten schon vorher signalisiert, dass sie auf eine Kronzeugenregelung lieber verzichten würden, als den FDP-Vorschlag anzunehmen.
    Mit dem FDP-Parteitag ist diese Novellierung des deutschen Strafrechts, gegen die sich im Übrigen fast alle führenden Rechtspraktiker und Theoretiker ausgesprochen hatten, so gut wie vom Tisch.
    Parteivorsitzender Bangemann blieb von härterer Kritik und einer weiteren Niederlage aber nur durch die nahenden Wahlen verschont.
    Denn die übrigen Änderungen im Strafrecht, wie sie die Koalition bereits beschlossen hat, störten viele Delegierte noch mehr als der Kronzeuge.
    So soll die Computerfahndung ausgeweitet, sowie das Deliktbildung einer terroristischen Vereinigung auch auf Gewalttäter bei Kernkraftwerken ausgedehnt werden.
    Dagegen sprach sich schließlich immerhin rund ein Drittel der Delegierten aus.
    Martin Bangemann plagt hier in Mainz aber auch noch seine Funktion als Wirtschaftsminister.
    In der kommenden Woche hätte er auf seine Einladung der stellvertretende Ministerpräsident der Sowjetunion Alexej Antonow die Bundesrepublik besuchen sollen.
    Als bis gestern Mittag die Sowjets nicht zu Gesprächen über das Programm bereit waren, sagte Bangemann die Visite ab.
    und kam seinem Gast nur knapp zuvor.
    Denn kurz darauf erklärt der sowjetische Botschafter in Bonn, Kwizinski, Antonow hätte ohnehin nicht kommen können.
    Begründung gab's keine, aber die ist ja bekannt.
    Der Vergleich, den Kanzler Kohl in einem Newsweek-Interview zwischen dem Nazi-Propagandaschef Goebbels und Parteichef Gorbatschow angestellt hatte, dieser Vergleich ist für die Sowjets noch nicht aus der Welt.
    Auch der stellvertretende CDU-Fraktionschef Volker Rühe, der sich stets um gute Kontakte mit den osteuropäischen Staaten bemühte, wird am Montag nicht nach Moskau reisen.
    Er hatte bis zuletzt keine Zusage fürs Visum und für Gesprächspartner erhalten.
    So bleibt Außenminister Hans-Dietrich Genscher der einzige Politiker der Bundesrepublik, der nach der Newsweek-Affäre Kontakt zu einem sowjetischen Kollegen hatte.
    Am Rande der KSZE-Eröffnung in Wien sprach er ja mit Außenminister Schewardt-Naze.
    Und in seiner heutigen Parteitagsrede betonte Genscher die Notwendigkeit der Liberalen in der Regierung, auch nach den Wahlen im Jänner.
    So sei die FDP Garant dafür, dass die Bundesregierung die Abrüstungsgespräche mit dem Ziel der Nulllösung, also des Abbaus aller atomaren Mittelstreckenraketen aus Europa, unterstütze.
    Führende CDU-Politiker und NATO-Militärs hatten sich zuletzt ja skeptisch dazu geäußert, weil sie die konventionelle Unterlegenheit der NATO fürchten.
    Wenn es jetzt Leute gibt, die, nachdem die Sowjetunion dazu bereit ist, gegen die doppelte Nulllösung polemisieren, dann setzen sich diese dem Verdacht aus, sie hätten sie in der Vergangenheit nur gefordert, weil sie annahmen, die Russen würden sie ablehnen.
    Die Forderung, abweichend vom NATO-Doppelbeschluss mit den Kurzstreckenlaketen ein Jungtim herzustellen, hätte die gesamte Verhandlung torpediert.
    Diese Forderung nach einem Jungdimm ist deshalb von der Bundesregierung zu Recht zurückgewiesen worden.
    Auch von der Sowjetunion erwarten wir, dass sie die Mittelstreckenverhandlungen nicht mit einem Jungdimm belastet.
    Keine Verhandlung darf zur Geisel einer anderen gemacht werden.
    So viel Applaus wie Genscher bekam sonst nur Otto Graf Lambsdorff, früher Wirtschaftsminister, dann in den Geruch des Flickkorruptionssumpfes geraten und jetzt nur mehr angeklagt wegen Steuerhinterziehung.
    Stehende Ovationen und Bravo-Rufe der Delegierten zeigten, dass der Graf vielleicht noch nicht am Ende seiner Laufbahn in der FDP angelangt ist.
    Helmut Brandstätter hörten sie aus Mainz.
    Eine Woche dauert jetzt schon vor einem Westberliner Gericht das Verfahren gegen zwei Araber, die zugegeben haben, im vergangenen März ein Sprengstoffattentat gegen die Büroräume einer deutsch-arabischen Freundschaftsgesellschaft verübt zu haben.
    Neun Personen sind damals verwundet worden, zwei davon schwer.
    Und wie im vergangenen Monat bei dem Prozess gegen den verhinderten El Al-Attentäter in Darwin, London, gibt es viele Spuren, die zu syrischen Stellen führen.
    Großbritannien hat ja deswegen die diplomatischen Beziehungen zu Damaskus abgebrochen.
    Falls das Berliner Gericht eine ähnliche Verwicklung Syriens als bewiesen ansehen sollte, werden auch von deutscher Seite diplomatische Schritte nicht ausgeschlossen.
    Raimund Löw erläutert den Hintergrund.
    Angeklagt sind in Berlin zwei Palästinenser mit jordanischer Staatsbürgerschaft.
    Der 35-jährige Ahmed Hazi und sein 39-jähriger Komplize Farukh Salameh.
    Die Polizei ist den beiden durch einen Hinweis von Scotland Yard auf die Spur gekommen.
    Hazi ist der Bruder des unlängst in London zu 45 Jahren verurteilten Neza Hindavi.
    Hindavi versuchte, eine El Al-Verkehrsmaschine durch eine Zeitbombe zu sprengen, die er seiner nichtsahnenden Braut ins Gepäck geschmuggelt hat.
    In seiner Wohnung fanden sich zahlreiche Hinweise auf enge Verbindungen zu seinem Bruder und dessen Freund in Berlin.
    Ursprünglich glaubte die Polizei an einen Zusammenhang mit dem Attentat auf die Diskothek Labelle, das von Präsident Reagan als Anlass für den amerikanischen Bombenangriff auf Libyen von diesem Frühjahr genommen wurde.
    Aber die Indizien reichten dann doch nicht für eine formelle Anklage.
    Wie Hindawi in London haben auch die beiden Berliner Bombenleger ein umfangreiches Geständnis abgelegt.
    Und wie Hindawi belasten auch Hasi und Salamech Syrien schwer.
    Den Sprengstoff wollen sie von einem Geheimdienstagenten in der syrischen Botschaft in Ost-Berlin erhalten haben.
    Vor Gericht wollte Ahmed Hazi seine Aussagen während der Voruntersuchung nicht wiederholen.
    Während der sechs Monate Isolationshaft habe der westdeutsche Geheimdienst sein Gehirn durch Strahlen verwirrt, er höre in seiner Zelle Stimmen.
    Aber widerrufen wollte er das Vernehmungsprotokoll auch nicht.
    Und aus den wortreichen Erzählungen der beiden Angeklagten ergibt sich folgendes, teilweise recht wirre Bild.
    Hasi und Salamich kennen sich seit sieben Jahren, als die beiden wegen Rauschgifthandels und versuchten Totschlags im Gefängnis saßen.
    In West-Berlin gestrandet, leben sie seit Jahren ohne Arbeit und von Gelegenheitsgeschäften.
    Für Politik haben sie sich nie interessiert, bis der in London lebende Hindawi, der Bruder des Hauptganggeklagten Hazi, auf die Idee kam, eine sogenannte jordanisch-revolutionäre Armee zu gründen und dafür Geld in Libyen und in Syrien zu kassieren.
    Als Beweis dafür, dass diese Gruppe außer ihrem Chef auch noch andere Mitglieder hat, nahm Hindawi seinen Bruder und dessen Freund im Sommer 1985 nach Libyen mit.
    Die Schulung dort beschränkte sich allerdings auf die Vorführung von Videos mit Gaddafi-Reden.
    Auch die erwarteten Dollar gab es nicht.
    Mehr Erfolg hatte das Trio dann angeblich in Damaskus.
    Der angeklagte Salamech, der glaubte, in Syrien ein Rauschgiftgeschäft anbahnen zu können, fand sich in einer von Soldaten bewachten Villa wieder und lernte dort von einem gewissen Abu Ahmed, wie man mit Sprengstoff umgeht.
    Derselbe Abu Ahmad soll dann die beiden ausgerechnet in der Küche der syrischen Botschaft in Ost-Berlin die Kofferbombe ausgehändigt haben, die der deutsch-arabischen Gesellschaft in West-Berlin zugedacht war.
    Dass ausgerechnet eine deutsch-arabische Freundschaftsgesellschaft Opfer der Gruppe wurde, ist auf einen Streit Hindavis mit dem Vorsitzenden dieser Organisation zurückzuführen.
    Zeugen beschreiben Hindavi als politisch konfus.
    Einmal habe er gegen die PLO, das andere Mal gegen Jordanien kämpfen wollen.
    Auf jeden Fall erklärte Hindawi besagte Freundschaftsgesellschaft für von Israel unterwandert und beschloss zur Tat zu schreiten.
    Von den Syrern erhoffte er sich nach dem derart erbrachten Beweis der Schlagkraft seiner Organisation Geld und Anerkennung.
    Allerdings bedurfte es des zweimaligen Auftauchens eines angeblich syrischen Sprengstoffexperten, damit die über die DDR-Transitstrecke geschmuggelte Höllenmaschine auch wirklich losging.
    Der von den beiden Angeklagten im Auftrag Hindavis gelegte 5 kg schwere Sprengsatz explodierte am 29.
    März 1986.
    Zwei Menschen wurden schwer und sieben leicht verletzt.
    Das Berliner Gericht hat weniger Beweise für die Verbindung der beiden Angeklagten zu Syrien als das britische Gericht im Fall Hindavi vor drei Wochen.
    Syriens Vizepräsident Khadam sagte, sein Land habe mit der ganzen Sache nicht das geringste zu tun.
    Die Aktion ergibt auf jeden Fall schwerlich politischen Sinn.
    Aber unter den zahlreichen miteinander rivalisierenden syrischen Geheimdiensten dürfte es nicht wenige Dienststellen geben, die sich bereitwillig auf Geschäfte mit diversesten Abenteurern einlassen und diese dann in ihrem Sinn benutzen.
    Politiker, sowohl aus der Regierungskoalition als auch aus der SPD, hier etwa der Arabien-Experte Wischniewski, fordern daher Repressalien gegen Syrien.
    Ein Abbruch der diplomatischen Beziehungen nach britischem Vorbild wird allerdings nicht erwartet.
    Das Urteil im Berliner Prozess steht Anfang kommender Woche bevor.
    12.31 Uhr, eine Minute nach halb eins ist es inzwischen geworden.
    Im Journal zu Gast ist heute der Innsbrucker Herzchirurg Professor Raimund Magreiter.
    Magreiter war es, der vor drei Jahren als erster einem Österreicher, und zwar Josef Wimmer aus Wörgl in Tirol, ein zweites Herz einsetzte.
    Josef Wimmer ist nun in dieser Woche gestorben und der Tod von Josef Wimmer wirft aber die verschiedensten Fragen auf.
    Je mehr nämlich von medizinischen Eingriffen wie Herztransplantationen, Gentechnologie, außerkörperliche Befruchtung von menschlichen Eizellen, zweifach und dreifach Organtransplantationen die Rede ist und sie auch Realität sind, desto heftiger wird die Diskussion über ihre Berechtigung.
    Ein Beispiel dafür die jetzt wieder aufgeflammte Diskussion darüber, welchen Sinn solche medizinische Leistungen haben können, wenn dann die Patienten doch in absehbarer Zeit sterben.
    Das folgende Gespräch mit Professor Magreiter, der die Herztransplantation an Josef Immer vor drei Jahren durchführte, hat Markus Sommersacher geführt.
    Herr Prof. Dr. Margreiter, Sie gelten weltweit und nicht nur in Österreich als Kapazität auf dem Gebiet der Herztransplantation, der Herz-Lungen-Transplantation.
    Sie haben verschiedene Organtransplantationen in Österreich gemacht, die weltweit überhaupt
    Die Ersten waren auf diesem Gebiet.
    Und trotzdem, trotz allem ihrem Können, passieren dann solche Sachen, wie zum Beispiel mit dem Herzpatienten Wimmer, der vor wenigen Tagen gestorben ist, wo dann letztlich doch der Tod stärker war als sie.
    Wie sehr berühren einen solche Sachen?
    Geht einem das nahe?
    Sieht man da trotzdem irgendwie eine sichtbare Grenze des eigenen Könnens und der menschlichen Natur?
    Was Ihre so freundlichen, einleitenden Worte anbelangt, möchte ich doch sagen, dass wir uns international eine gewisse Anerkennung erworben haben, aber dass wir den von Ihnen angesprochenen Ruf genießen würden, ich glaube, das stimmt auch nicht.
    Das Ende ist uns vorherbestimmt, die Frage ist nur, wann es eintritt und wann es kommt.
    Umso größer die Zeitspanne, um die wir ein Leben verlängern können, umso besser für alle Beteiligten, in erster Linie für den Patienten.
    Wir können uns natürlich durch so einen Todesfall in unseren Bemühungen nicht abschrecken lassen, weiterzutun.
    Das Altern, verschiedene organische Veränderungen stellen einen limitierenden Faktor dar.
    Wir können nicht einen ganzen Menschen auswechseln.
    Was wir können,
    Im Moment ist ein Organ, das versagt oder zu versagen droht, auszuwechseln.
    Wir können heute schon zwei Organsysteme auswechseln.
    Wir haben das mehrfach schon getan.
    Es ist eine Frage der Zeit, meiner Meinung nach, wann wir erstmals drei, eventuell sogar vier verschiedene lebenswichtige Organe ersetzen.
    Aber wir können nicht den ganzen Menschen ersetzen.
    Der Alterungsprozess wird weitergehen und damit auch die Veränderungen an anderen Organen, an anderen Organsystemen, die dann letztlich zum Tode des Patienten führen.
    Wenn Sie jetzt zum Beispiel so zurückdenken an die Zeit, wie Sie den Herrn Wimmer
    operiert haben.
    Da waren sie doch sicher in der Zeit, da es alles noch gut ging, immer der Meinung, na ja, das Ganze wird seinen Sinn haben, beziehungsweise sie werden wahrscheinlich gar nicht daran gezweifelt haben, dass das Ganze seinen Sinn hat.
    Kommen einem solche Zweifel dann, wenn trotzdem dann der Patient stirbt, wenn auch drei Jahre später?
    Wir sind nur berechtigt, diese Dinge zu tun, wenn wir von der Sinnvolligkeit überzeugt sind.
    Und wir waren überzeugt und ich bin es auch heute noch.
    Es war uns von Anfang an klar, dass gerade dieser Patient, der andernorts abgelehnt worden ist für eine Herztransplantation, besondere Probleme bieten würde und dass seine Grundkrankheit ja mit der Transplantation nicht stehen bleibt, sondern weiter fortschreitet.
    Aber trotzdem haben Sie es gemacht.
    Wir haben uns vielleicht etwas mehr erwartet, dass das Ganze einige Jahre mehr gehen würde, aber eine normale Lebenserwartung hatte dieser Patient nie.
    Wir waren uns klar darüber,
    innerhalb von einigen Jahren dann das Ende durchkommen würde.
    Und wenn Sie den Patienten fragen, dann ist er zudies dankbar für diese drei Jahre, die er durch diesen Eingriff geschenkt bekommen hat.
    Nicht nur er, sondern auch seine Familie sind zudies dankbar und froh um diese geschenkten Jahre.
    Das Einverständnis des Patienten wird aber doch wohl nur eine Seite dieses Problems sein können.
    Das Einverständnis des Patienten auf der einen Seite, auf der anderen Seite wird es wahrscheinlich aber doch noch
    einen Fragenkomplex geben, wie zum Beispiel, darf ich als Arzt das jetzt überhaupt noch machen?
    Darf ich die Grenzen der normalen Medizin jetzt so weit dehnen und erstrecken, wie ich es vielleicht technisch kann, aber ist das überhaupt noch ethisch vertretbar?
    Ja, da gilt es erst einmal zu definieren, was ist die normale Medizin.
    Wenn Sie sich vorstellen, dass vor 200 Jahren hätte man überhaupt keinen einzigen Eingriff machen können dieser chirurgischen größerer Art.
    Mit der Einführung der Narkose ist es möglich geworden, dann immer größere chirurgische Eingriffe, dann mit der Entwicklung von der Herz-Lungen-Maschine, zum Beispiel Eingriffe am offenen Herzen.
    Was ist heute normal?
    Was vor 20 Jahren absolut undenkbar war,
    war vor zehn Jahren schon normal und ist heute teilweise schon veraltert, also absolute Routine.
    Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass Patienten, an denen Sie Transplantationen vorgenommen haben, danach psychisch, persönlich, von der Persönlichkeitsidentität her, andere Menschen waren?
    Ich kann das schwer beurteilen, weil sehr viele Patienten sehen wir nur kurz vor der Transplantation.
    Alle Empfänger von Nieren zum Beispiel kommen nur für eine kurze Visite mit allen entsprechenden Voruntersuchungen zu uns und wir versuchen uns aufgrund der Mitteilungen der einweisenden Ärzte und aufgrund eines kurzen persönlichen Gesprächs eine Meinung über den Patienten zu bilden, aber das ist im Allgemeinen nicht ausreichend, um wirklich sagen zu können,
    um welchen Patienten es sich da handelt, ja vor allem von seiner Persönlichkeitsstruktur her.
    Aber aufgefallen wäre es uns bisher nie.
    Sie wissen ja, Tirol hat einen besonderen, hat eine Mentalität, eine sehr robuste Mentalität.
    Also bei uns ist das bisher eigentlich noch nie ein Problem gewesen.
    Würden Sie persönlich die Grenze für solche Transplantationen ansetzen, zum Beispiel bei einem Problem, das derzeit diskutiert wird, nämlich Hirntransplantationen?
    Bei der Hirntransplantation verhält es sich völlig anders.
    Und zwar deshalb, weil man mit dem Gehirn die Persönlichkeit des jeweiligen Menschen verpflanzen würde.
    Und nachdem das Gehirn der Sitz der Persönlichkeit, der Sitz der Seele ist, würde ich in dem Fall nicht sprechen von einer Gehirntransplantation, sondern von einer Gesamtkörper-, von einer Ganzkörpertransplantation.
    Wenn überhaupt der Fall eintreten sollte, dann nur dann, um ein besonders wertvolles, geistreiches Gehirn zu erhalten.
    Das ist aber sehr gefährlich.
    Das ist ein Iterium.
    Ja, aber nur das.
    Es kann doch nicht angehen, dass ich einen besonders schönen oder gutgestellten Körper konserviere, indem ich ihm ein neues Gehirn verpflanze.
    Sondern nur die Konstellation, dass ein erhaltenswertes Gehirn für die Menschheit so wichtiges Gehirn erhalten werden kann, nur dadurch,
    dass ein gesunder Körper an dieses Gehirn heran verpflanzt wird.
    Nur er legt da den Maßstab an.
    Ja, also für mich ist das absolut die Grenze des moralisch Machbaren.
    Aus diesem Grund würde ich eine Gehirntransportion, eine Ganzkörpertransportion zum Zwecke der Erhaltung eines Gehirns durchaus ablehnen.
    Was man zum Teil schon mit Erfolg durchführt, das ist die Verpflanzung von einzelnen Gehirnteilen zur Heilung.
    einer bestimmten Erkrankung, die im Gehirn angesiedelt ist, bzw.
    die dadurch zum Ausbruch kommt, dass gewisse Zellen oder Teile im Gehirn nicht funktionieren.
    Und in Tierversuchen, also beim Affen, wurden derartige Versuche mit Erfolg bereits angestellt.
    Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass das in absehbarer Zukunft auch bei Menschen gemacht werden könnte.
    Aber da will man ja nur eine Krankheit heilen und verändert an der Persönlichkeitsstruktur des Menschen überhaupt nichts.
    Somit wäre moralischerseits, von meiner Warte aus gesehen, gegenteilige Eingriffe nicht einzuwenden.
    Wäre eine solche Transplantation, auch nur Teilbereiche des Gehirns zu transplantieren, wäre das ein Vorgang, von dem Sie die Meinung vertreten würden, dass er in eine Entwicklung geht, moderne Medizin, technisch ist alles machbar, aber ethisch nicht alles vertretbar, wo sich dieses Problem im Kern am besten zeigt?
    Nein, glaube ich nicht.
    Ich glaube, dass
    Ein Eingriff, der ohne in die Persönlichkeit des Betroffenen einzugreifen,
    dazu angetan ist, eine Erkrankung zu lindern oder zu heilen, den halte ich für durchaus gerechtfertigt.
    Und wo immer der stattfindet, also ob das nun im Schädelinnen stattfindet oder im Brustkorb, im Bauchraum, ich glaube, da sollte man nicht zu sehr differenzieren.
    Das Entscheidende ist, dass ich nichts an der Persönlichkeit des Betroffenen ändere.
    Und der würde ja
    Die gesamte Gehirnmasse, mit der er denkt, mit der er fühlt, die würde er behalten.
    Es würden ja nur einige Gehirnteile dazukommen, die nur die Aufgabe hätten, eine Krankheit zu heilen oder zu bessern.
    Abschließend jetzt die Frage, in welche Richtung geht Ihrer Ansicht nach derzeit die Medizin, die Chirurgie, die Transplantationschirurgie?
    Ist das eine gesunde Entwicklung?
    Sie werden sicher der Meinung sein, ja natürlich, ich mache das ja, deswegen ist das auch eine wahrscheinlich gesunde Entwicklung, aber gibt es da irgendwelche Fragezeichen dahinter?
    Ich persönlich muss überzeugt sein, dass es eine gesunde Medizin ist, wie Sie sagen.
    Sonst dürfte ich es ja nicht tun.
    Ich hätte ja keine Legitimation, diesen Beruf auszuüben.
    Die Entwicklung in der operativen Medizin kann nicht mehr sehr viel weitergehen.
    Es ist heute ja praktisch alles machbar.
    Es wäre theoretisch schon denkbar, dass man nicht nur sämtliche Organe im Brustkorb, sondern auch im Bauchraum auswechselt.
    Das ist theoretisch schon technisch.
    chirurgisch heute schon durchführbar.
    Ich glaube, die Entwicklung muss auf einer anderen Ebene weitergehen, und zwar, wie man die Akzeptanz dieser Organe verbessern kann, das heißt, wie man mit möglichst nebenwirkungsfreien Medikamenten die Patienten so
    modulieren kann die Empfänger, dass sie die Organe, und zwar das jeweilige Organ, nicht abstoßen.
    Kritiker Ihrer Arbeit, und solche gibt es natürlich auch, würden jetzt wahrscheinlich sagen, das war eine sehr technokratische Antwort auf eine eher insgefälle philosophische gehende Frage.
    Für uns ist die
    Die Frage, was wir tun sollen, habe ich schon einmal eingangs unseres Gesprächs gesagt, ist eine ganz triviale.
    Wir haben Patienten und diese Patienten kommen zu uns und erwarten sich Hilfe von uns.
    Und diese Patienten fragen dann letztlich nicht nach all diesen Dingen, die Sie angesprochen haben, sondern der will nur Hilfe.
    Und an uns liegt es, denen Hilfe zu schaffen, indem wir aber gewisse Grenzen mit Sicherheit nicht überschreiten und ja mit Methoden, die doch bestimmte Auswirkungen auf Erfolg bieten.
    Wobei eine Methode, die heute noch als sehr riskant angesprochen werden muss, wie zum Beispiel die kombinierte Herz-Lungen-Transportion, könnte es durchaus sein, dass in fünf Jahren das ein Routine-Eingriff geworden ist, von dem schon sehr, sehr viele Leute dann profitieren werden.
    Gerade im nächsten Jahr finden hier in Innsbruck die sogenannten transplantierten Weltspiele statt.
    Vor 20 Jahren Nierentransplantation, ein aufsehenderregender Eingriff.
    Nächstes Jahr treffen sich hier hunderte Empfänger von Nieren und bieten sportliche Höchstleistungen, um ihren hohen Rehabilitationsgrad, nicht nur sozialen, sondern auch ihren physischen Rehabilitationsgrad zu beweisen.
    Bei den letzten Spielen ist ein Patient disqualifiziert worden, aber nicht deshalb, weil er sich gegen irgendwelche sportlichen Regeln vergangen hätte, sondern deshalb, weil ihm nicht eine Niere, sondern eine Leber implantiert worden war.
    Also das sind Dimensionen, völlig neue Bereiche.
    Ich könnte mir auch vorstellen, dass man das ausdehnen kann auf Herz und viele Herzempfänger werden kommen, um an diesen Spielen, an einem Minimarathon zum Lauf zum Beispiel, teilzunehmen.
    Wir wissen das heute bereits, sehr viele.
    Und das mag Ihnen nur zeigen, welche Form die Transplantationschirurgie angenommen hat und welchen Grad und welchen Standard sie bereits erreicht hat.
    Also das, was wir tun, das sind heute nicht irgendwelche
    Experimente.
    Wir haben das Stadium der Experimentalmedizin schon lange verlassen, sondern das ist ein Routine-Eingriff, der wirklich diesen Leuten volle Gesundheit wiederbringen kann.
    Dass ihre Lebenserwartung heute noch nicht dieselbe ist wie von gesunden Gleichaltrigen, das ist völlig klar und das haben auch diese Patienten akzeptiert, aber die hoffen halt alle, dass wir
    während der Zeit, in der sie gut leben, die Medizin weiterschreitet, die Entwicklung weitergeht und ihnen noch einmal später dann geholfen werden kann.
    Aber wenn es auf allen medizinischen Gebieten so schnell weiterginge, die Entwicklung, wie auf den Gebieten der Transplantationschirurgie oder der Transplantationsmedizin, ich glaube, da könnten wir sehr, sehr zufrieden sein.
    Herr Professor Margareta, danke für das Gespräch.
    Der Herzchirurg Raimund Magreiter war heute im Journal zu Gast.
    Markus Sommersacher hat mit ihm gesprochen.
    Dreiviertel eins ist es jetzt.
    In Wien und zwar im Messepalast findet bis Sonntag ein sogenanntes Spielefest statt.
    In einer großen Halle haben die Besucher die Möglichkeit, 120 verschiedene Gesellschaftsspiele gleich auszuprobieren.
    Also vor dem Kauf des Weihnachtsgeschenks kann man damit auch gleich ausprobieren, ob ein Spiel für Kinder oder Erwachsene wirklich so spannend ist, wie die Werbung verspricht.
    So gut die Idee der Veranstaltung ist, so gibt es auch Kritik.
    50 Schilling-Eintritt pro Person wird als nicht gerade familienfreundlich bezeichnet.
    Was es alles so auf dem Spielefest im Wiener Messepalast zu sehen gibt, darüber informiert Wolfgang Fuchs.
    Es gibt so viele verschiedene Gesellschaftsspiele, dass die Kaufentscheidung oft sehr schwer zu treffen ist.
    Im Fachgeschäft erklärt der Verkäufer zwar die Spielregeln eines noch unbekannten Spiels.
    Ob es auch tatsächlich Spaß macht, merkt man aber erst viel später zu Hause.
    Soll man nun Abenteuer Tierwelt kaufen oder Abilene, Alaska oder Augenauflecki?
    Ist nicht König der Sterne interessanter, Pirateninsel spannender oder Sturmwolke lustiger?
    Am besten man probiert es selbst aus.
    25 jugendliche, spielbegeisterte Berater erklären geduldig jede Spielanleitung.
    An kleinen Tischen wird dann die Theorie in die Praxis umgesetzt.
    Sie können in die Rolle eines Entdeckers schlüpfen, Börsenmakler werden, eine Weltreise antreten oder Scotland Yard-Beamter spielen.
    Einer der Renner auf dem Spielefest ist die Kanzlerschlacht, angesichts der morgigen Nationalratswahl nicht überraschend.
    Bei diesem Spiel mit handfesten österreichischen Problemen sind sie Wahlkampfmanager.
    Jeder geht vom gleichen Ausgangspunkt aus und kann jetzt im Wahlkampf, der aus zehn Runden besteht, möglichst viele Sitze im Parlament erobern, die ihm mehr Macht geben und dann den Kanzler stellen zu können im Endeffekt.
    Jeder bekommt eine gewisse Anzahl Wählergunstkarten, die er jetzt taktisch günstig ausspielen kann.
    Und zwar in jeder Runde spielt einer eine Karte aus.
    Und je nachdem was da drauf steht, z.B.
    SPÖ will die verstaatlichten Unternehmen privatisieren, wirkt sich das jetzt auf den Stand in der Wählerkunst für jede Partei aus.
    Zusätzlich gibt es jetzt, um das Ganze spannender zu machen, noch Einflusskarten, wie z.B.
    sie versprechen höhere Gewinne für die Unternehmer, d.h.
    für die ÖVP ein Plus von 9 Punkten.
    Konservative FPÖ plus eins.
    Sieger ist der, der die meisten Sitze hat.
    Und dann wird der Kanzler noch bestimmt.
    Wem sie in Österreich zu gesittet zugeht, dem sei Hunter ans Herz gelegt.
    Mord und Totschlag im Wohnzimmer.
    Nicht unbedingt jugendfrei.
    Das Grundziel des Spiels ist, in einer Bananenrepublik, in einer Repubblica della Bananas, das Entwicklungshilfegeld, das von einem imaginären Staat gespendet wird, auf ein Nummernkonto in der Schweiz zu transferieren.
    Das Spiel beginnt damit, dass die sieben herrschenden Familien, repräsentiert durch hier diese Counter mit verschiedenen Zeichen, einen Präsidenten wählen.
    Und dieser Präsident kann dann die Ämter vergeben.
    Mit diesen Ämtern kann man gewisse Machtbereiche kontrollieren.
    Es kann später auch zu einem Putsch kommen.
    Und das Geld, das man in der Bank deponieren muss, ist insofern wichtig, weil es das einzige ist, was zum Sieg zählt.
    Allerdings, wenn man sehr viel Geld schon hat und man geht in die Bank, ist die Gefahr eines Attentats sehr groß.
    Das heißt, das Ganze ist eigentlich sehr unmoralisch?
    Oh ja, auf jeden Fall.
    Das ist Sinn und Zweck der Übung.
    Aber wie immer, es hat überhaupt nichts mit der Realität zu tun.
    Welche Kriterien muss ein gutes Spiel aufweisen, das haben Wissenschaftler versucht zu definieren.
    Die wichtigsten Grundsätze, es muss eine Chance geben zu gewinnen, der Überraschungsmoment darf nicht fehlen, das Spiel und die Regeln müssen auch überschaubar sein und es muss vor allem Spaß machen.
    Kinder spielen ja immer schon gern und auch immer mehr Erwachsene geben zu, verspielt zu sein.
    Das tägliche Leben ist ernst genug.
    Eins, zwei, drei.
    Spielefest im Wiener Messepalast, Wolfgang Fuchs informierte darüber.
    Nächste Woche läuft in den Kinos der österreichische Film Schmutz an, die erste Regiearbeit des bisher eher als Schauspieler bekannten Paulus Manker.
    Schmutz ist der Name eines Beamten der Wach- und Schließgesellschaft, der amok läuft, als man ihm seinen Auftrag entzieht.
    Die Hauptrollen in dieser Produktion spielen die beiden neuen Burgschauspieler Fritz Schädiwi und Hans Michael Rehberg.
    In Portugal hat Schmutz kürzlich den Hauptpreis eines Filmfestivals gewonnen.
    Die österreichische Prädikatisierungskommission hat dem Streifen dagegen jedes Prädikat verweigert.
    Hans Langsteiners Beitrag beginnt mit der ungewöhnlichen Filmmusik, die von der Schweizer Popgruppe Yellow stammt.
    Es ist so, es ist die Geschichte eines österreichischen Beamten, der der Wach- und Schließgesellschaft angehört und sein Leben in einer religiösen Demut der Pflichterfüllung, nämlich der Erfüllung seines Berufes,
    gewidmet und geweiht hat, wenn Sie so wollen.
    Paulus Manko über seinen ersten Kinofilm, die düster-makabere Studie einer faschistoiden Neurose.
    Einen kleinen Wachebeamten treibt die Pflichterfüllung in den Wahnsinn.
    Die geliebte Uniform geht ihm über alles, lockere Liebespaare vertreibt er mit brennendem Benzin vom ihm anvertrauten Werksgelände.
    Und als ihm der Chef den Wachauftrag entzieht, kippt Gehorsam um in blanken Hass.
    Ich habe mein Leben dieser Sache gewidmet.
    Sie sind nicht der liebe Gott und sagen Horte und Höhe, wie es Ihnen passt.
    Sie haben mir am 16.
    Juli um 23.46 Uhr einen Auftrag erteilt.
    Und wie ich meine Pflichten wahrnehme, so haben auch Sie Ihre Pflichten wahrzunehmen.
    Ihnen ist die Menschenführung anvertraut.
    Sie können nicht einfach Menschen erheben und zerstören.
    Geben Sie mir Ihre Dienstwaffe.
    Für Regisseur Paulus Manker ist Schmutz auch ein Beitrag zum Thema die österreichische Seele.
    Ja, es ist durch und durch ein österreichischer Film.
    Die äußeren Anzeichen sagen wir mal Schauspielerei.
    und auch Teile der Durchführung sind aus Deutschland gekommen und das heißt, bewegen sich für unsere Ohren im Niemandsland.
    Es ist aber das Phlegma des Films, der Inhalt und der religiöse Wahnsinn und der religiöse Eifer, der ist in Österreich beheimatet.
    Religiöse Züge gewinnt der Leidensweg des Beamten Schmutz zuletzt tatsächlich.
    Heiliger Gabriel!
    Heiliger Raphael!
    Ihr heiligen Erzengeln, bittet für mich!
    Mordend und dem Wahnsinn nahe trotzt Schmutz inmitten einer schwarzen Messe aus toten Vögeln und tausend Kerzen zuletzt der anstürmenden Polizei.
    Von anderen vielen Neuheiten aus heimischer Produktion unterscheidet sich Schmutz indes nicht nur thematisch.
    Regisseur Manker hat das makabre Geschehen konsequent zum Albtraum stilisiert.
    Er setzt, abseits gängiger Fernsehtramaturgie, auf wuchtige Kinobilder und intelligente Effekte.
    Von der Ermordung eines kleinen Mädchens beispielsweise zeigt Manka nur die Außenmauer des Tatortes.
    Für eine einzige Aufnahme übersiedelte das Kamerateam von Wien nach Venedig.
    Und auch die Schauspieler passen sich dem Kunststil dieses Streifens an.
    Manka
    ein Vertrauen zum Schauspieler, auch im österreichischen Spielfilm, jetzt ein bisschen etablieren können.
    Das war lange Zeit ein großes Stiefkino.
    Es waren sehr wenige, die wirklich auf die Kraft des Schauspielers vertraut haben.
    Ich glaube, es gibt nichts Ausregenderes als zwei gute oder ein guter Schauspieler auf der Leinwand.
    Da muss nicht im Hintergrund die Stefanskirche explodieren oder so, damit das Ding ja im Publikum im Gang sitzt, in einem Ernst.
    Gewiss ist Schmutz kein makelloser Film.
    Sicher wird es kein Kassenschlager à la Müllers Büro.
    Doch generell, seit Maria Knillis' Lieber Karl und seit Paulus Manckers Heidenlöchern hat es im Kino kein vielversprechenderes Regie-Debüt aus Österreich gegeben.
    Ich danke für das Vertrauen.
    Schmutz, dieser Film, ist in der nächsten Woche in den österreichischen Kinos zu sehen.
    Fünf Minuten vor 13 Uhr ist es jetzt.
    Zum Abschluss des Mittagsjournals noch einmal eine Meldungszusammenfassung.
    Österreich.
    Einen Tag vor den Nationalratswahlen haben die Spitzenkandidaten der aussichtsreichsten wahlwerbenden Gruppen Schlusserklärungen abgegeben.
    Für die SPÖ sagte Bundeskanzler Franitzki, es gelte, auf der Grundlage der Erfolge der vergangenen 16 Jahre die Zukunft zu gestalten.
    ÖVP-Obmann Mock erklärte, so wie bisher dürfe es nicht weitergehen.
    Die ÖVP sei für eine Übernahme der Regierungsverantwortung gut vorbereitet.
    Namens der FPÖ meinte Obmann Jörg Haider, seine Partei wolle für soziale Gerechtigkeit und Sauberkeit eintreten.
    Für die Grünen, sagte Friedermeister Blau, die Zerstörung der Umwelt sei bereits so weit fortgeschritten, dass es Zeit zum Handeln sei.
    USA.
    Die Diskussion über die geheimen Waffenlieferungen an den Iran dauern an.
    Führende Senatoren haben die Schaffung eines sogenannten Waisenrates verlangt, der Präsident Reagan künftig in außenpolitischen Fragen zur Seite stehen soll.
    Reagan seinerseits ist über die Kritik an seiner Entscheidung offensichtlich verstimmt.
    Der Stabschef des Weissen Hauses sagte, der Präsident sei der Diskussion über die geheimen Waffenlieferungen an den Iran überdrüssig und wünsche, dass alle Kritiker den Mund halten sollten.
    Verärgert über die geheimen amerikanischen Waffenlieferungen an den Iran ist König Hussein von Jordanien.
    Sowjetunion.
    Parteichef Gorbatschow hat neuerlich betont, die von ihm in Reykjavik vorgelegten Abrüstungspläne seien ein unteilbares Ganzes.
    Anlass für die Erklärungen war ein Empfang für den niederländischen Regierungschef Ruud Lubbers in Moskau.
    Lubbers vertrat die Meinung, die Sowjetunion sei zu Verhandlungen über einen Abbau der konventionellen Waffen bei den Wiener Truppenabbau-Gesprächen bereit.
    Bundesrepublik Deutschland.
    In München findet heute der Wahlkongress der CSU statt.
    Hauptredner sind CSU-Chef Franz Josef Strauß und der CDU-Vorsitzende Bundeskanzler Kohl.
    Die Freien Demokraten halten in Mainz den Bundesparteitag ab.
    Vereinte Nationen.
    Die UNO-Vollversammlung hat eine mehrtägige Debatte über den Nahostkonflikt begonnen.
    Der israelische UNO-Vertreter lehnte eine internationale Konferenz über die Palästina-Frage ab.
    Der Vertreter der PLO attackierte Israel und die USA.
    Ferner hat die UNO-Vollversammlung eine Resolution verabschiedet, in der das amerikanische Handelsembargo gegen Nicaragua bedauert wird.
    Österreich Der international anerkannte Innsbrucker Transplantationsexperte Raimund Markreiter hat heute die moderne Transplantationspraxis sowohl aus medizinischer als auch aus weltanschaulicher Sicht verteidigt.
    Anlass für das Interview war der Tod des ersten Österreichers, an dem der Chirurg im Oktober 1983 eine Herztransplantation vorgenommen hat.
    Grundsätzlich merkte Margreiter an, der Alterungsprozess an sich lasse sich nicht aufhalten.
    Jedem Menschen sei ein Ende bestimmt.
    Doch könne man die Spanne bis zu diesem Zeitpunkt verlängern.
    Der Patient und seine Angehörigen seien zutiefst dankbar für die gleichsam geschenkten Jahre.
    Im konkreten Fall wolle jeder Patient stets Hilfe und stelle keine ethischen Fragen, ergänzte Margreiter.
    Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 10 in der Nähe von Bruckanderleiter in Niederösterreich verbrannten heute früh zwei Männer und eine Frau, gebürtige Jugoslawen.
    Der Hergang des Unfalls, ein 43-jähriger Baumeister aus Klein-Neusiedl fuhr in alkoholisiertem Zustand mit überhöhter Geschwindigkeit und nur mit Abblendlicht auf das Fahrzeug der Jugoslawen auf.
    Der Tank explodierte, die drei Menschen verbrannten hilflos.
    Der schuldige Lenker erlitt schwere Verletzungen.
    Im Spital wurde dann auch festgestellt, dass er alkoholisiert war.
    Die Wetteraussichten für Österreich bis zum Abend.
    Meist reichlich bewölkt, gebietsweise Regen, Schneefallgrenze bis 1500 Meter steigend.
    Nachmittagstemperaturen heute 4 bis 11 Grad.
    Eine Stunde Samstagmittaginformation ist beendet.
    Das nächste Journal, meine Damen und Herren, hören Sie morgen um 17 Uhr.
    Die ausführliche Wahlberichterstattung des aktuellen Dienstes beginnt dann morgen Abend, kurz vor 19 Uhr.
    In wenigen Sekunden wird es 13 Uhr.
    Karl Jokowski verabschiedet sich für Redaktion und Technik.
    Ein schönes Wochenende noch.
    Das war's für heute.

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Datum: 1986.11.22 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wetterbericht
    Datum: 1986.11.22 [Sendedatum]
    Schlagworte: Natur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Nationalratswahl: Schlußerklärungen der Spitzenkandidaten
    Einblendung: Meissner-Blau (Grüne), Haider (FPÖ), Mock (ÖVP), Vranitzky (SPÖ)
    Mitwirkende: Jirkovsky, Karl [Gestaltung] , Meissner-Blau, Freda [Interviewte/r] , Haider, Jörg [Interviewte/r] , Mock, Alois [Interviewte/r] , Vranitzky, Franz [Interviewte/r]
    Datum: 1986.11.22 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Politik ; Gesellschaft ; Wissenschaft und Forschung ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    FDP - Parteitag in Mainz
    Einblendung: Außenminister Genscher
    Mitwirkende: Brandstätter, Helmut [Gestaltung] , Genscher, Hans Dietrich [Interviewte/r]
    Datum: 1986.11.22 [Sendedatum]
    Ort: Mainz [Aufnahmeort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Im Journal zu Gast: Transplantationschirurg Professor Margreither
    Interview: Chirurg Margreiter
    Mitwirkende: Sommersacher, Markus [Gestaltung] , Margreiter, Raimund [Interviewte/r]
    Datum: 1986.11.22 [Sendedatum]
    Ort: Innsbruck [Aufnahmeort]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Sport ; Medizin ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Spielefest im Wiener Messepalast
    Einblendung: Besucher des Spielefestes
    Mitwirkende: Fuchs, Wolfgang [Gestaltung]
    Datum: 1986.11.22 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik ; Politik Österreich ; Unterhaltung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Kultur: Paulus Mankers Filmerstling "Schmutz" in Österreichs Kinos
    Einblendung: Musikausschnitt, Regisseur Manker, Szenenausschnitte,
    Mitwirkende: Langsteiner, Hans [Gestaltung] , Manker, Paulus [Interviewte/r]
    Datum: 1986.11.22 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Kultur ; Wissenschaft und Forschung ; Film ; Unterhaltung ; Musik ; U-Musik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten

    Katalogzettel

    Titel Mittagsjournal 1986.11.22
    Spieldauer 00:59:34
    Mitwirkende Jirkovsky, Karl [Moderation] [GND]
    Kerbler, Michael [Regie] [GND]
    ORF [Produzent]
    Datum 1986.11.22 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ audio
    Format TKA [Tonband auf Kern (AEG)]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-861122_k02
    Medienart Mp3-Audiodatei
    Gesamtwerk/Reihe Mittagsjournal

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    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt