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KI-generiertes Transkript
Und hier meldet sich die Journalredaktion.
Am Mikrofon ist Herbert Dobrowolny.
Guten Tag, meine Damen und Herren.
Das sind die Themen des Mittagsschonals an diesem Samstag.
In Paris ist das Geiseltrama beendet worden.
In Wien ist der Kabarettist Hugo Wiener an Herzversagen im 90.
Lebensjahr verstorben.
In Niederösterreich wird morgen ein neuer Landtag gewählt.
In Kärnten wird man weiter auf Jörg Haider vergebens warten müssen.
Im Mittagsschanal dementiert er Berichte, wonach er nach Kärnten zurückkehren werde.
In Serbien wird an diesem Wochenende über den Vents on Friedensplan abgestimmt.
In Graz findet eine Nationalismus-Konferenz statt.
Im Journal zu Gast ist der Kinderpsychiater Dr. Achmed Turuk.
Im Land Salzburg findet morgen eine EWR-Abstimmung statt.
Und in Wien haben gestern die Festwochen begonnen.
Wir fassen die Programm-Highlights zusammen.
Im Nebenstudio sitzt aber nun Alexander Jonach.
Er liest die von Jürgen Pfaffinger geschriebenen Meldungen.
Frankreich.
Das Geiseltrama von Paris ist in der Früh blutig zu Ende gegangen.
Der Geiselnehmer wurde erschossen.
Eine Spezialeinheit der Polizei stürmte den Kindergarten, befreite die Geiseln und tötete den Geiselnehmer durch einen Kopfschuss.
Die sechs Kinder und die Erzieherin, die bis zuletzt in der Gewalt des Geiselnehmers waren, blieben unverletzt.
Der Mann hatte den Kindergarten vor zwei Tagen überfallen und für die Freilassung der Geiseln umgerechnet 200 Millionen Schilling-Lösegeld verlangt.
Die ersten Ermittlungen nach der Befreiungsaktion haben ergeben, dass die Lage der Geißeln offenbar gefährlicher war als ursprünglich angenommen.
Sprengstoffspezialisten fanden in den Räumen des Kindergartens 21 Dynamitstäbe, die der Geißelnehmer jederzeit durch einen einfachen Knopfdruck zünden hätte können.
Österreich.
Hugo Wiener ist tot.
Er starb im 90.
Lebensjahr an Herzversagen.
Hugo Wiener gehörte jahrzehntelang zu den bedeutendsten österreichischen Chansonkomponisten und Kabarettisten.
Einen Namen machte er sich aber auch als Autor zahlreicher satirischer Bücher.
Bereits in der Zwischenkriegszeit kam Hugo Wiener zum Theater.
Nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland floh er ins Exil nach Südamerika.
Nach seiner Rückkehr nach Wien arbeitete Hugo Wiener vor allem für das Cabaret, aber auch als Film- und Operettenkomponist.
In den 50er und 60er Jahren textete er gemeinsam mit Carl Falkasch die legendären Simple Revues.
Bekannt wurde Hugo Wiener aber auch als Komponist und Texter zahlreicher Chansons, die er für seine Frau Cissi Kraner schrieb.
Zu den bekanntesten Titeln zählen Der Nowak und Ich kann den Nowotni nicht leiden.
Bosnien, Herzegowina.
Die bosnischen Serben stimmen heute in einem Referendum über den Van-Zoen-Friedensplan ab.
Es gilt aber schon von vornherein als sicher, dass der Friedensplan auch bei der Volksabstimmung abgelehnt wird.
Das selbsternannte Parlament der bosnischen Serben wies den Plan bereits mehrmals zurück.
Die Volksabstimmung wird international als Farce bezeichnet und nicht anerkannt.
Auch Rest-Jugoslawien hat sich gegen das Referendum ausgesprochen.
Deutschland.
Der Streik in der ostdeutschen Metallindustrie wird vermutlich in der kommenden Woche beendet.
Die Tarifkommission der Metaller Gewerkschaft empfahl dem Gewerkschaftsvorstand, eine Urabstimmung zur Beendigung des Streiks einzuleiten.
Entscheidend für die Entspannung der Lage war die gestrige Beilegung des Tarifstreits in Sachsen.
Arbeitgeber und Gewerkschaft verständigten sich darauf, die Löhne und Gehälter bis 1996 etappenweise auf das westdeutsche Niveau anzuheben.
Tschechie.
Das umstrittene Atomkraftwerk Temelin soll auf westlichen Standard gebracht werden.
Die tschechische Elektrizitätsgesellschaft hat mit einem amerikanischen Unternehmen einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen.
Die amerikanischen Spezialisten sollen in dem Kraftwerk zusätzliche Anlagen und Sicherheitssysteme einbauen.
Das derzeit im Bau befindliche Atomkraftwerk Temelin soll 1997 in Betrieb gehen.
Es wird mit russischen Reaktoren ausgerüstet.
Italien.
In Rom ist in der vergangenen Nacht eine Autobombe explodiert.
20 Menschen wurden verletzt.
Ein Haus wurde schwer beschädigt und stürzte teilweise ein.
Zahlreiche Autos wurden zerstört.
Die Urheber des Anschlags konnten bisher nicht ausgeforscht werden.
Das italienische Fernsehen äußerte die Vermutung, dass die Bombe von der Mafia gelegt wurde.
Kambodscha.
Die Roten Khmer haben neuerlich einen UNO-Soldaten ermordet.
Der UNO-Soldat starb bei einem Schussattentat in der Hauptstadt Phnom Penh.
Er ist bereits der 14.
UNO-Beobachter, der seit Beginn der Vorbereitungen für die Wahlen einem Anschlag der Roten Khmer zum Opfer gefallen ist.
Die Vereinten Nationen haben wegen der anhaltenden Gewalt heute damit begonnen, die Familien aller UNO-Mitarbeiter in Kambodscha außer Landes zu bringen.
Österreich.
Der Neonazi-Prozess im Landesgericht Krems ist mit einem Schuldspruch für alle fünf Angeklagten zu Ende gegangen.
Die fünf Mitglieder der sogenannten Kameradschaft Langenleus wurden wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung zu bedingten Haftstrafen zwischen sieben und 22 Monaten verurteilt.
Großbritannien.
Der Norden der britischen Inseln wird derzeit von schweren Unwettern heimgesucht.
In Nordirland verursachte ein Wirbelsturm schwere Schäden.
Bäume wurden entwurzelt, zahlreiche Häuser wurden beschädigt.
In Schottland gibt es Behinderungen durch Schneefälle.
In weiten Teilen Nordenglands ist es nach tagelangen Regenfällen zu Überschwemmungen gekommen.
Solche Wettersichten hat hoffentlich Andreas Thiesner nicht für Österreich.
Von Vorarlberg bis nach Oberösterreich halten sich heute bei uns Wolken.
Am Nachmittag werden die Regenschauer und Gewitter noch durch Sonne ausgelöst, in der Nacht überquert uns dann von Westen her eine Front und auch sie bringt Regenschauer.
Morgen Früh aber sollten nur Wolkenfelder geblieben sein.
Die aktuellen Meldungen, Wien heiter 21 Grad, Eisenstadt wolkig 21, St.
Pölten wolkig 18, Linz leichter Regen 16 Grad, Salzburg stark bewölkt 17, Innsbruck stark bewölkt 16 Grad,
Prägenswolkig 16, Graz Heiter 21 und Klagenfurt Heiter 19.
Sonnig bleibt es am Nachmittag in Teilen Niederösterreichs, in Wien, im Burgenland und in der Oststeiermark.
Sonst halten sich Wolken und im Bergland sowie in Oberösterreich bilden sich Regenschauer.
Am Nachmittag kommen dann wieder häufig Gewitter hinzu.
Die Temperaturen heute 17 bis 24 Grad.
In der kommenden Nacht wird es Regenschauer von Vorarlberg bis Oberösterreich geben, in der zweiten Nachthälfte auch weiter im Osten.
Die Temperaturen sinken auf 14 bis 9 Grad.
Morgen Sonntag ziehen dann Wolkenfelder durch, spätestens ab Mittag wird es meist sonnig sein, auch Gewitter gibt es wieder, diesmal aber vor allem im Bergland vor Adlbergs, Tirols und Salzburgs.
Von Oberösterreich bis ins Burgenland weht lebhafter bis stürmischer Nordwestwind.
Die höchsten Temperaturen morgen um 22 Grad, in 2000 Metern um 6 Grad.
Und übermorgen Montag sonnig in ganz Österreich, der Wind dreht auf Süd und vor allem im Westen wird es wieder wärmer, die Höchstwerte zwischen 21 und 26 Grad.
Zwölf Uhr und sieben Minuten war es eben.
Wir kommen gleich zur Spitzenmeldung der Nachrichten zum Ende des Geiseltramas in Paris.
Hans Woller fasst die Ereignisse der heutigen Morgenstunden zusammen.
Der Albtraum ist beendet.
Es war sehr wichtig, dass die Kinder gesund befreit werden.
Weiter war wichtig, dass das Gesetz die Oberhand behält.
Der Wahnsinnige ist tot.
Innenminister Schaltersquai heute Morgen um halb neun auf dem Weg zum Kindergarten in Neuilly, wo das Geiseltrauma eine knappe Stunde vorher ein für die Geiseln glückliches Ende gefunden hatte.
Allen Verantwortlichen stand die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, denn, wie sich im Laufe des Vormittags herausgestellt hat, war das Risiko für die sechs Kinder und ihre Erzieherin beim Erstürmen des Klassenzimmers doch weit größer als zunächst angenommen.
16 funktionsfähige Dynamitstäbe waren im Klassenzimmer verteilt.
Einen ebenfalls funktionsfähigen Zünder trug der Geiselnehmer auf dem Laib.
Dessen Identität wird mit Eric Schmidt angegeben, ein 42-jähriger in Algerien geborener Franzose.
Von dem Psychiater, der sich die ganzen 48 Stunden im Kindergarten aufgehalten und mit ihm auch mehrmals gesprochen hatte, wurde er als pathologischer Fall beschrieben.
Jemand, der von einem Auftrag, den er auszuführen habe, besessen sei.
Das Geld habe, entgegen dessen, was der Geiselnehmer selbst mehrmals verkündet hatte, nicht die entscheidende Rolle gespielt.
Wie sich am Vormittag herausstellte, hatte man ihm 12 Millionen und nicht die geforderten 100 Millionen Franc bereits ausgehändigt.
Getötet wurde er durch drei Schüsse in den Kopf von Mitgliedern einer Eliteeinheit der französischen Polizei.
Im Laufe der über 40 Stunden war es ihr zunächst gelungen, eine Videokamera im Raum zu installieren.
Nachdem der Geiselnehmer heute Morgen gegen halb zwei die Verhandlungen abgebrochen und eine Matratze angefordert hatte, kalkulierte die Polizei mit seiner Erschöpfung.
Um exakt 7.25 Uhr stürmte eine Sondereinheit das Klassenzimmer
als der Geiselnehmer, der sich mit Amphetaminen wachgehalten hatte, eingenickt war.
Geklärt sind mittlerweile auch die mysteriösen Initialien HB, mit denen er seine achtseitigen Dokumente unterzeichnet hatte, auf denen detailliert alle seine Forderungen aufgelistet waren.
HB steht für Human Bomb, eine menschliche Bombe, die er ja in der Tat war.
Damit scheint sicher, dass er auch der Autor eines Bombenanschlags vor einer Woche ebenfalls in Neuilly in der Nähe der Wohnung des Innenministers war.
Wohl war sein Verhalten bis zum Ende heute Morgen kühl, kalkuliert und intelligent, die Motive für sein Handeln aber wohl eher irrationaler Natur.
Die sechs drei- bis vierjährigen Kinder sind mit ihren Eltern zur Überwachung in verschiedene Krankenhäuser in Paris eingeliefert worden.
Und der Mann, der von Behördenseite aus 48 Stunden die Verhandlungen mit dem Geisel, den er geführt hat, der Bürgermeister von Neuilly und Budgetminister Nicolas Sarkozy, wollte seine Emotionen heute Morgen nicht mehr verbergen.
Die Freude, die man empfindet, ist nicht nur enorm, das ist noch viel mehr.
Wir haben es versucht, die Polizei war großartig, die Elite-Truppe großartig, die Lehrerinnen, die Familien, sensationell, die Feuerwehrleute, alle haben Vertrauen zueinander gehabt.
Das Resultat, alle Kinder sind draußen und glauben Sie mir, die Kinder sind weniger geschockt als wir.
Soviel von Hans Woller über das Ende des Geiseltramas in Paris.
Zwölf Uhr und elf Minuten wird es jetzt.
Ein Herzversagen setzte seinem Leben ein Ende.
Gestern Abend ist der Autor, Komponist und Kabarettist Hugo Wiener im 90.
Lebensjahr in seiner Heimatstadt verstorben.
Der am 16.
Februar 1904 Geborene begann seine Karriere als Kapellmeister im Apollo und im Ronacher.
In der Zeit der Nazi-Diktatur lebte Wiener in Kolumbien und kehrte 1945 nach Wien zurück.
Dort wurde er 1959 der Hausautor des Simple.
Hugo Wiener trug auch das Seine zu den berühmten Doppelkonferenzen von Fakasch und Waldbrunn bei und schrieb diverse Erfolge seiner Frau Sisi Kraner auf den Leib.
Karin Baur erinnert im Folgenden an Hugo Wiener.
Zurückhaltend und bescheiden, ein charmantes Lächeln auf den Lippen, so wird uns Hugo Wiener in Erinnerung bleiben.
Sein geistiger Nachlass, mit dem er die österreichische Kabarett- und Chansonszene Jahrzehnte hindurch bereicherte, ist umfangreich und vielseitig.
In den 60er Jahren zur Glanzzeit des Wiener Kabarets verfasste er Doppelkonferenzen für Karl Farkasch und Ernst Waldbrunn.
Servus, Karl.
Servus, Ernst.
Karl, ich freue mich.
Warum?
Weil ich wieder mit dir blöd sein darf.
Darf ich anfangen?
Natürlich.
Ich darf anfangen.
Was soll ich sagen?
Na, etwas Blödes natürlich.
Los!
Nicht hetzen mich.
Nicht hetzen mich.
Ich muss erst nachdenken.
Was Blödes.
Hab schon.
Heute Vormittag war ich bei einer Schiffstaufe.
Was ist da Blödes dran?
Warte ein bisschen.
Zuerst hat der Kapitän eine Rede gehalten.
Und dann?
Dann hat die Taufparty das Schiff mit einer Flasche Tinte getauft.
Warum nicht mit einer Flasche Champagner?
Es war ein Schulschiff.
Ich freue mich.
Großer Beliebtheit erfreuten sich auch seine satirischen Bücher, die mit Quichons besten Werken verglichen werden.
Ich bin in der Zwischenzeit vom Textautor zum Schriftsteller geworden, einige Satirenbände herausgegeben, wo einer sogar auf der Bestsellerliste Nummer zwei war.
Nummer eins war der Solzhenitsyn.
Am bekanntesten wurde Hugo Wiener durch seine Chansons, die er für seine Lebens- und Bühnenpartnerin Sissi Kraner komponierte, textete und am Klavier begleitete, wie etwa den Nowak.
Ich habe einen Mann, den viele möchten,
der immer mich bewahrt vor allem Schlechten.
Ein jeder kennt ihn, Nowak ist sein Name, ihm dank ich erst, dass heut ich eine Dame, ob angezogen oder als a Nackter.
Der Nowak hat am ganzen Leib Charakter,
Ich hätt schon längst ein böses End genommen, Aber dein Ohr wackelt, lässt mich nicht verkommen.
Bis zuletzt fröhnte Hugo Wiener seiner Vielseitigkeit, gab gemeinsam mit seiner Frau Kabarettabende, schrieb an seinen Erinnerungen, an neuen Programmen und für Fernsehserien.
Er zeigte stets Interesse an Neuerungen, die er kritisch kommentierte, ohne ernstlich zu verletzen.
Was er gar nicht mochte, war das aggressive Kabarett.
Der Humor ist anders geworden.
Ich sag's immer, wenn der Fakasch bei uns irgendetwas gesagt hat auf eine politische Persönlichkeit und die ist unten gesessen und hat mitgelacht.
Und heute wird aber nicht nur über seine Tätigkeit gesprochen, auch über sein Aussehen, wofür ich ja nichts kann.
Man hört von der Bühne schimpfen, der ist blöd und der schaut aus wie ich weiß nicht was und das gefällt mir überhaupt nicht.
Hugo Wiener, eine Legende des feinen Wiener Humors.
In Memoriam Hugo Wiener wiederholt ORF 2 morgen um 12.05 Uhr die Sendung Wir über uns.
Am Dienstag, den 18.
Mai, strahlt ORF 1 ab 21.20 Uhr die Kabarett-Sendung Blick zurück nach vorne aus.
12.15 Uhr war es jetzt.
Knapp 1.270.000 Wahlberechtigte sind morgen in Niederösterreich aufgerufen, über die Zusammensetzung des Landtags für die nächsten fünf Jahre zu entscheiden.
Der derzeitige Mandatstand lautet 29 ÖVP, 22 SPÖ und 5 FPÖ.
Bis zu acht Parteien bewerben sich in den nunmehr 21 Wahlkreisen um die Stimmen der Wähler.
Die Landtagswahlen in Niederösterreich sind aber auch bundesweit von Bedeutung.
Für die ÖVP unter Erwin Pröll steht nicht nur die absolute Mehrheit auf dem Spiel.
Der erste große Urnengang nach der Präsidentschaftswahl im Vorjahr wird auch zeigen, ob die Partei an ihrem Erfolg anknüpfen kann.
Mögliche Verluste der SPÖ unter Ernst Höger würden auch die Position der Bundes-SPÖ nicht gerade stärken und nach der geringen Wahlbeteiligung beim FPÖ-Volksbegehren wird sich nun zeigen, ob der Stern von Bundesparteiobmann Haider im Sinken ist.
Die große Unbekannte in der Wahl ist auch das Abschneiden des liberalen Forums von Heidi Schmidt.
Erstmals könnten in Niederösterreich bis zu fünf Parteien in den Landtag einziehen.
Nach den letzten Meinungsumfragen sind noch rund 250.000 Wähler unentschlossen, wem sie ihre Stimme geben werden.
Mehr in einem Beitrag nun von Martina Feike.
Seit 1945 konnte die Volkspartei NÖ die absolute Mehrheit an Mandaten verteidigen und damit auch immer den Landeshauptmann stellen.
Erst bei der letzten Landtagswahl 1988 zog mit der FPÖ erstmals seit 1954 wieder eine dritte Kraft in den Landtag ein und beendete damit den Parteienproporz von ÖVP und SPÖ.
Für Landeshauptmann Erwin Pröll, der im Vorjahr das Amt von Siegfried Ludwig übernahm, wäre schon ein minimaler Stimmenverlust eine Katastrophe.
Die absolute Mandatsmehrheit seiner Partei hängt am sprichwörtlichen Seidernen Faden.
Bei der Abschlusskundgebung in Wiener Neustadt warnte der ÖVP-Spitzenkandidat daher erneut vor einer Zersplitterung der Kräfte.
Das Land, das so Pröll klare Verhältnisse brauche, sei mit einem schwarzen Landeshauptmann noch nie schlecht gefahren, ob er nun Fiegl, Maurer oder Ludwig geheißen habe.
Ich möchte mich gerne in die Reihe dieser großen Niederösterreicher einreihen.
Ich möchte mich gerne einbringen in dieses Land und ich sage Ihnen auch, meine lieben Landsleute, ich möchte auch gerne ab dem kommenden Sonntag für die nächsten fünf Jahre in diesem Land und für dieses Land weiterarbeiten.
Die ÖVP hat ihre Wahlwerbung ganz auf die Person Erwin Pröls konzentriert.
Stichwort, ein Land lebt auf.
Er oder wer?
Unter dem Motto, wir strengen uns mehr an, setzt die SPÖ vor allem auf die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Unterstützungsstruktur schwacher Regionen.
Unzählige Betriebsbesucher standen daher auch auf dem Programm von SPÖ-Spitzenkandidat Ernst Höger, der hofft, die 22 Mandate der Sozialdemokraten in Niederösterreich halten zu können.
Unser Land braucht in schwierigen Zeiten ehrliche Arbeit und sie braucht das Zusammenrücken der positiven Kräfte.
Mehr Demokratie kann dabei dem Land nur dienlich sein.
Ich glaube, dass absolute Mehrheiten
in dieser Zeit nicht angebracht sind.
Wichtigstes Ziel der Freiheitlichen ist es, die absolute Mehrheit der Volkspartei zu brechen und in die Landesregierung einzuziehen.
Um einen Landesrat zu stellen, müsste die FPÖ zwischen derzeit fünf Mandaten noch ein weiteres dazugewinnen.
Kandidat für die Landesregierung ist der ehemalige ORF-Journalist Hansjörg Schimanek, der sich vor allem als Bürgeranwalt profilieren will.
Unter dem Slogan Macht braucht Kontrolle will FPÖ-Spitzenkandidat Bernhard Grazer auch ein Signal setzen.
Wir werden als erstes einmal den Antrag stellen, weil wir Freiheitlichen, wir wollen ja nicht auch Wasser predigen und Wein trinken.
Wir werden fordern die Abschaffung der Politikerpensionen.
Wir werden einmal dann die Mächtigen in dem Land, die Große Koalition, auch vor die Frage stellen, wie sie es halten mit dem Privilegienabbau.
Reelle Chancen auf einen Einzug in den Landtag rechnet sich das Wahlbündnis Grüne Alternativen und Bürgerlisten kurz Gabel aus.
Dies wäre nach den Worten von Spitzenkandidat Franz Renckin die größte Veränderung der politischen Verhältnisse in Niederösterreich seit langem.
Renckin zum Wahlkampf?
Mein Resümee ist, dass in diesem Wahlkampf wie kaum je zuvor sich die großen Parteien, die Landtagsparteien um die eigentlichen Probleme dieses Landes versucht haben herumzuschwindeln.
Nichts oder fast nichts nennenswertes passiert in den wesentlichen ökologischen Problemen, in der Frage der Grenzen an Atomkraftwerke.
Als ökologisches Gewissen präsentiert sich auch die zweite Grün-Gruppierung, die Plattform VGÖ Liberale und Unabhängige.
Spitzenkandidat Rudolf Dunkel rechnet mit einem Denkzettel für die Großparteien, sollten die kleineren Parteien den Einzug in den Landtag schaffen.
Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass die Grünparteien 5% besitzen nach den Umfragen, so könnten das genauso gut 8% sein, so könnten es genauso gut 3% sein.
Und ich glaube, dass sich das Grünpotential in den letzten zwei Wochen sehr stark vergrößert hat.
Während die bisher genannten Parteien ÖVP, SPÖ, FPÖ, Gabel und VGÖ in allen Wahlkreisen antreten, kann das liberale Forum nur in 16 Wahlkreisen kandidieren.
Aufgrund einer Entscheidung der Landeswahlbehörde schließt Heide-Schmidt eine Anfechtung der Landtagswahl nicht aus.
Mit dem Unternehmer Gerold Dautzenberg als Spitzenkandidat will das liberale Forum trotz des kurzen Wahlkampfs die 4%-Hürde überwinden.
Die Partei, die sich nach ihrer Gründung erstmals in Niederösterreich der Wahl stellt, tritt vor allem für mehr Privatisierung und weniger Staat und für einen EG-Beitritt Österreichs ein.
Wir sagen ein Ja zur EG.
Wir erwarten aber von der Regierung harte Verhandlungen, um den Rahmen für unsere Wirtschaft so zu stecken, dass wir daraus den Nutzen ziehen, der möglich ist.
Für die KPÖ, die 9 Wahlkreisen kandidiert werden, nach eigenen Angaben schon 4.000 Stimmen ein Erfolg.
Die 8.
Partei, die Österreichische Autofahrer- und Bürgerinteressenpartei, ÖABP, tritt nur im Wahlkreis Krems an.
Um Mandate zu erhalten, brauchen die kleineren Parteien nach dem neuen Wahlrecht mehr als 4% der Stimmen.
Weitere Neuerungen des im Vorjahr von ÖVP und SPÖ beschlossenen Wahlrechts.
Es gibt nun 21 statt bisher vier Wahlkreise, wobei im Wesentlichen jeder politische Bezirk einen Wahlkreis bildet.
Durch die erstmals mögliche Abgabe von Vorzugsstimmen kann auch die Reihung der Kandidaten beeinflusst werden.
In Zukunft soll es auch keine billigen oder teuren Mandate mehr geben, weil die Mandate in einem landesweiten Ermittlungsverfahren streng proportional verteilt werden.
Und schließlich besteht auch die Möglichkeit mittels Wahlkarte im Ausland zu wählen.
Aufgrund der Auszählung dieser Stimmen wird das endgültige Wahlergebnis spätestens bis 24.
Mai vorliegen.
Und der aktuelle Dienst des Hörfunks informiert Sie selbstverständlich morgen über den Verlauf und den Ausgang der niederösterreichischen Landtagswahl.
Zum ersten Mal ab 17 Uhr im Sonntagsjournal, dann anschließend in den stündlichen Nachrichten und dann schlussendlich um 22 Uhr in einem außertourlichen Nachtjournal.
Geht Jörg Haider schon in der nächsten Zeit als Landeshauptmann-Stellvertreter nach Kärnten, um dort den Landtagswahlkampf vorzubereiten?
Diese Spekulationen stehen heute zumindest in vielen Zeitungen und zwar bis hin zur Aufmachergröße.
Jörg Haider gibt heute dazu eine klare Antwort.
Nein.
Das Interview führte Fritz Dittlbacher.
Herr Dr. Haider, eine große Wiener Tageszeitung macht heute mit der Meldung auf, Sie würden überlegen, unter Umständen nach Kärnten zurückzugehen.
Was ist da dran?
Ich konnte es also nur als ein Ladrinnengerücht verifizieren.
Das heißt, Sie werden nicht nach Kärnten wechseln vor der nächsten Landtagswahl?
Ich habe meinen Platz in der Bundespolitik.
Ich werde auch bei allen Entwicklungen in Kärnten sicherlich Bundesparteiobmann bleiben, weil mich gerade in den letzten Wochen immer wieder die Bürger angesprochen haben, gesagt haben, ich darf mich ja nicht aus der Bundespolitik zurückziehen.
Dem werde ich also auch Rechnung tragen und wenn es im Herbst vorverlegte Landtagswahlen in Kärnten gibt und meine Freunde das wollen, werde ich dort als Landeshauptmannkandidat ins Rennen gehen.
Man kann auch Bundesparteiobmann sein, ohne Klubobmann in Wien zu sein.
Man kann das wahrscheinlich auch von einer politischen Funktion in Kärnten ausmachen.
Man kann vieles, aber mein Weg ist der, dass ich jetzt als Klubchef und Bundesparteiobmann die bundespolitische Bühne nicht aufgeben werde.
Nicht zuletzt deshalb, weil wir auch feststellen, dass innerhalb der Wählerschaft, uns hat gerade die niederösterreichische Wahlkampagne gezeigt, ein dringendes Bedürfnis herrscht, dass auch Jörg Haider in den nächsten Jahren auf der bundespolitischen Ebene nicht abhanden kommt.
meint Jörg Heide im Gespräch mit Fritz Dietlbacher.
Morgen ist in Salzburg EWR-Volksabstimmung.
Fast 339.000 Salzburgerinnen und Salzburger sind aufgerufen, auf einem Stimmzettel Ja oder Nein anzukreuzen.
Bis zuletzt ist aber vielen Wahlberechtigten nicht klar, worum es eigentlich wirklich geht in dieser ersten landesweiten Volksabstimmung.
Gerhard Rettenegger vom Landesstudio Salzburg hat das Wichtigste zusammengefasst.
Straßenumfragen in den letzten Tagen vor der Volksabstimmung haben es gezeigt.
Immer noch glauben viele Salzburger, dass sie morgen auf ihrem Stimmzettel ankreuzen, ob Österreich dem europäischen Wirtschaftsraum beitreten soll.
Genau um diese Frage geht es aber nicht.
Denn diese Entscheidung hat bereits vor Monaten der Nationalrat gefällt, ohne die Österreicher darüber abstimmen zu lassen.
Tatsächlich sollen die Salzburger morgen für oder gegen einen Gesetzesantrag jener überparteilichen Bürgerinitiative gegen EWR und EG votieren, die 12.000 Unterschriften gesammelt und damit diese Volksabstimmung erzwungen hat.
Wer morgen auf dem Stimmzettel Ja ankreuzt, der spricht sich dafür aus, dass die Salzburger zum Inhalt jedes Landesgesetzes, das dem EWR angepasst wird, in einer Volksabstimmung gefragt werden wollen.
Der Verfassungsrechtler Heinz Schäffer von der Universität Salzburg hält diese Forderung für unerfüllbar.
Zum einen dürfte der Landtag so ein Verfahren gar nicht einführen, denn er würde, wenn es nach den Intentionen der Initiative geht, eine Volksabstimmung vor dem Landtagsbeschluss
durchführen und sollte offenbar nach den Intentionen dann an den Beschluss gebunden sein.
Dann ist aber der Gesetzgeber nicht mehr der Landtag, sondern das Landesvolk direkt.
Und das geht nur bitte durch eine Gesamtänderung der Bundesverfassung.
Durch den Beschluss des Nationalrates für den EWR sei Österreich völkerrechtlich an diesen Vertrag gebunden.
Und Salzburg könne sich gar keinen Alleingang bei der Anpassung der Gesetze leisten, sagt Professor Schäffer weiter.
Sollte Salzburg ein Landesgesetz nicht dem EWR anpassen, dann würde das der Bund für das Land tun.
Die einzige Möglichkeit wäre, dass Österreich aus dem EWR-Vertrag wieder aussteigt.
Das kann wiederum nur der Nationalrat in Wien beschließen.
Daher sei das Land die falsche Adresse für den Kampf gegen den europäischen Wirtschaftsraum, sagt Verfassungsrechtler Schäffer.
Noch komplizierter wird es für den abstimmenden Salzburger Morgen, weil auf dem Stimmzettel selber der Zweck der Abstimmung gar nicht draufsteht, sondern nur der Verweis auf ein Beiblatt, das in jeder Abstimmungszelle ausgehängt ist.
Die beiden großen Parteien SPÖ und ÖVP haben schon angekündigt, sie werden den Gesetzentwurf der Bürgerinitiative im Landtag ablehnen.
Und sie werfen der Bürgerinitiative Wählertäuschung vor.
Die Bürgerinitiative selber und auch die Bürgerliste im Land verteidigen die Volksabstimmung mit dem, wie sie sagen, legitimen Recht der Bürger auf Mitsprache, auch beim Beitritt zum EBR.
Auf alle Fälle ist die Volksabstimmung morgen ein Stimmungsbarometer.
Mit einem Ja bei der Abstimmung demonstrieren die Salzburger vor allem ihr Unbehagen gegenüber dem europäischen Wirtschaftsraum.
Wenn viele Salzburger mit Ja stimmen, dann können auch die Landespolitiker dieses Signal nicht übersehen.
Das hat Landeshauptmann Hans Katschtal auch schon durchpicken lassen und für diesen Fall verstärkte Information über den EWR angekündigt.
Übrigens, auf Prognosen über den Ausgang der Volksabstimmung morgen lassen sich weder Befürworter noch Gegner ein.
Wie immer diese Volksabstimmung ausgeht, Sie werden es morgen im ORF erfahren, ab 17 Uhr im Sonntagschanal.
Es ist so etwas wie ein Katz-und-Maus-Spiel, das die Serben mit der politischen Weltöffentlichkeit betreiben.
Erst setzten sie sich mittels ihres Anführers Karadzic vehement gegen den Vance-Owen-Friedensplan ein, wobei sie nicht immer wieder auch Kompromissbereitschaft signalisierten, um dann gleich wieder auf dem Kriegsschauplatz härter zuzuschlagen.
Dann schlussendlich stimmte Karadzic dem Friedensplan für das ehemalige Jugoslawien zu, wobei er gleich hinzufügte, seine Unterschrift müsse vom selbsternannten Serbenparlament und einem Referendum gebilligt werden.
Nun findet dieses Referendum statt, Zoran Opra informiert.
Die bosnischen Serben in der selbsternannten Serbischen Republik entscheiden heute und morgen über die Annahme des Svens-Omen-Plans.
Die Wahllokale in 82 Gemeinden sind seit 7 Uhr geöffnet und etwa 700.000 wahlberechtigte Bürger sollen an zwei Wahlzetteln das Ja oder Nein zum Friedensplan ankreuzen und sich für oder gegen eine selbstständige serbische Republik in Bosnien aussprechen.
Die Präsidenten Rest-Jugoslawiens und Serbiens, Djosic und Milosevic, haben gestern den letzten Versuch unternommen, dieses Referendum zu verhindern und den Friedensplan in einer gemeinsamen Sitzung von Parlamenten aller serbischen Länder, also Rest-Jugoslawiens, Serbiens, Montenegros und der selbst ernannten Serbischen Republik in Bosnien und dem Krajina-Gebiet, bestätigen zu lassen.
Der gemeinsamen Parlamentssitzung widersetzte sich der Serbenführer in Bosnien-Karadzic.
Er blieb der Sitzung fern und entsandte nur eine Delegation, die sich dann gegen die Annahme des Friedensplans ausgesprochen hat.
Milosevic musste jedoch auch eine innenpolitische Niederlage hinnehmen.
Der Führer der serbischen radikalen Partei, Vojislav Sechel, verließ mit seinen Abgeordneten demonstrativ die Parlamentssitzung.
Da auch die Depotsabgeordneten von Vuk Draskovic an der gemeinsamen Parlamentssitzung nicht teilnehmen wollten,
bekam die anschließend verabschiedete Deklaration für die Annahme des Friedensplans wenig Gewicht.
Die offene Konfrontation zwischen Milosevic und Sechel kann zur Regierungskrise in Serbien und Restjugoslawien führen.
Da Sechels Partei die zweitstärkste Fraktion in dem serbischen Parlament ist, konnten die Sozialisten nur mit ihrer Unterstützung weiter regieren.
Der Serbenführer Karadzic, der am 1.
Mai in Athen dem Friedensplan faktisch zugestimmt hat,
hat den Wenns-Ohmen-Plan für Bosnien zur Gänze abgelehnt.
Er setzt sich jetzt für die Aufteilung Bosniens in drei Teile ein und will keinesfalls auf einen selbstständigen serbischen Staat in Bosnien verzichten.
In einer groß angelegten Propagandaaktion werden die bosnischen Serben von Karadzics Regierung aufgefordert, Nein zum Friedensplan zu sagen.
Das Endergebnis des Volksbegehrens wird jedoch kaum den wahren Willen der bosnischen Serben widerspiegeln können.
Viele Flüchtlinge in Rest-Jugoslawien und Serben, die in muslimischen Teilen Bosnien-Herzegowinas leben, werden nicht die Gelegenheit bekommen, über die Annahme des Friedensplans zu entscheiden.
Der Krieg in Bosnien-Herzegowina, dem bisher mehr als 130.000 Menschen zum Opfer gefallen sind, trifft in erster Linie die Zivilisten.
Rund 80 Prozent der Menschen, die bei den Kampfhandlungen im ehemaligen Jugoslawien ums Leben gekommen sind, waren Zivilisten, darunter ein hoher Prozentsatz Kinder.
Die UNO-Kinderhilfsorganisation UNICEF veröffentlichte jüngst eine Untersuchung, wonach allein in der von Serben eingekesselten Stadt Sarajevo 80 Prozent der Kinder mindestens einmal in Todesgefahr waren, 40 Prozent von Heckenschützen beschossen wurden und 39 Prozent ein Familienmitglied im Krieg verloren haben.
Die psychischen Schäden mit Langzeitwirkung versucht UNICEF mit Hilfe von Therapeuten zu beheben.
Allerdings, die ständige Konfrontation der Kinder mit Krieg, Hass, Gewalt und Not lässt die Arbeit der Psychologen und Sozialarbeiter als Sisyphusarbeit erscheinen.
Dr. Ahmad Turk, Wiener Kinderfacharzt für Neuropsychiatrie, beschäftigt sich seit Jahren in Therapieprogrammen mit seelisch geschädigten Kindern, die Gewalt und Krieg miterleben mussten.
Dr. Turk in Palästina geboren, war im Auftrag der UNO in palästinensischen Lagern, hat psychisch gestörte Kinder im Irak betreut und war zuletzt auch in Bosnien-Herzegowina.
Über die Folgen des Krieges für die Psyche des Kindes führte Michael Kerbler mit Dr. Achmed Turk das folgende Gespräch für unsere Serie im Journal zu Gast.
Herr Dr. Turk, am Anfang unseres Gespräches möchte ich Ihnen gerne einen Ausschnitt aus einem Brief vorlesen, einen Brief, den ein neunjähriger Junge geschrieben hat.
Ich vermisse meine Mutter und meinen Vater sehr.
Ich habe sie sehr lieb und ich bete für sie, dass sie bald nach Hause kommen.
Ich träume jeden Tag von meiner Mutter und von meinem Vater und ich habe Angst, dass sie nicht nach Hause kommen und dass, wenn ich sie wieder sehe, sie da liegen, reglos, bedeckt von der Fahne.
Manchmal möchte ich weglaufen, ganz weit weg.
Meine Freunde sind auch alle traurig, weil ihre Eltern fort sind und wir reden immer nur darüber, wann sie endlich nach Hause kommen.
Jeden Tag sehe ich fern und alles, was ich sehe, ist Krieg, Krieg, Krieg.
Ich wünschte, Gott könnte mich hören.
Diesen Brief hat James geschrieben.
vor zwei Jahren, als seine Eltern eingezogen waren, als amerikanische Soldaten am Golfkrieg zu kämpfen.
Wenn ein Kind solche Verlustängste hat, seine Eltern nicht mehr wiederzusehen, und er ist nicht direkt involviert in den Krieg, was muss dann eigentlich in der Seele eines Kindes passieren, das den Bombenhagel tagtäglich erlebt?
Es rührt mich so sehr, was Sie jetzt mir erzählt haben, und vor allem,
die Seele von dem neunjährigen Kind.
Es wäre so gut, wenn wir uns alle mit Seele zu einem Kind identifizieren.
Erstens, die Bezugspersonen sind verloren.
Und ein Kind hat Halt zu seinen Bezugspersonen und in dem Fall seinen Eltern.
Das Kind ist allein.
Vorläufig spielen sich bei dem Kind ohne Zweifel
sehr viele Symptome, die sichtbar sind.
Die Ängste, die Unsicherheit, die Albträume.
Aber die Wunde sitzt eigentlich viel, viel tiefer.
Und ich glaube kaum, dass ein Kind, das seine Eltern, beide Eltern verloren hat im Krieg und nonstop konfrontiert wird mit Kriegzustände und immer wieder mit Leichen und Tod und Bomben und Schießerei, es wiederholt sich selbe Zustand und er erinnert sich immer wieder an seine Eltern.
Sie waren in Lagern von Palästinensern.
Sie haben sich dort um Halbwaisen gekümmert.
Sie waren im Irak.
Sie waren auch im Gebiet des ehemaligen Jugoslawien.
Wie kann Ihrer Meinung nach ein Psychotherapeut Kindern helfen bei der Bewältigung des Kriegstraumas?
Ist die Gesprächstherapie, ist das Gespräch mit dem Kind der Einstieg?
diese Angsterlebnisse Stück für Stück wegzunehmen?
Erstens muss die Diagnose vorhanden sein.
Wie tief sind die Probleme bei den Kindern?
Zweitens, es müsste wirklich nach einem Plan gearbeitet werden.
Von Kind zu Kind ist verschieden.
Bei einem Kind hilft eine Gesprächstherapie,
Bei anderen Kindern hilft eine Gruppentherapie, bei einem anderen Kind hilft zum Beispiel Mal- und Zeichentherapie, damit die Kinder diese vorhandenen Aggressionen oder diese vorhandenen Regressionen eigentlich, die in sich, manche Kinder, die groß sind, möchten klein bleiben, manche Kinder möchten sehr groß und Soldaten und aggressiv und kriegerisch werden.
Das heißt also, die Methoden sind verschieden.
Wie Sie gerade gesagt haben, sei es eine Gesprächstherapie, sei es eine Spieltherapie, sei es soweit es möglich, alle Menschen, die Umfeld des Kindes, sei es der Rest der Verwandten, Großeltern oder Tante oder Onkel oder Nachbarn, die gehören auch noch dazu, in so eine Therapie mit einbezogen zu werden.
Und somit geht man in das Unterbewusstsein des Kindes.
Also im Unterbewusstsein des Kindes muss man unbedingt tief gehen, damit man das Verdrängte, damit man diese vorhandenen Zustände eigentlich auf eine Oberfläche holt, und da kann man die bearbeiten.
Das ist ganz wichtig.
Herr Dr. Tjock, was erklärt man einem muslimischen Kind, das in einem Flüchtlingslager betreut wird, dass es nicht mehr nach Hause zurück kann, um den Teddybären zu holen?
Wie erklärt man diesem Buben, dass beide Eltern umgekommen sind, das Haus eingeäschert worden ist?
Bleibt da nicht sehr oft menschlich verständlich nur der Ausweg, dieses Kind anzulögen, eine Notlüge?
Sie sagen mir Worte, die mich wirklich noch einmal so tief treffen, weil ich bin ein Kind, das schon auch so etwas als Kind erlebt hat.
Ich habe auch meine Heimat mit neun Jahren verlassen müssen, und ich habe meine Heimat verloren.
Und solche Erinnerungen kommen mir immer wieder.
Und obwohl ich eine lange Zeit Ausbildung hinter mir habe und eine Analyse hinter mir habe, aber wenn ich solche Situationen im Fernsehen sehe, solche Briefe höre oder im Radio oder in den Zeitschriften ab und zu über diese Umstände lese, wiederholt sich dasselbe, was ich als Kind erlebt habe.
Obwohl ich also lange Zeit Ausbildung hinter mir habe.
Ist das der Grund, warum Sie Kinderpsychologe geworden sind?
Eigentlich, das ist auch einer der Gründe.
Also, der Grund ist, weil ich auch als Kind betroffen war, und der zweite Grund, weil ich Kinder von ganzem Herzen liebe, und noch dazu, das ist das Allerwichtigste, ich will, dass kein Kind auf dieser Erde je ein Schicksal erlebt, was ich als Kind erlebt habe, und deswegen also engagieren wir eigentlich für die ganze Welt Kinder auf diese ganze Welt.
Ich gehe zurück auf meine Frage, bleibt manchmal auch dem Psychotherapeuten nur der Ausweg der Notlüge?
Eigentlich ja.
In dem Fall manchmal ist es wichtig.
Aber wenn man schon eine richtige Psychotherapie betreiben will, dann muss man irgendwann einmal schauen, wie kann man diese Notlüge wieder in Ordnung bringen.
Am Anfang, wo alles so akut ist, am Anfang, wo alles so problematisch ist, ist wahrscheinlich um einen Schock einem Kind zu schonen, müsste man zu einer Notlüge.
Herr Dr. Turk, welche Symptome entwickeln Kinder, die tagtäglich mit Gewalt, mit Krieg konfrontiert sind?
Die kleinere Kinder bieten Symptome, die typisch sind, bei Angstzuständen.
Das heißt also, sie leiden an Einschlafstörung, Durchschlafstörung, Albträume, Einnässen, Nägel beißen, sich abkapseln an die Eltern, Angst haben, also allein zu sein, lauter so solche Symptome.
Wenn sie aber schon älter werden, gruppieren sich jetzt die Kinder und die gehen in zwei Gruppen.
Teil davon werden schon aggressiv auf sich selbst, auf ihre Umwelt und eigentlich auf der ganzen Welt.
Warum?
Weil sie entweder einen Teil ihrer Verwandten verloren haben, Vater, Bruder, Mutter, alle, oder selbst betroffen.
Wir kennen genügend amputierte Kinder.
Und die anderen Kinder wollen unbedingt, die diese Trauma erlebt haben und gesehen haben,
auch zeigen, dass sie was machen können.
Und es ist typisch unten, dass einer in der Vorpubertät der 12, 13, 14 Jahre will auch zeigen, ich bin auch ein Mann.
Und Sie sehen nicht selten, dass Kinder also mit Waffen umgehen.
Also eine Granate ist für sie wie ein Spielzeug.
Ist das Kriegsspielen hier eine Eigentherapie, oder ist das schon das Training fürs Erwachsenwerden?
Eigentlich bei einer Gruppe von diesen Kindern ist es also, ich bin schon jetzt Soldat, und ich werde rächen, und ich bin für Krieg, und ich will schon eine Gerechtigkeit auf meine Art machen.
Also das ist keine Therapie.
Und die andere Gruppe von Kindern, die beschäftigen sich, die lesen kein Mickey Mouse Hefte, sie lesen dauernd über Waffen, sie beschäftigen sich mit Kriegsmaterial und die machen Pläne und die spielen sich auch miteinander oder sie führen wirklich auf ihre Art und Weise auch schon Krieg unter sich.
Und die andere Gruppe von Kindern, die eigentlich total in die Regression gehen.
Die geben auf, die tun sich total abkapseln, die reden mit niemandem, die werden depressiv.
Und solche Kinder sind eigentlich sehr gefährlich.
Im ehemaligen Jugoslawien, im Speziellen in Bosnien-Herzegowina, sind eine Viertelmillion der Flüchtlinge Minderjährige.
Und das Tragische zusätzlich ist, dass etwa drei Viertel dieser Kinder aus Mischehen stammen.
Die Kinder also etwa einen serbischen Vater, eine kroatische Mutter haben.
Was bedeutet es für die Psyche des Kindes mitzuerleben, diesen Krieg zwischen Serben und Kroaten oder Serben und Muslimen, wenn sie aus einer Mischehe sind?
Wenn sie sich also die Frage stellen, was ist der bessere Teil in mir?
Was geht in der Psyche eines Kindes vor?
Wissen Sie, die Kinder werden also, wenn sie solche Situationen erleben, immer wieder verzweifelter und verzweifelter und unsicher.
Ihre Emotionen sind nicht mehr unter ihrer Kontrolle.
Ihre Empfindungen sind nicht mehr unter ihrer Kontrolle.
Und sie suchen sich einmal einen Weg.
Entweder tun sie sich mit dieser Thematik beschäftigen,
Oder sie tun ganz einfach diese gesamte Situation ignorieren und tun sich ganz einfach abkapseln und zurückhalten.
Serben, Kroaten hassen sich.
Kroaten, Bosnien hassen sich.
Bosnien und Serben hassen sich.
Muslim, Christen hassen sich.
Das will das Kind eigentlich nicht nehmen und nicht akzeptieren und nicht annehmen.
Ich möchte dieses Stichwort gleich aufgreifen.
Was Sie jetzt geschildert haben, bezeichnet man so gern als die historischen Wurzeln für einen Konflikt.
Aber das heißt ja, dass der Hass von Kind zu Kind sozusagen, von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Also, wenn heute Kinder den Krieg erleben, dann lernen sie auch zu hassen.
Wie kann man diese Spirale, daraus entsteht ja wohl auch der Nationalitäten Hass und der Nationalismus, wie kann man diese Spirale unterbrechen?
Wissen Sie, wenn die auslösende Faktoren für Krieg, auslösende Faktoren für Hass nicht beseitigt werden im Laufe der Zeit, und es kommt eine Art Kontinuität, ein Kind, das klein ist, wird einmal in der Vorpubertät,
Hass ist da, Gewalt ist da, dann wächst und ist der Hass und Gewalt um ein paar Jahre älter.
Das ging wieder einmal.
Also Pubertierende, Jugendliche, ein junger Mann.
Hass ist eigentlich wie eine Pflanze, die man schon immer wieder Wasser gegeben hat.
Hass ist groß.
Und Hass könnte sein, wie wir schon vorher gesagt haben, entweder gegen bestimmte Rasse, gegen bestimmte Nation, gegen bestimmte Religion oder aus Verzweiflung, Hass gegen allen, die nicht helfen.
Also, da wird die Seele kaputt und da werden die Kinder kaputt.
Und wenn die Kinder jetzt kaputt werden und die Kinder krank werden, heißt das, wir haben irgendwann kranke, kaputte Erwachsene.
Das heißt, wir kommen nicht weg von Gewalt und von Kriegszustand.
Ich würde gerne von Ihnen wissen, was jeder Einzelne von uns tun kann, um den ersten Schritt zu setzen, damit das, was wir jetzt erleben, ob es in Bosnien-Herzegowina ist, ob es in den schwarzen Townships in Südafrika ist, ob es in den besetzten Gebieten in Gazastreifen, wo immer auch auf der Welt ist, dass diese Mechanik des Traumas unterbrochen werden kann.
Die Gefühle, die Sensibilität, die Empfindungen dürfen nicht stumpf werden.
Das bedeutet, wenn wir öfters Nachrichten sehen oder hören, dürfen wir nicht sagen, in diesem Land ist noch immer Krieg oder sofort umschalten auf Fußball oder auf irgendeine andere Unterhaltungssendung.
Ich glaube, wir müssen schon immer wieder
reagieren, empfinden, überlegen.
Die Hilfemöglichkeiten sind immer da.
Manche helfen auf ihre Art materiell, und die anderen nehmen Kinder von irgendwo zu sich, und andere fahren zu diesen Gebieten und helfen, sei es Ärzte, sei es Psychologen, Psychotherapeuten, ganz einfache Leute.
Also, ich glaube, wir müssen jeden Tag daran denken,
Es könnte sein, dass wir auch schon betroffen werden.
Kein Land darf glauben, ich bin geschont.
Kein Mensch darf glauben, ich bin geschont.
Wer hat je geglaubt, dass Mitte Europa, paar Kilometer weit von uns, dass es so ein Krieg zustande kommen wird?
Wer hat je geglaubt, dass es in Jugoslawien ein Krieg, dass die ganze Welt diesen Zustand nicht lösen kann?
Wer hat je geglaubt, dass wir so machtlos sind, dass wir nicht einmal vermitteln können, weder auf friedlicher Basis noch auf militärischer Basis?
Das ist ein Appell für die kommende Generation.
Gefahren des Krieges jetzt erkennen.
Dann glaube ich, haben wir was getan.
Aber parallel arbeiten.
Für jetzt.
und für die Zukunft.
Nur so können wir von dieser Epidemie herauskommen.
Sonst bleiben wir in diesem Dilemma, und das ist sehr traurig.
Herr Dr. Türk, ich danke Ihnen recht herzlich für das Gespräch.
Im Journal zu Gast war heute Dr. Achmed Türk.
Mit ihm sprach Michael Kerbler.
Die Sowjetunion ist auseinandergebrochen, Jugoslawien ebenso.
Auf dem Balkan und im Kaukasus ist es zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen.
Der wiederaufgeflammte Nationalismus macht Westeuropa schwer zu schaffen.
Dort wächst parallel dazu die Fremdenfeindlichkeit.
Die steirische Akademie hat sich bei einem Kongress in Graz nun die Aufgabe gestellt, diese Probleme zu analysieren.
Hartmut Fiedler informiert sie.
Der Krieg im ehemaligen Jugoslawien ist auch in Graz eines der Hauptthemen.
Der ungarische Schriftsteller Georgi Konrad warnt in einem Interview vor allzu großem Gerede von militärischen Interventionen.
Er hebt die humanitäre Hilfe hervor.
Das ist sehr gut, was die Österreicher tun.
die europäische Gemeinschaft durch UNPROFOR tut.
Es heißt Lebensmittel, Medikamente zu geben und irgendwelche solche Vermittlungsaktionen zu
leisten und auch die zwei Herren, obwohl ich bin nicht ganz sicher, dass dieser Wenz-Owen-Plan die einzige wirkliche Friedensalternative verkörpert, weil dieser Patchwork scheint mir ein wenig illusionär zu sein.
In seinem anschließenden Vortrag plädiert Konrad, Präsident des Internationalen Pen, für eine allgemeine Verantwortung des Einzelnen und Offenheit gegenüber Fremden.
Jeder, meint Konrad, sei verantwortlich für die Lebenden diesseits und jenseits der Grenze.
Der britische Sozialanthropologe Ernest Gellner geht in seinem Vortrag auf die Ursachen des Nationalismus ein.
Entgegen einer weitläufigen Ansicht sagt der Wissenschaftler sei der Nationalismus keineswegs gänzlich irrational.
Er sei vielmehr ein Produkt der Industriegesellschaft.
Gellner bestreitet, dass nationale und ethnische Gefühle den Menschen von vornherein zu eigen sind.
Dieses Gefühl ist dem Menschen nicht grundsätzlich zu eigen.
In den 8000 Jahren vor der industriellen Revolution gab es dieses Gefühl nicht.
Der große Widerspruch des Nationalismus ist, er ist ein Phänomen der Gesellschaft, die dafür den Begriff Gemeinschaft gebraucht.
Triumphiert habe der Nationalismus, meint Gellner, nach dem Ersten Weltkrieg mit dem von Präsident Woodrow Wilson erklärten Prinzip des Selbstbestimmungsrechts der Völker.
Der Anthropologe weist auf Osteuropa hin.
Die ethnografische Landkarte Europas gleicht einem Bild von Oskar Kokoschka.
Die dort bestehenden Differenzen sind nicht so sehr territorialen Ursprungs, sondern sie sind in der Sozialstruktur begründet.
Früher gab es dort weder Nationalstaaten noch eine gemeinsame Kultur.
Beides musste erst geschaffen werden.
Und wäre es überall zur Zufriedenheit des nationalistischen Prinzips ausgegangen, wäre daraus nichts anderes gefolgt als ethnische Säuberungen.
So weit der Bericht von Hartmut Fiedler aus Graz.
Mit der Spanischen Reitschule wurden gestern auf dem Rathausplatz sehr barock die Wiener Festwochen 1993 eröffnet.
Volkmar Parschalk hat mit Festwochenintendant Klaus Bachler gesprochen und gibt ihm folgenden eine Vorschau auf die ersten Produktionen dieses Festivals für die Wiener und für die Österreicher.
Es sind die ersten Festwochen, die von Klaus Bachler allein verantwortet werden und auch deutlich seine Handschrift tragen.
Die Zeitlosigkeit und damit Aktualität der antiken Tragödien, ihre Verbindung zum Barock und zur Gegenwart und das Exil als das Thema unseres Jahrhunderts schlechthin waren Ausgangspunkt für Klaus Bachlers Überlegungen.
Mit Gastspielen und internationalen Koproduktionen hat er die unglaubliche Programmvielfalt, die Regisseure aus ganz Europa in Wien vereint, finanziell erträglich gemacht.
30 Prozent der Kosten müssen durch Eintrittskarten, Fernsehrechte und Sponsoren gedeckt werden.
Die Gastspiele, die auch andere europäische Städte erreichen, begründet Bachler so.
Es gibt jede Saison internationale Produktionen, wo wir das Gefühl haben, die muss diese Stadt sehen.
Das kann von Leuten sein, die neu da sind, die anfangen.
Das kann aber auch von Leuten sein, wie in dem Fall von Luc Bondi, der einfach einen so außergewöhnlichen Borgmann gemacht hat, dass das auf jeden Fall durch sich selber schon legitimiert ist, dass man sagt, das sollen die Wiener Theaterbesucher sehen.
Trotzdem bleibt aber, der Kern bleibt eine dramaturgische Idee, bleibt ein Gedanke und das, wenn Sie so wollen, das Festliche daran ist, dass man sagt, wir können aber das oder das auch noch dazu anbieten.
Steve Reichs ganz neuartige Form des Musiktheaters, der Cave, basierend auf Video-Interviews in Hebron, geführt mit Juden, palästinensischen Moslems und Amerikanern, in denen es um die Bibel, aber auch um die heutige Situation im Nahen Osten geht,
bildet heute den Auftakt im Messepalast.
Dort treten morgen die New Yorker Wooster Group und der Filmstar Willem Dafoe auf, mit der Fish Story frei nach O'Neill's Emperor Jones.
Im Odeon gestaltet der russische Theatermagier Yuri Lubimov eine Dr. Chivago-Variation, zu der Alfred Schnittke die Musik schrieb.
Im Theatern der Wien zeigt morgen Giorgio Strehler sein Programm Concerto a quattro voci mit Andrea Jonassohn, Natascha Perry, Didier, Sondre und Strehler selbst als Sprechern.
Wir lesen unsere wichtigen Dichte, also wie Herzerlin,
bis Vittorigo, Vittorigo, Manzoni, Leopardi und Foscolo und Kiez und jetzt Bayern und so weiter.
Das Publikum kann verstehen, wie schön ist unsere Europa, wie große Dichte hat unsere Europa, wie schöne Sprache man spricht in Europa, auch wenn wir verstehen nicht alles, weil wir sind, jeden von uns hat seine Sprache.
Die Gestalt der Alkestis dominiert neben Orpheus, Phaedra, Antigone, Helena und dem Perser König Xerxes die Festival-Idee von der Neuentdeckung der Antike für die Endzeit unseres Jahrhunderts.
Die Frau also, die sich für ihren Mann opfert, der nicht sterben will und ohne sie doch nicht leben kann.
Achim Freier hat sich Glucks Oper genähert, Premiere am 27.
Mai im Theater an der Wien, Frank Kastorf, das Regie-Enfant Terrible aus Berlin, dem Drama des Euripides.
Achim Freier bestreitet auch noch zwei andere wesentliche Programmpunkte, die eines gemeinsam haben.
Dieser Gedanke von Liebe, die große Utopie, der wir immer nachjagen, die wir manchmal erwischen.
die wir immer wieder verlieren, aber doch der Motor unseres Lebens ist der einzige große.
Und das ist die Idee der Oper.
Und nach dieser Vorschau auf die Wiener Festwochen und einigen Highlights nun eine Zusammenfassung der wichtigsten Meldungen.
Frankreich.
Durch den Einsatz einer Polizeispezialeinheit ist die Geiselaffäre von Nuyi heute früh beendet worden.
Der Geiselnehmer wurde durch Kopfschüsse getötet, alle in seiner Gewalt befindlichen Geiseln konnten unverletzt befreit werden.
Der 42-jährige Verbrecher hatte zuletzt noch sechs Kleinkinder und eine Erzieherin in seiner Gewalt gehabt.
Der Mann hatte den Kindergarten in Neuilly bei Paris am Donnerstag überfallen und für die Freilassung der Geißeln umgerechnet 200 Millionen Schilling verlangt.
Am Gürtel des Erschossenen war ein Kilogramm Sprengstoff befestigt.
Ein Psychiater sprach von einem pathologischen Fall.
Italien.
Über die Hintergründe der gestrigen Bombenexplosion in einem Vorort von Rom gibt es noch keine genauen Aufschlüsse.
Die Polizei vermutet, dass die Mafia eine Art Warnung geben wollte.
Im Kampf gegen die Mafia sind in jüngster Zeit große Erfolge erzielt worden.
Der Bombenanschlag könnte dem populären Fernsehmoderator Maurizio Costanzo gegolten haben.
Er ist für sein Engagement gegen die Mafia bekannt.
Costanzo hatte mit seinem Wagen den Ort des Geschehens unmittelbar vor der Explosion passiert.
Insgesamt wurden 21 Menschen durch die Explosion der Autobombe verletzt, die meisten davon leicht.
Der Sachschaden ist beträchtlich.
Österreich.
FPÖ-Bundesparteiobmann Haider bleibt in der Bundespolitik.
In einem Interview im Mittagsjournal dementierte Haider Gerüchte über seinen bevorstehenden Wechsel in die Kärntner Landespolitik als Latrinengerücht.
Unabhängig von der Entwicklung in Kärnten sei sein Platz in der Bundespolitik, versicherte Haider.
Das Wetter.
Heute Nachmittag bilden sich einige Regenschauer und Gewitter, vor allem im Bergland sowie in Oberösterreich.
Am längsten bleibt es im Ostensonnig.
Die Temperaturen reichen 17 bis 24 Grad.
Das wär's wieder mal gewesen aus dem Journalstudio.
Bis morgen 17 Uhr verabschiedet sich Herbert Doprowolny.
Einblendung: Charles Pasqua, Nicolas Sarkozy. Der in Algerien geborene Franzose Eric Schmidt, der Geiselnehmer, wurde bei der Erstürmung des Kindergartens erschossen, die Kinder und die Erzieherinnen konnten befreit werden.
Mitwirkende:
Woller, Hans [Gestaltung]
, Pasqua, Charles [Interviewte/r]
, Sarkozy, Nicolas [Interviewte/r]
Datum:
1993.05.15 [Sendedatum]
Schlagworte:
Gesellschaft
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Straftaten
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Sicherheit
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Straftaten
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Kinder und Jugend
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Radiosendung-Mitschnitt
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20. Jahrhundert - 90er Jahre
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Frankreich
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audio
Inhalt:
Nachrichten
Einblendung: Farkas, Waldbrunn, Wiener, Kraner. Hugo Wiener verstarb 90-jährig in Wien, während der Nazizeit mußte Wiener nach Kolumbien emigirieren. Wiener prägte jahrzehntelang die Chansons- und Kabarettszene Österreichs.
Mitwirkende:
Baur, Karin [Gestaltung]
, Farkas, Karl [Interviewte/r]
, Waldbrunn, Ernst [Interviewte/r]
, Wiener, Hugo [Interviewte/r]
, Kraner, Cissy [Interviewte/r]
Datum:
1993.05.15 [Sendedatum]
Schlagworte:
Musik ; E-Musik
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Tod
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Porträt
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Faschismus und Nationalsozialismus
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Radiosendung-Mitschnitt
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20. Jahrhundert - 90er Jahre
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Inhalt:
Nachrichten