Kabale und Liebe

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Ein Skandalstück wie bei der Uraufführung im Jahre 1784 ist Schillers Jugenddrama im doppelten Sinn schon sehr lange nicht mehr. Auch die Gesellschaftskritik funktioniert heute nicht mehr so einfach. Dennoch birgt „Kabale und Liebe“ immer noch verborgenen Sprengstoff. Anders als andere große Liebestragödien, etwa „Romeo und Julia“, macht dieses Drama nicht traurig, sondern wütend.
Vielleicht liegt es daran, dass Luises und Ferdinands Tod bar jeder Romantik ist, bar jeder Versöhnlichkeit, bar jeden Sinns sogar; die Gesellschaft, die ihn verursacht hat, wird er nicht ändern. Die beiden sind und bleiben nichts als zwei Opfer mehr; dem letzten Eifersuchtsmord im Lokalteil sind sie näher als den großen Liebenden der Mythen.
Vielleicht liegt es aber auch daran: „Kabale und Liebe“ ist nicht nur, wie der Titel behauptet, ein Stück um Liebe und Intrigen, es ist ein Stück über Macht, über den gnadenlosen Kampf um Macht. Der wird auf allen Ebenen ausgetragen: Neben der Macht der politisch Mächtigen steht im Privaten die Macht der Väter und im Intimen die Macht der Männer. Wo immer Macht in Frage gestellt wird oder scheint, wird sie – auch von den anscheinend Machtlosen – wütend verteidigt bis zur Zerstörung und Selbstzerstörung. Unter der überschaubaren Oberfläche – hie Machtstreben und Gewissenlosigkeit, dort Liebe, Anstand und Idealismus – mit ihren heißen Konflikten verbirgt sich in Schillers Tragödie eine vereiste Welt, in der Macht alle Beziehungen definiert.