Mittagsjournal 1979.03.10

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    KI-generiertes Transkript

    Untertitel der Amara.org-Community
    Und hier meldet sich wieder einmal der aktuelle Dienst.
    Guten Tag, meine Damen und Herren.
    Redakteur im Studio ist Herbert Dobrowolny.
    Wir wollen Sie in den nächsten 60 Minuten wieder über die Geschehnisse im In- und Ausland informieren.
    Zu Beginn des Mittagsjournals wie immer die Inhaltsangabe.
    Das zumindest in Wien strahlende Wetter wird auch bei den Spitzenfunktionären der österreichischen Volkspartei ein Stimmungshoch ausgelöst haben.
    Die ÖVP veranstaltet ja heute ihren Österreich-Kongress, der am Vormittag mit einem Marsch vom Heldenplatz zum Stephansplatz begonnen hat.
    Angeblich jetzt schon 5.000 Teilnehmer des ÖVP-Parteitages.
    Sicher wegen wenig frühlingshafter Temperaturen mehr oder minder frierend.
    Im Knopfloch einen gelben Märzenbecher als Ersatz für die konventionelle Delegiertenkarte.
    Begeisternd sich am Slogan 6.
    Mai Volkspartei hier vor dem Wiener Stephansturm, wo vor wenigen Minuten Parteichef Taus mit seinen Ausführungen begonnen hat.
    Sinn der Veranstaltung ist es ja einen neuen Frühling für Österreich zu signalisieren, so steht es jedenfalls auf den Wahlplakaten.
    Wettermäßig dürfte ja der Frühling schon angebrochen sein.
    Unsere Reporter sind jedenfalls dabei und werden Sie dann nach den Nachrichten direkt über diese Veranstaltung der ÖVP informieren.
    Das wichtigste Auslandsereignis spielt sich ja derzeit in Ägypten ab, wo der amerikanische Präsident Carter seine Auffassungen und Vorschläge für einen Nahostfrieden dem ägyptischen Präsidenten Sadat mitteilt.
    Wir hoffen auch während der Sendung auf einen Kontakt mit unserem Mitarbeiter in Kairo.
    Außerdem berichten wir über den Staatsbesuch des französischen Staatspräsidenten Giscard d'Estaing in Rumänien und über eine Zuspitzung des Klimas zwischen Khomeini und Basargan im Iran.
    Im Kulturteil hören Sie Berichte über einen Hermann-Broch-Veranstaltungsvormittag im Akademietheater und über die Aufführung von Prächt-Liedern und moderner Musik durch die ostdeutsche Sängerin Rosevita Drexler in Hall in Tirol.
    Nun aber zu den Meldungen aus aller Welt.
    Chef vom Dienst ist Raimund Heller, Sprecher Wilfried Schirrlbauer.
    Österreich.
    Mit einem sogenannten Österreich-Kongress, einem auf verschiedenen Plätzen der Wiener Innenstadt unter freiem Himmel abgewickelten außerordentlichen Parteitag, eröffnet die Volkspartei heute offiziell den Wahlkampf für die Nationalratswahlen am 6.
    Mai.
    Parteiobmann Taus begrüßte auf dem Platz vor der Wiener Hofburg die 700 Parteitagsdelegierten und mehrere hundert schaulustige Wiener.
    ÖVP-Generalsekretär Lanner fasste in einer Ansprache die wichtigsten Aussagen der gestern präsentierten Wahlplattform der Volkspartei zusammen und meinte, der Staat dürfe bei der Verwirklichung seiner Aufgaben nicht der allmächtige große Bruder, sondern er müsse die Gemeinschaft aller Bürger sein.
    Nach Ansicht Lanners kommt der Wahl am 6.
    Mai dieselbe Bedeutung zu wie dem Wiederaufbau Österreichs im Mai 1945 und dem Staatsvertrag zehn Jahre später.
    ÖVP-Obmann Taus meinte in seiner Schlussansprache auf dem Stephansplatz, die Österreicher seien aufgerufen, am 6.
    Mai einen Schlussstrich unter eine Zeit der Verunsicherung, der Bürokratisierung und der gebrochenen Versprechen zu ziehen.
    Handelsminister Staribacher sprach heute auf einer Tagung des Karl-Renner-Instituts in Wien über sozialdemokratische Wirtschaftspolitik und meinte, hier gelte der Grundsatz, so viel Markt wie möglich und so viel Planung wie notwendig.
    Unbeschränkte Marktwirtschaft würde nach den Worten Staribachers zur Zerstörung der Wahlfreiheit der Konsumenten durch die Marktbeherrschung übermächtiger Anbieter und damit zur Monopolbildung führen.
    Eine zentrale Planwirtschaft würde einen wirksamen Wirtschaften unmöglich machen und die Freiheit des Menschen gefährden.
    Aus diesem Grund sei die sozialdemokratische Marktwirtschaft, wie der Handelsminister sagte, die einzige zukunftsbezogene und funktionsfähige Form der Marktwirtschaft.
    Ägypten.
    Der amerikanische Präsident Carter und der ägyptische Staatspräsident Sadat haben heute in Alexandria ihre Gespräche über den Stand der Friedensverhandlungen mit Israel fortgesetzt und sind anschließend nach Kairo zurückgekehrt.
    Am Abend wird Carter nach Jerusalem weiterreisen.
    Nach amerikanischen Angaben haben die Gespräche in Alexandria Fortschritte gebracht, doch gibt es noch immer ungelöste Probleme.
    Der israelische Ministerpräsident Begin hat gestern betont, selbst wenn Katar mit einer positiven Antwort Ägyptens auf die neuen amerikanischen Vorschläge nach Jerusalem kommen sollte, könne ein Friedensvertrag nicht sofort unterzeichnet werden.
    Jordanien.
    Nach dem Bericht der Tageszeitung Al Rai wird der amerikanische Außenminister Vance in den nächsten Tagen nach Amman kommen, um die Regierung über die Ergebnisse der Gespräche Präsident Carters in Ägypten und Israel zu informieren.
    Anschließend wird Vance nach Saudi-Arabien weiterreisen, um auch die Regierung in Riyadh über den Ausgang der Verhandlungen zu unterrichten.
    Nahe Osten.
    In Westjordanien ist es heute zu einem Zusammenstoß zwischen einer israelischen Militärpatrouille und palästinensischen Freischärlern gekommen, wobei vier Fedayeen erschossen wurden.
    Nach Angaben eines israelischen Armeesprechers wurden bei den Palästinensern Sprengstoff und Munition gefunden, sowie Dokumente, aus denen hervorgeht, dass sie die Absicht hatten, israelische Geiseln zu nehmen.
    Die israelischen Streitkräfte sind wegen des bevorstehenden Besuchs Präsident Carters in Israel seit Tagen in erhöhter Alarmbereitschaft.
    Indochina.
    Vietnam hat den chinesischen Invasionstruppen vorgeworfen, bei ihrem Rückzug aus vietnamesischem Territorium eine Politik der verbrannten Erde zu betreiben und die geräumten Gebiete systematisch zu zerstören.
    Ein Sprecher des Außenministeriums in Hanoi meinte, der Abzug werde in voller Absicht verzögert, um den chinesischen Soldaten die Möglichkeit zu geben, zu plündern und zu morden.
    Chinesische Regierungsbeamte bestätigten den schleppenden Rückzug der eigenen Truppen.
    Sie begründeten dies mit ständigen Angriffen der Vietnamesen.
    Die Provinzhauptstadt Cao Bang soll noch von chinesischen Truppen besetzt sein.
    Artilleriegefechte werden auch aus dem Gebiet von Phu Lu am Roten Fluss, etwa 35 Kilometer im Inneren von Vietnam, gemeldet.
    Iran.
    In Teheran ist es auch heute wieder zu einer Demonstration tausender Frauen gegen das von den islamischen Gesetzen vorgeschriebene Tragen des Schleiers gekommen.
    Nach Berichten von Augenzeugen wurden mehrere Frauen von fanatischen Islam-Anhängern mit Messern attackiert.
    Indien.
    Der sowjetische Ministerpräsident Kassigin hat heute in Neu-Delhi seine Gespräche mit dem indischen Regierungschef Desai fortgesetzt.
    Nach indischen Angaben ist die Sowjetunion bereit, über die zusätzliche Lieferung von 600.000 Tonnen Rohöl an Indien zu verhandeln.
    Moskau hatte bereits eineinhalb Millionen Tonnen zugesagt.
    Das zusätzliche Kontingent soll durch Reiskäufe der Sowjetunion in Indien bezahlt werden.
    Bundesrepublik Deutschland.
    Die deutschen Gewerkschaften sind nach Ansicht des DGB-Vorsitzenden Vetter nach der Ablehnung der Mitbestimmungsklage der Arbeitgeber eher in der Lage, ihren Frieden mit dem System zu machen und sich in die Gesellschaft zu integrieren.
    Vetter sagte in einem Interview, durch das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes in Karlsruhe seien die Möglichkeiten der Gewerkschaften gestärkt worden, Wirtschaft und Gesellschaft mitzugestalten.
    Für die Gewerkschaften sei es ungeheuer wichtig, dass das Eigentum in der Wirtschaft durch die Arbeitnehmer kontrolliert werden könne.
    Frankreich.
    Die populäre Politikerin und Leiterin des Gesundheitsressorts in der französischen Regierung, Simone Weil, scheidet aus dem Kabinett aus und wird die Liste der Union für die französische Demokratie für die Direktwahlen zum Europäischen Parlament am 10.
    Juni anführen.
    Diese Entscheidung hat der Staatspräsident Giscard d'Estaing nahestehende Partei jetzt getroffen.
    Bei allen Meinungsumfragen der vergangenen Monate rangierte Madame Weil in der Wählergunst vor allen anderen französischen Ministern.
    Sie wurde auch über die Grenzen ihres Heimatlandes wegen ihrer Anti-Raucher-Kampagne bekannt.
    Schweiz.
    Die internationalen Fluggesellschaften wollen noch in diesem Monat über eine Erhöhung der Passagier- und Frachttarife beraten.
    Als Begründung wird von der IATA, dem Internationalen Verband der Fluggesellschaften, der starke Anstieg der Treibstoffkosten angeführt.
    Die Beratungen beginnen am 28.
    März.
    Von den 104 IATA-Mitgliedern haben bis jetzt 80 ihre Teilnahme an der Konferenz zugesagt.
    Die letzte derartige Tagung hatte 1973 stattgefunden.
    Damals hatten die Fluggesellschaften ihre Tarife wegen der Verdoppelung der Rohölpreise durch die OPEC-Staaten allgemein angehoben.
    USA.
    Ein Bundesrichter in Milwaukee, Bundesstaat Wisconsin, hat einer Fachzeit Schrift auf Antrag des Justizministeriums in Washington die Veröffentlichung eines Artikels untersagt, in dem eine Anleitung zum Bau einer Wasserstoffbombe enthalten war.
    Nach der einst weiligen Verfügung will der Richter am kommenden Freitag darüber entscheiden, ob das Verbot für Dauer gelten soll.
    Das Justizministerium hatte in der Klageschrift die Auffassung vertreten, der Artikel enthalte geheime Informationen, deren Veröffentlichung schwerwiegende und nicht wiedergutzumachende Schäden für die Sicherheit der Vereinigten Staaten nach sich ziehen würde.
    Durch den Bericht könne zur Ausbreitung von Atomwaffen beigetragen werden.
    Die Anwälte des Magazins äußerten die Ansicht, der Artikel enthalte keine Einzelheiten, die nicht der Allgemeinheit ohnehin zugänglich seien.
    Frankreich.
    Korsische Separatisten haben in der vergangenen Nacht auf der Mittelmeerinsel mehr als 20 Bombenanschläge gegen Banken verübt.
    Die Sprengsätze, die kurz nach Mitternacht innerhalb von einer Stunde detonierten, richteten schweren Sachschaden an.
    Vor den Bankfilialen fand die Polizei Flugblätter, auf denen sich die Untergrundorganisation Korsische Nationale Befreiungsfront zu den Anschlägen bekennt.
    Banken, Finanzämter und andere staatliche Einrichtungen gehören zu den bevorzugten Zielen der Befreiungsfront, die seit Jahren die Unabhängigkeit Corsikas von Frankreich fordert.
    Das waren die Meldungen.
    Die Wetterlage.
    Der Alpenraum liegt im Bereich einer stürmischen Nordwestströmung.
    Mit dieser werden in rascher Folge atlantische Störungsausläufer über unser Bundesgebiet hinweg gesteuert.
    Die Wetteraussichten bis morgen früh.
    Am Alpennordrand meist starke oder geschlossene Bewölkung und verbreitet Niederschlag.
    Schneefallgrenze um 700 Meter.
    Im übrigen Bundesgebiet rasch veränderliche Bewölkung und wiederholt Regenschauer.
    Stürmische Winde aus Nordwest.
    Nachmittagstemperaturen je nach Bewölkung 3 bis 8 Grad.
    Frühtemperaturen morgen minus 2 bis plus 4 Grad.
    Die Prognose für morgen.
    An der Alpen-Südseite zum Teil aufgelockert bewölkt, sonst veränderliche, am Alpen-Nordrand vielfach auch starke Bewölkung und strichweise Niederschlag.
    Lebhafte westliche Winde.
    Tageshöchsttemperaturen 4 bis 9 Grad.
    Die Messwerte von 12 Uhr.
    Wien, heiter, 5 Grad, Nordwestwind 50 Kilometer in der Stunde, Spitzenböen bis 80 Kilometer.
    Eisenstadt, wolkig, 8 Grad, West 65, Spitzenbiss 80 Kilometer in der Stunde,
    Linz stark bewölkt, 5°, West 40°, Salzburg stark bewölkt, 3°, Nordwest 20°, Innsbruck stark bewölkt, 5°, Ost 25°, Bregenz bedeckt, 4°, West 5°, Graz stark bewölkt, 8°, Nord 25°, Klagenfurt stark bewölkt, Regenschauer 6°, Südwestwind mit einer Geschwindigkeit von 5 km in der Stunde.
    Soweit also die Nachrichten und der Wetterbericht im Mittagsjournal zum Zeitvergleich.
    Es war soeben 12 Uhr und 12 Minuten, drei Minuten vor Viertel Eins.
    Eine Woche nach dem sozialistischen Wahlparteitag in Linz setzt heute auch die ÖVP einen spektakulären Start für den Wahlkampf für die Nationalratswahlen am 6.
    Mai.
    Zur Präsentierung ihres Wahlprogramms, der sogenannten Wahlplattform, hat sich die Volkspartei dabei diesmal etwas Besonderes einfallen lassen.
    Sie verlegte ihren Wahlparteitag unter freiem Himmel.
    Auf mehreren Plätzen in der Wiener Innenstadt ist dieser sogenannte Österreich-Kongress seit heute Vormittag im Gang.
    Mit einem Direktbericht melden sich nun Zita Bernardi und Erich Aichinger.
    Vor dem Hauptparteial des Wiener Stephansdomes haben wir unseren Funkwagen, den Schnellreportagewagen, platziert, aus dem ich mich jetzt melde.
    Zur Linken der Dom, zur Rechten eine Tribüne, von der Oppositionsführer Taus spricht.
    Ich hoffe, Sie hören es im Hintergrund.
    Mehrere Tausend Teilnehmer, angeblich jetzt schon 5.000, darunter 800 Delegierte lauschen dem Schlusspunkt dieses Parteitags im Freien.
    der der ÖVP, so das Wahlziel, wieder zur bestimmenden Kraft im Land verhelfen soll.
    ÖVP-Obmann Taus hat soeben erklärt, unsere Alternativen, die Alternativen der Volkspartei garantierten, dass die Verschwendungspolitik beendet werde.
    Er werde bei jeden Hunderter und bei jeden Tausender hart verdienten Steuergeldern sparen und so weiter.
    Wir blenden uns jetzt live in die Rede des ÖVP-Obmannes ein.
    mit dem jeder weiß, dass er selbst mitarbeiten muss, dass seine Leistung dazu beiträgt, Österreich stark zu machen.
    Und ich bekenne es hier, wir glauben in dieser Volkspartei an den Fortschritt, an den menschlichen und an den materiellen Fortschritt.
    Und wir glauben an unsere Jugend und an die Kraft und an die Stärke dieses österreichischen Volkes.
    Und die Bundesländer, in denen die Volkspartei die Verantwortung trägt, haben bewiesen,
    dass es uns ernst ist mit unseren Vorschlägen und dass wir sie in die Tat umsetzen können.
    Warum haben denn Sie weniger finanzielle Schwierigkeiten als die Republik Österreich?
    Das kann doch nur einen Grund haben, dass überall dort, wo diese österreichische Volkspartei regiert, sparsam und vernünftig regiert und gewirtschaftet wird.
    Wir können eben wirtschaften.
    Wir wissen, wie man mit dem Geld anderer Leute umgeht.
    Und darum bekennen wir uns zum Föderalismus in Österreich.
    Und heute haben Vertreter aller neun Bundesländer, die Landeshauptleute und Landesparteiobleute zu uns gesprochen.
    Und sie alle haben von ihren Problemen und Sorgen gesprochen.
    Und wir stehen nicht auf dem überheblichen Stand.
    Soweit also Original-Ausschnitte eben aus einer Ansprache von ÖVP-Obmann Taus.
    Fast drei Stunden Pilgerweg bis hierher, bis zur sechsten und letzten Station vor den Heidentürmen der Wiener Stephanskirche haben die, wenn man den Angaben der Polizei folgt, nun 5000 Teilnehmer zurückgelegt.
    Zwei Kilometer Wegstrecke bei böigem Wind und wenigen Plusgraden.
    Keine Kleinigkeit vor allem Mitglieder von Trachtengruppen in kurzen Lederhosen.
    Wie war es nun am Vormittag?
    Wir blenden kurz zurück.
    Wien, Heldenplatz, heute Vormittag um 9.30 Uhr früh, Auftakt zur großen Freiluftpartei-Veranstaltung der ÖVP.
    Der Wettergott macht zwar nur teilweise mit, es spannt sich zwar ein strahlend blauer Himmel über die Wiener Innenstadt, aber es weht ein eiskalter, sehr scharfer Wind und es war offensichtlich gut, dass die Volkspartei ihre Einladung zu diesem Parteitag mit dem Zusatz versehen hat, man soll sich mit warmer Kleidung schützen.
    Man sieht hier einige frierende Trachtengruppen.
    Etwa 800 Delegierte und weitere mehrere hundert Gäste haben sich hier auf dem Heldenplatz versammelt.
    Das konzertiert seit etwa einer knappen halben Stunde eine Musikkapelle, äußerer Rahmen, äußerer Auftakt für diese Parteiveranstaltung, deren erster Programmpunkt eine Ansprache von ÖVP-Generalsekretär Sixtus Lanner ist.
    Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freunde,
    Wie ich in der Früh gekommen bin, meinten einige zu mir, ein kalter Tag, ein stürmischer Tag.
    Wissen Sie, was ich Ihnen gesagt habe?
    Das macht uns überhaupt nichts.
    Wir sind eine sturmerprobte Partei.
    Wir überstehen auch dieses.
    Die Sonne scheint heute und sie wird auch am 6.
    Mai scheinen.
    Zum dritten Mal
    In der Zweiten Republik fehlt eine wichtige Entscheidung im Mai.
    Im Mai 1945 begann der Wiederaufbau unter Leopold Fiegl.
    Im Mai 1955 haben wir unter Julius Raab den Staatsvertrag und damit die Freiheit bekommen.
    Und im Mai 1979 wollen wir mit Josef Taus an der Spitze wieder bestimmende Kraft in Österreich werden.
    Nach diesen historischen Reminiszenzen und einem recht optimistischen Ausblick auf den 6.
    Mai präsentierte Lanner dann in Kurzfassung die Wahlplattform der Partei den neuen Frühling für Österreich, wie es in der Parteidiktion heißt.
    Ein Parteifunktionär meinte zwar unter Hinweis auf die recht frostigen Temperaturen, dass man heute zwar nicht von einem Frühling sprechen könne, aber ein frischer Wind für Österreich tue es ja auch und dieser frische Wind hat dann die Delegierten auch
    auf ihrem Marsch zur ersten Station des Umzugs durch die Wiener Innenstadt auf den Ballhausplatz begleitet.
    Mittlerweile ist es 10 Uhr geworden.
    Der Durchzug durch die Stadt ist am Ballhausplatz angelangt, der ersten Station des großen Bundesländerreigens hier bei dieser Freiluftpartei-Veranstaltung.
    Und zwar stehen auf dem Programm Ansprachen des oberösterreichischen Landeshauptmannes
    Ratzenböck und seines steirischen Kollegen Niederl und wir blenden uns jetzt ein bisschen in die Rede Niederls ein.
    die wir anlässlich der Nationalratswahlen verbinden wollen.
    Am 6.
    Mai Volkspartei hat es geheißen und heißt es auf den Plakaten.
    Und warum?
    Wir wollen eines nach dem 6.
    Mai, dass hier von diesem Ballhausplatz weg nicht mehr nur für eine politische Partei, sondern für alle Österreicher regiert wird, meine sehr verehrten Damen und Herren.
    Ja, meine Damen und Herren, wir sind jetzt im Zeitplan schon ein bisschen fortgeschritten.
    Vom Ballhausplatz bewegte sich der Zug zum Michaelerplatz, wo das zweite Bundesländer-Doppel auf dem Programm stand, der niederösterreichische Landeshauptmann Maurer und der burgenländische Landeshauptmann-Stellvertreter Sauerzopf.
    Beide Politiker mit Kurzeinsprachen, die ein bisschen landespolitischen Bezug hatten, deren Motto aber doch immer wieder war, am 6.
    Mai Volkspartei.
    Es ist nun kurz vor 11 Uhr und wir gehen jetzt vom Michaelerplatz zum Graben.
    Die Straßen sind schon ein bisschen gesäumt von Zuschauern, junge Mädchen verteilen Blumen und der Zug ist jetzt schon auf etwa 3.000 Personen angewachsen, wurde mir gesagt.
    Nächste Station ist die Festzäune am Graben, die Bundesländer Tirol und Vorarlberg mit dem Innsbrucker Bürgermeister Luca und dem Vorarlberger Landeshauptmann Kessler.
    Es ist das Bekenntnis zur Förderung der kleinen Gemeinschaften, der privaten und der halb privaten Institutionen und Einrichtungen in allen Lebensbereichen.
    Und meine lieben Wienerinnen und Wiener, es ist vor allem auch das kompromisslose Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft.
    Nach dem Grundsatz, so viel wirtschaftliche Freiheit wie möglich,
    und nur so viel staatlicher Eingriff als im Interesse der sozialen Sicherheit notwendig.
    Und dieser Glaube an einen Wahlerfolg am 6.
    Mai, der war auch bezeichnend für die weiteren Stationen.
    Lassen Sie mich noch kurz zusammenfassen, was Parteiobmann Taus vor unserer Einblendung etwa meinte.
    Die SPÖ, sagt er, sei nur noch ein Verein zur Erhaltung der eigenen Macht.
    Auch das Blumenelement, das ja den Wahlkampf zeichnet, fehlte nicht in der Taus-Rede.
    Eine starke Volkspartei, sagte er, sei die Garantie dafür, dass sozialistische Bäume nicht in den Himmel wachsen.
    Personell attackierte er nur zwei Personen vom politischen Gegner, nämlich Bundeskanzler Kreisky und ÖGB-Präsident Benja.
    ÖGB-Präsident Benja etwa mit der Bemerkung, dass die Österreicher heute fünfmal so viel Lohnsteuer an den Finanzminister zahlten als 1970.
    Und von diesen Schulden und Defiziten habe der Präsident des österreichischen Gewerkschaftsbundes schlicht und unverblümt gesagt, diese Schulden und Belastungen müssten eben die nachfolgenden Generationen tragen müssen.
    Die ÖVP, so sagte Taus, verspreche keine goldenen Berge und kein Schlaraffenland, aber sie verspreche Chancen und Entfaltungsmöglichkeiten für die Zukunft.
    Die ÖVP trage den Kopf hoch, aber nicht die Nase.
    Sie habe in den Jahren der Opposition manche bittere Lektion lernen müssen und sie habe gelernt.
    Sie sei daran nicht zerbrochen, im Gegenteil, sie sei stärker geworden, einiger und zielbewusster.
    Und jetzt nach einem kurzen Schlusswort des Wiener ÖVP-Landeshauptstellvertreters Bussek und Landesparteiobmannes ist mit der Bundeshymne der außerordentliche Parteitag, der Wahlparteitag der ÖVP vor dem Wiener Stephansdom zu Ende gegangen.
    Ich beende meine Reportage und gebe zurück zum Funkhaus.
    Reporter waren Zita Bernardi und Erich Eichinger und aus dem zwar sonnendurchfluteten, aber dafür windgeschützten Nebenstudio meldet sich nun Hans Langsteiner, der die Auszüge für die Presseschau zusammengestellt hat.
    Unter dem Titel Wahlkampf für die 80er Jahre schreibt Thomas Kurherr in der Presse über den Start der ÖVP-Wahlkampagne.
    Die Chance der ÖVP liegt in der Klarheit und der Wahrheit ihrer Kampagne.
    Sie wird dann reüssieren können, wenn sie deutlich macht, dass nur verteilt werden kann, was vorher erworben wurde.
    Sie wird dann erfolgreich sein, wenn sie erkennen lässt, dass der Staat nicht in Parteien gehört, dass Mandat nichts anderes heißt als Auftrag und dass die öffentlichen Mittel nicht nach Lust und Laune, sondern nach strengen Prinzipien verwendet zu werden haben.
    Und sie wird dann das Vertrauen der Wähler erhalten, wenn sie ehrlich argumentiert.
    An diese in der Presse erhobene Forderung nach Ehrlichkeit in der Politik knüpft Manfred Scheuch in der Sozialistischen Arbeiterzeitung an, wobei er insbesondere den steuerpolitischen Teil der gestern von der Volkspartei präsentierten Wahlplattform untersucht.
    Ehrlichkeit lässt sich besonders leicht an Zahlen nachweisen.
    Bei der Forderung nach einem Steuerstopp hat die ÖVP dabei ihrem eben geprägten Slogan »Weniger Versprechen, mehr Halten« auf eine höchst sonderbare Weise Genüge getan.
    Und weiter heißt es?
    Die Zahlen-Jongleure von der ÖVP drehen es, wie sie es brauchen.
    Oder ÖVP-Obmann Taus ist sich bewusst, dass er bei seinem Steuerstopp nur Versprechen, aber nichts halten kann.
    Denn die Abschaffung der von ihm aufgezählten Abgaben würde insgesamt rund 25 Milliarden Schilling ausmachen.
    Ein Budget, das weiter die Sicherung der Arbeitsplätze als wichtigste Aufgabe ansieht, wird auf sie nicht verzichten können.
    Denselben Aspekt wie die Sozialistische Arbeiterzeitung beleuchten auch die Salzburger Nachrichten in einem Kurzkommentar von Gerhard Steininger.
    Wir alle wissen, wie das mit Wahlprogrammen so ist.
    Die Verbindlichkeit von heiligen Eiden haben sie nicht.
    Da wird wohl auch die ÖVP keine große Ausnahme machen.
    Ob sie nur zum Beispiel tatsächlich den Steuerdruck auf die Bevölkerung wird verringern können, wird sich weisen.
    In den Vorarlberger Nachrichten skizziert Franz Ortner folgendes Gesamtbild der Wahlkampfsituation.
    Die SPÖ ist sichtlich im Abwehrkampf, dass man nochmals ihrer bisherigen Leistung vertrauen soll.
    Die ÖVP und FPÖ sind einig, dass sie die absolute Mehrheit der Regierungspartei brechen müssen, weil diese Verschwendung betrieben habe und mit einer hauchdünnen Mehrheit sich selbstherrlich bestätigte.
    Daher der endlose Kampf für und gegen Spesen und der Nahkampf um den Rechnungshof-Bericht.
    Dieses in den Vorarlberger Nachrichten angeschnittene Thema findet auch in anderen Zeitungen das Interesse der Kommentatoren.
    Im neuen Volksblatt der ÖVP geht Peter Klar auf die gestrigen Vorgänge im Parlamentarischen Rechnungshof-Ausschuss ein.
    Der Sozialist Tull hatte dabei darauf hingewiesen, dass Rechnungshofpräsident Kanlucz, Gesundheitsminister Leodolter, wegen ihrer umstrittenen Auftragsvergabe keinen Amtsmissbrauch habe vorwerfen können.
    Dazu schreibt Klar, Wir erklären hiermit feierlich, dass jedermann ein Schuft ist, der Frau Minister Leodolter auch nur den geringsten Schatten einer wissentlich unkorrekten Amtsführung anhängen will.
    Die Wahrheit ist die, Frau Minister Dr. Leodolter hat nie und nimmer Unkorrektes wissentlich getan.
    Wenn und dass trotzdem manches passiert ist, dann ist es lediglich darauf zurückzuführen, dass sie die Sachen, auf die es ankommt, nicht begreift.
    Weniger auf die Kontroversie um Leodolter als ganz allgemein auf die Spesendebatten im Anschluss an die jüngsten Rechnungshofberichte geht schließlich Hermann Polz in den oberösterreichischen Nachrichten ein.
    Wenn vom Budget gesagt wird, dass es in Zahlen gegossene Politik sei, dann ist der Rechnungshofbericht die in Zahlen gegossene Gesinnung der Politiker.
    Das macht ihn ungleich wichtiger als die Summen, über die er berichtet.
    Das war die heutige Inlandspresse.
    Schauend bevor wir zu den Berichten aus dem Ausland kommen, eine gezackte Musik.
    ... Musik ... ... Musik ...
    ... Musik ...
    ... Musik ...
    Mittlerweile ist es 12 Uhr und 28 Minuten geworden.
    Sie hören das Mittagsjournal des aktuellen Dienstes, Berichte aus dem Ausland, meine Damen und Herren.
    Seit Donnerstagmittag blickt die politisch interessierte Welt wieder gespannt in den Nahen Osten.
    Dort hält sich ja zurzeit der amerikanische Präsident Carter auf, um einmal mehr Feuerwehr in Sachen Frieden zu spielen.
    Seine ersten Löschversuche in Camp David und dann in Gesprächen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Begin in Washington konnten nicht alle Glutläster löschen.
    So sah sich der vielfach als Friedensinitiator bezeichnete Präsident genötigt, selbst in den Nahen Osten zu reisen, um dort sein ganzes politisches Gewicht in die Waagschale zu werfen.
    Die Ägypter, allen voran deren Präsident Sadat, empfingen den amerikanischen Gast mit Euphorie.
    Aber all der Jubel und die Begeisterung konnten über die Verhärtung der Fronten nicht hinwegtäuschen.
    In der offiziellen Sprache der Pressesprecher heißt das dann, man habe Fortschritte erzielt, nur gebe es noch immer ungelöste Probleme.
    Ich bin nun mit unserem Mitarbeiter in Kairo, Peter Brünner, verbunden.
    Herr Brünner, wie sieht es denn derzeit aus?
    Konnte man einige Probleme in den Gesprächen in Alexandria ausräumen?
    Ja, guten Tag, Herr Dobrowolny.
    Ich verstehe Sie kaum.
    Sie sind sehr weit weg und Ihre Frage habe ich nicht so ganz mitbekommen.
    Aber lassen Sie mich berichten, was heute geschah.
    Mit einem gewaltigen Beifallssturm wurde nämlich der amerikanische Präsident Carter und sein Gastgeber Präsident Sadat von der ägyptischen Nationalversammlung vor einer knappen halben Stunde empfangen und dann wurden Reden gehalten.
    Sadat gegrüßte seinen, wie er sagte, Bruder Jimmy Carter als einen Mann mit ethischen Prinzipien und einem unbeugsamen Friedenswillen.
    Er kann diese Mission allein vollenden, so sagt es er da, wie schwierig auch die Hindernisse noch sein mögen.
    Und Carter weiß, dass er unsere, nämlich die ägyptische Unterstützung, dafür hat.
    Und dann sprach Jimmy Carter, lassen Sie mich ein paar Worte aus seiner Rede zitieren.
    Wenn zwei Nationen einen Vertrag miteinander schließen, dann haben sie jedes Recht zu erwarten, dass alle Bestimmungen des Vertrages sorgfältig und nach Treu und Glauben erfüllt werden.
    Zur gleichen Zeit kann kein Zweifel darüber bestehen, dass die beiden Rahmenverträge von Camp David miteinander verknüpft sind und dass der umfassende Frieden ein gemeinsames Ziel bleibt.
    Und diese Worte, Herr Dobrowolny, lassen sich in etwa so interpretieren.
    Erstens, Sadat und Carter sind sich näher gekommen über die Verknüpfung der beiden Rahmenabkommen von Camp David.
    Und aus den Worten Carters lässt sich vielleicht raushören, dass die USA bereit sind,
    politische Garantien zu geben, dass die beiden Verträge erfüllt werden, ohne dass eine rechtliche, vertragsrechtliche, präzise Verknüpfung innerhalb des einen oder anderen Vertragswerkes nun geschieht.
    Aber ganz sicher ist, dass Präsident Carter heute Abend nach Jerusalem abreisen wird, ohne feste Zusage, dass Zabad auf der Grundlage der amerikanischen Vermittlungsvorschläge den Friedensvertrag mit Israel und
    Herr Brünner, ich hoffe, dass Sie mich jetzt etwas besser verstehen.
    Glauben Sie, kann Präsident Carter nach Jerusalem eine gewisse Kompromissbereitschaft von Sadat mitnehmen?
    Aus den Worten Sadats ist das ganz bestimmt nicht herauszuhören gewesen.
    Aber die Situation ist ja wohl auch ein bisschen komplizierter und lässt sich nicht auf so einfache Formulierungen bringen.
    Der Staat selber sagte gestern, es ist nur noch eine Frage weniger Worte.
    Hier ein Wort, da ein Wort und dann könnte der Vertrag unterzeichnet werden.
    Es liegt natürlich in der Natur der Sache, dass dies die kompliziertesten und schwierigsten Worte sind, in denen das ganze Nahostproblem zwischen Ägypten, Israel und den Palästinensern gibt es.
    Ein Teilkomplex scheint gelöst zu sein und das ist die Frage des völkerrechtlichen Ranges des ägyptisch-israelischen Friedensvertrages.
    Jedenfalls keiner hat mir darüber gesprochen, dass es schwierig sein könnte oder dass dieses Problem noch ungelöst ist.
    Vielen Dank, Herr Brünne, für diese direkten Informationen und auf Wiederhören.
    Auf Wiederhören.
    Mittlerweile ist es 12 Uhr und 33 Minuten geworden.
    Weiter in den Berichten im Ausland.
    Die Revolution beginnt zu verblassen.
    Die politische Mitte droht einzubrechen.
    An allen Ecken und Enden explodieren Gegensätze.
    Die Regierung Basargan ist kaum noch mehr als Fassade.
    Die Intellektuellen proben den Aufstand und sie bauen eine Gegenrevolution für die Demokratie im Iran auf.
    Wirtschaftlich wurstelt sich die Revolution von einem Tag zum anderen und das Volk wartet noch immer auf die vielversprochene und vielzitierte große Lösung.
    Das ist in Schlagworten natürlich nur gesagt die Situation zur Stunde im Iran.
    Denn der große Führer Ayatollah Khomeini verliert immer mehr an Durchsetzungskraft, wie Ferdinand Hennebichler aus Teheran berichtet.
    Begonnen hat er jetzt Anfang dieser Woche mit der bisher größten Massenkundgebung der Intellektuellen am Grab von Mosaddegh.
    des politischen Vaters der Revolution in Ahmadabad bei Teheran.
    Dann wollte Ministerpräsident Basargan aus Enttäuschung und aus politischer Ohnmacht das Handtuch werfen.
    Er durfte aber nicht zurücktreten.
    Zur selben Zeit zerfiel die größte Oppositionsbewegung, die Nationale Front.
    Die Sozialisten traten aus.
    Ihre Begründung, die Nationale Front mache Alternpolitik, sie sei nie eine echte Alternative zu den neuen Machthabern in Iran gewesen.
    Und dann schoss Khomeini, die bislang schärfste Freizeit gegen Regierungschef, Fasagand.
    Er qualifizierte den Mann seiner Wahl von Komm aus mit den Worten ab, Herr Ministerpräsident, Sie sind zu schwach.
    Und schließlich sprach man erstmals seit dem Umsturz wieder offen von der Gefahr eines Bürgerkriegs.
    Der Star-Kolumnist der iranischen Presse, Assad Ghour, formulierte in seinem Wochenendleitartikel, was viele Intellektuelle im Iran im Augenblick denken.
    Wenn keine echte Demokratie komme, dann werde ein neuer Bürgerkrieg losbrechen.
    Die abgelaufene Woche hat aber erstmals auch deutlich gezeigt, dass die Anziehungskraft Khomeinis zu verblassen beginnt.
    Der Schiitenführer hat zwar fraglos noch immer die Massen hinter sich, die sich an ihn klammern, weil sie hoffen, dass er ihnen ein besseres und auch ein menschenwürdigeres Leben bringen wird.
    Die Intellektuellen, die Kaufleute,
    Der Mittelstand begehren aber zunehmend gegen Khomeini's Askettenpolitik auf.
    Viele scheinen zwar im Augenblick noch eher bereit zu sein, Einschränkungen hinzunehmen, wie etwa ein Alkoholverbot, das Kinosterben, den Druck, Chador in den Ämtern zu tragen oder auf westlichen Lebensstil ganz allgemein weitgehend zu verzichten.
    Dies alles, weil sie überzeugt sind davon, dass Khomeini dieses auf lange Sicht ohnehin nicht durchstehen werde.
    Außerdem glauben sie, dass er die Intelligenz brauchen wird,
    Sonst werde er mit dem ganzen Land bankrott gehen und damit auch die Massen gegen sich haben.
    Dennoch hat sich in dieser Woche sowas wie eine Gegenrevolution der Intellektuellen gegen Khomeini zu formieren begonnen.
    Sie kämpft, kurz gesagt, für Demokratie.
    Ihre Anhänger kommen aus der Intelligenz und aus den verschiedensten politischen Bewegungen.
    Ihre Schwäche liegt darin, sie haben kaum politischen Einfluss, sie sind entweder nur lose oder überhaupt nicht organisiert.
    Sie sind innenpolitisch im Augenblick nicht mehr als eine Gesinnungsallianz der Ohnmächtigen.
    Die Verfechter der Demokratie fürchten, dass mit dem neuen Verfassungsreferendum Ende dieses Monats eine neue Diktatur zementiert werden könnte, diesmal eine Diktatur eines religiös-konservativen Führers, dass die ganze Revolution umsonst gewesen sein könnte, dass nur die Mächtigen in diesem Land ausgewechselt worden wären.
    Diese Unmutsbewegung erscheint den Khomeini-Machthabern innenpolitisch auf kurze Sicht nicht gefährlich.
    Sie glauben auch, dass Khomeini bei der Volksabstimmung über die neue Islamische Republik noch einmal die Massen hinter sich haben wird.
    Und dann hoffen Sie, dass der erwartete Wirtschaftsaufschwung hungrige Mägen stopfen und das Volk für eine Durststrecke von mindestens ein bis zwei Jahren bei der Stange halten wird.
    Das war ein Bericht von Ferdinand Hennerbicher.
    Der französische Staatspräsident Giscard d'Estaing hält sich zurzeit zu einem offiziellen Besuch in Rumänien auf.
    Diese Reise, die schon für den Jahresbeginn geplant war, musste auf März verschoben werden.
    Das französische Staatsoberhaupt war am vergangenen Donnerstag zu diesem dreitägigen Besuch in Bukarest eingetroffen und wurde damals von jubelnden Menschen empfangen.
    Im Mittelpunkt der Gespräche mit Staats- und Parteichef Ceaușescu standen und stehen die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder sowie die Fragen der Entspannung und der Sicherheit in Europa.
    Frankreich und Rumänien haben ein traditionell gutes Verhältnis und nehmen wegen ihres relativ eigenwilligen politischen Kurses im Warschauer Pakt und in der NATO Sonderstellungen ein.
    Bukarest ist in den vergangenen Monaten mehrmals vom offiziellen Moskauer Kurs abwich, erhofft sich nun vom Besuch Giscars nicht nur wirtschaftliche Hilfestellung, sondern auch politische Rückendeckung.
    Gustav Kalupa hat den Besuch des Franzosen in Rumänien miterlebt und fasst nun die Ergebnisse zusammen.
    Bescheidener als erwartet sind die Ergebnisse des Staatsbesuches des französischen Präsidenten Giscard d'Estaing in Bukarest.
    Die heute Vormittag im ehemaligen Königlichen Schloss in der rumänischen Hauptstadt unterzeichneten Dokumente bekräftigen die Absicht der französischen und rumänischen Regierung, die ohne dies gute politische Zusammenarbeit zu festigen.
    In einem E-Memoir werden eine Reihe konkreter rumänisch-französischer Wirtschaftsprojekte festgelegt.
    Dazu allein aber hätte das französische Staat so überhaupt nicht nach Rumänien kommen müssen, da die Wirtschaftsverträge ohne dies von den Wirtschaftsministern beider Länder sorgfältig vorbereitet worden waren.
    Bei Riches Cardestins Gastspiel in Bucharest demonstrierte er das Interesse des Westens an Rumänien, im Besonderen das Frankreichs.
    Der Präsident verabsäumte auch nicht auf das besondere Wohlwollen Frankreichs für die kleine rumänische Schwester am Balkan,
    und mit dem gemeinsamen Erbe der Latinität zu werben.
    Er erklärte, dass Paris auf dem europäischen Kontinent zu einem neuen Typ der zwischenstaatlichen Beziehungen strebe, in dem die Identität und nationale Persönlichkeit geachtet werden.
    Das war Musik für die nationalkommunistischen Ohren Nicolae Ceaușescus.
    Auch Giscard d'Estaing's Anerkennung für den bedeutenden Beitrag Ceaușescus für die Sache des Friedens und der Entspannung in Europa wurde in politischen Kreisen Bukarests beifällig aufgenommen.
    Dass die Beziehungen Rumäniens zu Moskau und den Warschau-Paktländern in den Gesprächen Giscard d'Estaing mit seinem Gastgeber Ceausescu breiten Raum eingenommen haben, steht fest.
    Ebenso die Konfliktsituation in Südostasien, auf die der Präsident Frankreichs schon mit Blick auf sein in Kürze bevorstehendes Erscheinen in Moskau mit den Worten anspielte.
    Wir schätzen die Mäßigkeit, mit der die interessierten Mächte bei der Fortsetzung der Entspannungspolitik reagierten.
    Die Geschliffenheit seiner Ausdrucksweise war dialektischen Wendungen des rumänischen Staats- und Parteichefs durchaus ebenwürdig, deren Forderungen nach einer neuen Wirtschaftsordnung den Wunsch Rumäniens nach besonderen Beziehungen zur europäischen Gemeinschaft verpackte.
    Bucharest hofft auf die Fürsprache Frankreichs bei den bereits laufenden Gesprächen mit den Behörden der europäischen Gemeinschaft in Brüssel, womit es einmal mehr aus der Reihe des Ostborgs tanzt.
    Nikolaj Ceaușescu nimmt die Kritik des Ostens in Kauf,
    da er bewusst ökonomisch Anschluss an den Westen sucht, um mit moderner Technologie, Know-how und Management einen weiteren industriellen Sprung Rumäniens zu sichern.
    Hierher passen die mit den Franzosen getroffenen ökonomischen Vereinbarungen über die Ausweitung der rumänischen Automobilproduktion auf neue Renault-Typen, modernere Versionen französisch-rumänischer Hubschrauber, die Begründung einiger hochtechnisierter rumänisch-französischer Betriebe auf dem Gebiet der Elektronik und der Nachrichtenübermittlung.
    Ob darunter etwa auch die Einführung des französischen SECAM-Systems für das rumänische Farbfernsehen fällt, darüber schweigen sich beide Seiten noch aus.
    So viel also von Gustav Kalupa zum Staatsbesuch des französischen Staatspräsidenten Giscard d'Estaing in Rumänien.
    In unserem Nachbarland Italien spitzte sich die politische Situation in der vergangenen Woche wieder einmal zu.
    Nachdem der mit der Regierungsbildung betraute Politiker Lamalfa kein Kabinett zustande gebracht hatte, wurde der altbewährte und auch altgediente frühere Ministerpräsident Andreotti mit diesem Amt und auch der damit verbundenen Aufgabe erneut konfrontiert.
    Bis jetzt blieb es bei der Konfrontation.
    Denn auch Andreotti kann bis zur Stunde noch auf keine Erfolge verweisen und dies obwohl fast ununterbrochen Gespräche geführt werden.
    Diese verworrene Situation rückt er aber heute durch eine Meldung aus dem Vatikan in den Hintergrund.
    Der Kardinalstaatssekretär Jean Villot ist gestern Abend im Alter von 73 Jahren gestorben.
    Kardinal Villot war in der römischen Kurie, sozusagen dem obersten Gremium der katholischen Kirche, eine graue Eminenz.
    Er war es, der nach dem Tod Papst Pauls VI.
    und nach dem Ableben von dessen Nachfolger Papst Johannes Paul I. die Geschäfte der Kirche interimistisch weiterführte.
    Über die Rolle, die Kardinal Villon im Vatikan spielte, gestaltete Alphons Dalma den folgenden Beitrag.
    Der französische Prelat war ein Abbild jenes Pontifikats und jenes Papstes, unter denen er in das wichtigste Amt des Vatikans berufen worden ist.
    Der Papst Montini,
    war im Geiste der modernen französischen christlichen Philosophie geformt, aus dem auch der frühere Kardinal Erzbischof von Lyon kam.
    Beide waren vollendete Vertreter jener Übergangszeit, in der sich die Kirche an die Mentalität und an die geistigen Strömungen des Zeitgeistes aus einer gewissen Verteidigungsstellung heraus anzupassen hatte.
    Vor genau zehn Jahren
    war es ein viel bestauntes Ereignis, keineswegs aber ein Zufall, dass Paul VI.
    den Kardinal Villot für eine Stellung nominierte, die das letzte Mal, 50 Jahre zuvor, ein nicht italienischer Prelat inne hatte.
    Das war damals Kardinalstaatssekretär Meri del Val, der spanisch-irischer Herkunft war.
    Der liebenswerte Prelat von vollendete französische Courtoisie alten Stils war also Kardinalstaatssekretär unter drei Päpsten und hatte als Camerlängo der römischen Kirche zwei Konklave zu führen und Papstwahlen zu beabsichtigen.
    Das ist eher sehr selten in der Wirkungszeit eines ersten Ministers des Vatikans vorgekommen.
    Jean Villot ist im Alter von 74 Jahren gestorben.
    Allein schon altesmäßig war das Ende seiner Amtszeit abzusehen.
    Man wusste aber auch ausdrücklich, dass Johannes Paul II.
    eine Nachfolge für ihn zu nominieren beabsichtigte.
    Im vergangenen November wurde offiziell bekannt gegeben, dass der neu gewählte polnische Papst den Kardinalstaatssekretär zwar ersucht hatte, vorläufig im Amt zu bleiben,
    aber mit ihm auch bereits vereinbart hatte, dass nach einer gewissen angemessenen Zeit eine Nachfolge ernannt werde.
    Diese Nachfolge ist nun vorzeitig offen geworden.
    Eine Tradition und ein ungeschriebenes Recht der Kirche ist, dass der wichtigste Minister der päpstlichen Regierung ein Kardinal zu sein hat und zwar schon zum Zeitpunkt seiner Nominierung.
    Damit wird die Bedeutung des Kardinalskollegiums als eine Art Senat der Kirche manifestiert.
    Papst Wojtyla hat aber bis jetzt noch kein Konsistorium abgehalten, in dem Kardinäle benannt werden.
    Würde er jetzt kurzerhand einen Nachfolger für den gestorbenen Kardinal Villot bestimmen, wäre der Kreis seiner Wahl insofern beschränkt, da er auf die vorhandenen Kardinäle begrenzt bleiben müsste,
    Während es durchaus denkbar ist, dass Johannes Paul II.
    durch die Ernennung von neuen Kardinälen auch einen Staatsekretär im Auge hatte, der bis jetzt noch nicht mit dem Purpur ausgezeichnet worden ist.
    Das ist zum Beispiel der Fall mit der viel und oft kolportierten Kandidatur des Erzbischofs Agostino Casaroli, der als Sekretär des Rates für die öffentlichen Angelegenheiten der Kirche
    nach Kardinal Villot als die stärkste und ausgeprägteste Persönlichkeit an der Spitze der Regierung galt, allerdings erst seitdem der frühere sogenannte starke Mann des Staatssekretariats, Monsignore Giovanni Benelli, von Paul VI.
    zum Kardinal und zum Erzbischof von Florenz ernannt, sowie durch den wenig profilierten Erzbischof Caprio im Vatikan ersetzt wurde.
    Soviel also von Alphons Thalmer aus Rom.
    Mittlerweile ist es 12.46 Uhr geworden.
    Eine Minute nach dreiviertel eins.
    Wir kommen zum Kulturteil im Mittagschanal.
    In loser Reihenfolge werden in dieser Saison im Burgtheater und auch im Akademietheater Martineen veranstaltet, die bedeutenden österreichischen Dichtern dieses Jahrhunderts gewidmet sind.
    Nach Elias Canetti und Manes Sperber wurde für morgen Vormittag im Akademietheater ein Programm unter dem Titel »Denn sie wissen nicht, was sie tun« aus dem Werk Hermann Brochs zusammengestellt.
    Brigitte Hofer von unserer Kulturredaktion hat dazu den folgenden Beitrag gestaltet.
    Als Philosoph, der gleichzeitig ein Künstler von außergewöhnlicher Bildung und Reinheit ist, wird Hermann Broch einmal bezeichnet, ein Dichter, der die Tradition von Musil, Kafka und Joyce weiterführt.
    Er wurde 1886 in Wien geboren, studierte Mathematik, Philosophie und Psychologie und begann als 22-Jähriger, seine schriftstellerischen Arbeiten zu veröffentlichen.
    1938 wurde er in Altaussee von der Gestapo verhaftet.
    Nach einigen Monaten konnte er durch die Mithilfe von James Joyce nach England fliehen.
    Von 1939 bis 1951 lebte er in den Vereinigten Staaten, zuletzt als Professor an der Yale-Universität.
    Er lehrte dort deutsche Literatur, eine Literatur, die er selbst wesentlich beeinflusste.
    Zu Beginn mit den Werken Die Schlafwandler und Die unbekannte Größe.
    Für die morgige Akademietheatermatinee wurden vor allem Ausschnitte aus dem Werk der Zeit von 1931 bis 1938 von Reinhard Urbach ausgewählt.
    Der Zerfall der Werte ist eines seiner Hauptthemen.
    Es lag ihm daran, diesen Zerfall der Werte darzustellen im künstlerischen Werk und zugleich philosophische Thesen für eine Erneuerung der Werte dran zu hängen, die ihm wichtig war, diese Erneuerung, und die er, ich möchte doch sagen, resignierend aufgeben musste, als er sah, dass die politischen Mächte der 30er Jahre stärker waren als seine Ideen und seine Vorstellungen.
    Die politischen Mächte zwangen Hermann Broch zur Emigration.
    In der Martinet wird Joachim Bissmeier einen der ersten Briefe Brochs an seine Übersetzerin lesen.
    Jetzt nur ein kurzer Ausschnitt daraus.
    Das Einzige, was ich gegen dies alles setzen konnte, war die Arbeit.
    Denn nur dadurch kann ich überhaupt noch etwas unternehmen, sowohl privat als auch öffentlich.
    Ich arbeite also in der verbissensten Weise am Virgil, arbeite bis zur Erschöpfung und noch ein Stück darüber hinaus.
    An und für sich habe ich den Eindruck, dass das Buch etwas durchaus Neues und Echtes wird.
    Doch wie weit es durch die entsetzlichen Umstände beeinträchtigt wird, vermag ich nicht zu ermessen.
    Aus der Erzählung »Heimkehr des Vergil« entstand dann der am Ende des Zweiten Weltkriegs zuerst in Amerika veröffentlichte Roman »Der Tod des Vergil«, der Broch weltberühmt machte.
    Eine kurze Probe, gelesen von Paul Hoffmann.
    Waren ihm die Sinne geschwunden?
    Sicherlich hätte er sich gern dem Gejole der Menge verschlossen, das vulkanisch und unterirdisch und trägwellig über den Platz flutete.
    Aber er klammerte sich an das Bewusstsein, klammerte sich daran mit all der Kraft desjenigen, der das Bedeutsamste seines irdischen Seins nahen fühlt.
    Und voller Angst ist, dass er es versäumen könnte.
    Und nichts entging ihm, weder die hilfreichen Gesten und Worte des Arztes, der auf Befehl des Augustus an seiner Seite war,
    und weder die Stadt, die er mit allen Sinnen aufnahm, nichts entging ihm.
    Mehr noch, die Dinge waren ihm näher und deutlicher und wacher, als sie es ihm jemals gewesen waren.
    Die Beziehungslosigkeit zwischen den Menschen ist ein immer wiederkehrendes Motiv in den Romanenbrochs, so auch in seinem Werk »Eugenot« oder »Die Sachlichkeit«, aus dem Erika Pluhar liest.
    Da fasste Heinrich Wendling seine Frau unter dem Arm, und in dieser ersten Berührung der Körper schloss sie die Augen.
    Vielleicht hat er auch eher die Augen geschlossen, sah weder den schweren sommerlichen Nachthimmel noch den weißen Streif der Landstraße, die sich vor ihnen dehnte und deren Staub sie gingen.
    Vielleicht sah jeder von ihnen ein anderes Firmament, sie beide verschlossen wie ihre Augen, ein jeder in seiner Einsamkeit.
    Und doch vereint in dem Wiedererkennen der Körper, die zum endlichen Kusse sich fügten,
    In einzelnen Szenen aus dem Drama, denn sie wissen nicht, was sie tun, werden morgen auch unter anderem Hilde Wagener, Fritz Mulya und Wolfgang Gasser mitwirken.
    Dieses Drama wurde 1934 in Zürich uraufgeführt, im selben Jahr, als einer der besten Freunde Hermann Brochs, nämlich Elias Canetti, seine Komödie der Eitelkeit herausbrachte.
    Diese Komödie der Eitelkeit wird übrigens in knapp zwei Monaten im Burgtheater Premiere haben.
    Und auch Hermann Brochs Werk findet immer mehr internationale Anerkennung.
    Vor kurzem erschien aus seinem Nachlass die Arbeit über den Massenbahn und Anfang April beginnt ein großes Broch-Symposium.
    Nicht in Wien, sondern an der Harvard-Universität in den Vereinigten Staaten.
    Denn sie wissen nicht, was sie tun.
    Eine Martinet aus dem Werk Hermann Brochs, also morgen im Akademietheater, diesen Beitrag gestaltete Brigitte Hofer.
    Im Stadtsaal von Hall in Tirol ist heute Abend die in Österreich vor allem durch den steirischen Herbst bekannt gewordene Leipziger Sopranistin Roswitha Trexler zu Gast.
    Sie wird von ihrem Mann, dem Musikwissenschaftler Fritz Hennenberg, am Klavier begleitet.
    Auf dem Programm stehen Songs von Hans Eisler, Kurt Weil und Bert Brecht und neue Vokalmusik von Luciano Berio, Luigi Nonno und Milko Kelemen.
    Gunther Schneider sprach mit Roswitha Drechsler, hören Sie aber vor diesem Gespräch noch einen kurzen Songausschnitt mit der Interpretin.
    Einst glaubte ich, als ich noch unschuldig war, Und das war ich einst grad so wie du.
    Vielleicht kommt auch zu mir einmal einer, Und dann muss ich wissen, was ich tu.
    Und wenn er Geld hat, und wenn er nett ist, Und sein Kragen ist auf Mittagsrein, Und wenn er weiß, was sich für eine Dame schickt, Da sage, da sage, da sage ich,
    Sicher scheint der Mond die ganze Nacht.
    Sicher wird das Boot am Ufer losgemacht.
    Aber weiter kann nicht sein.
    Ja, da kann man sich doch nicht gleich hinlegen.
    Ja, da muss man kalt und herzlos sein.
    Ja, da könnte so viel geschehen.
    Aber da gibt's überhaupt nur Nein!
    Frau Drexler, Sie zählen zu den gesuchtesten Prechtinterpretinnen.
    Wahrscheinlich gerade deswegen, weil Sie anders als die späte Lotte Lennier oder als Chansonetten wie Milva Precht interpretieren.
    Ja, ich habe mich versucht zu orientieren an Brecht selbst, der gesagt hat, dass er sich seine Lieder so süß und so romantisch als möglich gesungen wünschte.
    Und das hat ja auch die Lotte Lenya früher getan.
    Sie hat sehr hoch und sehr süß und sehr mädchenhaft gesungen, weil eigentlich der Zündstoff ja darin liegt, eine unschuldige und süße Interpretation gegen doch einen sehr harten Inhalt und Text zu setzen.
    Es scheint mir ein bisschen verhängnisvoll, dass dann die spätere Lotte Lenya doch
    sehr viel tiefer gesungen hat und es kam so ein rauer Beiklang und ein bisschen Frivolität in die Interpretation, was dann sämtliche Chansonetten doch übernommen haben und das scheint mir eigentlich ziemlich schlecht und nicht so ganz echt mehr.
    Sie singen zum ersten Mal in Tirol an diesem Wochenende Lieder, die Bert Precht selbst komponiert hat.
    Wie ist Bert Precht als Komponist zu betrachten?
    Ja, also mir scheint es hochinteressant.
    Fritz Hennenberg hat diese beiden Lieder jetzt ausgegraben im Brecht-Archiv in Berlin.
    Und es scheint mir insofern sehr hochinteressant.
    Natürlich ist es ein bisschen dilettantisch, auf deutsch gesagt, oder laienhaft komponiert, aber es ist vom Gestischen und so stark, dass man, also wenn man beide Texte gegenüberstellt vom Barbara Song,
    von Kurt Weil einmal komponiert und einmal jetzt von Berthold Brecht, dann kann man also wirklich deutliche Parallelen sehen, dass sich Kurt Weil später daran durchaus orientiert hat.
    Es ist sogar noch überzuckerter und noch süßlicher bei Brecht komponiert, was er ja auch wollte eben in dem Barbarasson.
    Der zweite Teil Ihres Konzertprogramms ist ganz moderner, ganz zeitgenössischer Musik gewidmet und das, was dem Hörer dabei als erstes auffällt, ist ein großes neues Repertoire an Gesangstechniken, an Stimmtechniken.
    Vielleicht können Sie uns ein kurzes Beispiel geben, wie klingt zum Beispiel Berio?
    Ja gut, dann werde ich einfach ein Stück daraus machen.
    Also Sie sehen schon, es sind einfach ungewöhnliche Mittel.
    Es sind Mundschnalzer, es sind Fingerschnalzen, es ist Treten mit dem Fuß.
    Es sind halt viele Effekte, die man also keineswegs vom Gesang kennt, vertreten und es ist aber auch Gesang dabei.
    Es sind also Phrasen wie
    Also es sind auch gesungene Töne durchaus darin enthalten, aber es sind wirklich, wie ich schon sagte, neue Techniken darin gefordert.
    Mir persönlich macht es sehr viel Spaß und sehr viel Freude, weil man einfach auch ein bisschen ausprobieren kann an sich und auch am Hörer.
    Und wie ich gemerkt habe, kommt diese Sequenza von Luciano Berio immer sehr gut beim Publikum an.
    Also man ist zunächst mal verblüfft und belustigt darüber und das finde ich auch durchaus den Sinn.
    Während dieses Gesprächs zwischen Gunther Schneider und Rosavita Drexler, die im Stadtsaal von Hall in Tirol ein Konzert geben wird, hat mittlerweile Wilfried Schierlbauer wieder im Nebenstudio Platz genommen.
    Er bringt Ihnen jetzt noch einmal die Zusammenfassung der wichtigsten Meldungen aus aller Welt.
    Österreich.
    Mit einem Österreich-Kongress, einem auf verschiedenen Plätzen der Wiener Innenstadt unter freiem Himmel abgewickelten außerordentlichen Parteitag, hat die ÖVP heute offiziell den Wahlkampf für die Nationalratswahlen am 6.
    Mai eröffnet.
    Parteiobmann Taus und Generalsekretär Lanner präsentierten das Wahlprogramm der Partei.
    Taus erklärte in seiner Schlussansprache unter anderem, die Volkspartei verspreche keine goldenen Berge, sondern Chancen und Entfaltungsmöglichkeiten im Beruf statt Resignation und Furcht.
    Bundeskanzler Kreisky hat seine Wahlreisen für die Nationalratswahlen begonnen.
    In einer Veranstaltung in Innsbruck meinte Kreisky, es sei ein Fehler des bisherigen Wahlkampfes, nicht die Lebensfragen des österreichischen Volkes, wie etwa die Wirtschaftspolitik, diskutieren zu wollen.
    Offenbar könne die Opposition keine Alternative zur Wirtschaftspolitik der Regierung finden.
    Tschechoslowakei.
    Zum bevorstehenden offiziellen Besuch Bundespräsident Kirchschlägers in der GSSR schreibt das Parteiorgan der slowakischen KP Prače heute, diese erste Reise eines österreichischen Staatsoberhauptes in die Tschechoslowakei seit 1945 beweise den guten Willen von zwei Ländern mit unterschiedlichem gesellschaftlichem System, gut nachbarliche Beziehungen zu pflegen.
    Nahe Osten.
    In einer Rede vor dem Parlament in Kairo nahm Präsident Carter heute Mittag ausführlich Stellung zum Stand der Verhandlungen über einen israelisch-ägyptischen Friedensvertrag.
    Carter unterstrich dabei die Notwendigkeit, eine Lösung für die politische Zukunft der Palästinenser zu finden, wobei er hervorhob, er sei diesem Anliegen persönlich verpflichtet.
    Kater und Sadat waren in den Morgenstunden nach Abschluss ihrer Gespräche in Alexandria mit einem Hubschrauber nach Kairo zurückgekehrt.
    Am späten Nachmittag reist Kater nach einem dritten Treffen mit Sadat nach Israel weiter.
    Israelische Soldaten haben heute früh in Westjordanien in der Nähe der Damja-Jordan-Brücke vier arabische Freischerler erschossen, die angeblich große Mengen Sprengstoff und Munition mit sich geführt haben.
    Die Gruppe plante nach israelischer Darstellung eine Geiselnahme.
    Iran
    In Teheran haben heute zehntausende Frauen ihre Arbeitsplätze verlassen und gegen Versuche demonstriert, ihre Freiheiten in einer islamischen Republik einzuschränken.
    Schiitische Fanatiker sollen einige Frauen angegriffen und mit Dolchen verletzt haben.
    Die zumeist jungen Demonstrantinnen forderten die weitere Geltung des kürzlich aufgehobenen Familienschutzgesetzes und Co-Edukation an den Schulen.
    Indien.
    Der sowjetische Ministerpräsident Kassigin setzte in Neu-Delhi seine Gespräche mit der indischen Führungsspitze fort.
    Nach übereinstimmenden Agenturberichten versucht Kassigin, Indien zu einer möglichst harten Verurteilung der chinesischen Angriffsaktion gegen Vietnam zu bewegen.
    Indokina.
    Vietnam beschuldigt die chinesischen Invasionstruppen bei ihrem Abzug eine Politik der verbrannten Erde zu betreiben und die geräumten Gebiete systematisch zu zerstören.
    Westliche Geheimdienststellen in Bangkok bestätigen, dass sich der chinesische Abzug aus Vietnam nur sehr langsam vollzieht, womit offenbar der Zweck verfolgt wird, den Vietnamesen keine Chance zu geben, zurückhängende Einheiten überraschend anzugreifen und abzuschneiden.
    Diese Kurzmeldungen standen am Ende von 60 Minuten Information durch den aktuellen Dienst.
    Die Redaktion meldet sich wieder ausführlich um 18.30 Uhr mit dem Abendschornal im Programm Österreich 1.
    Bis dahin und auch nach dem Abendschornal dann zu jeder vollen Stunde die Nachrichten.
    Für das Team des Mittagsschornals verabschiedet sich Herberter Provolny.
    Auf Wiederhören.

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Datum: 1979.03.10 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wetterbericht
    Datum: 1979.03.10 [Sendedatum]
    Schlagworte: Natur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Parteikongress der ÖVP: Veranstaltung am Stephansplatz (Einblendung Taus), Veranstaltung am Heldenplatz (Einblendung Lanner, Niederl) Umzug (Einblendung Kessler)
    Mitwirkende: Eichinger, Erich [Gestaltung] , Bernardi, Zita [Gestaltung] , Taus, Josef [Interviewte/r] , Lanner, Sixtus [Interviewte/r] , Keßler, Herbert [Interviewte/r] , Niederl, Friedrich [Interviewte/r]
    Datum: 1979.03.10 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Inlandspresseschau: ÖVP-Wahlkampf, Rechnungshof
    Mitwirkende: Langsteiner, Hans [Gestaltung]
    Datum: 1979.03.10 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Stand der Nahostgespräche: Bericht und Moderatorengespräch
    Mitwirkende: Brünner, Peter [Gestaltung]
    Datum: 1979.03.10 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Innenpolitische Lage Iran, Machtkampf Khomeini-Berzognon?
    Mitwirkende: Hennerbichler, Ferdinand [Gestaltung]
    Datum: 1979.03.10 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Giscard d'Estaing in Bukarest, Gesprächsergebnisse bescheiden
    Mitwirkende: Chalupa, Gustav [Gestaltung]
    Datum: 1979.03.10 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Politik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Vatikanische Politik nach Ableben des vatikanischen Staatssekretärs
    Mitwirkende: Dalma, Alfons [Gestaltung]
    Datum: 1979.03.10 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Kultur: Matinee im Akademietheater
    Einblendung: Bissmeier, Hoffmann, Urbach, Pluhar
    Mitwirkende: Hofer, Brigitte [Gestaltung] , Bißmeier, Joachim [Interviewte/r] , Hoffmann, Frank [Interviewte/r] , Urbach, Reinhard [Interviewte/r] , Pluhar, Erika [Interviewte/r]
    Datum: 1979.03.10 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Theater ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Kultur: Roswitha Traxler singt Brecht-Lieder in Hall/Tirol
    Einblendung: Traxler (Gesang)
    Mitwirkende: Schneider, Günter [Gestaltung] , Trexler, Roswitha [Interviewte/r] , Trexler, Roswitha [Sopran]
    Datum: 1979.03.10 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Musik ; E-Musik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten

    Katalogzettel

    Titel Mittagsjournal 1979.03.10
    Spieldauer 00:59:47
    Mitwirkende Dobrovolny, Herbert [Moderation]
    Steinwendner, Wolfgang [Regie] [GND]
    ORF [Produzent]
    Datum 1979.03.10 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 70er Jahre
    Typ audio
    Format TKA [Tonband auf Kern (AEG)]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-790310_k02
    Medienart Mp3-Audiodatei
    Gesamtwerk/Reihe Mittagsjournal

    Information

    Inhalt

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    Verortung in der digitalen Sammlung

    Schlagworte

    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt