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Die Erstellung der Transkripte erfolgt mit der Transkriptionssoftware WhisperX. WhisperX basiert auf dem System Whisper der Firma OpenAI. Whisper ist ein Open Source Produkt und auf Github veröffentlicht. WhisperX ist eine optimierte Version von Whisper und wurde von der Visual Geometry Group an der Oxford University entwickelt und auf Github veröffentlicht.
Die zur Verfügung gestellten Transkripte wurden 2024 erstellt.
KI-generiertes Transkript
Die Zeit, in fünf Sekunden ist es zwölf Uhr.
Zwölf Uhr.
Hier ist der österreichische Rundfunk.
Guten Tag meine Damen und Herren, hier meldet sich der aktuelle Dienst mit dem Mittagsjournal, Redakteur, Mikrofon ist Werner Löw.
Unser Programm für die kommende Stunde, Mittagsinformation aus dem Inland, ein Bericht vom traditionellen Pressegespräch nach der Ministerratssitzung.
Heute ist es ja die letzte Regierungssitzung vor den kommenden Wahlen.
Bundeskanzler Kreisky meinte vor den Journalisten unter anderem, er glaube nicht, dass die Grünen den Sprung ins Parlament schaffen werden.
Und zum Thema Wahlkampf heute neben der Presseschau auch eine Reportage von einem Tag im Wahlkampfleben des Alois Mock, des ÖVP-Chefs also.
Aus dem Bereich Wirtschaft, die allgemeine Elektrizitätsgesellschaft, besser bekannt unter der Abkürzung AEG, ist 100 Jahre alt.
Und die geplanten Auslandsberichte in diesem Journal, die aktuelle Situation nach dem schweren Bombenanschlag von gestern auf die amerikanische Botschaft in Beirut.
Mittlerweile bekennen sich schon drei Gruppen zu diesem Anschlag.
Dann die für heute Nachmittag unserer Zeit angekündigte Entscheidung des amerikanischen Präsidenten Reagan über die zukünftige Ausstattung der USA mit Interkontinentalraketen, das Stichwort dazu MX-Raketen.
Und die zunehmende Spannung an der chinesisch-vietnamesischen Grenze.
Die seit dem Wochenende gemeldeten schweren Artilleriegefechte gehen offenbar weiter.
Durchaus politisch auch unsere Kulturberichterstattung heute.
Da geht es zunächst einmal um die Angst eines kommunistischen Regimes vor der Macht der Schreibmaschine.
Und was da wie ein Gleichnis klingt, ist politische Wirklichkeit in Rumänien.
Da zwingt jetzt ein sogenannter Schreibmaschinenerlass zur Registrierung aller Schreibmaschinen und Vervielfältigungsapparate.
Und dann, jedenfalls geografisch dazu passend, wollen wir noch von einem Treffen von Universitätsrektoren aus dem Donauraum berichten.
So weit also der erste Überblick über unser Journalprogramm, an dessen Beginn wie immer die Nachrichten stehen.
Geschrieben hat die Meldung an Rainer Warnecke, gelesen werden sie von Wolfgang Riemerschmidt.
Aus den Trümmern der gestern nach einem Bombenanschlag teilweise eingestürzten amerikanischen Botschaft in Beirut sind bisher mehr als 30 Tote geborgen worden.
Mehr als 100 Personen wurden verletzt.
Unter den Todesopfern befinden sich fünf Amerikaner.
Die übrigen waren libanesische Botschaftsangestellte und Personen, die im Konsulat ein Visum beantragen wollten.
Zu dem Anschlag hat sich eine Organisation bekannt, die sich Heiliger Islamischer Krieg nennt.
Ihr gehören vor allem schiitische Moslems an.
Wegen der Heftigkeit der Explosion konnte der genaue Hergang des Anschlages bisher nicht geklärt werden.
Fest steht lediglich, dass der Sprengkörper in einem Auto versteckt war.
Polen.
Der Druck der Polizei auf Arbeiterführer Lech Walesa verstärkt sich.
Walesa muss heute neuerlich über seine Begegnung mit der Untergrundführung des verbotenen Gewerkschaftsbundes Solidarität aussagen.
Gestern war er auf der Fahrt von Danzig nach Warschau angehalten worden, wo er an einer Gedenkfeier für die Opfer des Aufstandes im Warschauer Ghetto teilnehmen wollte.
Erst nach neun Stunden wurde er wieder freigelassen.
Bundesrepublik Deutschland.
Die Polizei hat einen Bürger der DDR festgenommen, der als Journalist den Wirtschaftsexperten der SED, Politbüro-Mitglied Günter Mittag, in die Bundesrepublik Deutschland begleitet hat.
Nach einem Bericht der Hamburger Tageszeitung Die Welt wird der angebliche Journalist dringend verdächtigt, für einen östlichen Geheimdienst zu arbeiten.
Wie Die Welt heute schreibt, legt gegen den Mann bereits seit 1980 ein Haftbefehl vor.
Nach Angaben der Zeitung soll Günter Mittag bei seinen westdeutschen Gesprächspartnern gegen die Festnahme protestiert haben.
Sowjetunion Parteichef Yuri Andropov hat in einer gemeinsamen Sitzung des Politbüros mit Regierungsmitgliedern und den Parteisekretären von 15 Sowjetrepubliken Verbesserungen in der Landwirtschaft gefördert.
Der Kreml-Chef gab zwar zu, dass die schwierige Lage der sowjetischen Landwirtschaft zum Teil auf ungünstige Wetterbedingungen zurückzuführen sei, meinte aber, einige Verantwortliche hätten es geschafft, diese Schwierigkeiten zu überwinden und die Produktionen zu erhöhen.
Kritik übte Andropow an einigen Agrarfunktionären, die nach seinen Worten ihrer eigenen Unfähigkeit mit den schlechten Wetterbedingungen zu rechtfertigen suchten.
Frankreich.
In Paris hat heute, einen Monat nach der schweren Niederlage der kommunistischen Partei bei den Kommunalwahlen, eine zweitägige Sitzung des Zentralkomitees der französischen KP begonnen.
Dabei dürfte vor allem die künftige Strategie der Kommunisten im Regierungsbündnis mit den Sozialisten erörtert werden.
Man erwartet, dass die Parteiführung die Koalition mit der sozialistischen Partei fortsetzen will.
Italien.
In Turin hat ein Prozess gegen 62 Mitglieder der linksextremen Untergrundorganisation Rote Brigaden begonnen.
Den mutmaßlichen Terroristen wird eine Reihe von Mordanschlägen in der Umgebung von Turin zur Last gelegt.
Unter den 39 Anwesenden Angeklagten sind zwei Terroristen, die bereits Ende vergangenen Jahres wegen Beteiligung an der Entführung und Ermordung des christlich-demokratischen Politikers Aldo Moro zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden waren.
Spanien.
Die Helsinki-Folgekonferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa wird heute in Madrid nach dreiwöchiger Osterpause fortgesetzt.
Die Beratungen treten damit in die entscheidende Phase.
Die neutralen und blockfreien Staaten haben einen Entwurf für das Schlussdokument vorgelegt.
Ein erfolgreicher Abschluss der seit 1980 andauernden Konferenz könnte den Weg für eine gesamteuropäische Abrüstungskonferenz freimachen.
China.
In Peking wurden heute neue Zwischenfälle an der chinesisch-vietnamesischen Grenze bekannt gegeben.
Die amtliche Nachrichtenagentur Neues China berichtet über Artillerieduelle und schreibt, die chinesischen Truppen hätten auf ununterbrochene vietnamesische Bombenangriffe geantwortet und den gegnerischen Einheiten hohe Verluste zugefügt.
Die Führung in Peking hat heute der Sowjetunion die Schuld für die verschärften Spannungen an seiner Grenze zu Vietnam gegeben.
Bei den gestrigen Parlamentswahlen haben die drei Parteien, die bisher die Regierungskoalition bildeten, einen Sieg erungen.
Sie dürften auch weiterhin die Regierung stellen.
Der Chef der Sozialen Aktionspartei Thailands, Kukrit Pramoj, erklärte nach einem Treffen mit Ministerpräsident Prem, es liege im Interesse der Nation, wenn er auch die neue Regierung führen werde.
Auch das Militär wünsche nach seinen Worten, dass der Ministerpräsident im Amt bleibe.
Mexiko.
Der amerikanische Außenminister George Shultz setzt heute seine Gespräche mit der mexikanischen Regierung über die Differenzen in der Mittelamerikapolitik fort.
Die gestrige erste Gesprächsrunde zwischen Shultz und dem mexikanischen Außenminister Bernardo Sepulveda
wurde von mexikanischer Seite pessimistisch beurteilt.
Schulz soll sich hinsichtlich der Versuche für eine Beendigung des Konflikts zwischen Nicaragua und Honduras wenig flexibel gezeigt haben.
Österreich.
Der 38-jährige Karl Resch aus Leobersdorf im Bezirk Baden, der gestern Abend seine Frau und seine Schwiegereltern erschossen hat, hat nach der Tat selbst Mord verübt.
Nach einer ersten Rekonstruktion der Tat durch die Gendarmerie
hatte Karl Resch zunächst seine Frau in ihrem Auto erschossen.
Seine Tochter, die sich ebenfalls in dem Wagen befand, erlitt dabei leichte Verletzungen.
Er brachte das Mädchen zu seinen Eltern.
Anschließend fuhr er zu seinen Schwiegereltern nach Bad Vöslau und erschoss sie.
Heute früh wurde er in der Nähe von Bad Vöslau tot neben seinem Wagen aufgefunden.
Motiv der Tat war offenbar die bevorstehende Scheidung.
Im internationalen Zentrum in Wien wurde heute das von den Vereinten Nationen ausgerufene Jahrzehnt für Behinderte eröffnet.
In dieser Dekade soll das Weltaktionsprogramm für Behinderte durchgeführt werden.
Koordinationszentrale und Brennpunkt aller Bemühungen für die Aktivitäten zur Durchführung des Programms ist das Zentrum für Soziale Entwicklung und humanitäre Angelegenheiten in Wien.
Nach den Rekordergebnissen bei den Autozulassungen in den ersten vier Monaten ist auch im Mai und im Juni mit außergewöhnlich hohen Verkaufszahlen zu rechnen.
Wie das Statistische Zentralamt mitteilt, waren die Neuzulassungen im ersten Quartal heuer um 28 Prozent höher als im vergangenen Jahr.
Wurden im März mehr als 25.000 Personenkraftwagen und Kombi neu zugelassen, so werden nach Schätzungen des Autohandels für April 28.000 Neuzulassungen erwartet.
Obwohl jedes zweite Unternehmen in Europa Frauen als Führungskräfte beschäftigt, sind die Spitzenpositionen nach wie vor zumeist von Männern besetzt.
Aus einer Untersuchung geht hervor, dass Frauen innerhalb der Firmen nur ein Zehntel aller führenden Stellen innehaben.
Die meisten Frauen in Spitzenpositionen arbeiten in Großbritannien und Frankreich, die wenigsten in Italien.
Die Wetterlage.
An der Vorderseite des westeuropäischen Tiefs hält die Zufuhr feuchtmilder Luft aus Südwesten an.
Die Wetteraussichten bis morgen früh.
In den Föhntälern der Alpen-Nordseite sowie im Osten einige sonnige Abschnitte, sonst unterschiedliche, häufig auch starke Bewölkung und vor allem im Westen und Süden zeitweise etwas Regen, örtlich auch Gewitter.
Lebhafte auf den Bergen stürmische Winde aus südlichen Richtungen.
Nachmittagstemperaturen 14 bis 20 Grad.
An der Alpen-Nordseite durch Föhn-Einfluss bis 24 Grad.
Frühtemperaturen 4 bis 11 Grad.
Die Wetteraussichten für morgen Mittwoch überwiegend sonnig, nur im Westen und Süden zum Teil stärker bewölkt.
Mäßiger bis lebhafter Wind aus Südost bis Südwest.
Tageshöchstwerte 15 bis 22 Grad.
Das Wetter übermorgen Donnerstag.
Keine Änderung des herrschenden Wettercharakters.
Die Messwerte abgelesen um 12 Uhr.
Wien stark bewölkt, 15 Grad, Südostwind 15 Kilometer in der Stunde.
Eisenstadt stark bewölkt, 14 Grad Windstill.
Linz heiter, 14 Grad, Südwind 10 Kilometer.
Salzburg heiter, 20 Grad, Nordwest 5.
Innsbruck, Heiter 15°, Südost 30 km, Bregenz, Heiter 18°, Südost 10, Graz, Heiter 17°, Ost 5 km und Klagenfurt, Heiter 16°, Westwind 25 km in der Stunde.
Es ist elf Minuten nach zwölf.
Auch nach der letzten Ministerratssitzung vor dem Wahltag am kommenden Sonntag stand Bundeskanzler Kreisky heute den Journalisten Rede und Antwort.
Zum ungefähr sechshundertsten Mal wohl.
Wie zu erwarten, ging es vor allem um den Wahlkampf, das Wahlergebnis und dessen mögliche Folgen.
Der Bundeskanzler ging unter anderem auf seinen Gesundheitszustand ein, sprach über mögliche Koalitionschancen der Freiheitlichen und über die Erfolgsaussichten der Grünen.
Hören Sie eine Zusammenfassung des heutigen Pressefoyers nach dem Ministerrat von Johannes Fischer.
13 Jahre Pressefoyer beim Ministerrat, seit 13 Jahren dasselbe Bild an jedem Dienstagvormittag.
Im Steinsaal der ehemaligen Staatskanzlei, vor mehr als 200 Jahren vom Obersthofkanzler Kaiser Karls VI.
errichtet, warten seit 10 Uhr Journalisten, manchmal aus aller Herren Länder, Fernseh- und Radioteams, Beamte, ausländische Gäste und Pressesekretärien bunter Zahl auf das Ende der Regierungssitzung.
Versorgt mit zumeist recht ordentlichem Kaffee, seit Ingrid Leotholders Zeiten wird aber auch Tee gereicht, gilt diese Runde von Informationsträgern als wöchentliches Forum des Austausches von Neuigkeiten, Trudge, echten News, politischer Information.
Die Wartezeit blieb in all den Jahren eigentlich immer gleich kurz vor 12 Uhr, manchmal früher, manchmal später, öffnen sich die Türen zum grauen Ecksalon, dem eigentlichen Vorraum zum Ministerratszimmer.
Die Regierungssitzung ist zu Ende, die ersten Mitglieder des Kabinetts verlassen den Saal.
Immer in Eile, Handelsminister Josef Staribacher, zumeist gefolgt von Bautenminister Karl Seckanina.
Immer zu einem Plausch aufgedeckt, Sozialminister Alfred Stallinger.
Immer wortkarg und zumeist verschlossen, Verteidigungsminister Otto Rösch, für den die heutige Sitzung ebenso die letzte war wie für Hertha Firnberg, noch immer die große alte Dame der heimischen Sozialdemokratie.
Und für Christian Broder, dessen Reformwerk im Justizbereich
zu den wichtigsten Errungenschaften der Regierung und Kreisky sicherlich zählt.
Erst wenn sich der Minister der Zahl praktisch gelehrt und die Journalisten vor den hohen Flügeltüren eine Corona gebildet haben, die Fernsehscheinwerfer eingeschaltet sind, deutet sich das eigentliche Hauptereignis des politischen Dienstags an.
Noch beim Passieren der Türe mit letzten Informationen vom Sekretär Wolfgang Petrich versorgt, erscheint der Kanzler auf der Bildfläche.
Zumeist ernstes Gesicht, kurze, knappe Begrüßung aller Anwesenden.
Fast ist es eine alte Familie, die sich hier jeden Dienstag seit 13 Jahren begegnet.
Der Kanzler nach einem kurzen Augenblick der Konzentration blickt auffordernd in die Runde, erwartet die erste Frage.
Beantwortet sie je nach Inhalt sanft mit Wohlwollen oder, und das immer öfter, mit gespielter oder echter Aggressivität, die Hände dabei hinter dem Rücken verschränkend, das Kreuz durchbiegend, leicht auf den Zehenspitzen wippend.
Oder die Frage oft absichtlich missverstehend, wenn er sie nicht wirklich beantworten möchte.
Von der Frage auch manchmal direkt ein anderes Thema überleitend, nahtlos und ohne Übergang.
So wie etwa heute, als TV-Kollege Franz Lavatsch vom Kanzler wissen wollte, wie er sich nach der letzten Ministerratssitzung vor den Wahlen eigentlich fühle.
Ich fühle mich sehr gut entgegen den Meldungen der ÖVP-nahen Zeitungen, die da jetzt am Schluss, wie zu erwarten war, einen Wahlschlager aus meinem Gesundheitszustand
machen wollen.
Ich halte das für einen Bumerang, da mich ja jetzt zehntausende, fast möchte ich sagen hunderttausende Menschen an der Arbeit gesehen haben, in einem Intensivallkampf, der ja nichts zu wünschen übrig lässt, aber ich lasse mich auf das alles nicht ein.
Ich kann nur den Herren sagen, so krank, wie sie sich wünschen, bin ich noch lange nicht und daher werden sie mit mir noch rechnen müssen.
Herr Bundesminister, werden Sie heute, so ein paar Tage vor der Nationalratswahl, eine Wahlprognose abgeben, wie es ausschauen wird am Sonntag?
Nein, das fällt mir nicht ein.
Solche Prognosen soll man, wenn es geht, zehn Jahre hinaus machen, weil da kann man es weniger kontrollieren.
Aber dass ich da vier Tage vorher mich blamiere, das tue ich nicht.
Nach Ihren Wahlkampfreisen und der Beteiligung des Publikums zu schließen, ist die absolute Mehrheit Ihrer Ansicht nach sicherer denn je drin oder ist sie verloren?
Ja, ich kann das nur danach beurteilen, was ich so von meinen Freunden höre, über ihre Versammlungen und was ich selber erlebt habe.
Ich habe jedenfalls derartiges an Zustimmung und Sympathie bisher noch nie erlebt bei einer Wahlbewegung.
Ich mache ja das Ganze mit seit 1900.
53 und ich kann nur sagen, es ist überwältigend bis jetzt gewesen.
Gestern haben aber die Meinungsforscher von Ifes und Vesler erklärt, dass noch etwa 5-7% der Österreicher unentschieden sind.
Es sind nur noch 250-300.000 Österreicher und das kann sich doch noch in den Mandaten ausdrücken.
Ja, aber das ist immer so, dass bis zum Schluss
ein kleiner Prozent dazu entschieden ist, oder zumindest nicht weiß, ob er zur Wahl geht.
Das ist nichts Neues.
Da kann ja der Absolute doch nicht so sicher sein, oder zumindest nicht jetzt an das Messerschneider hängen.
Ja, ich sage ja nicht, dass etwas sicher ist.
In einer demokratischen Wahl ist gar nichts sicher.
In einer demokratischen Wahl hängt alles von den Menschen ab, die zu den Wahlurnen gehen.
Ich sage nur, dass die Stimmung und dass der Eindruck, den ich also empfangen habe,
mich durchaus optimistisch macht.
Und das kann ich mir da noch sagen dürfen.
Rechnen Sie, Herr Bundeskanzler, heute, vier Tage vor der Wahl, mit dem Einzug der Grünen ins Parlament?
Werden die es schaffen, glauben Sie?
Naja, ich habe schwer zu glauben, dass solche Leute ins Parlament kommen.
Sehr schwer zu glauben.
Bei der Vorsicht der Österreicher
halte ich das nicht für sehr wahrscheinlich.
So weit der Kanzler also im Frage- und Antwortspiel.
Was sonst in den letzten Jahren immer seltener passierte, hat heute dann seinen Platz.
Der Kanzler ist offensichtlich nicht in ungeheurem Zeitdruck, bleibt stehen, auch nachdem die Fernsehscheinwerfer abgeschaltet sind, plaudert über seine letzte Radiokonfrontation mit Schülern vom vergangenen Sonntag.
Mit den jungen Leuten zu diskutieren hat mir großen Spaß gemacht, sagt er.
Verweilt bei zwei Kollegen aus den Bundesländern, der Trost der Journalisten beginnt sich langsam aufzulösen, der Kanzler blickt um sich, gibt sich einen unsichtbaren Ruck und verabschiedet sich mit einem No, jetzt muss ich noch ein bisschen was arbeiten gehen.
Die Ministerratssitzung und das Pressefoyer sind beendet.
Bundeskanzler Kreis im Journalistengespräch nach der letzten Ministerratssitzung vor dem Wahltag am kommenden Sonntag.
Johannes Fischer hat seine Aussagen zusammengefasst und uns auch ein bisschen geschildert, wie es da so aussieht im Steinsaal des Bundeskanzleramts.
Wie es im Wahlkampf jetzt aussieht, das ist auch ein Thema der Zeitungskommentatoren von heute.
Die Auszüge aus den Kommentaren hat Hans Langsteiner zusammengestellt.
Fünf Tage vor der Nationalratswahl konnten sich die innenpolitischen Kommentatoren heute auf kein einheitliches Thema einigen.
Von der Sozialpolitik bis zur internen Situation der ÖVP spannt sich der Bogen der in den Leitartikeln angeschnittenen Fragen.
Die Presse bezieht sich in einem Kurzkommentar auf ein gestern von Sozialminister Dallinger vorgelegtes arbeitsmarktpolitisches Jugendprogramm und knüpft daran folgende Überlegungen zur Frage der Jugendarbeitslosigkeit.
Unentwegt prangert ÖVP-Obmann Mock die Jugendarbeitslosigkeit an.
Unentwegt erklärt er, dass ihre Bekämpfung der absolute Vorrang gebühre.
Und gestern nahm Sozialminister Dallinger den Ball auf.
Ja, Mitte April habe man in Österreich rund 35.000 Arbeitssuchende unter 25 Jahren zählen müssen und das sei jedenfalls zu viel.
Mock spricht in seinen Wahlreden stets von etwa 40.000 Jungarbeitslosen und dürfte damit trotz der registrierten 35.000 richtig liegen.
Denn ein Jugendlicher, der noch nie einen Posten hatte, wird nicht gezählt.
So gesehen wird man das zu viel Dallingers noch ergänzen müssen.
Viel zu viel.
Das Ende einer Ära, betitelt Herwig Schmiedl seinen Leitartikel im Kurier und ermeint damit die zu Ende gehende Ära von Justizminister Christian Broda.
Für Schmiedl der zugleich umstrittenste und unumstrittenste aller Minister.
Unumstritten war Bruders zäher Kampf für eine humanere Gesellschaft.
Umstritten seine Version einer gefängnislosen Gesellschaft.
Unumstritten sein Eintreten für die Freiheit des Richterstandes.
Umstritten seine Weisungen an die Staatsanwälte.
Nehmt alles nur in allem, er war ein Mann.
Ein Mann zwar mit Kanten und Ecken, einer, dem der Dienst in und an seiner Partei über alles ging.
Manchmal auch über Rechtsgrundsätze.
Das war so bei der Besetzung einer Zeitungsredaktion in der Causa Habsburg oder in jüngster Zeit in Sachen AKH-Weisungen.
Oppositionskritik, dass ihm am Täter mehr liege als am Opfer, zielt jedoch ins Leere.
Bruder nämlich war es, der die Verbrechensopferbevorschussung einführte.
Mit Bruder geht eine Ära zu Ende.
Und eine neue beginnt.
Zwei Zeitungskommentare befassen sich heute mit der Großen Oppositionspartei, in der sie interne Probleme und Risse geortet zu haben glauben.
In der Wochenpresse vermisst Hans Magenschab in den Programmen der ÖVP Visionen.
Das ist der Unterschied, der zwischen ÖVP und CDU-CSU ins Auge springt.
Hierzulande entscheidet sich das rechte Lager weder für interessante gesellschaftspolitische Modelle, noch hat man den Mut, für eine kraftvolle Industriepolitik einzutreten.
Und der kluge Kommentator der angesehenen Neuen Züricher Zeitung hat dieser Tage konstatiert, dass die ÖVP in der Bundeshauptstadt etwa in eigenartiger Weise in eine Wirtschaftspartei und in eine wachstumsfeindliche Partei gespalten ist.
Auf sehr ähnlichen, unbestritten originellen Plakaten kämpft sie einmal gegen Atomstrom, ein anderes Mal gegen die Gefährdung der Industriebasis durch generelle Verkürzung der Arbeitszeit.
Ende des Zitats.
Und dass sich da unabhängig vom Wahlausgang am kommenden Sonntag ein grundsätzliches Problem für die ÖVP abzeichnet, geben auch Spitzenfunktionäre der ÖVP im kleinen Kreis sorgenvoll zu.
In den Salzburger Nachrichten schließlich findet sich ein Kurzkommentar zur gestrigen grundsätzlichen Absage an Koalitionen durch den Wiener ÖVP-Chef Erhard Busseck.
Jeder, der in diesem Wahlkampf Augen und Ohren hat, weiß, dass Alois Mock Sinnen und Trachten ist, die ÖVP wieder in die Regierungsverantwortung zu bringen.
Und das kann, wie die Dinge jetzt knapp eine Woche vor der Wahl liegen, wohl nur in Form einer Junior-Partnerschaft mit der SPÖ liegen.
Natürlich wird Mock, wenn es dann dazu kommt, nicht auf die reine Lehre seines eigenwilligen Wiener Freundes hören können und mit Freuden zu weniger idealen Bedingungen abschließen.
Wird Bussig dann seinen Bundesparteiobmann rügen?
Die SPÖ kann sich auf diese Koalitionsverhandlungen schon jetzt freuen, sofern man davon Freude überhaupt reden kann.
Der Riss in der ÖVP ist schon programmiert.
Hans Langsteiner stellte die Auszüge aus den heutigen Pressekommentaren zusammen.
Der Wahlkampf geht also in die Zielgerade.
Wie führen die Spitzenkandidaten der drei Parlamentsparteien?
Wir haben Ihnen gestern einen Tag im Wahlkampf des freiheitlichen Parteichefs Norbert Steger präsentiert.
Heute ist ÖVP-Chef Alois Mogg an der Reihe.
Mocks Wahlkampf unterscheidet sich zumindest äußerlich von dem seiner Konkurrenten.
Hauptbestandteil dieses persönlichen Wahlkampfes ist ein großer weißer Bus.
Er trägt die Aufschrift mit Mock.
Dieser Bus ist innen auf das modernste mit Fernseher und Radiogeräten, mit Konferenzraum und Telefon ausgestattet.
Wilfried Seifert begleitete den ÖVP-Chef bei seiner Wahlreise durch die Steiermark am Samstag vergangener Woche, also einen Tag nach der Fernsehkonfrontation mit SPÖ-Chef Bruno Kreisky.
Und Wilfried Seifert fuhr auch ein Stück mit den berühmten
einen Bus mit.
Das mit der IFES-Umfrage, dass man nur die ausschließlich spielt, das stimmt nicht.
Es wird sehr wohl Fessel und OGM auch gebracht.
Die Fessel mit den 4745 und die OGM, die ist ja noch schöner, 42 zu 30, nicht?
Das Verhältnis.
Oben laufen die Telefone heiß und die Telegram-Flut reißt überhaupt nicht mehr auf.
Also das war zu viel Nervosität, glaube ich.
Ja, wir sind da oft nicht die Geschicktesten, wissen Sie.
Der Bus mit Mock ist im Moment etwas verwaist.
Mock ist draußen und hält in der immer wieder Elinstadt genannten Stadt Weiz eine Wahlrede.
Sie betrauen den Kanzlerkandidaten der ÖVP jetzt schon eine ganze Weile in diesem Bus auf dieser Wahlreise.
Wie halten Sie Ihren Chef eigentlich in Form?
Die Tageseinsätze sind derart straff organisiert, dass er zu den lebensnotwendigen Kleinigkeiten wie Essen oder Trinken kaum noch Zeit findet.
Und da haben wir uns einfach im Bus derart eingerichtet, dass wir vom Joghurt bis zur Bio-Normkost alles mitführen und zwischendurch ihm einige dieser Dinge servieren.
Als Naschkatze verschwimmen zu sein ist für ihn überhaupt kein Problem, weil er einen derartigen Einsatz hat, dass er diese zu sich geführten Kalorien im Flug verbraucht.
So wie diese Fahrt organisiert ist, bringt sie eine unglaubliche Menge von persönlichen Kontakten.
Die Menschen sind eigentlich immer sehr freundlich, auch oft über Parteigrenzen hinweg.
Und man bekommt vor allem, das ist besonders wertvoll daran, eine Fülle persönlicher Informationen, wo drückt die Menschen das Schuh.
Der weiße Wahlkampfbus des Dr. Mock steht tatsächlich im Wesentlichen unter Ihrer Führung.
Wie viele Kilometer sind Sie jetzt schon unterwegs mit diesem Bus?
Ja, wir sind jetzt circa 12.000 Kilometer gefahren.
Und wie viel davon Sie persönlich?
Ungefähr 5.000.
Wie reagieren die Leute?
Ich sitze jetzt auf dem Platz, auf dem normalerweise der Dr. Mock sitzt, wo man ihn sehen kann, unmittelbar hinter der großen Panoramascheibe.
Erkennen ihn die Leute?
Reagieren die Leute irgendwie, wenn der große Bus kommt, mit Mock steht drauf und mit Mock auch tatsächlich drinnen?
Ja, die Reaktionen sind auch noch für sich sehr gut, weil ja,
Von diesem Platz hier kann der Kanzlerkandidat sehr gut eingesehen werden und die Leute erkennen ihn schon.
Wir sind jetzt ca.
8 km vor Betz.
Wir haben alles an Bord vom Kanzlerkandidaten bis zum ORF.
und werden ungefähr in 10 Minuten bei euch sein.
verkürzen die Zeit auf den verspätet eintreffenden Kanzlerkandidaten der ÖVP, Alois Mock.
Mit uns aus der Krise verspricht ein Spruchband den Wählern, wir Steirer vertrauen Mock, ein anderes dem Kanzlerkandidaten.
Und dann kommt der weiße Bus mit Mock.
Das Fest dauert ja schon seit 9 Uhr, aber jetzt kommt, wie gesagt, der Höhefunk.
Und alle Heranwesenden,
Mandatare und Funktionäre werden es verstehen, wenn ich jetzt nur noch einen Mann mit seiner Frau gemeinsam, die nämlich mitgekommen ist, hier bei uns begrüße, nämlich den Kanzlerkandidaten der österreichischen Volkspartei, Dr. Alois Mock mit seiner Frau.
Herr Landeshauptmann,
Herr Bürgermeister, Herr Präsident des Landtages, liebe Abgeordnete, meine sehr geehrten Damen und Herren, ich möchte mich zuerst bei Ihnen sehr, sehr herzlich bedanken, dass Sie in einer so beeindruckenden Zahl
hier auf diesen herrlichen, historischen Platz der steirischen Landeshauptstadt gekommen sind.
Ich begrüße Sie alle.
Mir ist vorhin eine rote Rose überreicht worden.
Ich begrüße damit die Damen, die so zahlreich gekommen sind und bedanke mich... Ausnahmsweise hat Dr. Mock, der Kanzlerkandidat der TVB, sogar pädagogische Betreuung.
Er hat dazu eine Direktorin einer Wiener Mittelschule mit, das ist Frau Dr. Edith Mock, die Ehefrau des Kanzlerkandidaten der ÖVP.
Sie wissen, dass die Frauen diese Wahl entscheiden.
Sie wissen auch, wie Dr. Mock auf Frauen wirkt.
Wie wirkt er denn auf andere Frauen?
Ja, ich glaube, seine größte Stärke ist bei den schon etwas reiferen Damen, weil wenn ich da zuschaue und wie die strahlen, dann glaube ich, dass er hier ganz besonders gut ankommt.
Über die jüngeren Damen kann ich nicht so viel sagen, aber ich weiß, dass er mir einmal erzählt hat, dass eine auch extra zu ihm gekommen ist und ihm ein Maskottchen mitgegeben hat für die Fernsehdiskussion.
Dr. Mock hat im Laufe des Wahlkampfes nicht nur Maskottchen bekommen von Damen, sondern jetzt von einigen Damen auch mehr oder minder spontan abgeküsst worden.
Wissen Sie davon?
Gefällt Ihnen das oder wie beurteilen Sie das?
Also das stört mich gar nicht, weil mir gefällt's, wenn
er gut ankommt bei den Frauen und wenn sie da so spontan ihm beweisen, dass sie ihn gern haben, freut mich das.
Weil da denke ich mir halt auch, sie sehen, dass ich eine gute Wahl getroffen habe, wie ich ihn damals geheiratet habe, vor 20 Jahren.
Sicherung ist kaputt in der Zentrale.
Ja, das hilft mir jetzt was.
Ich habe die Klappe durchgewählt.
Ok, dann rufe ich den Präsidenten nochmal an und sage, ich soll ihn holen.
Wilfried Seifert fuhr in diesem Wahlkampfbus von ÖVP-Chef Alois Mock mit und schilderte den Ablauf eines Tages im Wahlkampf von Alois Mock.
Es ist eine Minute vor halb eins und wir haben damit unsere Vorwahlberichterstattung in diesem Journal abgeschlossen.
Was steht noch auf dem Journalprogramm?
Aus dem Ausland die neuerlichen Kämpfe zwischen China und Vietnam, die für heute Nachmittag bevorstehende Entscheidung des amerikanischen Präsidenten über die neuen amerikanischen Interkontinentalraketen, aus dem Bereich Wirtschaft 100 Jahre AEG,
und von der Kulturredaktion vorbereitet ein Bericht über den rumänischen Schreibmaschinenerlass und ein Bericht vom Treffen von Universitätsrektoren aus den Donauländern.
Zunächst aber in den Nahen Osten.
In Beirut dauert die Suche nach Opfern des Sprengstoffanschlags auf die amerikanische Botschaft in der libanesischen Hauptstadt von gestern Mittag nach wie vor an.
Genaue und offizielle Zahlen über diese Opfer gibt es noch nicht.
Die letzten Meldungen sprechen von 39 Toten, darunter auch Amerikaner und von über 100 Verletzten.
Der Anschlag hat sich ja gestern gegen 1 Uhr Mittag in einer Zeit starken Fußgängerverkehrs auf der berühmten Uferpromenade Corniche ereignet und es ist nicht auszuschließen, dass unter den Opfern auch unbeteiligte Passanten sind.
Das Gebäude der Botschaft wird jetzt von libanesischen Soldaten, aber auch amerikanischen und französischen Angehörigen der Friedenstruppe im Libanon gegen Schaulustige abgeschirmt.
Ungeklärt ist immer noch, wie das mit Sprengstoff beladene Auto an das schwerbewachte Gebäude herankommen konnte.
In einigen Berichten ist die Rede von einem gefälschten Diplomaten-Kennzeichen an diesem Wagen.
Andere Vermutungen sprechen von einer Art Kamikaze-Aktion der oder des Attentäters.
Und auch von einem getarnten Polizeiauto ist die Rede.
Direkt aus Perut dazu jetzt ein Bericht von Marcel Pott.
Bisher haben drei Gruppen das Attentat für sich reklamiert.
Erstens die Organisation Islamischer Heiliger Krieg, zweitens die Vereinigten Arabischen Sozialisten und drittens die Organisation für die Rache der Märtyrer von Sabra und Shatila.
Die angeblichen Täter haben ihre Verantwortung in Telefonanrufen an die Beiruter Presse erklärt.
Solche Anrufe jedoch sind in Beirut in den vergangenen Jahren nach der Ausführung von Gewaltakten regelmäßig erfolgt und es ist selten möglich, ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.
Die Bevölkerung der libanesischen Hauptstadt ist schockiert und wie gelähmt.
Als ich gestern Abend durch die Stadt fuhr, waren zum ersten Mal seit Monaten schon um 9 Uhr die Straßen wie leer gefegt.
Über den Hergang des Anschlags, bei dem mehr als 150 Kilo TNT-Sprengstoff gezündet wurden, kursieren in Beirut zwei Theorien.
Denn Genaues weiß man hier auch nicht.
Entweder es war die Aktion eines einzelnen Täters, der ein Himmelfahrtskommando ausführte und mit dem als Diplomatenfahrzeug getarnten Pkw, die nur leichte Barriere vor der Botschaft durchbrach, um dann auf das Gebäude zuzuhasen, oder die Täter benutzten als Tarnung einen Polizeiwagen.
Da die wachhabenden Marines und die libanesischen Soldaten offenbar unter den Opfern sind, ist eine genaue Rekonstruktion des Attentats pro Stunde nicht möglich.
In Beirut hat die öffentliche Moral einen argen Rückschlag erlitten.
Die Libanesen fragen sich, wie es um die Sicherheit in dieser Stadt bestellt sein muss, wenn noch nicht einmal eines der sichersten Gebäude der Hauptstadt, die amerikanische Wirtschaft, vor einem Angriff dieser Art geschützt werden kann.
In der Presse der arabischen Welt ist der Bombenanschlag auf die amerikanische Botschaft bisher nicht kommentiert worden.
Hier in Beirut sprechen die Kommentatoren von weitreichenden Konsequenzen für den Libanon und den Nahen Osten als Ganzes.
Vieles bewegt sich natürlich im Bereich der Spekulationen.
Eins jedoch ist offensichtlich.
Genau wie die Anschläge auf die Soldaten der multinationalen Truppen in den letzten Wochen, so ist auch dieses Attentat gewiss darauf gerichtet, die Autorität und Glaubwürdigkeit der libanesischen Zentralregierung zu erschüttern.
Groß Beirut steht beispielhaft als Beweis für die Fähigkeit der Regierung im Vordergrund,
in der Lage zu sein, Frieden, Sicherheit und Ordnung im ganzen Land zu garantieren.
Wer noch nicht einmal die Hauptstadt sicher im legalen Griff hat, der ist bestimmt nicht fähig, über ihre Grenzen hinaus wirklich zu regieren und das Land dem Frieden zuzuführen.
Marcel Pott aus Beirut.
Im Rüstungspoker zwischen den USA und der Sowjetunion wird heute Nachmittag eine wichtige Entscheidung fallen.
Präsident Reagan wird eine Regierungsvorlage über die Aufstellung der neuen Interkontinental-Rakete MX der Öffentlichkeit bekannt geben.
Seine Entscheidung beruht dabei auf dem Bericht einer Expertenkommission, die unter der Leitung des Ex-Generals Brent Scowcroft stand und der unter anderem vier ehemalige Verteidigungsminister und zwei ehemalige Außenminister angehörten.
Die Empfehlungen dieser Kommission sind bereits bekannt.
100 Stück der neuen MX-Rakete sollen in Silos aufgestellt werden, in denen sich derzeit noch die Minuteman-Interkontinentalraketen befinden.
Und außerdem soll eine neue, kleine Langstreckenrakete mit nur einem Sprengkopf entwickelt werden.
Es wird allgemein angenommen, dass Präsident Reagan der Empfehlung dieser Kommission folgen wird.
Die Vorlage muss dann innerhalb von 45 Tagen von beiden Häusern des Kongresses behandelt werden.
Welche Bedeutung die heutige Entscheidung des amerikanischen Präsidenten für die Atomstrategie der USA hat, das analysiert Roland Machatschke.
Abschreckung besteht aus zwei Elementen, sagte Ex-General Brent Scowcroft in einem Interview in der neuesten Ausgabe des Nachrichtenmagazins US News & World Report.
Militärischer Stärke und Willenskraft.
Wenn der Kongress die Empfehlungen der Kommission ablehnt, dann würden ernste Folgen daraus entstehen.
Amerikanische Strategieplaner haben auf dem Weg zu neuen Ufern einige alte Konzepte über Bord geworfen.
In den letzten zehn Jahren wurden in den USA ebenso wie in der Sowjetunion immer größere Trägerraketen gebaut, die immer mehr unabhängig programmierbare Atomsprengköpfe enthielten.
Vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung ist die MX-Rakete, die zehn Sprengköpfe hat, verglichen mit drei Sprengköpfen der Minuteman, die von der MX abgelöst werden sollen.
Aber je mehr Sprengköpfe ein Träger enthält, umso lohnender wird er als Ziel für einen Erstschlag des Gegners.
Nach der logischen Überlegung, je mehr Eier in einem Korb sind, umso mehr werden zerbrechen, wenn diesem Korb etwas passiert.
Daher der neue Vorschlag.
Eine kleine interkontinentale Rakete mit nur einem Sprengkopf, so klein, dass sie keinen Betonsilo mehr braucht, sondern von einem Spezialfahrzeug transportiert werden kann.
Diese Rakete, die bereits den Spitznamen Midget Man erhalten hat, Midget heißt Zwerg, könnte also ständig verschoben werden und wäre somit ein schwer zu treffendes Ziel.
Auf der Strecke geblieben ist also die Vorstellung, dass die landgestützten Interkontinentalraketen der USA einen gegnerischen Erstschlag überstehen können müssen.
Die Sicherheit der USA, so der Bericht der Scowcroft-Kommission, ist auch dann nicht gefährdet, wenn die landgestützten Interkontinentalraketen über den Zeitraum der nächsten zehn Jahre verwundbar bleiben.
Die Drohung des Gegenschlags mit U-Boot-Raketen und atombombentragenden Flugzeugen wird als ausreichend erachtet.
Wozu brauchen die USA aber dann die gewaltige MX-Rakete mit ihren zehn Sprengköpfen, die verwundbar und als lockendes Ziel in nicht so tarnenden Betonsilos wartet, wenn die kleine Midget Man der Stein der Waisen in der Nuklearstrategie ist?
Die Antwort?
Als Karte im Pokerspiel mit der Sowjetunion.
Oder wörtlich im Kommissionsbericht?
Die Aufstellung der MX ist unabdingbar, um der Überlegenheit der Sowjetunion auf dem Gebiet der interkontinentalen Raketen entgegenzuwirken und beizutragen, einen konventionellen oder atomaren Angriff auf das westliche Bündnis abzuschrecken.
Mit anderen Worten, 1000 MX-Sprengköpfe mit einer Zielgenauigkeit von 100 Metern, programmiert auf die bekannten Raketenabschussanlagen der Sowjetunion, sollen die anderen davon abhalten, das Abenteuer eines Erstschlags gegen die USA, aber auch eines Angriffs in Europa zu unternehmen.
Und noch einen anderen Zweck soll die MX-Aufstellung verfolgen.
Nach dem geltenden Abkommen über die Beschränkung der Atomrüstung, SALT I, gibt es eine Obergrenze bei der Zahl der Raketen, nicht aber bei der Zahl der Sprengköpfe.
Das wollen die USA ändern.
Ihr neues Konzept zieht vor, eine Obergrenze bei den Sprengköpfen einzuziehen.
Das würde praktisch das Ende der großen Interkontinentalraketen bedeuten, wie sie derzeit auf beiden Seiten auf festem Land und in U-Booten aufgestellt sind.
Auf dem Weg zur überschaubaren Abschreckung mit kleinen Raketen, nach dem Prinzip eine Rakete, ein Sprengkopf, glauben die Planer im Weißen Haus, ein Druckmittel für die Verhandlungen mit Moskau haben zu müssen.
Eben 100 MX-Raketen mit 1000 sehr genauen Atomsprengköpfen.
Innerhalb der kommenden sechs Wochen werden wir wissen, ob die Parlamentarier in Washington bereit sind, Mittel in der Höhe von umgerechnet 250 Milliarden Shilling für die nächsten fünf Jahre für ein Raketenprojekt zur Verfügung zu stellen, das so angreifbar und verwundbar ist wie das derzeitige Interkontinentalraketenpotenzial der USA und das zu allem Überfluss vielleicht schon kurz nach der Aufstellung wieder verschrottet werden muss.
Zwischen Vietnam und China herrscht wieder Hochspannung.
Seit dem Wochenende melden beide Seiten schwere Artillerieduelle über die Grenze hinweg.
Diese Situation erinnert natürlich an den chinesisch-vietnamesischen Waffengang vom Februar 1979.
Damals führte China eine groß angelegte sogenannte Strafaktion gegen Vietnam, als Vergeltung nämlich für die vietnamesische Intervention in Kambodscha.
Und auch jetzt läuft eine Großoffensive der vietnamesischen Truppen in Kambodscha.
Diesmal gegen die dortige von China unterstützte Widerstandskoalition.
Die Auseinandersetzungen innerhalb Kambodschas zwischen der provietnamesischen Regierung und hinter Vietnam steht ja wieder der große Bruder in Moskau einerseits und dem prochinesischen Widerstand andererseits.
Hierher gehören die Gruppen des Roten Khmer und Prinz Sihanouk.
Diese Auseinandersetzungen sind also ein wesentlicher Faktor für die aktuellen Entwicklungen an der vietnamesisch-chinesischen Grenze.
Entwicklungen allerdings, die, wie unser China-Korrespondent Helmut Opletal meint, wahrscheinlich nicht zu einem Krieg aller 1979 eskalieren werden.
Trotz der schrillen propagandistischen Töne, mit denen Peking seine militärischen Aktionen unterstützt, wird allgemein bezweifelt, dass die Chinesen
einen neuen Vorstoß ins Innere des vietnamesischen Territoriums planen, so wie 1979, als ihre Truppen bis 100 Kilometer vor Hanoi marschierten.
Nach Pekinger Darstellung haben chinesische Grenztruppen begonnen, als Antwort auf bewaffnete Provokationen, Grenzstellungen der Vietnamesen zu bombardieren und zu zerstören.
Vietnam hat die bewaffneten Kämpfe inzwischen bestätigt,
und chinesische Soldaten seinerseits beschuldigt, in mehreren Abschnitten in die Provinzen Lang Son, Huanglien Son und Ha Tuin eingedrungen zu sein und dort Häuser und Gärten zerstört und beschossen zu haben.
China hat schon vor etwa zwei Wochen in seiner Presse begonnen, die Vietnamesen verstärkter Grenzprovokationen zu beschuldigen.
Vietnamesische Soldaten hätten dabei mehrere Soldaten und Zivilisten auf chinesischer Seite verletzt und getötet, Kommunikationseinrichtungen vernichtet und die Einbringung der Ernte gestört.
Agenten Hanois, heißt es in einem Bericht, hätten sich sogar heimlich über die Grenze geschlichen und Waldbrände gelegt, die inzwischen 600 Hektar erfasst hätten.
Die Bauern des chinesischen Grenzgebietes
hätten die Soldaten schließlich aufgefordert zu reagieren und die chinesische Volksbefreiungsarmee habe keine andere Wahl gehabt als zur Selbstverteidigung zurückzuschießen, wie die offizielle chinesische Formulierung lautet.
Doch sogar ein Kommentar des Parteiorgans Volkszeitung stellt die chinesischen Beschießungen eindeutig in einen Zusammenhang.
mit der vietnamesischen Trockenzeitoffensive in Kambodscha und den Übergriffen auf thailändisches Territorium in den letzten Wochen.
Alles deutet also darauf hin, dass China nun an der Grenze wieder den Druck auf Vietnam verstärkt und die unausgesprochene Drohung im Raum stehen lässt, dass Peking eine Verschärfung der vietnamesischen Offensive in Kambodscha
mit einem neuerlichen militärischen Schlag so wie 1979 beantworten könnte.
Diplomatische Beobachter in der chinesischen Hauptstadt halten jedoch eine solche sogenannte zweite Lektion für äußerst unwahrscheinlich.
Denn auch China weiß, dass der Feldzug gegen Vietnam vor vier Jahren viel internationales Prestige gekostet hat.
hohe Verluste an Menschenleben in den eigenen Reihen forderte und ohne eigentliches Kriegsziel vor einer militärisch schwer lösbaren Aufgabe stand.
Allein die Tatsache, dass Peking seiner Beschießung vietnamesischer Grenzposten diesmal große Publizität verleiht, zeigt schon, dass es zu keinen ernsteren Aktionen kommen wird.
Soweit Helmut Opletal aus Peking und wie er auch erwähnt hat, kompliziert wird das Spannungsverhältnis in Indokina ja jetzt auch dadurch, dass Thailand stark einbezogen ist.
Die vietnamesische Offensive gegen den Widerstand in Kambodscha spielt sich im thailändisch-kambodschanischen Grenzgebiet ab und dabei ist es wiederholt auch zu Zusammenstößen mit thailändischen Einheiten gekommen.
Thailand ist an Entspannungsgesprächen mit Vietnam interessiert.
Gleichzeitig tritt aber der eigenartige Fall ein, dass in diesem Fall China als der Gegner Vietnams und die Vereinigten Staaten als Partner Thailands sozusagen an einem Strick ziehen.
Es ist eine Minute vor dreiviertel eins, wir kommen zum Thema Wirtschaft.
Heute vor 100 Jahren, am 19.
April 1883, wurde in Berlin die deutsche Edison-Gesellschaft für angewandte Elektrizität gegründet, aus der später die allgemeine Elektrizitätsgesellschaft, die AEG, hervorging.
Der AEG-Konzern zählte schon kurz nach seiner Gründung zu den größten Elektrounternehmen der Welt.
Am 9.
August des Vorjahres aber musste AEG den Ausgleich anmelden und aus den Unternehmen mit 120.000 Beschäftigten soll nach und nach ein neuer Konzern mit nur mehr der Hälfte dieser Beschäftigtenzahl werden.
Helmut Glizander gibt als Anlass des 100-jährigen Firmenjubiläums einen Überblick über die Geschichte der AEG, wobei dieser Konzern im kommenden Jahr auch sein 80-jähriges Jubiläum in Österreich begeht.
So groß, so blühend und so mächtig ein Unternehmen auch sei, unaufhörlich schwebt es in Lebensgefahr und kämpft um sein Leben.
Dies sagte Walter Rathenau, Sohn des Gründers der AEG und späterer deutscher Reichsaußenminister.
Emil Rathenau hatte am 19.
April 1883
Die deutsche Edison-Gesellschaft für angewandte Elektrizität mit Unterstützung einiger Bankiers gegründet und die neue Gesellschaft wollte vor allem, wie es damals hieß, den unersättlichen Elektrizitätshunger der Menschheit befriedigen.
Es war damals erst zwei Jahre her, dass Thomas Alva Edison auf der Pariser Weltausstellung die Glühlampe präsentiert hatte und schon an diesem ersten Aufkauf von Patentrechten lässt sich der Unternehmensgedanke der AEG darstellen.
Anders als der Erzkonkurrent Siemens, wo schon der Gründer Werner von Siemens zusammen mit dem Feinmechaniker Johann Georg Halski immer auf eigene Entwicklungen und Forschungen setzte, neigte man bei der AEG immer eher zum Kauf von Erfindungen und Unternehmen.
um so statt langwieriger Vorarbeiten lieber fertige Resultate zu übernehmen.
Dieser schon von Emil Rathenau formulierte Unternehmensgrundsatz war es auch, der 80 Jahre später mit dem Kauf von zahlreichen Hausgerätefirmen von Neff bis Zanka, von Küppersbusch bis Linde zwar die AEG zu Europas Nummer 1 auf dem Hausgerätesektor machten, aber die Schuldenlast dieser Expansion gemeinsam mit anderen Problemen das Unternehmen erdrückte.
Dazwischen lagen aber auch einsame Höhepunkte.
Dank der finanziellen Unterstützung der Banken gelang schon fünf Jahre nach der Gründung die Loslösung von der Edison-Gesellschaft und einer der ersten Großaufträge der AEG, der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, war die Elektrifizierung Berlins.
1917 beschäftigte der AEG-Konzern bereits knapp 90.000 Mitarbeiter, darunter einige Tausend auch in Österreich in der 1904 gegründeten AEG-Union.
Damals errang AEG Weltgeltung und konnte sich leisten, mit dem amerikanischen General Electric Konzern die Welt quasi aufzuteilen.
Rechtzeitig hatte man von Kriegs- auf Friedensproduktion umgestellt und die Geltung von Made in Germany fußte zu einem guten Teil auf der AEG.
Weitblick und strategische Planung führten beispielsweise zur Zusammenlegung der Glühlampenfabriken von AEG, Siemens und der Auer-Gesellschaft zur damals größten Glühlampenfabrik Europas, Osram.
Und wie es um das Selbstverständnis der AEG auch nach dem Zweiten Weltkrieg stand, zeigt vielleicht, dass man trotz der Zerstörung von rund 90% der Fabriksanlagen bereits 1952 wieder die Dividendenzahlung aufnahm und auch die AEG-Anleihe von 1943 rückwirkend ab 1944 wieder verzinste.
Es war dies der Stil einer AEG, die bahnbrechende Entwicklungen für den Drehstrommotor aufweisen konnte oder die das Magnetophon erfunden hatte.
Auch unser PAL-Farbfernsehsystem ist eine Entwicklung von AEG-Telefunken.
In den 60er Jahren wurde aber wieder auf massive Expansion geschaltet.
Das ständige Maßnehmen am etwa doppelt so großen Konkurrenten Siemens brachte insbesondere mit den Verlusten aus dem Atomreaktor-Geschäft ständig steigende Kreditkosten für das Unternehmen mit sich.
Es bedurfte dann nur mehr des Anstoßes der allgemeinen Wirtschaftskrise, um die Schwierigkeiten auch nach außen hin sichtbar werden zu lassen.
Mit dem Ausgleich und dem Gesundheitsschrumpfen der AEG ist hier vorerst einmal ein Schlussstrich gezogen.
Aber für die bemerkenswerte Zähigkeit der AEG mag das Beispiel der österreichischen AEG-Tochter sprechen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die österreichische AEG als ehemaliges deutsches Eigentum, als Usia-Betrieb geführt worden und wurde nach dem Abzug der Besatzungsmächte verstaatlicht.
1959 wurde dann die verstaatlichte AEG-Union mit der gleichfalls verstaatlichten ELIN fusioniert.
Es entstand die ELIN-Union.
159 der damaligen etwa 1000 AEG-Beschäftigten entschlossen sich, vor 24 Jahren noch einmal von vorne zu beginnen.
Es wurde die österreichische AEG Telefunken gegründet.
51% des Aktienkapitals teilten sich das Grazer Bankhaus Grenzschka und die Zentralsparkasse, 49% die internationale AEG Holding in Zürich.
Aus diesen 159 Leuten wurden rund 1400, deren Produktionsschwerpunkt heute im Anlagenbau, insbesondere Starkstrom und Hochspannungstechnik liegt.
Diese Firmenkonstruktion und Firmengeschichte erklärt auch, warum die österreichische AEG Telefunken von den internationalen Viren rund um die AEG kaum betroffen ist.
Dazu ist AEG in Österreich auch noch mit drei direkten Fabriken vertreten, nämlich in Vöklarbruck, Braunau und Steyr, wo vor allem elektronische Bauelemente von etwa 1000 Beschäftigten erzeugt werden.
Die österreichischen Verantwortlichen bei der AEG sind jedenfalls optimistisch.
Nicht zuletzt, weil man eben hierzulande schon schlimmer ist, als den jetzigen Ausgleich der deutschen AEG erlebt hat.
100 Jahre AEG, Helmut Glitzander hat diesen Beitrag gestaltet.
Elf Minuten vor eins zum Thema Kulturpolitik.
Und zwar zum Motto, die Angst eines kommunistischen Regimes vor der Macht der Schreibmaschinen.
Denn mit einer Art Schreibmaschinenerlass möchte der rumänische Staats- und Parteichef Nikolaus Ceausescu unbotmäßige Schriftsteller und die in Rumänien weit verbreitete Untergrundliteratur zum Schweigen bringen.
Dazu ein Beitrag von Friedrich Orta.
Die Glut der Blume in seiner Hand bringt Kanonen und Atombunker zum Schmelzen.
Als Waffe dient ihm das Wort.
Mit der Macht des Wortes beitscht er die Angst, die den Aufruhr des Meeres verursacht.
Ein Gedicht von einem gewissen Gheorghe Pitut, mit dem Titel »Der Mensch«.
Dieser Mensch ist niemand anderer als Nikolai Ceausescu, Rumäniens Staats- und Parteichef.
Lobpreisungen, wie die soeben zitierte, sind dem allmächtigen Kondukator stets willkommen.
Schreiben und Publizieren kann aber auch strafbar werden, vor allem für jene, die anderes im Sinn haben.
Privatpersonen müssen künftig den Besitz jeglicher Druckvorrichtungen anmelden und eingehende Sicherheitsanalysen der Polizei abwarten.
Wer vorbestraft ist oder sich regimekritischer Aktivitäten schuldig gemacht hat,
darf überhaupt keine Schreibmaschine mehr besitzen.
Der Ankauf neuer Modelle ist mit polizeilicher Genehmigung nur noch staatlichen Stellen erlaubt.
Ceausescus' Ehrgeiz ist es offenbar, seine Kritiker mögen sich jetzt mit Bleistift und Federkiel die Finger wundschreiben.
Immer wieder waren in den vergangenen Jahren Flugblätter mit oppositionellen Parolen in Umlauf gebracht worden.
Denn die staatlich kontrollierten Medien beschwören mit gleichförmiger Monotonie die heile rumänische Welt.
Kein Wort über die 10,5 Milliarden Dollar Auslandsverbindlichkeiten, über überfällige Lieferantenschulden, über die dem Land drohende Liefersperre bei Rohstoffen und halbfertig waren.
Dafür, um ein Beispiel wahllos herauszugreifen, als Aufmacher Meldungen des Inhalts, dass in der Vorwoche weitere sechs Landeskreise den Maisanbau abgeschlossen und darüber in Telegrammen den Genossen Nicolao Ceaușescu informiert hätten.
Widerstand gegen diese Zustände gibt es vereinzelt und spontan.
Gerüchte über gescheiterte Attentatsversuche auf Ceaușescu oder die Erstürmung von Parteilokalen machen die Runde.
Aber jede noch so kleine Oppositionsgruppe hat der Sicherheitsdienst Securitate rasch unter Kontrolle.
Die unabhängige Gewerkschaft SLOMR wurde ebenso zerschlagen wie die Streikvertretung der Bergarbeiter im Schieltal.
Der Kritiker Stefanescu hat bedauert, dass so ziemlich alles, was zum spezifisch europäischen Kult des Individuums gehört, aus der rumänischen Presse verschwunden sei.
dass die überschäumende Fröhlichkeit der von Ceausescus Vorgänger Georg Goudetsch eingeleiteten kulturpolitischen Liberalisierung der 60er-Jahre jetzt fehle.
Aber warum, ist man versucht zu ergänzen, sollte diese Fröhlichkeit von Literaten auch noch erfunden werden, wenn der Alltag 83 doch die besten Satiren schreibt.
Zum Beispiel diese.
Dorfbewohner, die nebenbei private Landwirtschaft betreiben, müssen Eier abliefern, auch wenn sie wegen Futtermangel keine Hühner halten können.
Sie kaufen die Eier in der Stadt und bringen sie dort später vorschriftsmäßig wieder auf den Markt.
Im Mittelpunkt unseres zweiten Kulturbeitrags heute Mittag steht die Brecht-Tochter Hanne Hiob.
Die 60-jährige Hanne Hiob ist die Tochter Brechts aus seiner ersten Ehe mit der Sängerin Marianne Zoff.
Als sie fünf Jahre alt war, 1928, heiratete Marianne Zoff den Schauspieler Theo Lingen und so wuchs Hanne in Wien auf.
Sie wurde zunächst Tänzerin an der Wiener Oper und machte dann eine Schauspielausbildung.
Kontakt mit dem Vater Bert Precht gab es erst wieder nach dem Krieg 1947 in der Schweiz.
Bis heute hat sie auf dem Theater und im Fernsehen so ziemlich alle Prechtfrauen dargestellt und seit zwölf Jahren stellt Hanne Hiob selbst Prechtabende zusammen.
Diese Woche liest sie nun in Wien.
Morgen am 20.
April, ganz bewusst zu Hitlers Geburtstag, und am 21. in der Kulisse am 24. und 25.
April im Volkstheaterstudio.
Den folgenden Beitrag dazu hat Hermine Amberger gestaltet.
Außer dass mir seine Genialität fehlt, bin ich ihm ziemlich ähnlich, glaube ich.
Ich lese gern Krimis wie er und ich trinke gern Bier am Abend ein bisschen.
Und auch vielleicht noch ein bisschen was anderes.
Hanne Hiob über ihre Ähnlichkeit mit ihrem Vater Berthold Brecht.
Sehr viel mehr ist aus ihr über das Vater-Tochter-Verhältnis nicht herauszulocken.
Das sei uninteressant, meint sie.
Interessanter sei ihre Arbeit.
Hanne Hiob, von Beruf Schauspielerin, lebt seit 1971 ohne fixes Engagement.
Damals war aus politischen Gründen der Dramaturkeiner Kippert von den Münchner Kammerspielen gefeuert worden.
Hanne Hiob zog die Konsequenzen und ging ebenfalls freiwillig.
Seither macht sie regelmäßig Prechtprogramme.
Ohne theoretischen Anspruch auf eine wissenschaftlich untermauerte Prechtdeutung.
Man glaubt, dass es eine prächtische Interpretation ist.
Das heißt, Ihre Interpretation ist die richtige Prechtinterpretation?
Jedenfalls ist sie eine Prechtinterpretation.
1979 organisierte sie eine Tournee mit dem Prechtgedicht Der anachronistische Zug oder Freiheit und Democracy durch deutsche Städte gegen die Wahl von Carstens zum Bundespräsidenten.
Den Mitgliedern der Gruppe wurden eine Reihe von Prozessen angehängt, wegen Beleidigung der Justiz, des Militärs und anderer Obrigkeiten.
Sie selbst blieb von der Prozesswelle verschont.
Aber es wurde still um sie.
Vorher war sie vielbeachtete Darstellerin vieler Brecht-Rollen.
Und jetzt?
Die Presse schweigt mich tot.
Jetzt mit meinen Abenden hat mich also fast tot geschwiegen durch die BRD.
Auch die Interviews, die ich gemacht habe, wurden dann nicht gesendet.
In ihren Brecht-Programmen will Hanne Hiob den ganzen Brecht, den ungeteilten, zeigen.
Es gebe keinen politischen Precht und einen Lyrikerprecht, meint sie.
Auch seine Lyrik sei politisch.
In diesem Sinn ist auch ihr Programm zusammengestellt, das sie in Wien zeigen wird.
Der Schoß ist furchtbar noch.
In der Kriegsfibel heißt es dann noch, aus dem das groch.
Mit diesem Programm war ich jetzt sechs Wochen auf Tournee vor den Bundestagswahlen in der BAD.
Hier nenne ich es »Lehnen Sie sich ruhig zurück«.
Das ist aus dem Gedicht »Der Plattkopf«.
Das ist eine einzige Warnung vor dem überall wieder aufblühenden Faschismus.
und dagegen zum Kampf aufrufend mit Brechts Worten, da er seine Lyriker gebraucht wissen wollte.
Die Kunst zur Waffe gegen den Faschismus sozusagen.
Dazwischen habe ich immer wieder Gegenüberstellungen zu heute von Fakten, die schon wieder passieren und die nur Brechts Aktualität beweisen.
Und ich spreche dann noch über die Boykotts gegen ihn heute schon wieder.
Und das wundert einen nicht, wenn man weiß, dass Kultusminister Mayer über die Grenzen der Kunst spricht und
Bei Meinung hört die Freiheit auf.
Ja, wir sind schon wieder soweit, dass Theater kein Beitrag zur Meinungsbildung sein darf.
Und wie Sie ja sicher wissen, sprach ja auch Franz Josef Strauss am 30.
Januar, ja, am 30.
Januar, schon wieder von entarteter Kunst, von kultureller Entartung.
Die Precht-Tochter Hanne Hiob, sie liest ab morgen Texte von Precht in Wien.
Und im Mittagsschanal ist gerade noch Zeit für die Schlussmeldungen.
Libanon.
Die Opferbilanz nach dem schweren Sprengstoffanschlag auf die amerikanische Botschaft in Beirut dürfte sich noch beträchtlich erhöhen.
Unter dem Schutt des zerstörten Botschaftsgebäudes wurden weitere 20 Leichen gefunden.
Bisher wurde der Tod von 39 Personen bestätigt.
Mehr als 100 Personen erlitten Verletzungen.
Nach Angaben von Ministerpräsident Al-Wassan verfügt die Regierung in Beirut über gewisse Informationen über die Attentäter.
Zu dem Anschlag haben sich bis jetzt drei Organisationen bekannt.
Polen.
Der Druck der Polizei auf Arbeiterführer Lech Walesa verstärkt sich.
Walesa muss heute neuerlich über seine Begegnung mit der Untergrundführung der verbotenen Gewerkschaft Solidarität aussagen.
Gestern wurde er auf der Fahrt von Danzig nach Warschau angehalten und erst nach Stunden wieder freigelassen.
Bundesrepublik Deutschland.
Die Polizei hat einen Bürger der DDR festgenommen, der als Journalist den Wirtschaftsexperten der SED Politbüro-Mitglied Günter Mittag in die Bundesrepublik Deutschland begleitet hat.
Nach einem Bericht der Tageszeitung Die Welt wird der angebliche Journalist dringend verdächtigt, für einen östlichen Geheimdienst zu arbeiten.
Gegen den Mann soll bereits seit 1980 ein Haftbefehl vorliegen.
Österreich Bundeskanzler Kreisky hat sich heute über den Ausgang der Nationalratswahlen am kommenden Sonntag zuversichtlich gezeigt.
Zur Kandidatur der Grünen meinte der Kanzler er glaube nicht, dass diese Partei den Sprung ins Parlament schaffen werde.
Nach dem Mord an seiner Frau und seinen Schwiegereltern hat der 38-jährige Karl Resch aus Leeobersdorf im Bezirk Baden selbst Mord verübt.
Er dürfte zunächst seine Frau in ihrem Auto erschossen haben.
Seine Tochter erlitt dabei leichte Verletzungen.
Karl Resch brachte das Mädchen zu seinen Eltern.
Anschließend fuhr er zu seinen Schwiegereltern nach Bad Vöslau und erschoss sie.
Heute früh wurde er tot aufgefunden.
Motiv der Tat war offenbar die bevorstehende Scheidung.
Und zuletzt die Wetteraussichten für Österreich.
Unterschiedlich bewölkt, im Westen und Süden zeitweise Regen.
Nachmittagstemperaturen 15 bis 22 Grad.
Die nächste Journalsendung des aktuellen Dienstes ist das Abendjournal um 18 Uhr in den Programmen Österreich 1 und Österreich Regional.
Für das Team des Mittagjournals verabschiedet sich Werner Löw.