Mittagsjournal 1995.12.15

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    Rechtliches

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    KI-generiertes Transkript

    Durch die Mittagsstunde mit dem Programm Österreich 1 begleitet Sie Hubert Arnim Ellison.
    Die Journalredaktion hat Beiträge zu folgenden Themen vorbereitet.
    EU-Gipfel in Madrid mit dem Hauptthema Währungsunion.
    Österreich ist in Madrid mit Bundeskanzler Franitzki und Vizekanzler Schüssel vertreten.
    Franitzki will seiner Forderung nach sozialer Verträglichkeit der Wirtschafts- und Währungsunion Nachdruck verleihen.
    Die Aufhebung des Transfersystems im Profifußball durch den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg verbessert die Arbeitnehmersituation der Fußballer, fordert aber die wirtschaftliche Lage der Fußballvereine.
    In Österreich geht der Wahlkampf in die Endrunde mit Schlusserklärungen von Nationalratspräsidenten Fischer sowie ÖVP-Ministern und Staatssekretären.
    Die Freiheitlichen halten ebenfalls ihre Schlusspressekonferenz ab.
    Neuwahlen ein Dauerthema in Italien.
    Ein Jahr nach dem Sturz bei Lusconis steht Lambertodini erneut vor einer Vertrauensfrage, die mit der Abstimmung über das Budget 96 gekoppelt ist.
    Palästinenser Autonomie.
    Nach 28 Jahren besucht PLO-Chef Arafat erstmals Nablus, eine jener Städte im Westjordanland, die Israel an die Palästinenser übergeben hat.
    Nach dem Friedensabkommen, das gestern in Paris unterzeichnet worden ist, wird in Belgrad mit vorsichtigem Optimismus bewertet.
    Die serbischen Medien unterstreichen vor allem die Rolle von Präsident Milosevic als herausragende Leistung.
    US-Präsident Bill Clinton allerdings hat eine Warnung an Belgrad gerichtet und sie vor neuerlichen Aggressionen gewarnt.
    In Österreich geht die Geschichte des Großkonzerns Konsum in die allerletzte Endphase.
    Die letzten Materialien von der elektrischen Knochensäge bis zum Einkaufswagerl werden versteigert.
    Ebenfalls in die Endrunde geht der Briefbombenprozess.
    Das Beweisverfahren soll heute abgeschlossen werden.
    Mit einem Ausblick auf das weihnachtliche Kinoprogramm mit einem Film über Nora Carrington wollen wir das Mittagsschanal dann beenden.
    Am Anfang steht wie gewohnt der Nachrichtenüberblick, den heute Christian Wehrschütz verfasst hat.
    Spanien.
    Die neue europäische Einheitswährung wird Euro heißen.
    Darauf haben sich die Staats- und Regierungschefs der EU bei ihrem Gipfeltreffen in Madrid geeinigt.
    Außenminister Schüssel, der gemeinsam mit Bundeskanzler Franitzki an den Treffen teilnimmt, sagte, unklar sei nur noch, ob die Währung eine nationale Zusatzbezeichnung haben werde.
    Die neue Währung soll ab 1999 zuerst im bargeldlosen Verkehr,
    und ab 2002 in Münzen und in Banknoten verwendet werden.
    Vereinte Nationen Der Sicherheitsrat debattiert über das Mandat für die Friedenstruppe in Bosnien.
    Über einen entsprechenden Resolutionsentwurf soll spätestens morgen abgestimmt werden.
    Aufgabe der Truppen wird es sein, das gestern in Paris unterzeichnete Friedensabkommen umzusetzen.
    Über den Einsatz der Soldaten beraten heute in Brüssel auch die NATO-Botschafter mit 16 Nicht-NATO-Staaten, die sich an der Bosnien-Aktion beteiligen wollen.
    In Frankreich dauern die Streiks gegen die Sparpläne der Regierung an.
    Obwohl die Streikbewegung nach mehr als drei Wochen erste Auflösungstendenzen zeigt, kam es im Großraum Paris wieder zu kilometerlangen Staus.
    In Paris selbst sind wieder einige U-Bahnen in Betrieb.
    Die Regierung ist bei den staatlichen Eisenbahnen zu Zugeständnissen bereit.
    An der Reform der hochverschuldeten Sozialversicherung will sie jedoch festhalten.
    Gestreikt wird heute auch in Luxemburg.
    Wegen eines 24-stündigen Ausstandes der Fluglotsen können keine Flüge stattfinden.
    Nahe Osten.
    Der amerikanische Außenminister Christopher ist in Damaskus mit dem syrischen Präsidenten Assad zusammen getroffen.
    Christopher will die festgefahrenen Friedensverhandlungen zwischen Israel und Syrien wieder in Gang bringen.
    Auf seinem Programm stehen auch Gespräche in Israel, Ägypten, Jordanien und in den Palästinenser Gebieten.
    PLO-Chef Arafat ist heute in die Stadt Nablus im Westjordanland gekommen.
    Mehrere tausend Palästinenser begrüßten Arafat bei seiner Ankunft.
    Nablus ist vor vier Tagen nach 28-jähriger Besatzung von der israelischen Armee geräumt worden.
    Italien Die Regierung von Ministerpräsident Dini stellt im Parlament in Rom die Vertrauensfrage.
    Dini will damit die Verabschiedung seines Spahaushaltes für das kommende Jahr erzwingen.
    Der Ausgang der Abstimmung ist ungewiss.
    Luxemburg.
    Das bestehende Ablösesystem im europäischen Profifußball verstößt gegen EU-Recht.
    Das hat der Europäische Gerichtshof in Luxemburg erkannt.
    Ebenfalls gegen EU-Recht verstößt die Beschränkung der Zahl ausländischer Spieler aus EU-Staaten.
    Nach Ansicht des Gerichtes widerspricht die Ablösezahlung der Freizügigkeit der Fußballer als Arbeitnehmer.
    Grundlage dieses Urteils bildete die Klage des belgischen Fußballers Jean-Marc Bosman.
    Der Pressesprecher des ÖFB, Heinz Palme, sagte, dieses Urteil gelte auch für Ablösezahlungen zwischen österreichischen Vereinen.
    Palme rechnet damit, dass die UEFA gegen das Urteil berufen wird und dass Übergangsregelungen vereinbart werden.
    Japan.
    Die Regierung hat ein umfangreiches Rüstungsprogramm beschlossen.
    Bis zum Jahre 2000 sollen umgerechnet 2.520 Milliarden Shilling dafür ausgegeben werden.
    Geplant ist unter anderem die Beschaffung von 47 Jagdflugzeugen vom Typ FSX.
    Dieser Jäger ist eine japanisch-amerikanische Weiterentwicklung der F-16.
    Die japanischen Verteidigungsausgaben sollen bis 2001 jährlich um 2,1 Prozent anwachsen.
    Dabei sind Waffenkäufe von ungerechnet 434 Milliarden Schilling vorgesehen.
    Nordirland.
    Die internationale Kommission zur Entwaffnung der nordirischen Untergrundgruppen nimmt in Belfast ihre Arbeit auf.
    Auf dem Programm stehen Gespräche mit Vertretern der britischen Regierung.
    London ist erst dann zu All-Parteien-Gesprächen über Nordirland bereit, wenn die Waffen der katholischen und der protestantischen Untergrundbewegungen abgegeben worden sind.
    Russland.
    Die Offensive der tschetschenischen Freischärler hat sich ausgeweitet.
    Die Aufständischen haben die Kontrolle über die Stadt Urus-Martan südwestlich der Hauptstadt Grosny erlangt.
    Gekämpft wird weiter auch in Gudermes, der zweitgrößten Stadt Tschetschenens.
    Die Offensive überschattet die tschetschenischen Präsidentschaftswahlen, aber auch die Wahlen für das russische Parlament.
    Österreich.
    Im Wiener Austria-Center findet heute und morgen die Versteigerung der Restposten des Konsums statt.
    Die Auktion von etwa 1.600 Gegenständen soll zumindest 40 Millionen Schilling erbringen, die den Gläubigen des Konsums zugutekommen sollen.
    Das Angebot der zu ersteigernden Gegenstände reicht von einer ganzen Kaffee-Rüsterei bis zu Einkaufswagen mit einem Rufpreis von 100 Schillingen.
    Gelesen wurden die Meldungen von Josef Wenzel-Natek.
    Das Wochenende steht vor der Tür und Sie müssen vielleicht überlegen, wie Sie Ihre staatsbürgerliche Pflicht des Wählens mit dem freudvollen Genuss des Skifahrens verbinden werden.
    Dazu hören Sie jetzt Andreas Thiesner.
    Nun, der Schnee der letzten Tage wird den Skibegeisterten viel Freude machen und am Wochenende kommt auf den Bergen reichlich Sonnenschein dazu, allerdings nicht ganz ungetrübt, denn immer wieder können sich Wolken von Süden her bemerkbar machen.
    Und zwischen 1000 und 1500 Meter wird es auch recht mild sein am Wochenende.
    Im Flachland aber wird bei hohem Luftdruck die typische Nebelsituation.
    Insgesamt kommt zwar vorerst kein Schnee mehr dazu, aber es schmilzt bei den Temperaturen auch kaum etwas weg.
    Wie viel Schnee liegt zurzeit?
    Ein paar Werte in St.
    Anton am Adlberg 20 cm, auf dem Galt ca.
    55 cm, am Hannenkamm 60 cm, die Schmittenhöhe hat 65 cm, Obertauern 80 cm, am Hochkarligen 70 cm und in Lienz in Osttirol 50 cm.
    Jetzt die aktuellen Meldungen.
    Wien, Hochnebel 0°, Eisenstadt, Hochnebel 0°, St.
    Pölten, Hochnebel minus 1°, Linz stark bewölkt minus 1°, Salzburg stark bewölkt minus 6°, Innsbruck wolkig minus 3°, Bregenz stark bewölkt minus 4° und Graz und Klagenfurt stark bewölkt minus 1°.
    In Teilen Niederösterreichs, in Wien, im Burgenland und in der Oststeiermark meist trüb weiterhin, im Bergland heute zumindest zeitweise sonnig, aber immer wieder auch Wolken, vor allem in Osttirol, in Kärnten und in der Steiermark.
    Kräftiger Südwind heute auf den Bergen vor Adlbergs, Tirols und Salzburgs.
    Die Temperaturen am Nachmittag minus 4 bis plus 1 Grad.
    Am Wochenende dann beide Tage ähnlich, meist Hochnebel im Rheintal, in Ober- und Niederösterreich, in Wien, im Burgenland und in der südlichen Steiermark und in Unterkern mit einer Obergrenze von etwa 1000 Meter, wobei sich der Nebel nur stellenweise lichtet und Nebel am Vormittag auch noch in vielen Alpentälern.
    Fast durchwegs Sonnenschein im Bergland oberhalb von etwa 1000 Meter, hier werden allerdings vor allem südlich des Alpenhauptkamms tagsüber immer wieder Wolken zu sehen sein.
    Die Temperaturen am Wochenende minus 4 bis plus 2 Grad und in 2000 Meter steigen sie gegen 0 Grad.
    Soweit das Wetter von Andreas Thiesener und unser erster Beitrag kommt aus Madrid, wo der große EU-Gipfel heute gestartet wurde.
    15 Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union tagen.
    Das wichtigste Thema dabei ist wohl die Vorbereitung der Wirtschafts- und Währungsunion.
    Eine erste Entscheidung ist bereits gefallen, die künftige Währung wird Euro heißen.
    Vor wenigen Minuten kam diese Meldung über den Fernschreiber.
    Favorit war der Name Euro, ursprünglich und angehängt soll dann der Name der jeweiligen Landeswährung werden.
    Bei uns würde dann die Währung also Euro-Schilling heißen, zumindest dann für die ersten Jahre.
    Und auch das Gespenst der hohen Arbeitslosigkeit soll bekämpft werden.
    Österreichs Bundeskanzler Franitzski fordert in diesem Zusammenhang
    soziale Verträglichkeit des Ablaufs als oberstes Gebot.
    Franitzski und Vizekanzler Schüssel nehmen an der Konferenz in Madrid teil vom EU-Gipfel, berichtet Dieter Pornemann.
    Vieles ist bei der Wirtschafts- und Währungsunion noch offen und das soll in den nächsten zwei Tagen auf allerhöchster Ebene besprochen werden.
    Seit etwa zwei Stunden sitzen die 15 Staats- und Regierungschefs zusammen und beraten die nächsten Schritte, die zu einer gemeinsamen Währung führen sollen.
    Jetzt geht es vor allem um die Rahmenbedingungen für diese gemeinsame Währung.
    Der britische Premierminister John Major etwa will heute vor allem klären, welche Auswirkungen es auf den gesamten europäischen Binnenmarkt hat, wenn nur einige wenige Staaten bei der gemeinsamen Währung dabei sind.
    Was ist mit all den Ländern, die dann nicht bei der Einheitswährung dabei sind, weil sie nicht können oder auch nicht wollen, will Major wissen.
    Denn die Briten befürchten, dass die Währung der Länder, die nicht dabei sind, unter einen starken Druck gerät und abgewertet werden müssen.
    Das wiederum hätte negative Auswirkungen auf den gesamten Binnenmarkt.
    Anderen Ländern ist es wiederum wichtig, dass die Stabilität der neuen Währungen unter allen Umständen sichergestellt ist.
    Der deutsche Finanzminister Theo Weigl ist ja schon vor einigen Tagen mit der Idee eines Stabilitätspaktes vorgeprescht.
    Der Hintergrund dazu, den Deutschen kann eine neue Euro-Währung nur dann zugemutet werden, wenn sie so hart wie die Deutsche Mark ist.
    Die deutsche Idee des Stabilitätspaktes, der Strafen für Länder vorsieht, die wirtschaftlich nicht mehr den strengen Kriterien entsprechen, diese Idee, ist bei vielen anderen EU-Ländern auf Interesse gestoßen.
    Auch Österreich sei daran interessiert, dass die neue Euro-Währung besonders hart ist.
    Einen Widerspruch zu Weigl will Bundeskanzler Franisk nicht sehen, meint aber, dass die Stabilität sozial abgefedert werden muss.
    Ich schließe mich dieser Grundkritik und Skepsis gegenüber der Währungsunion nicht an.
    Ich befürworte sie, ich halte sie für richtig und sage, um den Arbeitnehmervertretern die Angst und die Skepsis zu nehmen,
    müssen wir uns zusätzliche Maßnahmen einer aktiven Beschäftigungspolitik überlegen.
    Außenminister Wolfgang Schüssel zeigte sich hingegen äußerst skeptisch.
    Den letzten Schätzungen der Kommission wird Österreich 96, 97 der Mitgliedstaat mit der dritthöchsten Defizitquote nach Griechenland und Italien sein und wir waren heuer jener Mitgliedstaat das einzige Land mit einem weiter ansteigenden Defizit.
    Wir werden bis 1997 das einzige Mitgliedsland sein, das mit einer ansteigenden Schuldenstandentwicklung zu rechnen hat.
    So Wolfgang Schüssel vor wenigen Minuten vor österreichischen Journalisten.
    Völlig offen ist derzeit noch, wie die kleinere Einheit zum Euro heißen soll.
    Denn was bei uns derzeit noch die Groschen sind, hat in der Euro-Währung noch keinen Namen.
    Die kleinste Einheit dürfte aber rund 13 Groschen wert sein.
    Am Nachmittag werden die Staats- und Regierungschefs vor allem über den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit in Europa reden.
    So wie auf vielen Gipfeln zuvor ist das auch hier ein Hauptthema.
    Denn nach wie vor sind rund 10 Prozent der EU-Bevölkerung ohne Arbeitsplatz.
    Hier in Madrid wird darüber geredet, wie die EU durch gezielte Förderung von Klein- und Mittelbetrieben und durch bessere Ausbildungsprogramme neue Arbeitsplätze schaffen kann.
    Denn die Streiks in Paris sind für viele hier eine unangenehme Warnung.
    Die neue Währung Euro soll also von 1999 zuerst im bargeldlosen Verkehr und vom Jahr 2002 dann in Münzen und Banknoten verwendet werden.
    Bis jetzt ist es noch unklar, wie lange die Währung einen nationalen Zusatz, also Euro Shilling oder Euro Mark, haben soll.
    Den Vorsitz der EU wird im ersten Halbjahr 96 Italien innehaben und dort steht das Schicksal der Regierung Dini auf dem Prüfstand.
    Denn die Regierung Dini verfügt über keine stabile Mehrheit im Parlament und wird deshalb als Regierung der Techniker von Staatspräsident Skalforos Gnaden angesehen.
    Am Abend wird das Parlament über das Budgetgesetz abstimmen, das wichtigste Gesetz des Jahres.
    Nach der bisherigen Obstruktion durch die Rechtsparteien wird Ministerpräsident Dini die Vertrauensfrage stellen und macht damit das Ergebnis von der Vertrauensabstimmung abhängig, ob Italien in das kommende Halbjahr, wenn es den Vorsitz in der EU hat, mit einer relativ stabilen Regierung oder mit Neuwahlen mit unbekanntem Ausgang geht.
    Reinhard Frauscher aus Rom.
    Seit Oktober steht die Arbeit des Parlaments im Zeichen des Budgets 1996.
    Es sieht moderate Einsparungen, vor allem im Sozialbereich, vor und gilt als ein Sparbudget, wenngleich drastische Maßnahmen bewusst vermieden wurden.
    Dies war der Preis für die Unterstützung durch die Mitte-Links-Parteien und das Stillhalten der Altkommunisten.
    Der Pol der Rechtsparteien, vor allem die Allianza Nazionale, war von Anfang an skeptisch und wollte die Regierung Dini zu Fall bringen, um damit Neuwahlen auszulösen.
    Silvio Berlusconi, zweiter Partner im Rechtsbündnis, hat bis gestern laviert.
    Seine Forza Italia hatte versucht, mit einem unauffälligen Zusatzartikel einen Steuervorteil herauszuschlagen.
    Berlusconi wird im nächsten Jahr einen Teil seines Fernsehimperiums mittels Gang an die Börse verkaufen.
    Die dabei anfallenden Steuern, in der Höhe von mehreren Milliarden Schilling, hätten mit einem Zusatzartikel zum Finanzgesetz gespart werden sollen.
    Die Linksparteien haben aber eher zufällig diesen Trick, wie sie sagen, entdeckt und Ministerpräsident Dini ihrerseits unter Druck gesetzt, dieses Steuergeschenk an Berlusconi zu verhindern.
    Berlusconi, der diesen Zusammenhang dementiert, hat sich deshalb gestern nach langen Verhandlungen mit Dini entschlossen, ihm heute das Misstrauen auszusprechen.
    Und er hat gute Chancen, damit durchzukommen, zumindest nach der Papierform, nach der Dini heute 33 Stimmen zur Mehrheit fehlen werden.
    Doch wie immer im römischen Polittheater ist die letzte Szene noch völlig offen.
    Die rechten Christdemokraten, obwohl zum Rechtsblock zählend, versuchen Zünglein an der Waage zu spielen.
    Und auch sonst muss bei 625 Abgeordneten der Kammer wie immer mit Abweichlern in beiden Lagern gerechnet werden.
    Ministerpräsident Dini ist jedenfalls gestern Abend demonstrativ gelassen, nach Madrid zum EU-Gipfel gefahren.
    Wenn er den heutigen Misstrauensantrag übersteht, bringt er nämlich damit nicht nur sein Budget unter Dach und Fach, sondern auch seinen Anspruch, im kommenden Halbjahr den Vorsitz in der EU zu führen.
    Denn es gilt in Rom als sicher, dass Dini nach seinem formellen Rücktritt am Ende des Jahres von Staatspräsident Skalfo mit der Bildung einer zweiten Regierung beauftragt werden wird.
    Nur damit können Neuwahlen und die zähe Regierungsbildung verhindert werden, die die EU-Präsidentschaft Italiens im kommenden Halbjahr geradezu blamabel aussehen lassen würden.
    Dazu muss Dini allerdings heute von einer Mehrheit der Abgeordneten das Vertrauen bekommen.
    Eine endlich wieder spannendere Frage nach Monaten langweiliger römischer Innenpolitik.
    Reinhard Frauscher mit Informationen aus Rom.
    Die Europäische Union kennt keine Ausländerregelung bei Fußballern, wenn sie aus der Union kommen.
    Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hat entschieden, dass das Transfersystem im Profifußball gegen das europäische Recht verstößt.
    Die hohen Transfersummen seien nicht mit dem für Arbeitnehmer in der Europäischen Union geltenden Recht auf Freizügigkeit vereinbar.
    Thomas Heuss aus Luxemburg.
    Der Europäische Gerichtshof hat erwartungsgemäß entschieden.
    Das bisher praktizierte Transfersystem für Profifußballer, bei dem oft unsummenden Ablösen bezahlt worden sind, ist ungesetzlich, urteilten die obersten europäischen Richter in Luxemburg.
    Auch dass es in den einzelnen Mitgliedsstaaten Beschränkungen für Fußballer aus anderen EU-Ländern gibt, ist nicht rechtens, sagen die Richter.
    Das widerspreche dem Prinzip des freien Wettbewerbs.
    Zurzeit gibt es praktisch in allen EU-Ländern sogenannte Ausländerparagrafen.
    Das heißt, etwa in Österreich oder in Deutschland dürfen pro Spiel nicht mehr als drei Ausländer für eine Mannschaft aufs Feld.
    Die Fußballfunktionäre haben das bisher damit begründet, man müsse das unter dem nationalen Gesichtspunkt sehen.
    Gerade am Fußballplatz kochen nationale Gefühle hoch.
    Wenn nun alle Mannschaften bunt zusammengewürfelte EU-Teams sind, dann ist das fürs Publikum nicht mehr interessant.
    Doch mit den Ausländerbeschränkungen ist jetzt Schluss.
    Jeder Klub darf so viele Fußballer aus anderen EU-Ländern einlaufen lassen, wie er will, sagte EuGH.
    Auch mit dem schwunghaften Handel zwischen den einzelnen Vereinen ist es nun vorbei.
    Für Profifußballer, deren Vertrag abgelaufen ist, dürfen beim Transfer keine Ablösesummen mehr verlangt werden.
    Aus der Sicht der Fußballfunktionäre ist das eine Katastrophe.
    Viele Vereine verlieren dadurch ihr Kapital, sagen sie.
    Für die Fußballvereine steht also eine Revolution ins Haus.
    Das gesamte bisherige Transfersystem ist mit dem EuGH-Urteil praktisch über den Haufen geworfen.
    Ausgelöst hat diese Fußball-Revolution der belgische Profikicker Marc Bosman.
    Vor fünf Jahren ist sein Wechsel vom belgischen FC Lüttich zum französischen Klub Denkirchen an der zu hohen Ablösesumme gescheitert.
    4,2 Millionen Schilling hatten die Lütticher verlangt.
    Der französische Zweitligaklub konnte das nicht mehr aufbringen.
    So positiv diese Regelung für die einzelnen Fußballer ist, weil ihr Sklavenstatus wegfällt, so katastrophal klingt die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für die Vereine, die sich häufig durch Verkäufe und Ablösesummen zu sanieren versuchen.
    Louis Glück hat mit dem Boss der ersten Division, Liga-Chef Hans Reitinger, gesprochen.
    Welche Auswirkungen hat Luxemburg auf Österreichs Fußball?
    Es hat gravierende Auswirkungen.
    Grundsätzlich einmal das Urteil überrascht uns nicht, denn der EU-Gerichtshof hat sich nach den Empfehlungen gehalten, die ja von den bekannten Juristen gegeben wurden.
    Die Auswirkungen für Österreich
    Wir warten einmal zuerst ab, was die UEFA dazu zu sagen hat, denn die UEFA ist als Dachorganisation für die betroffenen Länder anzusehen.
    Für Österreich selbst vorweg kann ich sagen, es wird meiner Meinung nach zu einer Übergangsfrist kommen müssen, denn es kann nicht sein, dass beispielsweise im Vorjahr ein Klub 10 Millionen Schilling für einen Spieler ausgegeben hat und der nach Ablauf von zwei Jahren sozusagen auf Kosten des Vereins
    jetzt frei ist, sich einen anderen Verein zu suchen ohne Ablöse.
    Ich schätze fünf Jahre, wo man also sozusagen die Beträge, die bisher investiert wurden, abschreiben kann und dann wird es wahrscheinlich dazu kommen, wie es also der EU-Gerichtshof entschieden hat.
    Herr Reitinger, sehen Sie die Gefahr, dass nun ein neuer Schwarzmarkt für Transfergelder entsteht, wenn es offiziell nicht mehr gezahlt werden darf?
    Nein, das sicher nicht, sondern es verlagern sich ja nur die Gelder.
    Die Gelder werden ja weiterhin bezahlt werden müssen.
    Nur fließen sie nicht mehr in die Vereine, sondern sie fließen also sicherlich als Gehaltsteil oder wie immer Sie das bezeichnen wollen, den Spielern zu.
    Ohne Zweifel.
    Das gab es ja schon bisher in der Form des Handgeldes.
    Richtig, ja.
    Es ist ein großer Vorteil für die aktiven Fußballer, denn sie sind dann jeweils nach Ablauf eines Vertrages frei, sich einen neuen Verein zu suchen und können sich sozusagen, wenn sie so wollen, selbst verkaufen.
    Halten Sie die Regelung für ungerecht, zum Beispiel für einen Verein, der einen Spieler aufbaut, der als junger Spieler dann schon sehr gut ist und der dann sozusagen nach all den Investitionen kostenlos frei wäre?
    Ich halte sie nicht nur für ungerecht, sondern ich halte sie für existenzgefährdend.
    Und zwar für Existenzgefährdend bitte nicht nur für den sogenannten professionellen Fußball, sondern auch für den Halbamateur- bzw.
    Amateurfußball.
    Denn es ist ja allgemein bekannt, dass auch der Amateurverein, der, wie Sie jetzt richtig sagen, ein junges Talent hervorgebracht hat, von diesen Ablösesummen ja überhaupt teilweise überhaupt gelebt hat.
    Abschließende Frage.
    Global glauben Sie also, dass dieses Brüsseler Urteil im Interesse der Fußballer ist und gegen die Interessen der Vereine?
    Das ist schwerstens gegen die Interessen der Vereine.
    Und ich weiß nicht, was die UEFA dagegen zu unternehmen noch bereit ist.
    Ich glaube, ganz unwidersprochen wird dieses Urteil nicht zur Kenntnis genommen werden können.
    Hans Reitinger, Liga-Chef des österreichischen Fußballs, im Gespräch mit Louis Glück.
    Zum Wahlkampf-Finale in Österreich meldet sich Nationalratspräsident Heinz Fischer in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender der SPÖ zu Wort.
    Gleichzeitig geben auch die amtierenden Minister und Staatssekretäre der ÖVP ihre Schlusserklärungen ab.
    Franz Simbürger berichtet.
    Dass die beiden Parteien einmal in einer großen Koalition waren und noch immer sind, das ist aus den letzten Pressekonferenzen von SPÖ und ÖVP vor der Wahl jedenfalls nicht herauszuhören.
    Denn Kritik an der ÖVP war auch in der letzten Wahlkampf-Pressekonferenz des stellvertretenden SPÖ-Vorsitzenden, Nationalratspräsident Heinz Fischer, das zentrale Thema.
    Er warf der Volkspartei vor, die Koalition zwar am Budget zum Platzen gebracht, im Wahlkampf aber bis zuletzt keine konkreten Budgetvorschläge vorgelegt zu haben.
    Auch könne die ÖVP, wie zuletzt Klubobmann Andreas Kohl, doch nicht ernsthaft der SPÖ vorschreiben wollen, welche Personen dort an der Spitze sein sollten, sagte Fischer.
    Auf eine genaue Prognose des Wahlergebnisses wollte sich Fischer heute nicht einlassen.
    Nur so viel.
    Einen deutlichen Erfolg hat die SPÖ dann erzielt, wenn sie mit deutlichem Vorsprung vor der ÖVP stärkste Partei wird.
    Eine deutliche Niederlage hätte die SPÖ erlitten, wenn die ÖVP ihr Wahlziel erreicht, stärkste Partei zu werden.
    Und alles, was sich zwischen diesen beiden
    klaren Positionen bewegt, ist eben dann auch entsprechend differenziert zu kommentieren.
    Fast spiegelgleich verlief etwa eine Stunde später die Pressekonferenz der beiden ÖVP-Generalsekretäre Maria Rauch-Kallert und Ottmar Karras.
    Diese Pressekonferenz war bestimmt von Angriffen gegen die SPÖ.
    Die Sozialdemokraten hätten Angst, Verunsicherung, die Unwahrheit und den Missbrauch der Sozialschwachen zum Programm erhoben, so Ottmar Caras.
    Die Frage nach Erfolg oder Niederlage bei der Wahl am Sonntag beantworten Rauch Kallert und Caras im Duett.
    Jeder Zugewinn ist ein Erfolg der österreichischen Volkspartei.
    Jede Reduktion des Abstandes zwischen ÖVP und SPÖ ist ein Erfolg.
    Aber natürlich ist es ein ganz enormer Erfolg, wenn wir die SPÖ wieder überholen.
    Unser Wahlziel ist und bleibt,
    die Mandats- und Stimmenstärkste Partei am 17.
    Dezember zu werden.
    Und das ist unser größter Erfolg.
    Alles, was in diesem Lande in diese Richtung verändert, so wie das Rauchmarie Rauchkallert gesagt hat, ist auch ein Erfolg, aber nicht in dem Ausmaß, wie wir ihn uns erwünschen.
    Und noch einmal auch heute die Frage nach einer möglichen Koalition der ÖVP mit den Freiheitlichen.
    Es gelte, was der ÖVP-Obmann gesagt habe, sagt Rauchkallert.
    Sich noch stärker als Wolfgang Schüssel von Haider abzugrenzen, wäre nur mehr mit Ehrenbeleidigungen möglich, so die ÖVP-Generalsekretärin.
    Die meisten Parlamentsparteien haben schon gestern den feierlichen Schlusspunkt des Wahlkampfes gesetzt.
    Die Freiheitlichen erledigen das heute.
    Am Abend wird freiheitlichen Chef Jörg Haider in der Wiener Hofburg seine Abschlusskundgebung mit einer eingebauten Adventfeier abhalten.
    Bereits am Vormittag gab es jetzt die letzte Wahlkampf-Pressekonferenz Haiders.
    Davon berichtet Hanno Settele.
    Jörg Haider als Darling der ausländischen Medien, Fernsehteams aus Spanien, Deutschland, Frankreich, den USA und Italien verfolgten heute die Abschlusspressekonferenz des freiheitlichen Parteiobmannes.
    Ganz im Sinne einer Wahlkampfzusammenfassung präsentierte Haider seine Vorstellungen über Privilegienbekämpfung und Nationalbank im Besonderen und Ausmisten im Allgemeinen.
    Eine Koalition mit der ÖVP sei nicht abzusehen, sagt Haider, denn der Schüsseldiskurs entspreche nicht seinen Vorstellungen.
    Nur unter gewissen Bedingungen könne es doch zu einer Kooperation mit der Volkspartei kommen.
    Ganz logisch, wenn die ÖVP in der Lage ist, unseren Kurs zu akzeptieren.
    Der eine ist für fleißige Leute, die sich anstrengen, die tüchtig sind und der auch klar macht, dass man
    in diesem Land zuerst einmal Ordnung macht bei den Privilegien und bei den Missständen, bevor man über neue Steuern und Belastungen für die Bevölkerung redet.
    Eine Stagnation auf den 22,5 Prozent vom Vorjahr würde Haider als Misserfolg für die Freiheitlichen werden.
    Der Erfolg beginnt freilich nicht weit darüber.
    Jede Stimme, die dazukommt, ist ein Erfolg.
    Ich meine, die anderen verlieren und werden ständig beklatscht, dass sie erfolgreich sind.
    Bei der SPÖ lese ich ständig, wenn sie über die 30-Prozent-Marke kommt, dann ist das ein Erfolg, obwohl sie jetzt fast 35 Prozent hat.
    Ich bitte also schon, zur Kenntnis zu nehmen, dass wir auch erfolgreich sind, weil wir Stimmen gewinnen, zum Unterschied von den anderen, die immer verlieren.
    Eine Minderheitsregierung der Volkspartei werde er nicht unterstützen, sagt Haider, denn das Land brauche stabile Verhältnisse.
    Dass die durch den sonntäglichen Wahlgang zustande kommen könnten, glaubt er aber nicht.
    Also ich habe bei der Bildung dieser großen Koalition gesagt, in ungefähr einem Jahr wird es auseinandergehen.
    Ich tippe darauf, dass es wieder eine große Koalition geben wird, weil der ÖVP sich bereits wieder in die Arme der Sozialisten begibt, mit allen möglichen Erklärungen untermauert.
    Sie wird nicht länger als zwei Jahre halten.
    Diesen Sonntag um 17 Uhr ist es dann also wieder mal soweit, während in den meisten Wahllokalen gerade erst die Türen geschlossen werden und die Wahlurnen geöffnet, verkünden Fernsehen und Radio bereits das voraussichtliche Ergebnis der Nationalratswahlen.
    Zwar nur als Prognose, aber dennoch überraschend genau.
    In den Parteizentralen knallen dann schon die Sektkorken oder es überwiegen betretene Gesichter, je nachdem.
    Nur selten hellen sich diese Trauerminen dann im Laufe des Abends wieder auf, denn meistens kann der Reporter stolz darauf verweisen, wie wir schon um 17 Uhr gemeldet haben.
    Sei also A der Gewinner und B der Verlierer der Wahl geworden oder umgekehrt.
    Das Geheimnis dahinter lautet Hochrechnung.
    Fritz Dittlbacher hat den ORF-Hochrechner Erich Neuwirth gefragt, wie er dieses rechnerische Meisterstück zu Wege bringt.
    Die ORF-Hochrechnung am Wahlabend ist in Österreich schon seit Jahrzehnten Tradition.
    Geändert hat sich allerdings das Ambiente.
    Stand Professor Bruckmann seinerzeit bei der Verkündung des Ergebnisses noch vor den eindrucksvoll hin- und herspulenden Wandgroßen Magnetmaschinen von Hannuel Bull, so braucht Erich Neuwirth heute nur mehr leichtes Gebäck.
    Seinen kleinen PC, der die Wahlprognose heuer hochrechnet, bringt er selbst mit rauf ins ORF-Zentrum.
    Wenn auch die Maschinen immer kleiner geworden sind, die Methode selbst ist seit den Anfangstagen der Hochrechnung gleich geblieben.
    Der Hochrechner nimmt an, dass die Menschen in ganz Österreich mehr oder minder gleich wählen, dass die Parteien praktisch überall in etwa den gleichen Anteil an Wählern gewinnen oder verlieren, so neu wird.
    Ich gehe davon aus, dass, ich verwende konkrete Beispiele, von den SPÖ-Wählern in Linz, Wels und Braunau in diesen drei Gemeinden ungefähr derselbe Prozentsatz zur ÖVP wechselt, und dass das auch für die anderen Parteien gilt.
    Wenn die SPÖ irgendwo stark ist, hat das eine höhere Wechselrate zur Folge, wenn die SPÖ irgendwo schwach ist, hat es eine geringere Wechselrate zur Folge.
    Das heißt, ich sage nicht, die Differenzen sind überall dieselbe, sondern ich sage,
    Der Verteilungsschlüssel, nachdem sich die Wähler einer bestimmten Partei vom letzten Mal diesmal verteilen, ist derselbe.
    Das heißt aber, ich könnte theoretisch von Bauerngemeinden auf Großstädte schließen nach diesem Modell?
    Theoretisch ist es so, in der Praxis ist es dann nicht ganz so.
    Es hat sich aber herausgestellt, dass die Bundesländer selbst einigermaßen homogen sind, dass man also keinen zu großen Fehler macht, wenn man bezüglich dieses Übergangsverhaltens von oberösterreichischen agrarischen Gemeinden auch auf oberösterreichische Städte schließt.
    Ich würde aber sicher nicht aus einem Vorarlberger ländlichen Gemeinde versuchen, ein Wiener Resultat hochzurechnen.
    Und damit ist man auch schon beim größten Problem des Sonntags.
    Denn da in Wien alle Wahllokale erst um 17 Uhr schließen, ist kein einziger Wiener Sprengel in dieser ersten Prognose drinnen.
    Die Schätzung ist also noch mit einigen Fragezeichen versehen, allerdings nicht mit vielen.
    Da ist der Auszählungsgrad dann in der Regel 25 Prozent oder ein bisschen mehr und da kann man schon vernünftig hochrechnen.
    Wie hoch sind da in etwa die Schwankungsbreiten, kann man das sagen?
    Üblicherweise muss man zu diesem Zeitpunkt bei den Mandaten noch mit plus minus zwei Mandaten rechnen.
    Und bei den Prozenten?
    Ein bis eineinhalb Prozent auf oder ab.
    Ein völliges Mirakel ist vielen hingegen die sogenannte Wählerstromanalyse.
    Hier wird nicht nur gesagt, wer gewonnen hat, sondern auch, welche Partei an wen verloren hat.
    Wie gibt es das bei intaktem Wahlgeheimnis, Erich Neuwirth?
    Ich sage natürlich nicht, wer.
    Das Geheimnis bleibt schon gewahrt.
    Ich sage nur, welche Prozentsätze.
    Das heißt, ich spreche niemals über einzelne Personen.
    Das ist auch nicht möglich mit statistischer Methodik.
    Es ist aber möglich, über Wählergruppen zu sprechen.
    Da kann ich nur darauf hoffen, dass mir die Hörer vertrauen, dass die Statistik so etwas tun kann.
    Und wie ist es mit dem Vertrauen des Statistikers selbst?
    Eine falsche Prognose kann den Hochrechner vor Millionen blamieren.
    Ist die letzte Nacht vor der Wahl für Neuwirt daher auch entsprechend unruhig?
    Also ich glaube nicht, dass ich in der Nacht von Samstag auf Sonntag schlecht schlafen werde.
    Ich schlafe allerdings die Nächte jetzt gerade nicht besonders viel, weil ich die Programme noch warten muss und weil ich zum Beispiel heute um zwei Uhr in der Nacht draufgekommen bin, dass das Programm, das ich verwende, noch einen kleinen Fehler hat und das hat mir dann schon noch Stunden gekostet, bis ich diesen Fehler bereinigt habe.
    Und hoffentlich war der auch der letzte.
    Soweit Fritz Titelbracher zum kommenden Wahlsonntag.
    Das Großunternehmen Konsum wird bis zum letzten Werkzeug hin veräußert.
    Nach den Geschäftslokalen kommen jetzt die Knochensägen und Kassamaschinen dran.
    Im Ina-Austria-Center werden heute und morgen die Restposten des ehemaligen roten Handelsriesen verwertet.
    Versteigert werden Gegenstände vom Einkaufswagerl über Ladeneinrichtungen bis hin eben zu Kassertischen.
    Daniel Rhein und Michael Czocklich haben sich unter die Interessenten an Konsummaterialien gemischt.
    Die Auktion ist hiermit eröffnet.
    Am Wort ist Herbert Karner, gleichsam Dirigent der Auktion und Chef jener Firma, die die Versteigerung für den Konsum durchführt.
    Er hat sein Publikum fest im Griff, eine bunte, vornehmlich männliche Mischung, die aus ganz Europa angereist ist.
    Die etwa 800 Bieter wollen Brauchbares aus dem Nachlass des Konsums preiswert ersteigern.
    Die Stimmung ist nüchtern wie der Saal.
    1400 verschiedene Positionen werden angeboten.
    Darunter bisher unverkäufliche Filialen von Wien bis Kitzbühel samt Einrichtung, dutzende Lastwagen und die Zirkel-Kaffee-Rösterei.
    Vor allem letztere interessiert die Bieter weit mehr als das Schicksal des Konsums.
    Ich komme aus Polen und interessiere mich für die Kaffee-Rösterei.
    Über den Konsum weiß ich praktisch nichts.
    Der Gesamtrufpreis ist mit 35 Millionen Schilling festgesetzt.
    Herbert Karner, Chef jener auf Industrieauktionen spezialisierten Firma aus Bad Aussee, hält diese Summe für zu hoch.
    Die Preise sind uns in stärkerem Maße vom Konsum vorgegeben und hier ist auch ein großes Maß an Wunschdenken mit dabei.
    Wir glauben nicht, dass wir diese Werte erzielen.
    Wir machen das seit 20 Jahren.
    Wenn ich eine Eiersortiermaschine sehe, dann weiß ich in etwa, was man dafür erzielen kann.
    Wir gehen davon aus, dass der Erlös wesentlich niedriger sein wird.
    Zu besichtigen sind die Versatzstücke im ehemaligen Zentrallager des Konsum in Hirschstetten.
    Dort ist es in den vergangenen Monaten ruhig geworden, nur die Auktion haucht der leblos wirkenden Grauenhalle kurzfristig Leben ein.
    700 Menschen haben hier gearbeitet, jetzt betreuen Mitarbeiter der Auktionsfirma potenzielle Käufer.
    Bewaffnet mit Katalog und kritischem Blick gehen die Interessenten durch die Halle.
    Dort warten tausende Einkaufswagen in Reih und Glied geparkt, neben alten Regalen, verschmutzten Vitrinen und militärisch genau ausgerichteten Hubstaplern.
    Schaufensterpuppen blicken starr aus ihren Kisten herab auf unzählige alte Wagen und Kassen, Wurstschneidemaschinen, Kühltruhen, Tresore und vieles andere.
    Auf allen Stücken pickt, wie der Kuckuck, die Auktionsnummer.
    Wonach sich die Käufer umsehen?
    Stapler, Gasstapler und eine Zeigerwaage hätte ich kaufen wollen.
    Und der Grund ist, dass es billig ist.
    Wegen dem bin ich hier eigentlich.
    Regale sind neu, oft sehr teuer.
    und schwer zu bekommen.
    Das Sortiment, was da gebraucht angeboten wird, ist billig.
    Ich habe ja selbst eine Firma und will das quasi ergänzen.
    Ja, ich habe ein kleines Geschäft im Burgenland und ich denke mir, da schaue ich mal vorbei und da kann es sicher etwas verschiedenes Interessantes geben.
    Es ist ja paradiesisch da eigentlich.
    Für einen kleinen Kaufmann wie ich, da gibt es ja alles in Hülle und Fülle.
    Aber da einen Überblick zu kriegen und was da überhaupt eine Einheit ist, die man kaufen kann und so weiter, das schaut recht schwierig aus.
    Mittlerweile ist die Versteigerung in Schwung gekommen.
    Stück um Stück wechselt den Besitzer und lässt dringend benötigtes Geld in die Kassen des insolventen Konsums fließen.
    Was niemand kaufen will, wird verschrottet.
    Vom stolzen und unsinkbar geglaubten Konsum wird dann praktisch nichts mehr übrig sein.
    Preisrechenwaage 208, 65 zum ersten, 65 zum zweiten und niemand mehr zum dritten, der Herr mit der Nummer 70.
    Soweit von der Versteigerung der letzten Konsummaterialien.
    Daniel Rhein und Michael Joklich haben berichtet.
    Der Indizienprozess zur ersten Briefbombenserie vom Dezember 1993 gegen Peter Binder und Franz Radl geht jetzt in die Endphase.
    Hält der Terminplan, wird das Beweisverfahren heute geschlossen.
    Mit einem Urteil wäre dann frühestens am Donnerstag zu rechnen.
    Der Elektrotechniker Binder soll laut Anklage die 10 Bomben versendet haben und an ihrer Herstellung zumindest beteiligt gewesen sein.
    Der 28-jährige Jus-Student Radl soll ihn dazu angestiftet haben.
    Zehnfachen Mordversuch als Mittel der NS-Wiederbetätigung sieht die Anklage in der Attentatsserie.
    Beide bekennen sich nicht schuldig.
    Soweit der Stand bis heute.
    Aus dem Gerichtssaal jetzt Karl Jokowski.
    Nach mehr als 100 Zeugenaussagen geht der Briefbombenprozess in die Endphase.
    Das Beweisverfahren wird heute abgeschlossen.
    Das Gericht rechnet nämlich nicht mehr damit, dass Zeugen, die geladen sind, auch erscheinen werden.
    Zum Beispiel der Zeuge Roger Moore, ein Neonazi, ist unauffindbar.
    Er soll in Deutschland untergetaucht sein.
    Gegen ihn besteht seit dem Frühjahr 1994 ein Haftbefehl.
    Die wichtigste Zeugenaussage kam heute von einer Beamtin des Innenministeriums, die alle Bekennerbriefe zu den Briefbomben verglichen und analysiert hat.
    Vor allem ein Pamphlet im burgenländischen Ollersdorf aufgetaucht nach dem Oberwarta-Rohrbombenattentat gab einen entscheidenden Hinweis zur Bayouvarischen Befreiungsarmee.
    Die Analyse der Beamtinnen ergab kurz zusammengefasst Folgendes.
    Der Bombenhersteller fühlt sich sehr sicher und rechnet nicht damit, dass er erwischt wird.
    Er ist der derzeit bekannten Rechtsszene nicht zuzuordnen.
    Er könnte aber genauso ein skrupelloser Techniker sein, der jeden Auftrag annimmt.
    Weiters wollen der oder die Täter unterschiedliche Feindbilder treffen.
    Und so wählen sie unterschiedlich die Opfer aus.
    Die einen bekommen Briefbomben, die anderen werden in tödliche Sprengfallen gelockt.
    Das Ziel ist aber immer die Änderung der Fremdenpolitik in Österreich.
    Wie schon zu Beginn gesagt, das Beweisverfahren wird heute abgeschlossen.
    Mit dem Urteil ist nächsten Donnerstag zu rechnen.
    Das war Karl Jakowski aus dem Wiener Landesgericht.
    Es ist jetzt neun Minuten nach halb eins und wir bringen einen Programmhinweis.
    Es erscheint mir doch, dass...
    Japaner ein, wie soll man sagen, relativ lustiges Südseevölkchen ist, das sich also über einigermaßen seichte Schmähs unendlich abhauen kann.
    Ein österreichischer Japanologe interpretiert, was er täglich in den Unterhaltungsshows des japanischen Fernsehens sieht.
    Und das sind Menschen, die ihr Alltagskostüm abstreifen und zu schrillen Bühnenstars werden.
    Das Japan-Bild, das einem die Medien des Landes vermittelt, hat nichts mit Geishas, Zen und Kirschblüte zu tun.
    Japan im Medienjournal, 18.20, Österreich 1.
    Der Ausblick auf das Medienjournal heute Abend hat uns bereits wieder ins Ausland gebracht.
    PLO-Chef Yasser Arafat wird erstmals seit 28 Jahren wieder in die Stadt Nablus im Westjordanland reisen.
    Er will dort in einer Rede an die Bevölkerung wenden, nachdem die israelische Armee sich zurückgezogen hat.
    Nablus ist die dritte Stadt im Westjordanland, die Israel als autonomes Gebiet den Palästinensern zurückgegeben hat.
    Bis zum Ende des Jahres muss Israel laut Autonomievertrag noch drei weitere Städte im Westjordanland räumen.
    Am 20.
    Jänner sollen dann erstmals in den Autonomiegebieten Wahlen zu einer palästinensischen Volksvertretung stattfinden.
    US-Außenminister Warren Christopher ist gleichzeitig neuerlich im Nahost unterwegs, um den Friedensprozess voranzutreiben.
    Ben Segenreich informiert aus Israel.
    Bei nahezu früh ist Yasser Arafat nach Nablus gekommen, denn die größte Stadt des Westjordanlands ist erst in der Nacht auf Dienstag an die Palästinenser übergeben worden.
    Und das war sogar zwei Tage früher als geplant.
    Das heißt, der neuen Verwaltung blieb kaum Zeit, sich zu organisieren.
    Erst gestern etwa ist die Streitkraft 17, Arafats persönliche Garde, in Nablus eingerückt.
    In aller Eile haben Bulldozer Stacheldraht weggerissen und den Boden planiert, um Platz zu schaffen für zehntausende Menschen aus der Stadt und den Dörfern der Umgebung, die dem Autonomievorsitzenden heute zujubeln.
    Von den Lautsprechern der Minarette war seine bevorstehende Ankunft angekündigt worden.
    Vor 28 Jahren soll Arafat in Frauenkreisen aus Nablus geflohen sein.
    Heute Vormittag flog er in einem ägyptischen Hubschrauber aus Gaza heran, begleitet von einem Hubschrauber der israelischen Luftwaffe, und er sprach vom Dach jenes Gebäudes, das bis vor kurzem noch als israelische Militärkommandantur gedient hatte.
    Wie immer versetzte er die Massen in Begeisterung, als er versprach, er werde auch Jerusalem befreien.
    Was die vielen Waffen betrifft, die in den letzten Tagen in der Stadt zu sehen waren und auch immer wieder abgefeuert wurden, hat der neue Gouverneur des Bezirks, Mahmoud Alul, eine harte Linie angekündigt.
    Es dürfe gefeiert werden, aber man dürfe nicht in die Luft schießen, der keinen Waffenschein habe, dessen Waffe würde beschlagnahmt und er würde bestraft.
    Ähnliche Warnungen hat es freilich auch zu Beginn der Autonomien Gaza gegeben, ohne dass sie wirklich Folgen gehabt hätten.
    Die Herstellung der Ordnung, das gilt auch als eines der Motive für Arafats schleunigen Auftritt.
    Denn in der Stadt ist eine Bande der Fatah-Falken und der Ahmed Tabuk aktiv.
    Sie hat in den letzten Wochen eine Art anarchische Terrorjustiz aufgezogen, immer wieder Palästinenser verschleppt und durch Schüsse in die Knie bestraft.
    Sie nützte dabei das Machtvakuum aus, denn die Israelis waren so kurz vor ihrem Abzug nicht mehr erpicht darauf, sich in palästinensische Kontroversen einzumischen.
    Arafat soll durch seine Autorität ein Arrangement zwischen den Falken und der neuen Verwaltung herbeiführen.
    Das andere Motiv des Besuchs ist das Einläuten des Wahlkampfs.
    Gestern war der erste Tag, an dem sich Kandidaten für die Wahlen am 20.
    Jänner registrieren lassen konnten und Arafat hat formell erklärt, dass er für das Amt des Autonomievorsitzenden kandidiert.
    Der Besuch in Nablus soll wohl für die Teilnahme an den Wahlen im Allgemeinen werben und für Arafats Vatak-Partei im Besonderen.
    Morgen wird Arafat übrigens die 40 Kilometer in eine andere seiner Autonomieinseln fliegen, nach Jericho, wo er den amerikanischen Außenminister Warren Christopher treffen wird.
    Der ist seit heute damit beschäftigt, zwischen Israel und Syrien zu vermitteln.
    Schwierigkeiten gibt es indessen mit dem Abzug der Israelis aus Bethlehem.
    Er sollte am nächsten Montag erfolgen, doch eine Umfahrungsstraße für die jüdischen Tiedler wird nicht rechtzeitig fertig.
    Es kommt nun zu einer Verzögerung von drei Tagen, aber Bethlehem soll auf jeden Fall noch vor Weihnachten an die Palästinenser übergeben werden.
    Und Warren Christopher, der amerikanische Außenminister, will Hafez al-Assad, den syrischen Präsidenten, über jene Gespräche unterrichten, die der israelische Ministerpräsident Shimon Peres diese Woche in Washington geführt hat.
    Am Abend will der Minister dann nach Jerusalem weiterreisen.
    Die glanzvollen Bilder der gestrigen Friedensunterzeichnung in Paris sind vorbei und Material für die Geschichtsbücher.
    Die Friedensarbeit in Bosnien, Herzegowina muss erst beginnen.
    In New York debattiert der UNO-Sicherheitsrat das Mandat für die NATO-Truppe.
    Die USA drängen, dass die Resolution noch heute fällt, damit mit der Verlegung der 60.000 Mann nach Bosnien begonnen werden kann.
    Niemand macht sich Illusionen über die bevorstehenden Probleme, denn das Dayton-Abkommen hat im ehemaligen Jugoslawien nur wenige überzeugte Befürworter.
    Serbiens Präsident Milosevic, der sich als großer Friedensbringer feiern lässt, hat in den Augen der nationalistischen Serben den größten Verrat begangen.
    Hören Sie mehr von Zoran Opra.
    Für die nationalistischen Parteien in Serbien ist der gestrige Tag ein trauer Tag.
    Denn mit der Unterzeichnung des Friedensabkommens in Paris und anschließender Aufnahme der diplomatischen Beziehung zwischen Rest-Jugoslawien und Bosnien-Herzegowina ist ihr Traum von Großserbien endgültig ausgeträumt.
    Beschäftigte Reaktion kam vom unterrechten radikalen Führer Wojslaw Szeszel.
    Er bezeichnete den Pariser Friedensvertrag als die größte Niederlage des serbischen Volkes
    die sowohl für die Unterzeichner als auch für das gesamte Volk schwerwiegende Folgen haben werden.
    Sechel kündigte auch den baldigen Zusammenbruch der Milošević-Regierung an.
    Doch mit dieser Beurteilung ist er ziemlich allein.
    Die anderen Parteien des nationalistischen Blocks übten gemäßigte Kritik am Pariser Friedensabkommen.
    So äußerte der Führer der Demokratischen Partei Serbiens, Wojsław Kustunica, lediglich die Befürchtung, dass Vertragswerk von Paris
    hätte die wahren Gründe für den Konflikt und den Krieg in Bosnien nicht beseitigt.
    Die anderen nationalistischen Politiker, wie etwa Zoran Djindjic, benutzten die Gelegenheit, um eine Wende der eigenen Politik anzukündigen.
    Djindjic war noch vor kurzem Karadzic-Sprecher in Belgrad, jetzt begrüßt er die Unterzeichnung des Pariser Friedensabkommens.
    Auch andere Institutionen in Serbien, die Erdogan-Karadzic-Politik stark unterstützten, reagierten eher zurückhaltend.
    Die Serbische Akademie für Wissenschaften, die Zwingburg des großserbischen Nationalismus, veranstaltete eine wissenschaftliche Tagung.
    Die Akademiker jammerten über das schlechte Verhältnis Europas zu den Serben.
    Zu einem aktiven Widerstand gegen Milosevic-Politik riefen sie jedoch nicht auf.
    Die serbisch-orthodoxe Kirche hat ebenfalls nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens Probleme.
    Die Spaltung der Befürworter und Gegner des Friedensvertrags, die so tief
    dass einige orthodoxe Bischöfe zurücktreten wollen.
    Am 21.
    Dezember will der heilige Synod dann auch über das Schicksal des serbischen Patriarchen Pavle entscheiden, dessen Ablösung der radikale Kirchenflügel verlangt.
    Dem Patriarchen werfen die orthodoxen Bischöfe aus Bosnien vor, mit seiner Unterschrift unter die verhandlungsvolle Macht für Milosevic den jetzigen Ausgang mitverschuldet zu haben.
    Nach diesem Beitrag von Soren Oprah fällt mir keine andere Überleitung ein, als zu sagen und jetzt zu etwas ganz anderem, denn jetzt geht es um Sexualberatung.
    Fast jeder Mensch hat sie einmal im Laufe seines Lebens, Probleme mit der Sexualität, die er nicht alleine lösen kann.
    Verwandten oder Freunden vertraut er sich nicht an, die wichtigsten und wenigen Beratungsstellen sind überlaufen.
    Um diesem Mangel abzuhelfen, hat die Wiener Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin einen neuen Studiengang ins Leben gerufen, den Sexualberater.
    Heute präsentierten sich in Wien die ersten Absolventen der Öffentlichkeit, Martin Heidinger berichtet.
    Im Unterschied zu den sogenannten Sexualtherapeuten ist der Berufsstand des Sexualberaters genau definiert und geschützt.
    Der Studiengang an der Wiener Internationalen Akademie für Ganzheitsmedizin dauert sechs Semester und umfasst alles, was ein Berater über Sexualität, Pädagogik, rechtliche und medizinische Fragen wissen sollte.
    So glänzen die frischgebackenen Absolventinnen und Absolventen durch eine fundierte Ausbildung, sagt die Psychotherapeutin Rotraud Perner, die Leiterin der Ausbildung.
    Jeder Klient soll wissen, was er von seinem Berater erwarten kann.
    Er kann also davon ausgehen, oder sie kann davon ausgehen, dass hier eine Fachkraft angesprochen werden kann, die aus einem Sozial-, Bildungs- oder Gesundheitsberuf kommt, also eine fundierte Ausbildung in einem Basisberuf hat.
    Wobei sich jeder der Absolventen, wie sie selber sagen, genau spezialisiert hat.
    Mein Schwerpunkt liegt in der Beratung von Paaren und übergewichtigen Frauen und Belästigung am Arbeitsplatz, speziell in Ausrichtung auf den Fremdenverkehr, der hier in Österreich sehr groß ist.
    Mein Spezialgebiet ist zum Beispiel physische, psychische Misshandlung, Missbrauch von Kindern und Frauen.
    Und daraus und aus vielen anderen Bereichen, auch meiner Kollegen und Kolleginnen, findet dann jeder den speziellen Experten, den er gerade in seiner Situation braucht.
    Ich bin Theaterpädagoge und habe schon 15 Jahre lang, also vor allem in Seminaren mit Erwachsenen,
    gearbeitet, wo es auch sehr viel um Beziehungsfragen gegangen ist und dadurch ist das eine gute zweite Schiene für meinen bisherigen Beruf.
    Ich würde gerne in einer Beratungsstelle arbeiten und mir wäre wichtig, die Verbindung zwischen Schule und Beratungsstelle, dass diese Verbindung noch besser funktioniert.
    Arbeiten werden die Absolventen, wie schon gesagt, entweder in Beratungsstellen oder in Privatpraxen, die, wenn es nach innen geht, schon bald in ganz Österreich zu finden sein werden.
    Wenn alles gut geht, gehört zur Sexualität auch die Liebe und darum geht es in unserem jetzigen Beitrag aus der Kulturredaktion.
    Der vielleicht schönste Film des heurigen Weihnachtsangebots entführt in die legendäre Bloomsbury Boheme einen Künstlerkreis um Virginia Woolf im London der frühen 20er und 30er Jahre.
    In dem in Cannes mehrfach preisgekrönten Streifen Carrington spielen Oscar-Preisträgerin Emma Thompson und Jonathan Pryce ein historisches Liebespaar der etwas anderen Art, das mit den sexuellen Tabus der damaligen Zeit gebrochen hatte.
    Nächste Woche kommt der als besonders wertvoll bewertete Film nach Österreich.
    Karin Baus Bericht beginnt mit einem Szenenausschnitt.
    Ich weiß nicht, wo es mit dieser Welt noch enden soll.
    Frauen, die sich in Schwule verlieben und Schwule, die sich in Frauenhelden verlieben und das bei den Kohlepreisen.
    Sexuelle Freizügigkeit und eine innige platonische Liebe kennzeichnen die 17 Jahre dauernde Amour-Fou zwischen der androgynen Malerin Dora Kerington und den um elf Jahre älteren homosexuellen Literaten Lytton Stregi.
    Dem Geheimnis dieser Liebe suchte Hauptdarstellerin Emma Thompson auf die Spur zu kommen.
    I think that's why Lytton was so attractive to her, because he didn't want to control her, he wanted to invade her.
    He didn't want to control her, he didn't want to invade her, he gave her her liberty, in fact.
    Freiheiten, die an der gemeinsamen Neigung zu einem gutaussehenden Mann ihre fragile Beziehung zu zerbrechen drohen, doch ihre vom Körperlichen getrennten Gefühle dominieren.
    Mein geliebter Lytton,
    Es gebe so vieles zu sagen, doch ich fühle mich unfähig, es niederzuschreiben.
    Natürlich war mir klar, dass ich von dir eigentlich nichts erhoffen konnte.
    Nun ja, vielleicht am Anfang nicht.
    Aber all diese Jahre war ich mir bewusst, dass mein Leben mit dir an Grenzen stoßen würde.
    Litten, du bist der einzige Mensch, für den ich je eine allumfassende Leidenschaft empfunden habe.
    Ich werde das nie wieder für jemanden empfinden.
    Ich könnte das nicht.
    Nicht mehr.
    Ich habe die selbstloseste Liebe erlebt, die ein Mensch empfinden kann.
    Christopher Hampton, Drehbuchautor von Gefährliche Liebschaften, verfasste das Drehbuch für Kerington bereits vor 20 Jahren, fand aber keine Möglichkeit, es zu realisieren.
    Erst sein Entschluss, erstmals bei einem Film auch Regie zu führen, ermöglichte die Verfilmung.
    Das Faszinierende an diesem Film sei für Hampton, dass es hier darum gehe, Sexualität von der Liebe trennen zu können.
    Hampton setzt die Gefühlswelt der Protagonisten mit herrlichen Aufnahmen der englischen Landschaft und mit Ausschnitten aus ihren künstlerischen Schaffen um.
    Ihre Bilder zeigen Lytton Strachey als gefeierten Literaten in London und Dora Karrington als ambitionierte Malerin.
    Eines ihrer schönsten Werke ist das Porträt von Strecci, der kurz vor seinem Tod bekannte.
    Ich liebe sie.
    Ich wollte Carrington immer zum Traueralter führen.
    Und ich habe es nie getan.
    Wenn das der Tod ist, dann halte ich nicht allzu viel davon.
    Dora Carrington konnte sich ein Leben ohne Lippen Strecci nicht vorstellen und folgte ihm sechs Wochen später in den Freitod.
    Vom Film zur harten Wirklichkeit die neuesten Nachrichten.
    Spanien.
    Die neue europäische Einheitswährung wird Euro heißen.
    Darauf haben sich die Staats- und Regierungschefs der EU geeinigt.
    Außenminister Schüssel meinte, unklar sei nur noch, ob die Währung eine nationale Zusatzbezeichnung haben werde.
    Die neue Währung soll ab 1999 zunächst im bargeldlosen Verkehr und ab dem Jahre 2000 in Münzen und in Banknoten verwendet werden.
    Vereinte Nationen Der Sicherheitsrat debattiert über das Mandat für die Friedenstruppe in Bosnien.
    Über einen entsprechenden Resolutionsentwurf soll spätestens morgen abgestimmt werden.
    Aufgabe der Truppen wird es sein, das gestern in Paris unterzeichnete Friedensabkommen umzusetzen.
    Über den Einsatz der Soldaten beraten heute in Brüssel auch die NATO-Botschafter mit 16 Nicht-NATO-Staaten.
    Diese wollen sich ebenfalls an der Bosnien-Aktion beteiligen.
    Frankreich Die Streiks gegen die Sparpläne der Regierung in Paris dauern an.
    Nach mehr als drei Wochen gab es erste Auflösungstendenzen, dann entstanden im Großraum Paris wieder kilometerlange Staus.
    Einige U-Bahnen sind wieder in Betrieb.
    Die Regierung ist bei den staatlichen Eisenbahnern zu Zugeständnissen bereit, will aber unbedingt an der Reform der hochverschuldeten französischen Sozialversicherung festhalten.
    Luxemburg.
    Gestreikt wird heute auch in Luxemburg.
    Wegen eines 24-stündigen Ausstandes der Fluglotsen sind Flüge unmöglich.
    Nahe Osten.
    Der amerikanische Außenminister Christopher ist in Damaskus mit dem syrischen Präsidenten Assad zusammengetroffen.
    Christopher will die festgefahrenen Friedensverhandlungen zwischen Israel und Syrien wieder in Gang bringen.
    Er beabsichtigt auch Besuche in Israel, Ägypten, Jordanien und in den Palästinenser Gebieten.
    Italien.
    Die Regierung von Ministerpräsident Dini stellt in Rom die Vertrauensfrage.
    Dini will damit die Verabschiedung seines Sparhaushaltes für das kommende Jahr erzwingen.
    Nordirland Die internationale Kommission zur Entwaffnung der nordirischen Untergrundgruppen nimmt in Belfast ihre Arbeit auf.
    Die Regierung in London ist erst dann zu Allparteiengesprächen über Nordirland bereit, wenn alle nordirischen Untergrundbewegungen ihre Waffen abgegeben haben.
    Österreich Nach 27 Verhandlungstagen und nach mehr als 100 Zeugenaussagen ist der Briefbombenprozess heute in Wien in die Endphase gelangt.
    Prozessvorsitzender Fischer will am frühen Nachmittag die Beweisaufnahme beenden und am verhandlungsfreien Montag die Fragen an die Geschworenen ausarbeiten.
    Das Wetter?
    Hochnebel hält sich vor allem in der südlichen Steiermark, im Burgenland, in Wien und in Niederösterreich, sonst ist es zeitweise sonnig.
    Temperaturen minus vier bis plus ein Grad.
    Am Wochenende im Flachland häufig trüb und kalt in den Bergen hinwegen, zeitweise sonnig.
    Dieses Mittagsschanal wurde technisch ermöglicht durch Herbert Heiner und redaktionell geleitet von Wolfgang Wittmann.
    Einen schönen Nachmittag wünscht Ihnen Hubert Arnim Ellison.

    Beiträge dieses Journals

    Nachrichten
    Datum: 1995.12.15 [Sendedatum]
    Schlagworte: Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wetter
    Datum: 1995.12.15 [Sendedatum]
    Schlagworte: Natur ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Europäischer-Union-Gipfel Madrid
    Einblendung: Vranitzky, Schüssel
    Mitwirkende: Bornemann, Dieter [Gestaltung] , Vranitzky, Franz [Interviewte/r] , Schüssel, Wolfgang [Interviewte/r]
    Datum: 1995.12.15 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik ; EU ; Währungspolitik ; Wirtschaftspolitik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Vor Vertrauensabstimmung über Dini
    Regierung Dini verfügt über keine Stabilität im Parlament, und führt im nächsten Halbjahr den EU-Vorsitz, wenn nicht vorher Neuwahlen mit ungewissen Ausgang kommen.
    Mitwirkende: Frauscher, Reinhard [Gestaltung]
    Datum: 1995.12.15 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik ; Regierung ; Finanzpolitik ; EU ; Parlament ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre ; Italien
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    dazu: österreichischer Liga-Chef Reitinger
    Interview: Reitinger
    Mitwirkende: Glück, Luis [Gestaltung] , Reitinger, Hans [Interviewte/r]
    Datum: 1995.12.15 [Sendedatum]
    Schlagworte: Sport ; EU ; Justiz und Rechtswesen ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wahlkampf-Abschluss FPÖ
    Einblendung: Haider. Haider lehnt eine Koalition mit der ÖVP ab und hat sich dafür seinen Kernthemen Privilegienabbau und Korruptionsbekämpfung verschrieben. Sein Kurs, so Haider spreche die fleißigen Leute an, die sich anstrengen. Haider tippt auf eine weitere große Koalition, diese werde aber nicht länger als zwei Jahre halten.
    Mitwirkende: Settele, Hanno [Gestaltung] , Haider, Jörg [Interviewte/r]
    Datum: 1995.12.15 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Parteien / FPÖ ; Opposition ; Wahlen ; Direkte Demokratie ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wie funktioniert die Hochrechnung?
    Einblendung: Erich Neuwirth
    Mitwirkende: Dittlbacher, Fritz [Gestaltung] , Neuwirth, Erich [Interviewte/r]
    Datum: 1995.12.15 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik Österreich ; Regierung ; Opposition ; Wahlen ; Direkte Demokratie ; Marktforschung und Meinungsforschung ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Große Versteigerung von Konsum-Restposten
    Einblendung: Herbert Karner, Versteigerungsleiter. Einkaufswagerl, Kassatische, Kühltruhen sowie eine Kaffeerösterei und anderes werden an Interessierte versteigert.
    Mitwirkende: Csoklich, Michael [Gestaltung] , Karner, Herbert [Interviewte/r] , Anonym, Passantin, Passant, Passanten [Interviewte/r]
    Datum: 1995.12.15 [Sendedatum]
    Schlagworte: Wirtschaft ; Konsum ; Wirtschaftspolitik ; Finanzpolitik ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Arafat in Nablus
    Nablus ist die dritte Stadt, die den Palästinensern im Westjordanland übergeben wird. PLO-Chef Arafat versprach der versammelten Menge, auch Jerusalem zu befreien.
    Mitwirkende: Segenreich, Ben [Gestaltung]
    Datum: 1995.12.15 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik ; Krisen und Konflikte ; Minderheiten ; Regierung ; PLO ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre ; Regionen / Naher Osten ; Israel
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Belgrader Reaktionen auf Bosnien Vertrag
    Für die serbischen Nationalisten ist der Daytoner Friedensvertrag ein Verrat an ihrer Idee von "Großserbien" durch Präsident Milosevic. Die serbisch-orthodoxe Kirche ist in ihrer Befürwortung des Abkommens gespalten.
    Mitwirkende: Opra, Zoran [Gestaltung]
    Datum: 1995.12.15 [Sendedatum]
    Schlagworte: Politik ; Krieg ; Krisen und Konflikte ; Verhandlung ; Nationalismus ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Wissenschaft: Neue Erkenntnisse Sexualberatung und -pädagogik
    Einblendung: Perner
    Mitwirkende: Haidinger, Martin [Gestaltung] , Perner, Rotraud [Interviewte/r]
    Datum: 1995.12.15 [Sendedatum]
    Schlagworte: Medizin ; Sexualität ; Medizin ; Frauen ; Männer ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten
    Kultur: Preisgekrönter Film "Carrington" kommt nach Österreich
    Einblendung: Emma Thompson, Christopher Hampton
    Mitwirkende: Baur, Karin [Gestaltung] , Thompson, Emma [Interviewte/r] , Hampton, Christopher [Interviewte/r]
    Datum: 1995.12.15 [Sendedatum]
    Schlagworte: Kultur ; Film ; Spielfilm ; Radiosendung-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre
    Typ: audio
    Inhalt: Nachrichten

    Katalogzettel

    Titel Mittagsjournal 1995.12.15
    Spieldauer 00:55:54
    Mitwirkende Arnim-Ellissen, Hubert [Moderation] [GND]
    ORF [Produzent]
    Datum 1995.12.15 [Sendedatum]
    Schlagworte Gesellschaft ; Radiosendung-Mitschnitt
    20. Jahrhundert - 90er Jahre
    Typ audio
    Format DAT [DAT-Kassette]
    Sprache Deutsch
    Signatur Österreichische Mediathek, jm-951215_k02
    Medienart Mp3-Audiodatei
    Gesamtwerk/Reihe Mittagsjournal

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    Inhalt

    Nachrichten

    Verortung in der digitalen Sammlung

    Schlagworte

    Gesellschaft , Radiosendung-Mitschnitt