Mittagsjournal 1980.12.20

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    Rechtliches

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    KI-generiertes Transkript

    Die Zeit in fünf Sekunden ist es zwölf Uhr.
    Zwölf Uhr hier ist der österreichische Rundfunk.
    Einen guten Tag meine Damen und Herren, für den aktuellen Dienst begrüßt Sie heute Louis Glück sehr herzlich.
    Das Mittagschanal bringt eine Stunde Information und wir haben folgende Beiträge vorbereitet.
    Anton Benja, der Präsident des ÖGB und des Parlaments mit Bilanz und Prognose.
    1981, so meint er unter anderem, ist ein Reallohnverlust nicht auszuschließen.
    Zur Innenpolitik außerdem Auszüge aus Zeitungskommentaren.
    Aus dem Ausland unter anderem ein Bericht über die syrisch-israelische Eskalation im Südlibanon und eine Analyse der Lage in Südostasien.
    Kultur, Vorschau auf die Wiener Staatsopernpremiere Attila von Giuseppe Verdi, zu Weihnachten kommen also die Hunden ins Haus am Ring.
    Und im Journal zu Gast ist heute Viktor Frankl, der weltberühmte Psychotherapeut, der Zeitlebens einer Frage nachgegangen ist, die man sich gerade in diesen Tagen stellen sollte.
    Nach dem Sinn unseres Tuns und Treibens, nach dem Sinn des Lebens letztlich.
    Zunächst aber die Nachrichtenredakteurin vom Dienst ist Elisabeth Mahners und Sprecher Peter Fichner.
    Nahe Osten.
    Aus dem Südlibanon wird eine neue Eskalation der Gewalt gemeldet.
    Syrische Artillerie beschoss israelische Panzer im libanesisch-israelischen Grenzgebiet.
    Der Überfall wird von Syrien als Vergeltungsschlag für einen Angriff israelischer Soldaten auf syrische Truppen im Südlibanon dargestellt.
    Bei dem heutigen Bombardement sollen nach bisher vorliegenden Meldungen zahlreiche Zivilisten und Angehörige der UNO-Truppen im Südlibanon verletzt worden sein.
    Bei einer israelischen Militäraktion gegen palästinensische Stützpunkte sind vermutlich drei syrische Soldaten getötet und weitere verletzt worden.
    Vereinte Nationen Der Libanon hat bei den Vereinten Nationen scharf gegen die jüngsten israelischen Angriffe protestiert.
    Der libanesische UNO-Vertreter meint in einem Schreiben an Generalsekretär Waldheim, die offenkundige Aggression Israels unmittelbar nach dem Beschluss des Sicherheitsrates, das Mandat der UNO-Truppen im Süd-Libanon zu verlängern, sei eine zusätzliche Herausforderung an internationale Bemühungen, im Libanon Frieden herzustellen.
    Zwei von Israel ausgewiesene palästinensische Bürgermeister wollen im UNO-Gebäude in New York einen Hungerstreik durchführen, um die Rückkehr in ihre Heimat zu erzwingen.
    Der Weltsicherheitsrat hat Israel einstimmig aufgefordert, den Ausweisungsbefehl rückgängig zu machen.
    UNO-Generalsekretär Waldheim hat den Palästinensern einen Sitzungssaal als Unterkunft zuweisen lassen.
    Bundesrepublik Deutschland.
    In einem Villenviertel in Erlangen in Bayern ist ein aufsehenerregender Doppelmord verübt worden.
    Der ehemalige israelische Offizier und prominente jüdische Verleger Shlomo Lewin und seine Lebensgefährtin wurden in ihrer Wohnung erschossen aufgefunden.
    Die Polizei vermutet politische Hintergründe und konzentriert ihre Ermittlungen sowohl auf rechtsextreme antisemitische Kreise als auch auf antiisraelische Gruppen.
    Der 69-jährige Levin soll seinen Mördern die Tür zu seiner Wohnung selbst geöffnet haben.
    Der oder die Täter schossen sofort und töteten Levin mit mehreren Kopfschüssen.
    Shlomo Levin war in den Gründungsjahren des Staates Israel persönlicher Adjutant des späteren Verteidigungsministers Dayan.
    1964 siedelte er sich in Erlangen an, wo er viele Jahre Vorstandsmitglied der israelischen Kultusgemeinde und Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit war.
    Sowjetunion.
    Der verstorbene frühere sowjetische Ministerpräsident Kassigin wird auf dem Roten Platz am Fuße der Kremlmauer beigesetzt.
    Die offizielle Nachrichtenagentur TASS hat heute mit zweitägiger Verspätung den Tod Kassigins offiziell bestätigt.
    Der ehemalige Ministerpräsident stand im 77.
    Lebensjahr und war nach langer schwerer Krankheit einem Herzversagen erlegen.
    In einem von Staats- und Parteichef Brezhnev und Ministerpräsident Tichonov unterzeichneten Nachruf heißt es, Kassigin habe alle seine Energien und Kenntnisse der großen Sache des kommunistischen Aufbaus gewidmet.
    Polen.
    Die Regierung in Warschau hat ihre Zusage, im kommenden Jahr die Fünf-Tage-Woche einzuführen, wieder zurückgenommen.
    Vorgeschlagen werden stattdessen 26 freie Samstage pro Jahr und eine 42,5-Stunden-Woche.
    Der Vorsitzende der polnischen Planenkommission kündigte ferner ein Drei-Jahres-Programm zur Stabilisierung der polnischen Wirtschaft an.
    Außerdem sollen die Einkommen der Bevölkerung im kommenden Jahr um 18 Prozent gegenüber heuer steigen.
    China.
    Die Regierung in Peking hat an die Sowjetunion eine neue Warnung vor einem Einmarsch in Polen gerichtet.
    In einem Artikel des Parteiorgans Volkszeitung heißt es, angesichts des entschlossenen Widerstandes des polnischen Volkes und der zu erwartenden weltweiten Proteste würde eine Intervention in Polen die schwersten Folgen heraufbeschwören.
    Iran.
    Nach den Wörtern von Ministerpräsident Ali Rajai hängt die Freilassung der seit mehr als 13 Monaten im Iran gefangengehaltenen 52 amerikanischen Geiseln vor allem von der Rückgabe des Vermögens des gestürzten Shahs und seiner Verwandten ab.
    In einem Interview mit Radio Teheran schlug Rajai die Einrichtung eines Garantiefonds vonseiten der Vereinigten Staaten vor, von dem die iranische Regierung jeweils jene Beträge abziehen würde, die sie als Teile des Schahvermögens ausfindig gemacht hätte.
    Es besteht derzeit so gut wie keine Hoffnung, dass die amerikanischen Geiseln noch vor dem Weihnachtsfest freikommen könnten.
    Berlin.
    Die Westberliner Behörden befürchten für heute wieder neue Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Demonstranten.
    Die sogenannte Alternative-Liste hat eine weitere Hausbesetzer-Demonstration angekündigt.
    Bei schweren Krawallen auf dem Kurfürstendamm und im Bezirk Kreuzberg sind in den vergangenen Tagen mehr als 200 Demonstranten und 110 Polizisten zum Teil schwer verletzt worden.
    Österreich.
    Sozialminister Dallinger hat sich neulich für eine Anhebung des Spitzensteuersatzes ausgesprochen.
    In einem Interview für die SPÖ-Zeitschrift Zukunft meint Dallinger, bei der nächsten Steuerreform müsste einerseits die Progression für die kleinen und mittleren Einkommensbezieher gemildert
    Andererseits aber der Höchststeuersatz in einem bestimmten Ausmaß angehoben werden.
    Dallinger spricht sich in dem Interview auch dafür aus, die derzeit gewährten Investitionsbegünstigungen auf ihre volkswirtschaftliche Wirksamkeit zu überprüfen.
    Grundsätzlich erklärt Dallinger, die geplante Steuerreform mit Jahresbeginn 1982 könne ein erster Schritt zu notwendigen Umverteilungsmaßnahmen sein, die sich nicht in Einzelmaßnahmen erschöpfen dürften.
    Nach Ansicht des Vorsitzenden der Fraktion Christlicher Gewerkschafter im ÖGB, Gassner, verstärkt sich der Druck auf den Lebensstandard der Österreicher.
    Im ÖVP-Pressedienst meint Gassner heute, die Österreicher würden im kommenden Jahr durch gestiegene Energiepreise, höhere Steuern und sinkende Realeinkommen einer finanziellen Zangenbewegung ausgesetzt sein.
    Die Regierung gieße durch ihre Untätigkeit noch Öl ins Feuer, kritisiert Gassner.
    Die Vorsitzende der Katastrophenhilfe österreichischer Frauen und Initiatoren des heurigen Anti-Atom-Volksbegehrens, Elisabeth Schmitz, hat der ÖVP mit ihrem Parteiaustritt gedroht.
    In einer Presseaussendung kündigte Schmitz heute diesen Schritt für den Fall an, dass der ÖVP-Wirtschaftsbund die Inbetriebnahme von Zwentendorf anstrebe und im Parlament für die Aufhebung des Atomsperrgesetzes stimmen sollte.
    Schmitz würde in diesem Fall auf einer grünen Liste kandidieren.
    Im Hinblick auf den bevorstehenden Jahreswechsel weist das Innenministerium auf das Verbot der Verwendung sogenannter pyrotechnischer Artikel wie Knallkörper und Feuerwerksraketen innerhalb des Ortsgebiets hin.
    Besonders strenge Bestimmungen gelten im Nahbereich von Altersheimen und Krankenhäusern.
    Aufgrund des Ferienbeginns in der Bundesrepublik Deutschland herrscht auf den österreichischen Durchzugsstraßen starker Verkehr Richtung Süden und Südosten.
    Vor allem auf der sogenannten Gastarbeiterroute in der Steiermark haben sich bereits lange Kolonnen gebildet.
    Am Grenzübergang Spielfeld Richtung Jugoslawien gibt es einen zehn Kilometer langen Stau.
    Die Wartezeit beträgt etwa drei Stunden.
    Rückstaus werden auch von der Pyren Autobahn gemeldet.
    Italien.
    Schon vor Beginn des Finalkampfes im Kandidatenturnier zur Schachweltmeisterschaft in Meran ist es zu einem Eklat gekommen.
    Der Exilrusse Viktor Korchnoi blieb der feierlichen Eröffnungszeremonie demonstrativ fern, um gegen die Anwesenheit eines Schachfunktionärs zu protestieren, der seiner Ansicht nach bei der letzten Schachweltmeisterschaft im Jahr 1978 immer für Karpov und immer gegen ihn Korchnoi gewesen sei.
    Möglicherweise wird Kurt Schneu sogar die Wettkampfstätte verlassen.
    Er soll in Meran gegen Großmeister Hübner aus der Bundesrepublik Deutschland um das Recht kämpfen, Schachweltmeister Kapov herauszufordern.
    Und nun das Wetter.
    Der Alpenraum liegt im Übergangsbereich zwischen einem Tief über den britischen Inseln und dem Mittelmeertief.
    Die zugehörigen Störungen wirken sich in unserem Land nur regional aus.
    Die Aussichten bis morgen früh.
    Im Westen meist geringe, sonst unterschiedliche Bewölkung.
    Im Flachland auch nebelig trüb.
    Nur noch stellenweise an der Alpen-Südseite geringfügiger Schneefall.
    Winde aus Südost bis Südwest und Nachmittagstemperaturen 0 bis 4 Grad.
    Die Aussichten für morgen.
    Gebietsweise Auflockerungen, im Allgemeinen aber eher reichliche Bewölkung.
    Im Westen sowie im Südosten des Bundesgebiets lokal etwas Regen.
    Schneefallgrenze um 1200 Meter.
    Frühtemperaturen morgen minus 10 bis 0 Grad.
    Tageshöchstwerte minus 1 bis 4 Grad.
    Die Wettermeldungen von 12 Uhr.
    Wien bedeckt 2 Grad, Südwind 20 Kilometer in der Stunde.
    Eisenstadt bedeckt 2 Grad, Südostwind 20.
    Linz bedeckt 0°, Westwind 10.
    Salzburg stark bewölkt, minus 1°, Südostwind 15.
    Innsbruck stark bewölkt, minus 2, Windstill.
    Bregenz heiter, minus 2, Südostwind 3.
    Graz stark bewölkt, 1°, Windstill.
    Und Klagenfurt bedeckt leichter Schneefall, 1°, Windstill.
    Das waren die Nachrichten und am Schluss das Wetter und wir bleiben im Land.
    Die Zeit der Jahreswende ist traditionsgemäß auch die Zeit des Rückblicks und des Ausblicks auf den verschiedensten Ebenen.
    In den vergangenen Tagen haben bei uns die Spitzenvertreter der drei im Parlament vertretenen Parteien solche Bilanzen gezogen, wobei vor allem das Thema Androsch und seine Übersiedlung in die größte Bank des Landes, die Kreditanstalt, im Mittelpunkt standen.
    Heute haben wir ÖGB-Präsident Anton Benyar zu einem wirtschaftspolitischen Ausblick in das Jahr 1981 gebeten.
    Das Gespräch mit ihm führt Johannes Fischer.
    Herr Präsident, Benyar nach fast übereinstimmender Auskunft aller Wirtschaftsforscher wird 1981 und überhaupt die 80er Jahre
    schwieriger werden als das hinter uns liegende Jahrzehnt.
    Sie werden mit dem Bundeskanzler ganz demonstrativ am Anfang des Jahres in einer Wirtschaftskommission neue wirtschaftspolitische Richtlinien festlegen.
    Meine erste Frage, wie sollen die aussehen?
    Was können Sie den Österreichern über das Jahr 1981 wirtschaftspolitisch sagen?
    Nun, die Richtung wird eine sein.
    Vor der Grund steht nach wie vor die Bemühungen um die Vollbeschäftigung.
    Daraus leitet sich natürlich ab.
    Was in der weiteren Folge zu geschehen hat, dann heißt es die Strukturprobleme in Angriff nehmen, aber immer wieder unter der Perspektive möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.
    Das ist einmal die Sache.
    Und daraus ergeben sich Detailfragen.
    Die können sich ja nicht so ohne echte Untersuchungen auf den Tisch legen.
    Die Frage der Energie wird eine Rolle spielen, die Energiepreise werden eine Rolle spielen.
    Bleiben wir ganz kurz beim Stichwort Energie.
    Das Atomthema liegt jetzt im Parlament.
    Der Unterausschuss des Handelsausschusses soll in den nächsten fünf bis sechs Wochen einen Bericht erstatten.
    Die gegenwärtige innenpolitische Situation schaut aber so aus, dass man fast voraussetzen kann, dass die ÖVP hier wahrscheinlich mit der SPÖ nicht mitgehen wird.
    Welche Alternativen wird es da geben von so einer Kommission etwa?
    Nein, es wird nur festgestellt, welche Notwendigkeiten da sind und dann liegt es bei den politischen Parteien und die Frage,
    Aufhebung des Atomsperrvertrages bedeutet eben, dass die große Oppositionspartei, wenn sie nicht bereit ist mitzugehen, dann hat sie eben auch eine Mitverantwortung für kommende Zeiten in der Energiepolitik.
    Sicher ein zweites Thema bei dieser Wirtschaftskommission wird wahrscheinlich auch die Einkommenspolitik und die ganze Frage der Einkommenspolitik sein.
    Die Wirtschaftsforscher meinen, dass es im nächsten Jahr zu jedenfalls keinen Reallohnsteigerungen kommen wird.
    Manche befürchten sogar Reallohnverluste.
    Von Ihrer Warte jetzt als ÖGB-Präsident, Sie angesprochen, wird eine zurückhaltende Lohnpolitik, wie sie in den letzten Jahren gepflogen wurde, überhaupt noch weiter fortgesetzt werden können?
    Oder wird es dann nicht irgendwann einmal den Punkt geben, wo die Arbeitnehmer sagen, jetzt wollen wir auch einmal mehr haben?
    Sie zerbrechen nämlich den Kopf über die Forderung der Arbeitnehmer.
    Die Forderungen der Arbeitnehmer und die Lohnforderungen wurden abgesprochen mit den Kollegen.
    Und wenn Sie nicht der Meinung gewesen wären, das, was die einzelnen Gewerkschaften gefordert und erreicht haben, wäre genügend, dann sind wir in Österreich nicht so harmlos, dass wir nicht ebenfalls durch Arbeitsniederlegungen mehr erholen könnten, sondern die Kollegenschaft weiß sehr wohl, dass
    man sich nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten orientieren muss.
    Und wenn ich sage, Vollbeschäftigung hat Vorrang, dann müssen halt andere Dinge ein wenig Nachrang haben.
    Bis jetzt haben wir Reale und Steigerungen zustande gebracht.
    Das nächste Jahr, wenn es ein schwaches Wachstum oder überhaupt kein Wachstum gibt, wird uns vor eine Situation stellen, wo zu überlegen ist.
    wollen wir das eine oder wollen wir das andere.
    Aber sicherlich ist so, wenn kein Wachstum vorhanden ist auch die Möglichkeit Real- und Zuwächse zu erreichen sehr, sehr gering.
    Das heißt, wir werden nächstes Jahr aller Voraussicht nach keinen Reallohn-Zuwachs haben.
    Werden wir Reallohn-Verluste in Kauf nehmen müssen?
    Das kann man nicht in Vorhinein sagen.
    Es kommt sehr darauf an, wie sich die Preise entwickeln, wie die Inflationsrate aussieht.
    Da kann man nicht vorher schon prognosen.
    Es wird sehr knapp werden.
    Es wird wahrscheinlich kein Wachstum geben und es werden die Preise
    Nicht wie wir gerne hätten auf etwa 5,5 bis 6, sondern sie werden bei 6 und vielleicht sogar noch ein wenig darüber sein.
    Aber ich schätze, dass sie doch bei 6 halten werden.
    Ein sicherlich ganz massiver Eingriff ins Budget 81 oder 82 wird sein die vom ÖGB geforderte Lohnsteuerreform plus Lohnsteuersenkung ab 1.
    Jänner 1982.
    Könnte eine wirtschaftspolitische Situation eintreten, in der der Gewerkschaftsbund sagt, wir verzichten auf diese Lohnsteuerreform eben im Interesse des Budgets und der Sanierung des Budgets?
    Wir haben uns nach langen Überlegungen und haben den
    Drängen der Oppositionsgruppen nicht nachgegeben, meinetwegen die Geheißnot 79, 80 oder 81 müsste die Lohnsteuerreform sein, das haben wir sehr genau überlegt.
    Aber wir haben uns jetzt festgelegt, dass mit 1.
    Jänner 82 eine Lohnsteuersenkung, eine Änderung des Lohnsteuersystems eintreten muss.
    Das heißt, Sie legen dem neuen Finanzminister, wie immer erheißen, wird schon ein recht ordentliches Pinkel auf den Tisch.
    Das weiß jeder, der sich mit der Politik beschäftigt hat, dass das nicht erst für 1982 da ist, sondern unsere ständige Aussage war, mit erst 1982.
    Ob das der Finanzminister oder der andere, mit dem musste jeder rechnen.
    Was soll diese Lohnsteuerreform dem Budget kosten?
    Was soll sie den Arbeitnehmern bringen?
    Das kann man nicht so glatt sagen, denn wir müssen ja sehen, wie die Kurve geändert wird.
    Die Schätzung, was ist dem
    Staat kostet in der Allgemeinheit, schätzen wir, 11 bis 12 Milliarden Schillinge.
    Ist das überhaupt realistisch bei einem Budget?
    Na gut, es gibt dann einen Rücklauf, dem Bund wird es vielleicht etwas mehr als die Hälfte kosten, das andere geht auf die Länder.
    Trotzdem, ist das realistisch, eine so doch recht deutliche Lohnsteuerreform zu machen, wo man weiß, wie angespannt die Situation des Budgetdefizits ist im Spätsommer?
    Wir haben seit 1975 bzw.
    1977 eine kleine Anpassung gemacht und es hat auch wenig Sinn zu glauben, man geht über die Sache hinweg, denn dann können natürlich auch dann dort die Lohn- und Gehaltsforderungen explodieren und wir wollen es doch in einem Rahmen halten.
    Soweit Anton Benja im Gespräch mit Johannes Fischer.
    Ein Blick jetzt in die heimischen Tageszeitungen.
    Die innenpolitischen Kommentare befassen sich auch heute mit dem umstrittenen Wechsel von Vizekanzler Androsch in die Kreditanstalt, der Ausgangspunkt allgemeinerer Betrachtungen über das innenpolitische Klima im Land ist.
    Hans Langsteiner hat Zitate ausgewählt.
    Der von der SPÖ angestrebte Wechsel von Vizekanzler Androsch an die Spitze der Kreditanstalt ist eines der Hauptthemen heutiger Zeitungskommentare.
    In der Presse liest man dazu bei Thomas Kurherr,
    Mit der Einbeziehung der Kreditanstalt und ihres Imperiums in den Einflussbereich der SPÖ sei, so meinen viele, die Schallmauer in Richtung sozialdemokratisches Österreich durchbrochen worden, wobei durchaus der Begriff sozialdemokratisch zum Unterschied von sozialistisch verwendet werden kann.
    An der absolut demokratischen Gesinnung der meisten heimischen Sozialisten soll und darf nicht gezweifelt werden.
    Trotzdem wird die Mehrheit dort, wo es um die letzten, die politisch wichtigsten Dinge geht, um die Perpetuierung der Herrschaft nämlich ohne Rücksicht auf Optik und Konsens eingesetzt.
    Zu einem ähnlichen Schluss wie Thomas Korherr in der Presse kommt auch Hans Rauscher im Kurier, wenn er schreibt,
    Es ist alles eine Frage des Maßes.
    Die SPÖ vertritt nun einmal die vorherrschende gesellschaftliche Gruppierung und darf daher auch ihre Leute zum Zug kommen lassen.
    Aber hier scheint eine Grenze überschritten.
    Abgesehen davon, dass das jetzige Schauspiel des Postenschachers abstoßend ist.
    FPÖ-Obmann Steger hat die entscheidende Stimme zu vergeben.
    Er muss sehr aufpassen, dass der bereits entstehende Eindruck, er lasse sich kaufen, nicht noch fataler wird.
    Ein gestern vom soeben im Kurier erwähnten freiheitlichen Parteiobmann Steger im Mittagschanal ausgestrahltes Interview ist der Anlass für einen Kurzkommentar in den Salzburger Nachrichten.
    Steger hat in dem Interview unter anderem erklärt, zu Finanzminister Androsch kein besonderes politisches Vertrauensverhältnis gehabt zu haben.
    Dazu liest man in den Salzburger Nachrichten,
    Den parteitaktischen Rückzug von Andros hätte Steger auch offener und männlicher darstellen können.
    Weil Andros im politischen Bereich der FPÖ nicht mehr nützen kann, ist er für die FPÖ uninteressant geworden.
    Das offen auszusprechen, wäre ehrlicher gewesen.
    Zuletzt noch Ausschnitte aus zwei Kommentaren, die sich ganz allgemein mit dem innenpolitischen Klima zum Jahresausklang befassen.
    SPÖ-Klubchef Heinz Fischer hatte erst gestern in einer Pressekonferenz die Ansicht vertreten, dieses Klima habe sich derzeit nicht dramatisch verschlechtert.
    Dazu schreibt Reinhard Hampel in den oberösterreichischen Nachrichten skeptisch,
    So einfach wird ein Wetterprophet durch seine Weissagungen nicht schon zum Wettermacher, höchstens zum Windmacher.
    Da müssen schon gewichtigere Taten gesetzt werden.
    Von denen ist allerdings noch nichts zu sehen.
    Viktor Raimanns Kommentar in der Neuen Kronenzeitung zum selben Thema enthält Ratschläge an die große Oppositionspartei.
    Der ÖVP täte es gut, während der Weihnachtszeit über ihre Politik nachzudenken.
    Falls sie nicht imstande ist, Beweise für strafbare Handlungen Andros vorzulegen, dann sollte sie in ihrer Kampagne wenigstens humane Gesichtspunkte einhalten.
    Man jagt Menschen nicht.
    Auch muss sie sich klar darüber sein, dass sie durch ihre bisherige Politik die Haltung der SPÖ nur versteift und ein Klima schafft, das dem der 30er Jahre ähnelt.
    Nach der Inlandspresse schaue ich jetzt ins Ausland.
    Im Nahostkonflikt eröffnen sich neue Aspekte.
    Zunächst muss man wohl das praktische Scheitern der Palästinenser Autonomieverhandlungen in ihrer derzeitigen Form konstatieren, die den Grundsatzvertrag von Camp David ja mit Inhalt erfüllen hätten sollen.
    Zweitens wird mit dem Carter-Nachfolger Ronald Reagan auch die Nahostpolitik der Amerikaner eine Änderung erfahren, obwohl sich der designierte Präsident im Prinzip zu Camp David bekannt hat.
    Aber Reagan will eine Lösung unter Einbeziehung aller Länder des Raumes und er hat die PLO, zumindest im Wahlkampf, öfter als eine terroristische Vereinigung bezeichnet.
    Drittens steht, glaubt man den Meinungsumfragen, in Israel fürs kommende Jahr ein Machtwechsel vor der Tür.
    Für die Parlamentswahlen gilt die Arbeiterpartei des im Vorsitz bestätigten Jimon Peres als klarer Favorit.
    Und auch Peres will eine Lösung mit den Palästinensern, die aber seiner Ansicht nach durchaus nicht nur vom Arafats-PLO repräsentiert sind, ein ähnlicher Stammpunkt wie jener Regens.
    Und Peres will auch damit Punkt 4 Jordanien stärker in eine Lösung einbinden.
    König Hussein von Jordanien widerspielt im nahöstlichen Kräfteverhältnis eine immer größere Rolle, wenn er auch noch weit davon entfernt ist, das besetzte Westjordanland als Lösung des Palästina-Problems anzubieten.
    Und schließlich ist die Uneinigkeit im arabischen Lager zwischen der Ablehnungsfront und den Gemäßigten größer denn je.
    Vor dem Hintergrund dieser in Bewegung geratenden Fronten wird Israels Premier Begin nun offenbar nervös.
    Angriffe auf den Südlibanon wurden von der UNO und den USA verurteilt und von Syrien nun militärisch beantwortet.
    Hans Benedikt berichtet.
    Israel und Syrien haben in vier Jahren Bürgerkrieg im Libanon eine direkte Konfrontation immer sorgfältig vermieden.
    Dieses stillschweigende Übereinkommen ist jetzt auf die Probe gestellt.
    Die syrische 30.000-Mann-Armee im Libanon hat letzte Nacht einen Vergeltungsschlag gegen die von Israel im Südlibanon unterstützte christliche Streitmacht des Majors Saad Haddad geführt.
    Haddads Stellungen entlang der libanesisch-israelischen Grenze lagen unter schwerem syrischen Artilleriefeuer.
    24 Stunden vorher hatte Haddad, verstärkt durch israelische Artillerie und israelische Kommandotruppen, eine Stellungskette der PLO angegriffen.
    Dabei waren acht PLO-Leute und nach Berichten aus Damaskus auch drei syrische Soldaten getötet worden.
    Major Haddad, dessen Truppen die israelische Grenze gegen die PLO sichern,
    hatte den Angriff auf die PLO-Stellungen damit begründet, dass PLO-Kommandos in die Sicherungszone der Vereinten Nationen eingedrungen waren.
    Die UNO-Sicherungszone zieht sich nördlich von Haddads Grenzstellungen vom Mittelmeer bis zum Berg Hermon.
    An die UNO-Zone schließt sich wiederum nach Norden ein Stellungsgürtel der PLO an und weiter nach Norden liegen die Einheiten der syrischen Armee.
    Sie fungiert im Auftrag der Arabischen Liga als arabische Friedenstruppe im Libanon.
    Die Distanzen zwischen den einzelnen Stellungsgürteln sind gering.
    Die PLO hat wiederholt durch den UNO-Gürtel hindurch Angriffe auf die Stellungen der christlichen Milizen im Süden vorgetragen und seit vier Jahren geht die politische Auseinandersetzung darum,
    ob die aus europäischen, afrikanischen und asiatischen Einheiten zusammengesetzte UNO-Friedenstruppe ihre Aufgabe, nämlich die PLO und die Haddad-Militzen auseinanderzuhalten, erfüllt oder nicht.
    Das UNO-Kommando beschuldigt wechselweise die christlichen Milizen und die Israelis und andererseits die PLO-Kommandos, dass sie diesen Auftrag oft undurchführbar machen.
    Erst am letzten Donnerstag nahmen holländische UNO-Soldaten sieben PLO-Eindringlinge gefangen
    Eine Nacht vorher war es zu einem Feuerwechsel zwischen UNO-Soldaten von den Fiji-Inseln und der PLO gekommen und im November wurden insgesamt 65 derartige Zwischenfälle gezählt.
    Diese Woche konferierten UNO-Offiziere mit dem Chef der PLO-Einheiten im Südlibanon Abu al-Walid im PLO-Hauptquartier in Beirut.
    Nachher sagte ein UNO-Sprecher, das Treffen hätte zu Optimismus berechtigt.
    Und dann kam Haddads Angriff von vorletzter Nacht mit den Opfern unter den Syrern und darauf deren Gegenschlag in der letzten Nacht.
    Auf israelischer Seite hieß es heute, die Regierung hätte keine Absicht, die Situation mit Syrien zu verschärfen.
    Allerdings folgt die israelische Armee
    einer neuen Doktrin der systematischen Angriffe auf PLO-Positionen, um, wie es offiziell heißt, geplante PLO-Attacken auf israelische Grenzsiedlungen im Norden zu verhindern.
    Bei Beschwerden des UNO-Sicherheitsrats beruft sich Israel regelmäßig auf die offenkundige Schwäche der UNO-Sicherungstruppen, die, wie die Vergangenheit gezeigt hat, zu schwach und zu weit auseinandergezogen sind, um PLO-Infiltrationen tatsächlich zu verhindern.
    Es ist ein Teufelskreis, aus dem keiner der Beteiligten ausbrechen kann, solange es keine umfassende Friedensformel gibt.
    Deutschland rätselt um einen aufsehenerregenden Doppelmord.
    In einem Villenviertel in Erlangen bei Nürnberg wurde er heute Nacht verübt.
    Der ehemalige israelische Offizier und prominente jüdische Verleger Shlomo Lewin und seine Lebensgefährtin wurden in ihrer Wohnung erschossen aufgefunden.
    Die Polizei vermutet politische Hintergründe.
    Stromo Lewin war in den Gründungsjahren des Staates Israel persönlicher Adjudant des späteren Verteidigungsministers Dayan.
    1964 siedelte er sich in Erlangen an, wo er viele Jahre Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde und auch Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit war.
    Meine Frage jetzt an Rainer Kretschmann vom Studio Nürnberg.
    Was weiß man über den Hergang dieser Tat und was weiß man über ihre Hintergründe?
    Über die Hintergründe, um damit anzufangen, weiß man zur Zeit noch überhaupt nicht.
    Es gibt so das eine oder das andere, das darüber gesagt wird, aber die Polizei und Staatsanwalt sagen, das ist alles nur Spekulation.
    Deswegen möchte ich mich gerne in dieses Reich der Spekulation jetzt besser nicht begeben.
    Über den Ablauf kann man vielleicht so viel sagen, dass gestern der Doppelmord zwischen 18 und 19 Uhr passiert sein muss, nach den bisherigen Kenntnissen.
    Kurz nach 19 Uhr wurde er entdeckt und zwar von einer Verwandten der Hausbewohner, die einen Schlüssel hatte und die in das Haus hinein ging.
    So wie die Sache aussieht, müssen die Täter Schlomo Lewin, den jüdischen Verleger, gleich hinter der Haustür innerhalb des Hauses erschossen haben, denn er lag da im Flur.
    Seine Lebensgefährtin Frieda Pöschke lag im Wohnzimmer, ebenfalls erschossen.
    Nach den Erkenntnissen der Polizei sind sieben Schüsse abgegeben worden vom Kaliber 9 mm.
    Die Waffe ist noch unbekannt.
    Es waren Schüsse in Brust und Kopf und die waren natürlich sofort tödlich.
    Es gibt nun am Nachmittag, angekündigt ist eine Pressekonferenz der israelitischen Kultusgemeinde.
    Deutet das auf irgendeine der beiden diskutierten Varianten eher hin?
    Eine Variante, deutsche Rechtsradikale, Neonazis.
    Die andere Variante, ein Zusammenhang mit dem israelisch-arabischen Konflikt?
    Ich würde sagen, man sollte noch eine dritte Variante hinzufügen und die wäre persönliches.
    Die israelitische Kultusgemeinde Nürnberg hat für heute Nachmittag eine Pressekonferenz angekündigt.
    Wann sie ist, wo sie ist, das ist alles noch offen.
    Ich weiß nur, dass die israelitische Kultusgemeinde sehr verunsichert ist und auch ihr daran liegt, nicht zu viel Spekulationen anzurichten.
    Was weiß man eigentlich so über das Mordopfer, wie und wovon es gelebt hat, den Freundeskreis und so weiter, was er in Deutschland getan hat?
    Ich hatte selbst mit Slobo Lewin ab und zu zu tun.
    Er war Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit im Raum Nürnberg Erlangen.
    Und als solcher ist er mir bekannt geworden als ein sehr liberaler Mensch und als jemand, der jeder Frage gegenüber offen stand und auf alles versucht hat, eine herrliche Antwort zu finden.
    Ich würde sagen, er war einer, der eine ganze Menge für Versöhnung zwischen Juden und Christen getan hat.
    Er hatte auch ein offenes Haus in dem Haus, wo er nun ermordet wurde.
    Mittwochnachmittag bis Abend.
    war Gelegenheit dort zu kommen, dort zu Besuch zu sein und eben offene, freie Gespräche zu führen, die immer das Ziel hatten, Verständigung unter den Menschen, nicht allein zwischen Juden und Christen, sondern Verständigung unter den Menschen überhaupt zu fördern.
    Nach wie vor ein Rätsel also und keineswegs gesichert, dass es sich um einen politischen Mord handelt.
    Keineswegs gesichert zur Stunde.
    Soweit dieses Telefonat mit Nürnberg und zwischendurch ein Blick auf die Uhr.
    Es ist halb eins.
    Die traditionelle Zwischenansage um diese Zeit fällt heute eher kurz aus.
    Wir haben nämlich noch drei Beiträge in petto.
    Dies deshalb, weil wir in unserer Serie im Journal zu Gast heute recht ausführlich mit Viktor Frankl reden, dem Wiener Psychotherapeuten, bekannt für seinen Leitsatz, dem Leben einen Sinn geben.
    Das soll auch das Thema sein, anlässlich des bevorstehenden Weihnachtsfestes.
    Sicher eine Frage, die wir uns alle ein bisschen auch stellen sollten, nach dem Sinn von dem Ganzen.
    Dazu gibt es eine Analyse der Situation in Südostasien.
    Harris Ichrovsky hat sich in England bei einem Kongress aufgehalten, der dieses Thema hatte.
    Ein Expertenkongress und er wird zusammenfassen, wie man derzeit die Lage rund um Vietnam, das ja gewisse Tendenzen zu einem Imperialismus in Südostasien hat, wie man die Lage dort einschätzt.
    Und dann gibt es noch einen Kulturbeitrag.
    Er befasst sich mit der morgigen letzten Premiere des Jahres in der Staatsoper und zwar mit einem Frühwerk von Giuseppe Verdi, der Oper Attila in der Titelpartie Nikolai.
    Kia Oro.
    Thema Südostasien jetzt.
    In Hanoi hat gestern Staatspräsident Nguyen Huu Tho die neue Verfassung ratifiziert, mit der die Vereinigung von Nord- und Südvietnam endgültig besiegelt wird.
    Damit ist wieder ein Schritt zur Zementierung der umfassenden Veränderungen in dieser Region unternommen worden.
    Im englischen Konferenzzentrum Wilton Park hat sich in der vergangenen Woche eine Expertenkommission mit der veränderten Szene in Ost- und Südostasien beschäftigt, die die Weltpolitik in den vergangenen Jahren entscheidend mit beeinflusst hat.
    Diplomaten, Abgeordnete, Wirtschaftsfachleute, Politologen und Journalisten referierten und diskutierten eine Woche lang über diesen Themenkreis, Harry Siskowski berichtet.
    Selbst eine oberflächliche Bilanz zeigt, welche grundlegenden Veränderungen innerhalb von zehn Jahren in der Periode 1970 bis 1980 in Ost- und Südostasien eingetreten sind.
    Aus der Konfrontation USA-China wurde eine Konfrontation Sowjetunion-China.
    Die Feindschaft zwischen China und Japan wurde durch einen Friedensvertrag und enge wirtschaftliche Zusammenarbeit für die Modernisierung Chinas beseitigt.
    Aus dem Krieg zwischen den USA und Vietnam ist ein militärischer Konflikt zwischen China und Vietnam geworden.
    Noch 1975, nach dem Fall Saigons und der Wiedervereinigung Vietnams, war der Westen in großer Sorge, dass die Domino-Theorie Wirklichkeit werden könnte, jene These des einstigen amerikanischen Präsidenten Eisenhower, die besagt, dass im Falle eines Falles der kommunistischen Eroberung eines indokinesischen Staates die anderen umfallen würden, eben wie Dominosteine.
    Doch der Konflikt ist heute durchwächst zwischen kommunistischen Staaten ausgebrochen, zwischen Vietnam und Kambodscha, das von den Vietnamesen überrannt und besetzt wurde, zwischen China und Vietnam, zwischen China und der Sowjetunion.
    Die nicht-kommunistischen Staaten aber – Thailand, Malaysia, Singapur, die Philippinen und Indonesien – haben nicht nur ihre Unabhängigkeit bewahrt, sondern haben ihre Stabilität bewiesen und sich in der ASEAN, der Vereinigung Südostasiatischer Staaten, ein wirksames Forum ihrer Interessen geschaffen.
    Nicht weniger Bedeutung für das weltpolitische Bild haben die Veränderungen in China selbst.
    Das zahlmäßig größte Volk der Erde hat nicht nur seinen Platz in der Staatengemeinschaft gefunden, aus der es ein Vierteljahrhundert lang ausgeschlossen war.
    Die Normalisierung nach den turbulenten Ereignissen der Kulturrevolution und die Öffnung Chinas zur Welt hat zumindest zu einer Interessengemeinschaft zwischen China und dem Westen geführt, dessen Grundlage die Angst vor einer sowjetischen Intervention und die Abwehr einer solchen ist.
    Last, aber gewiss nicht least, ist die spektakuläre Renaissance Japans zu nennen, eines Staates, der heute 9% des Welthandels abwickelt und der die Ölkrise in beispielgebender Weise überwunden hat,
    nachdem zum Zeitpunkt des Ölschocks 1973 Japan nur noch 30 Tage Energievorrat besaß.
    Der internationale Eroberungsfeldzug der japanischen Industrie ist heute jedem Konsumenten sichtbar geworden.
    Vom Motorrad über das Auto bis zu Haifi, Turm und Kamera.
    Eines der Geheimnisse des japanischen Aufstiegs, so wurde auf der Konferenz vermerkt, ist die Tatsache, dass Japan heute wohl der einzige wahrhaft friedliche, d.h.
    ungerüstete Großstaat der Welt ist.
    Bis heute weigert sich die einst kriegerischste Nation Asiens, mehr als ein Prozent des Budgets für die Verteidigung aufzuwenden und mehr als eine Miliztruppe von 250.000 Mann unter recht bescheidenen Waffen zu halten.
    Das wirft natürlich für die globalen und regionalen Strategen neue Probleme auf.
    Trotz gestiegenem Misstrauens vertraut dieses unbewaffnete Japan weiterhin auf den amerikanischen Schutzschirm, auch wenn sich die USA im ersten Schock des Vietnam-Traumas aus der pazifischen Region zurückgezogen hatte.
    Inzwischen schicken sich die USA an, etwas von ihrer Rolle im Pazifik zurückzugewinnen, angesichts der Tatsache, dass die sowjetische Flotte in das Vakuum vorgestoßen ist und an den Küsten Vietnams von den ehemals amerikanischen Stützpunkten guten Gebrauch zu machen weiß.
    An der 4000 Kilometer langen sowjetisch-chinesischen Grenze stehen 46 russische Divisionen.
    Daran hat sich die Diskussion entzündet, ob und wie weit eine Bewaffnung und Modernisierung der chinesischen Armee durch den Westen sinnvoll und nützlich wäre.
    Die militärische Macht Chinas sieht auf dem Papier imposant aus.
    4,5 Millionen waren reguläre Armee, 10 Millionen der Miliz, 90 Millionen Reservisten.
    Ausrüstung und Technik aber sind veraltet.
    Der chinesische Militärapparat ist heute als jener Papiertiger zu bezeichnen, mit dem einst in Peking die amerikanischen Imperialisten betitelt wurden.
    Doch eine Bewaffnung der chinesischen Armee durch den Westen würde abgesehen vom Kostenpunkt von 300 Milliarden Dollar neue Fragen des Vertrauens in die Pekinger Führung und möglicher Moskauer Reaktionen aufwerfen.
    Wie man sieht, das Jahrzehnt der grundlegenden Veränderungen in Südostasien ist zu Ende.
    Aber deren Auswirkungen werden uns auch im kommenden Jahrzehnt verfolgen.
    Ein Beitrag von Harry Sikowsky und jetzt zu unserem Samstag-Fixpunkt.
    Im Journal zu Gast ist heute Viktor Frankl, Wiener Psychotherapeut, Universitätsprofessor, Buchautor und ein Mann, dessen Arbeit unter einem Leitgedanken steht, dem Leben einen Sinn geben.
    Gerade im letzten Gespräch unserer Samstagreihe vor den Weihnachtsfeiertagen ein durchaus passendes Thema.
    Denn die vormals stillste Zeit im Jahr scheint endgültig dem allmächtigen Konsum zum Opfer gefallen zu sein.
    Hektik hat längst den berühmten Weihnachtsfrieden ersetzt, Stress die Besinnung.
    Doch trotzdem kann man sich dem Fest so oder so nicht entziehen und auch nicht ganz dem Nachdenken über das abgelaufene Jahr, über die Art überhaupt, wie froh nach sauren Wochen noch die Feste sein können, über ein großes Wort, den Sinn unseres Lebens gerade in diesen Zeiten und über das, was falsch läuft, was fehlt.
    Kann das frei nach Rolf Biermann alles gewesen sein?
    Richter Frankel ist, um im Chagall unserer arbeitsteiligen Gesellschaft zu reden, Experte für diese Fragen.
    1905 in Wien geboren, Begründer der 3.
    Wiener Psychotherapeutischen Schule nach Sigmund Freud und Alfred Adler der Schule der Logotherapie, also der Sinn-Therapie.
    Frank ist Universitätsprofessor in Wien und in Kalifornien, Vortragsreisender und Gastprofessor in der ganzen Welt.
    Bücher in Millionenauflage, Übersetzungen in 17 Sprachen, Inhaber zahlreicher Auszeichnungen, zuletzt des Inizerpreises, eine seltene Ehrung für einen Nicht-Katholiken.
    Frank ist Jude, die Kriegsjahre 1942 bis 1945 verbrachte er im KZ, wo seine Eltern, sein Bruder und seine erste Frau umgekommen sind.
    Jeder muss für sein Leben individuell einen Sinn finden.
    Das ist Frankes Botschaft.
    Ilse Vögl und Rudolf Nagela sprechen mit ihm.
    Herr Professor, Weihnachten steht vor der Tür.
    Ein Fest, das eigentlich zur schönsten Zeit des Jahres gehören sollte, vom Anspruch her.
    Dennoch gibt es offensichtlich immer mehr Menschen, die auch ein gewisses Unbehagen haben, wenn Weihnachten naht.
    Worauf führen Sie das zurück?
    Ich sehe jetzt einmal ab von den überlasteten Hausfrauen.
    Ich sehe jetzt einmal davon ab, von den vielen Menschen, denen es beim Hals heraushängt, mit ansehen zu müssen, wie das Weihnachtsfest kommerzialisiert ist.
    Wenn Sie mich als Neurologen fragen, was der Stellenwert dieses Malais, dieses Unbehagens ist, vom Standpunkt des Seelenarztes, dann kann ich nur sagen,
    dass wir Nervenärzte ein Krankheitsbild kennen, schon seit Jahrzehnten, das man bezeichnet als Sonntagsneurose.
    Und zwar handelt es sich um eine Depression, die dann kommt, wenn die Betriebsamkeit der Woche aufhört,
    und die Menschen dann plötzlich konfrontiert werden mit einer inneren Leere, mit einem abgründigen Sinnlosigkeitsgefühl.
    Eine Weihnachtsneurose.
    Eine Weihnachtsneurose, das wollte ich sagen.
    Es bricht in den Menschen auf, dieses abgründige Sinnlosigkeitsgefühl, vor dem sie flüchten in den Trubel, auch in den Weihnachtstrubel.
    Es sollte ja Weihnachten, wie die Freizeit überhaupt, eine Gelegenheit geben,
    sich zu sammeln, zu sich selbst zu finden.
    Aber würden Sie wirklich meinen, Herr Professor, dass dieses Sinnlosigkeitsgefühl, dieses Sinndefizit, das Sie da konstatieren, wirklich eine Erfindung des 20.
    Jahrhunderts ist?
    hat es das nicht zu allen Jahrhunderten gegeben, nur heute können sich mehr Leute den Luxus leisten, weil es mehr Leute gibt, die also in relativem wirtschaftlichem Wohlstand leben.
    Früher war das eine Sache der Dichter, Denker, Philosophen, die konnten sich das leisten.
    In früheren Zeiten kann man ganz, ganz plump sagen, in früheren Zeiten ist es den Leuten gegangen darum, sich die Lebensabteilungszeichen Mittel, also die Mittel zum Überleben zu beschaffen.
    Da ging es einfach ums Überleben, nicht nur im Krieg oder in Nachkriegszeiten, Hungerszeiten, sondern überhaupt früher.
    Aber je mehr diese Lebensmittel da sind, umso mehr merkt man, dass es keinen Lebenszweck zu geben scheint.
    Scheint, betone ich.
    Mit anderen Worten, je mehr die Leute haben, wovon sie leben können, umso weniger scheinen sie zu merken, wofür sie leben könnten.
    Und insofern haben sie recht.
    Es ist da ein Defizit und den Leuten, denen es gut geht, die kommen dann drauf, dass dieses Sinnlosigkeitsgefühl sie überwältigt.
    Sie haben überlebt und jetzt dämmert die Frage auf, überleben, wozu?
    Aber ein bisschen habe ich Angst, also einfach vor der Alternative.
    Muss es uns wieder schlecht gehen?
    Ist das der einzige Weg zurück, um Sinn zu finden?
    Es ist nicht eine scharfe Kritik jetzt von Seiten des Neurologen am Wohlfahrtsstaat und am Sozialstaat, wenn Sie sagen, sobald man den Menschen zu viel abnimmt, verkommt er eigentlich.
    Das ist nicht notwendigerweise so.
    Zur wirklichen Wohlfahrt gehört ja auch, dass man den Menschen, dem Menschen das Leben lebenswert macht und sein Dasein menschenwürdig macht.
    Und es gibt keine Situation, die wirklich bar wäre, die wirklich ohne eine Sinnmöglichkeit wäre.
    Für keine Menschen gibt es eine solche Situation.
    Und bis zum letzten Atemzug gibt es noch immer Möglichkeiten, einen Sinn zu investieren in eine Situation.
    Nun, ich habe manchmal so ein bisschen Angst, dass uns diese individuelle Suche nach dem Sinn des je eigenen Lebens so ein bisschen in die Biedermeierlichkeit führt.
    dass jeder für sich selbst sein Glück zu finden trachtet, seinen Sinn im Leben sich beschränkt.
    auf Familie, vielleicht noch auf eine Arbeit, die mehr oder weniger produktiv ist.
    Nicht jeder kann ein Lebenswerk hinterlassen wie Sie, das sich aber jetzt geschichtlich, historisch gesehen, auf dieser Basis nichts ändern würde.
    Ich würde niemals sagen, man soll sich zurückziehen auf den persönlichen oder auch nur auf den familiären Bereich, sondern wenn irgendetwas geändert werden kann, dann soll es geändert werden, falls es irgendein Leiden
    verursacht.
    Und wenn ich oder wer immer etwas dazu beitragen kann zu einer solchen Veränderung, so gehört das zum Sinn, zum konkreten Sinn seines persönlichen Daseins auf diese gesellschaftliche Veränderung hinzuarbeiten.
    Etwas anderes, liebe Frau, ist es, ob mir jedes Mittel zu diesem heiligen Zweck recht ist.
    Denn ich glaube nicht,
    dass der Zweck die Mittel heiligt.
    Vielmehr glaube ich, dass es zweierlei Politiker gibt, Politikertypen.
    Für den einen heiligt der Zweck die Mittel, während der andere sich dessen bewusst bleibt, dass es auch Mittel gibt, die selbst den heiligsten Zweck diskreditieren und entweihen würden.
    Wenn man das nicht bedenkt, dann endet man im Terrorismus.
    Von welcher Art von Politikern werden wir heute regiert?
    Wer überwiegt?
    Von Grenzfällen.
    Sind es aber nicht gerade wieder die, die zur Behandlung beim Psychotherapeuten eigentlich sich anmelden müssten?
    Sie sind insofern betriebsblind, als sie nicht merken, dass sie es müssten.
    Sehen Sie, es gibt auch oben Leute, die merken, was gespielt wird.
    Wenn ich sie, ohne dass sie das da irgendwie als
    ein Ja zu einer bestimmten Politik vor Allgemeinen hinnehmen als ein Beispiel unter vielen anderen, so darf ich Sie nur daran erinnern, dass immerhin der Bundeskanzler vor ein paar Jahren in einem Interview in einer Tageszeitung gesagt hat, das Wichtigste momentan sei seiner Meinung nach
    sei es dem Gefühl entgegenzutreten, dass das Leben sinnlos sei.
    Insofern ist der Bundeskanzler ein ausgezeichneter Logotherapeut.
    Tut er das, der Bundeskanzler, mit seiner Politik?
    Ich bin überzeugt, dass er es versucht, dass er es ehrlich gesagt hatte, ehrlich gemeint hatte, wenn er es sagt.
    Und ich bin überzeugt, dass er es versucht, soweit ich seine Persönlichkeit beurteilen kann.
    Aber ob es ihm gelingt, das weiß ich nicht.
    Ich bin überzeugt, eher überzeugt, dass er es nicht immer durchzusetzen vermag.
    Sehen Sie in den Programmen der Parteien so einen Ansatz dazu, für einen ein bisschen größeren Entwurf in der Politik, für eine weitere Zielrichtung?
    Es bahnt sich diesbezüglich etwas an.
    Eine Besserung?
    Eine Besserung.
    Nicht nur die Leute sprechen von Lebensqualität.
    Damit deuten sie das an.
    Denn es ist in den Fachkreisen, mit denen ich es zu tun habe, schon bekannt, dass Lebensqualität eigentlich Lebenssinn heißt.
    Eigentlich heißt B
    Abteilungszeichen Sinn, Abteilungszeichen Unk des Menschen.
    Mehr Besinnung.
    Mehr über die Bedingungen hinaussehen auf einen Sinn hin, auf einen Endzweck hin.
    Ohne den gibt es keine Qualität.
    Erlauben Sie mir eine Suggestivfrage.
    Glauben Sie, dass sich die politischen Parteien in Zukunft noch mehr auf diesen Themenkreis einstellen werden müssen?
    Nicht nur in den Programmen, sondern auch in der politischen Praxis, wenn sie, naja, überleben wollen oder zumindest weiter an der Macht bleiben wollen.
    Genau.
    Sie werden es merken, am Abschwimmen, besonders der jungen Generation, vor allem am Abschwimmen des Interesses seitens der jungen Generationen, werden Sie es merken, dass Sie gar nicht zum Zukommen mit einem Programm, das abstrakt bleibt und vor allem einem Programm, das sich nur um die Bedingungen kümmert,
    Aber darüber hinaus gar nicht sieht, dass der Mensch mehr will.
    Es hat der Begründer des soziologischen Schrifttums in Deutschland, Georg Simmel, einmal gesprochen von Leben.
    mehr leben und mehr als leben.
    In dem Sinne könnte man sagen, die Politiker wollen die Leute nur leben lassen, sie wollen sie überleben lassen, das heißt immer besser leben lassen, aber sie sind blind dafür, dass dort erst die eigentlichen Fragen anfangen, wozu leben.
    Ist die Politik aber nicht überfordert, wenn man von ihr, ich vereinfache nun bewusst, verlangt, dass sie den Menschen
    den Sinn des Lebens nahe bringen sollen, ihnen sagen sollen, wo der Sinn des Lebens liegt?
    Herr Dr. Nagilla, das wäre selbstverständlich eine Überforderung.
    Aber wir überfordern nicht die Politik, sondern wir fordern von den Politikern nur, dass sie bescheiden genug sind, nicht zu glauben, dass das, was sie tun, das allein und vor allem vollkommen seligmachende ist.
    Sie sollten wissen, dass sie Bedingungen herstellen müssen, aufgrund derer dann das eigentlich Menschliche überhaupt erst zum Zug kommen kann.
    Das aber zu evozieren, das anzuregen, das müssen die Politiker anderen überlassen.
    Das müssen sie den Menschen, den führenden Menschen auf dem Gebiet der Religion, der Philosophie,
    der Psychologie, der Soziologie, der Pädagogik und so weiter und so weiter überlassen, aber nicht die Bevormunden.
    Herr Professor, vielleicht eine etwas provokante Frage.
    Inwieweit ist dieses Sinnthema, das seit einigen Jahren nun so in ist, inwieweit ist das nicht zumindest auch nur ein Modethema von Intellektuellen?
    Das Sinnproblem für den Menschen hat es ja doch letztlich immer gegeben.
    Ja, da ist die Frage, wie kommen Moden zustande?
    Es ist ja denkbar, dass sich darin, dass etwas Mode wird, bereits ein wirkliches Massenbedürfnis äußert.
    Aber ich bin diesbezüglich Partei.
    Ich möchte aber als Parteimann, also nicht im Sinne des Parteibuches... Sie sind Anhänger der Sinnpartei, sozusagen.
    Ich habe die Malaise von heute, das vorhin erwähnte existenzielle Vakuum, das Sinnlosigkeitsgefühl, das mit einem leeren Gefühl einhergeht,
    Und das ist ja längst empirisch bewiesen, dass diese Dinge zunehmen und nicht nur im Westen, sondern auch in kommunistischen Ländern zunehmen und nicht nur das, auch in der dritten Welt sich bemerkbar machen.
    Darüber gibt es ja seit Jahren in der Literatur.
    Aber sehen Sie, allein das Wort existenzielles Vakuum habe ich im Jahr 1955 geprägt.
    Daraus ergibt sich wohl, wenn ich vor einem Vierteljahrhundert mit diesem
    Phänomen da angekommen bin, in der Wissenschaft angekommen bin und heute sich das gesellschaftlich im breitesten Rahmen geltend macht.
    Daraus ergibt sich die Frage, warum ist es damals vor 25 Jahren nicht Mode geworden?
    Warum ist das damals ignoriert worden?
    Warum ist das damals unter den Tisch gefallen?
    Warum kommt das erst heute überhaupt hoch?
    Nun gibt es auch die Behauptung, jeder der in der Psychoanalyse einen neuen Weg geht, ein neues System erfindet, schreibt damit eigentlich seine eigene Krankengeschichte.
    Wenn Sie jetzt quasi der Erfinder der Logotherapie sind, haben Sie damit auch Ihre Krankengeschichte geschrieben.
    Haben Sie selber so etwas wie ein Sinndefizit erfahren oder kennen Sie das heute zum Beispiel noch?
    Schauen Sie, es ist bekannt, dass der Begründer der Psychoanalyse an seiner ödipalen Situation gelitten hat, dass der Begründer der Entwahlpsychologie in gewissem Sinne an Minderwertigkeitsgefühlen gelitten hat.
    Und ich gebe Ihnen gerne zu, dass ich selbst durch die Hölle des Nihilismus, das heißt des absoluten Sinnzweifels als junger Mensch, mich hindurchringen musste.
    um dann ein Gegengift gegen diesen Nihilismus, gegen das Sinnlosigkeitsgefühl zu entwickeln.
    Und wenn dieses Gegengewicht, dieses Gegengift, Gegengewicht ist ja auch richtig, Jahrzehnte später, in meinen alten Jahren, zum Zuge kommt und anderen Menschen helfen kann, so ist das natürlich rückwirkend eine große Beglückung für mich persönlich.
    Was ist Ihr persönliches Gegengift?
    Der Nachweis, dass das Leben für jeden Menschen unter allen Bedingungen und Umständen potenziell der Möglichkeit nach trotz allem einen Sinn birgt, entgegen dem Sinnlosigkeitsgefühl der Möglichkeit nach sinnvoll ist.
    Und das, was ich vor vielen, vielen Jahren mehr intuitiv erfasst hatte als Gegengift für mich selbst,
    ist in den letzten Jahren durch meine Schüler in aller Welt streng empirisch und wissenschaftlich experimentell nachgewiesen worden, dass es tatsächlich so ist.
    Das Leben hat der Möglichkeit nach für jeden Menschen und bis zu seinem letzten Atemzug einen Sinn.
    Dankeschön Herr Professor.
    Rudolf Langiller und Ilse Vögl sprachen mit unserem Journalgast Viktor Frankl.
    Vielleicht lesen Sie ein Buch von ihm über Weihnachten oder Sie schenken eins.
    Als letzte Premiere des Jahres 1980 bringt die Wiener Staatsoper ein frühes Werk Giuseppe Verdis heraus, und zwar die Oper Attila.
    Für die Rolle des Attila wurde Nicolai Ghiauro verpflichtet, Piero Cappuccilli verkörpert seinen Gegenspieler Ezio.
    Weiter sind Marat Sampieri, Piero Visconti, Josef Hopferwieser und Alfreds Ramek in dieser Aufführung zu hören.
    Als Dirigent deputiert der italienische Komponist Giuseppe Sinopoli an der Wiener Oper, der Regisseur Giulio Chassalet sowie Ausstatter Ulisse Santicchi arbeiten ebenfalls erstmals in der Staatsoper.
    Giulio Chassalet hat heuer bei den Bregenzer-Festspielen den Falstaff inszeniert.
    Zur Premiere des Artiller hat er folgende Bericht von Walter Gellert.
    Verdis Attila musste lange auf seine Wiederentdeckung für die Opernbühne warten.
    Erst in den 60er Jahren wurde die Oper wieder eine Aufführung für Wert befunden.
    Seit dieser Zeit aber hält sich das Werk des 33-jährigen Verdi in den Spielplänen.
    1966 war Attila in Graz zu sehen.
    Eine zweite Aufführung dieser Oper im deutschen Sprachraum fand 1971 an der Deutschen Oper Berlin statt.
    Verdi schrieb die Oper Attila nach der missglückten Alzira.
    Dieses Werk kennt man heute bestenfalls dem Namen nach.
    Eine langwierige Krankheit und die Unzuverlässigkeit des Librettisten Solera, schließlich musste Piave das Textbuch beenden, führten dazu, dass Attila erst im März 1846 am Teatro La Fenice in Venedig uraufgeführt wurde.
    Für Giuseppe Sinopoli, den Dirigenten der Staatsoperaufführung, nimmt die Oper eine besondere Stellung in Verdis kompositorischen Schaffen Mitte der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts ein.
    Attila von Verdi ist ein Schlüsselpunkt in der jungen Verdi-Produktion in diesem Sinn, dass in dieser Oper
    ist nicht mehr wie vorher bei Donizetti oder bei Bellini oder bei den ersten Opern von Verdi, ausser den Nabuccos, so wie zum Beispiel Alsia oder Vasanadieri, die vorgeschrieben war, so nur auf den Gesang gewidmet.
    Na, ihr beginnt eine Beobachtung des Aktions, ne, die, die sogenannte recitativi oder Anfang schon des deglamati, die mehr mit den Aktionen verbunden sind, dann mit den, eine dramatische,
    Die Oper Attila behandelt basierend auf Zacharias Werners Tragödie Attila der Hunnenkönig und angeregt durch Madame de Styles de l'Allemagne den Marsch des Hunnenkönigs nach Rom, wobei die drohende Eroberung der Stadt im letzten Moment verhindert werden kann.
    In Verdi's Oper gerät Odabella nach der Zerstörung Aquileas in die Hände Attilas und schwört ihm Rache, weil er ihren Vater getötet hat.
    Der römische Feldherr Ezio ist, nachdem Attila es abgelehnt hat, die Welt zwischen beiden aufzuteilen, dem Hunnenkönig ebenfalls nicht wohlgesinnt.
    Dritter im Bunde derer, die Attila nach dem Leben trachten, ist Forresto, der Verlobte Odabellas, der glaubt, dass dieser ihm seine Braut abspenstig gemacht hat.
    Odabella schließlich ist es, die Attila während eines Festmahles tötet.
    Interessant ist, wie Verdi den Attila gar nicht als wilden, unzivilisierten König zeichnet.
    Im Laufe des Abends wird diese Figur dem Zuschauer immer sympathischer, sodass man das sich abzeichnende Ende eigentlich gar nicht mehr wünscht.
    In der Oper finden sich Stellen, die auch auf den reifen Verdi hinweisen.
    Ein Beispiel dafür ist der Traum Attilas, in dem er vorhersieht, wie ihn ein alter Mann, es ist dies Papst Leo I., von der Eroberung Roms abhalten möchte.
    Sie hören Nikolai Gjaurov.
    Ich will nicht, dass mein Gehirn verletzt wird.
    Ich will nicht, dass mein Gehirn verletzt wird.
    Attila wird an der Staatsoper von dem italienischen Regisseur Giulio Chassaletti inszeniert, der heuer in Bregenz bereits ein Alterswerk Verdis in Szene gesetzt hat.
    Welche Konsequenzen ergeben sich für ihn bei der Regiearbeit aus der Tatsache, dass er es diesmal mit einem Frühwerk zu tun hat?
    Ich glaube, dass die letzten Werke von Verdi mehr mit menschlicher Substanz imprägniert sind.
    Die früheren leben mehr aus Symbolen, aus Strömungen.
    Also ich habe auch diesen Attila, ich spreche nicht gerne über meine Inszenierungen, aber nicht realistisch konstruiert.
    aber mehr im Strom zweier Kräfte.
    Also Attilakraft und Äthiokraft sind nur ein Vorwand für andere Kräfte.
    Dazwischen bildet sich dann die dritte Kraft, das ist die geistliche, die christliche, gestaltet von Theon.
    Verdis Attila steht heuer noch am 25. und 29.
    Dezember auf dem Spielplan der Wiener Staatsoper.
    Im Jänner sind weitere vier Vorstellungen vorgesehen.
    Die Premiere am Sonntag wird übrigens im Hörfunkprogramm Österreich 1 direkt aus der Wiener Staatsoper übertragen.
    Beginn 19.30 Uhr.
    In der Staatsoper wird also ab morgen sozusagen das Attli-Lied gesungen.
    Und jetzt kurz vor eins noch einmal neue Kurzmeldungen.
    Österreich.
    Gewerkschaftsbundpräsident Benja rechnet, wenn überhaupt, dann nur mit einem sehr geringen Reallohnzuwachs für das kommende Jahr.
    In einem Interview im Mittagsjournal äußerte Benja die Vermutung, 1981 werde wahrscheinlich die Wirtschaft nicht weiter wachsen und die Inflationsrate werde bei 6% liegen.
    Angesichts dieser Rahmenbedingungen müsse sich eine zurückhaltende Lohnpolitik an den wirtschaftlichen Möglichkeiten und dem Vorrang der Vollbeschäftigung orientieren.
    Die für übernächstes Jahr in Aussicht genommene Lohnsteuersinkung soll den Staat nach den Worten Benjas elf bis zwölf Milliarden Schilling kosten.
    Sozialminister Dallinger hat sich neulich für eine Anhebung des Spitzensteuersatzes ausgesprochen.
    In einem Interview für die SPÖ-Zeitschrift Zukunft meinte Dallinger, bei der nächsten Steuerreform müsste einerseits die Progression für die kleinen und mittleren Einkommensbezieher gemildert, andererseits aber der Höchststeuersatz in einem bestimmten Ausmaß angehoben werden.
    Nach Ansicht des Vorsitzenden der Fraktion Christlicher Gewerkschaft im ÖGB, Gassner, verstärkt sich der Druck auf den Lebensstandard der Österreicher.
    Im ÖVP-Präsidienst meint Gassner heute, die Österreicher würden im kommenden Jahr durch gestiegene Energiepreise, höhere Steuern und sinkende Realeinkommen einer finanziellen Zangenbewegung ausgesetzt sein.
    Nahe Osten.
    Syrische Artillerie hat heute israelische Panzer im libanesisch-israelischen Grenzgebiet beschossen.
    Nach offiziellen Angaben aus Beirut ist dies ein Vergeltungsschlag für die Beschießung syrischer Truppen durch die Israelis am Freitag, bei der drei Syrer getötet wurden.
    Bei dem heutigen Bombardement sollen nach bisher vorliegenden Meldungen zahlreiche Zivilisten und Angehörige der UNO-Friedenstruppe im Südlibanon verletzt worden sein.
    Das waren noch Meldungen und das war ein Mittagschanal.
    Louis Glück verabschiedet sich für Redaktion und Technik.
    Ein schönes Wochenende also jetzt.
    Auf Wiederhören.

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Datum: 1980.12.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wetterbericht
    Datum: 1980.12.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Natur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten
    Interview mit Nationalrats- und ÖGB-Präsidenten Benya zum Jahresabschluss
    Interview: Nationalrats- und ÖBG-Präsident Benya
    Mitwirkende: Fischer, Johannes [Gestaltung] , Benya, Anton [Interviewte/r]
    Datum: 1980.12.20 [Sendedatum]
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    Inlandspresseschau: Androsch
    Mitwirkende: Langsteiner, Hans [Gestaltung]
    Datum: 1980.12.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Politik ; Gesellschaft ; Medien und Kommunikation ; Wissenschaft und Forschung ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Nahost - Syrische Angriffe auf Südlibanon
    Mitwirkende: Benedict, Hans [Gestaltung]
    Datum: 1980.12.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Mord an jüdischem Verleger und ehemaligen Offizier der israelischen Armee Shlomo Lehmann und seiner Lebensgefährten Frieda Poeschke
    Mitwirkende: Kretschmann, Rainer [Gestaltung] , Glück, Luis [Moderation]
    Datum: 1980.12.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Veränderungen in Südostasien im abgelaufenen Jahr
    Mitwirkende: Sichrovsky, Harry [Gestaltung]
    Datum: 1980.12.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Wirtschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Im Journal zu Gast: Prof. Viktor Frankl
    Interview: Viktor Frankl
    Mitwirkende: Oberhofer, Ilse [Gestaltung] , Nagiller, Rudolf [Gestaltung] , Frankl, Viktor E. [Interviewte/r]
    Datum: 1980.12.20 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Medizin ; Wissenschaft und Forschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten
    Vor der Premiere von "Attila" von Verdi an der Wiener Staatsoper - nur musikalischer Genuß?
    Einblendung: Giuseppe Sinopoli, Ausschnitt aus dem "Traum Atillas" mit Nikolaj Gjaurow, Giulio Chazaleties
    Mitwirkende: Gellert, Walter [Gestaltung] , Sinopoli, Giuseppe [Interviewte/r] , Gjaurow, Nikolaj [Interpret/in] , Chazaleties, Giulio [Interviewte/r]
    Datum: 1980.12.20 [Sendedatum]
    Ort: Wien, Staatsoper [Veranstaltungsort]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Kultur ; Musik ; E-Musik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
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    Inhalt: Nachrichten

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    Titel Mittagsjournal 1980.12.20
    Spieldauer 00:59:50
    Mitwirkende Glück, Luis [Moderation]
    Oberhofer, Ilse [Regie]
    ORF [Produzent]
    Datum 1980.12.20 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ audio
    Format TKA [Tonband auf Kern (AEG)]
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